Das folgende Kapitel geht mir sehr nah, vielleicht habe ich deswegen auch so lange daran gesessen (obwohl es eigentlich nur ein kurzes Stück ist).
Ich weiß, dass es unzählige FF's zum Pairing Sev/HG gibt, und sich bei wahrscheinlich 90 ein bestimmtes Bild geformt hat – so wie Snape „ist". Ich hoffe, ihr mögt auch den Severus Snape, den ich sehe und umzusetzen versuche.
29. Kapitel - … und gehen
Du findest mich unsympathisch?!
Ausgezeichnet, da sind ja alle Voraussetzungen gegeben - für eine spannende Begegnung…
Elmar Kupke
In Ginny fand zu dem Zeitpunkt eine regelrechte Explosion von Gefühlen statt. Zum einen war da Überraschung, dass Snape so plötzlich vor ihr stand, schließlich hatte sie ihn tot geglaubt. Dann Zorn, weil er es wagte, sie wie eine dumme , kleine Schülerin zu behandeln. Antipathie, die noch aus der Schulzeit herrührte. Verwunderung, dass er alles überlebt hatte. Entsetzen, weil er offensichtlich wieder unterrichtete (ihre Kinder sollten später nach Hogwarts gehen). Enttäuschung, weil Hermine ihren Bruder betrog. Unwille, das Ende der Ehe von Hermine und Ron zu akzeptieren. Noch einmal Zorn, weil Hermine ihren Bruder nicht nur betrog, sondern auch belog. Und schließlich Ärger, weil sie sich durch Snapes Verhalten einschüchtern lies. Sie war schließlich keine Schülerin mehr und hatte auch sonst keinerlei Bezug mehr zu ihrem ehemaligen Professor. Warum sollte sie nicht also die Gelegenheit beim Schopfe ergreifen und ihm ein wenig seiner Tyrannei der vergangenen Jahre heimzahlen. Die Gelegenheit würde bestimmte nicht mehr so schnell kommen
„20 Punkte Abzug für Slytherin wegen taktlosem Verhalten, Snape – für jedes Schuljahr und für das von eben. Macht insgesamt 160 Punkte, Professor", grinste sie ihn spöttisch an.
„Sie glauben wohl, ich könnte Ihnen nichts mehr tun, da Sie keine Schülerin mehr sind, Mrs. Potter?", säuselte er mit einem durchtriebenen Lächeln. „Nun, vielleicht nicht mit Punktabzug, aber … ich habe andere Vorlieben entwickelt. Hermine kann Ihnen da sicher weiterhelfen." Mit einem boshaften Gesichtsausdruck wandte er sich an Hermine. „Nicht wahr, meine Liebe?"
Ginny starte ihren ehemaligen Zaubertränkeprofessor ungläubig an. Es war ihr förmlich anzusehen, dass ihre Gedanken fieberhaft arbeiten. Was meinte er mit ‚andere Vorlieben'? Und warum sah er ausgerechnet Hermine an? Mit offenem Mund starrte sie zwischen den beiden Lehrern, die sich gegenseitig mit Blicken fixierten, hin und her. Snape hatte die Arme verschränkt und sah, sie konnte es kaum glauben, fast schon glücklich aus. Ihre beste Freundin dagegen war sichtlich darum bemüht, ihren Zorn zu unterdrücken.
Snape hatte schon früh ein Gespür dafür entwickelt, seine Finger zum richtigen Zeitpunkt in die richtige Wunde zu legen. Von Anbeginn hatte er die Spannung zwischen den beiden Frauen bemerkt. Nun sah die kleine Weasleygöre, nein Pottergöre, aus, als wenn sie… Ihm kam ein ungeheuerlicher Gedanke. Scheinbar hatte Mrs. Potter herausgefunden, dass ihre liebe und moralisch ach so erhabene Freundin ihren Mann betrog. Aufgrund seiner kleinen, demütig gemeinten und zufällig geäußerten Bemerkung schien der Rotschopf tatsächlich davon auszugehen, dass ER Hermines Casanova war. Er musste an sich halten, um nicht laut aufzulachen – welch impertinente Vorstellung.
