Teil 2 – Schnappt Voldi

Eigentlich fühlte Hermine sich ganz behaglich, wenn da nicht jemand penetrant an ihre Wange geklopft hätte.

„Professor Dumbledore! Ich glaube, die Arme ist völlig überfordert. Meiner Meinung nach ist sie einfach nicht nicht reif genug für einen..."

Percy Weasley? Hörte der denn nie auf zu reden? Und was war das überhaupt für ein dummer Traum, in dem der dritte Sohn der Weasleys vor kam? Sie brummelte leise und versuchte Kontrolle über ihre Hand zu bekommen, damit er aufhörte auf ihr herumzuklopfen.

„Mach dir mal nicht soviel Gedanken, mein Junge", unterbrach jetzt die Stimme ihres Schulleiters den jungen Mann. Dumbledore und Percy in einem Traum? Hatte sie gestern zuviel Meeresfrüchte gegessen?

„Lasst mich mal ran."

Gut, jetzt war sie sicher, dass es ein Alptraum war. Die Muscheln! Sie hatte gleich gewusst, dass das nicht gut sein konnte. Snape in ihrem Traum konnte nur durch verdorbenes Essen kommen.

„Miss Granger! Fünfzig Punkte Abzug für ungebührliches Verhalten!"

Kerzengrade stand sie in der Luft, mit weit aufgerissenen Augen und starrte ihrer personifizierten Nemesis direkt in die dunklen Augen.

„Seht ihr? Geht doch", hörte sie das zufrieden klingende Brummen des Tränkemeisters und Hermine wurde schlagartig klar, dass dies kein Alptraum, sondern die verfluchte Realität war.

Sie war wirklich hier im Büro des Schulleiters. Percy Weasley hatte sie wirklich soeben über den Klon unterrichtet. Hermine hatte wirklich zugestimmt bei dieser abstrusen Operation mitzuarbeiten, ohne zu wissen, dass ein beherzter Sprung vom Eulenturm wirklich die besserer Alternative gewesen wäre und ... sie war wirklich in Ohnmacht gefallen.

Wie peinlich!

„Es geht mir gut, danke", murmelte sie leise vor sich hin, da keiner der Anwesenden nach ihrem Befinden fragte. Immerhin war hier soeben jemand Kollabiert! Sie hätte sich etwas brechen können.

Leider hatte sie das nicht. Und auch ihr Kopf schien zu funktionieren. Nach einem blitzschnellen, mentalen Check über alles Körperfunktionen stellte sie zu ihrem Bedauern fest, dass sie keine lebensgefährlichen Verletzungen hatte, die sie von diesem Auftrag ausschließen konnten.

Und Meeresfrüchte hatte es am Vortag gar nicht gegeben.

Nein, sie würde nicht kneifen und dieser Ausgeburt der Hölle die Genugtuung geben, auch wenn ihr die Alternative – der Sprung vom Eulenturm - in diesem Moment besonders verlockend erschien.

Eigentlich hatte sie je schon ahnen müssen. Nein, nicht diese dunklen Vorahnungen alà Sibyll Trelawney, die ständig von schrecklichen Ereignissen sabbelte, die dann doch nicht eintrafen. Eher dieses Gefühl am Morgen besser im Bett geblieben zu sein...

Sie hätte schon gleich nach dem Aufstehen feststellen müssen, dass dies kein guter Tag würde.

Ihre Haare hatten mal wieder an ein Vogelnest erinnert und es hatte trotz jeder Menge Zaubersprüche eine Ewigkeit gedauert bis sie wieder kämmbar waren. Dann wäre sie fast zu spät zum Frühstück gekommen, wo ihr der verfressene Ronald Weasley den letzten Pfannkuchen vor der Nase weggeschnappt hatte.

Es hatte nur Pfefferminztee und Milch gegeben (und sie hasste beides!), da dank ihrer Verbesserung der Elfenrechte diese ihren freien Tag hatten und es keinen frischen Kürbissaft gab, dann die Sache mit Snape, der ihren tollen Vorschlag des 'Blitzschnellblitzblank' nicht zu würdigen gewusst hatte. Danach hatte sie sich ihre Schuluniform versaut, da sie Ginny beim Kesselreinigen geholfen hatte und sie hatte den Punktabzug kassiert.

