20. Kapitel – Das Duell der Meister

Fort mit der unsichtbaren Maske, die ich trug,
und nicht mehr fragen, was die anderen denken

Jenseits der Nacht, Rebecca

Kurz vor Fünf saß Lucius auf einem umgekippten Baumstumpf. Die Lichtung im Verbotenen Wald war relativ versteckt und er hatte sie nur durch Zufall entdeckt, als er sich zu seiner Schulzeit mit seinen Freunden in dieses untersagte Gebiet wagte, um eine Mutprobe durchzuführen. Mit der Zeit wurde die Lichtung zu einem angesagten Treffpunkt in der Clique um Malfoy, und oft hatte er sich hier heimlich mit Snape getroffen. Snape und er hatten sich in ihrer Schulzeit gut verstanden, waren aber nie unzertrennliche Freunde geworden. Damals war wohl nicht der rechte Zeitpunkt gewesen. Snape lieferte sich einen persönlichen Kleinkrieg mit James Potter und Konsorten, den er meistens verlor, und Malfoy war zu beschäftigt, sich und sein Ego anhimmeln zu lassen.
Nach einem winterlichen Hogsmeadebesuch hatte James Potter es für besonders lustig empfunden, Snape mit einem „Petrificus Totalus" zu belegen und im Schnee liegen zu lassen. Jugendliche Unbesonnenheiten hatten ihn vergessen lassen, dass ‚Schniefelus' hätte erfrieren können.
Malfoy hatte den unbeliebten Mitschüler gefunden und befreit. So kamen sie zu einer stillschweigenden Übereinkunft, sich gegenseitig ab und an zu helfen. Die folgenden ungewohnten Sympathiebekundungen Snapes Malfoy gegenüber brachte ihm den Spitznamen „Malfoys Schoßhündchen" ein. Tief in seinem Inneren hatte diese Bezeichnung Snape getroffen, doch er hatte gelernt sich abzuschotten und eine Maske der Gleichgültigkeit an den Tag zu legen.
Als es um die Abschlussprüfungen in Verteidigung gegen die Dunklen Künste ging, hatten sich die beiden ungleichen Schüler auf die Lichtung zurückgezogen, um zu üben. Dabei stellten sie nach dem einen oder anderen Gespräch fest, dass sie sich, wenngleich äußerlich und charakterlich grundverschieden, in einigen Dingen ähnlicher waren, als sie es für möglich gehalten hatten – die Faszination der Dunklen Künste zum Beispiel.
Nach der Schulzeit brach der Kontakt nie gänzlich ab, und irgendwann besuchte Snape Malfoy bei ihm zu hause. In der Nacht saßen sie lange am Kamin und hatten geredet. Malfoy hatte von Voldemort erzählt und so kam es, dass Snape irgendwann zu der Anhängerschaft des Dunklen Lords dazu stieß.

Nun saß Lucius auf dem gleichen Baumstamm wie Jahre zu vor und wartete auf Snape. Den Umhang hatte er über einen der Äste gelegt, der Gehstock lag neben ihm im Gras. Er hatte den Kopf in den Nacken gelegt, um sich ein wenig von der warmen Nachmittagssonne bescheinen zu lassen, als er ein Knacken im Unterholz wahrnahm. Ohne seine Position zu ändern begrüßte er den alten Freund. „Schön, dass du gekommen bist, Sev."

Der Angesprochene knurrte und ließ sich neben Malfoy auf den Baumstamm fallen. „Was willst du, Lucius, ich hab nicht viel Zeit."

