Ich habe mir überlegt, Überschriften einzuführen. Leider weiß ich nicht, wie ich schon bestehende Kapitel im Nachhinein verändern kann, ohne das ganze Dokument zu löschen und neu hoch laden zu müssen.
Kann mir da wer helfen?
Im folgenden Kapitel erfahrt ihr etwas zum Spiegel. Es ist kompliziert (oder ich denke kompliziert) gg Bitte lasst mich wissen, ob ihr es versteht, denn das ist wichtig für den Verlauf der Handlung. Wenn es nicht klar wird, muss ich es überarbeiten.
15. Kapitel – Die Geschichte des Spiegels
Der Schmerz, der uns zugefügt wird, ist nicht die schwerste Last des Lebens.
Viel schwerer legt sich eines Tages auf unsere Schultern der Schmerz,
den wir den anderen zugefügt haben.
Hermann Joachim Bang
Lucius Malfoy kam gerade aus der Großen Halle geschlendert. Er war von mehreren Schülerinnen aufgehalten worden, die ihn mit etlichen Fragen zu einer gestellten Hausaufgabe bombardiert hatten. Erst hatte er sie abwimmeln wollen, schließlich waren die Fragen lediglich ein Vorwand gewesen, um ihn anzusprechen, doch dann sah er den Blick der Direktorin auf sich, die den Vorfall äußerst amüsiert beobachtet hatte. Ihm blieb nichts anderes übrig als sich seufzend seinem Schicksal zu fügen. Schließlich hatte McGonagall ein Einsehen und schickte die Mädchen in ihre Gemeinschafträume. Mit einem gewinnenden Lächeln bedankte sich Lucius bei ihr.
Er betrat gerade die Eingangshalle, als Hermine aus dem Keller gestürmt kam und direkt in ihn hinein rannte. Instinktiv fing er die junge Hexe und sich auf bevor sie beide zu Boden gestürzt wären. „Langsam, langsam", keuchte er. Das blonde Haar hing ihm wirr ins Gesicht, der Gesichtsausdruck war, im Gegensatz zu sonst, nicht beherrscht, sondern zeigte das, was gerade wirklich in ihm vorging.
Hermine sah ihn an und Verwirrung machte sich in ihr breit. Bislang hatte sie ihn immer als sehr selbstkontrolliert kennen gelernt. Die kalte Arroganz gepaart mit einem sündhaft attraktiven Gesicht hatte sie fasziniert und zugleich abgestoßen. Er wirkte stets gelassen und strahlte eine innere Ruhe aus, die beinahe schon gefährlich wirkten. Er machte immer den Eindruck eines Raubtieres, das jederzeit zum Sprung ansetzen und zuschlagen konnte. Jetzt, durch ihre unbedachte Attacke, hatte er sämtliche Selbstbeherrschung fallen lassen und wirkte geradezu … menschlich. Anders konnte Hermine es nicht beschreiben, aber sämtliche Zweifel waren wie weggewischt.
Sie rappelte sich auf und warf einen verstohlenen Blick zurück zum Kerker. Ihre Augen verengten sich und die Wut über die kürzlich erhaltene Verletzung flammte erneut auf. ‚Zum Teufel mit Severus Snape!'
Es dauerte nur ein paar Sekunden bis Lucius seine Überraschung überwunden hatte, und sich zurück in den Mann verwandelte, den alle Welt kannte. Er half seiner jungen Kollegin auf und warf ihr einen fragenden Blick zu.
„Fragen Sie besser nicht." Sie war immer noch aufgebracht.
Seine Mundwinkel zuckten leicht nach oben. „Ich vermute, du hattest eine kleine Begegnung mit Graf Dracula?" Sein Blick fiel auf ihre geröteten Wangen und wanderte runter zu ihren erregten Brustwarzen. Augenblicklich ging sein Atem schneller, aber er wusste, er musste sich beherrschen, wenn er sein Ziel erreichen wollte. Sanft strich er ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Wir sollten uns langsam aus der Reihe der gaffenden Schülerschar verabschieden", flüsterte er heiser.