Zum Mittag hatte es Eintopf gegeben. (Warum hatte sie sich noch Mal für Elfenrechte eingesetzt?) Und dann war dieses Scherze-Paket der Zwillinge angekommen und man hatte nicht vernünftig lernen können. Nicht, dass sie es sonst tun konnte, es nahm ja nie wirklich jemand Rücksicht auf ihre intellektuellen Bedürfnisse. Zur Krönung des Tage war das Memo gekommen...

Leider hatte sie keinen Zeitumkehrer mehr. So einen hätte sie nun wirklich gerne gehabt.

„Wenn dann soweit alles klar wäre, würde ich gerne wieder zurück. Im Büro wartet eine Menge Arbeit auf mich. Alles weitere wird Professor Dumbledore erklären. Viel Glück", verabschiedete sich Percy und verschwand im Kamin.

Hermine vermied es Snape anzusehen, vermutlich hätte sie ihm in einem hysterischen Anfall einen Fluch auf den Hals gehetzt.

Obwohl die Idee vermutlich gar nicht so übel war. Würde sie dafür Arrest bekommen?

Sie entschied sich rechtzeitig es doch nicht zu tun und streckte fordernd ihr Kinn in Richtung des Schulleiters, die nächsten Horrormeldungen erwartend. Schlimmer konnte es ja nicht mehr werden.

„Jemand ein Bonbon?", fragte Dumbledore und blickte auffordernd in die griesgrämigen Gesichter der neuen Agenten des Zaubereiministeriums, die kollektiv ihre Köpfe schüttelten. Na, dann nicht...

„Also gut. Ihr steigt morgen früh um Acht den fahrenden Ritter nach London. Euer Gepäck wird selbstverständlich schon vorab ins Holyday Inn gebracht, dort lasst ihr euch die Schlüssel für Zimmer dreiundsechzig geben, wo euch der Verbindungsmann erwartet, der euch über alles weitere informieren wird. Ich brauche nicht erwähnen, dass über dieses Unternehmen absolutes Stillschweigen herrschen muss. Wir wollen keine Gerüchte aufkommen lassen, was diesen Klon angeht. Die Zauberwelt würde nur in Hysterie verfallen und wir wissen ja nicht einmal genau, was uns erwartet. Ich soll euch noch einmal darauf hinweisen, dass Zaubern nur im allerschlimmsten Notfall erlaubt ist! Ihr dürft keine Aufmerksamkeit erregen, damit der Klon keinen Verdacht schöpfen kann. Wenn er auch nur zum Teil die Fähigkeiten seines Erzeugers hat, spürt er jeden noch so kleinen Hauch von Magie sofort. Noch Fragen?"

Hermine zeigte auf und Dumbledore machte eine Geste mit der Hand, dass dies nicht nötig war.

„Was soll ich denn Ron und Harry sagen? Die werden sicher fragen wo ich bin." Ganz sicher war sie sich dessen nicht, die Jungs hatte zur Zeit alles mögliche im Kopf, aber sie musste für alle Eventualitäten gerüstet sein. Die anderen Mitschüler würden vermutlich nicht einmal bemerken, dass sie weg war.

„Das haben wir bedacht. Ich werde den Herren erklären, dass du kurzfristig ein einmaliges Sonderpraktikum für Hochbegabte an der Universität von Montevideo vorgesehen wurdest. Du wirst ab und zu einfach eine Eule schicken und keiner wird etwas bemerken."

Ja, das erschien selbst Hermine durchaus ein plausibler Grund, den ihre Freunde schlucken würden.

„Und was ist mit Professor Snape?"

„Ich habe wegen Ihnen einen Nervenzusammenbruch erlitten und werde mich auf unbestimmte Zeit in die geschlossene Anstalt des St. Mungos begeben", erklärte dieser lapidar, obwohl ihre Frage sich eigentlich an Dumbledore gerichtet hatte.

