Der Anfang des folgenden Kapitels ist mit Vorsicht zu genießen. Wer schwache Nerven hat, sollte bis zur ersten Unterbrechung überspringen.


27. Kapitel – Ein neuer Traum, das alte Lied

Ein dunkler Traum, unecht und endlos, doch du begehrst seine Realität.
Ein Todestanz, mystisch im Dunkel der Zeit.

Ein gefährliches Spiel, Jekyll & Hyde

Das hohe Gras wog sich im Winde. Hermine trug ihr weißes Kleid und lief barfuss vor ihm. Lucius konnte ihre schlanken Beine sehen und wie das Kleid sie umschmiegte.

Hermine drehte sich zu ihm um, sie lachte ausgelassen. Ein warmes Gefühl durchströmte ihn und er erwiderte ihr Lachen. Es war ein schönes Gefühl sie so ausgelassen, ja glücklich, zu sehen. Sie lief zurück zu ihm und ergriff ihn bei der Hand, zog ihn mit sich. „Komm, Liebling." Sie rannte los und ihm blieb gar nichts anderes übrig, als ihr zu folgen.

Wie zwei Kinder tollten sie ausgelassen über die Wiese. Mit jedem Meter ließen sie Hogwarts weiter hinter sich. Der Wind spielte mit ihnen und ihren Haaren, sie liefen mit ihm um die Wette. Es war so befreiend, sich um nichts kümmern zu müssen, Zeit zu haben, frei zu sein.

Der Abhang wurde steiler und beide hatten immer mehr und mehr Mühe, sich auf den Beinen halten zu können, dennoch wurden sie übermütig und liefen um die Wette. Schließlich lief sie ein paar Meter vor ihm, er setzte zum Endspurt an und holte zu ihr auf. Er ergriff sie am Arm und sah, wie sie ihm einen Blick über die Schulter zu warf. Dieses Bild, das sich ihm bot, wollte er tief in seinem Gedächtnis einbrennen und es immer wieder in seine Gedanken holen, wenn die dunklen Schatten wieder kamen.

Hermine übersah eine kleine Mulde in der Wiese und kam ins Stolpern. Sofort zog er sie zu sich, damit sie sich beim Fallen nicht verletzte. Wie in Zeitlupe nahm er wahr, dass sie mit einer Wucht gegen ihn fiel, die ihn ins Straucheln brachte. Mit der Geschmeidigkeit eines Pumas rollte er sich ab und schützte sie zugleich. Wie oft hatte er es bei Voldemort üben müssen… Zum Schluss hatte er aufgehört seine blauen Flecken und Prellungen zu zählen.

Jetzt rollten sie miteinander die Wiese runter, bis sie langsam zum Stillstand kamen. Hermine, die auf dem Rücken lag, sah mit vor Freude blitzenden Augen zu ihm auf. „Das war herrlich."

Lucius, halb über ihr liegend, strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht. „Wie Kinder, wenn das die Kollegen wüssten. Oder noch schlimmer, die Schüler, wie könnten sie mich jemals ernst nehmen, wenn ich ihnen eine Standpauke halten? Sie würden bestimmt daran denken, wie ihr Lehrer ausgelassen über eine Wiese rollt", lachte er glücklich.

Ihre Blicke verfingen sich. Hermine leckte sich leicht über die Lippen. Lucius sah es, fasziniert von dieser kleinen, sinnlichen Gestem, konnte er kaum den Blick von ihr lösen. Er beugte sich langsam zu ihr runter und fuhr mit seiner Zungenspitze die Konturen ihrer Lippen nach. Durch halb geschlossene Augenlider sah er sie lächeln und spürte, wie sie begann, sich langsam an ihm zu reiben. Es war zu viel, seine unterdrückte Leidenschaft brach hervor und Lucius küsste Hermine stürmisch. Seine Hand wanderte dabei über ihre Hüfte, zu ihren Brüsten hoch und begann sie fordernd zu massieren.

Hermine stöhnte unter seiner fordernden Berührung auf. Sie hatte die Augen geschlossen, als er sie küsste, doch nun öffnete sie sie langsam wieder und sah ihm verträumt in die Augen. „Ich liebe dich", wisperte sie und küsste ihn ihrerseits.

„Und ich liebe dich." Lucius keuchte auf vor Erregung, Lust, und vor allem vor Glück. Er wollte diese Frau unter sich mehr als alles andere. Tief sah er ihr in die Augen. „Heirate mich, mein Herz."

