17. Kapitel – Die Wahl der Waffen
Krieg ist Vergangenheit auf der Überholspur
Manfred Hinrich
Er stöhnte auf, als er aufwachte. Sein Schädel brummte. „Nie wieder Alkohol", krächzte er.
‚In der Tat du hast gestern fleißig getrunken', frohlockte der Spiegel in eigenartigem Singsang. ‚Hast du von dem kleinen Schlammblut geträumt?' Die Neugier war unüberhörbar.
Lucius gähnte herzhaft und drehte sich um, so dass er auf dem Bauch liegen blieb. Dabei fiel ihm eine seiner blonden Strähnen ins Gesicht und kitzelten ihn an der Nase.
„Hermine!" Mit einem Mal war Lucius wach und alles, was am Abend zuvor geschehen war, war wieder präsent.
„Nenn sie nie wieder Schlammblut!", rief er voller Zorn und rannte, nackt wie er war, ins Wohnzimmer, um sich drohend vor dem Spiegel aufzustellen. „Wage es ja nicht, Hermine zu beleidigen. Sie ist viel zu gut für so etwas."
‚Ich bin immer wieder erstaunt, wie gut ich aussehe.' Unverholener Stolz lag in den Augen des Spiegels.
In den Augen des Spiegels? Das waren seine, Lucius', Augen. Der Spiegel war ein Teil seiner selbst. Seit wann dachte der Spiegel eigenständig?
Ihm kam ein furchtbarer Verdacht und plötzlich fühlte Lucius eine Eiseskälte.
ooOoo
Die aufgehende Sonne strahlte direkt in das Zimmer der jungen Hexe, als sie ihre Augen öffnete und sich wohlig streckte. ‚Heut ist ein schöner Tag', schoss es ihr durch den Kopf. Hermine lächelte und gähnte ausgiebig. Dann schälte sie sich aus dem Bett und tapste ins Bad, um den schönen Tag mit einer Dusche zu begrüßen. Sie lächelte ihrem Spiegelbild zu und stieg unter die Dusche. Das warme Wasser perlte von ihrer Haut.
Zurück im Schlafzimmer wählte sie ein leichtes Sommerkleid. Als sie es anziehen wollte, fiel ihr Blick auf ihren Unterarm. Die keuchte auf und starrte auf das Mal. Mit einem Schlag waren die Erinnerungen an den gestriegen Abend wieder da.
Hermine setzte sich auf das Bett, vergrub ihren Kopf zwischen die Hände und versuchte tief durchzuatmen.
Wie hatte sie nur so die Beherrschung verlieren können? War es wir sie getan hatte? Aber es war geschehen und es gab keinen Weg zurück mehr.
Sie ließ sich zurück aufs Bett fallen. Andererseits…. Es fühlte sich gut an.
Sie entschied sich um und wählte ein rotes Sommerkleid mit langen Ärmeln. Tief in ihrem Inneren wusste sie, dass dies die bessere Entscheidung war. Mit einem Lächeln auf den Lippen verließ sie ihr Schlafzimmer und ging in die Große Halle. Das Frühstück hatte bereits angefangen.
Sie stieß die Tür auf und begrüßte die Schüler mit einem Lächeln. Eine junge Gryffindor kam zu ihr und fragte sie, ob sie später in ihr Büro kommen könne. Hermine nickte, sie kam gut als Hauslehrerin zureckt, und wandte sich zum Lehrertisch um. Ihr Blick fiel sofort auf Snape, der sie mit seinem typischen ‚Ich-dreh-dir-den-Hals-um-wenn-du-es-wagst-mich-anzusprechen" bedachte. Sie starrte mit einem Blick zurück, der seinem in nichts nachstand und ging dann zielstrebig auf ihre Kollegen zu. „Guten Morgen", rief sie gut gelaunt und schwebte zu dem einzigen freien Stuhl – direkt zwischen Lucius und Severus.
„Guten Morgen, Hermine." McGonagall bedachte sie mit einem strahlenden Lächeln. Die junge Frau war ihr in der kurzen Zeit, die sie nun als Lehrerin tätigte, sehr ans Herz gewachsen.
