Die Wahrheit wird uns befreien
Severus und Hermine apparierten auf einem brachen Feld. Nicht allzu weit in der Ferne waren eine Reihe von gleich aussehenden Häusern zu erkennen. Severus kniff die Augen zu und betrachtete die Häuser. Er empfand die Häusergruppe als deprimierend und trist, ungleich zu Hermines Haus. Wobei dieses zwar ebenfalls den Nachbargebäuden glich, kam ihm das Haus besonders einladend und gemütlich vor. Vermutlich weil es Hermine gehörte. Severus sah ein paar Kinder auf einem entfernten Spielplatz spielen und seine Gedanken glitten in seine Zukunft. Er wusste nicht was Hermines Pläne waren, jedoch hoffte er inständig, dass sie ihn mit einbezogen. Im Prinzip stellte er fest, dass er mit jeglichem Schicksal zufrieden wäre, sofern er dieses mit Hermine bestreiten durfte.
Sie machten sich auf den Weg zu der Siedlung, Severus konnte dank seiner langen Beine mit Hermines Tempo mithalten, dennoch amtete er bald schneller. Er beobachtete sie aus den Augenwinkel und bemerkte, dass sie anscheinend absolut keine Mühe empfand bei dem schwülen Wetter einen leichten Hügel hinauf zu traben. Er schüttelte seinen Kopf und zwang sich nicht zurück zu fallen. Als sie sich dem Spielplatz näherten, erkannten sie Harry auf der Schaukel sitzen. Hermine blieb erprupt stehen. Severus sah sie fragend an. „Was ist los?" „Ich weiß es nicht. Was wenn er uns nicht zuhören will?" Anscheinend überkamen sie die ersten Zweifel. „Das werden wir wohl herausfinden müssen." Severus nahm ihre Hand in seine und ihm fiel auf wie klein sie im Vergleich zu seiner war. Er umschloss sie sanft und zog sie weiter. Der Kontakt gab ihm zusätzliche Kraft und Zuversicht. Harry saß mit dem Rücken zu ihnen und wippte leicht hin und her. Sie blieben wenige Meter vor ihm stehen. Severus hielt seinen Zauberstab fest, falls Harry sie angreifen sollte würde er sich verteidigen können.
„Harry." rief Hermine zaghaft. Harry erschrak und sprang auf. Er starrte sie an als ob er einen Geist sehen würde. Er griff sofort zu seinem Zauberstab doch zu seiner und Severus Überraschung flog dieser dank Hermines lautlosen Expelliarmus Zauber in ihre Hände. „Wollt ihr mich jetzt umbringen?" Harrys Stimme zitterte vor Wut. „Nein wir wollen mit dir reden Harry."
„Hermine, Snape hat Dumbledore umgebracht. Ich war dabei! Egal was er dir erzählt hat-"
„Ich weiß."
Harry starrte Hermine fassungslos an. Er brachte kein Wort hinaus. Er war sich stets sicher gewesen Severus hätte ihr eine Lüge aufgetischt und überredet mit ihm zu fliehen. Harry ging ein paar Schritte zurück und blickte umher. Er versuchte seine Gedanken zu ordnen. Egal was er über Severus dachte, Hermine würde ihn niemals verraten. Niemals, dessen war er sich sicher.
Er wandte seinen Blick wieder zu ihr und fragte sie mit gezwungen ruhiger Stimme „Gut. Rede." Harry sah Severus kein einziges Mal an. Er ignorierte sein Dasein komplett und Severus war dankbar dafür. Er wollte den Hass und die Abscheu in seinen Augen nicht sehen, denn er sah sie seit dieser Nacht jeden Tag im Spiegel.
Hermine erklärte ihm mit ruhiger Stimme was sie wusste. Severus bemerkte, dass sie Harry das Detail über den Horcrux in ihm verschwieg, aber vielleicht wusste sie es auch nicht. Severus dachte sich, dass dies etwas sei, was Harry jetzt noch nicht wissen musste. Ausserdem wusste er nicht wie Hermine darauf reagieren würde, dass ihr bester Freund dem Tode geweiht war.
Harry ließ Hermine ausreden und sagte kein Wort. Als sie fertig war atmete sie tief ein und aus. Harry sah auf seine Füße und schien nachzudenken. Er stieg von einem Bein auf das andere und zog seine Brauen zusammen. Severus erinnerte sich sofort an Lily. Der Junge hatte soviel von ihr, auch wenn er das nicht wusste. Er dachte an die Sommer zurück, die er mit ihr verbrachte und warf einen Blick auf Hermine. Sein Leben hatte mit Lily begonnen und wurde jetzt mit Hermine weitergeführt. Im Endeffekt hatte der ganze Schmerz und das ganze Leid in Severus Leben einen Sinn. Es brachte ihn genau dort wo er war. An Hermines Seite. Und als er auf Hermines Locken hinuntersah, wusste er- er würde jedes Leid für sie ertragen.
Als er sich wieder Harry zuwandte sah er, dass dieser ihn musterte und das erste mal direkt ansah. Er hielt dem Blick stand und versuchte so vertrauenswürdig wie möglich auszusehen. Wie auch immer das funktionieren sollte, dachte sich Severus.
