Dieses Kapitel widme ich dem göttlichen Alan Rickman g Ich sag nur „Oden des Phoenix'"


Kapitel 51 – Der Weg zum Frieden?

Was ich rette, geht zugrund. Was ich segne, muss verderben.
Nur mein Gift macht Dich gesund. Um zu leben musst du sterben.

„Gott ist tot", aus: Tanz der Vampire

Am folgenden Tage schien Hogwarts vom grauen Novembernebel geradezu erdrückt zu werden. Die Peitschende Weide schlug nach allem Möglichen aus was sie berührte. Die Schüler bibberten vor sich hin, da es merklich kälter geworden war. Alles war trist und grau, der Jahreszeit entsprechend. Nur um Lucius und Hermine schien ein bunter Farbring gelegt worden zu sein. Sie strahlten durch sich selbst.

Der werdende Vater hatte das Liebesgeständnis seiner Hexe im ersten Moment gar nicht wahrgenommen, so unvorbereitet hatte es ihn getroffen. Doch als es schließlich in sein Bewusstsein drang, hätte er am liebsten alles hingeworfen, sie gepackt und wäre mit ihr verschwunden. Fern ab von aller Realität. Kein Hogwarts mehr. Kein Alltag. Nichts. Doch das war nicht möglich. Er hatte Shivas Erbe angetreten und war nun gewissen Dingen gegenüber verpflichtet. Den Dingen, die der Minister am vergangenen Abend bereits erwähnt hatte. Von selbigem hatte er am Morgen eine knappe Notiz erhalten.

Sonntag passt mir leider nicht. Schönen Tag, E.G.

Lucius hatte schmunzeln müssen, als er die Nachricht gelesen hatte. Natürlich war ihm klar, dass der Minister nicht genug Mut gehabt hätte, sich ihm erneut zu stellen. Er hatte dessen Werdegang aufmerksam verfolgt. Von seinem Auftrag in Indien, der Begegnung mit Diana Prewett und schließlich dessen Hochzeit. Als die Gelegenheit günstig gewesen war, hatte er dafür gesorgt, dass Graves zurück nach England gerufen wurde. Der Minister war der perfekte Mann für Manipulationen. Er war ehrgeizig und nachlässig genug zugleich, um ihn dahin zu bringen, wo er nützlich war. Dennoch war er nicht mutig genug selbst aktiv zu werden und sich zu wehren. Besonders nicht, wenn Dinge zu Tage kamen, die seiner Karriere alles andere als förderlich waren.

Donnerstags hatte Lucius nur eine Klasse zu unterrichten. Er nutzte die Gelegenheit nach Malfoy Manor zu apparieren und sich mit seinem Kontaktmann zu treffen. Auch wenn er die Situation richtig einzuschätzen glaubte, so war es sicherer, bestimmte Vorkehrungen zu treffen bzw. zu erneuern und den momentanen Gegebenheiten anzupassen. Er hatte Glück gehabt und die richtigen Leute ausgewählt, die im Falle einer Verhinderung die Geschäfte in seinem Namen führten. Jeder war ihm in irgendeiner Art und Weise gegenüber verpflichtet, entweder durch gemeinsame Erlebnisse oder unangenehmen Dingen, von denen niemand anderes erfahren sollte, und alle hatten zuviel Angst vor ihm, da jeder wusste, dass Cesare Borgia ein ‚enger Freund' der Familie war. Niemand kannte diesen Mann persönlich, aber alle zitterten vor Angst ihm aufzufallen. Ein dezent gestreutes Gerücht, am besten mit dem Zusatz ‚Achtung: Geheim', und niemand wagte eine Meuterei.

Freitag erreichte den Schwarzen Fürsten ein kleines Päckchen. Drei Eulen trugen es zu ihm zum Lehrertisch hoch, was natürlich niemandem verborgen blieb. Als er den Absender erkannte überzog ein mehr als zufriedenes Lächeln sein Gesicht. Der Puma hatte die Beute gefressen. Das Päckchen enthielt sämtliche Papiere, die seine vollständige Rehabilitation beinhalteten und selbige zusätzlich unanfechtbar machten, da sie mit der Unterschrift des Vorsitzenden vom Zaubergamot versehen war. Glücklich hatte Hermine ihn vor allen umarmt und geküsst. „Ich freu mich für dich, Luc." Sein Herz quoll förmlich über vor Liebe. Es lief geradezu perfekt. Er hätte die Zeit anhalten können, so glücklich war er.

ooOoo

Der Samstag kam und mit ihm die für den Abend geplante Halloweenfeier. Bereits am Frühstückstisch waren alle in heller Aufruhr, wenn gleich auch wegen verschiedenen Dingen.