Diesmal war es an ihr, ihm eine Haarsträhne aus dem Gesicht zu streichen. „Ja, ich will dich heiraten."

Konnte ein Mensch mehr Glück empfinden als in dem Moment, wo seine Liebe alles zu geben bereit war? Lucius war glücklich. Und nichts und niemand, würde ihm dieses Glück streitig machen.

Wieder küsste er sie bis zur Besinnungslosigkeit. Er sah ihre Augenlider flattern und hörte ihr lustvolles stöhnen. Er wollte, dass sie sich fallen ließ. Mit seinen Lippen wanderte er über ihre Wange bis zu ihrem Ohr. Dabei hörte er nicht auf sie zu küssen. „Ich liebe dich", flüsterte er nah an ihrem Ohr. Sie seufzte leise. Er hörte es, es ließ ihn erzittern. „Ich liebe dich auch … Severus."

Lucius erstarrte. Es war, als würde ein Eimer voll Eiswasser über ihm ausgekippt werden. Was hatte sie gesagt? ‚Ich liebe dich auch, Severus?' Das konnte nicht sein. Es durfte nicht geschehen. Er wusste, er war der Liebling der Frauen, er war es, dem Hermine gehörte. Nicht Severus. Der zynische, gefühlskalte Freund war nicht in der Lage die Liebe einer Frau zu wecken. Und schon gar nicht der Frau, die ihm gehörte. Dazu fürchtete Severus ihn zu sehr. Das wusste Lucius.

Und trotzdem waren die Worte gesprochen. Die alte Angst kroch wieder in ihm hoch. Die Angst, dass die Frau, die ihm wirklich wichtig war, nur sein schönes Äußeres gesehen hatte und, nachdem sie ein Blick in seine Seele geworfen hatte, begann, sich langsam zurück zu ziehen. Sich umzudrehen und zu Severus zu gehen. Lucius faszinierte die Frauen, doch Sev zog sie in ihren Bann. Der eine schön wie ein Engel, der andere dunkel wie die Nacht. Das Böse faszinierte, er wusste es aus eigener Erfahrung…

Nein, Snape würde ihm Hermine nicht wegnehmen können.

Mit einem Ruck war er auf den Beinen. „Was hast du gesagt?"

Hermines Blick klärte sich erst langsam wieder. Verwirrt starrte sie ihn an. „Warum hörst du auf, Liebster?"

„Weil du eine kleine Schlampe bist", schrie er und zerrte Hermine auf die Knie. Er holte aus und schlug ihr so hart wie er konnte ins Gesicht. „Wie lange treibt ihr es schon hinter meinem Rücken?" Blut tropfte ihr aus den Mundwinkeln. Er sah ihren panischen Blick. Er genoss es.

„Woher weißt du…?", keuchte die verschreckte Frau unter ihm.

„Du wirst es bereuen, niemand betrügt Lucius Malfoy ungestraft!" Er war außer sich vor Zorn. Seine Hände zit-terten, sein Gesicht war wutverzerrt. Erneut hob er die Hand. Er wollte Hermine strafen. Er würde ihr zeigen, was es bedeutete, mit ihm ein doppeltes Spiel zu spielen. Nie wieder würde sie ihn betrügen. Sie würde es nicht wagen, sie würde Angst vor ihm haben. Und er wollte, dass sie vor Panik schrie. Sie hatte es verdient, nichts anderes.

Hermine beeilte sich auf die Beine zu kommen und stieß Lucius mit beiden Händen vor die Brust. Er taumelte rückwärts. Schon war Hermine dabei, zurück zu Schloss zu laufen. Doch sie hatte keine Chance, niemals würde sie Lucius Malfoy entgehen können. Zu schnell war er hinter ihr und riss sie an den Haaren zu Boden.

„Mach die Beine ein letztes Mal breit", keuchte er. „Du willst nicht, Liebling? Da werde ich dir wohl helfen müssen." Sein Lachen war schrill. „Aber das tu ich doch gern, mein Herz. Du weißt, dass ich alles für dich tun würde." Er drückte sie zu Boden. „Warum hast du mich verlassen? Du hättest alles von mir haben können…"

Erneut wallte eine Welle des Zorns in ihm auf. „Du bleibst hier", schrie er, als Hermine von ihm wegkrabbeln wollte. „Wir sind noch nicht fertig, Mädchen." Er krallte sich in ihre Schulter. „Für wen hast du die Beine noch breit gemacht?" Wieder schlug er sie. „Du kleine Delila." Er griff ihr in den Ausschnitt und zerriss ihr Kleid. „Wenn ich dir nicht genüge, genügen die zwei auch nicht, oder?" Er krallte sich in ihre Brüste.

