Vielen lieben Dank für euer Feedback! Schön, dass es doch noch Interessierte gibt ;-) - Jetzt viel Vergnügen mit der ersten 'Bettszene'

Teil 15 - Bettgeflüster

„Auuuuoooohhhhhhhhh."

Diese Lautäußerung hatte definitiv etwas von einem leidenden Tier – zumindest war dies der erste halbwegs logische Zusammenhang, den Hermine erfassen konnte. Der Nächste war, dass sie selbst es war, die diesen Laut hervorgebracht hatte.

Einige Sekunden später erkannte sie den Grund in Form eines stechenden Schmerzes hinter ihren Schläfen.

Sie musste krank sein. Das, oder man hatte sie mit einem stumpfen Gegenstand niedergeschlagen. Das könnte auch das schwarze Loch in ihren Gedanken erklären, welches sich dort befand, wo eigentlich Erinnerungen sein sollten.

Da ihre bleischweren Lider sich nicht öffnen lassen wollten ohne eine weitere Schmerzattacke auszulösen, begnügte sie sich vorerst damit, vorsichtig eine Hand auszustrecken und zu prüfen, in welcher Umgebung sie sich befand.

Es war eindeutig ein Bett! Das Laken unter ihr war zerknüllt, aber unzweifelhaft ein Bettlaken und ihr Kopf lag vergraben in einem Kopfkissen. Ihre Hand suchte noch ein wenig weiter und stieß wenige Zentimeter weiter an ein Hindernis.

Es dauerte einige Sekunden bis ihr klar wurde, dass sie nicht allein in diesem Bett war.

Erschrocken riss sie nun doch ihre Augen auf, doch nur, um sie sofort mit einem gequälten Zischen wieder zu schließen.

Sie halluzinierte! Jawohl! Die Nachwirkungen des gemeinen Überfalls ließen sie Dinge sehen, die nicht da sein konnten. Vor allem keine Professoren für Zaubertränke in ihrem Bett.

Es dauerte, bis die Matratze aufhörte zu schwanken wie ein Boot im Sturm. So eine Gehirnerschütterung konnte erhebliche Auswirkungen auf den Verstand haben, das kannte sie aus einigen Lehrbüchern. Amnesien und Halluzinationen.

Sie konnte sich genau an ihre Formeln der Arithmantik erinnern, die die Theorie der Einmaligkeit des... Naja, jedenfalls an fast alle, aber nicht, wie sie in dieses Bett gekommen war.

Sie sollte es systematisch versuchen, soviel war ihr klar. Das letzte, woran sie sich erinnerte, war ein Pub und ein doppelter Scotch...

„Wie geht es dir?"

Ärgerlich verscheuchte sie die dröhnende Stimme in ihrem Kopf mit ihrer Hand, aber es brachte nichts.

„Nicht so laut", krächzte sie, stellte aber mit Entsetzen fest, dass sie wohl doch nicht halluziniert hatte. Die Stimme hätte sie unter einer Million wieder erkannt.

Das Bett schwankte erneut, diesmal weil sie jemand daraus erhob und Hermine kniff ihre Augen noch fester zusammen, um ja nicht in Gefahr zu geraten hinzusehen. Der Schock wäre zu groß, dessen war sie sich bewusst. Genauso, wie sie sich bewusst wurde, dass sie unter der flauschigen Decke nichts an hatte.

Nicht nur, dass sie im Bett zusammen mit ihrem Lehrer aufgewacht war – nein – sie war auch noch nackt. Ihr beeinträchtigter Verstand weigerte sich hartnäckig weitere Rückschlüsse zu ziehen.

Wo war sie bei ihrem Erinnerungsversuchen stehen geblieben? Ah ja, der Pub und der Scotch. Sie war nass gewesen und hatte sich damit aufwärmen wollen. Eigentlich eine gute Sache, wenn es bei einem geblieben wäre.

So langsam kamen weitere Erinnerungen dazu. Ihr sogenannter Gatte war ihr gefolgt und aus Frust hatte sie sich gleich noch einen Doppelten bestellt...

Der Rest befand sich in einer Art Nebel. Eindrücke verfolgten sie. Da waren laute Männer, ein kleiner Bus und Jubelrufe. Sie hörte sich selbst 'Rule Britannia' singen, obwohl das ganz sicher eine Einbildung sein musste.

