3. Abschied

Mit einem Mal hatte etwas völlig anderes meine Aufmerksamkeit erlangt. Es war ein Blatt Papier, welches sorgfältig gefaltet auf meinem Schreibtisch verweilte. Ich starrte es an, ich hatte es noch nie zuvor gesehen. Ich wollte nicht nachschauen, doch in der Hoffnung es könnte von ihm sein, schaffte ich es wollte er sich entschuldigen. Mit unsicheren und sichtlich wackeligen Schritten ging ich auf die Ablage zu, lies meine Hände über den glatten Tisch gleiten, bis sie bei dem Papier angekommen waren. Ich spürte wie ein Zucken meinen Körper durchfuhr. Würden diese Schmerzen jemals vergehen? Mit ungleichmäßigen Atemzügen drehte ich den Brief um. In einer sauberen, unverkennbaren Schrift stand mein Name darauf. Ich stockte, ich konnte es nicht, aber ich wusste ich musste es tun. Ich faltete den Brief langsam auf.

Ich will nur das Beste für dich

Aber ich glaube du weißt nicht, was das ist.

Denn ich bin der Letzte, der dir Sicherheit geben kann

Ich wünschte ich könnte an deiner Seite sein-

Doch es wäre eine Sünde, wenn ich bleiben würde

Ich will dich nicht mehr in Gefahr begeben

Es geht nicht mehr, ich muss dich zurücklassen

Es würde mich umbringen, wenn ich nicht das wäre, was ich bin.

Aber das kann ich nicht ändern, ich bin ich.

Es tut mir Leid, dass ich dein Leben beeinflusst habe

Du wirst mich nie mehr wieder sehen.

Das wird das Beste sein.

Ich liebe dich

Edward

Der Brief glitt mir aus den Händen, ich starrte in die Luft, ich wollte seine Worte nicht lesen, nicht an sie denken, doch sie brannten sich in mein Hirn, als würde man sie mit einer Feder auf meine Haut schreiben – mit meinem eigenen Blut. Und auf einmal löste sich die Starre in meinem Herzen und meine Welt brach zusammen.

Du wirst mich nie mehr wieder sehen.

Das könnte nicht sein ernst sein, das durfte es nicht. Ich spürte meine Beine nicht mehr und stürzte. Ich wollte mich nicht festhalten, auch wenn ich es gekonnt hätte. Ich musste ihn sehen, ich musste einfach. Ich wollte rennen, doch anstatt mich zu bewegen blieb ich stumm, sank in die Knie und lehnte mich an die Türen meines Kleiderschrankes. Die Tränen liefen, ohne dass ich auch nur Notiz davon genommen hatte, in Strömen über meine Wangen. Ich spürte den Schmerz, den vollkommenen, der mich durchdrängte. Ich wünschte mir die Starre zurück, die mich beschützt hatte. Die Trance, dich mich am überleben hielt. Doch nichts war davon mehr da. Nur der Schmerz. Ich konnte nicht begreifen, wie er mich hatte verlassen können. Er hatte mir damals versprochen, nicht zu gehen, immer bei mir zu sein. Er hatte nicht nur mein Herz, sondern auch die Versprechen gebrochen Und vor allem hatte er die Zukunft zerstört, die ich mir mühsam erträumt hatte. Er hatte mich zerstört. Doch ich liebte ihn immer noch mehr als alles andere in meinem Leben.