„Los, sag es mir… Ich will es wissen. Du hast mir doch sonst auch immer alles gesagt, mein Schatz." Diesmal schlug er mit der linken Hand zu. Der Siegelring, den er an dieser Hand trug, hinterließ eine blutende Spur an ihrem Hals. Sofort beugte er sich über sie und leckte über die Schramme. Dann brach er auf ihr zusammen.

Keiner der beiden wusste, wie viel Zeit vergangen war. Hermine spürte seinen Herzschlag an ihrer Brust, sie wusste, er war noch nicht mit ihr fertig.

Lucius ließ einen Laut von sich hören, der wie der Schrei eines verletzten Tieres klang. Schließlich hob er seinen Kopf. „Ich liebe dich, mein Herz", flüsterte er mit gebrochener Stimme. „Ich liebe dich so sehr, dass es weh tut." Er fuhr mit seinem Finger die Schramme an ihrem Hals entlang. „Ich will dir nicht wehtun, mein Herz, ich will es wirklich nicht." Er atmete tief ein. „Ich hätte dir alles gegeben." Der Ausdruck in seinen Augen verwandelte sich von Verletztheit zurück in Zorn. Und noch etwas war in diesen eisgrauen Augen zu entdecken – bodenloser Hass.

„Hat er es dir wenigstens gut besorgt?" Er kniete sich auf ihr hin. Hermines Körper war zwischen seinen Beinen gefangen, sie konnte nicht weg. Sie war ihm ausgeliefert. Und er war wütend. Er machte ihr Angst.

Lucius sah die Angst in ihren Augen. Er genoss es. Seine Erregung stieg von Sekunde zu Sekunde. Er roch ihre Angst, er fühlte sie, er hörte sie vor Angst wimmern und er schmeckte ihre Angst.

Eine Handbewegung und seine Hose lag ordentlich gefaltet neben ihnen im Gras. Er griff Hermine hart zwischen die Schenkel. „Komisch, beim letzten Mal erregte es dich, als ich dich hart angefasst habe, mein Herz." Ein Riss und die Fetzen des Slips baumelten an seinem Finger herab. „Du gehörst mir", stieß er hervor. „Das hast du vergessen… Aber du gehörst mir!" Mit jedem Wort war seine Stimme lauter geworden, zum Schluss schrie er seinen Hass raus. „Ich werde dich dran erinnern." Blitzschnell war er von ihr runtergekrabbelt und hatte ihre Beine gespreizt. So schnell, dass Hermine nicht reagieren konnte, lag er wieder auf ihr und drang in sie ein. „Du gehörst mir, mein Herz, und bevor ich dich teile, bekommt dich niemand mehr." Seine Hände legten sich um ihren Hals und drückten leicht zu. Ihre Augen verengten sich.

Dies war der Moment, wo Lucius seiner Erregung nicht mehr Herr werden konnte, er ließ sich gehen. Er wusste, wenn er kommen würde, würde Hermine den letzten Atemzug tun - ihr Leben für seine Lust.

Es war berauschend.

Es war betörend.

Es war befreiend.

„Lucius…", hörte er Hermine wimmern. „Lucius, bitte."

Er blickte auf den reglosen Körper unter sich. Tote sprachen nicht…

„Lucius, wachen Sie auf, bitte." Er öffnete seine Augen und sah Hermines besorgten Blick auf sich ruhen. „Was… wo… wieso sind wir hier? Wo ist die Wiese?"

„Sie haben geträumt."

Er ließ sich zurück in die Kissen fallen und gestattete sich, wieder zu Atem zu kommen. Es war ein Traum, nur ein Traum. Er hatte keine Bedeutung…

Hermine lebte und sie lag neben ihm. Er zog sie an sich und rollte sich ein wenig auf sie. Er hielt sich an ihr fest, vergrub sein Gesicht in ihren Haaren. „Geh nicht, mein Herz, bleib bei mir", flehte er. „Bitte, verlass mich nicht."

oOoOoOo

Hermine hatte sich im Bett aufgesetzt und lehnte an der Rückwand des Bettes. Lucius war zu ihr hoch gerutscht, so dass er seinen Kopf in ihrem Schoss betten konnte. Mit einer Hand streichelte sie ihm beruhigend über den Kopf, immer und immer wieder. Die Andere hielt er umklammert.

