Kapitel 59 – Am Ende des Weges, Drama 2. Akt 2. Aufzug
Kein Weg zurück.
Das weiße Licht
kommt näher, Stück für Stück
Will mich ergeben -
Muss ich denn
sterben, um zu leben?
„Out of the Dark",
von: Falco
Während in der Großen Halle das Abendessen serviert worden war, sprang MacNair mit einem exaltierten Gelächter auf seine Füße und klatschte fast schon frenetisch in die Hände. „Endlich! ENDLICH!", schrie er und griff nach seinem Zauberstab. Ein paar Sekunden später und die Glasplatte war verschwunden. Snapes regloser Körper trieb nach oben. Seine pechschwarzen Haare schwammen wie ein Fächer um seinen Kopf, der in den wild aufgeschäumten Wellen hin und her wog. Der schwere Umhang hatte sich voll Wasser gezogen und drohte, den Körper in die Tiefen zu reißen.
MacNair stand regelrecht glücklich daneben und grinste ungeniert von einem Ohr zum nächsten. Als der Körper des toten Snapes restlos unterzugehen drohte und sich die Wände bedrohlich nah herangerückt hatten, richtete er seinen Zauberstab auf das Opfer und nach einem heiser erregt geflüstertem „Mobilcorpus", ließ der Todesser seinen Widersache aus dem Wasserloch schweben. Unsanft krachte der Körper zu Boden.
Das Wasser schäumte ein letztes Mal auf. Es peitschte geradezu zwischen dem so rasant kleiner gewordenen Spalt und schließlich schloss sich dieser und begrub das gurgelnde, wütend zischende Nass.
Befriedigt drehte sich MacNair zu dem großen, leblosen Körper um. Er begann vor Aufregung von einem Bein aufs nächste zu hüpfen. „Dreizehn dumme Ordensleute hauten Papa tot. Den Ersten hat es bös erwischt, da waren's nur noch zwölf", sang er. „Zwölf dumme Ordensleute hatten kein' Respekt. Der Zweite kam nicht schnell davon, da waren's nur noch elf." Er kicherte über seine holprigen lyrischen Gehversuche. „Elf dumme Ordensleute war'n nicht schlau genug, der Dritte trank zuviel vom Loch, da waren's nur noch zehn."
Begeistert klatschte MacNair in die Hände und näherte sich Snape. „Ein Verräter entkommt niemals", keuchte er heiser und trat seinem Opfer brutal in die Seite.
Jener hatte in dem Loch schnell erkannt, dass es keine Rettung für ihn gab. Er hatte nur noch einen Versuch gehabt und musste alles auf eine Karte setzen. Er kannte MacNair. Er kannte ihn gut genug, um sagen zu können, dass dieser seinen Triumph auskosten würde. Er war sich sicher gewesen, dass MacNair ihn rausholen würde, sobald er von seinem Tod überzeugt war. Mit letzter Kraft hatte er sich konzentriert. All seine Kraft bündelte er in einem letzten Spruch. Entweder dieser misslang und er starb qualvoll, oder er glückte und MacNair reagierte nicht wie gehofft. Dann hätte er ebenfalls einen schmerzhaften Tod. Er hatte sich locker gemacht und all seine Liebe zu Hermine in diesen letzten Spruch gelegt. „Simuletum", hatte er in Gedanken geflüstert. Das Leben war aus ihm heraus geglitten und er sackte zusammen. Sein Bewusstsein schaltete sich am, erlösende Schwärze durchflutete seinen Geist.
Als der Todesser ihn brutal in den Magen trat, war es wie ein Stromschlag, der den schwarzmagischen Fluch trag und zum zerbersten brachte. Sein Herz fing langsam wieder an zu schlagen. Sein Bewusstsein konzentrierte sich allmählich wieder zu einem Ganzen und seine Wahrnehmung begann schleichend ihre Arbeit wieder aufzunehmen.
Der Tritt verursachte ihm keine Schmerzen, zu taub war sein Körper. Er musste sich darauf konzentrieren, seine Körperfunktion auf ein Minimum zurückzufahren, um den Glauben an seinen Tod nicht durch leichtsinnige Fehler zu zerstören. Sollte er jetzt offenbaren, dass er alles andere als tot war, so hatte er keinerlei Chancen zu entkommen. Sein Körper war zu geschwächt, um noch irgendetwas an Magie loszulassen. Er musste abwarten und bei der nächsten Gelegenheit einen Patronus zum Schloss schicken.
