Mein Ruin
Die folgenden Wochen fühlte sich Severus zunehmend miserabler. Hermines Fehlen war überall spürbar. Er hörte auf zu leben und existierte nur mehr. Draco tat alles um in Schwierigkeiten zu kommen und Severus hatte alle Hände voll zu tun sein Patenkind irgendwie zu beschützen. Er sah Hermine kein einziges mal und wusste nicht ob er erleichtert oder traurig darüber sein sollte. Bei dem letzten Vollmond dachte er ihr Heulen zu hören, jedoch konnte es auch nur eine Einbildung seines gebrochenen Herzens sein. Er dachte an die zusammen erlebten Vollmonde zurück und lebte ein wenig in der Erinnerung aus. So furchteinflößend Hermine in ihrer Wolfsgestalt war, so sanftmütig war sie ihm gegenüber. Der Wolfsbanntrank war wirkungslos, was für Severus kein wirkliches Problem darstelle. Er dachte an ihr weiches Fell welches nach ihr roch zurück. Er sagte zwar immer sie rieche wie ein nasser Hund, jedoch versuchte er stets unbemerkt ihren Duft einzuatmen. Er dachte an das gleichmäßige Tapsen ihrer tellergroßen Tatzen wenn sie durch den Wald nebeneinander her trotteten. Sein einziger Lichtblick waren die Träume die er von ihr hatte. In ruhigen Momenten durchlebte er jedes Gespräch mit ihr und wenn er sich konzentrierte, sah er ihr Gesicht direkt vor sich.
Seine Laune war auf dem absoluten Tiefpunkt und er brachte ein ein paar Tagen mehr Schüler zum weinen als in den vergangenen Jahren zusammen. Dumbledore stellte ihm zum Glück keine Fragen und auch sonst wurde er von allen gemieden. Severus nahm an, der Schulleiter wusste wie immer Bescheid und war umso dankbarer, dass dieser Severus Entschluss unkommentiert ließ.
Als eines Nachts jemand an seine Tür klopfte, schlug sein Herz schneller. Sein Kopf schnellte hoch und er ließ das Buch welches er gerade noch gelesen hatte fallen. Er sortierte sich und fuhr sich einige Male durch die schwarzen langen Haare. Er wünschte in dem Moment er hätte wieder mehr auf sich Acht gegeben, denn er sah bestimmt grauenhaft aus. Aber der Gedanke an Hermines Stimme und ihre Nähe ließ jede Sorge verfliegen. Dann atmete er ein paar Mal tief ein und aus und ging zur Tür. Sein Herz überschlug sich beinahe vor Erwartungen und er konnte Hermine beinahe sehen. Er überlegte was er zu ihr sagen konnte, wie er sich entschuldigten sollte.
Als er die Tür öffnete starrten ihn sturmgraue anstatt den erhofft schlammbraunen Augen an. Severus war wie vom Blitz getroffen. Dracos Mundwinkel waren nach unten gezogen und er sah seinen Patenonkel verstört an. „Wen hast du denn bitte erwartet?" Severus sammelte sich rasch von der Enttäuschung und antwortete trocken „Dich mit Sichterheit nicht."
Draco ließ dies unkommentiert und sagte nur „Sie kommen." drehte sich um und verschwand. Severus folgte ihn mit schweren Schritten. Er spürte den Schmerz in seinem Herzen und ignorierte ihn. Hermine würde nie wieder kommen.
Als die anderen hinzustießen fühlte er sich taub. Er ging wie ferngesteuert der Gruppe nach in Richtung Astronomie Turm. Er fiel ein paar Schritte zurück und fühlte sich so allein wie nie zuvor. Er atmete tief ein und aus. Die Nacht war klar und kühl, eine schöne Nacht für späte Diskussionen über Bücher vor einem Karmin. Severus schüttelte den Gedanken ab. Nach diesem Abend wird nie wieder etwas sein wie es war. Jegliche Hoffnung an die er sich geklammert hatte war verloren. Als er Potter von der ferne sah suchte er mit seinen Augen die Umgebung nach Hermine ab. Er sah sie nicht und er hoffte inständig sie müsste seine Tat nicht mit ansehen. Er deutete Potter an ruhig zu sein. Potter vertraute ihm. Severus hasste sich noch ein wenig mehr. Wenn der Junge nur wüsste.
„Severus, bitte." Mit einem grünen Blitz fiel Dumbledore in sich zusammen und stürzte in die Tiefe. Severus hörte die Jubelschreie von Bellatrix nicht, er zog Draco mit sich und wollte so schnell wie möglich verschwinden. Auf dem Weg nach draußen versuchte Bellatrix noch soviel Schaden wie möglich anzurichten. Severus sah es nicht, mit großen Schritten rannte er beinahe. Er wollte das Schloß, Dumbledore, seine Tat und Hermine hinter sich lassen. Als sie bei Hagrids Hütte ankamen hörte er hinter sich Schreie. Potter war ihm gefolgt. Wenn er nicht aufpassen würde, würde Bellatrix ihn töten. Oder Fenrir würde ihm dassselbe antun wie Hermine. Severus wagte es nicht Fenrir auch nur eines Blickes zu würdigen. Er hatte Angst er würde die Kontrolle verlieren und ihn blindlings angreifen. Obwohl es nie bestätigt wurde, tief im inneren wusste Severus, dass Fenrir Hermine in dieser Nacht angegriffen hatte.
Er schickte Bellatrix und die anderen fort und kümmerte sich um Potter. Dieser schickte ihm einen Fluch nach dem anderen, die alle samt von Severus geblockt wurden. Auf einmal tauchte hinter Potter eine Gestalt auf. Hermine. Sie stürmte auf Potter zu. Severus erstarrte und wurde von Potters nächstem Fluch überrascht. Er wurde rücklings zu Boden geschleudert und blieb benommen liegen. Sein Kopf dröhnte und er versuchte sich aufzurichten jedoch gehorchten ihm seine Arme nicht. Er sah eine klaffende Wunde an seinem Unterarm, an der Stelle wo ihn auch das dunkle Mal bis zu seinem Ende als Monster brandmarkte. Auf einmal wurde er gestützt und sah die von ihm so geliebten haselnussbraunen Locken.
