Man möchte es nicht glauben, aber ich habe meine postnatale Facharbeitsdepression endlich überwunden – ein großes Entschuldigung an euch, die ihr so lange warten musstet.
zissy
Ich hätt hier noch Mandeln in dunkler Schokolade… auch wenn das kein Weihnachtsgebäck mehr ist, sondern vom Osterhasen kommt XD
Reinadoreen
Ron, der Hellseher… Naja, und Harrys Probleme mit Draco – die haben noch nicht wirklich angefangen… bis jetzt
6. Der Welleneffekt
Am ersten Hogsmeade-Wochenende des Semesters machte sich Harry auf zu Willow and Wombly´s und kaufte eine günstige Kamera. Es fiel ihm schwer, sie anzusehen ohne an den armen Colin zu denken, einen siebzehnjährigen Kriegsberichterstatter, der bis zu dem Augenblick, in dem ihn der tödlicher Fluch traf, unermüdlich Schnappschüsse für den Propheten ergattert hatte.
Harry schüttelte die unangenehmen Erinnerungen ab und schloss zu Hermine und Penelope im Drei Besenstiele auf. „ Bitte lächeln", sagte er.
Er fotografierte Oliver und Charlie, wie sie ein Mann-gegen-Mann-Match auf dem Quidditchfeld flogen, Remus und Michelle, wie sie „Hunde und Schakale" am Lehrertisch spielten, McGonagall, wie sie traurig die zugemauerten Fenster des Lehrerzimmers betrachtete. Seine Schüler aus der sechsten Stufe, wie sie stolz Federkiele hochhielten, die sie in Gänseblümchen verwandelt hatten. Ron, wie er mit einem Stemmeisen in der Hand und seinem Zauberstab hinter dem Ohr von einer zu Hälfte neu errichteten Wand aufsah. Malfoy, wie er Trauben von Hermines Teller stahl.
Hey Kat, schrieb er. Das ist Hogwarts, nur ein bisschen kleiner als in meiner Erinnerung, und mit etwas mehr Schutt. Es läuft hier alles –
Er radierte „gut" aus und kaute eine Weile an seinem Federkiel, bevor er weiterschrieb.
-- nicht ganz so reibungslos wie ich es mir vorgestellt hatte, um ehrlich zu sein.
Schon als er die Situation schilderte – die Minen, die unglücklich halbgebildeten Schüler, den blutige Handabdruck vor dem Waschraum der Vertrauensschüler, der sich auch durch alles Schrubben in der Welt nicht entfernen lassen wollte – wusste er, dass keines seiner Worte wirklich echt klingen würde, wenn Kat sie am Swimmingpool in der strahlenden Morgensonne laut vorlas. Entweder war jenes Leben ein Traum oder dieses. Er seufzte.
Wie auch immer, ich schicke dir ein paar Bilder – du mir bitte auch. Grüß alle und streichel die Katzen von mir. Sag Sunday –
Aber er und Sunday hatten so ziemlich alles gesagt, was zu sagen gewesen war, als er Florida verlassen hatte, also bestand die beste Strategie vielleicht in würdevollem Schweigen, oder wenigstens darin, nicht wieder in ein Fettnäpfchen zu treten. Er radierte es aus und schrieb, Ich vermisse euch alle, aber ich denke, es war an der Zeit, nach Hause zu kommen.
Nach dem Abendessen verbrachte Harry schier endlose Minuten damit, im Ravenclaw-Gemeinschaftsraum auf Malfoy zu warten. Er war zu müde, um nach ihm zu suchen – sogar zu müde, um ernsthaft böse auf Malfoy zu werden, weil er nicht da war wo er sein sollte.
Schließlich gab er auf und stolperte benommen mit der ungefähren Absicht aus dem Ravenclaw-Flügel, ein Nickerchen zu machen und sich von Malfoy finden zu lassen, wenn er bereit zum Arbeiten war.
Die Tür des Lehrerzimmers war zu. Der Kopf der Snapestatue war leicht zur Seite geneigt und Malfoy saß auf dem Sockel, die Augen halb geschlossen.
„Und bei zweien von ihnen konnten wir das direkte Objekt nicht genau bestimmen, also haben wir gedacht, wir lassen sie besser in Ruhe", murmelte er. „Und dann waren da noch welche, bei denen sich der ganze Knoten gelöst und seine Form geändert hat, als ob er gemerkt hätte, dass du ihn ansiehst, kannst du dir das vorstellen? Oder sie haben so ausgesehen, wenn wir sie zum ersten Mal gesehen haben, und als wir wiedergekommen sind, um sie zu entzaubern, haben sie wie etwas ganz anderes ausgesehen." Er lehnte seinen Kopf gegen ein Steinknie und ließ dabei seine Augen ganz zufallen. „Manche sind auf Arabisch."
Auf eine seltsame Weise widerstrebte es Harry, ihn zu unterbrechen, aber nach einer Weile schien Malfoy zu spüren, dass er da war. „Ah, Potter", sagte er. „Zurück in die Salzminen, nicht wahr?" Er stand auf, taumelte ein wenig und hielt sich an Snapes ausgestreckter Hand fest. Er sah so müde aus wie Harry sich fühlte. „Dann wollen wir mal weiterrödeln." Er strich an Harry vorbei zum Ravenclaw-Flügel.
Harry sah zur Snapestatue. Sie zog eine Augenbraue hoch, sagte aber nichts.
Harry verharrte einen Moment lang, zog dann ebenfalls eine Augenbraue hoch und folgte Malfoy.
„Oh mein Gott. Schau dir das an."
„Was?" Harry setzte seine Brille wieder auf und sah zu Malfoy hinüber, der ein Bücherregal in einem der Ravenclaw-Jungenzimmer betrachtete.
„Schmerzen auf die Person, die sie auslöst."
„Du machst Witze. Du meinst, das ist eine, gegen die wir etwas tun können?"
Malfoy nickte. Sie entzauberten sie schnell und widmeten sich der nächsten Mine.