Hermine sah sich um und bemerkte, dass sie Mittelpunkt der allgemeinen Aufmerksamkeit waren. „Müsstet ihr nicht langsam in euren Gemeinschaftsräumen sein?", raunzte sie und erntete ungläubige Blicke. Die Schüler kannten sie bislang eine eher sanfte und immer gut gelaunte Hermine. Schnell huschten sie aus der Halle, um nicht eventuell doch noch eine Strafarbeit aufgebrummt zu bekommen.
„Danke für's Auffangen." Ihr Lächeln war ehrlich.
Lucius erwiderte es. „Immer wieder gern. Es war mir … nicht gerade unangenehm", antwortete er galant und bot ihr seinen Arm. „Darf ich dich auf den lang versprochenen Wein einladen?"
„Welcher Wein?" Rasch ging Hermine die vergangenen Tage durch, konnte sich aber nicht an ein Versprechen ihrerseits erinnern.
„Den, den ich dir bei unserem ersten Treffen hier auf Hogwarts anbot. Seitdem staubt er vor sich hin und wartet darauf, geöffnet zu werden."
Sie schickte einen letzten, sehr erbosten, Blick in Richtung Kerker und wandte sich lächelnd zu dem wartenden Lucius um. „Aber gern. Ein Gläschen Wein in Eurer erlauchten Gegenwart, wird mein erhitztes Gemüt sicher besänftigen."
Sie sahen sich beide an und brachen in Gelächter aus.
ooOoo
Lucius war ein Mann von Adel. Seit frühester Kindheit hatte er gelernt, sich zu benehmen. Diese, mit der Zeit perfekt einstudierten, Manieren unterstrichen seine äußerst elegante Erscheinung. So war es nicht verwunderlich, dass er schnell zum Liebling unter den weiblichen Schülerinnen aufstieg. Es nervte ihn, dass er kaum einen Schritt gehen konnte, ohne dass eines der Mädchen ihn unter einem fadenscheinigen Vorwand ansprach. Es kursierten sogar Gerüchte, dass die eine oder andere Schülerin seine Beurteilung unter den Arbeiten mit Herzen versah und unter ihr Kopfkissen legte.
Jetzt, als er mit seiner jungen, hübschen Begleitung langsam zu seiner Wohnung schlenderte, war ihm so ein Verhalten mehr als unangenehm. Ohne dass Hermine es mitbekam, vollführte er eine elegante Handbewegung, und jedes Mädchen, dass den Wunsch verspürte ihn anzusprechen, hatte dringend das Bedürfnis in den Keller zu gehen, um die „gefürchtete Fledermaus" aufzusuchen und sie nach deren Meinung in Sachen Bademoden zu behelligen. Dies hatte den angenehmen Nebeneffekt, dass Severus Snape seiner Erregung nicht Herr werden konnte, da er ständig von pubertierenden Mädchen gestört wurde. Es war Lucius' kleine Racheaktion für Snapes desaströses Verhalten Hermine gegenüber.
Die junge Hexe ging an seiner rechten Seite, während Lucius den schwarzen Spatzierstock, mit dem filigran gearbeiteten silbernen Knauf in Form eines Schlangenkopfes, lässig in der linken Hand schwang. Dabei erzählte er ihr die eine oder andere Anekdote aus seiner Zeit in Hogwarts, die Hermine herzhaft lachen ließ. So hatte Armando Dippet, damaliger Schulleiter der Schuler für Hexerei und Zauberei, nie heraus gefunden, wer sich eines Abends in sein Büro gestohlen und seine sämtlichen Umhänge pink gezaubert hatte, so dass er am nächsten Tag, der Wecker war ebenfalls manipuliert, nicht nur zu spät zu einer wichtigen Versammlung kam, sondern auch mit einem „ekelhaft bonbonrosafarbenen" Umhang erscheinen musste.
