Achtung, im zweiten Teil gibt es eine unfreiwillige Blutszene. Wer Probleme mit selbstverletzendem Verhalten hat, möge bitte den Teil zwischen // …. \\ auslassen


Kapitel 47 – Bilder der Vergangenheit

Ich stand am Abgrund und sah in die Tiefe.
Mein Herz war Eis und jede Hoffnung tot.

„Jenseits der Nacht", aus: Rebecca

Mit einem kalten Lächeln betrat Snape die Große Halle und setzte sich an den Lehrertisch. Umgehend füllte sich sein Teller und er begann, sein Mal zu genießen. Der Platz rechts neben ihm blieb frei. Sowohl Lucius als auch Minerva sahen mehr oder weniger oft auf diesen leeren Platz und blickten sich dann fragend an.

Schließlich erhob sich Lucius und entschuldigte sich bei Tisch. Er traut aus der Großen Halle und sah Hermine, wie sie zusammengekrümmt, verheult, in einer kleinen Nische saß. Umgehend war er bei ihr. Er sank neben ihr nieder und zog sie in seine Arme. Hermine schluchzte laut und war unfähig, ein Wort heraus zu bringen. Sanft begann Lucius sie hin und her zu wiegen.

Da dieser Zugang zur Halle nur von den Lehrern genutzt wurde, bestand keinerlei Gefahr von einem der Schüler entdeckt zu werden. So drängte Lucius sie auch nicht, sondern streichelte ihr immer und immer wieder über die Haare. „Ich bin bei dir, mein Herz", versuchte er sie leise zu beruhigen, was allerdings nur noch mehr Tränen hervor lockte.

Schließlich öffnete sich die Tür zum zweiten Mal. „Wie rührend." Snapes Stimmte triefte vor Hohn. „Wie eine glückliche, kleine Familie."

Unbewusst und ohne nachzudenken, legte sich Hermine die Hand auf den Bauch. Sie bemerkte es nicht. Doch Snape tat es. Er zog eine Augenbraue hoch. „Nun dann will ich das traute Glück nicht stören", spottete er und ging mit wallendem Umhang den Gang hinunter.

Lucius wischte ihr sanft die Tränen aus den Augen. „Kümmere dich nicht um den alten Griesgram."

Mit zitternder Unterlippe nickte Hermine und barg ihr Gesicht an seiner Schulter. Lucius nahm sie mühelos auf die Arme, um sie zu seinen Räumen zu tragen. Dort legte er sie aufs Sofa und beschwor eine Tasse Tee herauf. „Was ist los, mein Herz."

Hermine scheute sich ihm von Snapes Angriff erzählen. Einerseits wollte sie erneute Spannungen vermeiden, andererseits war sie zu tief verletzt über seine Grobheit. Am liebsten wollte sie den ganzen Vorfall vergessen. „Es … es war", stammelte sie, „einfach … zu viel." Aus großen braunen Augen sah sie ihn an.

Lucius nickte. „Dich haben die Anfeindungen der Gesellschaft ziemlich mitgenommen, oder?" Auf ihr nicken hin setzte er sich zu ihr und zog sie auf seinen Schoß. Sanft begann er, sie wie ein Kind hin und her zu wiegen und strich ihr dabei immer und immer wieder beruhigend über den Rücken. „Am Anfang", begann er, „ging es mir ebenso wie dir, aber ich wurde von Geburt an darauf vorbereitet. Mir stellte sich nie die Frage, ob ich meinen Platz einnehmen wollte, oder nicht. Meine beiden Brüder, verstarben noch vor meiner Geburt, so rutschte ich automatisch an die Stelle ‚Nachfolger'. Seit Kindesbeinen wurde ich darauf getrimmt mich nicht nur in Gesellschaft bewegen zu können, sondern eben auch im Tanzen, in Konversation, im Duellieren, in der Etikette unerrichtet, immer darauf gedrillt der Beste zu sein." Er schloss sie in seine Umarmung und legte seine Wange auf ihren Scheitel. „Shiva hatte von Beginn an auf korrekten Umgang geachtet. Nichts verlief in meinem Leben willkürlich, alles war von Anfang an geplant. Mir wurde meine Kleidung ausgesucht, meine Spielsachen, auch meine Freunde wurden mir bestimmt. Mein Tag wurde gestaltet und nachts wurde mir sogar vorgegeben, was ich zu träumen hatte. Nichts blieb dem Zufall überlassen. Schließlich beschwerte sich meine Frau Mama, ihr wäre das Kind weggenommen worden. Shiva fragte sie nach Gründen, warum sie sich selbst um mich kümmern sollte. ‚Weil er mein Kind ist', hatte meine Mutter gesagt. Ich war damals fünf Jahre alt, und doch kann ich mich daran erinnern, als wäre es erst gestern gewesen. Shiva, ließ diesen Einwand nicht gelten. Sie wischte ihn mit den Worten ‚Dann hättest du keinen Malfoy heiraten dürfen' fort. Ich verstand das alles damals nicht. Ich war nur ein kleiner Junge, der sich freute seine Mama einmal sehen zu dürfen. Zwei Tage später war sie tot. Sie hatte Gift genommen. Zumindest war das die offizielle Erklärung."