Harry lehnte sich gegen die Wand, während Malfoy das Pergament durchging. Er hielt seine Augen offen – er war so müde, dass er anfangen würde zu träumen, sobald er sie schloss – aber er verlor jedes Zeitgefühl. Nach einer Weile bemerkte er, dass Malfoy schrecklich still geworden war.
„Was ist es für eine?" Er besah sich den Spruch, auf den Malfoy wortlos deutete. „Herzversagen, richtig? Sowas hatten wir schon."
„Folg der ersten Kurve nach oben – das ist das direkte Objekt."
Harry fand die Kurve und folgte ihr, konnte sich aber keinen Reim darauf machen. Er wandte sich mit hochgezogenen Augenbrauen an Malfoy.
„Wenn du eine Einführung in Kalligromantik nimmst, ist das Erste, was du lernst, deinen eigenen Namen zu schreiben." Malfoy führte seinen Stab durch die Luft und zeichnete einen dichten, aufwändigen Knoten aus Schlaufen und Stacheln. „Malfoy... Draco." Er war identisch mit dem Knoten, der die Kurve mit dem direkten Objekt abschloss.
Harry erstarrte. „Wenn wir Malik und Banks-Martin und den Rest auf diesen Raum losgelassen hätten, hätten sie dich umgebracht, wenn sie zum ersten Mal Hausaufgaben gemacht hätten."
Malfoy nickte. „Schade, dass es nicht Gryffindor war", sagt er. „Dann wäre ich außer Gefahr gewesen." Raschelnd rollte er das Pergament auf. „Brauchst du noch ein paar Minuten, um es zu bewundern, oder sollen wir weitermachen?"
Kats Antwort kam eines Morgens nach dem Frühstück an, während Harry, Hermine, Malfoy und Ron im Lehrerzimmer herumlungerten.
Har! Der Art und Weise nach, wie du alle Eulen von zu Hause ignoriert hast, hatte ich nicht damit gerechnet, dass wir von dir hören werden, bevor wir dir ein Zimmer im Charmed Acres Wizarding Ruhestandszentrum organisieren müssen.
Du hast dich also gut eingelebt? Klingt so als hätte jeder von euch alle Hände voll zu tun mit den Minen und so weiter. Wünschte, wir könnten helfen, aber niemand hier hat schon mal was von Kalligromantik gehört. Dr.Bokor sagt allerdings, dass du ein paar von seinen Gris-Gris benutzt, also kennen wir wenigstens ein oder zwei Dinge, von denen ihr Briten keine Ahnung habt.
Ich werde Mama und Papa fragen, ob sie noch etwas über alte Magie wissen, das hilfreich wäre, aber erwarte dir nicht zu viel davon. Soweit ich weiß, sind die einzigen Sprüche, die von der Huguenotseite überliefert sind, dazu gedacht, das Leben deiner Kinder zu einer einzigen Hölle zu machen, und mit den Überlieferungen von der Seminolenseite lässt sich nur Krempel herstellen, den man in einem Souvenirladen verkaufen könnte. Aber die Leier kennst du ja von mir.
Harry lächelte. Kat war unter anderem eine Historikerin und hatte angesichts des über Jahrhunderte ununterbrochen fortgeführten magischen Unterrichts in Europa verzückte Eifersuchtsanfälle bekommen.
Hatte letzte Woche eine Erkältung – es hat auf 15°C abgekühlt, und von den Zimmerpflanzen haben manche ein paar Blätter verloren. Und jemand hat behauptet, er hätte ein Plat-Eye im Wald gesehen, aber Dr. Bokor sagt, es war wahrscheinlich ein streunender Hund. Trotzdem tragen wir alle Päckchen mit Schwarzpulver und Schwefel mit uns herum, nur für den Fall der Fälle.
Tyndall sagt, Marisol kann kaum aus ihrem Sessel aufstehen, obwohl das Baby nicht vor Januar kommen soll, und sie versuchen immer noch Atzi zu erklären, warum sie es nicht Jasmine Arielle Belle nennen wollen. Tituba hat endlich ihre Jungen geworfen – zwei von ihnen sehen aus wie Mischief und zwei wie Jefferson und das Fünfte ähnelt nur sich selbst. Meine Katze kommt mehr herum als ich.
Danke für die Bilder. Schreib mir nächstes Mal auf die Rückseite wer wer ist. Ich habe Hermine von dem Bild an deiner Wand erkannt, als du hier warst – sag ihr, sie scheint mir eine verwandte Seele zu sein – aber wer ist der Miniatur-Apollo auf ihrer Sesselehne? Und steht er zum Export zur Verfügung?
Harry faltete den Brief schnell zusammen, bevor Malfoy ihm über die Schulter schauen und sich in einem Ego noch bestärkter fühlen konnte, als er es ohnehin schon tat. Er griff stattdessen nach den Bildern, und Hermine und Ron beugten sich über seine Schultern.
Da war Tyndall, wie er Gitarre spielte, während seine kleine Tochter Atzi in ihrem Rüschenkleid tanzte. Dr. Bokor, wie er sich im gewohnten Liegestuhl am Pool ausstreckte, nur mit einer Cargohose und einem roten Flanellbeutel, der an einer Schnur um seinen Hals hing, bekleidet. Kat und Purity, wie sie am Buffet für das Continental Breakfast in der Hotellobby einen Trank brauten. Die Junior/Senior-Klasse, alle sechzehn, knöcheltief im Atlantischen Ozean.
„Oh mein Gott." Sie wandten sich alle Malfoy zu, der das nächste Bild aus dem Stapel gezogen hatte. „Oh. Mein. Gott. Ich war ungerecht zu Amerika, wenn es so etwas wie ihn hervorbringen kann." Er gab Hermine das Foto.
„Er sieht umwerfend aus", sagte sie. „Diese Haare."
Bis zu diesem Augenblick hatte Harry gehofft, es handle sich um einen weiteren Schnappschuss von Tyndall oder Puritys Freund aus Boston, oder irgendeinem Studenten, der Kats Aufmerksamkeit erregt hatte, aber als Hermine „Haare" sagte, sank ihm das Herz in die Hose.
„Also", sagte Ron, ihr über die Schulter linsend. „Wer ist er?"
