Hier kommt das nächste Kapitel. :) Es hat mal wieder etwas länger gedauert, die Story wollte einfach nicht so wie ich wollte. Ich hoffe ihr lest trotzdem noch weiter.
Viel Spaß!
13. Waffenstillstand
Severus hatte es nur seiner unglaublichen Selbstbeherrschung zu verdanken, dass ihm nicht die Kinnlade herunter fiel. Bevor er jedoch irgendetwas sagen konnte, stürmte Hermine schon auf ihn zu und blieb dicht vor ihm stehen. Diese Pose sollte wohl einschüchternd wirken, verlor aber irgendwie ihren Effekt, da Severus das Mädchen um mehr als 10 Zentimeter überragte.
„Sie brauchen sich nicht einbilden, dass ich für sie hier die Dienstmagd spiele. Professor McGonagall hat uns zu „Zusammenarbeit" verdonnert. Das bedeutet nicht, dass ich hier die Drecksarbeit mache und gerade gut genug zum Wurzeln schneiden bin. SIE werden mich an ihren Projekten arbeiten lassen, SIE werden mich anständig behandeln und SIE werden sich gefälligst zusammenreißen. Hier sind wir Kollegen und nicht Lehrer und Schülerin."
Keuchend schnappte sie nach Luft, drehte sich dann schwungvoll um und trat an einen der vielen Kessel im Raum. Eigentlich hätte Severus empört sein müssen, er wollte sie anschreien, sie ein für alle Mal in ihre Schranken weisen, doch er konnte an nichts anderes denken, als daran wie beeindruckend sie sich eben benommen hatte.
Natürlich hätte er es ihr gegenüber niemals zugegeben, doch er bewunderte sie für ihren Mut, ihm so gegenüberzutreten und er war froh. Genau dieses Temperament hatte er vermisst, seit dem Tod ihrer Freunde. Wenn ihr etwas am Herzen lag, setzte sie sich dafür ein, bis zur völligen Selbstaufgabe. Er war neugierig, wie weit er gehen konnte, bevor sie aufgab. Denn das sie in einem Streit mit ihm den Kürzeren zog, war ja wohl selbstverständlich.
Menschen die angstvoll zu ihm aufblickten und sich vor ihm versteckten, wie dieser lächerliche Longbottom, waren ihm zuwider. Seinen Respekt musste man sich verdienen. Und so wie es aussah war Granger gerade dabei, genau das zu tun. Sie hatte schon einige Niederlagen einstecken müssen und war trotzdem noch in der Stimmung sich mit ihm zu messen.
Doch nichts desto trotz hatte sie sich gewaltig im Ton vergriffen und er hatte sie beim letzten Mal schon darauf hingewiesen das das Folgen nach sich ziehen würde.
„Miss Granger, würden sie mir bitte erklären warum sie wie eine Furie in mein Labor stürmen? Ich dachte ich hätte ihnen gestern erklärt, dass ich so nicht mit mir reden lasse.", sagte Severus in ruhigem Ton. Gefährlich ruhig. Das bemerkte wohl auch Hermine, die plötzlich das dringende Bedürfnis hatte im Boden zu versinken. Doch sie konnte sich nicht rühren, als er auf sie zukam, mit langsamen, geschmeidigen Raubtierschritten.
Danke Ginny, schimpfte Hermine im Geist. Wie hatte das jüngere Mädchen es ausgedrückt? Du darfst dir nicht alles gefallen lassen, Mine. Der nutzt dich doch nur aus! Zeig ihm dass er sich nicht alles erlauben kann! Na toll, das hatte sie jetzt davon. Einen wütenden Snape, direkt vor ihr, eine Wand direkt hinter ihr und das Gefühl eines Ameisenstaates in ihrem Bauch.
