16. Kapitel – Es tut gut und ist gefährlich
Wer sich mit dem Teufel einlässt, verändert nicht den Teufel,
sondern der Teufel verändert ihn
(Unbekannt)
Der Kuss hatte sämtliche Zärtlichkeit verloren, er war leidenschaftlich, fordernd, bestimmend. Hermine fühlte, wie ihr die Knie nachzugeben drohten. Sie fühlte, dass es das war, was sie suchte.
Ihr ganzes Leben war bislang in geordneten Bahnen verlaufen. ‚Langweilig' fügte sie gedanklich hinzu. Vor der großen Schlacht hatte es einen fremden Mann in ihrem Leben gegeben, der berühmte ‚heimlicher Liebhaber'. Sie hatte ihn nie wieder gesehen. Es war … nett mit ihm gewesen.
Dann kam Ron. Und somit beschränkte sich ihre Erfahrung auf zwei Männer. Beide waren sehr zärtliche und einfühlsame Liebhaber, aber innerlich hatte Hermine immer das Gefühl gehabt, es fehle ihr ein Puzzleteil um das zu erleben, was in den Liebesromanen als so wunderbar beschrieben wurde. Die Literatur der Zaubererwelt unterschied sich diesbezüglich um keinen Sickel von der Muggelliteratur. Überall gab es den einen Mann, der die Protagonistin regelrecht umhaute, und mit dem sie ein Feuer der Leidenschaft und pure Sinnlichkeit erlebte. Sie würde alles dafür tun, um genau das erleben zu dürfen.
Anfangs kam Ron abends umgehend nach ihr ins Schlafzimmer. Sie hatten beide Spaß miteinander, es war schön, aber nicht aufregend. Mit der Zeit wurden seine Besuche immer seltener und Hermine war nicht der Typ Frau, der einem Mann hinterher lief. Sie hatte öfters mit dem Gedanken gespielt, sich das, was ihr Körper brauchte, außerhalb ihrer Ehe zu suchen. Aber irgendetwas hatte sie immer davon abgehalten, Ron letztendlich zu betrügen. Vielleicht war es das schlechte Gewissen, oder ihre eigene Form von Moralvorstellung?
All diese Gedanken waren wie weggewischt. Sie dachte nicht an Ron, nicht an ihre Vergangenheit, sie dachte einfach nur daran, mit diesem Mann, Lucius Malfoy, das zu erleben, von dem sie immer geträumt hatte.
Sie wusste, er konnte ihr mehr bieten als das regelmäßige „rein – raus"- Gestöhne, das sie bislang erlebt hatte.
Sie wusste, er war kein Mann, der sich auf der Nase herum tanzen ließ.
Sie wusste, er nahm sich alles – und davon ganz viel.
Vorhin, als sie spürte, wie die Kraft nach diesem … Zwischenfall in ihn zurückkehrte, hatte sie zum allerersten Mal den Mann richtig in ihm gesehen. Sie kannte ihn aus den Augen eines jungen Mädchens, das ihn aufgrund seiner Zugehörigkeit Voldemorts fürchtete. Sie kannte ihn als Vater ihres Erzfeindes Draco. Aber sie kannte ihn nicht als Mann.
Es war eine neue, aufregende Erfahrung für Hermine, die noch vor keiner Herausforderung geflüchtet war. Sie wollte dieses sinnliche Spiel beginnen und dabei sich selbst neu erleben. Und wenn es irgendwann anders sein würde, als sie es mit sich selbst vereinbaren könnte, würde sie dieses Spiel eben einfach aufgeben.
So einfach ist das.
Die Stimme tief in ihr, die ihr leise zuflüsterte und warnte, es wäre alles andere als einfach, ignorierte sie.
Lucius wusste, was in ihr vorging. Sie war nicht die erste Frau, die diese Form der Macht noch nicht kannte. Wahrscheinlich würde sie auch nicht die letzte sein, aber das war zweitrangig. Wichtig war, dass sie eine Gryffindor war, eine unschuldige, unverbrauchte und vor allem unsagbar Gut. Wenn er wirklich nicht länger das Image des Bösen innehaben, und wenn er tatsächlich nicht mehr das Böse verkörpern wollte, dann war sie die beste Frau, die er finden konnte. Und das ein oder andere kleine Machtspiel hielt ihn nicht davon ab, wirklich gut zu sein. Im Gegenteil. Es war das Salz in der Suppe. Und, solange es ihr gefiel war alles in Ordnung.
