Kapitel 71 – Die ersten Zweifel
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Die
Macht ist bösartig und unersättlich - erst stumpft sie uns
ab gegen das Leid
anderer
Menschen und dann macht sie uns süchtig danach, denn nur das
Leiden anderer
verleiht
uns die Gewissheit, das unsere Macht über Sie ungebrochen ist.
Sunzi
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Am nächsten Morgen quälte sich Hermine aus dem Bett und schlurfte zum Spiegel. Sie war in der Nacht noch einmal wach geworden und hatte sich einen von Lucius' seidenen Pyjamas angezogen. Er war natürlich dunkelgrün. Lucius war eben ein Slytherin durch und durch.
Vor dem Spiegel erlebte sie den nächsten Schock. Dicke Augenringe, eine Blässe, die Snape Konkurrenz machte, die Haare fettig und strubbelig. Ihr blieb nichts andere übrig, als zu duschen. Merlin sei Dank gab es neben der pompösen Wanne auch eine Dusche mit goldener Armatur. Hermine kicherte. Natürlich waren die Griffe nicht wirklich vergoldet. Es war eine Illusion, aber eine sehr gute. Dennoch genoss sie das warme Wasser, das Sekunden später aus den zwei Hähnen strömte und ihren Körper sanft umhüllte.
Kleidung zum Wechseln brauchte sie nicht. Während der vergangenen Wochen waren immer mehr und mehr Kleider, Hosen, Röcke und Blusen in Lucius' unerschöpflichen Kleiderschrank gewandert. Die Hauselfen brachten die gereinigten Sachen mittlerweile direkt in seine Räumlichkeiten. Hermine hatte es gar nicht bemerkt. Erst jetzt fiel ihr auf, dass sie schon fast bei ihm wohnte.
Als sie schließlich einigermaßen wach war und sich korrekt angezogen hatte, reckte und streckte sie sich noch einmal und ging dann ins Wohnzimmer. Der Spiegel war ebenfalls wach und lächelte ihr fröhlich entgegen. „Guten morgen, kleine Lady", begrüßte er sie und Hermine stöhnte gequält auf. „Nicht so viel gute Laune am frühen Morgen, bitte." Sie hörte ihn noch perlend lachen, dann war sie durch die Tür getreten und ging durch die Gänge zur Großen Halle.
Minerva saß bereits am Tisch und strahlte ihr förmlich entgegen. „Hermine!", rief sie. „Schön, dass du da bist, komm rutsch einen auf." Normalerweise saß Lucius zwischen der Direktorin und ihr, aber nun blieb sein Platz natürlich leer. Zuerst hatte die junge Lehrerin ein mulmiges Gefühl. Es kam ihr nicht richtig vor, sich einfach auf den Platz ihres Geliebten zu setzen, doch Minerva wollte davon nichts wissen. „Komm her, setzt dich."
Am liebsten hätte sie in Lucius' Wohnung gefrühstückt, aber sie wollte sich nicht noch länger zurückziehen. Außerdem hatte Minerva sie mehr oder weniger zum Erscheinen in der Großen Halle verdonnert. Und eben jene begann sie nun voll zu plappern. Was hätte sie nun dafür gegeben, mit Snape, nein Severus, zu tauschen. Er hätte keinerlei Skrupel gehabt, die Direktorin aufzufordern, sich mit wem anders zu unterhalten. Aber Hermine brachte das nicht übers Herz. Sie wusste, Minerva meinte es nur gut und wollte sie von ihrem Schmerz ablenken.
Die junge Hexe gab einsilbige Antworten und verabschiedete sich früh von den Lehrern. Sie hatte noch eine halbe Stunde bis Unterrichtsbeginn und sie wollte noch schnell im Krankenflügel vorbeisehen. Also erklomm sie geschwind die Stufen, die zur Station führten, und saß bereits zwei Minuten später auf der Bettkante des Patienten.