Nein, er dachte nicht daran, die Situation aufzulösen. Noch zu gut war ihm die Schmach in Erinnerung, als seine junge Kollegin ihn am Frühstückstisch ausgelacht hatte. Er hatte sich Rache geschworen, die Gelegenheit war günstig. Hermine sollte noch ein wenig leiden. Schließlich hatte sie ihm den Handschuh hingeworfen. Jetzt sollte sie sehen, wie sie aus dieser Misere heil wieder raus kam.
Snape riss sich zusammen und schlenderte auf Hermine zu. „Magst du Mrs. Potter nicht in unser Geheimnis einweihen? Davon erzählen, wie du so laut an meiner Kerkertür gepocht hast, dass es fast das ganze Schloss mitbekommen hat? Dass du es genossen hast, meine Finger zu spüren? Dass du auf meinem Tisch gelegen hast? Dass du mich angebettelt hast, dich zu … ficken?" Er schenkte ihr ein lüsternes Lächeln. „Wie wäre es, wenn wir beide das heute Abend wiederholen würden?"
Snape sah, wie sich Hermines Augen vor Schreck weiteten und lächelte sie unschuldig an. Er hatte nicht gelogen. Sie hatte an seiner Tür gepocht und es genossen, wie er mit ihren Brüsten gespielt hatte. Sie hatte auf seinem Tisch gelegen, wenn auch nur mit dem Oberkörper und sie hatte ihn angebettelt. Er hatte sich also keiner Lüge schuldig gemacht. Er hatte es lediglich versäumt, den Kontext richtig zu stellen. Mit Genugtuung sah er, wie sich Hermine unter den anklagenden Augen ihrer Freundin wand. Das sollte ihr eine Lehre sein, einen Severus Snape lachte man nicht aus.
Sein Opfer schloss entnervt die Augen und atmete tief durch. Der Schaden war angerichtet. Ginny wusste, dass sie sich mit jemand anderem eingelassen hatte und Ron betrog. Nun nahm sie an, dass es sich um Snape handelte – ausgerechnet um ihn. Sie konnte förmlich sehen, wie Ginny in ihrer Phantasie ein Bild von ihr und Snape zusammensetzten.
Sie ignorierte das sehnsuchtsvolle Ziehen in ihrem Unterleib und wollte auf Ginny zugehen, um ihr die ganze Angelegenheit zu erklären. Sie wollte ihr die genaue Situation erläutern, und dass Snape die vergangenen Umstände vollkommen falsch wiedergegeben hatte. Sie wollte Ginny beruhigen und ihr sagen, dass sie kein Verhältnis mit Snape angefangen hatte.
Die junge Hexe wusste, Ginny wäre erst recht bestürzt, wenn sie erfuhr, um wen es sich tatsächlich handelte. Die Person Severus Snape war für sie schon ein Grauen, auf das sie mit Schock reagierte. Wie würde sie es auffassen, dass es sich in Wirklichkeit um Lucius Malfoy handelte? Lucius stand bei ihren Freunden auf der Liste der ‚am meist verachtenswerten Kreaturen' direkt unter Voldemort.
Eine kleine Stimme flüsterte sie ihr zu, dass sie den Umstand „Lucius Malfoy" noch nicht, und schon gar nicht einfach, erklären konnte. Aber sie war ihrer Freundin eine Erklärung schuldig. Sie musste es ihr sagen. Hermine wollte nicht, dass ihre Freundin es von jemand anderem erfuhr. Sie musste dieses Missverständnis aufklären – und war dringen. „Ginny", rief sie flehend.