Wieder fiel sein Blick auf die Frau vor ihm, die in seinen Augen die Reinheit verkörperte, die er suchte. Er sah in ihren Augen ein weiteres Gefühl neben purer Lust. Er sah Angst. Diese Angst müsste er ihr nehmen, damit sie sich vollkommen auf ihn einlassen würde. „Hermine, vertrau mir."
Dieser kleine Satz verwirrte sie. Warum sollte sie ihm vertrauen?
„Nur wenn du mir vertraust, wird es wirklich schön für dich. Lass dich fallen und geh mit mir. Ihr führe dich an die Grenze deiner Lust und halte dich, wenn du fällst."
Hatte er das gerade wirklich gesagt? Er, der den Fall einer Frau meist wesentlich attraktiver fand, als der Gang zur Grenze? Lucius war selbst über sich verwirrt. Aber irgendwie übertrug sich ein Teil ihrer Reinheit tatsächlich auf ihn.
Er malte mit einer Handbewegung einen Halbkreis in die Luft. Kerzen erfüllten den Raum mit sanftem, beruhigendem Licht. Eine erneute Handbewegung, die einen Kreis komplettierte, ließ blutrote Rosen erscheinen, die sich ovalförmig auf dem Boden anordneten. Eine dritte Bewegung, die seinen imaginären Kreis durchschnitt, bewirkte, dass Hermines Kleidung verschwand und sie in einem weißen, bodenlangen Kleid vor ihm stand. Weiße Rosen, die zu einem Kranz geflochten waren, zierten ihren Kopf. Weiße Rosen, die zu einem Strauss gebunden waren, lagen in ihrem Arm. Hermine fühlte sich wie eine Braut, die barfuss zu ihrer eigenen Hochzeit schritt. Innerlich spürte sie, dass dies ein entscheidender Moment in ihrem jungen Leben war. Wenn sie diese erste Grenze überschritt, gab es kein zurück mehr.
Lucius, inzwischen in elegantem Schwarz mit einem neuen, aufwendig gearbeiteten, natürlich bodenlangen Umhang, gekleidet reichte ihr die Hand und führte sie zu dem Oval. „Noch gibt es einen Weg zurück, meine Schöne."
Nach unendlichen Augenblicken, in denen sie ihn einfach nur ansah, blickte sie entschlossen zu dem Oval aus blutroten Rosen und schritt in die Mitte. Die Rosen veränderten ihre Form, zogen sich zu einem engeren Kreis um sie herum zusammen, legten sich wie ein Ring um sie.
Lucius ging zu einem Regal neben dem Spiegel und nahm einen Gegenstände heraus, dann erhob er zwei Finger und zog sie langsam in der Luft herunter. Als würde sie unter einem Imperio agieren, kniete sich Hermine langsam hin und senkte den Kopf. ‚Wie eine Hochzeit mit dem Teufel', schoss es ihr durch den Kopf. ‚Mit einem sehr schönen Teufel.'
Lucius war vor der Grenze stehen geblieben und sah auf sie nieder. Ein Zug der Sehnsucht lag in seinen Blick.
Er begann gegen den Uhrzeiger den Kreis drei Mal entlang zuschreiten, danach drehte er um und umrundete den Kreis vier Mal, während der Worte sprach und jedes Mal stehen blieb, um ihre Antwort abzuwarten.
„Hermine Granger, du wirst nach diesem Ritual mir gehören – in deinem ganzen Denken und Sein. Willst du das?"
„Ja, das will ich."
„Du hast dich mir zu offenbaren. Was immer ich dich frage, du wirst mir ehrlich antworten. Willst du das?"
„Ja, das will ich."
„Du wirst tun, was immer ich dir sage und dich absolut in meine Dienste begeben. Willst du das?"
„Ja, das will ich."
„Du begibst dich in meine Hände, vollkommen in dem Bewusstsein, bei Hingabe belohnt und bei Fehlverhalten bestraft zu werden. Willst du das?"
„Ja, das will ich."
„Du wirst mein Zeichen mit Stolz tragen, in der Gewissheit, dass es dich schützt, dass ich dich vor Gefahren bewahre. Willst du das?"
„Ja, das will ich."
„Dein Bestreben wird es sein, mir zu dienen und dich in meinem Sinne zu verhalten. Mein Bestreben wird es sein, dich zu führen und zu halten. Willst du das?"
„Ja, das will ich."
„Ich bin dein Herr, dein Mentor, dein Beschützer. Und du meine Dienerin, Gefährtin, Geliebte. Willst du das?"
