rgendwo in New York
Auf den kalten, nassen Boden lag Kate und spürte ihre pochende Schläfe. Sie versuchte sich aus der kleine Pfütze zu rollen, doch ihr Körper wollte nicht reagieren. Kates Augenlider flatterten leicht auf, als das Schwindelgefühl langsam verschwand, nahm sie war, dass ihre Hände fesselt auf ihrem Rücken lagen. Unter Schmerzen drehte sie sich auf den Rücken und starrte an die Decke. Sie blickte sich um, doch die Finsternis wich nicht aus ihren Augen.
Kate versuchte die Wand zu finden, langsam kroch sie über den nassen Boden und roch Moder und Schimmel. Sie versuchte es auszublenden, nach gefühlten Minuten erreichte sie eine Wand. Angestrengt lehnte sie sich dagegen und zog die Beine an. Erst jetzt hörte sie die leisen Stimmen von der anderen Seite des Raumes. Kate schloss ihre Augen und versuchte das Pochen der Schmerzen zu unterdrücken, doch jetzt spürte sie auch ihre Schultern.
Kate versuchte etwas von dem Gerede zu verstehen, doch es gelang ihr nicht. Sie rüttelte an den Handschnellen und spürte dass sie sich in ihr Fleisch schnitten. An der Wand gelehnt richtete sie sich langsam auf und lief an der Wand entlang, um sich ein kleinwenig zu orientieren. Sofort wurde ihr klar dass sie in einem kleinen kellerartigen Raum festsaß.
Sie kam den Stimmen immer näher und berührte mit ihren Finger eine Holztür. Vorsichtig lief sie weiter und rutschte an der gegenüberliegenden Wand wieder auf den Boden. Ihre Augen hatten sich langsam an die Dunkelheit gewöhnt, doch es half ihr nicht aus dieser Situation. Sie versuchte sich wieder an alles zu erinnern, doch es gelang ihr nicht. Wenigstens wusste Kate noch wer sie war. Das war schon mal ein Anfang.
Jeff Quinn saß auf einem alten Holzstuhl und blickte wütend zu Sara. „ Was sollen wir jetzt machen?" fragte sie ruhig und versuchte seinem Blick auszuweichen. „ Wir müssen als erstes die Frau loswerden."
Er sah sofort in Saras Augen Angst und Unsicherheit. „ Warum? Können wir Sie nicht einfach hier lassen und verschwinden?" fragte sie weiter und stand auf. „ Ich werde mir etwas überlegen. Hol du endlich was zu essen, oder soll ich hier noch krepieren?"
Sara gehorchte ihm sofort und verließ den Raum. Jeff blickte ihr hinterher, als er sich sicher war das sie verschwunden war, ging er zu Kate.
Ruckartig öffnete er die Tür und blickte zu der kauernden Frau an der Wand.
Kate schlug vor Schreck ihre Augen zu und blinzelte aufgebracht um ihre Augen an das herein strahlende Licht zu gewöhnen. „ So Detective Beckett endlich sind wir ungestört."
Kate spürte wie sich ihre Nackenhaare aufrichteten, als Jeff ihr näher kam. „ Sie machen es nur noch schlimmer, Jeff. Lassen sie mich gehen."
„ Keine Chance. Sie werden mein Freiticket werden." Jeff hockte sich vor Kate und berührte ihr Knie.
Kate sah in die lüsternen Augen von Jeff und spürte seine eklige Hand auf ihrer Wange, schnell versuchte sie sich von ihm wegzudrehen. Er grinste sie kurz an und plötzlich spürte Kate den Schlag in ihr Gesicht. Sie wollte nicht aufschreien, deshalb biss sie sich in die Wange und blinzelte den Schmerz weg. „ Keine Frau drehte sich einfach von mir weg, verstanden?" Vorsichtig streichelte ihre Lippen entlang und verweilte schließlich an ihrem Hals. Kate nickte kurz und versuchte seinem Blick standzuhalten.
„ Was haben Sie vor, Jeff. Glauben Sie allen Ernstes das Sie entkommen können?" fragte Kate und ärgerte sich gleich darauf, als sie seine Faust im Gesicht spürte. Der plötzliche Eisengeschmack in ihrem Mund, ließ sie ausspuken direkt auf Jeffs Hemd. Sie sah die Wut in seinem Gesicht und machte sich auf einen weiteren Schlag gefasst doch er kam nicht. Jeff stand langsam auf und ging, er knallte die Tür zu, Kate lehnte ihren Kopf wieder an den kalten Stein und schloss die Augen.
