02. Kapitel - Die Ankunft daheim
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In einer Herde weißer Schafe ist das Schwarze das Weiße der Familie
frei nach Dagmar Cunderlik
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Hermine atmete innerlich tief durch und zwang sich zu einem Lächeln. „Kein Schlammblut mehr, MISTER Malfoy?" Diese offenkundige Provokation brachte den blonden Mann zum Lachen. Eine Gänsehaut überzog Hermine, und sie stellte entsetzt fest, dass dieses leise, melodische Lachen eine Erregung in ihr auslöste, die sie unbedingt vermeiden wollte.
„Miss Granger, Miss Granger…" Lucius Malfoy schüttelte nachsichtig den Kopf. „Sie werden doch nicht nachtragend zu einem armen alten Mann sein, der festgestellt hat, dass gewisse, antike… Vorstellungen ihn fehlgeleitet haben. Nie und nimmer würde ich es wagen, Sie heute als Schlammblut zu bezeichnen. Ein Fehler meinerseits, und meine aufrichtige Entschuldigung an Sie." Mit einer knappen, höflichen Verbeugung, die einfach nur sympathisch wirken konnte, lächelte ehrlich er sie an. „Vielleicht darf ich Sie auf ein Gläschen Wein zu mir einladen, um Sie von meiner Ernsthaftigkeit zu überzeugen?" Er trat näher zu ihr, sah ihr tief in die Augen und nahm ihre Hand, um ihr einen sanften Kuss auf den Handrücken zu hauchen. Dann trat er wieder zurück und sah sie interessiert an.
Wäre Hermine irgendeine junge Frau gewesen, so hätte er sie mit seinem Gebaren zweifelsohne beeindrucken können, aber sie war Hermine Granger, nein, Hermine Weasley. Misstrauisch betrachtete sie den Mann, der, wie ein gewisser anderer Mann, vollkommen schwarz gekleidet vor ihr stand und mit seinen langen blonden Haaren immer noch so jung und attraktiv aussah, wie beim ersten Mal. Damals, als sie ihn in der Winkelgasse gesehen hatte, zusammen mit seinem Sohn Draco.
„Malfoy, Sie wollten zweifelsohne zu mir, andernfalls wären Sie nicht so unverschämt gewesen, ohne Aufforderung einzutreten. Also, sagen Sie was Sie zu sagen haben, und gehen Sie dann wieder." Minerva funkelte ihn an, peinlich darauf bedacht, ihren Schützling, als solche betrachtete sie Hermine insgeheim noch, vor dem großen bösen Mann zu bewahren.
Wieder ertönte dieses verführerische, kehlige Lachen. „Aber Minerva, meine Liebe, wir haben uns doch darauf geeinigt, dass Sie mich beim Vornamen nennen... Hier, in Ihrem Büro, bei einem Gläschen Wein." Er schenkte ihr einen tiefen Blick. „Aber ich muss Sie enttäuschen, Minerva. Heute möchte ich nicht zu Ihnen. Ich hörte durch William von der Ankunft Ihres ehemaligen Zöglings und hoffte die Gelegenheit zu erhaschen, mich für die Vergangenheit zu entschuldigen." Wieder zwinkerte er Hermine zu. „Und mein Klopfen müssen Sie wohl überhört haben. Ich würde es mir nicht anmaßen, mich über Sie zu stellen, Werteste."
Minerva war anzusehen, dass sie sich im Zaum halten musste, um nicht das zu sagen, was ihr auf der Zunge lag, eine zweifelsfrei unfreundliche Bemerkung. Als Lucius einen Schritt zum Sofa machte, stellte sie sich vor ihn und lächelte ihn so freundlich an, dass jedem die Falschheit auffallen musste. „Aber natürlich, Lucius, Ihre Absichten waren zweifellos …. aufrichtig. Aber jetzt lassen Sie uns doch bitte alleine, Hermine und ich haben etwas zu besprechen, dass nicht für Ihre Ohren bestimmt ist."
„Nun, Miss Granger, Sie sehen, ich kann mich diesem charmanten Rausschmiss nicht entziehen". Wieder beugte er sich galant über Hermines Hand und hauchte einen Kuss auf die sensible Stelle ihres Handgelenks, der alles andere als unschuldig war. „Sie verzeihen mir hoffentlich die Störung und geben mir die Möglichkeit, Sie bald wieder zu sehen. Es wäre mir ein großes Vergnügen."