„Ja, das will ich."
Er blieb direkt vor ihr stehen und trat in den Kreis hinein. Er bedeutete ihr die Hände vor ihrer Brust ineinander zulegen und zu ihm hoch zustrecken. Er legte den Gegenstand, den er vom Regal genommen hatte, in ihre Hände. „Der Stein des Großen, ohne Wissen weitergegeben – er wird diesen Bund ermöglichen."
Als nächstes Griff er ihr ins Haar und zog ihr so sanft wie möglich ein Haar aus dem Rosenkranz. „Zeichen der Dienerin, aus freiem Willen gegeben – es wird diesen Bund gestalten."
Zum Schluss nahm Lucius seinen Zauberstab und fuhr Hermine über die Innenseite ihres linken Unterarms. Eine Hitze durchströmte sie und sie fühlte ihr warmes Blut an ihrem Unterarm entlang tropfen. Er fuhr mit seinem Zauberstab über sein Handgelenk und legte es auf die Stelle, die er bei ihr gezeichnet hatte. „Das Blut des Meisters, gerne gegeben – es wird diesen Bund vollführen."
Lucius kniete sich vor sie hin und legte seine Hand auf ihre. „Dominusadveni", befahl er laut und deutlich.
Hermine keuchte auf. Der Stein legte sich wie ein Band um sie beide und verband sie miteinander. Lucius sah ihr tief in die Augen. „Schwörst du, diesen Bund zu wollen und alles dafür zu tun, ihn zu erhalten?"
Irgendwo, tief in ihrem Inneren, wusste Hermine die antwort. „Ich schwöre es."
„Schwörst du, diesen Bund zu ehren und ihn zu schützen, bei all deinen Möglichkeiten?"
„Ich schwöre es."
„Ich schwöre, dich zu nehmen und zu schützen, zu leiten und zu bewahren, auf dass dir kein Leid zugefügt wird."
Die Fesseln glühten ein letztes Mal auf, bevor sie sich lösten und sich in den Stein zurückverwandelten. In dem Moment, als der Stein seine ursprüngliche Form annahm, keuchten Beide vor Schmerz auf. Sie krallten ihre Finger ineinander und warteten, bis der Schmerz vorbei war.
Für einen Moment erschien es, als hätten Zeit und Raum aufgehört zu existieren. Dann, langsam, sah Hermine zu der Stelle hinunter, an der Lucius sie mit seinem Zauberstab berührt hatte. Ein blutroter Kreis, gerade so groß, dass das Symbol innen zu erkennen war, zierte die Stelle an ihrem linken Unterarm. Zwei Schlangen umschlangen den Kreis, darunter prangten deutlich die Initialen ihres Gegenübers, LM.
Auch Lucius trug dieses Zeichen an der gleichen Stelle. Sein Todessermal war verblasst, kaum noch zu erkennen. Das neue Zeichen dominierte die Stelle. Er hatte die Initialen HG.
Sprachlos sah sie ihn an. Dann fand sie langsam ihre Worte wieder. „Das war jetzt kein Unbrechbarer Schwur, oder?"
„Nein", lachte er leise, „aber es hat eine ähnliche Durchführung."
„Was ist es?"
„Der Grundgedanke stammt vom Unbrechbaren Schwur, aber wir brauchten keinen Dritten, um den Schwur zu bezeugen. Außerdem ginge ein Bruch nicht gleich tödlich aus. Dieser Spruch war nötig, um das Zeichen zu setzen."
Beide knieten noch immer im Kreis der Rosen, die Hände noch immer miteinander verschlugen, als Hermine zögerlich etwas sagte. „Darf ich Sie noch etwas fragen?"
„Natürlich, gern."
„Warum sind sie erst drei Mal gegen und dann vier Mal im Uhrzeigersinn gelaufen?"
„Du achtest auf Details", schmunzelte er. „Unsere Zahl ist die sieben, vier Mal gegen und drei Mal mit dem Uhrzeigersinn ergibt sieben."
„Sieben?" Sie sah ihn fragend an.
„Das L ist der zwölfte Buchstabe im Alphabet, das M der Dreizehnte. Zwölf und Dreizehn ergibt 25, die Quersumme ist sieben. Die Quersumme aus zwölf ist drei, aus dreizehn vier. Beides zusammengezählt ergibt ebenfalls sieben. Dein Vorname besteht aus sieben Buchstaben. Dein Nachname im Übrigen auch, was direkt nichts mit dem Ritual zu tun hat, es aber indirekt bestärkt. Darum musste ich sieben Mal den Kreis umgehen."