Poppy, Pomona und Minerva konnten es kaum erwarten ihre Zauberstäbe zu schwingen und unter Professor Flitwicks Anleitung die Halle in eine gruselige Stimmung zu verzaubern.

„Kann ich euch irgendwie helfen?", fragte Hermine begeistert.

„Nein, Kindchen, du solltest dich hinlegen und dich schonen."

Hermine sah verwirrt zu ihr herüber. „Ich fühle mich nicht krank und die morgendliche Übelkeit scheint auch vorbei zu sein."

Poppy nickte nur abwesend, Pomona forderte auf ihrer anderen Seite ihre volle Aufmerksamkeit. „Komm nächste Woche bei mir vorbei, Kind, dann werden wir genaueres klären."

Fragend sah die junge Hexe ihren blonden Tischnachbarn an. „Weißt du was sie hat?"

Dieser grinste nur und hob unschuldig die Hände. „Ich halte mich aus Poppys Angelegenheit raus. Wie ich bereits festgestellt habe, kann sie da sehr empfindlich reagieren." Er quiekte auf, als sich ihm ein Zauberstab in die Seite bohrte. „Und das zu Recht", fauchte Poppy. „Ich weiß noch, was für ein Chaos beim letzten Mal auf der Krankenstation geherrscht hatte, als mir ein gewisser Zaubereigeschichtslehrer zur Hand gehen wollte."

Funkelnde, graue Augen bohrten sich in Hermines. „Und genau deswegen halte ich mich aus allem raus, mein Herz. Ich will dir gar nicht erzählen, was sie mir alles angedroht hat. Askaban ist dagegen ein Spaziergang."

Gebannt konnte sie den Blick nicht von seinem lösen. „Na, dann muss ich dich wohl an mich ketten, damit Poppy dich mir nicht wegnimmt und zu Skele Wachs verarbeitet."

Er lachte. „Die Handschellen hätte ich oben", scherzte er, was Minerva zum Lachen brachte.

Von Hermines linker Seite kam ein genervtes Schnauben. „Man möchte brechen bei soviel Liebe."

Jeder am Tisch biss sich auf die Lippen. Flitwick verschluckte sich sogar an seinem Toast. Nur Sibyll Trelawney hatte die allgemeine Heiterkeit nicht mitbekommen. „Was hast du denn gegen Liebe, Ssseverus? Soll ich nachher mal für dich in meine Kugel gucken?" Jetzt gab es kein Halten mehr. Das Lehrerkollegium hing geschlossen über den Tellern und die Schüler sahen irritiert zur Empore hinauf. Snape zog ein angewidertes Gesicht und enthielt sich eines Kommentars, wusste er doch, dass Sybill dagegen immun zu sein schien.

„Hermine, wollte heute nicht Charlie kommen?", fragte Lucius, während er ihre Hand hielt.

Dies weckte sofort Minervas Neugierde. „Was, Charlie kommt? Ich wusste nur, dass Neville heute hier auftauchen wollte. Aber Charlie auch? Sag ihm unbedingt, er solle heute Abend zur Feier kommen. Ich möchte ihn gern mal wieder sehen. So ein netter junger Mann. Das richtest du ihm aus, ja Minchen?"

Sie nickte. „Natürlich Minerva." Dann wandte sie sich an Lucius. „Er wollte so gegen drei hier auftauchen."

Der blonde Zauberer hatte sich zurück gelehnt und seinen Freund beobachtet. Er schien tief in Gedanken zu sein. „Ja, natürlich. Viel Spaß", murmelte er.

Hermine war sich sicher, dass er kein Wort verstanden hatte. „Hey, Luc. Ich sagte Charlie wolle um drei hier auftauchen."

Sein Blick klärte sich wieder. „Ich hoffe, es wird ein gutes Gespräch für dich. Soll ich dabei sein?"

Entschlossen schüttelte sie den Kopf. „Nein, das muss ich allein schaffen. Gehen wir danach gemeinsam zur Feier?"

Er nickte. „Komm einfach zu mir in meine Räume, wenn ihr fertig seid. Sollte ich noch nicht wieder da sein, warte auf mich. Wenn du magst, kannst dich auch bei mir im Bad für die Feier zu recht machen. Ich weiß doch, dass du meine Badewanne liebst."

Hermine wurde rot. In eben jener Badewanne hatten sie sich leidenschaftlich geliebt und seitdem verspürte sie immer eine verräterische Nässe zwischen den Schenkeln, wenn sie daran dachte.

„Mein Passwort kennst du ja", fügte Lucius noch hinzu.