Was soll's. "Sunday Coneskey", sagte er.
„Harry!" Hermine funkelte ihn an. „Du hast uns angelogen!"
„Nicht wirklich", sagte Harry, und das entsprach der Wahrheit. Sehr vorsichtig mit Personalpronomen zu sein war nicht das gleiche wie zu lügen.
Ron warf ihm einen Blick zu, der ihm verriet, dass er dieses Argument ganz genau durchschaut hatte und es ziemlich amüsant fand. Und Malfoy-
„Deine Aufrichtigkeit lässt offensichtlich zu wünschen übrig, Potter", sagte er, „aber deinen Geschmack kann ich nur bewundern." Er legte das Foto auf den Tisch und Harry bekam es zum ersten Mal zu sehen. „Obwohl er kein besonders freundlicher Zeitgenosse ist, dein Sunday." Während auf den anderen Fotos gewunken und gegrinst wurde, stand Sunday einfach nur da; seine ziemlich eindrucksvollen Arme über seiner ziemlich eindrucksvollen Brust verschränkt. Schwarzglänzendes Haar fiel ihm beinahe bis auf die Taille und er nickte mit dem Anflug eines Lächelns.
„Schau, das ist die andere Sache", sagte Harry zu Hermine. „Es war nicht... es war nur..." Er fing noch einmal von vorn an. „Sein Großvater ist Lass-uns-aufhören Coneskey, der oberste Zauberer des ganzen östlichen Cherokeegürtels, er hatte also nicht vor, einen Hausstand mit einem kleinen englischen Zauberer zu gründen. Er wollte eine günstigere Partie." Er hatte ein kleines Deja-Vu; genau dieses Gespräch hatte er mit Sunday selbst geführt, bevor er Florida verlassen hatte.
„Ah, eine dynastische Heirat", sagte Malfoy. „Ich glaube, ich sollte dem Krieg dankbar sein, dass er mich davor bewahrt hat."
Harry blinzelte ihn an. „Aber du bist... man hätte von dir erwartet, dass du heiratest?"
Malfoy grinste zynisch. „Du bist durch und durch Mittelklasse, nicht wahr, Potter? So verdreht ich auch sein mag, ich hatte die Pflicht, die Malfoy-Linie fortzuführen."
Harry spielte mit dem Bilderstapel und etwas fiel aus dem Bündel: ein kleiner Kiefernadelkorb von der Größe seines Daumens. Sunday webte sie nebenbei, ohne auch nur hinzusehen. Harry schob ihn zurück unter die Fotos. „Also... wer?", sagte er zu Malfoy. „Pansy Parkinson?"
„So eine widerlich durchschnittliche Familie? Ihr Großvater war ein Buchhalter." Er ahmte den Tonfall seines Vaters nicht schlecht nach. „Nein, wenn die Zaubererwelt sich nicht so in zwei Hälften gespalten hätte, wie sie es getan hat, hätte mein Vater wahrscheinlich eine Verbindung mit Susan Bones gefördert. Macy Prewitt wäre auch eine Option gewesen, nehme ich an."
„Deine Schülerin?" Hermine klang empört.
„Hör auf wie ein Muggel zu denken, Mine. Wenn sie hundert ist, werde ich erst einhundertundsechs sein." Malfoy grinste noch süffisanter als sonst. „Aber wie die Dinge lagen, hätten sich meine Wahlmöglichkeiten auf die Todesserseite beschränkt – Marguerite Rosier vielleicht, oder meine Cousine Amaryllis, dieses pferdegesichtiges Kind, das sie nun mal ist. Oder eines der Snape-Mädchen." Er lächelte über Harrys überraschten Blick. „Seine Cousinen zweiten Grades, er hatte drei. Leider haben die Jüngeren ihren Verstand von der DeLapin-Seite geerbt. Ich mochte Fausta eigentlich trotzdem ganz gern. Und ihre Blutlinie ist selbstverständlich ausgezeichnet. Mächtig bis in die Wurzeln ihres Stammbaums, die Snapes."
„Wie schade für sie", sagte Harry, „dass dein Vater nicht hier ist und dafür sorgen kann, dass du ihr ihren verdienten Anteil an den Malfoygenen verabreichst."
Ron wieherte, aber Malfoy lächelte nur. „Ja, ich bin mir sicher, dass sie sehr enttäuscht ist, vor allem da ich jetzt das Familienoberhaupt und somit eine doppelt gute Partie bin." Er strich mit dem Daumen und dem Zeigefinger seiner langfingrigen Hand seine Haare zurück, und verkörperte dabei von Kopf bis Fuß den Inbegriff eines jungen Zauberersprösslings aus uralter Familie – lustig, wie die Gesten und das träge Selbstvertrauen sich glichen, unabhängig von der Kultur.
Harry sah zur Seite. Der Versuch, diesen eingebildeten Bastard nicht zu wollen, brachte größere Schwierigkeiten mit sich, als er wert war.
„Da wir heute beide einen Nachmittag frei haben, sollten wir am besten das Spielfeld auf Minen untersuchen", sagte Malfoy eines Tages beim Mittagessen.
„Gute Idee, Draco", meinte Hermine. „Ich weiß, dass Oliver es gar nicht mehr erwarten kann, richtige Partien zu spielen, wo sich jetzt alles beruhigt hat."
„Ich halte das nicht für nötig", beschwerte Harry sich. Seine Hand- und Fußgelenke schmerzten und alles und jeder gingen ihm auf die Nerven. „Da draußen war absolut nichts, als wir zum ersten Mal gesucht haben. Das würde nur bedeuten, dass wir einen ganzen Nachmittag lang vor und zurückfliegen."
„Ja", bemerkte Malfoy spitz. „Ganz genau. Einen ganzen Nachmittag lang vor und zurückfliegen."
Oh. "Na, wenn es dich glücklich macht", gab Harry nach.
„Ich wäre außer mir vor Freude", sagte Malfoy.