Bei Merlin, warum hatte sie nicht einfach ihre Klappe gehalten? Nein, sie musste ja gleich wie eine Verrückte in sein Labor stürzen und ihm direkt ins Gesicht sagen was sie von ihm hielt. Snape stand nun direkt vor ihr und vorsichtshalber schloss Hermine die Augen
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Severus starrte auf die junge Frau vor ihm. Ihre Augen waren geschlossen und ihre Unsicherheit war beinahe greifbar. Wie schnell ihre Stimmung umschlug.
Doch nun, wo sie so vor ihm stand, wurde ihm auf einmal der Vorteil dieser Situation bewusst. Sie war völlig schutzlos, es wäre ein Leichtes in ihren Geist einzudringen und nach den Erinnerungen zu suchen, die sie so sehr erschreckten.
Seine Neugierde wäre befriedigt und er hatte seinen Frieden. Er wäre nicht Severus Snape, Paradebeispiel eines Slytherin, wenn er diese Fügung des Schicksals ignorierte.
Während Hermine noch immer mit geschlossenen Augen an der Wand lehnte und auf ihre Strafe wartete, griff der Tränkemeister nach seinem Zauberstab. Ein gemurmeltes „Legilimens" später, fand er sich in ihrem Geist wieder, der bemerkenswert genau strukturiert war für ihr Alter.
Vorsichtig lief er den dunklen Steingang entlang, von dem überall kleine Holztüren abgingen, hinter denen ihre Erinnerungen lagen.
Severus wusste nicht womit er beginnen sollte, also blieb er vor der erstbesten Tür stehen und legte die Hand auf die Klinke. Doch bevor er die Tür öffnen konnte hörte er eine Stimme hinter sich.
Er fuhr herum. Dort, am Ende des Ganges stand Hermine. „Was machen sie hier?", fragte sie ruhig. Severus schluckte. Um das Eindringen eines Fremden in den eigenen Geist zu bemerken musste man Legilimentik beherrschen. Er hatte sie wirklich unterschätzt.
„Ich suche nach der Ursache ihrer Ohnmacht.", antwortete er zögerlich.
„Warum fragen sie mich nicht einfach? Hatten sie Angst ich beiße sie?". Hermine schmunzelte. Sie war wütend auf ihn, weil er es gewagt hatte ihre hilflose Situation auszunutzen, doch vorerst wollte sie wissen was ihn dazu getrieben hatte.
„Sie haben Recht, ich hätte sie fragen können. Doch hätten sie mir geantwortet? Hätten sie mir die Wahrheit erzählt?".
„Ich weiß es nicht, Professor. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass es sie nichts angeht. Ja, ich bin ohnmächtig geworden. Das gibt ihnen noch lange nicht das Recht in meinen Erinnerungen herumzuwühlen. Haben sie wirklich gedacht ich bemerke es nicht?", fragte Hermine zornig.
„Ich gebe zu das ich sie unterschätzt habe. Wo haben sie es gelernt?".
„Professor Dumbledore bestand auf einige Unterrichtsstunden, vor seinem Tod. Er sagte, wenn Harry es nicht lernen könne, müsste wenigstens ich wissen was ich tue um ihn notfalls zu unterstützen. Wie man sieht hat es nichts genützt.". Hermine lachte bitter auf. Nein, es hatte nichts genützt. Ihre Freunde waren tot, daran änderten auch ihre Fähigkeiten nichts.
Severus bemerkte ihren Stimmungswandel, doch er wusste nicht wie er damit umgehen sollte. Vorsichtshalber schwieg er.
Nach einigen Minuten, in denen keiner von beiden ein Wort sagte, begann Hermine zu sprechen.
„Malfoy.", sagte sie leise.
„Was? Was hat denn Lucius damit zu tun?, schnappte Severus. Er reagierte immer noch empfindlich auf diesen Namen. Er und Malfoy Senior waren lange Zeit Freunde gewesen, bis die Anerkennung, die er bei Voldemort erntete Lucius zu Kopf stieg. Seitdem gingen die beiden getrennte Wege.