„Offizielle Erklärung?", fragte Hermine.

„Ich bin mir nie sicher gewesen, ob es wirklich Suizid war, oder Mord."

Hermine legte ihre Hand auf seinen Arm. „Das ist ja schrecklich. Mord? Wer hätte denn deine Mutter umbringen sollen?"

Ein kaltes Lächeln umspielte seine Lippen. „Du hast wirklich keine Ahnung, oder?"

Sie schüttelte den Kopf.

Er seufzte. „Im Malfoyimperium ist es keine Seltenheit sich unliebsame oder störende Personen einfach vom Hals zu schaffen. Besonders unter Shivas Herrschaft war die Gefahr groß, eines Tages einfach das Bedürfnis zu bekommen sich selbst umzubringen." Gedankenverloren sah er in die Ferne. Schon lange hatte er nicht mehr an seine Großmutter gedacht. Auch wenn sie zusammen unter ein und demselben Dach wohnten, so hatte er sie schon lange nicht mehr besucht. Sie war zu alt und zu gebrechlich, um ihre Räumlichkeiten zu verlassen. Er war nicht hinaufgestiegen.

„Luc?"

„Mh?"

„Wer ist Shiva?"

Lucius' Blick klärte sich wieder und er sah zu Hermine hinab. „Meine Großmutter."

Nun weiteten sich ihre Augen überrascht. „Du hast nie von ihr erzählt. Wer ist sie? Lebt sie noch? Wenn ja, wo?"

Er lachte leise. „Ich weiß nicht, ob sie noch lebt."

Hermine blickte ihn ungläubig an. „Du weißt nicht, ob deine eigene Großmutter noch lebt?"

„Nein, ich habe seit längerem keinen Kontakt mehr zu ihr."

Nachdenklich spielte Hermine mit einer seiner blonden Haarsträhnen. „Wo hat sie bislang gelebt?"

„Auf Malfoy Manor."

„Malfoy Manor? Aber, du hast da doch selbst gelebt? Wir waren noch vor ein paar Tagen da und-"

„Ich werde dir irgendwann von Shiva erzählen, mein Herz. Aber nicht jetzt." Weitere Worte erstickte er mit einem zärtlichen Kuss. „Geht's dir besser, Liebste?"

Sie nickte. Dann lehnte sie sich zurück an ihn.

oOoOo

„Luc?"

„Mh?"

„Erzähl mir mehr von ihm."

Irritiert sah Lucius auf. Wen meinte Hermine? Dann folgte er ihrem Blick. Er unterdrückte ein Aufstöhnen, als er sah, dass sie den Spiegel näher betrachtete. „Du möchtest nichts Näheres wissen, mein Herz." Er lehnte sich zurück und schloss die Augen, in Erwartung, damit das Thema beendet sein zu lassen. Doch er hatte nicht mit Hermines Hartnäckigkeit gerechnet.

„Luc, ich möchte dich näher kennen lernen. Und ich spüre, dass zwischen dir und dem Spiegel etwas Besonderes besteht."

Träge hob er ein Augenlid und sah sie zweifelnd an. „Manchmal gibt es Dinge, mein Herz, über die du lieber nicht Bescheid wissen solltest."

Chrm Chrm.'

„Bitte Luc." Mit einem großen, unschuldigen Augenaufschlag sah sie ihn an.

Er kapitulierte und schubste sie sanft zurück. „Dann lass einen alten Mann mal aufstehen."

Spielerisch warf sie mit einem Kissen nach ihm. „Du bist doch kein alter Mann, Luc."

