Als ich Charlie in die Arme schloss, fühlte es sich an als wäre ich nie fort gewesen. Auch das verhasste Forks hatte sich nicht verändert. Es regnete, überall unterhielten sich die Menschen auf den Straßen, jeder kannte die Lebensgeschichte des Anderen. Während Charlie mir eine Tasse Tee zubereitete, dachte ich über die vergangene Woche nach. Meine Mutter war nicht allzu begeistert davon gewesen, dass ich zurück nach Forks wollte. Ich hatte den Eindruck sie erklärte mich immer mehr für verrückt, bloß weil sie meine Taten nicht verstand. Ich seufzte leise und erntete damit einen Blick von Charlie. Er war meinen Plänen gegenüber misstrauisch gewesen, doch seine Freude mich zu sehen übertrumpfte dies mit Leichtigkeit. Ich fühlte mich in Forks einfach nicht mehr zu Hause, ohne Edward war diese Kleinstadt erdrückend, beinahe schon schrecklich einsam. Zwar kamen Billy und Jacob Black einige Male vorbei, was aufheiternd war. Ich war gerne mit Jacob zusammen, auch wenn es sich falsch anfühlte. Wir verbrachten die Tage meistens gemeinsam vor dem Fernseher, oder gingen ein wenig durch die Straßen. Auch in La Push, am Strand waren wir oft, er tat mir gut, lenkte mich ein wenig ab. Heute Abend wäre meine Zeit gekommen, Forks zu verlassen und nach Portland zu fahren. Billy und Jacob waren bei uns, sahen sich mal wieder ein Footballspiel an. Es wäre beinahe zu leicht.

„Was machst du eigentlich wieder hier?"

Jacob blickte mich fragend an, während ich den Männern etwas zu essen vorbereitete. Ich wusste es selbst nicht genau, zuckte mit den Schultern und fühlte mich mit jeder Sekunde, die ich länger in Forks bleiben sollte schuldiger.

„Edward ist weg, Bella. Du musst nicht hier sein wenn es dir so unangenehm ist."

Ich blickte rasch zu Jacob auf, seine Worte hatten mich getroffen, mich erinnert. Ich musste handeln. Das Essen war fertig, ich servierte es auf einem kleinen Teller. Billy würde wahrscheinlich eine Weile bei Charlie bleiben, ich müsste ihm einfach sagen, ich würde bei Angela oder Jessica übernachten. Doch jetzt mit ihm zu sprechen schien mir unklug, daher kramte ich schnell nach Papier und Stift und kritzelte ihm eine kleine Notiz, die ich auf ihm hinterlassen würde. Er sollte sich keine Sorgen machen. Jake beobachtete mich mit einem misstrauischen Blick.

„Ich weiß, dass ich nicht hier sein muss Jake, aber ich werde bleiben. Zumindest jetzt …"

Ich schaute nur kurz zu ihm, ihn wollte ich nicht mit hinein ziehen. Er war zu jung, zu dumm um zu begreifen. Doch mit einem Schritt war er nah bei mir, blickte mir über die Schulter, was ihm nicht schwer fiel mit seiner Größe und Falten traten auf seine Stirn. Ich drehte mich erschrocken um, er stand direkt vor mir, zu nah, als das es ein angenehmes Gefühl hätte sein können. So nah war ich nur Edward gewesen …

„Du wirst sicher nicht bei deinen Freundinnen sein, oder Bella? Du wirst ihn suchen…"

Ich zuckte zusammen, wie konnte Jacob davon wissen? Ich drängte ihn zur Seite um die Notiz auf der Arbeitsplatte der Küche zu platzieren, doch Jacob hielt mich am Arm fest, als ich die Küche verlassen wollte. Sein Blick schien mich zu durchdringen, ich schaute weg als seine Augen sich durch meine Gedanken bohrten.

„Das geht dich wirklich nichts an Jake …"

Ich riss mich los, schnappte nach meiner Jacke und warf einen kleinen Blick nach drinnen, zu Charlie und Billy die sich köstlich amüsierten. Sie gestikulierten wild, unterhielten sich angeregt über das Spiel. Einen besseren Zeitpunkt gab es nicht. Ich spürte Jacobs Blicke auf mir ruhen, er folgte mir, selbst als ich bereits zur Tür ging, die Jacke unter den Arm geklemmt.

„Sag mir wenigstens wo du hingehst, Bella …"

Ich drehte mich zögernd um. Ich suchte verzweifelt nach einer Ausrede, oder wenigstens einem Grund ihm zu vertrauen.

„Portland."

Ich stammelte eine undeutliche Entschuldigung ehe ich die Tür öffnete, einen letzten Blick zurück zu Charlie warf und mich dann zum gehen wandte. Ich atmete tief durch, wer weiß wie lange ich das aushalten würde, geschweige denn mein Transporter … Ich blickte kurz auf den Bündel Geld den ich von Reneé bekommen hatte. Sie sagte ich solle ein wenig einkaufen gehen. Ich brauchte es für Benzin. Als ich die Tür sanft schließen wollte, spürte ich einen Widerstand und drehte mich ruckartig um. Jacob hatte sich an die Tür gelehnt, stand mir wieder nah gegenüber, doch dieses Mal war dies eine Reaktion aus meiner Bewegung. Ich wich leicht vor ihm zurück.

„Lass mich dir helfen. Ich sage Billy, dass wir bei einem meiner Freunde sind. Er vertraut ihnen, damit hast du ein Alibi."

Ich starrte Jacob verwirrt an, wieso wollte er mir helfen? Der Gedanke, den Schritt nicht alleine machen zu müssen hatte etwas Beruhigendes und so nickte ich stumm. Mit schnellen Schritten ging ich in die Küche und zerstörte den Zettel den ich Charlie geschrieben hatte, beobachtete dann wie Jacob die Sache in den Griff bekam. Er erklärte unseren Vätern wir würden einen DVD Abend machen und dort übernachten. Damit hatten wir immerhin 2 Tage Zeit. Als wir schweigend nebeneinander durch den Regen gingen, auf dem Weg zu meinem Transporter, blickte ich Jacob direkt an.

„Danke."

Es kam von herzen. Ich war ihm wirklich dankbar, dass er sich den Weg mit mir machen wollte, mich unterstützen würde, so gut er könnte. Plötzlich blieb Jake stehen, blickte zu meinem Transporter und begann lauthals zu lachen. Auf meinen verwirrten Blick antwortete er immer noch lachend.

„Du willst damit nach Portland? Vergiss es, das dauert Tage. Aber damit können wir immerhin bis zum Flughafen. Wenn er das denn schafft …"

Ich schmollte vor mich hin, doch auch ich sah ein, dass wir es mit meinem Transporter keine 100 Meilen geschafft hätten. Selbst ich musste bei dem Gedanken grinsen.