Vielen Dank an Sepsis, -Lord of Slytherin- und Tatze81. Ok, der letzte Teil war vermutlich nicht ganz so witzig. Vielleicht gefällt euch das heutige Dinner ja besser ;-)

Teil 13 – Das perfekte Dinner

Sie hatten den ganzen Tag potentiellen Klone aufgelauert und waren – welche Überraschung – nicht fündig geworden. Hermine schmerzten inzwischen die Füße und auch Snape schien nicht die beste Laune zu haben. Nicht weil sie Voldemorts Double noch nicht gefunden hatten, sondern weil seine 'Angetraute' ihm wegen der Zauberaktion im Kindergarten immer noch in den Ohren hing.

So entschlossen sie sich am späten Nachmittag aufzuhören und erst einmal in ihre kleine Wohnung zu fahren. Hermine war selbst für einen Restaurantbesuch zu müde und da eine Untersuchung des Kühlschranks und der Vorratsschränke am Morgen ergeben hatte, dass man durchaus eine paar Tage mit dem Inhalt überleben konnte, war sie froh darüber, dass auch Snape die heimischen vier Wände für die nötige Nahrungsaufnahme bevorzugte.

Sie hatten zusätzlich Glück, dass ihnen Walli und Trudchen nicht begegneten und sie ohne Unterbrechung bis in das Apartment gelangten.

Nachdem sie sich frisch gemacht hatten, inspizierte Hermine noch einmal den Schrank in der Küche und überlegte, was man sich zu Essen machen konnte.

„Magst du Ravioli?", rief sie ihrem Gatten zu, welcher sich mehr um das abendliche TV-Programm interessierte, als für das Essen. Es erschien ihr zwar ungerecht, dass er offensichtlich voraussetze, dass sie sich um das Kochen kümmerte.

Allerdings hatte Hermine ihm nicht verraten, dass es einen weiteren kleinen, unbedeutenden Schwachpunkt in ihrem Leben gab. Sie konnte es nicht!

Doch ihr innerer Optimismus siegte. So schwer konnte das letztendlich ja nicht sein.

Da er nicht sofort antwortete, schlug sie ihm ein weiteres Mahl vor, von dem sie annahm, dass sie es hinbekommen konnte.

„Oder lieber Cornflakes?"

Ihr brauner Haarschopf tauchte hinter der Tür vor, nachdem sie immer noch keine Antwort bekam und erkannte, dass er sie wohl beobachtet hatte.

„Na was denn nun?", herrschte sie ihn ungeduldig an. Ihr knurrte nämlich der Magen und wenn er sich nicht gleich entschied, so dachte sie für sich, konnte er sehen wo er blieb. Vermutlich waren seine Kochkünste noch miserabler als ihre.

„Ist das so etwas wie diese Hotdogs?", fragte er vorsichtig und Hermine lächelte amüsiert.

„Nein, auch nicht wie Hamburger. Ravioli sind gefüllte Nudeln und Cornflakes bestehen aus..." Vorsichtshalber schaute sie noch einmal auf die Packung, denn sie wollte auf keinen Fall falsche Informationen weitergeben. „Mais und Zucker."

„Hm", kam es einsilbig von ihm zurück. Die Auswahl war ja auch wirklich schwer, dachte Hermine und rollte mit den Augen.

„Also Ravioli", entschied sie sich einfach, denn sie wollte ihn ja schließlich mit einer warmen Mahlzeit überraschen, öffnete die Dose umständlich mit einem Muggeldosenöffner und schüttete den Inhalt in einen Topf. Ha, wenn ihre Schulkameraden das sehen könnte, würden sie vermutlich vor Staunen die Münder nicht mehr zu bekommen. Hermine Granger kochte! Grinsend stellte sie sich alles haarklein vor. Es gab ja auch eigentlich nichts, was sie nicht beherrschte.

Ob es richtig war, dass das ganze so schrecklich roch?

Hastig zog sie den Topf von der Herdplatte und rührte den Inhalt um, soweit dies noch möglich war. Etwa die Hälfte hatte ein dunkelbraune Farbe angenommen und klebte zusammen, der Rest sah noch genießbar aus und hatte lediglich einen leichten Brandgeruch.

Mutig verteilte sie den Farbmix auf Teller und präsentierte stolz den kulinarischen Genuss ihrem Ehemann auf Zeit.