Natürlich waren keine Minen da. Sie mussten langsam fliegen, um nicht die Kerzen auszublasen. Harrys Besenkünste hatten peinlichen Rost angesetzt, aber Malfoy hielt sich an das ferne Ende des Feldes, zu weit entfernt um abfällige Kommentare abzugeben. Malfoy flog immer noch so wie in Harrys Erinnerung – mit vollkommener Behaglichkeit, als ob die Luft ein Kissen wäre und sein Besen ein Teil seines Körpers. Harry wandte schnell die Augen von ihm ab, bevor Malfoy ihn dabei erwischte, wie er ihn beobachtete.
In dieser Nacht blieb beim Abendessen ein weiterer Platz am Lehrertisch leer. „Ursa Polaris ist an diesem Nachmittag von noch einer Krampfanfall-Mine getroffen worden", erklärte Penelope.
„Dann müssen wir schneller arbeiten", sagte Harry. Malfoys Mund verengte sich zu einem Strich, aber er nickte.
„Schmerzen, Schmerzen, Feuer, Alpträume", sagte Malfoy und zeigte dabei auf den jeweiligen leuchtenden Knoten. „Zahnverlust, mehr Schmerzen. Oh, hier haben wir was neues – Paranoia und Wahnvorstellungen, direkter-Objekt-Satz auf den Chef der Auroren – warte kurz, ich muss ihn für Mines Register aufzeichnen, bevor wir ihn auslöschen."
Harry fand die Art, mit der Malfoy die einfallsreicheren Minen zu bewundern schien, nach wie vor abstoßend, aber er entzauberte die Kerze, um sie nicht zu verschwenden, während Malfoy die neue Mine protokollierte.
Sarah McDuff und Medea Martin, ältere Schülerinnen, die fast jeden Morgen eine freie Studierzeit hatten, beobachteten sie neugierig von einem sicheren Platz im Korridor aus, als Harry die Kerze wieder entzündete und sie beide den Raum entzauberten und zum nächsten gingen. Der Hufflepuff-Schlafsaal war nahezu verlassen, als sie sich durch die Schlafzimmer arbeiteten, aber Harry wurde das unangenehme Gefühl nicht los, dass er beobachtet wurde. Er rieb sich den Nacken.
„Steif, Potter? Vielleicht solltest du an Phoenix´ Yogastunden teilnehmen."
„Ich werde sofort machen, dass ich hier wegkomme, und mich einschreiben." Es war kalt hier drinnen, und feucht außerdem. Harry schlug den Kragen seiner Robe hoch. Er würde froh sein, wenn sie mit dem Schlafsaal fertig waren und er sich etwas Wärmeres anziehen konnte.
Malfoy sah ihn mit der üblichen hochmütigen Belustigung an. „Siehst auch ein bisschen blass aus. Vielleicht ist ein Dementor über dein Grab gelaufen?"
„Halt die Klappe, Malfoy." Harry massierte seine Unterarme. „Lass uns einfach weitermachen."
„Ein guter Anfang, Mr. Chun." Harry ließ Chuns Schildkröte hoch genug schweben, dass die Klasse seine Fortschritte, sie ihn eine Wechselgeldbörse zu verwandeln, sehen konnte. „Habt ihr bemerkt wie die Beine sich in den Körper zurückziehen und der Kopf silbrig wird? Der erste Schritt zu einer erfolgreichen Umwandlung..."
Er fühlte eine dunstige Kälte in seinem Nacken und erschauderte. Einen Moment später erkannte er, dass die Klasse darauf wartete, dass er fortfuhr.
„Genau. Wie gesagt, der erste Schritt ist, sorgfältig nach Ähnlichkeiten zu suchen zwischen dem, was man hat, und dem, was man haben möchte. Kann mir jemand sagen warum?" Harry ließ die Schildkröte zurück zu Chuns Tisch schweben.
„Das Gesetz der Erhaltung der Magie", sagte Jones.
„Sehr gut. Jeder von euch fängt noch mal ganz von vorn an." Er rieb sich den Nacken.
„Professor? Professor, Sie müssen…" Die ganze Klasse wandte sich der Stimme aus dem Kamin zu – Aoife Murphy, eine der Gryffindors, deren Sommersprossen aus ihrem blassen, erschrockenen Gesicht stachen. „Kommen Sie schnell mit mir, Professor, wir können nicht..."
Harry ließ seinen Blick schnell durch den Raum schweifen. Nathaniel Hobbs war der Älteste in der Klasse, und ein Hufflepuff; er wäre geeignet. „Mr. Hobbs? Sie sind für die Klasse verantwortlich, bis ich zurückkomme. Die heutige Hausaufgabe ist in meinem Buch." Er hatte gerade noch genug Zeit, um zu sehen, wie Hobbs ihm mit einer beinah komischen Ernsthaftigkeit zunickte, bevor er Murphy durch das Flohnetzwerk folgte.
„Wir haben nichts gemacht, Ich schwöre, es ist einfach hochgegangen, wir sind nur dagesessen…" Sie taumelten beide aus dem Kamin in das Schlafzimmer der Erstklässlerinnen im Gryffindorturm. Ein strenger Rauchgeruch hing in der Luft, genau wie eine dunkle Vorahnung.
In der Ecke züngelten aus einem offenen Wandschränkchen grüne Flammen. Rose Duncan lag auf dem Boden, Krämpfe schüttelten ihre dürren Arme und Beine. Tränen hatten rosarote Spuren in der Asche auf ihren Wangen hinterlassen. Harry versteinerte sie schnell, bevor sie ihre Zunge verschlucken konnte, dann wandte er sich den Flammen zu.
Harry hob seinen Stab und musste feststellen, dass er überall hin zeigte außer auf das Wandschränkchen, das ihn abstieß wie ein Magnet. „Macht nichts", sagte er. „Stellen Sie sich hinter mich, Miss Murphy."
Er zielte auf einen der Bettpfosten, konzentrierte sich darauf und sprach einen Erstickungszauber. Das Feuer erlosch.