Lucius lachte leise. Wenige Menschen konnten behaupten, den wahren Lucius Malfoy zu kennen. Genau wie Snape spielte auch er eine Rolle, die ihm in all den Jahren, wie zu einer zweiten Natur geworden ist. Mit Sicherheit waren die Charaktereigenschaften, die man ihm vorwarf, vorhanden, nur über die Intensität wussten die allerwenigsten bescheid. Jetzt, als er auf dem Baumstamm saß, waren sämtliche Arroganz und Blasiertheit verschwunden. Er wirkte, wie ein groß gewachsener, attraktiver Zauberer, den ein gewisses Flair von Geheimnis umwehte. Er öffnete die Augen und betrachte Snape aus den Augenwinkeln. Dabei sagte er kein Wort, so dass Snape irgendwann aufsprang und ihn misstrauisch beäugte. „Nun sag schon, was du willst, Malfoy. Ich bin nicht zum Kaffeetrinken hergekommen."

Der nachdenkliche, leicht belustigte Ausdruck in Lucius Augen wandelte sich in aufrichtige Besorgnis. „Sev, mein alter Freund, ich kenne dich. Ich habe dich nun seit Wochen beobachtet und ich bemerke, dass dich irgendwas beschäftigt. Sag es mir."

Snape sah sich in eine Ecke gedrängt und reagierte wie ein ängstlicher Hund. „Mit mir ist nichts, alles in Ordnung. Danke für deine Besorgnis, aber sie ist gänzlich fehl am Platz. Wenn du mich also entschuldigst?" Wütend drehte sich der Zaubertränkeprofessor um und stapfte in Richtung Wald.

Lucius wollte ihn so schnell nicht gehen lassen. Er seufzte und stand lässig auf, um sich verirrte Zweige und Blätter von der Kleidung zu klopfen.

Snape hatte mittlerweile den Rand der Lichtung erreicht, als er ein seinen früheren Freund „Engorgio" murmeln hörte und sich der Felsen in übernatürlicher Größe verwandelte. „Lass das, Lucius." Er zog seinen Zauberstab, um den Felsen wieder zu verkleinern, doch Lucius visierte den Zauberstab an und zog seine Hand zu sich. „Accio Severus' Zauberstab".

Snape drehe sich nun völlig entnervt um und, als er Lucius grinsend mit seinem Stab winken sah, resignierte er. „Was willst du?"

„Mit dir reden."

„Bekomme ich jetzt meinen Zauberstab wieder?" Überrascht sah er, wie Lucius ihm den Stab hinhielt. Er ergriff ihn, stand auf und ging wortlos wieder zum Rand der Lichtung.

„Vielleicht", meinte Lucius gespielt nachdenklich, „hat Hermine recht, als sie sagte, du seiest feige."

Snape erstarrte. „Was meinst du damit?"

„Du flüchtest." Die Antwort war schlicht. „Wovor flüchtest du, Sev?"

„Ich flüchte nicht. Und selbst wenn ich es tun sollte, so wüsste ich nicht, dass dich das was angeht", fauchte Snape.

Lucius steckte seine Hände in die Hosentasche und schlenderte lässig auf und ab. „Sev, wem willst du eigentlich was vor machen? McGonagall? Deinen Schülern? Herminer? Mir? Vielleicht schaffst du es die anderen hinters Licht zu führen. Aber nicht mich, ich kenne dich. Du bist nicht der kalte, arrogante, gefühlslose Eisklotz. Wir beide haben schon mehr zusammen erlebt als viele andere. Verdammt noch mal, Severus. Sprich mit mir. Ich bin dein Freund."

Snape sah Lucius aus zusammengekniffenen Augen an. „Schöner Freund. Du verrätst den Dunklen Lord, um dich vor deiner Bestrafung zu schützen und biederst dich der Gegenseite an, wie ein Fähnchen im Wind."

Für einen Moment sah Lucius aus, als würde er auf Snape losgehen. Dann seufzte er und ließ sich auf den Baumstamm fallen. „Sev, anfangs war ich einer der ersten, der sich bedingungslos dem Dunklen Lord angeschlossen hatte. Ich war fanatatisch und absolut davon überzeugt, dass er Recht hatte. Und ich hätte dich, meinen ältesten Freund, damals blind verraten, wenn ich davon gewusst hätte, auf welcher Seite du wirklich gekämpft hast. Doch mit der Zeit fing ich an, gewisse Dinge zu hinterfragen. Nicht alles war wunderbar, vieles fand ich einfach nur grauenvoll. Doch ich konnte nichts tun, der Dunkle Lord hatte meine Familie als Druckmittel gegen mich eingesetzt. Vielleicht hätte ich Narcissa und Draco opfern sollen, doch dann wären die Opfer durch eine andere Hand gestorben. Ich wollte die meinen nur schützen." Er seufzte. „Mal davon abgesehen hast du den Dunklen Lord als erster verraten."

