Ihr Lieben, 1000x Danke für euren aufbauenden Kommentare, auf die ich leider nicht eingehen kann. Bin krank und liege eigentlich mit einer dicken Erkältung und Fieber im Bett (musste mich an den PC schleichen °gg°)

Teil 11 - Kindergartencops

„Es tut mir Leid", wimmerte Hermine auch noch in der U-Bahnstation auf dem Weg zum nächsten Klonverdächtigen. Es hatte sich herausgestellt, dass Arnold Atkins nicht der Gesuchte gewesen war, denn dieser war aus dem hinteren Teil des Ladens gekommen, nachdem er die nicht ganz jugendfreien Flüche eines Kunden vernommen hatte, dessen Ehefrau ihm gerade die Schuhe ruiniert hatte. Wenigstens, so glaubte Hermine nun, würde ihr Pseudogatte nun keine Schocktherapien bei ihr versuchen.

Dieser antwortete nicht und sie vermutete, dass er ihr die Sache mit den Schuhen nicht so schnell vergeben würde. Bei der Inspektion seiner Sachen hatte sie aber festgestellt, dass er noch sechs andere Paare hatte, was also kein größeres Problem darstellen würde. Außerdem sah man schon fast gar nichts mehr.

Diesmal war es nicht einfach sich einen freien Platz in der Bahn zu ergattern. Eine Gruppe Jugendlicher hatte sich in dem Abteil breit gemacht, welches sie bestiegen hatten und ihnen Gegenüber saß nun einer mit einem Ghettoblaster, der allein zwei Plätze beanspruchte und aus dem ohrenbetäubendes Getöse dröhnte, in Form eines abgehackten Sprechgesangs.

„Was ist das?", brüllte Snape Hermine an, da es nicht möglich war in normaler Lautstärke zu kommunizieren. Sie war trotzdem erleichtert, wenigstens redete er wieder mit ihr.

„Musik – soweit mir bekannt ist nennt sich diese Stilrichtung Hip-Hop", erklärte sie ihm, nicht weniger lautstark. Hermine war zwar eine moderne junge Frau, aber diesen Sprechgesang, der aus dem Gerät tönte, konnte sie einfach nichts abgewinnen. Merlin sei Dank brauchte sie nur zwei Stationen den Lärm ertragen.

„Musik?"

Sie sah deutlich, dass Snape ihren Geschmack teilte und das Getöse als nicht besonders ansprechend empfand. Zumindest lenkte ihn das von seinen ruinierten Schuhen ab.

„Yeah, geile Mucke, was Alter?", mischte sich jetzt auch noch der pickelige Teenager ein, der aussah, als wären seine Sachen drei Nummern zu groß. Seine zerrissene Hose schlabberte irgendwo zwischen den Kniekehlen, sein Sweat schien vorher dem großen Bruder gehört zu haben (und vermutlich seit dessen Zeiten nicht mehr gewaschen), allein seine Kappe passte auf den Kopf.

„Junger Mann. Das ist keine Musik. Musik ist eine harmonische Aneinanderreihung von Tönen. Das da" und damit deutete der Professor auf das Gerät, aus dem die dröhnenden Geräusche kamen, „ist Lärmbelästigung."

Drohend hatte sich der junge Mann aufgerichtet und starrte auf Snape herab. Auch einige seiner Freunde, allesamt ähnlich aussehend, waren ebenfalls näher gerückt und musterten den Mann, der es gewagt hatte ihren Rapgott zu beleidigen. Sie konnte ihren Professor ja gut verstehen. Auch sie zog Tschaikowsky oder Gynt allemal einem – wie hieß der Kerl nochmal? Halber Dollar, oder so - vor.

Hermine duckte sich ein wenig und überlegte, ob nun vielleicht der Notfalleinsatz ihres Zauberstabs gekommen war. Zu ihrem Entsetzen aber, beugte sich Alexander vor und hantierte nun an dem elektronischem Gerät. Gut, er hatte einige Erfahrungen mit dem Radio im Hotel und der Wohnung gemacht, als sie ihm die Funktionen erklärte, aber einfach an den Blaster der jungen Leute zu gehen, kam vermutlich einem Todesurteil gleich. Vermutlich versteckten sie unter ihren viel zu weiten Sachen Kalaschnikoffs, Totschläger und diverse Stichwaffen.