Poppy, die gerade zu dem Lehrer wollte, hielt inne. Sie sah, wie Hermine seine Hand nahm und zu streicheln begann. Tränen hatten sich in den Augen der jungen Hexe gebildet und verzweifelt flüsterte sie Lucius etwas zu. Diese Szene rührte die erfahrende Krankenschwester. Sie lehnte sich an die Wand und dachte an ihre eigene, verstorbene Liebe zurück. Heribert, ein Deutscher, war ihr erster und einziger Mann gewesen. Sie hatten sich geliebt, doch er war viel zu früh verstorben. Resolut verbat sie sich weitere Gedanken und trat leise, aber nicht geräuschlos auf die beiden vor ihr zu. Hermine sollte sich nicht erschrecken, das war gar nicht gut für das Baby.
Widerstrebend erinnerte sich Hermine daran, dass sie in den Unterricht musste. Sie stand auf und gab ihrem Liebsten einen sanften Kuss auf die kalten Lippen. Dann seufzte sie und drehte sich um. Die Schüler warteten.
Jene warteten tatsächlich. Dass der Unterricht in der vergangenen Woche ausgefallen war, hatte die meisten erfreut, doch Professor Weasley war beliebt und fast alle mochten sie, so dass sich die Schüler Sorgen machten. Außerdem war ihr Unterrichtsstil spannend. Es verwunderte einige, aber sie vermissten den lockeren, aber dennoch anspruchsvollen Kurs. Er war eine Mischung aus fachlich qualitativen Einheiten und Muggelsport. Zumindest kam es ihnen so vor, so oft wie sie auf irgendwelchen Kissen landeten oder in der Luft herum wirbelten.
Abwesend betrat die junge Professorin den Raum und erst als sie vor dem Pult stand, schien sie ihre Klasse zu bemerken. Zum Glück waren es alles Elfjährige, so dass sie sich nicht auf schwer komplizierte Verteidigungssprüche konzentrieren musste. Sie ließ sie ‚Stupor' üben. Es war ungefährlich und nicht allzu schwer, so dass die Kinder nicht entmutigt wurden.
Sie bekam Kopfweh und von Minute zu Minute wurde der Schmerz stärker. Wie gut, dass sie danach eine Freistunde und erst in sechs Stunden wieder zu unterrichten hatte.
Als die Stunde endlich vorbei war, entließ sie die Klasse eilig und machte sich auf den Weg zum See. Sie brauchte dringend frische Luft. Es war November, deshalb ging sie noch einmal in ihre Wohnung (natürlich war es Lucius'), um sich einen dicken Mantel zu holen und ihre Unterlagen wegzubringen. Schließlich verließ sie das Schloss. Die frische Luft tat ihr gut. Es schien, als wären alle unangenehmen Gedanken weggepustet worden. Sie vergrub die Fäuste tief in ihren gefütterten Manteltaschen und ging gedankenverloren am Ufer entlang spazierte.
Was wohl ihre Eltern sagen würden, wenn sie von dem Kind wüssten? Ihr Vater hatte zwar ‚cool', wie die Muggeljugend heutzutage sagte, auf ihre Offenbahrung reagiert, dass Lucius der neue Mann in ihrer Seite war. Aber sie wusste, dass er er diesen Brocken noch lange nicht verdaut hatte. Zum einen, weil er wie der typische Vater reagiert, der sein Mädchen bei einem anderen wusste. Zum anderen, weil er Lucius als vollkommen unpassend ansah - viel zu anders, viel zu elitär, viel zu alt. Wie sich ihre Eltern wohl verhielten, wenn sie seine komplette Vita wüssten? Die kannte selbst Hermine nicht. Ein Schauer durchfuhr sie. Natürlich wusste, sie, dass Lucius in seinem Leben nicht dem Bild des typisch magischen Hochadligen entsprochen hatte. „Noblesse oblige", war seine lapidare Äußerung daraufhin gewesen. Erst langsam wurde Hermine klar, was er wirklich damit gemeint hatte.