„ Wo warst du solange?" brüllte Jeff, als er hörte das Sara die Türaufschloss. Sie kam geradewegs herein gepoltert mit einer braunen Papiertüte auf dem Arm. „ Es war viel los." antwortete sie kleinlaut und stellte die schwere Tüte schnaufend auf dem Boden ab. Sie hatte keine Gelegenheit etwas heraus zu suchen, schnell kramte Jeff in der Tüte und kippte alles auf den Boden. Er fand sofort das Fertigessen und eine Dose Cola. Sara wollte gerade angewidert von ihm wegblicken, als ihr das Blut auf seinem Hemd auffiel. „ Was ist passiert?" fragte sie schockiert und zeigte auf das Blut. „ Nichts." nuschelte er beim Kauen und schlug die Zeitung auf.
„ Ist das ihr Blut?" Saras Stimme wurde merklich höher, genervt nickte er nur und sah wie sie zu der Holztür rannte.
Sara konnte es nicht fassen, sie hatten ausgemacht dass der Polizistin nichts getan wird und jetzt sah sie das ramponierte Gesicht von Beckett. Sie hockte sich vor sie und tupfte mit ihrem Taschentuch das Blut von Kates Lippen. „ Es tut mir leid." waren die einzigen Worte, welche sie herausbrachte. Kate zuckte kurz vor Schmerzen zusammen, als Sara ihre aufgesprungene Lippe berührte. „ Lass mich gehen, Sara."
„ Das kann ich nicht. Er würde mich töten." sagte Sara schnell und wich Kates Blick aus. „ Nicht, wenn du unter meinem Schutz stehst." Kate versuchte sich wieder aufzurichten und Saras Aufmerksamkeit zu bekommen. „ Ich werde ihm verbieten Sie noch einmal anzufassen. Haben Sie hunger?" fragte Sara und stand auf. „ Nur Durst." antwortete ihr Kate enttäuscht und beobachtete wie Sara wegging. Wenige Minuten später kam sie wieder und hielt Kate eine Flasche Wasser hin, vorsichtig setzte sie die Flasche an Kates Lippen. Kate trank einen kleinen Schluck und nickte Sara dankend zu. Sie wollte noch einmal in Saras Gewissen reden, doch sie ließ ihr keine Chance dazu. Sara rannte geradewegs aus dem Raum und schloss die Tür ab. Beckett zog ihre Beine weiter an ihre Brust und legte ihr Kinn auf die Knie. Sie hoffte dass die Jungs sie endlich fanden, langsam fingen ihre Arme an einzuschlafen.
Sie spürte die Erschöpfung die Oberhand gewinnen und schloss die Augen.
Kate hörte die vorsichtigen Schritte nicht, welche sich langsam zu ihr voran tasteten. Sie hatte gerade einen Traum und spürte die warme Hand auf ihrer Wange. Langsam öffnete sie ihre Lider und dachte für einen kurzen Moment das Richard vor ihr stand. Doch als sie den Traum von sich weggeblinzelt hatte sah sie Jeff vor sich. „ Ich dachte mir wir machen einfach weiter." Seine Stimme klang erregt, als er in ihr Ohr flüsterte. Kate spürte wie sich all ihre Haare aufstellten. Sie wollte sich von ihm wegdrehen und spürte seine Zunge an ihrem Ohrläppchen. Langsam wanderte er ihren Hals nach unten und stoppte an ihrem Schlüsselbein.
Kate hatte angewidert ihre Augen geschlossen und versuchte nicht aufzuschreien. Es fiel ihr schwer, als sie seine Zunge auf ihrer Haut spürte. Als er gerade an ihrem Schlüsselbein ankam, trat Kate zu. Jeff fiel auf den Rücken und blickte wütend zu ihr. „ Ich mag es, wenn Frauen sich wehren."
Kate sprang schnell auf und musste sich an die Wand lehnen, weil ihre tauben Beine unter ihr zusammen knickten. Sie schaute zu Jeff und musste mit ansehen wie er sich gemütlich wieder aufrichtete.
Kate wollte ein paar Schritte weggehen, doch ihre müden Beine versagten ihr den Dienst. Sie knallte wieder auf den Boden und blickte in das amüsierte Gesicht von Jeff.
„ Lange kannst du dich nicht wehren. Vielleicht gefällt es dir auch." Kate wusste dass er recht hatte, wenn er nun auch noch ihre Füße fesselte, könnte sie sich nicht mehr gegen ihn wehren. Sie hoffte dass Sara ihr helfen würde.
