Hier ein paar Drabble mehr, die Folge berührt mich jedes Mal auf eine besondere Art und das konnte ich auch beim Schreiben nicht verbergen :)

Nummer vier ist genau genommen kein Drabble, aber mir war nicht nach kürzen * g *

Viel Spaß und liebe Grüße

Lia


1x 12 Faith

~s~

Der Takt des Lebens

Der kleine Punkt auf dem Monitor neben deinem Bett stolperte aufgeregt, legte kurze Pausen ein, bevor er die verlorene Zeit in einem Sprint aufzuholen versuchte.

Seit Stunden konnte ich mich nicht davon losreißen, habe Angst, nur noch eine Linie zu finden, wenn ich den Blick auch nur eine Sekunde zu lange abwende.

Meine Augen brennen – vom Schlafmangel, rede ich mir ein, wissend, dass das eine Lüge ist.

Seit sie mir deinen leblosen Körper aus den Armen genommen haben, wurde das alles zu einem nicht endenden Alptraum.

Ich kann dich nicht gehen lassen, nicht jetzt, niemals!

„Bleib bei mir", nur ein Flüstern.

~s~


~s~

Einbahnstraße

Dean wusste, dass Sam da war, spürte seine Anwesenheit und dessen warme Hand über seiner. Der Kleine wurde sentimental, aber sie hatten auch allen Grund dazu.

Es hieß Einbahnstraße und es führte kein Weg zurück.

Dean spürte das Zittern in den Händen des anderen, wusste, dass er in diesem unbeobachten Moment seinen Gefühlen freien Lauf ließ. Er wollte Sam trösten, für ihn da sein, hatte aber kaum genug Kraft, seinen störrischen Brustkorb dazu zu bewegen, sich auf und ab zu senken.

Das Leben war scheiße, aber der Tod noch beschissener, schmerzhaft.

Ein unterdrücktes Schluchzen neben ihm und dann nichts mehr.

~s~


~s~

Code Blue

Beim ersten Mal setzte auch sein Herz aus, als das gleichmäßige Piepsen zu einem alarmierenden Pfeifen wurde.

Nulllinie.

Dean starb, hier und jetzt, direkt vor den Augen seines kleinen Bruders und sie hatten sich nicht einmal voneinander verabschieden können.

Sams Finger krallten sich an die leblose Hand.

„Dean?"

Nichts.

Nur Sekunden später waren zu viele Menschen in dem kleinen Raum, Leute, die ihn von Dean wegrissen und Befehle, die nüchtern erteilt wurden und noch nüchterner befolgt.

„Alles klar-… und zurück!"

Der erste Stromschlag brachte Bewegung in den sterbenden Körper – Bewegung, aber kein Leben, nur furchtbare, tödliche Stille.

‚NEIN!"

~s~


~s~

Geborgen

Ihm war kalt, so sehr, dass selbst die Knochen in seinem aufgebenden Körper zitterten – war es so, wenn man starb?

Deans Finger knibbelten nervös an dem Ärmel von Sams weicher Fließjacke. Der hatte sie sich vor ein paar Stunden wortlos ausgezogen und seinem Bruder vorsichtig über die viel zu dünne Decke des Krankenhauses gelegt.

Deans Augen hatten sich still bedankt, ehe sie müde wieder zugefallen waren und Sammy hatte verstanden, das hatte er immer. Kurze Zeit später war Sam für ein paar Nachforschungen gegangen und die Jacke hatte er ‚vergessen'.

Erst als der Kopf der süßesten Nachtschwester, die er je in einem dieser Krankenauffanglanger gesehen hatte, fragend um die Ecke guckte, bemerkte er, dass seine Finger bereits getan hatten, wozu sich sein Kopf eben erst entschieden hatte.

„Sie haben geklingelt – ist alles okay?"

Das würde es sein, wenn er bei Sam war.

Also schenkte er ihr sein bezaubernstes Lächeln und die Worte: „Sweety, ich checke aus-…"

~s~


~s~

Schuldgefühle

„Was ist los?"

Du wirst mir nicht antworten, aber ich kenne dich, muss es trotzdem versuchen.

„Nichts."

Nichts
würde dich nicht aussehen lassen, als wenn dir gleich das Herz zerspringt, vor Schuld und Reue.

Ein zweiter Versuch, die rissige Schale zu knacken: „Was ist los?"

Verzweiflung lässt dich so viel jünger wirken und ich kämpfe den Drang zurück, dich zu umarmen, stemme stattdessen die Hände in die Seite, um meine Gefühle zu verbergen.

Zögernd: „Wir haben das Richtige gemacht, oder-…?"

„Natürlich haben wir..."

Du wirst nichts anderes von mir hören, denn ich hätte alles getan, um dich zu retten – alles.

~s~


~s~

Mein Wille geschehe…

Es ist zu spät-… ich weiß, du hast alles versucht und es tut mir Leid; nicht für mich - um dich.

Ich liebe dich, kleiner Bruder.

Das Licht der Lampen um mich herum erlischt, wie mein Leben gleich.

Ich kann ihn sehen, die Kälte fühlen, die von ihm abstrahlt.

Ich will leben und doch laufen meine Beine nicht los…

Ich will kämpfen und sehe ihr Gesicht vor mir…

Es ist gerecht, sie hat es mehr verdient als ich.

Der Druck unter meiner Kopfhaut wächst, ich spüre, wie er größer wird und ich erhalte, was mir nicht gehört.

Ein tödliches Geschenk.

~s~


~s~

Abschied

Dein anzügliches, viel sagendes Grinsen auf den Lippen, als du aus dem Zimmer gehst, macht mich für einen überraschten Moment sprachlos.

Woher wusste er?

„Sam hat angerufen, er meinte, du wolltest dich verabschieden."

Das tat weh, denn es würde durch meine Schuld ein Lebewohl für immer werden. Nie waren die Zweifel in mir größer, warum ich Leben durfte.

Ihre Hand auf meiner Wange verbrannte meine Seele, ihr Blick löschte das Feuer und hinterließ doch nur Leere in mir.

Ich hatte mein Wunder auf ihre Kosten bekommen und betete im Stillen. Ich glaubte vielleicht nicht - aber ich hoffte, für sie.