Vor seiner Wohnungstür angekommen vollführte Lucius erneut einen Schlenker mit seiner Hand und die Tür sprang lautlos auf. Er ließ Hermine den Vortritt und führte sie in sein Wohnzimmer. Unauffällig wandte er sich zu seinem Spiegel, allem Anschein nach überprüfte er sein attraktives Äußeres, und warf selbigem einen warnenden Blick zu.
Hermine blickte sich neugierig um. Sie wusste, er würde es bemerken, daher versuchte sie gar nicht erst, ihr Interesse zu verbergen. Und richtig, sein wissendes Lächeln verriet ihr, dass er genau wusste, was in ihr vorging. Der Boden des Raumes war aus schwarzem, die Wände aus weißem Marmor. Als sie ihn fragend ansah, lächelte er. „Eine kleine optische Täuschung. Nicht der Rede wert." Ihr Blick wanderte von ihm zu einer schwarzen Ledercouch, die auf einem weißen, flauschigen Teppich stand. Ein Glastisch befand direkt davor und zwei sehr alt aussehende Sessel waren links und rechts angeordnet. Die Couch und die beiden Sessel umrahmten einen Kamin, was Hermine nicht sonderlich wunderte. Sie sah weiter nach rechts, eine Tür führte zu einem angrenzenden Raum, daneben zog sich ein großes Regal an der Wand entlang. Neugierig betrachtete sie die Werke, die sich allesamt mit Geschichte der Zauberei befassten.
„Was hast du erwartet? Bücher über die Dunklen Künste?", hauchte er ihr ins Ohr. Hermine zuckte zusammen, sie hatte nicht bemerkt, dass er so nah an sie herangetreten war. Dankbar nahm sie ein Glas Weißwein entgegen. Sie prostete ihm zu und ging dann zur gegenüberliegenden Seite des Raumes. In der Mitte hing ein großer Spiegel, flankiert von zwei Regalen, in denen ein paar antike Gegenstände standen. Der Spiegel faszinierte sie. Er war älter als alles, was sich hier in diesem Raum befand. Der Rahmen bestand aus purem Gold und war aufwendig gearbeitet. An der oberen Seite befanden sich zwei Figuren. Bei näherem Hinsehen erkannte sie einen Engel und einen Teufel, beide knieten vor einander. Auf auffallendsten war die Größe. Er war bestimmt Mannsgroß.
„Frühes 18. Jahrhundert?", fragte sie interessiert und berührte mit ihren Fingern das kalte Glas.
„Mittleres 20. Jahrhundert", antwortete er gelangweilt.
Hermine fuhr herum. „Aber, er sieht so alt aus."
Ein geheimnisvolles Lächeln umspielte Lucius' Lippen. „Nicht alles, was auf den ersten Blick alt aussieht, muss auch wirklich alt sein. Oder sehe ich aus wie über 40", zwinkerte er.
Sie drehte sich wieder zum Spiegel um und keuchte auf. Vorher hatte sie ihr eigenes Bild gesehen, es war ein Spiegel gewesen. Jetzt, als Lucius neben sie getreten war, sah sie sein Bild, aber sie selbst fehlte vollkommen. Der Spiegel gab nur Lucius wieder. Ihre Augen weiteten sich, als das Spiegelbild erstarrte. Nun sah es aus wie ein Portrait, ein Bildnis. „Was, in Merlins Namen, ist das?"
„Das, meine Schöne, ist mein zweites Ich." Er sah ihren fragenden Blick und fügte seufzend hinzu „Im weitläufigsten Sinne so eine Art…"
‚Eine Art was?'
Lucius ignorierte den Spiegel. „Vielleicht passt die Beschreibung ‚Tagebuch' am Besten, wenngleich es das nicht genau trifft." Er wollte Hermine zum Sofa ziehen. Doch Hermine drehte sich erneut zum Spiegel um und trat ganz nah an selbigen heran. Sie fuhr langsam mit dem Finger über die die glatte Spiegelfläche und zog die Linien vom Profil des Mannes nach, dessen Bild zu sehen war. Langsam fuhr sie über die Schulter hoch zu seinem Hals, seine Wange hoch zu seinen Schläfen.