Lucius stand auf und rückte ihr den Stuhl zurecht. Ein Kichern ging durch die Bankreihen der Schüler und ein irritiertes Staunen machte sich bei den anderen Kollegen breit. Hermine grinste ihren linken Tischnachbarn an und Lucius zwinkerte ihr verschwörerisch zu.
„Würden Sie mir bitte den Kaffee reichen, Professor Snape?", zwitscherte Hermine und Snape antwortete mit einem Knurren.
„Wie ich sehe, bist du wieder glänzender Laune, Sev", spöttelte Lucius. Nichts passierte. „Unsere reizende Kollegin hat dich um den Kaffee gebeten." Seine Stimme nahm einen drohenden Unterton an. Immer noch passierte nichts. Lucius streckte die Hand aus, ganz so als ob er nach der Kaffeekanne greifen würde und zog die imaginäre Kanne dann zu sich. Die wirkliche Kanne erhob sich und flog zielsicher auf Hermine zu. Lucius unterbrach den Kontakt und die Kanne plumpste hinunter, direkt auf Snapes Teller. Der Kaffee spritzte in alle Richtungen. Kurioserweise schien der Kaffee nur Snape zum Ziel zu haben. Er fluchte ungehalten und sprang auf.
Mit einer Handbewegung beendete Lucius das Spektakel. Eine weitere war nötig, um Snape von sämtlichen Kaffeeresten zu befreien. „Tut mir Leid, mein Freund", entgegnete Lucius unschuldig. „Ich war wohl einen Moment abgelenkt." Der Lehrertisch kicherte.
Snape sah Lucius aus schmalen Augen an. Es war offensichtlich, dass er innerlich vor Zorn bebte. Dann fiel sein Blick auf Hermine, die sich das Lachen kaum verkneifen konnte und es schließlich auch nicht schaffte. Sie lachte herzhaft. Es schien wie ein Zeichen zu sein, die ganze Halle bebte unter fröhlichem Gelächter.
Der Einzige, der nicht lachte, war Snape. Er fand die ganze Angelegenheit alles andere als komisch und schwor Rache. Hermine würde schon sehen, was sie davon hatte. Niemand, wirklich niemand, lachte Severus Snape aus. Und sie würde das als erstes erfahren.
ooOoo
Hermine sah Snape hinterher, als er mit aufbauschendem Umhang und noch finsterem Gesicht die Halle verließ.
„Lucius, das hätten Sie nicht tun sollen", erklang nun Minervas Stimme, die sich verräterisch belustigt anhörte.
Der Zurechtgewiesene grinste lausbubenhaft. „Verzeihen Sie, Minerva, ich werde mich darum bemühen, in Zukunft morgens etwas aufmerksamer zu sein. Nicht das mir erneut so ein Missgeschick passiert."
„Sie sind ein Schelm." Nun war es auch mit Minervas Beherrschung zu Ende. Sie wischte sich ein paar Lachtränen aus den Augenwinkeln. Dann wandte sie sich wieder ernst zu Hermine. „Pass auf dich auf, bitte."
„Warum?" Die Verwunderung stand der jungen Hexe ins Gesicht geschrieben.
„Er glaubt, du hast ihn ausgelacht. Wie ich Severus kenne, wird er das nicht auf sich sitzen lassen."
„Nun, ich bin ja keine kleine Schülerin mehr, oder?" Hermine erhob sich. „Ich muss jetzt die Fünfte der Slytherins bändigen. Bis nachher."
Sie ging einen verlassenen Korridor entlang. Seit der Zeit mit Harry und Ron, sie ignorierte den Stich in der Brust, kannte sie sich hervorragend aus. Ob Harry die Karte des Rumtreibers noch hat? Vielleicht sollte sie ihn danach fragen? Die Karte würde ihr hier bestimmt helfen, wenn sie abends für den Rundgang eingeteilt war.
Eine Hand griff sie am rechten Handgelenk und presste sie an die Wand. Hermine erwachte aus ihren Gedanken und schrie laut auf. Snape stand direkt vor ihr.
„Was fällt dir ein über mich zu lachen?" Er musste seine Wut unterdrücken. „Du hast mich vor allen lächerlich gemacht."