„Wie wunderbar. Du hast ja noch rechtzeitig die Kurve bekommen. Ich gratuliere. Und als Narcissa und Draco tot waren, warst du endlich von den Schatten deiner Vergangenheit befreit. Du konntest endlich ein neues Leben beginnen. Der große, böse Lucius Malfoy, lange Zeit apodiktischer Todesser im Inneren Kreis um den Dunklen Lord kehrte geläutert in den Schoss der weißen Welt zurück. Ich gratuliere. Du bist wirklich ein Held." Snape spuckte seinem Gegenüber vor die Füße. „Wie viel musstest du zahlen, damit sie dich aufgenommen haben?"

Weiter kam er nicht. „Stupor." Lucius hatte eine wegwerfende Handbewegung gemacht, um Snape zu schocken, der bewegungslos zu Boden ging. „Was auch immer dein Problem ist, Severus Snape…. Beschimpfe mich, befluche mich, schlag mich. Aber beleidige nie wieder Narcissa oder Draco. Hast du mich verstanden?" Seine Stimme klang leise und bedrohlich. „Du bist mein ältester Freund, aber das gibt dir nicht das Recht die Menschen, die mir nahe stehen, zu beleidigen. Tu", er machte eine Handbewegung, die Snapes Kopf auf die andere Seite warf, so als ob er eine Ohrfeige bekommen hätte, „das", wieder diese Bewegung, „nie", erneut, „wieder."
„Enervate." Lucius drehte sich um und Snape konnte sich wieder bewegen.

Ein grüner Blitz zischte an Lucius' Ohr vorbei. Er wusste, Snape hatte ihn bewusst knapp verfehlt. Er wirbelte herum. „Rictusempra!" Auch er zielte absichtlich knapp daneben.

Nun standen sich beide gegenüber, keiner sah sich dazu veranlasst den Gegenüber weiter zu schonen.

Zeitgleich grüssten sie sich wie es die Duellvorschrift vorsah und verbeugten sich knapp voreinander.

„Locomotor mortis", bellte Snape und ein gelber Blitz traf Lucius Bein, der sich gerade noch wegdrehen konnte. „Rictusempra", rief er erneut, aber Snape war darauf vorbereitet. „Protego!"

Erneut warf sich der blonde Zauberer zur Seite, dann sprang er auf und hastet hinter einen Baum. „Accio Stock", rief er und sein Spazierstock flog ihm direkt in die Hand. Mit einer energischen Bewegung zog er seinen Zauberstab heraus und lugte um den Baum herum.

Snape stand unbewegt an der gleichen Stelle und wartete. „Komm schon, Lucius", höhnte er. „Du wirst dich doch nicht wie ein Erstklässler hinter einem Baum verstecken."

Ruhig trat dieser aus dem Schutz des Baumes hervor. „Nicht doch, mein Freund. Ich hatte nur nicht angenommen, dass du so unvernünftig bist, mich anzugreifen." Der Zauberstab lag locker in seiner linken Hand.

Die beiden Gegner fingen an sich zu umkreisen. Wie Raubtiere sahen sie aus. Zwei große Panther, beide in schwarz gekleidet, die jeder zeit zu einem tödlichen Sprung ansetzen konnten. Sie ließen sich nicht aus den Augen. Jeder war darauf vorbereitet, dass der andere angreifen würde.

