Tod und Dunkelheit. Die Worte rangen in Severus Ohren als er Voldemort gegenüber stand. Er machte sich keine Hoffnungen den Kampf ohne Verluste zu überstehen und nun würde er selbst den höchsten Preis, den ein Mensch bezahlen konnte, bezahlen. Es hatte schon fast etwas komisches, dass gerade zu der Zeit, an dem er sein eigenes Leben tolerabel, sogar angenehm und schlicht lebenswert empfand, sterben würde. Eine Ironie des Schicksal, Severus kannte nichts anderes. Als er jung war, zerstörte sein eigener Stolz und Jähzorn das einzige was er liebte. Noch dazu führte ihm sein Erzfeind, der ihn jahrelang schikaniert und gequält hatte, jeden Tag vor Augen was er haben hätte können. Als sein gebrochenes und einsames Herz Hoffnung und Halt bei dem dunklen Lord suchte, hätte sein Erwachen nicht schmerzhafter sein können als mit dem Tod seiner Jugendliebe. Jahrelang hatte er überlebt, obwohl er den Tod willkommen hieß. Jahrelang wartete er auf die Erlösung eines ewigen Schlafs der ihm verwehrt blieb. Und gerade jetzt, als er neuen Mut fand, neuen Antrieb und einen Menschen der mit einem Blick seine Welt in Ordnung bringen konnte, war es zu Ende.
Tod und Dunkelheit, als sich Severus mit Hermine und den Rest des Ordens auf den Weg nach Hogwarts machte, dachte er über Aberforth Worte nach. Als der Kampf begann und er den unbändigen Hass sah, der Hogwarts entgegenwehte, kamen die Worte abermals in seinen Gedanken vor.
Und als er über leblose Körper von Bekannten und Schülern stieg, waren diese zwei Worte an erster Stelle. Flüche über Flüche schossen an ihm vorbei, verfehlten ihn um wenige Zentimeter und prallten entweder an einer Mauer ab oder rissen ein unbekanntes Opfer nieder. Severus versuchte seinen Fokus auf sich, Hermine und Harry zu lenken. Er konnte es sich nicht leisten für jedermann verantwortlich zu sein. Er war kein Lehrer mehr, es war nicht mehr seine Aufgabe alle zu beschützen. Sie brauchten Zeit, das war das Einzige was zählte.
Harry hatte bereits das verlorene Diadem gefunden, es kostete ihn einige Zeit den wütenden und traurigen Geist zu überreden und bekam unerwartet Hilfe von der letzten Person die Severus wieder sehen wollte. Ron. Weasley. Severus schauderte an den Gedanken an den rothaarigen Troll. Harry schien ihm schneller als ihm lieb war seine Taten zu verzeihen aber zumindest Hermine negierte seine Existenz.
Mit dem Schwert konnten sie auch dieses gemeinsam mit dem Kelch von Bellatrixs Verlies zerstören. Diesmal war die schwarze Erscheinung noch ungehaltener und zorniger. Harry stürzte zusammen und schrie vor Schmerz auf. Auf einmal zogen sich die Todesser schlagartig zurück und es war gespenstig ruhig. Severus kannte diese Stille. Als er damals zu Lily und James Haus ging, erfüllte die gleiche Stille das zerstörte Haus. Die Stille des Todes. Als sich Harry langsam aufrichtete wusste Severus, dass es an der Zeit war ihm seine wahre Rolle in diesem Spiel zu offenbaren. Er sah Hermine traurig an und sie nickte langsam. Als er mit seinem Zauberstab einen silbernen Faden aus seiner Schläfe zog und in eine Phiole gleiten ließ, sah ihn Harry verwundert an. Severus mied zuerst einen Blick, sah ihn aber dann zuversichtlich an. Er gab ihm die Erinnerung wortlos und Harry schien zu verstehen, denn er machte sich sofort auf den Weg zu Dumbledores Büro. Severus atmete auf. Er hatte nicht nur wie von Dumbledore beabsichtigt die Information, dass Harry selbst ein Horcrux war, geteilt, sondern auch die wichtigsten Erinnerungen an Lily. Selbst wenn Harry nicht mehr lang leben würde, so würde er mit Gedanken an seine Mutter, so wie Severus sie kannte, ins Jenseits gehen. Außerdem befand er, dass Harry es verdient hatte seine Vergangenheit zu kennen, warum Severus so war wie er war und welche Erlebnisse ihn schließlich zu dem gemacht hatten der er heute ist.