Seine Vergangenheit. Es war wie eine große schwarze Nebelwand, von der ein sich stetig steigender Sog ausging und alles zu verschlingen drohte. Sie machte Hermine Angst. Natürlich, es war Geschichte, er hatte sich verändert, aber sie hatte das Gefühl, dass Lucius, und vielleicht auch sie, von dem Vergangenen eingeholt werden würden. Dass irgendwann bald etwas hereinbrechen würde, was nicht mehr unter Kontrolle zubringen sein konnte. Sie musste dringend mit ihm sprechen, sobald er wieder aufwachte. Es gab Dinge, die geklärt werden mussten. Sie wollte mehr wissen. Weniger aus Neugier, sondern mehr aus dem Bedürfnis heraus, ihrer Angst einen Namen geben zu können.
Hermine seufzte. Sie setzte sich an einen Baum, schlang den Mantel noch enger um sich und lehnte den Kopf an das Holz. Es war friedlich auf Hogwarts. Doch sie hatte bereits einmal gedacht, dass nichts und niemand diese alte Schule angreifen konnte. Doch es hatte sich als ein Dampfer entpuppt, der rasant auf einen Eisberg zusteuerte. Glücklicherweise war die Schule nach der Kollision nicht untergegangen, sondern hatte den Eisberg vernichten können. Aber dennoch, irgendwie fühlte sich Hermine nicht mehr so sicher wie damals, als sie zum ersten Mal durch die Tore Hogwarts gegangen war. Die Gefahr lauerte überall, selbst in den eigenen Reihen…
ooOoo
Nach dem Frühstück machte sich Snape auf, um nach Hogwarts zurückzukehren. Er nahm Shivas Hände in seine und versprach ihr, wieder zu kommen. Die alte Frau lächelte und schmiegte seine Hände an ihre runzlige Wange. „Bring das nächste Mal das Mädchen mit", sagte sie leise. Snape erstarrte. Shiva wurde ihm immer unheimlicher.
Mit großen, weit ausholenden Schritten ging er über die Ländereien Malfoy Manors. Eisiger Wind zog an seinen Haaren und trieb ihm die Tränen in die Augen. Er wollte nur schnell in seinen Kerker und dort die Wärme genießen. Er lachte leise. Auch wenn die meisten davon ausgingen, dass es im Kerker bitterkalt war, so waren seine Privaträume doch sehr angenehm. Er hasste Hitze, aber eine behagliche, wohltuende Wärme wusste auch er zu schätzen. Wozu war er ein Zauberer?
Es war besser wieder in Hogwarts zu sein. Kaum jemand wusste von seinem Anwesen, so dass er drei Jahre lang Ruhe hatte finden können. Nur er, die Elfe Dewana und 1.050.000 m². 105 Hektar Wald und Wiese. Aufwendige Zauber schützten das Grundstück, so dass selbst Zauberer es nur unter äußerster Kraftanstrengung finden konnten. Er war schon seit jeher ein misstrauischer Mann gewesen. Selbst der Dunkle Lord hatte Sermo Vicus nicht ohne weiteres finden können…
Rückblickanfang, 31. Dezember 1978, Sermo Vicus
Der Gastgeber stand mit seiner Frau in der imposanten Eingangshalle des beeindruckenden Anwesens. Sie waren beide in schwarz gekleidet und ergänzten sich. Er, in einem eleganten, teuren seidenen Frack mit einem schwarzen Rüschenhemd und auf Hochglanz polierte Schuhe. Sie, mit einem bodenlangen, dezent verzierten, schulterfreien Kleid, welches einen verboten langen Schlitz vorne rechts aufwies, so dass bei jedem Gang ein Blick auf ihre perfekt geformten Beine zu erhaschen war. Ihre langen, dunkelbraunen Haare waren zu einer kunstvoll frisierten Hochsteckfrisur gezaubert worden und sie trug ellenlange samtige Handschuhe. Natürlich alles ebenfalls in schwarz. Ihr Mund war blutrot, die Haut schneeweiß, die Augen geheimnisvoll geschminkt. Keine Frau näherte sich ihr auch nur ein kleines bisschen in eleganter Erscheinung, anmutigem Benehmen und äußerster Schönheit. Stolz sprach aus den Augen von Severus Snape, als er seine Frau betrachtete, wie sie sich bei ihm eingehakt hatte und gemeinsam mit ihm auf die Ankunft des Dunklen Lords wartete.