Ein furchtbares Schrillen – offensichtlich pfiff Snape vergnügt im Bad vor sich hin – verfolgte sie durch zwei Wände. Ein Anzeichen dafür, dass ihr Gehör bei der niederträchtigen Attacke nicht in Mitleidenschaft gezogen worden war. Es schien sogar viel ausgeprägter als vorher.

Nach einer kurzen Untersuchung ihres Kopfes (was gar nicht so einfach war, das sie keine hundertprozentige Kontrolle über ihre Gliedmaßen hatte), musste sie allerdings feststellen, dass sie keine äußerlichen Anzeichen von Gewalteinwirkung auf ihren Schädel hatte – auch wenn dieser hartnäckig protestierte und das Gegenteil behauptete.

Blieb also nur die andere Möglichkeit: Sie war krank! Das konnte auch erklären, warum sie diesmal das Bett bekommen hatte. Es gab sicher eine völlig logische Erklärung dafür, dass Sanpe ebenfalls darin gewesen war.

Reine Fürsorge zum Beispiel.

Hm...

Nein, das war dann doch eher unwahrscheinlich. Eine andere Begründung kratze an ihrem Unterbewusstsein, wurde aber vom einsetzenden Verstand in eine dunkle Ecke verwiesen.

Nach einige missglückten Versuchen schaffte sie es endlich sich aufzusetzen. Das unangenehme Schaukeln des Bettes legte sich nach einer Minute des Stillhalten und endlich gelang es ihr auch wieder ein Auge zu öffnen. Ähnlich ihrem Gehör war auch das Sehzentrum insoweit geschädigt, dass sie normales Tageslicht als zu grell und unharmonisch empfand.

Mit ihrem Geruchssinn war es auch nicht gut bestellt. In der Luft lag ein Hauch von Alkohol, Erbrochenem und – Kaffee? Ihr wurde schlagartig übel und sie verbarg stöhnend ihren Kopf in den Händen. Es dauerte auch wieder bis sie es wagte durch ihre Finger zu blinzeln und sich das Chaos um sie herum anzusehen. Ihre Sachen lagen überall im Zimmer verstreut. Ein Schuh auf dem Nachttisch und was hang da bitte an der Deckenbeleuchtung? Sie war eine äußerst ordentliche Hexe und sie kam niemals auf die Idee ihre Unterwäsche an derartig seltsamen Orten aufzubewahren.

Um Merlins Willen! Hatte Snape das etwa gesehen? Musste er ja wohl, wenn er sich ebenfalls in diesem Zimmer aufgehalten hatte. Hastig sprang sie auf und hüpfte ein paar Mal, bis sie ihren BH von der Lampe ziehen konnte. Die ganze Aktion tat weder ihrem Kopf gut, noch ihrer eingeschränkten Motorik. Dazu kam, dass ihr größtes Ärgernis sie offensichtlich dabei beobachtet hatte, denn er stand mit einem großen Becher im Türrahmen und trug ein derartig dreckiges Grinsen im Gesicht, dass sie ihn am liebsten mit ihrem Büstenhalter erdrosselt hätte...

Wenn ihr nicht gleichzeitig bewusst geworden wäre, dass sie ja nichts an hatte und mit einem lauten Aufschrei sank sie wieder in die Kissen und zog sich sämtliche Decken über den Kopf.

„Ich dachte ein Kaffee täte dir jetzt gut", bemerkte er mit einem ironischen Unterton in der Stimme, den sie bis unter das Federbett hören konnte. Hermine konnte hören, wie der den Becher auf den Nachttisch abstellte und wartete noch eine Minute ab. Zeit genug für ihn zu verschwinden. Was er zu ihrem Leidwesen aber nicht tat, denn er war immer noch da, als sie vorsichtig einen Blick riskierte.

„Was ist passiert? Bin ich krank?"

Nein, sie wollte ihn nicht fragen. Nur war er leider die einzige Informationsquelle die sie bekommen konnte.