„Du bist eine kleine Ratte, Snape", flüsterte Walden aggressiv. Ein widerliches kleines Nagetier, dass sich an der Brust unseres geliebten Lords festgesaugt hatte."
‚Natter, nicht Ratte', widersprach der bewusstlose Mann. Er wusste, er musste sich auf solche Kleinigkeiten konzentrieren, ansonsten würde ihn sein Körper verraten. ‚Nicht provozieren lassen', dachte er. Nun kam ihm seine langjährige Erfahrung als Todesser zugute. ‚Erfahrung', dachte zynisch.
„Ratten verdienen den Tod. Sie sind Ungeziefer. Genau wie du Snape." MacNair spuckte auf den reglosen Körper unter ihm. „Wenn ich dich nur ansehe wird mir schon schlecht. Ich könnte kotzen bei dem Gedanken, dass dir unser geliebter Lord immer wieder vertraut hat. Selbst Malfoy hat dir vertraut. Was hast du dafür getan? Hast du dich ficken lassen? Aber ich… ich habe dir niemals vertraut. Ich nicht. Ich wusste von Anfang an, was du für einer bist. Ich weiß nicht wieso der Dunkle Lord so von dir angetan war. Ich weiß nicht, womit du ihn immer und immer wieder überzeugen konntest. Schade, dass du es mir jetzt nicht mehr erzählen wirst."
Jener staunte ob dieser ungewöhnlich langen Rede von MacNair. Aber was war anders zu erraten gewesen? Er schalt sich im Geheimen, dass er diese Gefahr unterschätzt hatte. Niemand hatte MacNair oder Bella jemals gefunden. Er hätte es wissen müssen.
„Weiß du was ich jetzt mit deiner Leiche machen werde?", kicherte MacNair und öffnete langsam und genüsslich seine Hose. „Ich werde jetzt etwas tun, was ich schon lange machen wollte." MacNair kniete sich hin und drückte zwei Finger in den Kiefer des unten liegenden Mannes. Zielsicher fand er sie zwei Punkte, die den Kiefer fast automatisch aufdrücken ließen. Die Leichenstarre hatte schließlich noch nicht begonnen. Wieder stellte er sich hin, hob seinen schmierigen Schwanz aus der Hose und begann zu urinieren. Dabei versuchte er immer wieder den offen stehenden Mund des toten Snapes zu treffen.
Dieser hatte geahnt, was auf ihn zukam. Er kannte MacNairs Vorlieben, zu oft hatte er sich an dessen Seite befunden, allerdings stehend. Er versuchte seinen Brechreiz wegzuatmen und nur ein winzig kleines Zucken seines Mundwinkels verriet seine Abscheu, als ihn diese warme, abstoßende Flüssigkeit traf und einen salzigen Geschmack auf seiner Zunge zurück ließ.
Es war dunkel, so dass der Wahnsinnige dieses Zucken nicht wahrnahm. Aber wahrscheinlich hätte er es auch im Tageslicht übersehen, so aufgeregt war er. Er blickte zum Schloss. „Ob dich wohl jemand vermissen wird? Bestimmt nicht. Die werden froh sein, dich endlich vom Hals zu haben." Einen Zauberstabschlenker später und ein paar Fackeln steckten in einem weitläufigen Kreis um die vermeintliche Leiche im Rasen. Sie vermittelten den Eindruck einer Hinrichtung. Der Leichnam in der Mitte machte Glauben, er sei Opfer einer Hinrichtung geworden Durch das Wasser schien seine Kleidung aufgequollen zu sein. Der Umhang hatte sich von ihm gerissen und lag ein paar Meter weiter. Auch er war voll Wasser und aufgrund der Kälte schon ganz klamm. Sollte nicht bald ein Wunder geschehen, wäre er dem Erfrierungstod zu nahe. Ein zweites Mal würde er dem Sensemann nicht von der Schippe springen können.
„Außer Malfoy mochte dich niemand, Snape. Wir haben dich alle gehasst. Du besserwisserischer kleiner Scheißer warst und allen im Wege. Nur deinem Freund und dem Schutz des Dunklen Lords hast du es zu verdanken, dass ich dich erst heute erwischt habe."