Mit einer Schnelligkeit, die spätestens jetzt seiner Worte Lügen gestraft hätte, drehte er sich um und presste Hermine mit seinem Körper in die Kissen. Erregt leckte er ihr über den Hals. „Du schmeichelst mir, mein Herz."

Hermine stöhnte auf, als sie ihn auf sich spürte. Dieser Mann brauchte sie nur anzusehen und schon spürte sie eine Erregung, die sie in Flammen aufgehen lies. „Luc", seufzte sie. Am liebsten hätte sie ihm die Kleider vom Körper gerissen und mit ihm geschlafen, doch sie spürte, dass dies ein günstiger Augenblick war, um Antworten zu bekommen. „Luc, bitte."

Knurrend ließ er von ihr ab. „Du bist ein hartherziges Weib", maulte er, ihr dabei gierig in den Ausschnitt starrend. „Ich könnte mir Schöneres vorstellen, als über den alten Spiegel (‚Chrm chrm') zu reden."

Hermine zog Lucius am Hemdkragen zu sich hinab und küsste ihn sanft. „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen, Liebling", murmelte sie.

Er schenkte ihr einen letzten, begehrlichen Blick, dann stand er auf und ging zu dem Regal mit den alten, magischen Dingen. Von dort holte er eine kleine Steinschale, mit alten Runenzeichen. Er kehrte zurück und setzte die Schale auf den Tisch. Dann tippte er sich mit dem Zeigefinger an die Schläfe und holte sich eine Erinnerung aus seinem Kopf. Den langen, silbrig glänzenden Faden ließ er langsam in die Schale gleiten. Er reichte Hermine die Hand. „Nach dir, mein Herz."

Hermine tauchte den Kopf in das kleine Denkarium und spürte den Sog, der sie mitten in Lucius Erinnerung hineinkatapultierte. Der reale Lucius folgte ihr umgehend und gemeinsam fanden sie sich schließlich in einem elegant eingerichteten Raum auf Malfoy Manor wieder.

Neugierig ließ Hermine ihren Blick durch das Zimmer gleiten. Offensichtlich waren dies die Wohnräume des jungen Lucius. „In diesem Raum bin ich groß geworden", raunte ihr der reale Lucius zu. „Komm hier rüber, gleich werde ich das Zimmer betreten."

Kaum hatte er es gesagt, da öffnete sich die Tür und ein Lucius, der genauso aussah wie der in der Gegenwart, betrat den Raum. „Das war kurz nach Dracos und Narzissas Tod", erklärte der Mann der Gegenwart.

Hermine nickte verstehend und betrachtete den ‚jüngeren' Mann eingehend. Seine Haare waren lang und strähnig und fielen ihm immer und immer wieder ins Gesicht. Mit ungeduldigen Bewegungen strich er sie sich zurück. Das Hemd fiel ihm unordentlich über die Hose, es war zerknittert und die obersten Knöpfe standen auf. Alles in allem wirkte er ungepflegt und nachlässig.

Mit einer ungelenken Bewegung hob er eine Whiskeyflasche, die er in der rechten Hand trug, an den Mund und trank gierig ein paar Schlucke, so als wäre es lediglich Wasser. Dann wischte er sich mit dem Handrücken seiner Linken über die Lippen und kratzte sich über den drei Tage Bart. Fiebrig huschte sein Blick durch den Raum bis er schließlich den Spiegel, sein Abschiedgeschenk von Bazil, entdeckte. Leicht torkelnd ging er auf den magischen Gegenstand zu. „Bist du also noch immer hier?"

„Wo sollte ich sonst sein, Lucius?" Das Bild im Spiegel lächelte ihm freundlich entgegen.

„Was weiß ich." Er machte eine unwirsche Handbewegung. „Kann ja sein, dass dir langweilig geworden is'."

„Mir kann nicht langweilig werden, Lucius. Ich kenne solche Gefühle nicht."

„Hast du's gut", nuschelte der blonde Zauberer.

„Alles hat im Leben Vor- und Nachteile, mein Freund. Ob ich es gut habe, kann ich nicht beurteilen. Aber wie ich sehe, geht es dir schlecht. Möchtest du darüber reden?"

Ein hysterisches Lachen erklang. „Darüber reden, als wenn mir ein ‚darüber reden' meinen Sohn wieder bringen könnte." Er ließ sich in einen Sessel nahe dem Spiegel fallen. „Is' doch alles große Scheiße."