„Ja, das könnte man so formulieren. Hauptsächliche Ursache deiner Kopfschmerzen ist die durch den Alkohol entstandene Dehydratation des Körpers mit dem daraus resultierenden Dysequilibrium. Außerdem wirkt sich die Denaturierung und Stimulierung körpereigener Zytokine durch Acetaldehyd aus, einem Zwischenprodukt beim Abbau des Ethanols, sowie durch Formaldehyd, das beim Abbau des Methanols entsteht. Des Weiteren führen die giftigen Abbauprodukte der Fuselalkohole zu den deinen Symptomen. Sie führen zu einer verminderten Herzleistung und verhindern so eine ausreichende Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff." (A/N: Dank an Wikipedia!)

„Aha." Hermine verstand nicht alles, vermutlich war ihr Gehirn immer noch mit Sauerstoff unterversorgt, aber sie begriff ungefähr was er damit meinte. Sie hatte einen ausgewachsenen Kater.

Jetzt hatte sie eine logische Erklärung für ihren desolaten physischen Zustand, aber noch keine warum sie nackt mit ihm in einem Bett geschlafen hatte. Die Erkenntnis, die einige Zeit zuvor von ihrem Verstand verscheucht worden war, sprang förmlich auf, rannte vor ihr inneres Augen und tanzte Samba. Zumindest hatte es Ähnlichkeit mit einem Tanz...Horizontal versteht sich...

„H...Haben wir... ich meine... hast du...hier..."

Fürsorglich traf seine Hand auf ihre Stirn, wobei Hermine jedoch heftig zurück zuckte und wieder unter ihr Kissen verschwand.

„Trink den Kaffee und nimm von den Tabletten. Walli meinte, die helfen gegen Schmerzen."

Walli? Was hatte Walli damit zu tun? Irgendwo in den vernebelten Erinnerungen tauchte die rundliche Figur ihrer Vermieterin auf, die mit Snape redete. Allerdings wirkte das Bild dieser Erinnerung etwas verzerrt, als würde sie Kopf stehen.

„Was ist gestern geschehen? Wie bin ich hierher gekommen?" Endlich schaffte sie es, die Frage ordnungsgemäß zu formulieren. Doch wollte sie die Antwort wirklich hören?

„Du erinnerst dich nicht?"

Vorsichtig streckte sie ihren Kopf wieder aus den Laken und schüttelte ihn. Sofort begann sich ihr Blickfeld wieder zu drehen und mit ihm ihr Magen.

Er schien sofort zu sehen, was in ihr vor sich ging und reichte ihr einen kleinen grünen Plastikeimer. Anscheinend hatte sie sich schon übergeben. Das würde den Geruch erklären und warum ein solches Gefäß griffbereit in ihrer Nähe stand.

„Das letzte, woran ich mich erinnere ist der Pub und dass ich zwei Scotch getrunken habe."

„Zwei?" Ironisch verzogen sich seine Mundwinkel nach oben. Sie hatte schon die dunkle Ahnung gehabt, dass zwei Doppelte kein solches Chaos auslösen konnten.

„Dann weißt du nicht mehr, dass du nach der halben Flasche mit dem Fanclub des SC Arsenal Brüderschaft getrunken hast?"

Fanclub? Halbe Flasche? Der Nebel ihrer Erinnerung lichtete sich ein wenig und machte Platz für eine Anzahl grobschlächtiger Männer mit Fahnen und einer Art Kriegsbemalung. Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick und Tich. Namen kamen ihr in den Kopf, doch sie konnte sie nicht zuordnen.

„Sie haben uns in ihrem Bus mit zum Spiel genommen."

Hatten sie das?

„Der Verteidiger war nicht der Klon. Aber Arsenal hat gewonnen."

Äh ja. Das war eine Information auf die sie weniger erpicht gewesen war. Es war ihr schlichtweg egal wer gewonnen hatte. Allerdings konnte sie sich nun daran erinnern warum sie gesungen hatte. Laut, schräg, mit einer Flasche Bier in der Hand. Der Absturz der Hermine Granger.

„Und was ist dann passiert?"

Sein Lächeln vertiefte sich und Hermine griff nun doch nach der Tasse und den Tabletten. Sie wollte die grausame Wahrheit wenigstens halbwegs schmerzfrei hören.

„Man brachte uns nach der Siegesfeier nach Hause."