Es schien als schliefe er, doch Hermine spürte, dass dem nicht so war. Eine ganze Weile lang sagte niemand etwas. Sie blickte auf den schönen Mann hinab und spürte eine Welle der Erregung durch ihren Körper jagen. Er erregte sie. Wenn sie ihn ansah, hatte sie das Bedürfnis ihn zu berühren. Wenn sie an ihn dachte, wollte sie zu ihm. Sie wollte bei ihm bleiben. Sie wollte seinen Witz und seinen Charme hören, sie wollte seine Zärtlichkeit spüren. Sie wollte sich mit seinem unglaublich reichen Wissen messen. Sie wollte ihn körperlich spüren, sich mit ihm auseinander setzen. Sie wollte ihn.

Seine Art zu spielen gefiel Hermine. Noch vor ein paar Wochen hätte sie das nie für möglich gehalten, aber sie hatte Blut geleckt und nun wollte sie mehr. Sie wollte alles. Sie wollte ihn.

Wieder fiel ihr Blick auf sein makelloses Gesicht. Sanft strich sie die Linie seines Mundes nach. Die Haut war rein und ohne Falten - selbst für einen Mann, der sich in der Blüte seines Lebens befand (Mitte 40 zu sein hieß in der Zaubererwelt nicht viel, da selbst Dumbledore 160 Jahre alt geworden war). Kleine Lachfältchen umspielten seinen Mund. Es erstaunte sie, dass zwanzig Jahre unter der Herrschaft Voldemorts bei ihm keine Spuren hinterlassen hatten.

Nun spielte sie gedankenverloren mit einer Haarsträne seines langen, platinblonden Haares. Sie mochte ihn und sie vertraute ihm. Würde sie das ihren Freunden sagen, würde sie bestimmt nicht nur auf Ungläubigkeit, sondern auch auf Ablehnung treffen. Sie würden nicht verstehen, dass sie diesen Mann an sich heran gelassen hatte. Wüssten ihre Freunde von den ‚kleinen Spielchen', sie wären entsetzt.

Liebte sie Lucius Malfoy? Hermine dachte lange über diese elementare Frage nach. Sie liebte ihn genug, um sich ihm bedingungslos unterzuordnen. Sie liebte ihm genug, um ihm ihr Leben anzuvertrauen. Aber liebte sie ihn genug, um den Rest ihres Lebens mit ihm zu verbringen? (Ron wurde wieder einmal dezent zur Seite gedrängt.) War es überhaupt Liebe?

Es war ein anderes Gefühl, als das, welches sie Ron entgegenbrachte, aber war es wirklich Liebe?

Bevor sie weiter über ihre Gefühle nachdenken konnte, schlug er die Augen auf und sah zu ihr hinauf. Sie lächelte. „Guten Morgen, Lucius." Seit jener Nacht, in der er sie ‚mein Herz' genannt hatte, waren vier Tage vergangen. Heute würden Ginny und Harry kommen, mitsamt ihrem Überraschungsgast. Sie hoffte, es wäre nicht Ron. Ron … Nein, darüber würde sie sich später Gedanken machen.

Seit jener Nacht hatte sich ihr Verhältnis zueinander geändert. War er vorher von Lust und Sehnsucht geprägt gewesen, so war es jetzt gefühlvoller. „Haben Sie gut geschlafen?" Schnell setzte sie noch ein „Sir" hinterher.

Lucius seufzte auf und streckte sich ausgiebig. Dann setzte er sich ebenfalls auf, direkt neben sie, und schnippste einmal mit den Fingern. Purple erschien. „Guten Morgen, Master. Guten Morgen, Miss."

„Purple, bring uns das Frühstück. Wir haben keine Lust in die Große Halle zu gehen. Das Übliche, Kaffee, Tee, Speck, Eier, Toast, Marmelade... Bitte." Er sah Hermine an. „Noch etwas?" Diese schüttelte verneinend den Kopf. „Das war's." Purple nickte. „Umgehend, Master." Der Hauself verschwand.

Lucius legte seinen Arm um Hermine und nahm ihre Hand. Liebevoll spielte er mit ihren Fingern. „Du bekommst heut Besuch, nicht wahr?"

Sie nickte. „Ja, heute kommen Ginny und Harry. Sie bringen noch jemanden mit, haben mir aber nicht verraten, wer es ist. Sir."