„ Schlafen Sie schön weiter, Detective. Morgen werden Sie sich nicht mehr wehren, glauben Sie mir." damit ließ er sie allein. Kate hatte keine Zweifel an seinen Worten. Ihr Adrenalin hielt sie wach und bereit für einen weiteren Versuch von ihm. Doch er ließ sie die restliche Nacht in Ruhe. Erst jetzt wurde Kate klar, dass sie nicht wusste ob Tag oder Nacht war.
Das monotone Geräusch des Scheibenwischers machte Richard verrückt. Er blickte aus dem Seitenfenster und dachte an Kate. Wie konnte er es nur zulassen, dass dieser Typ sie verschleppte.
Es hatte gerade angefangen mit regnen, als die Detectives und Castle das Reviergebäude verließen. Richard dachte wieder an den Morgen, als sie zu diesem Fall gerufen wurden. Da war seine kleine Welt noch in Ordnung gewesen. Er versuchte nicht seine Fantasien nachzugeben, denn er wusste was alles passieren könnte. Und das wäre sein Untergang. Viel zu lange hatte es gedauert Kate endlich zu zeigen, dass sie die einzige Frau in seinem Leben war. Jetzt wo er seine Träume leben konnte, war sie weg - gekidnappt von einem Mörder.
Sein Herz hatte kurz gestockt, als das Auto von Jeff Quinn gefunden wurde, jetzt wo sie auf den Weg dorthin waren, war er aufgeregt. Seine Hand pochte, vor Schmerzen, er blickte auf seine Handknöchel und strich leicht über den Verband.
Er blickte wieder aus dem Fenster und sah drei Polizeifahrzeuge. Javier stoppte neben diesen und nickte den Beamten zu. Richard konnte nicht weiter auf seinen Sitz bleiben, schnell öffnete er die Tür und rannte zu dem abgesperrten Gebiet. Er sah sich das Auto an und kreiste darum, erst jetzt bemerkte er dass er keine Handschuhe mitgenommen hatte. Javier stellte sich neben ihn und legte seine Hand auf Castle Schulter. „ Beruhig dich. Wir werden Beckett finden." Ryan lief direkt zum Auto und öffnete die Fahrertür. Als Javier ihn sah löste er sich von Castle und folgte Ryan. „ Ich hoffe wir finden sie noch lebend." flüsterte Richard zu sich selbst und beobachtete die beiden Detectives bei der Arbeit.
Ryan setzte sich auf den Vordersitz und blickte über das Armaturenbrett. „ Wie kann man sein Auto nur so verwahrlosen?" fragte Kevin und schüttelte den Kopf. Javier durchsuchte das Handschuhfach und holte ein paar Zettel heraus. „ Hier sind ein paar Tankzettel und ohh…" schnell blickte Ryan zu ihm und entdeckte die Bilder. „ Versteckt die vor Castle." Ryan steckte die Bilder in ein braunes Kuvert und versiegelte diesen. „ Ich hoffe das Beckett nicht das gleiche passiert."
„ Kein Wort, Ryan!" sagte Javier harsch und stieg aus dem Auto aus. „ Die CSU soll das Auto untersuchen." brüllte er zu den Beamten und ging zu Castle zurück. „ Und?"
„ Wir haben ein paar Tankzettel gefunden. Ansonsten Nada." Javier sah deutlich wie sich Richards Körperhaltung veränderte. „ Wir werden die Kassenzettel überprüfen und sein Fahrverhalten rekonstruieren. Vielleicht wäre es besser, wenn du nach Hause gehst und dich ausruhst."
„ Nein, Kate würde auch nicht ruhen, wenn ich in dieser Lage wäre."
„ Daran zweifelt keiner, Castle." Weiter konnte er nicht sprechen, denn Richard erhob leicht seine Hand um ihn zum Schweigen zu bringen. Richard setzte sich wieder ins Auto und starrte gedankenverloren durch die Straßen. Javier wollte ihn eigentlich Mut zusprechen, aber er wusste dass jeglicher Appell sinnlos war.
Als Ryan zu ihm trat, nahm er ihm schnell den Kuvert ab. „ Ich werde damit sofort zur CSU gehen. Fahr du und Castle ins Revier und vergess nicht. Kein Wort darüber!" Kevin nickte ihm zu und stieg ins Auto. Er sah in den Rückspiegel und blickte auf die leicht geknickte Person auf seinem Rücksitz. Er hatte keine Worte, deshalb startete er den Motor und fuhr los.
Richard nahm Javiers Fehlen nicht wahr, seine Gedanken kreisten nur um Kate. Er schloss seine Augen und lehnte den Kopf gen Fensterscheibe. Das kühle Gefühl entspannte ihn leicht und ließ ihn den körperlichen Schmerz vergessen.