„Weasley", konnte Hermine nur noch verwirrt antworten.
Wie bitte?"
„Ich heiße nicht mehr Granger, ich bin jetzt Mrs. Weasley."
Für einen Moment meinte sie Überraschung und Verachtung in Lucius' Augen aufglimmen zu sehen. Aber seine jahrelange Tätigkeit als Todesser hatte ihn gelehrt, seine Mimik jeder Zeit unter Kontrolle zu halten. „Nun, welcher der Weasley- Herren darf sich denn rühmen, mit Ihnen, Hermine, verheiratet zu sein?"
Minerva keuchte im Hintergrund ob der dreisten Anrede auf, aber Hermine hatte sich im Griff und lächelte ihren Gegenüber süßlich an. „Draco wird Ihnen mit Sicherheit sagen können, welche der Weasleyherren", sie imitierte seine Abneigung perfekt, „es schaffte, mein unreines Blut in Wallungen zu bringen… Lucius."
Lucius starrte sie an, dann riss er sich wieder zusammen. „Nun denn. Auf bald, Mrs. Weasley." Er drehte sich um und ging mit wallendem Umhang davon.
Hermine atmete tief durch und drehte sich zu Minerva um. „Was sollte das denn Bedeuten?" Die Ältere zog sie nervös aufs Sofa. „So weit war ich in meiner Erzählung noch gar nicht gekommen." Auch sie atmete tief durch. „Das Ministerium hatte mir nahe gelegt, Malfoy einzustellen. Gedroht hat es mir nicht, aber es war unschwer herauszuhören, dass ich sonst arge Probleme bekommen könnte."
„Ja, und WAS macht er hier?"
Minerva kicherte verhalten. „Natürlich war er scharf auf die ‚Verteidigung gegen die dunklen Künste'- Professur, aber nur über meine Leiche." Ein boshaftes Grinsen huschte über ihr Gesicht. „Unser Engelchen ist jetzt Binns' Nachfolger und unterrichtet die Kinder in Geschichte. Passt ihm natürlich so gar nicht, aber noch hab ich hier etwas zu sagen." Kämpferisch reckte sie das Kinn in die Höhe.
„Und wer ist jetzt Lehrer in Verteidigung?" Hermine versuchte ihrer Stimme eine höffliche Neugier zu verpassen, McGonagall sollte ihr Unbehagen nicht bemerken.
„Ach, diese Stelle ist verflucht. Wir können immer noch keinen Lehrer länger als ein Jahr bei uns halten. Momentan hat eine junge Hexe diese Professur inne, aber auch sie wird uns verlassen."
„Warum?"
„Mutterschaftsurlaub. Noch ein Tässchen Tee?"
Hermine beäugte den Tee. „Meinst du, es liegt am Wasser?"
Minerva verstand sie nicht. „Was?"
„Na, erst Madame Hooch, jetzt jene besagte Dame. Vielleicht sollte ich den Tee nicht weiter trinken."
Die Professorin verschluckte sich beinahe vor Lachen, dann wurde sie wieder ernst. „Ich hab Harry gefragt."
Nun war Hermine an der Reihe sich zu verschlucken. „Lass mich raten, er hat abgelehnt? Na, es überrascht mich nicht, mit DEM würde ich auch ungern hinter Schloss und Riegel leben." Sie nickte zur Tür, durch die Lucius vor ein paar Minuten verschwunden war.
Minerva überlegte lange. „Hermine…"
„Nein!"
„Was?"
„Ich sagte nein, daran brauchst du gar nicht erst zu denken."
„Woher willst du wissen, was ich sagen will?" McGonagall war verblüfft.
„Du willst mir die Stelle anbieten."
„Ja, aber woher weißt du…"
„Dein Blick. Und ich sagte dir bereits, nein. Schon gar nicht, solange der da ist."
Minerva überlege sich ihre Worte sehr genau. „Hermine, wir haben niemanden mehr. Bislang konnte ich unser Engelchen von der Stelle fern halten, aber so langsam gehen mir die Leute aus. Ich weiß nicht, ob ich das im nächsten Jahr auch noch schaffe. Sie haben uns Umbridge geschickt… damals. Was ist, wenn sie uns jetzt Lucius antun? Er spielt den Geläuterten, aber ich weiß nicht, ob ich ihm das abnehmen kann. Was, wenn er in Wirklichkeit immer noch der Dunklen Seite angehört? Willst du das den Kindern antun?"