Ginny kämpfte mit sich. Einerseits war Hermine eine langjährige Freundin, andererseits … Sie war enttäuscht von Hermine. Dass eine Ehe zerbrach, war heutzutage leider keine Seltenheit mehr. Dass Hermine ihren Bruder Ron betrog, konnte sie notfalls verzeihen, auch wenn dieser Mann Severus Snape, seines Zeichen gefürchteter und verhasster Zaubertranklehrer in Hogwarts, hieß. Die Erkenntnis, dass Hermine ein Verhältnis mit dem verabscheuten Lehrer angefangen hatte, entsetzte sie über alle Maßen (sie musste es umgehend Harry erzählen). Aber am meisten verletzte sie Hermines Feigheit mit ihr darüber zu reden und es ihr persönlich zu sagen. Dass die Eher zwischen ihrem Bruder und ihrer besten Freunden kaputt war, erfuhr sie so eben nebenbei von Ron. Dass Hermine sich derweil anders tröstete, erfuhr sie von dem verhassten Liebhaber. Das war es, was Ginny wirklich verletzte und was sie Hermine so schnell nicht würde verzeihen können. Sie sah mit einem Anflug von Ekel zu Snape rüber, dann schenkte sie ihre Aufmerksamkeit ihrer Freundin. „Es geht mich nichts an, mit wem du dich einlässt", sagte sie kalt. „Ich bin in der Großen Halle." Mit einem letzten Blick voller Abscheu drehte sie sich um und ging.
Für einen Moment war Hermine völlig entsetzt. Sie hatte vorgehabt, zuerst mit Ron zu reden. Danach hatte sie es ihrer Freundin erzählen wollen. Erst wollte sie ihre gescheiterte Ehe geklärt haben, das war sie ihrem Noch-Mann schuldig. Nun schien es, dass sie kurzfristig ihre Pläne ändern musste. Sie sollte Ginny und Harry die Umstände erklären, bevor alles gänzlich aus dem Ruder lief.
Was fiel diesem Bastard eigentlich ein? Sie wirbelte zu Snape herum, der sie mit einem unverschämten Grinsen bedachte. Er erinnerte an einen Kater, der vor einer Milchschale saß. „SEVERUS SNAPE, SIE …. SIE KRETIN
„Hat die große böse Fledermaus das kleine, putzige Löwenbaby etwa geärgert?", flötete er in bester Laune.
Hermine war innerlich geladen. Es fehlte nicht viel und sie würde wie eine Rakete explodieren. Snape hatte bewusst in Kauf genommen, dass sie sich mit ihrer besten Freundin zerstreiten würde. Somit hatte er in ihrer persönlichen Fehde eine neue Basis geschaffen, in der Tiefschläge erlaubt waren.
Sie zwang sich ruhig bis zehn zu zählen und trat nah an ihn heran. Fest blickte sie ihm in die Augen. „Das, Severus, bedeutet Krieg zwischen uns."
Snape grinste sie boshaft an. „Ich zittere vor Angst. Ob Minerva mir ihre Gryffindorschals ausleiht, damit ich mir einen Schutzwall stricken kann?"
Hermine wollte etwas erwidern, doch der Gedanke schien sich in ihrem Gehirn nicht weiter ausbreiten zu wollen. Im Gegenteil. Er hämmerte immer und immer wieder in ihr Bewusstsein. ‚Er riecht gut.' Ein leichter Schwindel überfiel sie. Sie fand, dass Severus Snape gut roch. Es war unglaublich. Er war schuld daran, dass sie Stress mit ihrer besten Freundin hatte, und das einzige woran sie dachte, war daran, dass Snape angenehm duftete.
Ihm erging es nicht anders. Als Hermine so nah vor ihm stand, kam er nicht umhin festzustellen, dass sie faszinierende Augen hatte, in deren Tiefer er sich am liebsten verlieren mochte.
„Vielleicht solltest du in die Halle gehen, bevor Lucius es mitbekommt", sagte er mit belegter Stimme.
