Ein kürzeres Kapitel, aber dennoch sitze ich hier und muss tief durchatmen….
Soll ich wieder Fragen stellen? Dann kommen die meisten Reviews ... lächel
Kapitel 34 – Ehre, wem Ehre gebürt
Der Lohn der Freundschaft ist sie selbst.
Wer sich mehr erhofft, versteht nicht, was wahre Freundschaft ist.
Ailred von Rievaulx
Hermine saß am Frühstückstisch in der Großen Halle und starrte fassungslos auf den Artikel. Dieser war, wie nicht anders zu erwarten, direkt auf der Titelseite des Tagespropheten, und wurde von einem Foto begleitet, dass George und Harry zeigte, wie sie sich nach einem gewonnenen Quidditchspiel umarmten.
Harry Potter: Eifersuchtsdrama oder Ehrenmord?
Gestern Abend verschaffte sich der erfolgreiche, aber wohl auch psychisch gestörte, Zauberer Georg W. (23) Zutritt in ein Muggelhaus in Little Whinging. Aus bisher noch ungeklärten Gründen tötete er die einzig noch lebenden Verwandten des allseits bekannten Harry Potter, der es vor drei Jahren schaffte, uns von dem Dunklen Lord zu befreien.
„Es war richtig unheimlich", so ein Augenzeuge. „Er stand 'ne Weile richtig unbeweglich da und starrte die ganze Zeit auf dieses Haus. Ich hab ihn ganz genau ans seinem feuerroten Haar erkannt. Er stammt ja aus einer richtig alten Zauberereifamilie. Das hätte ich nicht gedacht. Nicht so einer."
Zu Beginn wurden Zweifel laut, ob Georg W. tatsächlich der Mörder dieser Muggelfamilie sei, doch nach einem ‚Priori Incantatem' lässt sich einwandfrei belegen, dass er tatsächlich die vier Menschen mit dem Avada- Fluch belegt hat.
Das Attentat lässt Raum für Spekulationen über die Hintergründe dieser Tat. Allem Anschein nach hatte der junge Täter den Tod seines Bruders nicht überwunden. „Die beiden waren stets unzertrennlich und hatten nichts als Unsinn im Kopf", erinnert sich eine ehemalige Schulkameradin der Zwillinge, Pansy Parkinson. „Sie haben oft Ärger gemacht und ihr Haus viele Punkte gekostet. Der krönende Abschluss war, dass sie in ihrem Abschlussjahr alles hingeschmissen und die Schule verlassen haben. Sie hatten noch ein paar Monate bis zu ihrer Abschlussprüfung. Wie konnte man nur so doof sein? Aber ich habe es immer gewusst, mit den W.-Sprösslingen (Anm. d. Red.: Aus Datenschutzgründen wird der Nachname abgekürzt) stimmte was nicht. Die waren schon immer völlig durchgeknallt." Eine Äußerung, die bereits einen Tag später für hitzige Diskussionen sorgt. Die eine Gruppe wirbt um Verständnis für diese verabscheuungswürdige Tat. „Zwillinge haben ein ganz besonderes Verhältnis zueinander. Werden sie auseinander gerissen, erscheint es, als ob der zurückgebliebene Teil kaum noch lebt. In der Regel sind Suizidversuche dann keine Seltenheit. Dass ein Zurückgebliebener allerdings noch andere mit in den Tod reißt, ist eher ungewöhnlich", erklärte ein Mitarbeiter des St. Mungos Hospitals. Die zweite Gruppe dagegen spricht sich für eine Verschärfung des ganzen Systems aus. „Es kann nicht sein, dass ein einziger Irrer vier weitere Menschen mit in den Tod nimmt. Das hätte der Staat früher erkennen sollen. Gerade bei Zwillingen ist diese Gefahr vorhanden, wenn ein Teil die Welt verlässt. Das Ministerium hätte George W. genau überprüfen und sich über seinen psychischen Gesamtzustand in Kenntnis setzen müssen. Dann hätte so eine Tat verhindert werden können", so ein Mitglied des Zaubergamots, das ungenannt bleiben möchte.
Das Ministerium hat sich bislang nicht zu diesen Vorwürfen geäußert. Mit größter Wahrscheinlichkeit muss es sich erst selbst ein Bild machen, da der Täter der Sohn eines Ministeriumsangestellten ist, was dem Fall eine zusätzliche Brisanz gibt. Es stellt sich die Frage, ob der Vater seine Elternpflichten vernachlässigt und somit diesen Amoklauf erst möglich gemacht hat. Wäre es als Vater seine Aufgabe gewesen, seinen Sohn notfalls zwangsweise einweisen zu lassen? Hätte er das Unglück voraussehen können? Wir dürfen uns gewiss sein, dass eine Untersuchung eingeleitet werden wird. Vielleicht ist dann ein Mitglied der Familie Bereit Stellung zu den Vorwürfen zu nehmen?