„Und was bedeutet das?" Hermine war ein wenig verwirrt.
„Das, meine Schöne, bedeutet, dass du mir gehörst." Er beugte sich vor und küsste sie auf die Lippen.
Nachdem er den Kuss sanft beendet hatte, nahmen Lucius' Augen einen anderen Ausdruck an. Hermine konnte nicht genau sagen, was anders war, aber es bewirkte, dass sie irritiert die Stirn runzelte.
„Steh auf", befahl er ihr in einem strengen Tonfall.
„Ich sagte ‚Steh auf'. Und ich hoffe, du tust es bald, ich warte nicht gern."
Sie beeilte sich, seiner Aufforderung nachzukommen. Etwas verunsichert stand sie nun vor Lucius, der sich seinen Umhang zurecht zupfte und ihr dann die Hand hinhielt. Hermine ergriff sie und ließ sich aus dem Kreis ziehen. Eine Handbewegung und die Rosen waren verschwunden.
„Lucius?", sah sie ihn fragend an.
„Erste Regel, wenn wir hier unter uns sind, heißt es Sir – hinter jedem Satz. Verstanden?"
„Ja", unsicher sah sie zu Boden.
Er gab ihr einen leichten Klaps auf den Hintern, so dass sie sich beeilte ein „Ja, Sir" zu sagen. Er lächelte. „Was wolltest du mich fragen?"
„Warum brauchen Sie Ihren Zauberstab nicht, Sir?"
Er nahm ihre Hände in seine und begann, sie sanft zu streicheln. „Einer der Vorteile, wenn man dem Dunklen Lord sehr nahe stand. Für die meisten Zauber brauche ich ihn nicht mehr."
„Und für welche…. Sir?", wagte sie zu fragen.
„Für die drei Unverzeihlichen, zum Beispiel." Er lächelte und, erneut eine Handbewegung später, stand sie wieder in ihren ursprünglichen Klamotten vor ihm. „Schade, das unschuldige Weiß hat mir gefallen. Aber du hast heute sehr viel erlebt. Sei morgen um halb neun hier." Er gab ihr einen fordernden Kuss zum Abschied und schob sie aus seinen Räumlichkeiten.
Verwirrt stand Hermine zum Zweiten Mal an einem Tage vor einer verschlossenen Tür.
ooOoo
Innen nahm sich Lucius erneut ein Glas Whiskey. Er musste aufhören, zuviel Alkohol bedeutete Kontrollverlust. Etwas, was Lucius Malfoy gar nicht mochte.
‚Respekt, ich hätte nicht gedacht, dass du das Schlammblut wirklich zu diesem Ritual bekommst.' In der Stimme des Spiegels lag so etwas wie Anerkennung.
„Nun, es ging auch schneller, als ich gedacht hatte." Er drehte sich schulterzuckend um und sah aus dem Fenster auf die Ländereien von Hogwarts.
‚Ich kann verstehen, dass deine Wahl auf sie gefallen ist. Sie ist …. süß.'
„Sie ist wunderbar." Lucius' Blick versank in der Ferne.
‚Du wirst dich doch wohl nicht verlieben?', frohlockte der Spiegel.
Er schnaubte. „Wohl kaum in ein Schlammblut. Aber sie ist wirklich süß, so rein und so unschuldig." Er lächelte.
‚HA!' Der Spiegel lachte laut. ‚Ich sagte doch, du würdest es nicht schaffen.'
Lucius drehte sich um und schmiss das Glas gegen den Spiegel. „Sag so was nicht. Ich werde schaffen, sie wird mir helfen. Und dann bin ich dich endlich los."
‚Du wirst mich niemals los, mein blonder Engel, niemals.' Der Spiegel klang bedrohlich.
„UND OB ICH ES SCHAFFEN WERDE." Die Haare hingen ihm wild in das vor Wut verzerrte Gesicht.
Der Spiegel lachte nur als Antwort.
„TACETO!"
Der Spiegel schwieg
dominus Herr, adveni erscheine
Tacere schweigen
A/N: Wer sehen möchte wie das Zeichen aussieht, möge mir bitte eine Email schreiben (serpensortiasgmx.de), ich schicke dann das dazugehörige Bild :-)
Beim nächsten Mal wirds dann endgültig erotisch smile und es gibt eine gehörige Portion Severus Snape
anonym: Das Drama ist vorprogramiert zwinker
AMJ: Danke lächel