„Malfoy. Er hat mich während der Schlacht an der Schlossmauer abgefangen.", erzählte Hermine leise weiter. „Er wollte mich als Druckmittel gegen Harry benutzen und als ich ihm sagte, dass das nichts bringen würde wurde er wütend…..Er hätte mich getötet wenn Professor McGonagall nicht rechtzeitig dazu gestoßen wäre. Ich habe von all dem nichts mehr mitbekommen, ich war schon bewusstlos."
„Und was hat das mit ihrer Ohnmacht in meinem Labor zu tun?"
„Als sie da vor mir standen, ich mit dem Rücken zu Wand. Es war genau die gleiche Situation wie damals. Ich bin panisch geworden. Es tut mir Leid, wenn sie sich meinetwegen Vorwürfe gemacht haben."
Severus sah sie schweigend an. Er hatte seine Antworten, doch trotzdem konnte er sich nicht dazu durchringen ihren Geist zu verlassen.
„Nun gut, ich weiß jetzt das ich wenigstens daran keine Schuld habe.", sagte er schließlich tonlos. „Ich entschuldige mich für mein Eindringen in ihre Gedanken, es wird nicht mehr vorkommen, ich verspreche es ihnen. Es wäre vielleicht das Beste, wenn wir die Direktorin morgen aufsuchen und sie davon überzeugen, dass unsere „Zusammenarbeit" nicht länger nötig ist."
Hermine atmete langsam ein und aus. Die Zeit schien still zu stehen. Sie wusste nicht warum, doch merkwürdigerweise empfand sie keine Erleichterung, bei dem Gedanken an das Ende ihres „Projektes", das vor zwei Tagen erst begonnen hatte.
„Ich würde gerne weiter arbeiten.", die Worte waren gesagt bevor sie irgendetwas dagegen unternehmen konnte. Unsicher sah sie ihn an und er erwiderte ihren Blick.
Lange Zeit standen sie sich schweigend gegenüber. Hermine musste sich ein völlig unpassendes Grinsen verkneifen, wenn sie darüber nachdachte, dass sie sich immer noch in ihrem Kopf befanden, so verrückt es auch klang.
„In Ordnung, wir versuchen es. Wir werden versuchen miteinander auszukommen. Ich könnte bei einigen Projekten wirklich einen Assistenten gebrauchen und wenn ich das richtig verstanden habe, möchten sie etwas lernen. Also gut.", durchbrach Severus die Stille.
Hermines Augen blitzten als sich ein zartes Lächeln auf ihr Gesicht schlich. „Einverstanden, Professor. Es wird ja wohl zu schaffen sein, miteinander zu arbeiten ohne das wir uns verfluchen, oder?", fragte sie mittlerweile grinsend.
„Da haben sie vollkommen Recht, Miss Granger", sagte Snape und beiden wurde bewusst dass auch er lächelte. Das brachte Hermine für einen Moment durcheinander.
Er sieht gut aus, wenn er lacht. Viel jünger und auf irgendeine Weise schön……..Bei Merlin, Hermine. DAS IST SNAPE!
Bevor Hermines Gedanken weiterwandern konnten, räusperte sich Severus. „Ich werde ihren Geist jetzt verlassen und entschuldige mich noch einmal für meinen „Überfall". Kommen sie morgen pünktlich um acht Uhr ins Labor, dann besprechen wir alles."
Wie eine Marionette wurde er durch den Steingang gezogen, bis er die Augen aufschlug und sich wieder in seinem Labor befand. Vor ihm stand Hermine immer noch an die Wand gelehnt, die auch gerade wieder zu sich kam.
Mit einem Nicken wandte sie sich von ihm ab, blieb aber im Türrahmen noch einmal stehen. „Gute Nacht, Professor.", sagte sie mit ruhiger Stimme.
„Gute Nacht, Miss Granger", antwortete Severus. Dann verließ Hermine die Kerker und er blieb allein in seinem Labor zurück.
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Sorry nochmal das es so lange gedauert hat, aber ich hab einfach nicht die richtigen Worte gefunden um weiterzuschreiben. Krieg ich trotzdem ein Review, wenn überhaupt noch jemand liest!?