Die Frage, die sich alle stellen, lautet: Warum diese Muggel? Das gemeinsame Verbindungsglied heißt, wen wundert es wirklich?, Harry Potter. Jeder Hexe und jedem Zauberer wird dieser Name geläufig sein, dennoch sei gesagt, dass dieser Junge den Dunklen Lord, dessen Name noch immer Unbehagen und Furcht auslöst, besiegt und uns aus der schwärzesten Zeit befreit hat. Mittlerweile ist Harry Potter zu einem attraktiven Mann herangereift und hatte vor drei Jahren Ginevra Molly W. geheiratet. „Sie war ein Jahr unter ihm", berichtet ein ehemaliger Hogwartsschüler Gregory Goyle. „Nachdem er bei seiner großen Liebe Cho C. nicht hatte landen können, begnügte er sich mit diesem Mädchen, und machte später auf ganz große Liebe. Wussten Sie, dass es die Schwester des durchgeknallten Irren ist?" Sie lesen richtig, liebe Abonnenten. Die Frau des großen Helds ist zugleich die Schwester des Mörders seiner einzigen noch lebenden Blutsverwandten. Da stellt sich Ihnen und mir die Frage, ob Harry Potter die Ursache eines Eifersuchtsdramas wurde. Hatte der Täter womöglich Gefühle für den Jungen, der lebt, entwickelt und konnte es nicht mit ansehen, dass dieser seiner Schwester den Vorzug gab? Oder wollte er, weil er keinerlei Sinn mehr sah und sich daher umzubringen gedachte, Harry Potter rächen, indem er die Muggel ermordete? Wir werden es wohl nie erfahren. Aber seien Sie gewiss, dass sich Ihre Sonderkorrespondentin weiter um Nachforschung bemühen wird. Vielleicht ergeben sich neue Informationen auf der morgigen Beerdigung. Wir dürfen also gespannt sein, was für dunkle Geheimnisse um Harry Potter noch auftauchen werden.
Ihre Rita Kimmkorn
Ein Frösteln überfiel die junge Hexe. Sie hatte bei ihrem Treffen, das so furchtbar eskaliert war, gemerkt, dass es George nicht gut gegangen war. Hatte sie ein Teil Schuld an diesem Unglück? War sie zu sehr mit sich beschäftigt gewesen, um zu bemerken, was mit dem übrig gebliebenen Part einer Hogwartslegende passiert war?
Eine Träne der Trauer und des Schmerzes kullerte ihr langsam über die Wange.
Snape sah es. Auch ihm ging der Tod des Weasleyjungen nah. Auch wenn er das natürlich nie zugegeben hätte, so hatte er die Zwillinge immer gemocht und für ihren Mut, sich Umbridge entgegenzustellen, bewundert. Es hatte ihm Leid getan, George das Ohr abzuhexen, aber das war ein Versehen gewesen. Ein Versehen! Er schnaubte innerlich. Er hatte einen anderen Todesser direkt hinter Weasley treffen wollen, niemand hätte ihm später was nachweisen können.
Er sah Hermine, die neben ihm saß, von der der Seite an. Ihr schien der Tod sehr nahe zu gehen. Langsam, sehr langsam, schob er seine Hand zu ihr und legte sie sacht über die ihre. Sie zuckte kurz zusammen, aber sie zog ihre Hand nicht weg. Viel zu gut tat dieser Trost.
Minervas Husten riss ihn aus seinen Gedanken und er sah, wie Lucius durch die Reihen schritt. Unauffällig entfernte er seine Hand und bemühte sich, einen unschuldigen Eindruck zu machen.
„Guten Morgen", sagte der blonde Mann gut gelaunt, während er in die Runde lächelte. Sehr zu seinem Missfallen beachtete Hermine ihn nicht, sondern starrte weiter nach unten. Lucius nahm sich fest vor, sich später noch einmal intensiv mit ihr über die sechste Regel zu unterhalten.
„Guten Morgen, mein Herz", sagte er, nachdem er sich gesetzt hatte.
Noch immer reagierte die junge Hexe nicht und er kniff irritiert die Augen zusammen. „Hermine?"
„Lucius, lass sie", antwortete Minerva sanft und deutete auf den Tagespropheten, der noch immer auf Hermines Schoß lag.
Sanft entfernte er ihr die Zeitung und begann zu lesen. Während des Lesens wurde sein Blick immer finsterer. Er hatte die Weasleys nie leiden können, aber insgeheim immer über die Scherze gelacht, wenn Draco von den berüchtigten Zwillingen gesprochen hatte.
Draco. Sein Herz zog sich zusammen. Schnell verdrängte er seinen toten Sohn aus den Gedanken und beugte sich zu Hermine rüber. Er nahm sie in den Arm und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn.