Unsicher blickte sie zu ihm hoch. „Meinst du, es wird ihm gefallen, Liebling?" Beruhigend streichelte er ihr über den Handrücken. Dann beugte er sich vor und gab ihr einen Kuss auf ihre vollkommenen, sinnlichen Lippen. „Er wird sehr zufrieden sein, mein Schatz. Mach dir keine Sorgen…"
Für einen Moment gestatteten sich beide, sich dem Kuss hinzugeben und miteinander zu verschmelzen. Erst ein leises Hüsteln ließ sie aufgeschreckt auseinander fahren und in die attraktiven Gesichtszüge des gefürchteten Mannes blicken. Snape sank auf die Knie und Artemis vollführte einen vollendeten Knicks. Erst als Voldemort ihnen die Hände hinhielt und sie seinen Siegelring küssten, wagten sie es, sich wieder zu erheben.
Wohlwollend trat Riddle an ihnen vorbei ins Innere des Anwesens. Seine Gefolgsleute wahrten gebührenden Abstand, bevor auch sie ihrem Herrn folgten. Snape erteilte Dewana die Anweisung, auf die restlichen Gäste zu warten und diese dann in den großen Ballsaal zu führen. Ein spezieller Zauber gestattete es, Portschlüssel so zu konstruieren, dass er Personen erkannte. Nur die erlaubten würden dann mit ihm reisen können, direkt auf den Vorplatz des Vicus'. Er selbst nickte seiner Frau kurz zu und beide eilten dem Ehrengast hinterher, der bereits in der Mitte der Eingangshalle wartete.
„Darf ich Euch ins Speisezimmer begleiten, Herr?" Artemis senkte den Kopf demütig und wartete darauf, dass Voldemort sich ihr zuwandte. Er tat es und trat nah zu ihr. Er nahm ihre eiskalte Hand und legte sie sich auf den Unterarm. „Es ist mir eine Ehre, Artemis… Ich weiß die Begleitung schöner Frauen zu schätzen." Hätte sie nicht gewusst, dass sie es mit einem gefährlichen Mann zu tun hatte, sie hätte es als Flirtversuch eingestuft. Doch ein Lord Voldemort war weder charmant noch machte er Avancen. Sie war auf der Hut. „Ich danke Euch, Herr."
Snape schloss zu den beiden auf und ging vor ihnen her. Zwei Elfen öffneten die großen, reichlich verzierten Flügeltüren und verbeugten sich tief. Sie wurden nicht beachtet. Hauselfen hatten sich so zu verhalten, dass niemand sie ernsthaft wahrnahm. Und schon gar kein Lord Voldemort. Ein Großteil der Hauselfen war aus Malfoy Manor ausgeliehen worden. Sie standen in sauberen kleinen Anzügen in der Nähe des Eingangs und hielten Champagnergläser bereit. Mrs. Malfoy hatte ganze Arbeit geleistet. Natürlich trug keine der Elfen wirklich Kleidung. Ein mächtiger Illusionszauber machte diese Täuschung perfekt.
Beiläufig ergriff sich Voldemort ein Glas und ließ seine Augen im Raum umherhuschen. Ein kaltes Lächeln machte sich auf seinem Gesicht breit, als er eine Frau bemerkte, die in einem blutroten langen Kleid eine fürstliche Erscheinung abgab. „Mein Liebste Shiva", sagte er deutlich hörbar und eilte auf die Angesprochene zu.
