Gott schütze die Künstlerische Freiheit. Vergebt mir also, wenn ich ein wenig "zaubere" - z.B. beim Alter. ;-)
Snape wird eine entscheidende Rolle spielen, aber seine Zeit ist noch nicht gekommen ...
Kapitel 5
Hermine wollte sich gerade das Nachthemd überziehen, als es leise an ihrer Tür klopfte. Zuerst überlegte sie, ob sie sich einfach schlafen stellen sollte. Der Tag war anstrengend und sie war müde.
Andererseits war sie nun Hauslehrerin, ein Umstand der ihr immer noch nicht wirklich genehm war, und somit verpflichtet Verantwortung zu übernehmen. Sie warf sich einen Bademantel über.
Vor der Tür standen Minerva und Poppy mit einer Flasche Rotwein und kicherten miteinander.
Hermine musste schmunzeln, die beiden älteren Damen sahen in ihren Nachtgewändern wie zwei Schulmädchen aus, die etwas ausheckten.
"Was wollt ihr?", knurrte sie gespielt unfreundlich.
"Lass uns rein, bevor William uns erwischt und den Schock seines Lebens bekommt", kicherte Poppy.
Bevor Hermine etwas entgegnen konnte, hockten die beiden schon auf ihrem Bett und öffneten die Flasche.
Minerva klopfte neben sich. "Nun komm schon. Wir wollen ein bisschen feiern. Wenn das Schuljahr losgeht, werden wir kaum noch Zeit für ein Pläuschchen finden. Zumal unsere Schüler sich bestimmt fürchterlich erschrecken würden, wenn sie nicht mehr die strengen Lehrer in uns ansehen könnten."
Hermine seufzte und ließ sich von der Heiterkeit anstecken.
Eine Stunde und ein paar Gläser Wein später, die Flasche leerte sich auf wundersamer Weise nicht, hatten die drei Frauen alles um sich herum vergessen und kicherten wie kleine Mädchen im Schullandheim.
Sie sprachen ausgelassen über ihre eigene Schulzeit und Hermine staunte, als sie alberne Züge an ihren Kolleginnen feststellte. Sie selbst taute langsam auf und traute sich sogar, die ein oder andere Anekdote zu erzählen. Besonders die Weasley- Zwillinge bescherten den Frauen immer wieder Heiterkeitsausbrüche.
Poppy nahm Hermine bei der Hand. "Und nun erzähl mal, was ist eigentlich mit dir und Ron." Sie hickste. "Beziehungsweise was ist NICHT zwischen dir und Ron?"
Sofort versteinerte sich Hermines Gesichtszüge und die Ablehnung glich einer eisigen Kälte. "Poppy, darüber möchte ich nicht sprechen."
"Ich versprach ihr, keine Fragen zu stellen", schaltete sich Minerva ein. "Du hast also keinerlei Hilfe von mir zu erwarten. Was nicht heißt, dass ich nicht ebenso neugierig bin wie du."
Hermine sah sie böse an und wollte gerade das Thema wechseln, als ein heller Lichtstrahl ihre Aufmerksamkeit auf sich zog.
Sie hastete zum Fenster und sah eine dunkle Gestalt aus dem Verbotenen Wald in Richtung Schlosseingang eilen.
"Habt ihr das gesehen?" Aufgeregt drehte sie sich um.
Minerva warf nur einen gelangweilten Blick aus dem Fenster. "Ach, unser Engelchen hat wahrscheinlich wieder eins seiner ... kleinen Probleme."
"Was für Probleme?"
Die Direktorin kicherte ausgelassen. "Nun, die Zwillinge sind nach dem Tod Voldemorts zu ungeahnten Höchstleistungen aufgelaufen. Ich muss gestehen, ich find's nicht wirklich bedauerlich, dass die beiden auf ihre UTZe verzichtet und stattdessen den Laden gegründet haben."
"Und was hat das eine mit dem anderen zu tun?"
"Nun, ich hab mich in den Ferien in dem Laden ein wenig umgesehen". Minervas Augen glänzten.
"Professor McGonagall kommen Sie zur Sache. Was hat das alles mit Lucius zu tun?" Hermine war ungeduldig.
Jetzt war Poppy an der Reihe sich einzuschalten. "Lucius? Seit wann nennst du ihn beim Vornamen?"
Der Blick, den Hermine der Medihexe zuwarf, war mörderisch und Poppy zog es vor zu schweigen.
Minerva zog wieder die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich. "Ich befürchte, Poppy und ich waren ein wenig ... unaufmerksam."
"Was soll das heißen?" Die Jüngste der dreien trommelte mit den Fingern auf die Bettdecke.
"Nun, vorgestern unterhielten Poppy und ich uns darüber, dass Mr. Malfoy wirklich Aufmunterung bräuchte und ich noch einiges von Weasleys Zauberhaften Zauberscherze habe. Ich befürchte, Peeves hat das mitbekommen und ... Na ja, meine Vorräte sind ein wenig geschrumpft."
Hermine konnte sich das Lachen nicht verkneifen. "Ihr seid unmöglich."
"Wir? ER ist unmöglich," kicherte Poppy boshaft.
Es war die Gelegenheit ein paar Fragen zu stellen. "Was macht er eigentlich hier?"