„Was mitbekommt?" Sie konnte nicht mehr klar denken.
„Dass Ginny uns ein Verhältnis andichtet." Er riss sich zusammen und lächelte spöttisch.
„Wieso sollte er diesen Unsinn glauben?" Sie trat zurück und strich sich verlegen ein nicht vorhandenes Haar von der Kleidung.
Diesmal trat Snape einen kleinen Schritt auf sie zu und flüsterte heiser: „Vielleicht, weil es kein Unsinn ist?"
Für einen Moment war Hermine mehr als verwirrt, ja geradezu geschockt, von seinem widersprüchlichen Verhalten. Einerseits jagte er sie von sich fort, andererseits kam er ihr ein Stückweit entgegen. Doch Hermine hatte genug eigene Probleme, da musste sie sich nicht auch noch Snape antun. Zuerst musste sie das Missverständnis mit Ginny klären.
„Natürlich ist es Unsinn", erwiderte sie daher betont selbstsicher.
„Warum?" Er wartete gespannt auf ihre Antwort, dabei trat er zurück und lehnte sich lässig mit den Händen in der Hosentasche gegen die Wand.
„Weil ich jemanden, mit dem ich ins Bett steige, sehr gern haben und ihm vertrauen muss, Severus", schleuderte sie ihm schließlich entgegen. „Und dass ich Sie nicht sonderlich lieb habe, brauche ich Ihnen wohl nicht erst zu sagen. Kein Wunder, dass es niemand in Ihrer Nähe aushält, so unsympathisch und Hasszerfressen wie Sie sind." Mit diesen Worten wirbelte Hermine herum und verließ das Klassenzimmer eilig in Richtung Große Halle.
Snape stand lange Zeit wie erstarrt da und blickte auf die geschlossene Tür. Stunden später, so schien es, nahmen seine Augen erst einen verstörten, dann einen traurigen Ausdruck an. Langsam glitt er an der Wand herab und blieb erschüttert auf dem Boden sitzen.
‚Dieser Mann verdient es nicht, geliebt zu werden… Dieser Mann verdient es nicht … Dieser Mann wird nicht geliebt… Dieser Mann ….", schalte es durch seinen Kopf.
Vor seinem geistigen Auge zog ein Nebelfeld entlang. Er sah sich als Zweitklässler in der Großen Halle sitzen. Natürlich war er allein gewesen – wie immer. Er hatte nie verstanden, warum er keine Freunde in Hogwarts gehabt hatte. Am Anfang war da noch Lily, die einzige, die sich jemals näher mit ihm abgegeben hatte. Für die anderen war er seltsam gewesen. Dabei hatte er sich oft gewünscht, beliebt zu sein und einer Clique anzugehören. Doch schnell musste er erfahren, dass niemand mit ihm zu tun haben wollte. Oft hatte er als Junge geweint, doch irgendwann hatte er es akzeptiert und gelernt, sich und seine Gefühle vor den anderen zu verschließen. Er hatte sich eingeredet, dass es ihn nicht berühren würde. Er zeigte niemandem wie sehr er gelitten hatte und wie sehr er den Wunsch tief in sich begraben hatte, einfach dazu zugehören.
Er hatte in der Halle gesessen und seine Hausaufgaben erledigt, als ein hübsches Mädchen schüchtern zu ihm kam und ihm einen Brief reichte. So schnell wie sie aufgetaucht war, war sie auch wieder verschwunden gewesen. Verwundert hatte er auf den Brief gesehen und ihn schnell geöffnet. „Geliebter Severus", hatte in dem Brief gestanden, „schon lange kann ich nicht mehr schlafen, weil ich immer an dich denken muss. Ich weiß, dass dich die anderen nicht mögen, aber ich finde dich toll. Es beeindruckt mich, dass du so zielstrebig bist und wenn du bei Slughorn im Unterricht braust, bist du so wunderbar konzentriert. Deine ruhigen Bewegungen verleiten mich zu anderen Gedanken. Ich traue mich nicht, dir zu sagen wer ich bin. Vielleicht magst du mich ja gar nicht. Aber wenn du wissen willst, wer ich bin, komm um fünf an den See. Ich werde dort sehnsuchtsvoll auf dich warten. In Liebe XXX." Er hatte sich verstohlen umgedreht, doch niemand hatte ihn beachtet (wie immer, hatte er mit einem Stich festgestellt). Noch eine ganze Weile war der Brief von ihm festgehalten und zärtlich berührt geworden. Es gab jemanden, der ihn mochte. Sein Herz hatte einen Hüpfer gemacht.