Severus und Hermine saßen auf der menschenleeren Stiege und schwiegen. Hogwarts so zu sehen brach beiden das Herz. Die einst quirlige Halle war erfüllt von Schmerz und Tod. Immer wieder drangen Schreie aus ihr und sie brachten es nicht über sich zu sehen, welchen Verlust der Krieg mit sich zog.
Er hörte leise Schritte und sah Harry die Stufen hinunter kommen. Hermine löste den Kontakt zu Severus und ging ihm entgegen. Harry sah sie mit einer Traurigkeit in seinen Augen an, dass Severus Herz schwer wurde. Der Junge hatte sich entschieden.
Hermine schüttelte den Kopf und sagte leise „Ich komme mit." Doch Harry unterbrach sie sofort. „Ihr müsst die Schlange töten. Sie ist das letzte Stück was fehlt. Dann gibt es nur noch ihn. Es ist nur noch er."
Hermine umarmte ihn fest und vergrub ihr Gesicht in seinen Hals. Harry lachte leise und stöhnte auf „Hermine du erdrückst mich."
„Tut mir leid." Hermine ließ sofort von ihm ab und wischte sich mit ihrem Ärmel die Tränen ab, die ihr still über das Gesicht liefen. Severus brach es das Herz sie so zu sehen. Er wünschte es würde etwas geben was er tun könnte um den Verlust zu verhindern aber wusste es war zwecklos.
Harry sah zuerst Hermine und dann Severus in die Augen und sagte mit fester Stimme „Danke für alles was du für uns getan und geopfert hast. Du bist der mutigste Mann den ich kenne. Ich gönne euch beiden das Glück von ganzem Herzen. Denkt daran, ihr habt etwas was er nie haben wird. Liebe." Severus nickte stumm und nahm das Gesagte an. Er hatte zwar die Erinnerung nicht geteilt um Dank oder Anerkennung zu erheischen und trotzdem tat es seltsamerweise gut die Worte aus Harrys Mund zu hören. Harry wandte sich zu Hermine und atmete tief durch. „Ich weiß es ist schwer aber bitte vertrag dich mit Ron. Er wird es nicht verstehen und dich brauchen. Er ist ein Idiot, ich weiß aber versuch es zumindest ok?" Bei dem letzten Wort sah er Severus mit hochgezogenen Brauen an, dieser verdrehte die Augen und konnte damit Harry ein Grinsen entlocken. „Und sag Ginny.." Harry rang um Worte. „Ich weiß. Werden wir." Severus griff Harry auf die Schulter und nickte erneut.
Als Harry durch das große Tor verschwand schluchzte Hermine und schlang ihre Arme um Severus. Als ob sie ihn ihn hineinkriechen würde drückte sie sich immer näher an ihn. Severus erwiderte die Umarmung und vergrub seine Nase in ihr Haar. Er atmete ein paar Mal tief ein und versuchte sich den Duft einzuprägen. Auf einmal kam Draco auf das Paar zu und Severus zückte seinen Zauberstab. Er hatte ihn seit der Nacht am Astronomieturm nicht mehr gesehen und wappnete sich für einen Kampf. Draco war im Herzen gut, das wusste er. Doch auch gute Menschen können auf den falschen Weg geraten, das hatte er am eigenen Leib erfahren. Draco hob die Hände schützend vor sich. „Ganz ruhig ich will nur reden." Er ignorierte Hermine und ihre Todesblicke die sie ihm zuwarf. „Er will dich sehen. In der heulenden Hütte." Severus wusste sofort wer gemeint war. Er hatte damit gerechnet, dass er früher oder später hinter Dumbledores Trick mit dem Elder Stab kommen würde.
Somit glaubte Voldemort er musste ihn töten um der neue Herr des Stabes zu sein. Was so nicht stimmte. Doch selbst alles andere würde ihm nichts nutzen wenn die letzten Horcruxe vernichtet waren. Laut Harry würde er so geschwächt sein, dass ihm nicht einmal der mächtigste Zauberstab der Welt etwas nützen würde.