Nachdem sie vorsichtig probiert hatte, sank ihre Hochstimmung allerdings um ein paar Nuancen. Essbar war es zumindest noch, man durfte den frisch erworbenen Optimismus ja nicht gänzlich verlieren.

„Was bei allen Riesen des Atlasgebirge, soll das bitte sein?"

OK, nun war es doch vorbei mit dem positiven Denken, jedoch erwachte in ihr der Kampfgeist. Immerhin war sie hier nicht als Hauselfe mitgekommen.

„Wenn du es besser kannst, hättest du ja kochen können", schimpfte sie zurück und dachte ernsthaft darüber nach, ob es nicht sinnvoll wäre einen Fastentag einzulegen. Sollte ja durchaus gesund sein, hatte sie mal gelesen. Außerdem hatte sie irgendwo noch eine Tüte Chips gesehen. Kartoffeln waren ja auch ein vollwertiges Nahrungsmittel, wenn man es genau betrachtete.

Snape brummelte etwas Unverständliches, worüber sie wirklich froh es nicht zu verstehen, stand auf und warf den pampigen Inhalt seines Tellers in den Müll.

Hermine entschloss sich nun doch für den Fastentag, schmollte und würdigte ihn mit keinem Blick mehr, sondern widmete sich dem Fernsehprogramm. Was er konnte, konnte sie schon lange.

Ein paar Mal war sie versucht gewesen hinter sich zu blicken, um nachzusehen, was er in der angrenzenden Küchenzeile so trieb, aber ihr Stolz überwog. Sollte er sich doch die Cornflakes einverleiben, sie würde standhaft bleiben und lieber verhungern, als nachzugeben.

Eine gute halbe Stunde später wurde sie aber doch stutzig. Zunächst einmal, weil ein unwiderstehlich angenehmer Duft sich bis in das kleine Wohnzimmer zog, zum anderen, weil Snape immer noch nicht wieder vorm Fernseher aufgetaucht war. Für Cornflakes brauchte man ja schließlich keine Ewigkeit. Hatte er sich etwas anderes gemacht? Stur und Trotzig verbot sie sich hinter sich zu sehen und nach einer weiteren Viertelstunde konnte sie sich nicht einmal mehr auf das Programm konzentrieren, denn der Geruch war derartig lecker und intensiv, dass ihr Magen lautstark gegen ihren Fastentag rebellierte. Wo waren die verflixten Chips nochmal?

Sekunden später hielt Snape ihr einen vollen Teller hin, von dem der Duft verlaufenen Käses unwiderstehlich in ihre Nase zog. Reiner Selbsterhaltungstrieb war es, der sie gierig danach greifen ließ. Allerdings aß sie nicht sofort, sondern sah misstrauisch ihren Lehrer an.

„Du kannst KOCHEN?" Allein die Annahme war schon verrückt genug, aber das eindeutige Endprodukt lag vor ihr in Form eines köstlich duftenden Auflaufs auf einem Teller.

„Ja, na und?"

Hermine registrierte erst nach Sekunden, dass sie ihn mit offenem Mund anstarrte. Das würde ihr ohnehin in Hogwarts niemand glauben.

„Aber ich dachte ... und... verdammt, warum hast du das nicht gesagt?"

„Du hast nicht gefragt, jetzt iss. Du bist ohnehin zu dünn."

Na, das sagte der Richtige. Außerdem war sie nicht zu dünn, ganz im Gegenteil. Ihre Hüften waren zu breit, der Busen zu klein und vermutlich würde sich morgen der Käse auf diesem Auflauf in Form von Zellulite auf ihren Oberschenkeln niederschlagen.

Und bei Merlins Kopfläusen, wann hatte er sie bitte so genau angesehen um das beurteilen zu können?

Frustriert starrt Hermine auf den Teller. Jetzt fing sie schon an sich Gedanken darüber zu machen, dass Snape sie nicht attraktiv fand.

Trotzig schob sie sich eine Gabel voll in den Mund und unterdrückte nur mit Mühe ein Stöhnen. Zu allem Ärger war es genauso köstlich, wie es roch. Leider war ihr Mund schneller als ihr Kopf und sie sprach es aus, bevor sie es verhindern konnte.

„Kochen ist nicht viel anders als Tränke zu brauen. Was man braucht ist ein gutes Rezept und Kreativität das Endergebnis zu variieren und zu verbessern."

