Das ungewollte Schicksal

„Nun, es war nicht einfach aber ich konnte zumindest ein Paar Runen entziffern. Ich weiß nicht wo du das her hast, aber für die anderen Runen musste ich einem Freund eulen. Obwohl es sein Spezialgebiet ist hatte er ebenfalls ziemlich zu kämpfen!"

Sie händigte ihm mehrere Blätter Pergament aus. Severus bedankte sich und machte sich ehe sie die Chance hatte etwas zu sagen auf dem Weg in sein Quartier. Seine Neugier war so groß, dass er es kaum aushalten konnte. Als er sein Passwort sagte und das Portrait ihm Einlass gewährte, verlor er keine Zeit und studierte sofort das Schriftstück. Er brauchte einige Zeit um die übersetzten Wortfetzen in die richtige Reihenfolge zu bringen. Nach ein paar Stunden glaubte er die Lösung des Rätsels, welches ihn seit dem Abend plagte, gefunden zu haben.

Wenn man der Übersetzung von Babbling, ihrem Bekannten und Severus selbst Glauben schenkte, so handelt das Buch im wesentlichen von Werwölfen und ihren Partnern.

Der Zauber der in der Nacht verwendet wurde, war eine Möglichkeit diesen Bund künstlich herzustellen. Dass dieser überhaupt funktioniert hatte grenzte an ein Wunder, denn laut dem Buch war der Zauber nicht nur kompliziert sondern er erforderte viele passende Komponenten. Zum Beispiel muss das Blut des Partners, in dem Fall Severus Blut, in den folgenden Stunden nach dem Angriff hinzugefügt werden. Wie Dumbledore gesagt hatte.

Ausserdem muss der Partner ebenfalls gewisse Voraussetzungen erfüllen. Er muss „rein" sein. Rein von was? Severus war ein Halblut, also kann damit nicht die Blutlinie gemeint sein. Die anderen Voraussetzungen konnten nicht übersetzt werden.

Severus rieb seine Schläfen. Er hatte Kopfschmerzen und es waren noch einige Stunden bis zur Nachtzeit. Das Verlangen wurde immer größer. Severus atmete tief ein und aus. Sein Ärger über die Situation die ihn Dumbledore eingebrockt hatte kam wieder hoch. Warum musste der alte Mann ihn in so etwas hinein ziehen.

Er wusste, dass der bevorstehende Krieg mit dem dunklen Lord kein gutes Ende für ihn nehmen würde. Er hatte sich damit abgefunden, dass sein Schicksal bereits besiegelt war. Aber warum mussten jetzt diese Gefühle, dieses Verlangen und diese Gedanken hinzukommen. Severus war seit zwei Jahrzehnten alleine und konnte damit bis jetzt gut leben. Aber nun stand er wie ein Teenager machtlos einem Gefühl gegenüber, dass ihm seine Selbstständigkeit raubte. Doch egal wie groß sein e Wut auf Dumbledore und auch auf Hermine war, schließlich hatte sie sich in diese Situation gebracht, sobald er vor ihr stand war jeglicher Ärger verschwunden. Severus seufzte, wenn er das Tagebuch einer 13 Jährigen lesen würde, würde er ähnliche Zeilen finden.

Verstand er die Wortfetzen richtig, so konnte die Anwesenheit des Partners die Heilung von Wunden beschleunigen. Das würde die Genesung von Hermine erklären. Außerdem ist es dem Werwolf unmöglich seinen Partner zu schaden, egal welche Form er einnimmt. Zumindest brauchte er sich keine Gedanken um den Vollmond zu machen. Die Begegnung mit Lupin hat ihm vollkommen gereicht.

Aus den restlichen Übersetzungen konnte sich keinen Reim stand nichts von Tod oder Schmerzen, Severus war für heute zufrieden. Er sah auf die Uhr und beschloss das Nachtmahl in der großen Halle einzunehmen um jeglichen Tratsch zu verhindern.

Beim Essen fiel sein Blick immer wieder zu dem Platz, wo Hermine normalerweise saß. Dort saß nur Weasley und stopfte das Essen regelrecht in sich hinein. Severus verzog angewidert das Gesicht und widmete sich wieder seinem Essen. Zu seinem Glück sprach ihn niemand an, so konnte er in Ruhe seine Gedanken zu dem Mädchen im Krankenflügel schweifen lassen.

Severus weigerte sich seine Gefühle anzuerkennen. Der Zauber musste rückgängig gemacht werden.

Wie sollte er so sein Leben leben? Immer abhängig von etwas, was es nicht geben darf. In den Aufzeichnungen stand „Die Verbundenen sind durch keine Kraft zu zerstören." Dies kann bedeuten, dass Severus selbst unverwundbar ist, oder dass der Bund nicht aufgelöst werden kann. Er hoffte inständig auf ersteres.

Bei dem nächsten Treffen des dunklen Lords musste er aufpassen. Sollte auch nur ein Gedanke ungeschützt sein, eine Unaufmerksamkeit herrschen, würde der dunkle Lord das sofort erkennen und Severus Leben wäre verwirkt und jegliches Gedankenspiel Dumbledores war umsonst.

Apropos Dumbledore. Dieser warf immer wieder einen belustigten Blick zu Severus und schien die Lage in die er diesen gebracht hatte zu genießen. Severus weigerte sich auch nur einen Blick Dumbledores zu erwidern und blickte starr auf sein Essen. Die Situation war lächerlich. Er war lächerlich. Severus schüttelte den Kopf und murmelte leise Schimpftiraden zu sich selbst. Er würde sich nicht diesen Kindereien hingeben. Er war ein erwachsender Mann. Severus verbat sich wie so oft Hermine aufzusuchen. Vielleicht würde das Gefühl von alleine verschwinden, wenn er ihre Gegenwart nur konsequent mied.

Dumbledore schmunzelte. Er musste keine Legilimentik anwenden um die Gedanken des mürrischen Zaubertränkeprofessors zu lesen. Er war gespannt wann Severus sich seinem Schicksal hingab, denn der Zauber war stark. Viel zu stark, selbst für Severus Starrsinn und Sturheit. Dumbledore hoffte erneut inständig, dass sich Severus sein Leben nicht wie üblich unnötig schwer machen würde. Als der betroffenen plötzlich seinen halbvollen Teller zur Seite schob und die Halle mit schnellen Schrittes verließ musste er lachen. Severus Snape hatte offensichtlich einen Plan.