Natürlich war er um fünf Uhr zu besagter Stelle gegangen. Er hatte sich die Chance, einen Menschen zu treffen, dem was an ihm lag, nicht entgehen lassen wollen. Und so hatte er gewartet. Fünf Minuten, zehn Minuten, schließlich eine halbe Stunde. Niemand war aufgetaucht. Mit hängenden Schultern war er schließlich zurück zum Schloss gegangen.
„Na, Schniefelus? Bist du versetzt worden?" Black hatte sich ihm plötzlich in den Weg gestellt und ihn verhöhnt.
Wo Black war, war auch Potter nicht weit gewesen. „Guck mal, Tatze, Schniefelus scheint tatsächlich geglaubt zu haben, jemand könnte ihn mögen."
„Das glaubst du doch nicht im Ernst, Krone", hatte Black weiter gespottet. „Komm, lass uns rein gehen und den anderen davon erzählen. Die werden nicht glauben, dass der da", ein abfälliges Kopfnicken zu Snape, „seit fünf Uhr am See gewartet hat." Lachend waren die beiden Jungen schnell im Schloss verschwunden gewesen und Snape hatte sich geschworen, nie wieder auf irgendwelche Liebesschwüre reinzufallen. Nie wieder sollte ihm das passieren.
Er war während dieser Erinnerung arschfahl im Gesicht geworden. Seine Hände begannen zu zittern – so stark, dass er schließlich mit ganzer Kraft mit der Faust gegen die Wand schlug, und seinen ganzen, vergessen geglaubten, Schmerz hinaus schrie.
ooOoo
Hermine derweil, lief so schnell sie vermochte in die Große Halle hinab. Als sie durch die schwere Tür schritt, konnte sie schon den anklagenden Blick Harrys spüren. Ginny hatte also keine Zeit verloren und ihrem Mann von der Begegnung erzählt. Hermines Herz sank, als sie sah, dass Harry mit Unverständnis, ja sogar Abscheu reagierte.
George stand mit Minerva ein wenig abseits, direkt neben dem gedeckten Tisch, und schien sich intensiv mit ihr zu unterhalten. Anhand ihrer Minen konnte sie sehen, dass es ein ernsthaftes Gespräch war. Wahrscheinlich drehte es sich um Freds Tod.
So schnell wie möglich trat sie auf die Beiden zu. „Harry, Ginny", sagte sie. „Hört mir bitte zu, es ist nicht so wie ihr denkt-"
„Wie konntest du nur, Hermine", unterbrach Harry sie rüde. „Ausgerechnet Snape. Wenn du schon der Meinung bist, Ron betrügen zu müssen, hättest du dann nicht wenigstens jemand anderen nehmen können? Nein, es muss ausgerechnet Snape sein." Er verzog angewidert das Gesicht. „Musst du Ron überhaupt betrügen? Hättet ihr das nicht anders regeln können? Hättet ihr nicht miteinander sprechen können?"
Hermine zuckte unter jedem Wort wie unter einem Peitschenhieb zusammen. „Harry", begann sie. „Ich weiß ich hätte erst mit euch reden müssen, aber ich wollte das zuerst mit Ron klären-"
„Was du nicht getan hast", spie er ihr entgegen. „Du bist echt das Letzte. Betrügst meinen besten Freund, und dann auch noch mit dieser widerlichen Fledermaus."
