Seit Stunden nun herrschte in dem einsamen Wald südlich von der Grenze Schottlands eine hitzige Diskussion. Hermine und Harry waren sich in einer Sache einig dass sie sich uneinig waren. Während Harry immer waghalsigere Vorschläge brachte, schlug Hermine immer in die entgegengesetzte Richtung ein und versuchte die Stimme der Vernunft zu sein. Harry hatte recht, sie mussten so schnell wie möglich in das Verließ einbrechen und den Kelch stehlen. Doch wie Hermine einwarf, war es unsinnig einen Kelch erfolgreich zu stehlen wenn sie es nicht schafften zu entkommen und in weiterer Folge den Horcruxen zu zerstören. Selbst Severus Schweigen und scheinbar geistige Abwesenheit fiel keinem der beiden sonderlich auf. Severus starrte auf das Feuer und schenkte dem Gespräch keine Beachtung. Die Beschaffung des Kelches war seine letzte Sorge und egal wie oft er sich ermahnte, er konnte seine Gedanken nicht um den Horcrux formieren. Vergeblich konzentrierte er sich und wurde stets wieder zu der Idee zurückgezogen. Die Idee, besser gesagt der Gedanke, der ihn Monate schon begleitete war nun dank Voldemort neu aufgekeimt und nagte nun an ihn. Er warf einen Blick auf Hermine und beobachtete wie die Flammen des Lagerfeuers über ihre Haut tanzten. Ihr Gesicht war in einem warmen orange rot getränkt und ihre Augen leuchteten. Man konnte ihr direkt ansehen wie ihr Verstand arbeitete und ihre Energie spüren. Immer wieder warf sie ihm einen Blick zu und ihre braunen Augen glichen in der Dunkelheit eher seinen fast schwarzen. Wenn sie ihn ansah wurde ihr Blick weicher und sanfter, aber sobald sie sich wieder Harry zuwandte, konnte man den kalten Fokus zurückkehren sehen. Severus wandte seinen Blick wieder dem Feuer zu. Er starrte in die Flammen und durchlebte wie so oft in den letzten Stunden die Zerstörung des Medaillons. Voldemorts Worte brannten sich in sein Gedächtnis, und anscheinend war er nicht fähig diese, wie Rons Gift, einfach abzuschütteln. Er wusste tief im Inneren, ohne die Verwandlung würde er nicht hier sitzen. Ohne den Angriff, dessen Erinnerung an Hermines Haut eingebrannt wurde, würde in Hermines Augen keine Sanftheit, keine Zuneigung zu sehen sein. Egal wie viel sie gemein hatten, Hermine hatte keinen Grund ihn zu mögen. Er gab ihr in der Vergangenheit nichts, was sie in ein positives Gefühl umwandeln konnte. Er machte sich über sie lustig, sogar vor der Klasse. Mehr als einmal verspottete er ihren Wissensdurst und den Drang sich zu Beweisen und tat ihn als etwas lächerliches ab. Severus schluckte. Sie erinnerte ihn an jemanden, der sich ebenso verzweifelt beweisen wollte. Sie hatten wohl noch mehr gemein als er dachte. Er sah zu Harry Potter und bemerkte, dass der Lichtschein des Feuers die grünen Augen seiner Mutter, Lily, komplett verschluckte. Seine Augen waren wie Hermines dunkel und voller Energie. Seine Gesichtszüge hatten mit jedem Jahr die seines Vaters angenommen und er sah James Potter in diesem Moment ähnlicher als sich selbst. Severus schluckte. In seinen Ohren Rang die kalte und gefühllose Stimme Hermines, die ihn daran erinnerte, dass er keine Chance gegen einen Potter hatte. Weder vor 17 Jahren noch jetzt. Severus wusste, dass die Erscheinung mit seinen Gefühlen spielte und selbst nur ein Ziel verfolgte überleben. Sie wollte Severus lang genug lähmen um die Zerstörung aufzuhalten. Dies hätte sie fast geschafft, denn Severus war vor Hermines Abbild gestanden und konnte sich nicht bewegen.