Er gab ihr einen sanften Kuss. „Ich denke, du hast mittlerweile verstanden, was das Spiel bedeutet. Es wird daher nicht mehr nötig sein, dass du mich jedes Mal Sir nennst." Er lachte leise über ihren verwunderten Gesichtsausdruck. „Es war am Anfang wichtig, damit du ein Gespür für dieses Spiel bekommst. Doch mittlerweile kennst du es und du weißt, wo dein Platz ist." Hermine wollte etwas sagen, aber er legte ihr einen Finger auf die Lippen. „Im Spiel begegnen wir uns wie in den vergangenen Wochen. Aber ich sagte dir bereits, im Alltag wirst du meine Königin sein. Der Alltag ist jetzt da." Er lächelte und gab ihr wieder einen Kuss. „Kann eine Frau so früh am Morgen schon so verführerisch schmecken?", sagte er galant.

„Erlauben Sie mir erst, mir meine Zähne zu putzen?" Das ‚Sir' verkniff sie sich im letzten Augenblick.

Er grinste sein Spitzbübischstes Lachen. „Ich sagte, es ist Alltag, mein Herz. Du brauchst mich da nicht mehr zu siezen."

Ein Plopp ertönte und Purple tauchte mit dem Frühstück auf. „Danke, Purple", sagte Lucius freundlich.

„Möchtest du Kaffee oder Tee, mein Herz?"

oOoOoOo

Nach dem Frühstück blieb ihnen noch eine halbe Stunde Zeit, bevor sie sich zum Unterricht aufmachen mussten. Hermine kam gerade aus dem Bad, als Lucius, vollständig angekleidet, Purple die Reste des Frühstücks mitgab.

Eine Bewegung später und auch sie war angekleidet. Er streckte ihr die Hand lächelnd entgegen. Hermine ergriff sie und ließ sich zu ihm ziehen.

„Für wann erwartest du deinen Besuch?"

„Nach dem Unterricht, sie werden etwa gegen fünf Uhr ankommen."

Er zog sie sanft vor seine Brust und legte die Arme um sie. „Was meinst du, wer ist der Überraschungsgast?"

„Ich habe keine Ahnung." Sie kuschelte sich an ihn.

„Meinst du, es ist Ron?"

„Ich hoffe nicht. Dann können sie gleich wieder gehen."

„Er ist dein Ehemann", sagte er zögernd. Er wusste, er durfte sie jetzt nicht bedrängen.

Hermine seufzte. „Ich weiß, aber ich glaube, es war ein Fehler."

„Sag nicht, dass es ein Fehler war. Als ihr geheiratet habt, war es richtig. Doch Zeiten verändern sich. Menschen verändern sich", gab er zu bedenken.

„Vermutlich hast du Recht. Wir waren damals einfach froh, dass der Krieg vorbei war und sehnten uns nach Sicherheit. Wir kannten einander, es waren also keine Überraschungen zu befürchten. Wir suchten Beständigkeit und jetzt… Jetzt haben wir uns einfach anders entwickelt. Ron möchte eine Familie gründen, er will Kinder. Er sieht mich als Hausfrau am Herd. Das will ich nicht."

Lucius lächelte. „Du brauchst deine Arbeite, dein Geist will beschäftigt werden, ich glaube, ich könnte mir dich gar nicht als Hausfrau vorstellen. Als Mutter ja, aber nicht als Hausfrau… Damals, als Draco auf die Welt kam…" Er brach ab. Es war definitiv der falsche Moment, um über Draco zu sprechen.

Hermine spürte seinen Widerwillen, über seine tote Familie zu reden und respektierte es.

„Du bist so ganz anders", begann sie. Ermutigt durch sein leises, sinnliches Lachen, fuhr sie fort. „Ron möchte am liebsten, dass alles so bleibt wie es ist. Keine Neuerungen, keine Veränderungen. Er sagt, er habe in seinem Job genügend Aufregung, zu Hause will er sich entspannend können. Du dagegen … Du sprühst vor Veränderung, du bist bereit Wagnisse einzugehen. Ich bewundere dich."

Verwundert sah er auf sie herab. „Warum?"