„Ich… also … Es tut mir leid", stammelte sie. „Es war einfach nur aus der Situation heraus komisch." Sie schluckte, als sie spüre, wie Snape sich ihr langsam näherte. Den Schmerz, der sich in ihrem Handgelenk breit machte, schien sie zu betäuben. „Sie tun mir weh."
Verblüfft sah er auf sie herab, trat aber ein Stück zurück und ließ sie los. „Ich warne Sie, Miss Granger, wenn Sie mich noch einmal auslachen, dann werden Sie mich kennen lernen. Dann wird aus der Angst Panik." Seine Augen waren zu zwei Schlitzen verengt.
Erschöpft sackte Hermine ein wenig in sich zusammen. „Ich habe die Kaffeekanne nicht verhext, und gelacht haben wir alle. Warum haben Sie es auf mich abgesehen? Da steckt doch mehr hinter."
Er wandte sich zum Gehen. „Nein, da steckt nichts hinter, ich kann Sie einfach nicht leiden, das ist alles."
Seine Umhänge bauschten sich hinter ihm auf, als er den Gang entlang schritt.
Hermine wurde wirklich wütend, was fiel diesem Kerl eigentlich ein? „Sie sind nicht nur bemitleidenswert, Sie sind auch noch feige", rief Sie ihm hinterher. „Ansonsten würden Sie sich mit mir auseinander setzen."
Er erstarrte. Seine Mundwinkel zogen sich zu einem schmalen Strich zusammen, dann, nachdem er wieder die Maske der Gleichgültigkeit aufgesetzt hatte, drehte er sich mit einem spöttischen Lächeln um. „Warum sollte ich mich mit Ihnen auseinander setzen? Es gibt nichts zum auseinander setzen. Sie sind und bleiben eine kleine Nervensäge, Miss Granger. Nur, weil sie es vielleicht gern hätten, dass wir uns … auseinander setzen sollten, heißt es noch lange nicht, dass wir es wirklich tun müssen." Wieder stand er direkt vor ihr.
Hermine schluckte, dann zog auch sie ihre Augenbrauen verdächtig weit hoch – eine Geste, die ihn ärgern sollte, und die ihre Wirkung nicht verfehlte. „Aber Herr Professor", imitierte sie eine Schülerin. „Gestern, in Ihrem Büro, als Sie mich auf den Tisch gepresst hatten, hatte ich einen ganz anderen Eindruck."
„Vorsicht Mädchen, du betrittst ein Terrain, das du nicht kennst." Sein Atem ging schwer.
Sie starrte zurück. „Allerdings, aber ich habe einen sehr guten Lehrer."
Für den Bruchteil einer Sekunde sah Snape verwirrt aus, hatte sich aber schnell wieder unter Kontrolle. Er senkte seine Stimme, so dass sie ihn kaum noch verstehen konnte. „Wenn das ein Handschuh war, Miss Granger, so seien Sie gewiss, dass ich ihn aufnehmen könnte."
Ihre Stimme klirrte vor Kälte. „Nicht doch, Snape, ich könnte es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, einen alten Mann mit unfairen Mitteln zu schlagen."
„Was sind denn in Ihren Augen unfaire Mittel? Lippenstift und Nagelfeile?", höhnte er.
„Zuneigung und Ehrlichkeit", gab sie zurück und ließ ihn sprachlos stehen.
A/N: Handschuh „Der Begriff Fehdehandschuh (Fehde: „Privatkrieg") wird in der deutschen Sprache in den Redensarten „Den Fehdehandschuh hinwerfen" und „Den Fehdehandschuh aufnehmen" benutzt.
„Jemandem den Fehdehandschuh hinwerfen" bedeutet, ihn herauszufordern oder mit ihm Streit beginnen zu wollen. Von „Den Fehdehandschuh aufnehmen" spricht man, wenn jemand eine Herausforderung annimmt."
Quelle: http://de. wiki/ Fehdehandschuh
anonym: Dieses Ritual verbindet zwei Menschen miteinander, ähnlich wie Meister und Lehrling, in diesem Falle hat es definitiv sexuelle Hintergründe