Aoife begann so schnell auf Harry einzureden, dass er kaum jedes dritte Wort verstand, und nach und nach kamen andere Schüler zur Tür, angezogen vom Lärm. „Seid still", wies Harry sie an. „Miss Murphy, Ich möchte, dass Sie Miss Duncan in den Krankenflügel bringen, ja? Sofia kann ihr helfen. Und wenn Sie Professor Granger oder die Schulleiterin sehen, bitten Sie sie, mich hier zu treffen, wenn Sie so freundlich wären."
Es dauerte nur einen Augenblick bis Hermine eintrat, nicht nur McGonagall, sondern auch Ron und Malfoy im Schlepptau. Wenigstens musste er die Geschichte nur einmal erzählen. Ron ging sofort zu dem Wandschränkchen und begann, Reparaturzauber zu murmeln. Die anderen drängten sich um Harry, als er erklärte.
„Die kleine Murphy hat was von Zauberstäben gebrabbelt?", sagte Malfoy.
„Da war so etwas wie ein abstoßender Effekt." Harry winkte mit seinem Stab Richtung Schränkchen; jetzt hatte er keine Schwierigkeiten damit. „Sieht so aus, als wäre es vorübergehend gewesen."
„Wie konnten Sie das Feuer ohne Ihren Stab löschen?", fragte McGonagall.
„Ich, ähm, habe den Bettpfosten benutzt." Harry war sich nicht sicher, ob das missbilligt wurde oder nicht.
McGonagall schüttelte reumütig ihren Kopf. „Severus hat immer gesagt, wir würden uns zu sehr auf unsere Zauberstäbe verlassen, aber Albus war der Meinung, dass sie ein nützliches Arbeitsgerät für Anfänger sind. Ich glaube, das beweist, dass Severus letztendlich Recht hatte." Sie betrachtete den Rauch, der aus dem Schränkchen aufstieg. „Ich dachte, Sie und Draco hätten den Gryffindorturm schon entzaubert."
„Natürlich haben wir das", sagte Malfoy. „Obwohl ich mir vorstellen kann, dass Potter möglicherweise eine übersehen hat."
„Halt den Mund, Malfoy", entgegnete Harry. „Wartet – ich glaube, ich habe eine Kerze in einer meiner Taschen."
Als sie die Kerze anzündete, erstrahlte der Raum in einem leuchtenden Gelb.
„Ich verstehe das überhaupt nicht!", jammerte Hermine. „Wie sollen wir jemals gegen sie ankommen, wenn sie einfach zurückkommen?"
Malfoy schüttelte den Kopf. „Ich glaube nicht, dass sie zurückkommen", sagte er. „Potter, war dieser Tisch vermint, als wir dieses Zimmer entzaubert haben?"
„Ich kann mich nicht erinnern, dass irgendeiner der Tische vermint war", sagte er.
„Ich auch nicht", sagte Malfoy. „Und schaut mal da drüben – das ist einer der Sätze mit direktem Objekt. Ich weiß, dass es davon keine in Gryffindor gegeben hat, weil ich noch nie einen gesehen hatte, bis Mine an diesem einen Tag einen gezeichnet hat."
Hermine ließ sich auf eines der Betten fallen. „Wartet", sagte sie. „Wartet, wartet", und sie zog ein Bündel Pergamente aus ihrer Tasche und begann, sie durchzublättern. „Ich weiß, dass es da war – nur einen Moment – ah." Sie breitete ein Blatt auf dem Bett aus und die anderen versammelten sich darum, um es anzusehen.
Es war ein weiterer komplizierter Knoten. „Das ist der, den Oliver und Penelope gefunden haben", sagte sie. „Draco, wie würdest du ihn deuten?"
„Schmerzen", sagte er und setzte sich neben sie. „Brechreiz. Feuer, direktes Objekt Büro der Schulleiterin – oh, das ist ein boshafter. Und..." Er sah stirnrunzelnd zu Hermine auf. „Da ist auch ein direktes Objekt für die Hütte des Wildhüters, aber den Knoten selber kann ich nicht lesen."
„Textum disiungo", sagte Hermine und tippte mit ihrem Stab auf das Pergament. Der Knoten schien sich zu entwirren, wurde größer und dehnte sich aus. „Ihr zwei erinnert euch vielleicht an diesen Zauber – er funktioniert auch mit den Minen selbst."
Malfoy Kopf beugte sich wieder über das Pergament und er strich sich seine Haare hinter ein Ohr, während er mit der andern Hand einen der Knoten auf dem Pergament nachzog. „Das ist ein Explosionszauber." Es war einer von einem Dutzend Knoten, die jeder in drei langen, kompliziert ineinander verwobenen Fäden von der Hauptverflechtung herabzuhängen schienen.
Malfoy verfolgte die drei Fäden nach oben bis zu ihrer ersten Kreuzung. „Das ist – oh, es ist schon Jahre her, dass ich mich mit Kalligromantik beschäftigt habe – das ist – Oh." Er setzte sich plötzlich auf. „Oh. Oh, das ist diabolisch", sagte er in einem bewundernden Tonfall.
„Was?", sagte McGonagall. Sie klang so ungeduldig wie Harry sich fühlte.
„Das bedeutet verstecken´", klärte Malfoy sie auf. Angesichts ihrer verständnislosen Blicke begann er jeden Knoten mit schnellen, ungeduldigen Bewegungen nachzuziehen. „Explosionszauber – direktes Objekt, Hütte des Wildhüters – Modifikator, Vordertür – Verb, verstecken. Brechreizzauber – direktes Objekt, Hütte des Wildhüters – Modifikator, Bett – Verb, verstecken. Feuerzauber..."
Harry blinzelte, als es ihm plötzlich klar wurde. „Dieser Zauber richtet neue Minen an anderen Plätzen ein?", sagte er.
„Genau!", strahlte Hermine.
„Na dann, Potter", sagte Malfoy. „Scheint so, als hätten wir eine Langzeitbeziehung."
„Großartig", sagte Harry und rieb sich mit seinen Fingerknöcheln die Augen.
„Selbstverständlich macht es das noch dringender, so viele Minen wie möglich zu entfernen, besonders solche, die vielleicht andere Minen auslösen", sagte McGonagall.