Die aber starrten nur mit aufgerissenen Augen auf den dunkelhaarigen Mann, der es wagte ihr Heiligtum zu entehren. Tatsächlich fand Snape schnell die nötigen Knöpfe, fand die Radiofunktion und suchte nach einem geeigneten Sender.

Country, Schlager und Oldies ertönten, wurden jedoch schnell weggedrückt. Hermine fingerte vorsichtshalber schon mal nach ihrem Zauberstab, den sie sicherheitshalber in ihrem Ärmel aufbewahrte. Ganze drei Takte eines Sinfoniekonzert erklangen und sie glaubte schon, dass er den richtigen Sender gefunden hatte, aber dem war nicht so.

Sekunden später dröhnte Heavy Metal durch den Wagon und Snape lehnte sich sichtlich zufrieden zurück...

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Sie war immer noch leicht benommen und hörte nur noch dumpf durch ihre malträtierten Trommelfelle. Vermutlich war es gut gewesen, dass sie somit nichts von der angeregten Unterhaltung mitbekommen hatte, die ihr Professor mit den Heranwachsenden geführt hatte. Das er noch lebte, ließ letztendlich darauf schließen, dass sie ihm den Angriff auf ihren Blaster nicht übel genommen hatten.

Was sie verwunderte, war das pädagogische Geschick, welches er damit an den Tag gelegt hatte. Warum konnte das bitte in Hogwarts nicht so sein? Vermutlich wusste niemand außer ihr, dass er auf solche 'Musik' stand. Wie war das mit der Aneinanderreihung harmonischer Töne? Punk und Metal hätte sie vielleicht auch nicht gerade dazu gezählt. Ob die Muggelwelt einen schlechten Einfluss auf ihn hatte? Vielleicht sollte sie bei Gelegenheit einmal eine Langzeitstudie darüber machen.

Ein dumpfes Brummeln unterbrach ihren Gedankenfluss und verwirrt sah sie zur Seite. Hatte Snape mit ihr gesprochen? Hoffentlich hatte sie kein Knalltrauma.

„Wen haben wir denn als Nächstes?"

Oh – gut, sie war doch nicht ganz taub.

„Das wird dir gefallen", bemerkte sie nicht ohne eine gewisse Spur von Ironie. „Der St. Nicholas Kindergarten. Harvey Averton, beschäftigt bei einer Partyagentur. Nach deren Angaben wurde er für heute 14.00 Uhr in dort gebucht."

Als was und wofür hatte man ihr nicht gesagt, aber das war auch egal. Da es sich um einen privaten Hort handelte war es sicher einfach Einlass zu bekommen, indem man vorgab sich für einen Platz dort zu interessieren. Seinem angesäuertem Gesichtsausdruck entnahm sie, dass ihm der Gedanke an viele Kleinkinder weniger behagte und entlockte ihr ein Lächeln. Vermutlich würde sie der Anblick eines von Muggelzwergen umzingelten Snape für die erlittenen Ohrenschmerzen entschädigen.

Angekommen sah man auch sofort wo sich der Kindergarten befand. Hinter einem sehr hohen Zaun spielten lautstark auf einem Spielplatz ein gutes Dutzend kleiner Kinder und machten mehr Lärm als der Gettoblaster der Jugendlichen in der U-Bahn.

Hermine blieb extra ein wenig länger an dem Tor stehen, bevor sie eine Erzieherin erblickte und heranwinkte. In der Zeit hatten sich schon eine kleine Traube von kniehohen Menschen vor ihnen versammelt, welche neugierig zu ihnen hinauf starrten.

„Bist du der Zauberer?"

Snape trat, trotz des Zaunes zwischen ihm und den Kindern vorsichtshalber einen Schritt zurück und entschloss sich dann den kleinen Jungen, der gefragt hatte, drohend anzusehen. Dieser grinste frech, streckte seine Zunge heraus und lief dann kreischend davon.

„Das ist doch kein Zauberer, das sieht man doch", meinte ein ungefähr vierjähriges, pummeliges Mädchen altklug und rümpfte die sommersprossige Nase. Der hat gar keinen Umhang und auch keinen Stab und kein Hut."

„Vielleicht habe ich mich verkleidet?" Snape war mit zusammengekniffenen Augen in die Hocke gegangen und starrte die kleine Besserwisserin böse an.