Ein kleiner dicker Todesser, der neu in den Reihen war, zog scharf die Luft ein, als er sah, dass sich Lucius' Großmutter umdrehte und mit ihren 135 Jahren noch immer anmutig aussah. Sein Keuchen verwandelte sich in ein leises röcheln. Die mächtige Dame trat auf Voldemort zu, der ihre Hände ergriff und ihr einen Kuss auf die Wange drückte. Hätte der Todesser es nicht mit eigenen Augen gesehen, er hätte es nicht geglaubt. In seinem Denken war ein derartig respektloses Gegenübertreten unverstellbar. Sollte es jemand wagen, vor Voldemort nicht in die Knie zu gehen, er müsste sterben.
„Mach den Mund zu, Peter", knurrte Snape und lud die bunt gekleideten Männer und Frauen ein, sich ebenfalls ein Glas Champagner zu nehmen. Er selbst eilte mit Artemis zu seinem Herrn und verbeugte sich leicht. „Herr, ich habe mir erlaubt, Euch am Kopfende zwischen meine Gattin und mir zu platzieren. Ist es euch genehm?" Er wusste, es war besser, dem dunklen Mann einen Vorschlag zu unterbreiten. Befehle mochte dieser gar nicht. Snape schlug eine Platzordnung vor, Voldemort stimmte zu oder lehnte ab.
„Und du, liebste Shiva?", fragte Riddle. Sie lächelte betörend.
„Dir gegenüber Tom."
„So so, und die Unbedeutenden in der Mitte nehme ich an?"
Die Platzwahl war wichtig. Am Kopfende saß die wichtigste Person, danach stuften sich Rang und Einfluss. Es war beinahe ein ausgeklügeltes System notwendig, um zu verhindern, dass sich niemand einflussreiches übergangen fühlte und dennoch eine Dame von zwei Herren umgeben wurde. Snape bewunderte seine Frau für diese Meisterleistung.
Als hätte Artemis seine Gedanken erraten, drehte sie den Kopf zu ihm und lächelte ihn an. „Scheinbar wird unser Debüt als Gastgeberehepaar ein voller Erfolg." Er erwiderte ihr Lächeln. „Wollen wir es hoffen. Dieser Abend ist wichtig für uns." Sie nickte. Dieser Abend sollte mehr werden, als lediglich eine Geburtstagsfeier.
Voldemort hauchte Shiva einen Handkuss auf, als sich diese bei ihm entschuldigte, um einen engen Freund zu begrüßen. Nur wer genau hinsah, erkannte ein gefährliches Missfallen in seinen Augen, als er Shiva hinterher sah. Für eine Nanosekunde zierten Hass und Zorn sein Gesicht, doch der Dunkle Lord hatte sich schnell wieder im Griff.
Mit einer geschmeidigen Bewegung glitt er zu Snape und Artemis. „Ein sehr schöner Abend", lobte er und Snape meinte eine Spur Falschheit in der Stimme wahrzunehmen. „Es ehrt meine Frau und mich, dass Ihr unser Haus als Austragungsort Ihres Geburtstages erwählt haben", sagte er daher glatt.
Ein Lächeln erstellten die sonst attraktiven Gesichtszüge des Ehrengasts. „Sermo Vicus ist ein herrlicher Platz zum Feiern. Und gerade in dieser Zeit sollte man aufpassen. Wir wollen doch nicht, dass uns der Orden des Phoenix wieder in die Quere kommt, nicht wahr Severus?" Dieser nickte. „Er beruhigt mich zu wissen", fuhr Voldemort fort, „dass du ein argwöhnischer Mann bist. Kaum jemand weiß, wo sich dieses wunderbare Anwesen befindet, nicht einmal ich." Innerlich hielt Snape die Luft an. Er vermutete, dass dies seinem Herrn ganz und gar nicht behagte.