Unzählige Augenblicke später ballte Lucius die rechte Hand und schleuderte Snape einen ungesagten Fluch entgegen. Snape prallte zurück und konnte sich gerade noch auffangen. Er schwang seinen Zauberstab, rote und grüne Blitze schossen hervor, und ein Windstoss schoss in Richtung Lucius. Dieser sog den Windstoss mit seiner Hand an und schleuderte ihn mit einem Bumerang-Fluch zurück. Diesmal flüchtete Snape hinter einen Stein.

„Evanesco!" Der Stein verschwand und der Blonde hetzte dem Schwarzhaarigen einen Tarantallegra- Fluch auf den Hals. Snape konnte sich nicht rechtzeitig wehren und begann einen schnellen Foxtrott zu tanzen – doch nur kurz. Mit einem „Finite incantatem" beendete er diese unfreiwillige Tanzeinlage und zielte auf einen dicken Ast über Malfoy. Der Ast donnerte zu Boden und streifte Lucius linke Seite. Dieser schrie vor Schmerz auf und sank in die Knie.

„Welch ungewohnter Anblick, der große Lucius Malfoy kniet", höhnte Snape gerade noch, bevor er es ihm den Boden unter den Beinen wegzog und er wie ein Marienkäfer auf dem Rücken lag. Der nächste Fluch, ein Petrificus Totalus, verfehlte ihn knapp. Er zielte und riss Malfoy seinerseits zu Boden.

Die beiden Männer duellierten sich verbissen. Flüche schossen ihnen um die Ohren. Die Luft war erfüllt von verschiedenfarbigen Blitzen und von laut gerufenen Flüchen. Keiner der Beiden gab nach. Sie rollten sich auf dem Boden ab, um den Blitzen zu entgehen. Sie sprangen aus dem Weg oder flüchteten hinter einen Baum.

Mal hatte Snape die Oberhand, mal Lucius.

Der Kampf wurde immer verbissener und härter. Längst ging es nicht mehr nur um eine kleine Verstimmtheit. Es ging darum, den jeweils anderen in seine Schranken zu verweisen und als Sieger aus diesem Duell zu gehen. Wer war der Stärkere? Wer hatte sich zukünftig unter zu ordnen? Wer musste den anderen letztendlich als mächtigeren anerkennen?

Die beiden Gegner kämpften immer aggressiver, die Flüche wurden immer mächtiger. Die Luft stand. Kein Windhauch regte sich, so, als würde der Wald den Atem anhalten. Die Vögel, die wenigen, die es im Verbotenen Wald gab, hatten aufgehört zu zwitschern. Kein Tier bewegte sich. Es schien, als wäre die Zeit angehalten worden.

Lucius richtete sich auf, malte mit seinem Zauberstab eine acht in die Luft und schickte die Zahl gen Snape. „Serpensortia!" rief er und eine Schlange flog direkt auf Snape zu. „Engorgio!" Die Schlange nahm gewaltige Dimensionen an. „Vipera Evanesco", bellte der Schwarzhaarige. Die Schlange verschwand.

Beiden hingen die langen Haare ins Gesicht. Der Schweiß lief in Strömen an ihren Körpern hinunter. Beide fühlten, dass sie keine zwanzig mehr waren und langsam am Ende ihrer Kräfte waren.

Snape hob den Blick und sah Lucius direkt in die Augen. Dieser erwiderte den Blick ruhig und hob den Kopf. Snape tat es ihm gleich. In Zeitlupe hoben beide ihre Zauberstäbe, richteten sie auf den Gegner und riefen Zeitgleich: „Crucio" Aus den Zauberstäben schossen grüne Blitze hervor, verfehlten einander nur knapp und trafen zur selben Zeit den Gegner. Beide schrieen auf, taumelten und verloren das Bewusstsein.

ooOoo

Hermine saß auf ihrem Bett und dachte angestrengt nach. Sie genoss Lucius' Gesellschaft und sie wollte ihn unbedingt näher kennen lernen. Der Sex mit ihm war wunderbar, warum also drauf verzichten? Er hörte ihr zu und nahm sie ernst. Er tat ihr gut.