Ginny riss die Augen auf und wollte etwas sagen, doch Harry ließ seine Frau nicht zu Wort kommen. „Ich weiß, dass Ron manchmal nicht einfach ist, aber das hat er wirklich nicht verdient. Ich verlange, dass du die Sache mit Snape beendest und mit Ron redest… Wir gehen gleich, Schatz, aber das muss ich noch loswerden… Hermine, du weißt, ich liebe dich wie eine Schwester und ich kenne sowohl Ron als auch dich. Und ich weiß, dass irgendwas passiert sein muss, damit du so was machst, darum gebe ich dir eine letzte Chance, uns das jetzt und hier zu erklären. Entweder du nutzt sie, oder wir sind geschiedene Leute."
„Mr. Potter", wurde Harry sanft von einer dunklen Stimme unterbrochen. „Welch willkommene Freude Sie und Ihre entzückende Frau nach so langer Zeit gesund und munter wieder zu treffen. Wie ich sehe, erwarten Sie Nachwuchs. Meinen aller herzlichsten Glückwunsch. Nach diesen dunklen Zeiten ist es schön, ein glückliches Paar zu sehen, das neue Hoffnung in die Welt bringt."
Ginny hatte ihren Mann auf Lucius Malfoy aufmerksam machen wollen, doch Harry war zu sehr damit beschäftigt gewesen, Hermine seine Meinung zu sagen, so dass er das Auftauchen seines Erzfeindes nicht bemerkt hatte. „Was macht der denn hier?", fragte er entsetzt.
Minerva erkannte die brenzlige Situation und handelte sofort. „Ginny, Harry, Sie kennen Mr. Malfoy bereits. Er unterrichtet Geschichte bei uns. Aber, wollen wir uns nicht setzen? Die Hauselfen haben sich mit dem Kuchen so viel Mühe gegeben." Sichtlich bemüht versuchte sie die Lage zu entschärfen.
Ginny war damit beschäftigt, dem näher gekommenen George die Situation zu schildern, und Harry war von Malfoys Auftauchen schockiert, um auf seine ehemalige Lehrerin zu achten. „Ausgerechnet Sie sind Lehrer in Hogwarts geworden?", giftete Harry. „Warum wird nicht gleich das Fach ‚Sympathie mit Voldemorts Lehre' eingerichtet. Da müssten Sie nicht mehr im Untergrund agieren, sondern könnten die Kinder gleich ganz offiziell zu Todessern ausbilden."
„Harry, das reicht", versuchte Hermine ihrem Freund Einhalt zu gebieten. „Du weißt nicht, was du redest."
Jetzt wandte sich der erboste Mann wieder Hermine zu. „Dass ausgerechnet du den Abschaum hier verteidigst wundert mich dann doch. Schon vergessen, was er am liebsten mit Schlammblütern macht? Vielleicht solltest du es mal mit IHM auf dem Tisch treiben."
„Gar keine so schlechte Idee", überlegte Lucius gespielt nachdenklich. „Gerade vorgestern war mir noch ein Artikel in die Hände gekommen, der mich darüber aufklärte, dass bei der Kohabitation auf einem Tisch zwischen 200 und 300 Kalorien verbraucht werden." Er schmunzelte insgeheim über die fassungslosen Gesichtszüge des jungen Ehepaares. „Nun machen Sie den Mund zu, Potter. In meinem Alter hat Mann eben Schwierigkeiten in Form zu bleiben. Als ich noch so jung war wie Sie, waren sämtliche Gedanken diesbezüglich überflüssig." Er zog spöttisch den linken Mundwinkel hoch.
Harry musste ein paar Sekunden nach Luft schnappen. „Stimmt", entgegnete er voll von unterdrücktem Zorn. „Als Sie in meinem Alter waren, waren Sie damit beschäftigt Leute zu ermorden und Voldemort in den Arsch zu kriechen."