Ein Laut ließ sie innehalten. Für einen Moment blickte Hermine den Spiegel verwirrt an, dann registrierte sie, dass dieser Laut von Lucius kam. Sie wirbelte herum und sah, wie sich der attraktive Mann krümmte und in die Knie ging. Sie stieß einen leisen entsetzten Schrei aus, ließ das Weinglas fallen und lief zu ihm hin. Dort fiel sie neben ihm auf die Knie und schlang ihre Arme um den Blonden. „Lucius, was haben Sie?"
Er stöhnte und warf ihr einen verzweifelten Blick zu. In seinen Augen stand Schmerz. Er zitterte am ganzen Körper.
„Warten Sie, ich hol Poppy, sie kann Ihnen bestimmt helfen."
„Nein! Bleib hier, bitte." Er musste große Schmerzen haben, so stark zitterte seine Stimme.
Ratlos sah Hermine den Mann neben ihr an, dann strich sie ihm die Haare aus dem Gesicht gab ihm einen Kuss auf die Stirn. Sie umarmte ihn erneut, um ihn dann, wie ein kleines Kind, hin und her zu wiegen.
Nach einer Weile beruhigte sich Lucius langsam. Sein Atem ging wieder regelmäßiger, seine verzerrten Gesichtszüge entspannten sich langsam, das Beben seines Körpers wurde immer weniger, bis es irgendwann ganz aufhörte.
Hermine legte einen Finger unter sein Kinn und hob seinen Kopf so an, dass er sie direkt ansehen konnte. In seinen Augen lag eine seltsame Form der Verletztheit, die sie bei ihm niemals wahrzunehmen geglaubt hatte. Dieser Mann war ihr ein komplettes Rätsel. Und Rätsel waren dazu da, gelöst zu werden.
Ihre Blicke verloren sich ineinander. Sie beugte sich ein wenig zu ihm runter, so dass sie seine warmen, weichen Lippen küssen konnte, während sie ihn noch immer fest hielt. Lucius genoss diesen Moment der Nähe und klammerte sich wie ein Ertrinkender an sie. Ihre Küsse wurden intensiver, leidenschaftlicher, sinnlicher. Er fühlte einen Hunger in sich aufsteigen. Der Hunger nach Leidenschaft, Sex, Macht.
Hermine spürte, dass die Kraft in diesen Mann zurückkehrte. Sie spürte, wie er zu langsam wieder zu sich kam. Sie löste ihre Lippen von seinen und streichelte ihm zärtlich über die Wange. Dann sah sie hoch und, als ihr Blick auf den Spiegel fiel, schrie auf. An den Stellen, die sie mit ihrem Finger berührt hatte, schien der Stoff verbrannt und die Haut welk geworden zu sein.
Sie wollte aufstehen, aber Lucius hielt sie zurück. „Nicht … Bitte."
„Was ist das?" Ihr stand das Entsetzen ins Gesicht geschrieben.
Er seufzte leise. „Ich weiß es nicht, ich weiß es wirklich nicht." Mit einem letzten verzweifelten Blick sah er sie an. Dann richtete er sich auf und mit dieser veränderten Körperhaltung kehrte auch seine alte Beherrschtheit zurück. Er hielt ihr die Hand hin. „Komm."
Hermine ergriff die Hand und fühlte seine Kraft. Sie kniete vor ihm, sah ihn von unten aus an und fühlte zum allerersten Mal die wirkliche Macht, die er verkörperte. Sie schluckte, und ließ sich dann von ihm zum Sofa ziehen.
Lucius setzte sich ihr gegenüber in einen der beiden Sessel und schlug lässig die Beine übereinander. Er hob die Hand und schien etwas Unsichtbares in der Luft zu greifen, woraufhin sich die Gläser erneut füllten.