„Weil du den Mut hast über Fehler nachzudenken und dann zuzugeben, dass du im Unrecht warst. Macht Ron einen Fehler, versucht er es möglichst zu vertuschen. Nur, wenn es gar nicht mehr anders geht, entschuldigt er sich kurz und geht dann zum nächsten Tagespunkt über. Du dagegen…" Hermine löste sich und ging zum Fenster. „Ich glaube, es ist einfach zu sagen ‚Es war ein Fehler, dass ich dich gestern nicht angesprochen habe, tut mir leid'. Man entschuldigt sich für ein Verhalten oder eine Tat und es ist gut. Du dagegen musst dich für eine Überzeugung entschuldigen. Du bist mit dem Gedanken aufgewachsen, dass es ‚richtig' ist, daran zu glauben, dass Muggelgeborene Menschen zweiter Klasse sind. Dann, nach vierzig Jahren, stellt sich heraus, dass die Überzeugung, die du dein ganzes Leben gelebt hast, falsch ist. Alles, woran du geglaubt hast, löst sich in Wohlgefallen auf, es war falsch. Du standest vor dem Scherbenhaufen deines Lebens. Auf der einen Seite waren die Ideale, die dir vermittelt wurden und die Wertvorstellungen, die du gelebt hast, auf der anderen Seite befanden sich Leute, die dir sagen ‚Das war falsch, so und so ist das richtig.' … Ich glaube, die meisten Anhänger Voldemorts waren nach seinem endgültigen Fall komplett überfordert. Darum haben viele gesagt, sie hätten unter dem Imperius gestanden." Sie sah ihn nachdenklich an.

„Ich glaube, ich kann das jetzt besser verstehen. Nach seinem Tod gab es drei Möglichkeiten. Entweder, man leugnete alles vor sich selbst ab und lebte so weiter wie bisher. Das taten Leute wie Bellatrix. Es war einfach, sich an die Überzeugung zu klammern, dass das Gelebte das Richtige war und alle anderen das nur nicht erkannt haben. Sie wählten den Weg der totalen Verdrängung weiterer Sichten.

Dann gab es Leute, die behauptet haben, sie standen unter dem Imperiusfluch. Ich glaube, ich würde auch zu dieser Gruppe gehören. Wenn ich mein ganzes Leben lang gelernt hätte, dass eins und eins drei ergäbe, und plötzlich tauchen Leute auf, die behaupten, das Ergebnis wäre zwei, dann würde ich erstmal mit Ablehnung reagieren. Es könne doch nicht sein, dass das Gelernte alles falsch war. Aber wenn ich wüsste, dass ich nach Askaban müsste, nur weil ich sage, dass eins uns eins zwei sei, dann würde ich wohl auch behaupten, ich wäre verhext worden, damit ich an etwas anderes glaube." Nachdenklich zog sie die Stirn in Falten.

„Und dann gab es noch eine dritte Gruppe, nämlich die Leute, die sich mit ihrer Vergangenheit auseinander gesetzt haben und offiziell dazu standen, fehlgeleitet worden zu sein. So wie du. Du hast erst behauptet, unter dem Imperius zu stehen. Dann hast du begonnen nachzudenken und deine Haltung revidiert. Du hast dich mit der Vergangenheit auseinander gesetzt und bist zu dem Entschluss gekommen, dass Voldemort euch all die Jahre ein falsches Bild vermittelt hat."

Lucius zog sie noch näher an sich, und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. „Du bist eine sehr kluge Hexe und ich danke Merlin, dass er dich mir geschickt hat."

„Ach, glaubst du, Merlin sei dafür verantwortlich?", neckte sie ihn.

„Natürlich, von alleine hättest du mir doch nie eine zweite Chance gegeben."

Sie lachte und sah auf die Uhr. „Verdammt, wir kommen zu spät zum Unterricht." Hektisch suchte sie ihren Zauberstab.

Lucius hob seinen Arm. „Accio Hermines Zauberstab", und reichte ihn ihr. „Bitte mein Herz." Dann nahm er sich seinen Spazierstock und gemeinsam eilten sie zur Wohnungstür.

Hermine streifte im Vorbeigehen das Spiegelportrait und schrie auf. Das Portrait hatte einen langen Kratzer am Hals. Getrocknetes Blut war zu sehen. Die Wunde sah entzündet aus.

Sie wollte Lucius darauf aufmerksam machen, doch er blickte nur kurz auf das Portrait. Schnell schob er sie durch die Tür. „Es ist spät". Der Zauberer gab ihr noch einen letzten Kuss und eilte dann in entgegen gesetzter Richtung zu seinem Klassenzimmer davon. Hermine gestattete sich noch mal ein versonnenes Lächeln, bevor auch sie sich auf den Weg machte.


A/N: Ich weiß nicht, ob ihr jetzt mehrere Emails bekommen habt, ich bin heut irgendwie neben der Spur und hab fünf Fehler gefunden lach Sorry, fürs nächste Mal bemühe ich mich, sofort alles richtig zu machen.