MacNair trat näher. „Igitt. Du siehst ekelhaft aus. Wer hat dir denn ins Gesicht gepisst? Schade, dass du mir seinen Namen nicht mehr verraten kannst, zu gern würde ich ihm gratulieren." Er lachte hohl. „Pfui, du stinkst. Dass ist ja nicht zum aushalten. Was soll Bella denn von dir halten, wenn sie gleich kommt?" Er tippte sich nachdenklich mit dem Zeigefinger ans Kinn. „Ich weiß was. Ich verpacke dich zu einem Geschenk und überreiche es ihr dann. Oh, sie wird so stolz auf mich sein. Ich werde ihr Erster, ihr Bester." Mit dem Zauberstab zielte er auf den schwarzen Mantel, der noch immer neben der angeblichen Leiche lag und ließ ihn auf den Mann sinken. Es waren nur noch die Beine zu sehen, die in schwarzen Hosen und ebensolchen Schuhen steckten.
„Jetzt brauche ich deine ekelerregende, hässliche, bepisste Visage nicht mehr zu ertragen." MacNair grunzte. Nach jeder Folter verspürte er eine gewisse sexuelle Erregung. Er musste wohl einen kleinen Abstecher in die Nokturngasse unternehmen….
Rasch krempelte er seinen Ärmel hoch und berührte mit dem Zauberstab auf das verblasste Todessermal. Bella hatte vor kurzer Zeit einen ehemaligen Mitschüler aufgespürt, der den besten Abschluss seines Jahrgangs gemacht hatte. Mit einem Imperius hatte er das Mal so modifiziert, dass der einzelne Todesser jeweils einen bestimmten Mann oder eine bestimmte Frau rufen konnte, ohne dass alle anderen davon Zeuge wurden.
„Freu dich, Snape, gleich kommt die gute Bella. Oh, sie wird sich freuen, dich wieder zu sehen. Darauf kannst du Gift nehmen… Ah, du bist ja schon tot", kicherte der Todesser über seinen eigenen. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so einfach sei, dich zur Strecke zu bringen. Dumm gelaufen, nicht wahr Snape? Was vergisst du auch deinen Zauberstab. Man könnte glatt meinen, du wärst senil geworden. Wirklich, es ist kaum zu glauben, was für eine leichte Beute du warst. Es war eigentlich langweilig. Ich liebe es meine Opfer zu jagen, aber wie kannst du ohne Beine fortlaufen?" Wieder gackerte er „Wo bleibt nur Bella?"
MacNair krempelte seinen Ärmel erneut hoch und trat näher an eine Fackel um sein Todessermal zu betrachten. Hatte er etwas falsch gemacht? Den falschen Spruch gemurmelt? Konnte Bella ihn nicht gespürt haben? Eigentlich war das ein Ding der Unmöglichkeit, aber man konnte nie wissen. Er beugte sich mit seinem Unterarm zu einer der Fackeln hinab und wahrscheinlich war dies einer der berühmten Zufälle, die das Leben manchmal bereithielt. Der Körper, der unter dem Mantel verborgen lag, zuckte auf eine Art und Weise, die selbst Walden MacNair nicht verborgen geblieben wäre. Doch dieser hatte sich auf das Dunkle Mal konzentriert und berührte es erneut mit seinem Zauberstab.
Der am Boden liegende Mann konnte nicht wissen, dass MacNairs Aufmerksamkeit gerade nicht auf ihn gerichtet gewesen war. Stumm betete er, dass sein Peiniger dieses Zucken, welches er nicht unter Kontrolle gehabt hatte, übersehen hatte. Aber scheinbar war ihm das Glück hold, der Mantel wurde nicht weggerissen. Er brauchte andere Gedanken. Sein Körper war ganz leicht am beben. Die Dunkelheit und der sanfte Wind konnten darüber hinwegtäuschen, dass er noch lebte. Aber er konnte die Kälte nicht aus seinen Gliedern vertreiben. ‚Verdammt', fluchte er. ‚Lange halte ich das nicht mehr aus.' Er versuchte einen Zauberspruch, doch seine Finger waren zu starr vor Kälte.
MacNair sah sich einmal um, doch seine Gefährtin war nirgends zu sehen. Auch er fluchte. Dann wandte er seine Aufmerksamkeit wieder seinem Opfer zu. „Warum hast du nur die Seiten gewechselt, Snape? Du hättest sehr mächtig werden können. Unser geliebter Lord hat dir vertraut. Er hat dich gefördert. Und nur, weil du damals nicht sofort zurückgekehrt bist, hat er Malfoy als Nachfolger auserkoren. Bis zur Weltmeisterschaft warst du sein Liebling gewesen. Warum auch immer", spie er aus. „Doch dank deines Zögerns war Malfoy die unglaubliche Ehre zuteil geworden,ihm nahe sein zu dürfen. Aber es war besser so. Er war einfach perfekt. Bella hat versucht an unseren gemeinsamen Freund heranzukommen, doch sie hatte keine Chance. Schade, dass du ihm nicht ausrichten kannst, dass wir uns gern mal mit ihm unterhalten würden. Besonders über das Schlammblut, was er überall als sein Besitz vorführt. Wir konnte er nur? Weißt du warum er das tut? Er hasst Schlammblüter. Wahrscheinlich steckt ein genialer Plan dahinter. Zu bedauerlich, dass du nicht mehr lebst. Du hättest ihm was von uns ausrichten können."