Sie sah ihn ungläubig an. „Was machen Sie da?"
„Nun, nach diesem kleinen Schrecken brauchte ich dringend einen neuen Dring. Sagt dir der Wein nicht zu? Möchtest du lieber Feuerwhiskey? Oder doch was anderes?" Er hob fragend eine Augenbraue, die sie verdächtig an Snape denken ließ. Doch während Snape mit dieser Geste eher überheblich wirkte, sah Lucius irgendwie … ‚cool' aus. Sie lachte leise bei diesem Gedanken.
„Was hast du?"
„Ach, ich musste gerade an ein Muggelwort denken… Aber nein, der Wein schon in Ordnung."
Er nickte und ließ seinen Blick in die Ferne schweifen. Hermine wagte es nicht, ihn zum Weitersprechen zu bewegen. Schließlich fing er an zu sprechen und wirkte dabei sehr in Gedanken vertieft. „Es ist sehr kompliziert, aber ich versuche es zu vereinfachen. Der Sohn eines Urgroßvaters von Narcissa hieß Arcturus, der eine Melania McMillan heiratete. Melania's Onkel hieß Bazil Ardwhall. Er war ein großer und mächtiger Zauberer, ein direkter Nachfahre von Grindelwald. Ihn und Melania verband etwas, was ich nie herausgefunden habe. Es wurde von einer Dreierbeziehung geredet, jedoch glaube ich nicht daran. Einerlei, mein Vater kannte die Tochter von Melania, Lucretia, und verliebte sich in sie. Diese Liebe war nicht von Erfolg gekrönt, so dass mein Vater schließlich meine Mutter heiratete und ich, wie du sehen kannst, gezeugt wurde. Da mein Vater eine innige, wenn auch geheime, Freundschaft zu Lucretia pflegte, kam es, dass Bazil mein Pate wurde. Wie du weißt war Grindelwald ein Schwarzmagier, daher begrüßte es meine Familie, dass ich der Patensohn eines seiner Nachfahren wurde. Über meinen Patenonkel und seine Verbindungen habe ich schließlich auch Narcissa kennen gelernt." Er hielt inne und trank einen Schluck bevor er fort fuhr.
„Bazil Ardwhall war wahrlich ein mächtiger Zauberer. Er wurde mein Meister und begann mich in den Dunklen Künsten zu unterrichten, weswegen ich auch wesentlich weiter war, als meine Klassenkameraden in Hogwarts. In meinem sechsten Jahr starb Melania schließlich durch die Hand eines Schwarzmagiers. Bazil hat ihren Tod nie verkraften können und sagte sich von den Dunklen Künsten los. Ich sympathisierte schon damals mit dem Dunklen Lord und war von der schwarzen Magie mehr als fasziniert. Bazil beschwor mich, zu der guten Seite zurückzukehren, Dumbledore würde sich persönlich um mich kümmern, aber in meinem jugendlichen Leichtsinn nahm ich ihn nicht ernst. Kurz vor seinem Tod durch den Dunklen Lord schenkte er mir diesen Spiegel. Es war ein sehr mächtiger Zauber nötig, um den", er nickte in Richtung Spiegel, „zu erschaffen. Er ist für jeden ein normaler Spiegel. Für mich ist er mehr, er spiegelt meine andere Seite wieder. Bazil erschuf den Spiegel, um meine gute, meine weiße Seite, wie er es nannte, festzuhalten."
Er hielt inne und sah Hermine an. „Du kennst die zwei Seiten in einem Menschen? Und das es sprichwörtlich heißt, man habe einen Engel auf der einen und einen Teufel auf der anderen Schulter sitzen? Will man etwas Verbotenes essen, sagt der Teufel, man solle es sich nehmen, es schmecke gut. Der Engel hingegen warnt davor, weil es besonders viele Kalorien habe." Er grinste schief.
