Hermine
Hermine schrak auf. Jemand war im Haus, sie konnte es spüren. Sie stand auf und lauschte. Sie konnte Severus atmen und seinen gleichmäßigen Herzschlag hören. Im Nebenzimmer konnte sie hörte sie Harry. Sie schlich bei Severus vorbei und spähte in den Gang. Sie nahm den Duft mehrere Personen wahr. Alarmiert weckte sie Severus vorsichtig auf. Dieser erschrak und sprang sofort auf. Sie wollten zu Harrys Zimmer gehen als sie in der ferne Mad Eye erkennen konnten. Severus hielt sie am Arm fest und zog sie zurück ins Zimmer.
„Sie werden ihn ins Hauptquartier holen." Hermine nickte und überlegte. Wenn sie sich jetzt zu erkennen geben würden, könnte das für ein Gefecht sorgen und würde ohne Zweifel die Aufmerksamkeit der gesamten Straße auf sich ziehen. Severus zog seine Brauen zusammen und musterte Hermine. Sie sah ihn an und setzte sich behutsam auf eine der Polster. Severus tat es ihr gleich und setzte sich näher als nötig zu Hermine.
Sie verweilten im Zimmer von Harrys Cousin. Severus hatte einige Polster zu einem Nest arrangiert. Hermine liebte es. Es war ihr gemeinsames Nest. Hermine lauschte und konnte die Stimmen von einigen Weasleys, Remus und Tonks erkennen. Severus beobachtete sie neidisch und wartete geduldig ab. Als Hermine hörte wie sich die Gruppe in das Wohnzimmer begaben, wagte sie zu flüstern. Sie wusste nicht in wie fern Remus Sinne geschärft waren.
„Sie haben Vielsafttrank und planen mit mehreren Harry Teams zum Fuchsbau zu gelangen." Severus nickte.
„Wir müssen hinterher, es wird einen Angriff geben."
Als sich die Haustür ins Schloss fiel suchten sie alles zusammen und machten sich bereit für die Abreise. Als sie vor das Haus traten atmeten beide tief durch. Severus streckte seine Hand aus und Hermine legte ihre Hand in seine. Sie wertschätzte den Kontakt und genoss das Gefühl, welches Severus bei ihr auslöste. Sein Duft, seine Nähe, seine Stimme, sogar sein Herzschlag hatten eine einzigartige Wirkung auf sie. Egal welche Sorgen sie plagten, sobald Severus in ihrer Nähe war, war jegliche Sorge, jegliche Angst vergessen. Hermine würde alles tun was nötig war um Voldemort zu besiegen, jedoch würde sie es nicht riskieren Severus zu verlieren.
Sie flogen in Richtung Fuchsbau und brauchten nicht lange um die Gruppe vor sich auszumachen. Als sie immer näher kamen tauchten auf einmal eine Heerschar Todesser auf und die Luft war erfüllt von ziellos umherirrenden Flüchen. Severus manövrierte sie beide knapp durch und Hermine blockte einige Flüche um ihre Freunde zu beschützen. Einige Meter vor ihnen war Hagrid mit dem richtigen Harry auf Sirius Motorrad. Severus hetzte ihnen nach. Hermine spürte auf einmal eine Kälte in ihrem Herzen. Voldemort. Sie sah ihn gleich auf mit Hagrid und Harry. Auf einmal war ein heller Lichtblitz zu sehen und Voldemort fiel zurück. Als sie und Severus ihn passierten, sah sie ihm in die Augen. Voldemort riss seine reptilienartigen Augen wutverzerrt auf und hetzte ihnen einige Flüche nach die sie nie erreichten.
Das Gefährt vor ihnen traf mit einer Wucht in das sumpfige Schilf auf und Rauchschwaden stiegen auf. Hermine und Severus landeten etwas sanfter und hetzten zu Harry und Hagrid. Hermine zog Harry aus dem Wasser und umarmte ihn wie damals auf dem Spielplatz. Harry keuchte und stöhnte schmerzverzerrt auf. Hermine ließ ihn sofort aus und sah die Trauer in seinen Augen.
Er stammelte nur „Hedwig." Hermine fühlte Harrys Schmerz. Hedwig war immer an Harrys Seite gewesen und hatte anders wie seine Freunde mit ihm jeden Sommer bei seinen Verwandten verbracht. Sie wusste, dass diese Eule vermutlich der einzige Trost war den Harry in dieser Zeit hatte.