Sämtliche Augenpaare in der Großen Halle waren auf sie gerichtet. Es gab das ein oder andere Gerücht, die beiden Lehrer wären ein Paar, aber die wenigsten hatten es geglaubt. Nun sah jeder, dass das Gerücht auf wahren Begebenheiten ruhte.
„Ich will dahin", murmelte Hermine.
„Wohin, mein Herz?"
„Auf die Beerdigung. Er war ein Freund. Ich muss wissen, was wirklich passiert ist."
Lucius strich ihr über die Wange und schenkte Snape einen warnenden Blick. Sofort wandte sich dieser wieder ausdruckslos seinem Frühstück zu.
„Scheinbar hat er wirklich nicht den Tod von Fred verkraftet und sich gedacht, er wolle Harry retten."
Mit leerem Blick sah sie zu ihm auf. „Du glaubst doch wohl nicht wirklich, dass George tatsächlich die Dursleys umgebracht hat?", fragte sie tonlos. „Ich kenne George, das würde er nie tun. Niemals hätte er Menschen ermordet. Dazu ist er viel zu anständig. Nicht George. NICHT GEORGE! Egal was passiert ist, es war jemand anderes. Er kann es nicht gewesen sein. Das ist unmöglich." Hermine brach wieder in Tränen aus. „Ich will zu seiner Beerdigung."
Nun räusperte sich Minerva. „Hermine, Liebes. Ich habe heute Morgen einen Brief von Molly erhalten. Ich glaube, es wäre nicht gut, wenn du zu der Beerdigung gehst."
Hermine sah ihre Vorgesetzte und Freundin an. „Ich werde gehen. Egal was zwischen Ron und mir ist, George hat damit nichts zu tun. Sag mir, wann ist die Beerdigung?"
„Morgen um elf Uhr", resignierte McGOnagall.
„Ich werde dahin gehen. Und wenn es das letzte ist was ich tue. Ich werde George verabschieden." Fast schon grimmig sah sie aus.
„Soll ich dich begleiten?", fragte Lucius einfühlsam und nahm Hermines Hand.
„Nein." Sie schüttelte den Kopf. „Da muss ich alleine durch. Außerdem glaube ich nicht, dass es … gut wäre, wenn du dort auftauchen würdest." Sie sah ihm in die Augen. „Verzeih."
Er lächelte. „Nicht doch, mein Herz. Ich verstehe dich. Aber ich werde mit dir kommen, bis zum Rand des Friedhofs. Ist das für dich ok?"
Sie nickte.
„Nun gut", sagte Minerva mit fester Stimme. „Ich werde auch hin gehen. Sonst noch jemand?" Sie blickte in die Runde. Fast alle Hände hoben sich. „Severus?" Sie da den Zaubertränkemeister fragend an.
„Ich weiß nicht." Sämtlicher Lehreraugenpaare waren auf ihn gerichtet. Es war selten, dass Severus Snape unsicher klang. „Irgendwer muss doch auch auf die Schüler aufpassen."
Minerva nickte. Nach kurzer Überlegung klatschte sie in die Hände und erhob sich. Nachdem jeder ihr zuhörte rief sie mit lauter Stimme: „Wer den Tagespropheten heute gelesen hat, hat mit Sicherheit vom Tod George Weasleys gehört." Murmeln erhob sich.
„Ich kenne diesen Jungen gut, und ich versichere euch, er hat die Muggel nicht ermordet. Auch wenn ich das nicht beweisen kann-"
Sie wurde unterbrochen. Hermine erhob sich ebenfalls. Alle Augenpaare waren auf sie gerichtet. Kaum wurde ein Direktor, oder eine Direktorin, unterbrochen. „Ich glaube an Georges Unschuld", sagte sie mit gerecktem Kinn.
Fassungslose Gesichter blickte zwischen der Direktorin und Hermine hin und her. Und es war Snape, der in die Bresche sprang. Er erhob sich ebenfalls und antworte genauso mit fester Stimme: „Ich glaube an Georges Unschuld." Als nächstes erhoben sich Filius Flitwick und Pomona Sprout. Dann stand, fast geschlossen, der komplette Gryffindortisch auf. Poppy folgte, dann die Professoren Vektor und Sinistra. Es folgten der Hufflepuff- und der Ravenclawtisch. Schließlich erhob sich auch der Rest der Lehrer und die Slytherins. Alle, keiner blieb sitzen. Viele kannten die Zwillinge, viele hatten von ihnen gehört.
Minerva, und auch Hermine, wischte sich eine Träne aus dem Gesicht. „Nun, somit ist meine nächste Frage beantwortet. Es werden um 10.30 Uhr Portschlüssel zur Verfügung gestellt. Hogwarts erweist George Weasley die letzte Ehre."