Aber sie mochte auch ihre Kolleginnen und sie hatte im Leben gelernt, dass es manchmal sein musste, sich dem Willen eines Mannes zu widersetzen. Sie hatte damit gerechnet, dass Lucius einlenken und das Treffen auf eine spätere Uhrzeit oder einen anderen Tat legen würde. Aber das hatte er nicht getan. Stattdessen hatte er sie wie ein kleines Mädchen behandelt. Es ärgerte sie.

Hermine wusste, sie würde ihn verstimmen, wenn sie nicht auftauchen würde. Aber vielleicht war das gar nicht so schlecht? Der gute Mann war es gewohnt, seinen Willen durchzusetzen und andere hin und her zukommandieren. Vielleicht sollte sie ihm diesen Zahn ziehen und ihm zeigen, dass sie nicht wie alle anderen war? Es würde ihm bestimmt nicht schaden, einen kleinen Dämpfer verpasst zu bekommen. Wenn er dann eingesehen hatte, dass sie keine Marionette war, die sich nach seiner Vorstellung bewegte, würde sie einlenken und ihm verzeihen.

Mit einem zufriedenen Lächeln zog sie sich eine bequeme Jeans und einen Pulli über, dann machte sie sich auf den Weg zu den Professoren McGonagall, Sprout und zu Poppy. Im Gepäck hatte sie eine Flasche Rotwein. Es war Zeit für einen Frauenabend.

ooOoo

Lucius sah ungeduldig auf die Uhr, er hasste Unpünktlichkeit und er hasste es zu warten. Hermine war bereits seit fünf Minuten überfällig. Er saß in seinem bequemsten Sessel und hatte die Beine lässig übereinander geschlagen. Alles in allem sah er recht entspannt aus, nur das Trommeln der Fingerspitzen seiner rechten Hand auf der Lehne des Sessels verriet, wie ungehalten er war. Er trank einen Schluck Brandy aus dem Glas, das er in seiner linken festhielt und dachte über den Nachmittag nach.

Sowohl Snape als auch er hatten das Bewusstsein verloren. Er war es, der sich als erstes wieder regte. Im ersten Moment wusste er nicht mehr, warum er im Wald gelegen hatte, aber dann kam die Erinnerung zurück und er suchte seine Umgebung sofort nach dem schwarzhaarigen Zauberer ab. Snape lag nicht weit von ihm entfernt. Auch er war gerade im Begriff aufzuwachen. Lucius rappelte sich auf, wobei er den Schmerz dezent ignorierte, und kroch langsam zu seinem alten Freund. „Sev? Alles ok mit dir?"

„Was hast du in den vergangenen drei Jahren getrieben, Luc", Snape rieb sich den Arm. „Dein Angriff ist so stark wie noch nie zu vor."

Die beiden ungleichen Männer sahen sich an und nach ein paar Sekunden lächelte Snape. „Auch wenn das Ende anders geplant war, war es im großen und Ganzen doch sehr befreiend, sich mal wieder zu duellieren."

Lucius hielt ihm die Hand hin. Snape ergriff sie und ließ sich aufhelfen. Dann humpelten beide zu dem Baumstamm und ließen sich schwerfällig auf ihn fallen.

„Ich habe zwanzig Jahre meines Lebens für den Dunklen Lord gearbeitet und gleichzeitig für den Orden spioniert, Luc", begann Snape nach einer Weile. „Und plötzlich, von einem Tag auf den nächsten, war der Spuk vorbei. Jahrelang hatte ich mir vorgestellt, was nach ihm kommen konnte. Ich hatte die verschiedensten Bilder vor Augen. Und ganz plötzlich war der dunkle Lord besiegt. Ich war frei. Keine Spionage mehr, kein Doppelleben, keine ewige Angst vor Entdeckung. Doch anstatt mich befreit zu fühlen, fiel ich in ein tiefes Loch. Auch jetzt noch, drei Jahre später, kommt mir alles so unwirklich vor. Hinter jedem freundlichen Wort vermute ich Feindseligkeit. Es lief einfach alles zu glatt. Täglich rechne ich damit, dass ein neuer Lord auftaucht."