Hermine sah zu dem Lucius der Gegenwart auf, doch er hatte sein Gesicht abgewandt. Ihm schien es peinlich zu sein, dass sie ihn in dieser Verfassung erlebte."

„Ist Draco tot?", fragte der Spiegel mitfühlend.

„Ja, in Merlins Namen, Draco ist tot. Und Narzissa auch. Nur ich nicht. Ich darf dieses ganze beschissene Leben weiter ertragen." Der junge Lucius kicherte plötzlich halb wahnsinnig. „Ist das nicht irgendwie komisch? Ich bau Scheiße und meine Familie geht drauf. Warum hat der Arsch Amycus nicht mich umgebracht? Nein, er musste sich an Draco vergreifen und Narzissa foltern. Ich hab Böses getan. Nicht sie." Er hatte sich in Rage geredet. „Ich muss mit meinen Taten klar kommen. Ich ganz allein. Draco war unschuldig. Merlin, warum habe ich ihn nicht raus gehalten?"

Der Spiegel wartete, bis Lucius sich wieder einigermaßen beruhigt hatte. „Ich habe dich gewarnt, dass du so empfinden könntest."

Ein wilder Ausdruck trat in Lucius Augen. „Ruhe. Halt die Klappe, verdammt noch mal. Deine guten Ratschläge kannst du dir sonst wohin stecken. Meine Familie ist tot."

„Du hast noch immer Shiva."

„SHIVA? Auf die alte Hexe pfeif ich. Sie hat mich benutzt, so wie sie jeden benutzt hat. Sie mag vielleicht meine Großmutter sein, aber mit der Schlampe bin ich fertig. HAST DU GEHÖRT, SHIVA? ICH BIN FERTIG MIT DIR. ENDGÜLTIG!"

„Sie kann dich nicht hören, mein Freund. Aber ich kann es. Rede mit mir."

Der Lucius der Vergangenheit starrte nachdenklich auf die Whiskeyflasche. Dann sah er den Spiegel an, und schleuderte schließlich mit einer kraftvollen Bewegung die Flasche gegen das kalte Glas. Die Flasche zersprang in tausend mal tausend kleine Scherben und der Inhalt entleerte sich auf dem kostbaren Perserteppich, doch es interessierte ihn nicht. Er sprang auf und schlug mit der Faust auf den Spiegel ein. Immer und immer wieder nutzte er beide Fäuste, doch an dem Spiegel war kein Kratzer zu sehen.

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Schließlich fiel er auf beide Knie und dann in mitten des Scherbenhaufens. Das Glas schnitt ihm in die Haut, doch es kümmerte ihn nicht. Er nahm den Schmerz kaum wahr. Wie betäubt lag er in dem Scherbenmeer und starrte gerade nach oben. Blut begann aus den Wunden zu quellen und auf den Teppich zu tropfen, doch es kümmerte ihn nicht. Er wollte einfach liegen bleiben. Irgendwann würde er einschlafen und dann nicht mehr aufwachen. Vielleicht würde ihn morgen ein Hauself tot auffinden?

Lucius schloss die Augen und begann sich auf eine ruhige Atmung zu konzentrieren. Das Brennen an seinen Handgelenken und am Hals nahm er nicht mehr bewusst wahr. Er drehte den Kopf zur Seite. Eine Scherbe schnitt ihm in die bleiche Wange und auch da begann das Blut auf den Teppich zu tropfen.

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Der Lucius der Gegenwart klatschte lautlos drei Mal in die Hände und Hermine spürte einen kurzen Stich im Magen. Anhand einer Uhr konnte sie sehen, dass zwei Stunden verstrichen waren. Der jüngere Lucius auf dem Boden rührte sich nicht. Noch immer blickte er starrt an die Decke. Ganz so, als wartete er auf den Tod.

Das Spiegelportrait rührte sich. „Ich weiß, was für einen Schmerz zu jetzt fühlst", begann es leise.

„Woher denn", krächzte der am Boden liegende Mann. „Du hast selbst gesagt, dass du nicht Fühlen kannst."

„Du hast mir oft genug von Schmerz berichtet. Damals, als du deinen ersten Muggel ermordet hast. Weißt du noch, wie du damals zu mir gekommen bist? Auch damals hast du geweint. Du warst gerade 18 Jahre alt."