Malfoy nickte. „Am besten wir holen die Zauberkunstschüler der Stufe 7 als Hilfe dazu."
Harry starrte ihn an. „Bist du verrückt? Wir können hier keine Kinder mit reinziehen. Schlimm genug, dass sie das alles so direkt miterleben müssen. Verdienen sie es nicht, sich nicht die ganze Zeit Sorgen machen zu müssen?"
Aber Ron überraschte ihn, indem er von dem geborstenen Wandschränkchen aufsah und den Kopf schüttelte. „Ich schätze, sie müssen lernen, was das für Schwierigkeiten sind und wie man sie behebt", sagte er. „Tut mir Leid, Harry, aber du solltest wissen, dass man vor Kindern nichts geheim halten kann."
„Die Wahrheit ist immer weniger besorgniserregend als das, was sie sich ausmalen", stimmte Hermine zu und strahlte Ron an.
Rose Duncan lag unter einen Consopiumzauber neben Charlotte Rolfe, als Harry auf der Krankenstation ankam. Aoife Murphy saß aufrecht auf der anderen Seite des Raumes, während ihr Sofia etwas Grünes aufs Gesicht tupfte. Die meisten ihrer Verbrennung waren ersten Grades, aber ein paar Tropfen der überhitzten Flüssigkeit hatten sie genau über ihrer linken Augenbraue getroffen und eine schmerzhafte Wunde voller Blasen hinterlassen.
„Ich ´abe nur handelsübliche Medikamente", sagte Sofia und drehte ein Salbentöpfchen, so dass Harry das Etikett lesen konnte: Salamandros Bester Küchenlöscher, für Verbrennungen im Haushalt. „Madeleine ´at versucht, einen Extinguementtrank herzustellen, aber man braucht dazu Seetangblätter, und sie konnte keinen Lieferanten dafür finden."
„Professor Snape hatte eine ganze große Holzkiste voll getrockneter Seetangblätter", sagte Hermine.
Ron verzog das Gesicht. „Erinner mich nicht dran." Seetang war die Hauptzutat in der unglückseligen Unterrichtsstunde über Unsichtbarkeitstränke im sechsten Jahr gewesen, nach der Ron eine Woche lang sein rechtes Bein nicht sehen konnte.
„Diese Kiste ist wahrscheinlich immer noch in dem zweiten Vorratsschrank, genau da, wo sie war, als wir sie benutzt haben", sagte Harry.
„Zusammen mit Dutzenden anderer seltener Zutaten, und allen von Severus´ Büchern und Aufzeichnungen", seufzte McGonagall. „Und sie könnten genauso gut in Island sein, ihr Nutzen wäre nicht geringer."
„Vielleicht", sagte Harry, "wenn Malfoy und ich…"
„Wag es ja nicht", sagte Hermine. „Weißt du, wie gefährlich es da unten ist? Niemand konnte sich diesem Ort nähern seit die Schule zurückerobert worden ist."
„Naja, ich erinnere mich, dass du erzählt hast, dass Professor Aerie einen Brechfluch abbekommen hat", sagte Harry. „Ich weiß nicht wie das mit Malfoy ist, aber ich wäre bereit zu..."
„Harry." McGonagall sah ihn sehr streng an. „Durch diesen Brechfluch musste Maddie fast den ganzen Frühling lang wegen ihrer Dehydrierung behandelt werden. Und die nächste Person, die sich in die Verliese gewagt hat, war Argus Filch. Ich weiß, dass du helfen willst, aber wir können das einfach nicht riskieren, bevor wir nicht mehr wissen."
Ganz gleich wie er die Laken zurechtzog, er wollte nicht warm genug werden, um schlafen zu können. Es musste ziehen. Harry setzte sich auf und zog seine Bettvorhänge in der Mitte enger zusammen, aber dadurch entstand eine Lücke an den Ecken. Als er die Ecken zusammenzog, öffnete sich die Lücke in der Mitte wieder. Seufzend stand er auf und zog sich sein Weeki Wachee Sweatshirt über seinen Schlafanzug. Nachdem er einige weitere Minuten zitternd dagelegen hatte, setzt er sich wieder auf, fühlte sich äußerst dämlich, und zog sich die Kapuze über seinen Kopf.
Das war besser. So würde es gehen. Alles, was er jetzt zu tun hatte, war still zu liegen und sich auf keinen Fall zu bewegen, und irgendwann würden seine Füße warm werden und seine Muskeln würden aufhören zu zucken und er würde schlafen können.
Er hatte jeden Zentimeter des Raumes abgesucht. Es beobachtete ihn wirklich nichts.
Er atmete vorsichtig, langsam, ein und aus. Ein. Aus. Nimm´s nicht so schwer, Har, nimm´s nicht so schwer.
Und er würde es nicht schwer nehmen, er wusste genau, wie man es machte, aber aus irgendeinem Grund funktionierte sein Stab nicht. Er war an Ort und Stelle wie festgeklemmt und er konnte ihn nicht bewegen, und eine Macht wanderte durch ihn hindurch, ließ ihn leicht vibrieren, bis die Muskeln in seiner Hand und seinem Unterarm vor Anstrengung schmerzten. Aber es wäre so einfach. Er könnte Voldemort mit vier Silben töten. Hermine sagte es, sie sagte es genau jetzt in sein Ohr, wenn er nur seinen Stab bewegen könnte, würde er es tun und es würde vorbei sein und sie könnten sich alle ausruhen.
Und seine rechte Hand wollte sich immer noch nicht bewegen, aber in seiner linken Hand war ein Bettpfosten, er konnte ihn benutzen, er konnte seine Macht durch ihn konzentrieren... und dann tat er es, und er hörte seinen eigene Stimme „Exadigo" sagen, und er fühlte, wie die Macht des Fluches aus ihm herausschoss und sein Ziel sauber traf. Ein Körper taumelte vor seinen Füßen zu Boden, und plötzlich beruhigte sich sein Stab und er konnte seine rechte Hand senken.
Er kniete sich hin und drehte den Körper herum.
Albus Dumbledores bebrilltes Gesicht lächelte zu ihm hoch.