„Minerva", auch Hermine überlegte sich ihre Worte genau. „Du weißt, ich bin verheiratet. Ich kann nicht so einfach mir nichts dir nichts für ein Jahr verschwinden."
„Das sollst du auch gar nicht. Du apparierst einfach jeden Tag her, und abends wieder nach Hause. Und das Lucius dir nicht zu nahe tritt, dafür sorge ich höchst persönlich."
Sie diskutierten noch eine halbe Stunde über diese Angelegenheit. Minerva gab nicht auf, und Hermine erfuhr, dass die resolute Professorin mehr mit Dumbledore gemeinsam hatte, als bislang angenommen. Sie schloss die Augen und fuhr sich über die Augen, um Minerva danach in die Augen zu sehen. „Wenn ich das machen sollte, dann auf Probe. Ich kann jeder Zeit gehen." Minerva schluckte, aber Hermine ließ sich nicht unterbrechen. „Ich denke, du hast mitbekommen, dass ich eine Auszeit brauche. Sowohl vom Studium, als auch von Ron." Wieder gab sie ihr keine Gelegenheit zu fragen. „Wenn ich das nun also wirklich mache, dann unter zwei Bedingungen. Die erste, ich kann jeder Zeit wieder gehen. Die Zweite: du stellst keine Fragen."
Minerva dachte über das Gehörte nach. „Bedingung zwei nehme ich an, hoffe aber, dass du dich mir irgendwann anvertraust. Natürlich kannst du jeder Zeit gehen, aber bitte gib mir vorher die Möglichkeit Ersatz zu besorgen."
„Gut, ich bleibe in dem Fall solange, bis ein Ersatz da ist." Gedankenverloren rührte die junge Hexe in ihrem Tee, und Minerva dachte nicht daran, das Gespräch erneut auf Lucius Malfoy zu bringen.
„Was ist eigentlich mit Zaubertränke?" Hermine klang verdächtig beiläufig.
„Zaubertränke, oder unser ehemaliger Zaubertrankprofessor?" McGonagall grinste verdächtig.
„Beides", resignierte Hermine.
Wieder ertönte ein Klopfen an der Tür. Und wieder wurde nicht gewartet, bis die stellvertretende Direktorin „Herein" gerufen hatte. Madame Sprout hastete ins Büro und schien sehr aufgeregt. „Minerva, du musst sofort mitkommen. Ein Schüler ist verschwunden."
Mit einem entschuldigenden Blick auf Hermine eilte Minerva McGonagall aus dem Raum. „Wir sehen uns am 30. August", rief sie gerade noch über die Schulter.
Hermine seufzte auf, stellte die Teetasse ab und nahm ihre Sachen. Worauf hatte sie sich da nur eingelassen?
Gedanken verloren verließ auch sie das Büro und machte sich auf den Weg nach Haus. Sie fürchtete sich vor dem Gespräch mit Ron, aber es half alles nichts, da musste sie durch.
„So ein Gespräch kann unvorstellbare Möglichkeiten eröffnen." Malfoy stand lässig mit dem Rücken zur Wand gelehnt und schien ein außerordentliches Interesse an seinen akkurat gefeilten Fingernägeln zu haben. „Zum Beispiel einen Weinabend… Mit mir, werte Kollegin. Oder zwei, oder drei..."
Hermine sah ihn überrascht an. „Was machen Sie denn noch hier?" Auf die Frage, woher er von ihrer Zusage wissen konnte, kam sie gar nicht.
Für einen Moment erschien ein raubtierhaftes Lächeln auf seinen Lippen. „Nun, ich sagte doch, ich habe auf eine Gelegenheit gewartet Sie zu treffen. Und wenn diese auf einmal da ist, kann ich dieses doch nicht einfach so… verstreichen lassen." Er trat einen Schritt auf sie zu. „Ich freue mich wirklich außerordentlich auf eine zukünftige Zusammenarbeit, Hermine. Wir werden sicher viel voneinander… lernen können." Bevor Hermine es verhindern konnte, trat er hinter sie, hauchte ihr einen Kuss auf die Wange und elektrisierte sie mit seiner samtweichen Stimme. „Ich glaube, ich habe den Schüler vorhin in der Besenkammer verschwinden sehen. Leider ist der Schlüssel… abhanden gekommen. Au revoir, Miss Granger."