„Und wenn ich dir nun erzähle, dass ich doch einer bin? Und das hier, ist eine echte Hexe." Lapidar zeigte er auf Hermine, die empört nach Luft schnappte. Was dachte er sich denn dabei so etwas unschuldigen Kindern zu erzählen?

„Quatsch", entgegnete es ihm schnippisch und die Kleine wackelte mit ihren Zöpfen. „Die gibt's doch gar nicht, hat meine Mama gesagt."

„Irgendwie erinnert sie mich an dich", meinte der Professor zu der jungen Frau an seiner Seite, „Vorlaut, besserwisserisch und immer das letzte Wort."

„Das stimmt doch gar nicht", empörte sich Hermine. Die Kinder machten inzwischen Platz für ihre Erzieherin, die Hermines winken gefolgt war.

„Da, du tust es schon wieder."

„Was?"

„Das letzte Wort haben."

„Gar nicht wahr."

„Kann ich etwas für Sie tun?" Vermutlich wäre der Disput noch eine Weile weiter gegangen, wenn die freundliche Frau mit Nerven aus Stahl sie nicht unterbrochen hätte.

„Smith, Alexander Smith. Das hier ist meine Frau Jane. Wir wollten uns ein wenig umsehen, da wir einen geeigneten Platz für unseren Nachwuchs suchen."

Die nette Dame stellte sich als Emma Miller vor, Leiterin des Kindergartens und bat beide freundlich herein.

„Was ist es denn, ein Junge, oder ein Mädchen?", fragte sie interessiert.

„Junge", meinte Snape, während Hermine gleichzeitig „Mädchen" sagte.

Irritiert zwinkerte Emma und ihr Gesichtsausdruck wurde sichtlich misstrauisch.

„Junge und Mädchen", beeilte sich Hermine den Patzer auszubügeln. „Zwillinge."

„Achso." Verständnis las sich nun auf ihrem Gesicht ab. „Wie alt?"

Snape sah zu Hermine, da er nicht sicher zu sein schien wie alt Kinder zu sein hatte, um in den Kindergarten zu gehen.

„Vier", beeilte sich Hermine zu antworten.

„Oh, verzeihen Sie die Bemerkung, aber dann müssen Sie früh angefangen haben." Das Lächeln der Leiterin war ein wenig zu süffisant als dass es Hermine gefiel. Verdammt, das hatte sie nicht bedacht, immerhin sah sie noch nicht aus wie eine Mittzwanzigerin.

„Das sind die Kinder aus meiner ersten Ehe." Hermine zog ihre Brauen zusammen. Die Aussage ihres Partners gefiel ihr noch weniger, warum auch immer...

„Sehen Sie sich gerne etwas um. Sie haben Glück, wir erwarten heute den Zauberer. Wenn Sie wollen, dürfen Sie gerne ein wenig zusehen. Wir bieten den Kindern hier jede Menge Abwechselung. Melden Sie sich bei mir, wenn Sie noch Fragen haben."

Damit ließ die das Ehepaar allein und überließ es seinem Schicksal.

„Das ist natürlich kein echter Zauberer", beeilte sich Hermine ihrem Gatten zu erklären, als Emma verschwunden war. „Das sind nur Tricks, keine echte Magie. Es sei denn, es würde sich um unseren Klon handeln, dann..."

„Ich verstehe, was du meinst", raunte Snape und nahm mit spitzen Fingern die Hand eines Dreikäsehochs von seiner Hose, die nicht besonders sauber aussah. (A/N: Die Hand, nicht die Hose!)

„Wir sollten so tun, als würden wir uns umsehen", meinte Hermine, um nicht zuviel Aufmerksamkeit zu erregen. Sie hatte gesehen, dass Emma ein wenig zu neugierig zu ihnen herüber sah. Snape nickte und um den schmutzigen Händen der Kinder zu entkommen, beeilte er sich in das Innere des Kindergartens zu kommen.

Die Gruppenräume waren allesamt kindgerecht eingerichtet und auch dort spielten noch einige Kinder. An einem Tisch wurde gemalt und Hermine stellte sich dazu, um die Gemälde scheinbar interessiert zu betrachten, während Snape sich an einen anderen Tisch stellte, an dem geknetet wurde.

„Schau mal", meinte ein kleiner Junge auffordernd zu ihm und streckte ihm ein unförmiges Etwas aus roter und gelber Knete entgegen. Etwas unsicher sah Snape zu Hermine, doch die schien ihn zu ignorieren.