Harry musterte missmutig das Frühstücksangebot vor ihm, doch alles ließ ihm leicht übel werden. Er kniff sich in den Hinterkopf, als ob er die Quelle seiner Kopfschmerzen abklemmen könnte. Das Einzige, auf dass er sich heute freuen durfte, war, die Arbeit, die sie schon im Gryffindorturm erledigt hatten, noch einmal zu machen, und wenn sie damit fertig waren, würden sie wahrscheinlich feststellen, dass die andern Schlafsäle auch neu vermint worden waren.
Stunden mühseliger, entmutigender Arbeit, angepackt nach einer kurzen Nacht mit einem sehr ruhelosen Schlaf, mit einem seltsamen Schmerz in seinen Knien und Handgelenken und Kopfschmerzen, die den ganzen Tag zu bleiben versprachen – in guter Gesellschaft wäre das schon schlimm genug gewesen. Aber um seinen Tag perfekt zu machen, musste er all das mit Malfoy machen.
Er verzog das Gesicht, würgte ein paar weitere Schlucke Kaffee hinunter, schob zwei Orangen in die Tasche seiner Robe und machte sich leicht hinkend auf dem Weg aus der Halle.
Malfoy kauerte am Sockel der Snapestatue. „Steh auf", sagte Harry. Die Statue warf ihm einen stechenden Blick zu, aber er kümmerte sich nicht darum. „Wir haben Arbeit vor uns."
Malfoy stand auf und bog den Rücken durch, die Hände auf den Hüften. Er sah irgendwie anmutig aus und das sogar, obwohl Harry seine Wirbel knacken hören konnte. Dunkle Ringe stachen eindringlich aus seinem bleichen Gesicht. „Schon gut", sagte er, „keine Ruhe für das Böse."
Dieses Mal stimmte Harrys altes Zimmer ihn weniger nostalgisch, stattdessen fühlte er sich verfolgt. Es kam ihm vor wie ein Alptraum, in den er zurückkehren und bis in alle Ewigkeit immer die gleichen Aufgaben erledigen musste.
Er übertrieb mit dem Zauber für die erste Kerze und zerschmolz sie zu einer Wachspfütze.
„Scheiße."
Malfoy lächelte ihn spöttisch an und entzündete die zweite Kerze mit angeberischem Fingerspitzengefühl.
Die ersten vier Zauber, die sie fanden, waren fremdartig genug, um sie absichern und in Ruhe lassen zu müssen. Im Kerzenlicht sahen die Absicherungen wie rosa-gelbliche Blasen aus. Harry schloss die Augen und sah das ganze Schloss unter einer Blase vor sich, zum Stillstand verzaubert, bis jemand auftauchte, der Ahnung hatte. Vielleicht würde König Arthus zurückkehren und sich darum kümmern.
„Potter. Potter."
Harry öffnete seine Augen. „Bin nicht eingeschlafen", nuschelte er. „Was hast du gefunden?"
„Dachte, du möchtest vielleicht sehen, wie dein Name in der Kalligramantik aussieht." Malfoy deutete auf einen Knoten, der über einem vertraut aussehenden Zauber baumelte. „Wenn Osborne und Jones bis dahin gekommen wären, hätte dein Herz ausgesetzt."
Es sah ungefähr so aus wie ein komplizierter Stern mit fünf Spitzen. „Hübsch", sagte Harry. „Können wir ihn lösen oder verlässt dich wieder dein Mut? Oder vielleicht möchtest du ihn ja dort lassen." Seine Stimme war nicht so kräftig wie sie sollte. Wirklich sauer zu werden schien eine zu große Anstrengung zu sein.
„Wenn ich dich loswerden wollte, hätte ich es jetzt getan und müsste mir nicht dein Genörgel gefallen lassen", murrte Malfoy.
„Oh, und du bist hier so ein leuchtendes Beispiel von Reife", sagte Harry. „Besonders wenn man bedenkt, dass wer auch immer diese Zauber verbrochen hat, danach wahrscheinlich ins Hauptquartier zurückgekehrt ist, um was mit dir zu trinken."
„Hah. Zu der Zeit, zu der die Schule besetzt war, bin ich schon in Appletreeham verschimmelt. Jeden Tag nach Zahnpasta stinkend nach Hause gegangen. Aber es überrascht mich nicht, dass du nicht sonderlich scharf darauf warst, auf dem Laufenden zu bleiben, nachdem du aus dem Land geflohen bist und dem Rest von uns das Aufräumen überlassen hast."
Harry bleckte die Zähne. „Halt die Klappe, Malfoy", keifte er, „und mach deine Arbeit." Er richtete seinen Stab auf den glühenden Stern, der sein Name war, und wartete eine einzige Sekunde lang, dass Malfoy nachzog, bevor er den Auftrennungszauber murmelte.
Mit einem plötzlichen, grellen Aufleuchten sprangen überall im Zimmer neue Knoten auf. Harry war umringt von neuen Zaubern, die sich so eng um ihn ballten, dass er sich kaum bewegen konnte. Er hörte ein Zischen und sah zu Boden; ein Knoten hatte sich hinter ihm gebildet und er hatte ihn mit seinem unfreiwilligen Schritt rückwärts ausgelöst. Ein Knall kam aus der Richtung, in der die Küchen lagen.
„Scheiße!" Malfoy balancierte auf den Zehenspitzen. Gelbes Neon wirbelte überall um ihn herum. „Bei allen verdammten sich windenden Hydren, Potter, was zur Hölle hast du gemacht?" Sein Ellbogen berührte einen der Knoten und er knickte ein, drei oder vier andere auslösend. Eine Feuerwand flammte über der Türschwelle auf und blockierte den Ausgang, aber Malfoy sah nicht einmal auf, er kniete nur da und keuchte flach und wimmernd.
Harry legte schnell einen Schutzzauber auf die Kerze. Dann machte er einen Schritt auf Malfoy zu, doch ihn traf ein so scharfer und plötzlicher Schmerz, dass sein Atem stockte. Es fühlte sich schmutzig an, als ob etwas in seinem Inneren von giftiger Säure aufgefressen wurde. „Oh, Scheiße", flüsterte er.