"Nach dem Endkampf", begann die Direktorin, "ging Malfoy zum Minister und unterhielt sich lange mit ihm. Die offizielle Version lautet, dass die Familie unter dem Imperiusfluch stand. Ich vermute allerdings eher, dass Lucius sich und seine Familie wieder einmal freigekauft hat - St. Mungos konnte sich auf einmal eine Menge hochwertiger und teurer Geräte leisten.
Zwei Jahre wurde es still um die Familie Malfoy, bis eines Tages ein geflohener Todesser auftauchte und Draco und Narzissa ermordete, um Lucius zu bestrafen. Schließich kämpfe er nicht an Voldemorts Seite.
Bei seiner Verhaftung schrie der Mann immer und immer wieder "Verräter!".
"Das ist ja schrecklich. Darüber stand aber nichts im Tagespropheten."
"Hermine, der Tagesprophet untersteht immer noch dem Ministerium. Es hätte zu viele Fragen aufgeworfen.
Auf jeden Fall haben wir seit Albus Tod erheblichen Personenmangel. Einige wollten die Vergangenheit hinter sich lassen und neu anfangen, um einfach zu vergessen. Viele kennen Albus persönlich und schätzten ihn, ich vermute, sie hatten Angst nach Hogwarts zu kommen, weil Albus hier noch gegenwärtig ist.
Einerlei, der Minister trat auf mich zu und legte mir nahe, Mr. Malfoy einzustellen. Guck mich nicht so an, Hermine, über die Motive kann ich nichts sagen. Ich vermute, dass der Minister will, dass wir ein Auge auf Lucius haben. Er gilt zwar nicht länger als Todesser und hatte auch keine Verhandlung, aber sein Aufenthalt hier ist dem Ministerium wesentlich lieber, als wenn er frei rumlaufen würde, um die alten Todesser um sich herum zu scharren."
"Aber der Verteidigungsposten war besetzt?"
"Ja, zum Glück, und mittlerweile hat Malfoy sich wohl eingelebt."
"Also glaubst du nicht, dass er eine zweite Dolores Umbridge wird?"
"Nein, das Ministerium hat genug eigene Probleme. Und da Albus ja nicht mehr da ist", ein Schatten legte sich über das Gesicht der Direktorin, "fürchtet das Ministerium Hogwarts nicht weiter."
Hermine schmunzelte. "Ich kann immer noch nicht glauben, dass er der Lehrer für magische Geschichte sein soll."
"So schlecht macht er sich gar nicht. Sein Wissen ist enorm. Aber damit er sich nicht völlig langweilt, hab ich ihn zusätzlich mit den Aufgaben des Hauslehrers der Slytherins beauftragt."
Hermine war verblüfft. "Hauslehrer?"
"Da kann er nicht viel falsch machen, und glaub mir, ich sehe ihm genau auf die Finger. Außerdem ... was sollte ich machen? Professor Snape war der einzige Slytherinlehrer hier. Die meisten Lehrer wären, wenn sie Häusern zugeordnet werden sollten, Ravenclaw oder Hufflepuff. Malfoy war der einzige mit Slytherinabstammung."
Die junge Hexe musste das Gehörte erst einmal verdauen. Sie konnte es kaum glauben. Snape und Hogwarts gehörten für sie zusammen.
"Severus' Leiche wurde nie gefunden, daher gehe ich davon aus, dass er Voldemorts Angriff überlebt hat", fuhr die Direktorin achselzuckend fort. "Nach dem Fall von Du-weißt-schon-wem verschwand er einfach. Auch während oder nach seiner Rehabilitation tauchte er nicht wieder auf. Ich vermute mal, ihm wurde der ganze Rummel zu groß. Du kennst ihn, er war noch nie sonderlich kontaktfreudig. Und die Aufmerksamkeit, die er durch seine Arbeit als Doppelagent bekam, war wohl doch etwas zu ausartend."
"Und wer unterrichtet jetzt Zaubertränke?"
"Zurzeit ist Horace Slughorn wieder bei uns. Allerdings will er schnellstmöglich aufhören, wir suchen also fürs nächste Jahr einen Ersatz - zur Abwechslung mal wieder", schnaubte sie.
"Ich hab Slughorn nicht gesehen."
"Er kommt auch erst morgen wieder. Private Angelegenheit."
Hermine verabschiedete die beiden redseligen Damen so schnell sie konnte und legte sich in ihr Bett, zu viele Informationen waren auf einmal zu verarbeiten.
Im Geiste schlüsselte sie das Gehörte noch einmal auf.
Lucius Malfoy konnte sich freikaufen, vermutlich auch aufgrund seines Einflusses im Ministerium, das ihm misstraut und deswegen nach Hogwarts abgeschoben hatte, um von Minerva an der kurzen Leine gehalten zu werden. Er unterrichtete Zaubereigeschichte und war Hauslehrer von Slytherin.
'Aber da ist doch ein Denkfehler. Was, wenn er nie die Seiten gewechselt hat? Kann er nicht als Lehrer und besonders als Hauslehrer die Kinder beeinflussen? Und selbst wenn er eine komplette Gehirnwäsche bekommen hat, er ist und bleibt ein Slytherin. Warum nur hat sich Minerva darauf eingelassen? Ich verstehe es nicht. Und wo ist Snape? Der Gedanke, dass er nicht mehr hier ist, ist seltsam.'
Grübelnd fiel Hermine schließlich in einen tiefen, traumlosen Schlaf.
