Kapitel 58 – Halloween

Denn wir merken erst, wie traurig und unangenehm ein trüber Tag ist,
wenn ein einziger, durchdringender Sonnenblick uns
den aufmunternden Glanz einer heitern Stunde darstellt.

Johann Wolfgang von Goethe

Etwas verloren lehnte Hermine an einer Wand. Das Abendessen war mittlerweile vorüber und die Tische standen an den Wänden. Noch eine Stunde, dann mussten die jüngeren Schüler ins Bett. Die Älteren durften ein wenig länger feiern und sogar ein wenig Butterbier trinken. Hermine lächelte, als sie sich an ihr erstes Halloweenfest hier auf Hogwarts erinnerte. Es war ihr, als wäre es erst gestern gewesen.

Sie stand mit ein paar Kollegen zusammen in der Nähe der Empore, auf der sonst die Lehrer saßen und zu Abend aßen. Sie unterhielten sich und lachten. Die Stimmung war gelöst, ein jeder hatte gute Laune. Nur Hermine nicht. Während des Essens hatte sie immer wieder nervös zur Tür gesehen. Die beiden Plätze neben ihr waren leer geblieben. Schließlich hatte sich Professor Flitwick erbarmt und war einen Platz aufgerutscht, um sich mit ihr zu unterhalten. Doch es war ihr unmöglich gewesen, sich richtig zu konzentrieren. Andauernd hatten sich Gedanken in ihrem Hirn festgesetzt, die sie sehr beunruhigten. Warum waren Snape und Lucius nicht zum Abendessen erschienen?

In diesem Moment trat Minerva zu der kleinen Gruppe. Sie hatte sich um eine dringende Angelegenheit kümmern müssen und war nach dem Essen direkt verschwunden. Sie wandte sich an Hermine. „Weißt du wo Severus und Lucius sind?"

Hermine schüttelte den Kopf. „Ich habe keine Ahnung. Ich weiß nur, dass Professor Snape und Luc nach Hogsmeade wollten."

„Komisch." Die Direktorin legte ihre Stirn in Falten. „Wären sie aufgehalten worden, hätten sie Bescheid gegeben." Sie fragte die anderen Kollegen, doch niemand konnte ihr helfen. Sie alle zuckten die Schultern oder schüttelten verneinend den Kopf.

Sorge kroch in Hermine hoch. Sie sah Lucius in Gedanken irgendwo tot liegen. Snape stand mit erhobenem Zauberstab daneben und lachte wirr. „Das hast du nicht anders verdient, Luc. Ich hasse dich, oh ich hasse dich so sehr…" Hermine schluckte und schüttelte den Kopf. Im nächsten Moment sah sie Lucius und Snape nebeneinander auf dem Boden liegen. Snape kroch auf Lucius zu und nahm seine Hand. Zitternd und mit dem letzten Vorrat an Kraft küsste er den blonden Zauberer. „Ich liebe dich, Luc." Wieder schüttelte Hermine energisch den Kopf. Sie wollte sich nicht verrückt machen. Das würde ihr und dem Baby schaden.

Das Baby. Sie legte eine Hand auf ihren Bauch und lächelte. Mittlerweile war sie sich absolut sicher, dass sich Lucius freuen würde. Ob es wohl ein Junge oder ein Mädchen werden würde?

Minerva hatte Hermine die ganze Zeit beobachtet. Langsam trat sie auf die junge Freundin zu und berührte sie sanft am Arm. „Ist mit dir alles in Ordnung, Hermine?"

Für einen Moment sah Hermine verwirrt aus. Sie war so in ihren Träumereien versunken gewesen, dass sie nicht bemerkt hatte, wie ihre alte Freundin sie angesprochen hatte. Sie lächelte. „Mir geht es gut, Minerva."

Diese nickte. „Möchtest du mich zu den Getränken begleiten?"

Hermine nickte. „Aber für mich nur Kürbissaft, bitte. Alkohol ist für mich in nächster Zeit verboten", grinste sie.

Minerva hatte natürlich schon längst daran gedacht, dass Hermine schwanger sein konnte. „Meinen herzlichsten Glückwunsch", strahlte sie Hermine an. „Was sagt denn der werdende Vater dazu?"

„Der weiß noch gar nichts von seinem Glück. Ich möchte es ihm heute Abend sagen. Bestimmt haben er und Professor Snape sich verquatscht. Ich bin schon wahnsinnig gespannt auf seine Reaktion. Ich hoffe er freut sich." Hermine war aufgeregt. Immer und immer wieder fuhr sie sich mit der Hand über den flachen Bauch, um ja nicht die ersten Bewegungen des neuen Erdenbürgers zu verpassen.

„Du solltest dich aber unbedingt mit Poppy unterhalten. Sie kann dir bestimmt wertvolle Tipps geben, die die deine Schwangerschaft erleichtern und die garantieren, dass das Kind gesund auf die Welt kommt. Hast du dir schon einen Namen überlegt? Wer soll Pate werden? Oh ich freu mich so für dich."

Hermine starrte ihre Freundin verblüfft an, als diese sie übermütig in die Arme schloss. „Das … das ist toll. Danke Minerva", stammelte sie. „Also, einen Namen habe ich mir noch nicht überlegt. Ich wollte ihn gemeinsam mit Luc aussuchen. Aber mir schweben da schon einige im Kopf herum. Ganz Normale wie Susann oder Christopher. Aber auch Exotische könnten mir gefallen. Aber ich will das wirklich erstmal mit Luc absprechen…. Und Pate? Ich weiß nicht. Ich hatte ja immer gedacht, ich würde Harry fragen, aber das ist im Moment vielleicht nicht so günstig." Hermine zuckte mit den Schultern. „Uns wird da bestimmt etwas einfallen."

„Dessen bin ich mir sicher", nickte Minerva. „Willst du es den Anderen schon sagen?"

Hermine verneinte. „Ich denke, der Papa hat das Recht, so schnell wie möglich davon zu erfahren."

Dennoch schlenderten sie wieder zu ihren Kollegen. Und während Sie alle ab und zu Blicke zu den Schülern warfen, um zu kontrollieren, dass diese sich anständig benahmen, schnatterten die Lehrer aufgeregt. Hermine begann Kopfschmerzen zu bekommen.

Gerade wollte sie sich auf einen Stuhl setzen, als in ihrer unmittelbaren Nähe eine Schülerin aus Slytherin zusammenbrach. Mit schnellen Schritten war sie bei ihr. „Was ist passiert?"

„Ich weiß nicht, plötzlich ist sie ohnmächtig geworden", rief ihre Freundin.

„Poppy, POPPY", schrie Hermine und die Medihexe kam sofort angerannt.

Es war sehr still in der großen Halle geworden. Hermine bemerkte es erst jetzt. Sie sah stand auf und drehte sich langsam um. In der imposanten Tür stand ein Mann und starre mit kritischem Blick in die Runde.


Anmerkung:

Es ist heute ein sehr kurzes Kapitel, ich weiß. Aber wie schon beim Cesare-Chap ist es jetzt logisch hie aufzuhören.

Ich bin gebeten worden, kurz zu erzählen, worum es im jeweils nächsten Kapitel gehen wird. Ich habe im Letzten damit angefangen, es aber schließlich wegeditiert, als ich gemerkt habe, dass ich mich nicht an meine Planung halte g

Ihr werdet also ins kalte Wasser springen müssen.