Ein kaum hörbares Surren erfüllte die Luft und Sekunden später tauchte eine schlanke Frau mit wirrem schwarzem Haar unmittelbar neben MacNair auf. „Was willst du, Walden? Ich war gerade dabei, ein Bad zu nehmen", zischte sie ungehalten. „Und du weißt, dass ich nicht mag, wenn man mich vom Baden abhält. Ich hoffe, du hast eine verdammt gute Entschuldigung."
„Oh, ja, die habe ich", frohlockte MacNair. „Du wist mir dankbar die Füße küssen."
„Übertreib nicht", fauchte sie. „Was für eine Entschuldigung. Los, sag schon."
Er lächelte geheimnisvoll. „Was würdest du sagen, wenn ich jemanden erledigt habe, den du schon lange tot sehen wolltest?" Ein verräterisches Glitzern funkelte in seinen Augen.
„Wer?", hauchte Bellatrix Lestrange heiser. Ihre Augen hatten sich geweitet, ihr Körper bebte vor unterdrückter Erregung. „Sag es mir", beschwor sie ihn. „Sag mir dass du ihn erwischt hast."
„Lachte rau. Wenn du mit ihn die kleine Kanalratte meinst…. Ja…" Da ‚Ja' erklang lang gezogen und unheimlich.
Bella kreischte vor Begeisterung auf. „Wo? Wo ist er? Sag es mit. Ich will ihn sehen, ich will ihm das Fleisch vom Körper ziehen. Ich will ihm endlich all das heimzahlen, was er uns angetan hat. Ich rieche Rache, fürchterliche Rache." Ihr Lachen hatte einen wahnsinnigen „Zulange warte ich auf diese Gelegenheit. Endlich ist sie da. Los, sag mir wo er ist."
MacNair zeigte auf den Körper, der mitten im Fackelkreis lag. „Nur für dich liebste Bella. Ein kleines Geschenk als Zeichen meiner Treue und Loyalität", gackerte er.
Der Mann, der die Kälte in seinen Gliedern kaum noch verbergen konnte, kniff nervös die Augen zusammen. Wenn Bellatrix näher kommen sollte… Aber vielleicht wäre er bis dahin erfroren. Er biss sich auf die Lippen und versuchte mental eine Bindung zu seinem Bruder im Schloss aufzubauen. Er musste ihn erreichen, er musste. Es war seine letzte Chance.
Mit grazilen Bewegungen glitt Bella auf ihr ‚Geschenk' zu. Sie wollte endlich den Kopf von Snape in der Hand haben. Sie war so auf diesen Gedanken fixiert, dass sie über einen weiteren, leblosen Körper stolperte. MacNair konnte sie gerade noch vor einem Sturz bewahren. „Verdammt", schrie sie auf. „Wer ist das?" Als sie näher an die Leiche heran trat, erkannte sie den zweitältesten Sohn von Molly und Arthur Weasley. „Bei Merlin, Walden, was macht dieser Bengel hier?"
Der Todesser zuckte mit den Schultern. „Er war zufällig im Weg. Mir blieb nichts anderes über, als ihn zu töten."
„Erzähl mir, was geschehen ist", fauchte sie ungeduldig.
„Ich bin ins Dorf runter, weil ich Lauren, du weißt schon meine Nichte, treffen wollte. Ich wollte von ihr ein Haar für den Vielsafttrank und dann ins Schloss." Er hielt inne, um Luft zu holen, doch Bellatrix drängelte ihn endlich weiter zu sprechen. „Ich wollte eigentlich an Malfoys Schlammblut. Wenn wir sie hätten, wäre er endlich bereit uns zuzuhören."
Bellatrix rollte mit ihren Augen. „Wie blöd kann man eigentlich sein? Glaubst du ernsthaft, man kann in einer Stunde in das Schloss spazieren, sich diese Schlampe krallen und einfach wieder rausgehen? Walden, überlass das Denken lieber mir."