„Was soll das denn sein?", fragte er schließlich, denn der Junge schien nicht aufzugeben, bevor er etwas zu dem abstrakten Kunstwerk gesagt hatte.

„Ein Pferd."

„So sieht aber kein Pferd aus. Da ist kein Hals und der Kopf ist auch zu groß."

Hermine sah auf, als das ohrenbetäubende Kreischen begann und eilte sofort zu ihrem Pseudogatten, der missmutig seine Arme vor der Brust verschränkt hatte.

„Was hast du denn gemacht?", herrschte sie ihn böse an und streichelte dem Jungen tröstend über den Kopf, der sich auch schnell wieder beruhigte.

„Gar nichts. Ich habe ihm lediglich meine Meinung zu diesem 'Dingsda' klar gemacht."

„Das ist ein Pferd", heulte der Junge mit der Lautstärke einer Feuerwehrsirene erneut los.

„Aber natürlich ist es das", beschwichtigte Hermine ihn sofort wieder und betrachtete die unförmige Knetmasse mit einem begeisterten Gesichtsdruck. „Ein wunderschönes Pferd sogar. Es hat vier Beine und einen Schweif. Und diese tolle Farbe! Das hast du wirklich selbst gemacht?"

Das kreischende Heilgeräusch verebbte und Hermine sah noch einmal strafend zu dem Professor hinauf. Der Junge schien es schon wieder vergessen zu haben und knetete erneut mit den kleinen Händen drauflos.

„Ich bin nicht der Meinung, dass man diese Kinder anlügen sollte." Allerdings war er doch vorsichtig geworden und flüsterte, damit das Kind nichts davon mitbekam.

„Meine Güte, er ist doch höchstens Vier. Was erwartest du denn bitte? Ist es zuviel verlangt, wenn du ein wenig Fantasie benutzt?"

„Auch wenn du mir nicht glaubst, aber selbst mit Fantasie war aus dem Klumpen kein Pferd zu erkennen."

„Ist kein Pferd mehr, ist ein Auto", mischte sich der kleine Künstler erneut in das Gespräch ein und hielt nun die leicht veränderte Masse unter die Nase des Professors. Der nickte nur unwirsch und zog seine Gattin eine Stück weit aus der Gefahrenzone.

Allerdings schien der Junge nicht so leicht abzuwimmeln. Nur eine Sekunde später stand er wieder hinter ihnen und zupfte seinem Kritiker am Ärmel.

„Jaja, ein Auto", knurrte Snape und wollte wieder abrücken, doch der Knirps ließ ihn nicht.

„Du bist blöd", meinte er zu dem dunkelhaarigen Mann, der sich versteifte und statt seiner lieber Hermine mit Blicken tötete. Diese zuckte mit den Schultern und lächelte vor sich hin.

„Es gibt hier so ein Sprichwort: Betrunkene und kleine Kinder sagen immer die Wahrheit."

„Und du bist auch blöd", streckte der Kleine ihr die Zunge raus.

„Ach ja?" Snape hatte seine Braue erhoben und lächelte ebenfalls. In diesem Augenblick war ihm sogar das nervige Kleinkind sympathisch.

„Kevin! Du wirst dich sofort bei den netten Leuten entschuldigen", dröhnte die energische Stimme einer jungen Erzieherin, die die letzten Sätze ihres Schützlings mitbekommen hatte.

Erwartungsvoll sah Snape auf den Kleinen herab. Wenigstens bekam er so ein wenig Genugtuung.

„Also?", auffordernd stupste die junge Frau Kevin ein wenig an, doch der schmollte.

„Was haben wir denn heute gelernt?" Noch einmal versuchte sie den Kurzen zu einer Entschuldigung zu bewegen. Offensichtlich hatten sie heute etwas über Benehmen gelernt, mutmaßte Hermine.

Böse starrte Kevin auf den dunklen Mann und schob seine Unterlippe nach vorn.

„Jungen haben einen Penis und Mädchen eine Vagina."

Mit hochrotem Kopf schob die junge Dame nun das Kind zur Seite und entschuldigte sich für ihn. „Ähm - das haben wir heute auch als Thema gehabt. Ich weiß gar nicht, was in ihn gefahren ist.. Eigentlich ist er ein lieber Kerl."

„Ja, wirklich und so aufgeklärt."