Hause

Ich wusste, es würde Charlie das Herz brechen. Mein Vater, den ich über alles liebte, gerade ihn musste ich leiden lassen. Doch ich konnte es hier nicht mehr aushalten. Wir standen am Flughafen, warteten auf meinen Flug nach Phoenix, er schwieg, ebenso ich. Ich wollte ihm niemals so viel Leid zufügen, wie ich es in dem letzten Jahr getan hatte. Es tat mir Leid, ich musste gehen. Mit einem lauten Klingeln ertönt eine Durchsage und alle Passagiere des Fluges nach Arizona sollten sich zum Terminal begeben. Ich warf Charlie einen Blick zu, so wollte ich nicht gehen. Doch ich erinnerte mich an unseren Streit.

„Ich muss hier weg! Ich halte das nicht länger aus Charlie! Ich muss weg! Ich will zurück zu Mum! Nie wieder Forks …"

Das waren die Worte, die er von seiner eigenen Tochter hören musste. Die Tochter, die er so selten gesehen hatte und von der er endlich das Gefühl hatte, akzeptiert zu werden. Ich hatte gewusst wie verärgert er darüber sein würde, aber dass er so wütend sein würde. Immerhin wollte er sich von mir verabschieden, seiner Tochter Bella. Ich griff nach meinem Koffer um mich startklar zu machen und passierte gerade die Kontrollstation, als er mich zurückwinkte. Mir kamen die Tränen als ich auf ihn zulief und ihn in die Arme schloss. Leise flüsterte er mir ein ‚Ich hab dich lieb' ins Ohr, ehe er mich loslassen musste. Für immer.

Reneé hatte mich schon sehnsüchtig erwartet, sie hatte nie verstehen können, wieso ich in Forks bleiben wollte. Sie wusste von Edward und unserer Beziehung, doch davon, was wirklich geschehen war wollte ich sie nicht unterrichten. Als Grund für den plötzlichen Wechsel hatte ich die Sonne angegeben und das umwerfende Klima in Phoenix. Sie glaubte es. Phil jedoch schien das alles weniger zu erfreuen, er würdigte mich kaum eines Blickes, ich schwieg die ganze Fahrt, während Mum wie verrückt auf uns beide einredete. Wie viele Pläne sie doch hatte… dabei wollte ich nichts als meine Ruhe. Ich wollte nicht mehr darüber nachdenken, wie schwer die letzte Zeit gewesen war. Ohne ihn , meinen Edward. Ich hoffte Reneé würde niemals nach ihm fragen, doch ihr schien es auf der Zunge zu brennen, Phil war es sichtlich egal. Plötzlich hielt der Wagen und ich stieg aus, wie automatisch. Ich hatte gar nicht bemerkt wie schnell die Zeit verging, oder aber wie kurz der Weg vom Flughafen bis nach Hause war … Nach Hause. War dies wirklich mein Zuhause? Ich fühlte mich nicht wirklich willkommen, was nicht nur an Phils schlechter Laune lag, sondern eher daran, das mich nichts mit diesem Ort verband. In Forks gab es vieles, an was ich mich gerne gebunden hatte, viel zu gerne.

„Darf ich reinkommen, Liebes?"

Zaghaft trat Reneé in mein Zimmer, ich war gerade dabei auszupacken, mich ‚zu Hause' zu fühlen. Ich nickte nur stumm, beobachtete wie meine Mutter auf mich zukam und sich neben mich aufs Bett setzte. Die wirkte glücklicher als je zuvor. Ob das an Phil lag oder daran, dass sie mich wiederhatte wusste ich nicht, aber ich war froh sie so zu sehen. Wenigstens ging es ihr gut.

„Darf ich dich etwas fragen…?"

Ich blickte auf, vor diesem Ton hatte ich mich seit jeher gehütet. Der Mutter-ton, den Ton den die Stimme einer Mutter bekam wenn es ihr ernst wurde, wenn sie ein wichtiges Mutter-Tochter Gespräch führen musste. Ich schluckte, ich konnte nicht reden, denn ich wusste was jetzt kommen würde, ich starrte sie bloß an, wartete.

„Bist du wieder hier wegen diesem Jungen? Hat er dir wehgetan? Ich meine, du warst so glücklich mit ihm, diesem Edward. Bella …"

Sie blickte mich erschrocken an, als ich in Tränen ausbrach. Ich nahm nichts mehr war, meine Sichtfeld wirkte verschwommen, ich sah nur wie meine Mutter auf mich zukam und mich sanft in die Arme schloss. Ja, ich war glücklich gewesen mit diesem Edward – meinem. Und ich musste aus Forks weg wegen ihm, er hatte es mir unmöglich gemacht dort zu bleiben und jetzt verfolgte er mich selbst bis nach Phoenix. Beruhigend strich Reneé mir über die Haare, glättete sie ein wenig während ich mich meiner Trauer hingab. Ich schluchzte und die Tränen liefen mir über die Wangen, ich konnte mich nicht bewegen, nicht sprechen, ich konnte nicht einmal klar denken. „Er ist weg … für immer." Das wollte ich ihr gerne sagen, dann hätte sie es verstanden. Aber dann müsste ich ihr erklären wieso. Das könnte ich nicht, ich dürfte ihn nicht verraten. Mum stand ganz nah bei mir, ich lehnte mich sanft an sie, vergas meinen Schmerz für eine Sekunde und spürte die Hoffnung, den kleinen Funken der in mir loderte.