Er war ihr einen bösen Blick zu. „Naja, auf jeden Fall hatte ich mich mit meiner Nichte unterhalten und ihr tatsächlich ein Haar entnehmen können. Ich habe sie zum Schloss hoch geschickt, als Malfoy und Snape an uns vorbei gingen. Sie waren so in ihrem Gespräch vertieft, dass sie mich nicht bemerkt hatten. Es war eine günstige Gelegenheit."
„Komm zu Sache."
„Ja, gleich. Also hab ich mich hinter ein paar Kisten versteckt und den Eingang zu den ‚Drei Besen' im Auge behalten. Snape musste ja irgendwann rauskommen. Tat er auch. Er war in Begleitung von Weasley, Longbottom und Malfoy."
„Longbottom auch?", warf Bella interessiert ein.
„JA, aber das ist jetzt nicht so wichtig. Lucius und Longbottom gingen zurück zum Schloss. Weasley und Snape dagegen blieben noch an dieser Stelle, um wohl etwas Persönliches zu besprechen. Ich hatte mich ja bereits im Dorf verwandelt, so konnte ich unerkannt zu ihnen gehen. Man, der Weasley war vielleicht dumm. Er hat seinen Zauberstab in seiner Tasche gehabt. Es war für mich ein Leichtes, ihm diesen zu klauen. Snape war heute wohl nicht gut drauf. Er hatte seinen Zauberstab erst gar nicht dabei. Dieser Idiot. Hat praktisch kaum Spaß gemacht ihn zu killen."
„Was?", fragte Bellatrix.
„Es hat kaum Spaß gemacht, ihn umzubringen", wiederholte MacNair stolz.
„Nein, nein, davor."
„Er hatte seinen Zauberstab nicht dabei."
„Warum, zur Hölle, hatte er seinen Zauberstab nicht dabei?"
MacNair zuckte mit den Schultern. „Woher soll ich das wissen? Ich stecke, zum Glück, nicht in seinem schmierigen Kopf drin."
„Wäre aber nicht schlecht, wenn du seine Intelligenz hättest", murmelte Bella.
„Hä?"
„Nicht so wichtig. Und weiter?"
Stolz schwoll die Brust des dunklen Mannes an. „Dann habe ich das Weasleybalg mit seinem eigenen Zauberstab getötet."
„DU HAST WAS?", kreischte Bella hysterisch auf.
„Ich habe-"
„ICH HABE GEHÖRT, WAS DU GESAGT HAST", schrie Bellatrix und hob die Hand, um ihn zu schlagen. „Verdammt, MacNair, warum hast du das getan?"
Er sah sie verwirrt an. „Bella, was… Ich…", stammelte er.
„Ja, hast du denn überhaupt kein Hirn?", sie wurde zornig. „Verdammt, wir haben diesen Trick schon bei dem Zwillingrest angewandt und-"
„Ja, eben. Das war doch perfekt. Alle glauben, dass der die Dufflies umgebracht hat."
Bella zitterte. Sie musste sich beherrschen, um ihrem Gegenüber nicht anzuspringen und ihn zu erwürgen. „Eben, das hatten wir aber schon. Glaubst du, die lassen sich noch einmal hinters Licht führen? Wenn wir jetzt wieder damit ankommen, überzeugt das absolut niemanden. Im Gegenteil, es werden nur noch mehr Fragen aufgeworfen werden und sie könnten auf uns aufmerksam werden. Verdammt, MacNair, wenn alles ruiniert wird, dann ist das nur deine Schuld. Zweimal den gleichen Trick anwenden", sie schüttelte den Kopf, „wie kann man nur so dumm sein? Wir werden auffliegen!"