„Bitte … erinnere mich nicht daran."

„Du wärst damals fast daran verzweifelt und wolltest nur noch sterben. So wie jetzt…"

„Dann lass mich einfach in Ruhe verrecken."

Wieder schwieg der Spiegel. „Warum willst du sterben?"

Der gebrochene Mann hob ungläubig den Kopf. „Warum? Fall du es nicht verstanden hast, mein Sohn wurde ermordet. Meine Frau bestialisch getötet und das, weil ich Schuld auf mich geladen habe."

„Du musst dir vergeben, Lucius, du konntest ihren Tod nicht verhindern."

„Hätte ich damals ‚Nein' gesagt, wäre ich niemals Todesser geworden, dann wäre mein Sohn noch am Leben und Narzissa ebenso", rief der blonde Zauberer aus.

„Wärst du kein Todesser geworden, Lucius, hättest du Narzissa niemals geheiratet", lächelte der Spiegel freundlich. „Auch wenn du jetzt glaubst, diesen Schmerz des Verlustes nicht aushalten zu können, so wird das vorüber gehen. Wirf dein Leben nicht leichtfertig weg. Du bist noch jung. Du kannst so vieles erreichen. Du-"

„Wozu denn? Ich bin ein Todesser. Mir gibt niemand mehr eine Chance. Zuviel Unrecht habe ich getan. Mein Leben hat keinen wirklichen Sinn mehr. Der Lord ist tot. Genauso wie meine Familie. Aufgaben habe ich keine mehr. Was soll ich noch hier?"

Wieder überlegte der Spiegel für einen Moment. „Dann such dir neue Aufgaben. Erkämpfe dir eine zweite Chance. Meister Bazil hat immer gesagt ‚Wer aufgibt hat keine zweite Chance verdient.'"

„Lass mich mit Bazils altklugen Sprüchen in Ruhe."

Es schien als würde der Spiegel aufseufzen. „Es gibt Menschen, die dich brauchen. Denk an sie."

„Mich braucht niemand mehr." Die Stimme des jüngeren Lucius klang gebrochen.

„Severus braucht dich."

„Severus ist tot."

„Nein. Ansonsten hättest du es gespürt. Du hast ihm etwas versprochen. Erinnerst du dich?"

Kraftlos nickte der am Boden liegende Mann.

„Und ein Malfoy bricht sein Versprechen nicht. Nicht wahr?"

Erneutes Nicken.

„Also, mein junger Freund. Steh auf und lass dich von einem Hauselfen versorgen. Und dann mach dich auf die Suche nach Severus."

Langsam stemmte sich der blonde Zauberer hoch und zog zischend die Luft ein, als er sich des Schmerzes bewusst wurde, der seinen Körper erfasste. Er streckte die Hand nach dem Spiegel aus und zog sich am Rahmen auf die Beine. Er wollte loslassen, doch seine Beine gaben nach und er fiel wieder zu Boden. Seine Arme glitten an der kalten Oberfläche des Spiegels entlang und hinterließen eine lange Blutspur.

„Vielleicht…. Hilfe…… Elfe…." Der Spiegel verstummte.

Lucius nahm es nicht wahr. „Purple", rief er röchelnd und brach ohnmächtig zusammen.

Hermine wollte ihm zu Hilfe eilen, doch der Lucius der Gegenwart hielt sie zurück. Er deutete zur Tür und sie sah einen Hauselfen, den gleichen, den sie ein paar Jahre später kennen lernen sollte, auf seinen Herrn zustürzen.

„Komm, mein Herz."

Sekunden später saß Hermine wieder auf dem Sofa in der Gegenwart. Tränen spiegelten sich in ihren Augen wieder. „Oh Luc, es tut mir so leid", rief sie leise und warf sich in seine Arme.

Als sie sich Minuten später von ihm löste war die Tränenspur auf ihrer Wange getrocknet. „Hast du Severus gesucht?"

Lucius nickte. „Ja, aber seine Spur verlor sich in den Highlands. Ich habe ihn nicht gefunden… Aber offensichtlich kam er auch allein zu recht." Er grinste schief. „Lust auf einen Spaziergang um den See?"

Hermine nahm lächelnd seine Hand und nickte. „Aber nur, wenn du mich vorher noch einmal küsst."

„Gern, mein Herz." All seine Trauer und der Schmerz der vergangenen Jahre lag in diesem Kuss….