„Entschuldige, ein dummer Vergleich, aber der einzig passende, der mir im Moment einfällt. Bazil wollte mit dem Spiegel so etwas wie einen Engel auf meiner Schuler schaffen, eine Art Gewissen, das mich immer wieder zurückholen sollte, wenn ich mich tiefer und tiefer in die dunkle Seite der Macht verstrickte. Bazil ließ ihn sprechen und Ratschläge erteilen können, allerdings nur in guten Dingen. Bazil versuchte so, mir einen unparteiischen Freund zur Seite zu stellen, um mich vor den Dunklen Lord zu bewahren. Mit 23 Jahren trat ich schließlich den Todessern bei."
Hermine wartete, ob Lucius weiter sprechen würde. Sie hatte tausend Fragen, aber war sich nicht sicher, ob sie sie stellen sollte. Als er sich, nach einem Schlenker, mit einem neu gefüllten Glas erhob und zum Fenster trat, konnte sie sich nicht zurückhalten. „Spricht der Spiegel auch jetzt zu Ihnen?"
„Ja." Er trank einen Schluck. „Aber bitte, frag mich nicht näher, ich … kann nicht weiter drüber reden."
‚Sag ihr doch den wahren Grund, oder traust du dich nicht?', provozierte der Spiegel in Lucius Kopf.
Er warf dem Bild einen bösen Blick zu. „Vielleicht erzähl ich dir später mehr."
Hermine nickte. „Und warum konnte ich nur Sie dann sehen, obwohl ich direkt neben Ihnen stand - wenn er anderen als ein normaler Spiegel erscheint?"
‚Weil ich es wollte, mein Kind.'
Lucius zuckte mit den Schultern. „Vielleicht, weil du die erste bist, die den Spiegel jemals berührt hat? Außer mir …"
‚Erzähl ihr von dem Fluch. Erzähl ihr von unserem Pakt. Erzähl ihr davon, was du mir gegeben hast.' Der Spiegel lachte böse.
Hermine stand auf und trat hinter den Mann, der ihr so viele Rätsel aufgab. Sie berührte vorsichtig seine rechte Schulter und küsste ihn auf die Linke. „Vielleicht können Sie mir wirklich irgendwann mehr erzählen."
Er lächelte sie an. „Vielleicht, kleine Gryffindor, vielleicht."
Ihre Augen trafen sich und es schien, als ob keiner der beiden seinen Blick als erstes abwenden konnte. Lucius hob seine Hand und fuhr Hermine langsam über die Lippen. „Du solltest jetzt vielleicht gehen…"
Sie küsste seine Fingerspitzen. „Warum?"
„Weil ich sonst für nichts garantieren kann…"
‚Wie edel', spottete die Stimme in Lucius' Kopf, ‚früher hast du doch auch nicht gefragt, sondern die einfach genommen.'
„Ich sagte bereits, ich spiele gern mit dem Feuer", hauchte sie.
„Du kennst die Regeln nicht … Es ist ein Spiel der Macht, ein Spiel das dich bis an deine Grenzen führen wird, und drüber hinaus. Ein Spiel, das wenn du dich verbrennst, kein Spiel mehr sein wird…", erklärte er heiser und starrte auf ihre Lippen. „Du wirst mein sein, ganz und gar."
Für einen Moment hielt Hermine die Luft an, zögerte eine Sekunde und atmete tief durch. ‚Die einstige Musterschülerin bettelt um einen Fick, wie eine billige Schlampe', hallte es in ihrem Kopf wieder und wieder. Trotzig blickte die unerfahrene Hexe Lucius, der nun dicht vor ihr stand, in die Augen und lächelte. „Das werde ich…"
Ein Lächeln, das seine Augen nicht erreichte, stahl sich auf Lucius Lippen, bevor er ihr in den Nacken griff und sie hart an sich zog.
„So sei es …"
A/N:
AMJ: danke für dein Lob :-) leider fehlt deine Emailaddy, so dass ich dir nicht direkt antworten kann
Samsarina: danke dir, hoffe, du bleibst mir weiterhin treu zwinker