Fein, sollte sie ihm jetzt vorschlagen demnächst Kochunterricht zu erteilen? Vermutlich wäre dies das erste Fach in dem sie nicht mit einem Ohnegleichen bestehen würde. Gut dass für sie die Schule vorbei war. Mit dem, was sie über ihn gelernt und mit ihm erlebt hatte, wäre ein vernünftiger Unterricht sowieso nie mehr möglich.

Allerdings hatte sich für sie herausgestellt, dass sich diese Snape-Version von der in Hogwarts deutlich unterschied. Nicht nur optisch. Ohne den Umhang und diesen ständigen Miesepeterblick wirkte er deutlich jünger und beinahe attraktiv. Wenn man auf eine gewisse Weise betrachtete. Nicht, dass sie das tat. Außerdem entdeckte sie verborgene Talente.

Er hatte Geschmack bewiesen was die Auswahl seiner Kleidung betraf und er konnte Kochen!

„Stimmt etwas mit dem Essen nicht?"

Hermine zwinkerte und schüttelte ihren Kopf. Nein, ganz im Gegenteil.

„Warum starrst du mich dann so an?"

Hastig sah sie weg und hoffte, dass er nicht bemerkte wie ihr das Blut in die Wangen schoss. Bei allen Wurzelgnomen - war das peinlich. Um sich abzulenken, aß sie hastig weiter und hätte am Ende den Teller am liebsten abgeleckt.

„Was steht morgen auf dem Programm?", fragte er sie, nachdem Hermine das Geschirr weggebracht und eisern vermieden hatte ihn auch nur noch einmal anzusehen.

„Einen Augenblick, das haben wir gleich", antwortete sie und holte den Laptop. Sie war froh, dass dies ihr ein wenig Ablenkung gab.

Minuten später hatte sie die ersten Namen abgehakt und schaute nach wen sie morgen auf der Liste hatten. Die meisten waren gut zu erreichen. Ein Student, drei Verkäufer, ein Kellner und .. „Oh."

„Oh?", wiederholte Snape und schob seine linke Braue in die Höhe.

„Das wird ein wenig schwierig. Lester Baker ist Verteidiger beim FC Arsenal."

Da sie kein Anzeichen bekam, dass er wusste wovon sie redete, erklärte Hermine einfach weiter.

„Das ist das größte Fußballteam hier in London, um nicht zu sagen Englands."

„Fußball?" Ganz offensichtlich hatte er nicht die geringste Ahnung von den sportlichen Aktivitäten der Muggelwelt.

„Ja, Fußball. Es hat hier den gleichen Stellenwert wie Quidditch in der Zauberwelt. Morgen ist sogar ein Spiel gegen Manchester United, doch seit Wochen ausverkauft. Da wird es schwer an Karten zu kommen."

„Nun, meine liebe Miss-wir-dürfen-nur-im-Notfall-zaubern. Vermutlich rechtfertigt das nun doch den Gebrauch von Magie?"

Hermine brauchte nicht lange, um zu überlegen und schüttelte heftig ihren Kopf.

„Nein, das brauchen wir nicht. Ich werde Wilbur eine email schreiben, dass er uns irgendwie noch Karten besorgt. Bestimmt haben die in seinem Ministerium eine Möglichkeit."

Er sah nicht so aus, als würde ihm der Vorschlag gefallen, aber Snape sagte nichts weiter dazu. Ganz offensichtlich interessierte ihn etwas anderes mehr.

„Spielt man das auch mit Besen?"

Es dauerte eine Minute bis Hermine ihren Hustenanfall unter Kontrolle hatte. Die Vorstellung wie zwanzig stramme Jungen mit ihren Besen versuchten ein Tor zu erzielen hatte durchaus etwas für sich.

„Nein, mit einem Ball."

„So etwas wie ein Quaffel?"

Das wurde nun doch kompliziert. Hermine war nicht sonderlich interessiert an Sport, jedoch kannte sie außer dem Tagespropheten auch die wichtigsten täglichen Tageszeitungen der Muggel. Man musste schließlich über alles auf dem Laufenden bleiben. Außerdem hatte ihr Vater sie bis zu ihrem elften Lebenjahr jeden Sonntag mit zu seinem Lieblingsclub mitgenommen, daher kannte sie sich mit Fußball beinahe besser aus, als mit der beliebtesten Sportart der Zauberwelt.