Als sich Harry auf dem Weg zum Fuchsbau machte, blieb Hermine mit Severus zurück. Sie hatte vor der Reaktion der anderen Angst. Harry vertraute ihr und Dumbledore. Er hatte es verstanden, nicht zuletzt weil er Dumbledores Fluch mit eigenen Augen gesehen hatte und auch wusste was ein Horcrux mit einem Menschen machen konnte. Aber wie würden die Weasleys und der Rest des Ordens reagieren? Wie würde vor allem Ron reagieren. Seit der Nacht ihrer Verwandlung hatte sie kaum ein Wort mit ihm alleine gesprochen. Er mied sie so gut es ging und Hermine ließ ihm seinen Raum. Harry meinte, Ron fühle sich verantwortlich und jeder Blick auf ihre Narben würde ihn an seine Schuld erinnern. Hermine versicherte Ron mehrmals, dass er keine Schuld an dem was geschehen war hatte. Jedoch konnte Ron sein schlechtes Gewissen nie überwinden. Hermine hoffte, dass ihre Freundschaft stark genug war um nicht nur ihre Verwandlung, sondern auch Severus neue Rolle in ihrem Leben zu überstehen.
Als sie Harry ins Haus verschwinden sahen, tauchten ringsum die restlichen Paare auf. Einer nach dem anderen verschwand im Haus. Nur Mad Eye Moody fehlte. Severus blieb geduldig neben Hermine stehen. Sie beschloss, das Geschehene so zu erklären, wie sie es damals auf dem Spielplatz Harry erklärt hatte und hoffte auf das gleiche Verständnis. Mehr konnte sie nicht tun. Sollte dies nicht der Fall sein, so müssten sie einen anderen Weg finden um Harry zu unterstützen. Hermine hoffte inständig auf den ersteren Fall und bereitete sich mental auf die Konfrontation vor. Sie blickte zu Severus hoch und griff seine Hand. Die Berührung spendete den erwarteten Trost und Mut und sie fühlte sich gestärkt und bereit. Sie stapften durch den Sumpf in Richtung Fuchsbau.
Sie klopfte zaghaft an die Tür und blickte nach wenigen Sekunden in das verdutzte Gesicht von Remus. Dieser starrte zuerst Hermine und dann Severus an. Als Hermine ihm gegenüber stand, konnte sie den Wolf riechen. Anders wie Severus oder Harry, roch Remus nach nassem Hund. Hermine fragte sich ob sich Remus gerade dasselbe dachte.
„Remus." Severus grüßte ihn neutral. Remus erwachte aus seiner Starre und zückte seinen Zauberstab. Hinter Remus kam Ron und Tonks zum Vorschein. Ron starrte Hermine an als wäre sie ein Geist. Bevor noch jemand was sagen konnte rannte Harry auf sie zu und stellte sich in den Türstock mit dem Rücken zu Hermine und Severus. Hermine war Harry noch nie so dankbar gewesen. Die Situation machte sie nervös und sie spürte ihren Wolf bereits in den Startlöchern. Sie wollte um alles in der Welt eine Eskalation vermeiden aber wusste, sollte Severus angegriffen werden- wäre sie bereit, egal wer der Angreifer war. Hermine setzte ihre Rede an, jedoch brachte sie kein Wort hinaus. Zum Glück übernahm Harry ihren Part.
Harrys Worte überschlugen sich und er sprach so schnell, dass selbst Hermine Probleme hatte ihm zu folgen. Nach der Flut von Worten war es totenstill. Es war so still, dass Hermine sogar den schnellen Herzschlag von George vom inneren des Hauses hören konnte. Sie roch Blut, er musste verletzte sein. Remus sah zwischen Harry und Severus hin und her.
„Nun wir müssen das mit dem Rest des Ordens besprechen Harry, dies ist keine Entscheidung die du alleine treffen kannst." Severus nickte und drehte sich wortlos um. Hermine sah ihm nach und wieder zu Harry. Remus deutete ihr an hineinzukommen und auch Molly rief ihr ein paar freundliche Worte von hinten zu. Doch Hermine konnte ihre Beine nicht bewegen. Ihr ganzer Körper drängte sie in Severus Richtung. Sie sah Harry an und sagte „Schreib mir." Damit kehrte sie um und lief Severus nach ehe die zwei verschwanden.