Die heulende Hütte konnte eine wichtige Gelegenheit sein die Schlange zu töten. Eine Gelegenheit die sich vielleicht nicht mehr bieten würde. Er teilte seine Gedanken mit Hermine und stieß wie erwartet auf wenig Verständnis.
„Es ist womöglich die einzige Chance die wir haben das Vieh zu töten."
„Du willst dich selbst für eine „möglicherweise" einmalige Chance opfern?"
„Ich würde mich nicht opfern, ich töte die Schlange und verschwinde."
„Voldemort würde dir keine Zeit lassen zu verschwinden. Wahrscheinlich kommst du nicht einmal an die Schlange. Das ist ein katastrophaler Plan."
Hermine schüttelte vehement den Kop. Severus sah sie wortlos an. Er würde es umgekehrt ebenfalls nicht zulassen, dass Hermine das tun würde. Selbst wenn, Voldemort würde sofort verschwinden wenn er jemand anderes als Severus sehen würde. Dann wäre die Möglichkeit das Tier zu erlegen dahin. Hinter Hermine lugte Ron aus der Tür. Sein Gesicht war bleich und kränklich und seine Augen waren blutunterlaufen. Hermine drehte sich um um Severus Blick zu folgen und ging auf Ron zu. „Wo ist Harry?" Rons Stimme krächzte und neue Tränen liefen ihm die Wangen hinunter. Severus sah seine Chance und entzog sich der Szene unauffällig. Er hoffte Hermine würde sein Verschwinden nicht bemerken und machte sich mit dem Schwert so schnell er konnte auf den Weg zur heulenden Hütte. Bevor er um die Ecke verschwand sah er Hermine in der Halle verschwinden. Er atmete auf und ging eilig weiter.
Und hier stand er nun. Umhüllt von Tod und Dunkelheit. Hinter Voldemort schlängelte sich das Biest, welches er erlegen musste. Er wusste vom ersten Moment an als er Voldemort sah, dass Harry tot war. Die Reptilien Augen blitzten gierig und seine Mimik ließ darauf schließen, dass er mit sich ganz und gar zufrieden war.
Severus atmete auf und wartete auf seinen Moment. Voldemort erklärte ihm seine Logik von dem Elderstab und beendete seine Rede damit, dass er Severus nun töten werde. Severus schob jeden Gedanken an Harry und Hermine beiseite und konzentrierte sich auf sein Vorhaben.
Das Biest zu seinen Füßen schlängelte sich aufgeregt in Richtung Severus und zischte ihn zornig an. Severus erkannte, dass Voldemort die Drecksarbeit von seinem Haustier erledigen lassen wollte. Es war seine Chance. Er hatte das Schwert, versteckt in seinem schwarzen Umhang griffbereit und als die Schlange los preschte um ihn zu beißen, schlug er ihr mit einem Hieb den Kopf ab. Die Schlange zerfiel zu grobem Staub und Voldemort stieß einen schrillen Schrei aus. Severus wurde von der Wucht der Zerstörung zurück geschleudert und blieb benommen am Boden liegen. Er sah wie sich Voldemort mühevoll aufrichtete und griff verzweifelt nach seinem Zauberstab. Zu seinem entsetzen sah er ihn bei dem Staubhaufen der vor wenigen Augenblicken noch ein gefährliches Biest war, liegen. Er schloss vor Wut seine Augen. Das darf nicht wahr sein. Seinen letzten Augenblick musste er wehrlos ertragen. Voldemort war sichtlich geschwächt, doch hatte genügend Hass für seinen dunkelsten Zauber. Severus versuchte zum Zauberstab zu kriechen doch wusste tief im inneren, dass ein Leben bereits verwirkt war. Er hörte das Keuchen seines ehemaligen Lords und drehte sich zu ihm um. Er sah ihm in die Augen und sagte mit fester Stimme
„Ich war immer auf der richtigen Seite, alles was ich tat, tat ich nur für sie. Du wirst niemals gewinnen. Du bist genauso dem Tode geweiht wie ich."
Voldemorts Augen blitzten wütend auf und er zischte. Der offenbarte Verrat machte ihn fast blind vor Wut. Als er den Zauberstab hob schloss Severus die Augen. Seine letzten Gedanken blieben bei Hermine.
Irgendwann würden sie sich wieder sehen doch nun wartete er auf den Tod und die Dunkelheit.