CSU
(Crime Scene Unit), Manhattan
New York
Javier ließ sich von einem Polizeibeamten zur CSU fahren. Er suchte Dorian Shaw auf und entdeckte ihn schließlich im Pausenraum. „ Shaw, ich brauch Ihre Hilfe."
Verwundert über die plötzlich laute Stimme, drehte Dorian sich um und entdeckte Javier. „ Wie kann ich Ihnen helfen, Detective?" fragte er freudestrahlend und reichte Esposito seine Hand. Javier ignorierte diese und reichte ihm sofort den braunen Umschlag. Dorian sah gleich das etwas nicht stimmte, schnell lief er in sein Büro und öffnete den Brief. Als er die Bilder herausholte, blickte er geschockt zu Javier. „ Was soll ich damit?" fragte er angewidert und legte die Bilder weg. „ Ich will wissen wo das ist." antwortete ihm Javier und deutete auf das Fenster. „ Check bitte auch nach Fingerabdrücke."
„ Ich werde einen Abzug machen, damit Sie die Frau identifizieren können."
„ Danke, können Sie mir extra noch ihr Gesicht vergrößern? Ich denke den Rest von dem Bild brauchen wir nicht. Verwandte oder Bekannte würden davon nur abgeschreckt werden."
„ Ich glaube niemand will so etwas sehen." Javier nickte ihm zu und beobachtete wie Dorian das Bild einscannte.
Als er fertig war überreichte er Javier die gedruckte Bilder und besprühte das Original mit Ninhydrin ein. Nach ein paar Sekunden tauchten mehrere rosafarbenden Fingerabdrücke auf. Bevor das Reagenz die gefundenen Aminosäuren zerstörte, fotografierte Dorian den Abdruck und ließ in AFIS danach suchen.
„ Das wird dauern. Ich werde versuchen den Gebäudeumriss zuordnen zu können, aber versprechen kann ich leider nichts."
„ Geben Sie einfach Ihr Bestes, dass reicht mir schon." Zum Abschied reichte er Dorain seine Hand und ging.
Als Javier das Gebäude verließ hielt er ein Taxi an und ließ sich zum Revier fahren.
Bevor er jedoch nach oben fuhr, besuchte er Lanie in der Gerichtsmedizin. Er stieß die Flügeltüren auf und entdeckte Lanie über eine Leiche gebeugt. „ Hey." brachte sie leise heraus und blickte zu ihm auf. „ Ich hab ein paar Fragen an dich." Lanie sah sofort, dass etwas nicht stimmte, langsam lief sie zu ihm und umfasste sein Handgelenk. „ Was?"
Javier strich zärtlich über ihre Hand und holte das ausgedruckte Bild aus seiner Innentasche. „ Sag mir, wie ist diese Frau gestorben?" Lanie nahm ihm das Bild ab und blickte mit gründlichen Augen darauf.
„ Das ist schwierig zu sagen. Der Täter hat Sie vergewaltigt, dass sieht man an ihren…"
„ Sag es bitte nicht." sagte Javier schnell und versuchte ihrem prüfenden Blick auszuweichen. „ Hat das …. mit Kate zu tun?" fragte Lanie ängstlich. „ Ich weiß es leider nicht, aber wir fanden dieses und weitere Bilder in seinem Auto."
Lanie schlug die Hände vor den Mund und starrte wieder auf das Bild. „ War…war..Kate auf einem?"
„ Nein, beruhige dich bitte." Javier hielt sie an den Schultern fest und versuchte ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen. „ Lanie, ich muss wissen auf was dieser Typ steht." Lanie blickte in seine Augen und nickte aufgebracht. „ Er hat Sie dabei erdrosselt, aber ich kann dir nicht sagen, ob Sie daran gestorben ist. Auf jeden Fall hat er sie postmortem aufgeschlitzt, dass schlussfolgere ich daraus das nicht viel Blut auf dem Boden ist."
Javier nickte verstehend und nahm ihr das Bild weg. Er umarmte sie und küsste ihren Kopf. „ Wir werden Sie finden. Unversehrt." Er spürte das Lanie weinte und drückte sie noch fester an seinen Körper. „ Wenn er ihr ein Haar krümmt. Kann ich für nichts garantieren."
„ Kate ist stark. Ihr wird nichts passieren." Javier drückte Lanie leicht von sich und blickte in ihre verweinten Augen. Zurückhaltend küsste er sie und verabschiedete sich.
Als er mit dem Fahrstuhl nach oben vor, schaute er auf seine Hände und sah wie sie zitterten.