Snape stand geräuschvoll auf. „Das ist heute mal wieder nicht zum Aushalten."

„Was hast du vor?", wollte Hermine wissen.

„Später, mein Herz." Lucius Augen folgten Snape. Dann sah er sie an. „Ich liebe dich."

„Und ich liebe dich", lächelte sie.

Lucius strich ihr einmal über die Wange und folgte dann dem dunklen Zaubertränkemeister.

„Sev, warte", rief er in einem leeren Gang.

„Was willst du, Lucius?" Snape war tatsächlich stehen geblieben und drehte sich lauernd zu Lucius um.

Dieser lächelte entwaffnend. „Gehen wir ein paar Schritte?" Auf Snapes Nicken begann er den Gang entlang zu schlendern. „Ich wollte mich bei dir entschuldigen, Sev… Ich hätte nicht so ausrasten dürfen. Aber nach allem was geschehen ist… Ich hatte mich einfach nicht unter Kontrolle. Ich weiß, dass ist kein Grund. Nur eine Erklärung." Er riskierte einen kurzen Blick zu seinem Gegenüber. „Ich liebe Hermine wirklich. Und in dem Moment war ich eifersüchtig auf dich. Als ich euch da so zusammen gesehen habe… Ich hab nur noch rot gesehen. Es tut mir wirklich Leid."

Snape war stehen geblieben und sah seinem Freund forschend in die Augen. Dieser hielt seinem Blick stand und schließlich nickte er. Er hatte keine Lüge oder derartiges entdecken können. Er nickte und ging dann weiter.

Keine drei Sekunden später hatte Lucius aufgeholt. „Ich weiß, dass ich mich unverzeihlich verhalten habe. Ich hätte dich nicht angreifen dürfen. Es tut mir wirklich Leid."

Wieder war Snape stehen geblieben und sah den Mann vor ihm an. Wieder nickte er ein paar Sekunden später, doch diesmal sagte er noch etwas. „Würde ich dich nicht so gut kennen, und wäre unser Schicksal nicht so miteinander verwoben sein, ich würde dich zum Teufel jagen."

„Da bin ich schon", schnaubte Lucius.

„Aber ich kenne dich", fuhr Snape ungerührt fort. „Ich kenne dich besser, als dir lieb ist. Und ich kenne den Grund für dein Verhalten. Ich gebe dir noch eine Chance, Luc. Eine Chance oder wir müssen beide den Preis der Lösung zahlen. Denn sonst, mein Bruder, werden wir beide sterben."

Für jeden Außenstehenden waren dies rätselhafte Wörter, doch Lucius wusste, was Snape meinte. Er nickte. „Du warst schon immer der Klügere von uns beiden", sagte er schließlich lächelnd.

Snape erwiderte es. „Du kannst mich eben nicht in allem übertrumpfen, Luc."

Sie sahen sich an und schließlich war Luc der erste, der zwei Finger an seine Halsschlagader legte, mit der Handfläche zu Snape, und dann zu seinem Herzen fuhr, nur um die Finger seinem Freund entgegenzuhalten. Noch einmal sah der schwarzhaarige Mann seinen blonden Freund an, dann vollendete er die Begrüßung. Als sich ihre Fingerspitzen berührten, merkten beide die altbekannte Magie, die durch ihre beiden Körper floss und sie miteinander verband.

„Wirst du dich an der Dekoration zu beteiligen?", fragte Lucius schließlich.

Er erntete einen missbilligenden Blick. „Ich bin froh, wenn der ganze Quatsch vorbei ist."

„Was hältst du davon, wenn wir uns ganz spontan in Hogsmeade treffen? Heute haben die Schüler doch ihr Wochenende, damit sie nicht im Wege stehen, wenn Minerva und Co zaubern lernen", witzelte Lucius.

Snapes Lippen verzogen sich zu einem Grinsen. „Die älteren Schüler werden bestimmt Feuerwhiskey bei Rosmerta trinken. Eine gute Möglichkeit ihnen Punkte abzuziehen… Lach nicht, das verschafft wirklich gute Laune. Du bist Slytherin. Du bist mein Nachfolger als Hauslehrer, du solltest mein Erbe fortsetzen und die Sache ernster nehmen", fauchte Snape gespielt böse, entspannte sich aber sichtlich.

Lucius lachte und legte dem sonst so gefürchteten Zaubertrankmeister den Arm um die schmalen Schultern. „Treffen wir uns halb drei vorm Schlossportal?"

Snape nickte. Sie fuhren Beide mit den zwei Fingern zu ihrem Herzen und führten sie anschließend zur Stirn. So verabschiedeten sie sich.


Danke:

- sepsis: Danke für dein Review :-)