„Harry, mäßigen Sie sich", griff jetzt auch Minerva ein. „Lucius hat eingesehen, dass er in der Vergangenheit Fehler gemacht hat. Er hat eine zweite Chance verdient."
Nun sahen nicht nur Harry und Ginny überrascht aus, jetzt konnte auch Hermine ihre Verwunderung über Minervas Worte nicht zurückhalten. Seit wann schlug sich McGonagall auf Lucius' Seite?
Der Mann, um den sich der Streit drehte, machte nun einen äußerst gelangweilten Eindruck. „Nachdem wir jetzt Ihre Abneigung mir gegenüber geklärt haben, hoffe ich, dass wir uns nun endlich diesem vorzüglich aussehenden Kuchen zuwenden können."
„Moment mal", bemerkte jetzt Ginny. „Sie bleiben zum Kaffee?"
„Aber natürlich, Mrs. Potter. Minerva war so freundlich mich einzuladen, nachdem ich meinen bescheidenen Wunsch äußerte, Sie beide wieder zusehen zu wollen – nach all den Jahren." Unschuldig sah er sie aus seinen eisgrauen Augen an. Nach ein paar Sekunden lächelte er verstehend und legte den Arm um Hermine. „Komm, mein Herz, du isst in letzter Zeit zu wenig. Ich möchte mir nachher nicht nachsagen lassen, ich sei schuld an deiner eventuell auftauchenden Unpässlichkeit." Sanft, aber bestimmend, führte er sie zum Tisch.
Hermine atmete tief durch. Sie spürte förmlich, dass Harry kurz vor der Explosion stand, doch Lucius ließ ihr keine Möglichkeit, sich ihren Freunden zuzuwenden. Und richtig, eine Nanosekunde später war es auch soweit. „WARUM SAGT ER ‚MEIN HERZ' ZU DIR, HERMINE?", brüllte Harry.
Lucius seufzte hörbar auf und drehte sich zu Harry um. „Aus dem gleichen Grund, warum Sie Ihre Frau mit ‚Schatz' titulieren, Mr. Potter. Nur dass ich die Bezeichnung ‚Schatz' als zu ennuyant und ingalbinat empfinde", bemerkte er jovial.
Ginny und Harry sahen sich fassungslos an. Das war wohl ein schlechter Alptraum. Erst Snape, jetzt Malfoy. Was war nur aus Hermine geworden. Das konnte unmöglich sein.
„Hermine, sag mir, dass das nicht wahr ist", flehte Harry auch umgehend.
Hermine warf Lucius einen entschuldigenden Blick zu, löste sich aus seiner Umarmung und ging langsam zu ihren Freunden rüber. Harry, Ginny und George standen mit vor der Brust verschränkten Armen da und sahen Hermine voller Widerwille an. „Ich habe euch vorhin schon versucht zu erklären, dass-"
„Hast du oder hast du nicht?", fragte Harry abweisend.
„Harry, bitte, lass mich zu Wort kommen. Ich will euch erklären, dass-"
„Hermine, ja oder nein", leistete Ginny Harry Schützenhilfe.
„Ginny, ich versuche euch gerade begreiflich zu machen, dass-"
„Ich glaub das alles nicht", mischte sich auch George ein.
„KÖNNTET IHR GEFÄLLIGST SO FREUNDLICH SEIN UND MICH AUSREDEN LASSEN?" Hermine verlor nun sichtlich die Contenance.
„Hast du…", unterbrach Harry sie stur.
„… oder hast du nicht", vollendete Ginny den Satz.
„Ausgerechnet mit Malfoy?" George schüttelte ungläubig den Kopf."