„Beim Fußball haben wir zwei Teams mit jeweils elf Spielern. Sinn und Zweck ist es, den Ball in das gegnerische Tor zu bringen."

„Klingt zumindest ähnlich wie Quidditch", murmelte Snape und schien sichtlich interessiert zu sein.

Es dauerte ein wenig bis sie ihm die wichtigsten Regeln erklärt hatte, aber Snape hatte eine gute Auffassungsgabe und verstand sogar die Abseitsregeln beim ersten Mal.

Zumindest war ein Besuch im Highbury Stadion bestimmt ein kleines Highlight, obwohl sie sich nicht vorstellen konnte, dass der Klon des berüchtigten Zauberers aller Zeiten der linke Verteidiger von Londons bester Fußballmannschaft sein konnte.

Gemeinsam erstellten sie einen Plan wie die anderen Verdächtigen am Besten auszuspionieren waren und widmeten sich dann gemeinsam noch dem Fernsehprogramm, denn es liefen gerade die Nachrichten des Tages.

...wird es sicher zu Turbolenzen im Londoner Nahverkehr kommen. Die Streiks sind hinsichtlich der..."

Hermine schaute zu ihrem Sitznachbarn und auch dieser schien sofort verstanden zu haben, worum es ging. Die Bahn und Busbetriebe wollten streiken. London war riesig, das konnte man unmöglich zu Fuß erledigen und vermutlich war für den nächsten Tag auch kein Taxi zu bekommen.

„Vielleicht können wir eins dieser 'Autos' benutzen?", schlug ihr Pseudogatte vor und Hermine erbleichte. Sie hatte ja nicht einmal einen Führerschein! Das hieß, sie hatte schon einen, aber der war gefälscht.

„Auf keinen Fall", keuchte sie erschrocken. „Vermutlich bekommen wir so kurzfristig nicht einmal einen Mietwagen."

„Dann soll uns Wilbur einen besorgen."

Mit grimmiger Miene überlegte sie was zu tun war. Ihre schmerzenden Füße rebellierten bei der Vorstellung morgen einen doppelten Marathonlauf hinzulegen.

„Ich kann ihn ja fragen", meinte sie vorsichtig und überlegte hastig andere Ausreden. „Aber ich kann nicht fahren."

„Nun, dann werde ich das übernehmen." Schmunzelnd lehnte er sich zurück in das Polster und Hermine entschloss sich vorsichtshalber ihr Testament zu schreiben. Allerdings erst am nächsten Tag, sie war einfach zu müde um jetzt noch mit ihm über die Gefahren des Autofahrens zu diskutieren. Außerdem gab es da ja immer noch die Bettenfrage.

Wieder halbwegs wach über den Gedanken, richtete sie sich auf und schielte vorsichtig zu ihm herüber. Ob es sehr unverschämt war, wenn sie ihm das Bettzeug einfach hier auf das Sofa legte?

Oder sollte sie das Thema anschneiden und ihm somit wenigstens die Möglichkeit geben, sich wie ein Ehrenmann zu verhalten und die Couch zu nehmen?

Alleindings verhielt er sich nicht unbedingt wie einer, von daher war es sicher besser, sie stellte ihn vor vollendete Tatsachen.

Müde schleppte sie sich in das Schlafzimmer, packte ein Oberbett und ein Kopfkissen zusammen und stolperte damit zurück. Es waren noch immer einige Schachteln ungeöffnet, aber der Tag war anstrengend genug gewesen. Sollte er sich doch selbst um seine Sachen kümmern.

Wieder im Wohnzimmer warf sie die Sachen auffordernd neben ihn und lächelte dünn. Das sollte durchaus als stille Aufforderung reichen. Sofort stand er auf und nickte.

„Du bist müde, das kann ich verstehen."

Oh, das war ja einfacher, als sie geglaubt hatte. Zumindest hatte sie etwas Widerstand erwartet.

„Du hast Recht. Ich werde mich auch zurückziehen. Gute Nacht."

Sprachs und verschwand im Schlafzimmer, während Hermine ihm völlig geschockt hinterher sah.

Na, was für ein Auto werden unsere Helden bekommen? Und wird Snape wirklich fahren? Gewinnt Arsenal und ist der linke Verteidiger ein Klon? Dies im nächsten Teil, der da heißt...

Ey Mann, wo is' mein Auto?