„Aber-"
Das Opfer kämpfte mit der Bewusstlosigkeit. Er hatte keine Hoffnung mehr. Ganz langsam streckte er die Hand aus und schob sie, an der von den beiden Todessern abgewandten Seite, vorsichtig unter dem Umhang hervor. „Expecto subsidium", murmelte er fast lautlos und etwas schwaches Schwarzes löste sich aus seinen Fingerspitzen. Es sah aus wie Rauch…
„Verdammt, kein aber, lass mich nachdenken." Sie fuhr sich mit den Fingern über die Schläfe. „Ja… So… Nein… Das ist gut", murmelte sie. „Ich hab einen Plan. Er steht zwar auf sehr wackeligen Beinen, aber für einen anderen haben wir keine Zeit mehr." Sie nahm Charlies Zauberstab aus MacNairs Händen und sprach ein paar harmlose Angriffsflüche auf ein paar Bäume. Als sie glaubte, genug gehabt zu haben. Nahm sie ihren eigenen und ließ Charlies Leichnam so arrangieren, dass es aussah, als wären die beiden Männer im Duell gestorben. „Gut, Weasley trifft auf den Verräter. Die beiden geraten in Streit, Charlie greift Snape an. Das wird jeder glauben, weil er durch den Tod seines Bruders noch belastet ist und jeder Snapes provokanter Art kenn. Snape bringt ihn schließlich um, wird aber von Charlies letztem Fluch getroffen, stolpert und bricht sich das Genick an einem Stein…. Wie gesagt, der Plan ist dünn, aber einen besseren Haben wir nicht." Sie drehte sich zu ihrem ‚Geschenk' um und ein wirres Lächeln breitete sich auf ihren Lippen aus. „Es wird mir eine Freunde sein, dich ein wenig zu präparieren, Snape", lachte sie heiser.
Der Mann hörte die Schritte, die sich langsam näherten, nur noch im Unterbewusstsein. Schon länger hatte er seine Wahrnehmung verloren und war schließlich in einen komatösen Zustand gefallen. Die Kälte hatte sein Herz erreicht und er konnte sich kaum noch auf sie konzentrieren. Die Kälte kroch unerbittlich durch die Glieder seines müden Körpers und langsam hatte er keine Kraft mehr zu kämpfen. Seine Liebe zu Hermine hatte ihn weiter aushalten lassen, doch irgendwann war sein Körper am Ende. Er konnte einfach nicht mehr.
Sein Herz hörte nicht einfach von jetzt auf gleich auf zu schlagen. Es nahm von selbst einen immer träger werdenden Takt an. Es würde nicht mehr lange dauern und es hörte auf zu schlagen. Der letzte bewusste Gedanke galt Hermine, dann fiel sein Kopf zur Seite und sein Körper wartete langsam auf den Tod.
Er spürte nicht mehr, wie Bella den Mantel zurückschlug und erstarrte….
ooOoo
Nachdem er sich umgezogen und frisch gemacht hatte, schlenderte er gemächlich in Richtung Große Halle. Das Abendessen dürfte er wohl verpasst haben, doch er bedauerte es nicht. Irgendeine Ausrede würde ihm schon einfallen.
Er fuhr sich über die Haare und erstarrte. Eine plötzliche innere Unruhe machte sich in ihm breit. ‚Das kann nicht sein', dachte er und zog sich in den Schatten einer großen Statue zurück. Er nahm seinen Zauberstab und zielte auf sich selbst. „Revocao", murmelte er und beschwor einen Spiegel herauf. Nach einem prüfenden Blick nickte er und beeilte sich in die Große Halle zu kommen. Mit einem Schwung öffnete er die Tür und sah, wie sämtliche Schüler und Kollegen erstarrten, als sie ihn sahen. Hastig ließ er den Blick über die Menschen vor ihm schweifen.
Ein Aufkeuchen lenkte seine Aufmerksamkeit auf eine junge Frau, die nach einem heiser geflüsterten „Na endlich" auf ihn zu eilte….
Hermine ignorierte die Schüler und vergaß die Anwesenheit ihrer Kollegen. Im Moment zählte nur der Mann, der noch immer in der großen Tür stand und sie mit einem fassungslosen, aber auch besorgten Blick ansah. In diesem Moment war ihr alles egal. Die Vergangenheit existierte nicht, die Gegenwart war ausgeblendet. Zurzeit war nur ihr ungutes Gefühl wichtig und die Sorge um ihren Geliebten.
Als sie den Mann vor sich erreicht hatte, packte sie ihn am Arm und krallte sich in den Stoff der schwarzen Robe. „Na endlich", wiederholte sie hektisch. „Wo ist Luc."
Snape starrte ungläubig auf sie herab. „Ich weiß es nicht…"
Begriffe:
-
Papa: Voldemort
-
simuletum, lat.: simulare täuschen; letum Tod
-
Dufflies: Dursleys
-
revocao, lat. revovare zurückrufen
Anmerkung:
Eigentlich
wollte ich ja nach Bellas Erstarrung aufhören, aber ich glaube,
ihr hättet mir dann den Hals umgedreht, oder?
Danke
an:
-
Sepsis: Danke fürs Rev. Zwinker.