„Du weißt, dass er endgültig besiegt ist, mein Freund", sprach Lucius mit sanfter Stimme.

„Ja, aber noch immer laufen ein paar Todesser rum. Ich bin von einem angegriffen worden. Es ist noch lange nicht vorbei."

„Du hast Angst", stellte der Blonde fest.

„Ja, verdammt. Irgendwo laufen noch ein paar Verrückte rum, die mir nach dem Leben trachten. Ich hab so viel für den Dunklen Lord aufgegeben und ich habe überlebt. Ich will nicht von einem Verrückten umgebracht werden, nicht nach all dem was war. Ich hab endlich die Möglichkeit das wahr zu machen, wovon ich vorher nie zu träumen gewagt hatte." Wütend starrte Snape in den Himmel. „Und zu allem Überfluss platzt eine ehemalige Schülerin einfach in mein Leben und meint, nun, nachdem der dunkle Lord nicht mehr ist, müsste ich eine komplette Wesensänderung vollzogen haben und auf einmal der liebe nette Nachbar sein. Verdammt. Was bildet sich dieses Weib eigentlich ein? Sie ist kaum den Kinderschuhen entwachsen und meint schon, mir Vorschriften machen zu müssen. Ich bin nicht der sympathische, liebenswerte Kerl. Kann mich das Weib nicht einfach in Ruhe lassen?"

Lucius lehnte sich zurück und dachte über die Worte nach. „Ich will dir da nicht unbedingt widersprechen, aber ich habe den Eindruck, sie reagiert lediglich."

„Auf was?", bellte Snape ungehalten.

„Zumindest nicht auf deine zuvorkommende, freundliche Art. Severus. Sei nett zu ihr und geh ihr möglichst aus dem Weg. Hermine ist eine Harmonieliebende junge Frau. Wenn du sie ständig herausforderst, wird sie dich nicht in Ruhe lassen."

„Ich kann aber nicht anders. Lucius, sie ist meine Schülerin gewesen. Wenn ich sie jetzt als Kollegin anerkenne, nimmt mich doch niemand mehr ernst."

„Das ist nicht wahr, und da weißt du. Im Moment bietest du ihr eine große Angriffsfläche. Wenn du sie aber neutral behandelst und ihr symbolisierst, dass sie dir egal ist, dann wird sie irgendwann aufhören, in jedem deiner Worte eine persönliche Kränkung zu sehen. Ignoriere sie. Halte dich fern von ihr."

Snape sah Lucius aus zusammengekniffenen Augen an. „Seit wann beschäftigst du dich mit dem Seelenleben einer Muggelgeborenen?"

Dieser rollte entnervt mit den Augen. „Sie ist unsere Kollegin, Sev. Da muss ich mich zwangsläufig mit ihr beschäftigen. Außerdem habe ich eingesehen, dass Muggelgeborene durchaus …. Qualitäten haben." Er lächelte schief. „Komm, lass uns zurück zum Schloss gehen."

Gemeinsam waren sie zurück ins Schloss gegangen. Snape kehrte in seinen Kerker zurück und Lucius in seine Räumlichkeiten.

Hermine war nun schon fünfzehn Minuten überfällig. Lucius Laune sank gefährlich weit unter Tiefpunkt. Er nahm an, dass Hermine die ersten Trotzreaktionen zeigte. Ein raubtierhaftes Lächeln stahl sich auf seine Lippen. Er mochte es, genau das schätzte er an Hermine Granger. Es kam früher, als er gedacht hatte, aber es kam. Und er war bereit.


A/N:

YvettePlasma: Ich freue mich über rede einzelne Review. Danke :-) Und ja, Hermine spielt mit dem Feuer. Aber sie ist sich nicht bewußt wie sehr

AMJ: Ich hoffe es zwinker