Das war alles? Vermutlich verschwieg er ihr einfach die peinlichen Details.

„Du warst so betrunken, dass ich dich die Treppe herauftragen musste – außerdem hast du so laut gesungen, dass du Walli geweckt hast."

Auch diese Erinnerung brach nun durch. Snape hatte sie einfach kopfüber über seine Schulter geworfen. Jetzt wurde ihr klar, warum sie Walli auf dem Kopf gesehen hatte. Das Bild ihrer Vermieterin – in Bademantel und Lockenwicklern im Haar baute sich vor ihrem inneren Auge auf.

Sie musste sie sicher für eine Alkoholikerin halten. Doch Hermine war sich sicher, dass dies noch nicht der Gipfel der Peinlichkeiten war.

„Dann wolltest du ins Bett."

„Und dann?" Sie wollte es nicht wissen. Sie wollte es nie erfahren. Es gab Dinge, die besser für immer und ewig verschlossen hinter mentalen Mauern bleiben mussten. Die Frage war ihren Lippen entschlüpft und konnte nicht zurückgenommen werden. Innerlich betete sie zu allen Göttern und Heiligen dieses Planeten. Sie würde auf ewig brav sein und nie wieder Alkohol anrühren.

„Dann hast du dich ausgezogen."

Ja, so war es wirklich, egal wie sehr sie es auch gerne geleugnet hätte. Die ordentliche, sittsame und vor allem beherrschte Hermine Granger hatte ihre Sachen schwungvoll im Zimmer verteilt und dabei einen Tanz aufgeführt, der jeder Haremsdame die Schamröte ins Gesicht getrieben hätte. Sie kroch noch ein wenig tiefer unter die Decke, bis nur noch die Nasenspitze herausragte.

„Und dann?" Ihre Hände krampften sich in das Oberbett, bereit es sich über den Kopf zu ziehen und nie wieder darunter hervorzukommen.

„Dann hast du mir erzählt wie unheimlich attraktiv du mich findest und wolltest mich küssen."

Angestrengt hielt sie den Atem an. Etwas Unheilvolles schwang in seiner Stimme mit. Die vergessen geglaubten Sequenzen formierten sich in ihrem Kopf, zeigten ihr ein Bild von einer hemmungslosen jungen Frau, die ihrem Begleiter die Sachen vom Leib reißen wollte.

„Nein!", wimmerte Hermine und konnte nicht wegsehen, obwohl sich das Lächeln des Professors zu einem anzüglichen Grinsen verbreiterte.

„Oh ja", bestätigte er, dass auch dies eine echte Erinnerung und keine wilde Fantasie ihres Unterbewusstsein war.

Sie wollte nicht, doch der innere Drang war einfach stärker als sie.

„Und dann?"

„Dann, meine Liebe", seine Stimme vertiefte sich, während er für ihren Geschmack viel zu nah heranrückte.

„Ja?"

Sie versuchte verzweifelt die Lücke in ihrem Kopf zu schließen. Bisher waren alle Erinnerungen wiedergekommen. Warum nicht die Letzte, Ultimative? Nackt, ineinander verschlungene Körper, vereint in einem ekstatischen Liebesspiel?

Ihre Finger bekamen einen Krampf und kneteten Löcher in das Oberbett. Er schien sich an ihren Qualen zu weiden, was sie deutlich an dem Funkeln in den dunklen Augen erkennen konnte. Zu allem Überfluss hatte er sich auch nun noch auf die Bettkante gesetzt und sich über sie gebeugt.

„Dann hast du dich die ganze Nacht lang übergeben."

Ihr entging der Sinn seines letzten Satzes, zu sehr war sie gefangen von der Vorstellung wie sie es in diesem Bett getrieben haben mussten.

„Wie war ich?", keuchte sie mit letzter Kraft, bevor ihr Verstand die Erleuchtung gab und sie begriff, was er gesagt hatte.

Mit einem Aufschrei verschwand sie unter der Decke und schwor sich, dort bis zu ihrem Hungertod zu bleiben...

So, der Voldiklon geht in die Sommerpause... bzw. ich mache Urlaub. Vermutlich kommt der nächste Teil erst Mitte Juli. Bis dann und liebe Grüße!