Hermine lächelte dünn und nickte, auch das würden vermutlich alle Schüler glauben, worauf Snape sie noch ernster ansah.

„Das war ein Scherz, Miss Granger! Offiziell bin ich natürlich auf einem Fortbildungskurs für Professoren der Zaubertränkekunde."

Seit wann macht er Scherze? Das konnte ja heiter werden. Hermine Granger, Supertalent von Hogwarts, Jahrhundertbeste eben selbiger Schule und Severus Snape, griesgrämiger Lehrer und ehemaliger Todesser, als Spione unterwegs im Auftrag des Ministeriums. Die Kombination an sich war schon explosiv genug, was hatten die sich nur dabei gedacht?

Snape hüstelte kurz und hatte sofort wieder die Aufmerksamkeit seines Arbeitgebers, der gerade dabei war in seiner Süßigkeitendose zu kramen.

„Ist noch etwas, Severus?"

„Allerdings. Wir wollten doch noch die Frage der Hierarchie klären."

„Hä?" Zum zweiten Mal an diesem Tag und vermutlich zum zweiten Mal in ihrem Leben, entfleuchte der Intelligenzbestie Hogwarts ein Laut des Unverständnisses.

Wie war das noch mit den Tagen, an denen man besser im Bett bleiben sollte?

„Nicht jetzt, Severus", flüsterte Dumbledore verschwörerisch und rollte mit den Augen.

„Doch, genau jetzt! Du wirst ihr erklären, dass ich das Sagen bei dieser Operation habe." Snape sah seine neue Mitstreiterin dabei nicht einmal an.

„Hey, Moment Mal!", begehrte Hermine auf. „Wenn schon, sind wir gleichberechtigte Partner bei dieser Operation! Da kann er mich ja gleich fesseln, knebeln und einsperren."

„Darf ich das?" Hoffnungsvoll sah Snape den Schulleiter an, doch der vergrub gerade seine Stirn in den Händen.

„Das fängt ja gut an", stöhnte er leise, überlegte kurz und richtete sich dann auf.

„Ihr werden zusammen Arbeiten, ob ihr wollt oder nicht. Du, Severus, wirst dir ihre Ratschläge anhören, was die Muggel angeht und sie beherzigen. Selbstverständlich hast du das Sagen bei dem Auftrag, aber selbstverständlich darfst du sie nicht fesseln, knebeln oder sonst etwas tun, was sie seelisch, körperlich oder geistig beeinträchtigen könnte. Klar soweit?"

„Schade", murmelte der Tränkemeister und Hermine schnaubte wütend.

„Ich bekomme wöchentlich einen Bericht und wehe ihr vertragt euch nicht!"

Was dann? Hermine wagte nicht es laut zu fragen. Würde er sie in einem See voller scharfer Lakritzschnapper versenken, oder Rictusempra anwenden?

Snape schien ähnlich wie sie zu denken, denn er hatte seine Lippen zu einem spöttischen Lächeln verzogen. Dumbledore war jedoch erfahren genug, um zu wissen, was die Beiden dachten.

„Sonst werde ich dafür sorgen, dass ihre Beruflichen Aussichten auf das einer Hausmeisterin schrumpfen", meinte er freundlich zu Hermine und wendete sich dann an Snape, der das offensichtlich sehr amüsant fand.

„Und du Severus – wirst den Rest deiner Laufbahn in einer Sonderschule für Lernbehinderte Hexen und Zauberer arbeiten. Haben wir uns verstanden?"

„Ja", beeilten sie die neuen Agenten zu bestätigen.

„Fein, noch jemand was Süßes? Ansonsten geht packen."

Im nächsten Teil erfahrt ihr dann, was Snape über die Körpersprache der Muggel weiß, warum er seine Getränke geschüttelt und nicht gerührt zu sich nimmt - und warum Hermine schon wieder in Ohnmacht fällt... wenn ihr wollt....