„Kein… Crucio", sagte Malfoy mit schwacher Stimme.
„Ich weiß", raunte Harry. „Tut genau... ah, verdammt... so weh." Der Boden zu seinen Füßen war über und über mit Zaubern bedeckt. Er beugte seine Knie leicht und konzentrierte sich mit aller Kraft, die ihm geblieben war, darauf, aufrecht stehen zu bleiben.
„Pot´r", keuchte Malfoy, „müssen…"
Das Sprechen tat ihm offensichtlich weh. „... ja...", flüsterte Harry, um ihm das Fortfahren zu ersparen. „Weiß nicht... wo anfangen..." Die Flammen in der Tür waren magischen Ursprungs, aber inzwischen hatten die Vorhänge Feuer gefangen und der Raum wurde heiß von vollkommen gewöhnlichem Feuer, das sie beide auf eine vollkommen gewöhnliche Art und Weise umbringen würde, wenn sie sich nicht bald davonmachten. Er atmete sehr langsam ein und aus und versuchte nachzudenken. Ein leises Summen ins Ausatmen zu legen schien ein bisschen zu helfen, also tat er es.
„Was… singst du?" Selbst wenn seine Stimme beinahe versagte, schaffte Malfoy es noch, einen würdevoll empörten Ton anzuschlagen.
„Singe… nicht…" Aber er tat es – er summte Sundays Manitugesang mit seinem Atem. Und als Harry das bemerkte, bemerkte er auch, wie der Schmerz langsam abklang.
Malfoy richtet sich auf den Knien auf. „Die Zauber verglimmen", sagte er, und das taten sie – das Licht wurde schwächer.
„Was sollen wir…" Als Harry aufhörte zu singen, um zu sprechen, kam der Schmerz wieder.
„Sing weiter!", sagte Malfoy. „Hör nicht auf. Muss einen Moment nachdenken." Harry sang weiter, sang kräftiger, konzentriert – und zum ersten Mal fühlte es sich so an, als ob wirklich Magie in dem Gesang läge. Er konnte fühlen, wie ein kleines Kraftrinnsal in ihn sickerte und die Schmerzen schwächer wurden. Und überall um ihn herum verblassten die Lichter.
Malfoy hatte die Augen geschlossen. Auf seinem tränengestreiften Gesicht spiegelte sich angestrengte Konzentration. „Wenn der Gesang wirkt, vielleicht... Accingo", sagte er und die Zauber verblassten weiter. „Potter –diesmal mit mir zusammen."
„Accingo."
„Accingo."
Ein paar Knoten verloschen ganz und andere wurden trüber, obwohl sie Malfoy noch immer einengten. Die Luft war schwer vom Rauch.
„Entwirre uns jetzt…" Malfoys Worte gingen in einen Hustenanfall über. „Ent... du zuerst", keuchte er und richtete seinen Stab auf die wenigen Knoten, die um Harry verblieben waren. Ihre Zauber waren unter dem Knistern der Flammen kaum zu hören, doch die letzte Rune verschwand und Harry befreite sich mit einem erleichterten Seufzen.
„Runter jetzt… mach… Feuer aus", stieß Malfoy hervor.
„Erst machen wir dich los", sagte Harry. „Vielleicht müssen wir wegrennen." Er hatte das unbestimmte Gefühl, dass er nicht klar dachte, aber er war sich dennoch ziemlich sicher, dass das Entzaubern der Knoten um Malfoy oberste Priorität hatte.
"Runter, verdammt. Kälter. Mehr Sauerstoff." Malfoy klang ebenfalls nicht so, als ob er besonders klar dachte. Die Luft schmeckte nach Salz und Asche.
„Verdammt noch mal! Würde es dich umbringen, mir zu vertrauen?"
„Ich wäre nicht der erste, den es umbringt", sagte Malfoy ziemlich deutlich.
Harry warf sich gegen Malfoy, bevor er überhaupt wahrnehmen konnte, dass er sich bewegte, warf ihn von seinen Knien auf den Rücken. Seine Fausthiebe prasselten wahllos auf Malfoys Körper ein. „Wie… scheiße… kannst du es wagen...", grunzte er zusammenhanglos und verpasste Malfoy einen Kinnhaken, der seinen Kopf zurückschleuderte. Der Schlag schob Malfoy in eine Mine, und was für eine auch immer es war, sie ließ ihn das Gesicht vor Schmerz verziehen. Aber er schob sich mit überraschender Kraft zurück und rollte sie beide herum.
Ein schwaches Zischen ertönte, als Harry eine Mine auslöste, und gleißende Kopfschmerzen nahmen ihm die Sicht, aber er war so sehr damit beschäftigt, Malfoy ein Knie in die Leiste zu rammen, dass er den zusätzlichen Schmerz kaum spürte. Malfoy entkam Harrys Knie, das seine Hüfte streifte, und hielt seine Hände fest.
Harry wand seine linke Hand frei und holte aus, aber sie waren sich zu nahe, als dass irgendeine Kraft hinter dem Hieb gelegen hätte. Er packte eine Faust voll von Malfoys Haaren und zog seinen Kopf zurück. Malfoy quiekte auf und einige Haarsträhnen lösten sich in Harrys Hand.
Harry befreite seine andere Hand, bekam Malfoys Schultern zu fassen, rollte sie wieder herum, und schlug dabei Malfoys Kopf gegen den Boden. „Dich umbringen", stieß er hervor, zog Malfoy an den Schultern nach oben und schlug seinen Kopf wieder gegen den Boden, und noch einmal; schleuderte ihn in mehr Minen, aber es spielte keine Rolle, Harry kümmerte es nicht, wenn der ganze Raum in die Luft gehen sollte, solang es nur Malfoy mitriss...
Dann wurde ein Getöse laut und alles um ihn herum schwarz.
Plat-Eyes sind Monster afroamerikanischen Ursprungs, böse Geister mit feurigen Augen, die Reisende an einsamen Orten überfallen. Sie haben Angst vor Schwarzpulver, Schwefel und der Farbe Blau.