Auf einmal bemerkte er die Stille und blickte auf. Harry und Hermine sahen ihn fragend an. „Bitte was?" Severus räusperte sich und es war ihm sichtlich unangenehm, dass die beiden ihn in einem ungeschützten Moment überrumpelten.
„Was sagst du zu Harrys Idee?" Severus nickte leicht und mied Hermines besorgten Blick. Harry nickte langsam und gähnte. Er stand auf und ging in Richtung des Zelts und rief ein „Gute Nacht!" über seine Schulter. Als Severus aufstehen wollte spürte er Hermines warme Hand auf seiner. Er atmete tief durch und versuchte seine Gefühle zu kontrollieren, doch als er sie ansah merkte er, dass seine Bemühungen vergebens waren. Er hielt kurz inne und setzte sich schließlich wieder hin. „Geht es um den Horcruxen?"
Severus wich ihrem Blick aus und starrte stur auf die immer kleiner werdenden Flammen. Hermine schlängelte ihre Hand unter seiner durch und griff nach seiner Hand. Sie war kühl und weich in ihren Händen. Sie konnte seinen schneller werdenden Herzschlag hören und atmete auf. Sie strich mit ihrem Daumen über seinen Handrücken und wartete geduldig auf seine Antwort.
„Er hatte Recht, genau wie Weasley." Severus sagte den Namen mit einer gewissen Bitterkeit. Noch immer weigerte er sich sie anzusehen. Hermine nahm schließlich seinen Kopf und drehte ihn in ihre Richtung. Schließlich sah er sie an und Hermine stockte der Atem als sie die Traurigkeit in seinen Augen sah. Sie wusste in der Sekunde als ihre Kopie diese boshaften Worte ausspie, dass Severus unter ihnen Leiden würde. Sie hatte nur nicht damit gerechnet, wie sehr sie ihn getroffen hatten. Ron hatte ihm schließlich ähnliche Sachen an den Kopf geknallt, und diese schien er relativ gut überwunden zu haben. Was war nun so anders. Hermine, deren Verstand vor wenigen Minuten an einer Flucht aus Gringotts gearbeitet hatte, suchte nun nach einem Weg Severus seine Unsicherheit zu nehmen. Sie wusste egal was sie sagen würde, tief in seinem Inneren keimten die Zweifel. Sie nahm ihren Mut zusammen und streckte sich zu ihm hinauf und drückte ihre Lippen leicht gegen seine. Er zuckte leicht zurück aber verstärkte dann den Druck. Er atmete tief ein und drückte ihre Hand. Als die Plane beim Eingang des Zelts aufging und Harry seinen Kopf hinausstreckte schreckten beide auseinander. Harrys Worte blieben ungesagt und er murmelte nur „Oh Verzeihung." Mit einem hochroten Gesicht verzog er sich wieder ins Innere des Zelts. Severus atmete aus und sein sonst so bleiches Gesicht hatte einen ähnlichen Rotton wie Harrys. Hermine fing an zu kichern und Severus konnte nicht anders als eine Braue belustigt hochzuziehen. Auf einmal verstummte Hermine und sah Severus ernst an.
„Es spielt keine Rolle woher oder warum meine Gefühle die sind, die sie sind. Fakt ist, dass sie echt sind. Sollten wir nicht lieber die Gegenwart des anderen genießen als sie ständig in Frage zu stellen? Ich bin dankbar, für jede Narbe, für jeden Schmerz, denn sie haben mich zu dir geführt." Severus sah in ihre Augen und sah die Aufrichtigkeit und die Zuneigung darin. Diese Worte von ihr zu hören gab ihm ein Hochgefühl und er fühlte auf einmal jeden Gedanken an den Horcruxen und an Ron verschwinden. Er spürte seine Augen brennen, Severus du alter Trottel wehe du heulst jetzt. Er atmete tief durch und lehnte seinen Kopf gegen ihren. Er genoss den Kontakt und schloß die Augen. Wenige Augenblicke später spürte er ihre weichen Lippen auf den seinen und er fühlte sich als wäre die Last auf seinen Schultern aufgehoben worden.
„Her- ach kommt schon!" Harry schrie aus der Zeltöffnung. Hermine kicherte erneut und diesmal entfuhr auch Severus ein heiseres Lachen.