Die junge Hexe war sichtlich überfordert. Als Lucius hinter sie trat und ihr beruhigend die Hand auf die Schulter zu legen, um ihr zu zeigen, dass er bei ihr war, schloss sie die Augen und atmete tief durch. Sie wusste, dass er es gut meinte, aber die ahnte, dass ihre Freunde diese kleine Geste der Aufmunterung missverstehen würden.
Und so war es auch. Alle drei starrten das ungleiche Paar an und wieder war Harry es, der als erstes reagierte. Er riss sich von dem Anblick los, sah Ginny und George kopfschüttelnd an und ging zu Minerva. „Bitte, verzeihen Sie uns unser Verhalten, aber unter diesen Umständen ist es besser, wenn wir das Schloss umgehend verlassen."
„Harry! Ginny! George!", unternahm Hermine einen letzten Versucht, wurde aber umgehend von Harry unterbrochen. „Du brauchst nichts mehr zu sagen, du falsche Schlange." Er lachte erbittert auf. „Eine falsche Schlange und zwei Slytherins, das ist unfassbar."
In Lucius Augen glitzerte es gefährlich auf. „Mr. Potter, ich verlange eine sofortige Entschuldigung. So werden Sie nicht mit Hermine reden."
„Ausgerechnet Sie wollen mir vorschreiben, wie ich mit Hermine zu reden habe, Mr. Malfoy?", zischte Harry. „Ich glaube, ich sollte Ihnen mal beibringen, wie man sich verheirateten Frauen gegenüber verhält." Er zog den Zauberstab und keuchte eine Sekunde später entsetzt auf. Es hatte Lucius' gerade eine kleine Handbewegung gekostet, um Harry zu entwaffnen und dessen Zauberstab aufzufangen.
„Mr. Potter", sagte dieser eisig. „Nur weil Sie Voldemort besiegt haben, heißt das nicht, dass Sie unfehlbar sind. Der Dunkle Lord war geschwächt und zu selbstsicher, um Ihnen ein würdiger Gegner zu sein."
„Lucius, bitte, provozier ihn nicht auch noch", bat Hermine ihn, und war überrascht, dass er Harry seinen Zauberstab zurückgab. Ein letzter Blick und Lucius wandte sich zum Tisch, um von dem vorzüglich aussehenden Kuchen zu kosten.
Harry starrte seinen Widersacher sprachlos an. „Wir sprechen uns noch, Malfoy", spie er in dessen Richtung. Dann bedachte er Hermine mit einem letzten Blick. „Du bist nicht mehr meine Freundin."
Für einen kurzen Augenblick sah Hermine Traurigkeit in Ginnys Augen, dann folgte diese ihrem Ehemann. „George, kommst du?" Auch George drehte sich wortlos um.
„Was meinte Potter vorhin mit Snape?" fragte Lucius, der wieder hinter Hermine aufgetaucht war.
„Ach, Ginny glaubt, Severus und ich hätten eine Affäre, und-"
Er brach in schallendes Gelächter aus. „Die junge Mrs. Potter glaubt tatsächlich, du würdest mit Severus…? Er schüttelte den Kopf. „Eine blühende Phantasie haben die jungen Leute heutzutage. Unglaublich." Er nahm Hermines Hand und ging mit ihr zum Tisch. Dabei lächelte er die immer noch erschüttert wirkende Minerva an. „Kommen Sie, Teuerste. Der Kuchen schmeckt vorzüglich.
A/N 1:
- impertinent unverschämt
- Kohabitation Geschlechtsverkehr
- ennuyant langweilig
- ingalbinat altmodisch
A/N 2: Seit dem letzten Update haben 300 Leute dieses Kapitel gelesen und zwei haben ein Review hinterlassen. Wie schade. Was ist denn mit euch Schwarzlesern? Wie kann ich euch zum Schreiben animieren? Und wo sind die „alten Hasen" hin? Ranko? Angie? Tageni? Snowflake? Yvette? MyLoveIsYourLove? AMJ? Lilie? Reditus Mortis?
Ich hoffe, ich habe niemanden vergessen J
