Die erste Zeit bei Reneé war schwieriger als ich gedacht hatte. Es fiel mir immer noch schwer, mich auf etwas anderes zu konzentrieren als das, was man mir genommen hatte. Das Einzige was mich ein wenig glücklicher stimme war die Tatsache, dass es ihm gut ging. Sein Leben – oder vielmehr seine Existenz – ging weiter, auch ohne mich. Ich fragte mich wieder einmal, was er wohl gerade tat. Ob er genauso orientierungslos auf seinem Bett saß, träumte und an das dachte, was hätte sein können? Ich dachte viel über meine verlorene Zukunft nach, wie es wohl gewesen wäre, ein Leben lang mit ihm zusammen zu sein. Länger als ein Leben lang, für immer, er und ich. Vielleicht hätten wir sogar …geheiratet. Wenn es an der Zeit gewesen wäre. Dann wäre ich auch eine Cullen gewesen … Bella Cullen. Der Name hatte etwas, etwas Trauriges. Denn es würde niemals meiner sein. An ihn zu denken war nach einiger Zeit ertragbar geworden, doch sobald ich die Augen schloss schossen mir unendlich viele Bilder durch den Kopf. Wie wir auf der Lichtung lagen, nur wir beide und er mich das erste Mal zärtlich berührte, so zaghaft wie es nur ein Engel hätte tun können. Oder als er mir das Stück vorspielte, das er nur für mich komponiert hatte. Es waren Erinnerungen, gefolgt von durchdringendem Schmerz, der nur langsam nachlassen würde. Mitten in meinen verwirrenden Gedanken bemerkte ich, dass meine Mutter das Zimmer betreten hatte. Sie schaute mich fragend an, ich reagierte doch nur mit einem leichten Zucken der Schultern.

„Hast du Hunger, Liebes?"

Ich schüttelte geistesabwesend den Kopf, ich würde meine Mutter nur ungern unglücklich machen, aber an Essen hatte ich völlig das Interesse verloren. Es war für mich lediglich etwas, was man vor mir erwartete, also tat ich es.

„Nein, ich möchte nichts essen Mum…"

Ich bemerkte, wie brüchig sich meine Stimme anhörte, doch ignorierte es. Ich sah meiner geliebten Mutter direkt in die Augen, versuchte zu flehen, doch vergebens.

„Ich bitte dich Bella, du hast seit Tagen keine Nahrung angerührt. Iss bitte etwas."

Ich seufzte und stand auf, meine Beine fühlten sich taub an. Wie lange hatte ich träumend auf meinem Bett gesessen? Nun seufzte auch Reneé und wir verließen den Raum, beinahe zeitgleich. Als ich in der Küche erschien warf mir Phil nur einen mürrischen Blick zu, er war immer noch nicht froh darüber, mich wieder um sich zu haben. Doch etwas völlig anderes zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Es war die Zeitung, die regungslos auf dem Tisch lag – außer der Sportteil. Dieser befand sich in den Händen Phils. Ich hätte beinahe aufgeschrieen, als ich die erste Seite zu Gesicht bekam – sie zeigte ein großes Porträit von Carlisle Cullen. Mein Atem stockte als ich die Schlagzeile las : „Top-Arzt gibt seinen Beruf auf – Familiendragödie." Das erste was mir in den Kopf schoss war diese eine, elementare Frage. Wie ging es Edward? Langsam begann ich wieder, regelmäßiger zu atmen, konnte mich aber nicht rühren. Was war geschehen? Ging es der Familie gut, die ich schon als meine eigene angesehen hatte? Ich riss das Blatt Papier an mich und las, viel zu schnell, ich stockte immer wieder weil ich die Sätze nicht verstand, sie machten keinen Sinn. Ruhig lies ich die Zeitung sinken und blickte in die erschrockenen Gesichter aller anwesenden Personen. Carlisle hatte aufgehört zu arbeiten, aufgrund des Todes eines seiner Kinder. Es heißt, der Junge sei bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Unpassenderweise hatte die Autorin dieses Artikels anmerken lassen, wie schade es um ein so junges und schönes Kind wäre. Mir wurde schwarz vor Augen.