Riddle registrierte mit einer gewissen Genugtuung, wie seine Worte Panik in seinem Gegenüber auslöste. Er liebte diesen Blick. Angst und Unsicherheit befriedigten mehr als die Vereinigung zweier Menschen. Auch wenn er durchaus körperliche Lüste genoss, so waren sie ihm nicht wirklich wichtig. Furcht und Beklemmung – das löste ein geradezu euphorisches Glückgefühl aus. Aber er war heute wohlwollend eingestellt. „Nun, Severus, du bist mir einer meiner besten Männer. Es beruhigt mich zu wissen, dass du dieses Haus schützt. Gerade heutzutage ist es wichtig einen Ort zu haben, der praktisch nicht aufzufinden ist. Ich werde nicht extra erwähnen, dass ich einen ständigen Portschlüssel erwarte, den ich nach Belieben benutzen kann?" Er hob die Hand, als Snape etwas einwenden wollte. „Nein, es ist besser, wenn ich nicht weiß, wie man her kommt. Es gibt niemanden, der mir ernsthaft gefährlich werden kann, aber dennoch darf man die Gefahr nicht unterschätzen. Ein eigens auf mich generierter Portschlüssel ist die beste Lösung. So kann ich im unwahrscheinlichen Falle der Flucht verschwinden, ohne das jemand weiß, wohin ich gehe… Je mehr ich darüber nachdenke, desto besser gefällt mir dieser Vorschlag."
Snape suchte Artemis' Blick. Ihre Augen weiteten sich kaum merklich und sie bebte leicht. Umgehend richtete er seine Aufmerksamkeit wieder auf seinen Herrn. „Natürlich, Herr. Etwas in der Art habe ich bereits geplant. Allerdings wollte ich erst Eure Erlaubnis erhalten." Erneut verbeugte er sich, beobachtete Voldemort aber aus den Augenwinkeln. Ein selbstzufriedenes Lächeln stahl sich auf dessen Lippen und Snape wusste, er war endgültig drin im Kreis um den gefürchteten Mann.
Das Festmahl begann und ein jeder lobte das herausragende Dinner. Der Abend entpuppte sich wirklich als triumphales Ereignis. Snape schweifte mit seinem Blick umher. Sämtliche Anwesenden amüsierten sich prächtig. Die Gläser füllten sich fast von alleine. Die Speisen stellten jeden zufrieden. Die kleine Musikgruppe im Hintergrund vollendete das Gesamtbild. Er war sehr zufrieden. Niemand, absolut niemand würde mehr über ihn lachen. Jetzt, nachdem Voldemort so offensichtlich sein Wohlwollen gegenüber Snape gezeigt hatte, wagte es niemand mehr, den ehemals kleinen und schüchternen Jungen schief anzusehen.
Ein selbstzufriedener Ausdruck, der dem von Riddle in nichts nachstand, erschien und er lehnte sich verhältnismäßig entspannt zurück. Dabei beobachtete er, wie sich Voldemort mit Artemis, die zu dessen linken saß, unterhielt. Er war stolz auf seine schöne Frau, die die perfekte Gastgeberin mimte. Ein jeder hing bewundernd an ihren Lippen, wenn sie mit einer grazilen Zartheit sprach, die regelrecht einen Beschützerinstinkt weckte. Ihm erging es nicht anders.
Sein Blick schweifte weiter und blieb an Peter Pettigrew hängen. Er klopfte sich selbst gedanklich auf die Schultern. Pettigrew war sein größter Coup gewesen. Vor ein paar Wochen hatte er den kleinen Zauberer zufällig in London getroffen. Normalerweise achtete er nicht auf einen der selbsternannten Rumtreiber. Aber Pettigrew war ihm aufgefallen. Peter fühlte sich immer mehr und mehr zurückgestoßen und ausgeschlossen. Black, Potter und Lupin bildeten ein Trio und schlossen ihn aus, nahmen ihn nicht ernst, verhöhnten ihn sogar. Pettigrew war es satt, immer nur als das Anhängsel zu gelten. Dass es Snape war, dem gegenüber er seinen Frust entladen hatte, war ihm im ersten Moment gar nicht aufgefallen. Viel zu sehr war er mit Wettern und Zetern beschäftigt. Von da an, war es für den Todesser ein Leichtes, Pettigrew zu Voldemort zu schleusen…
Sein Lächeln wurde grausam. Was wohl die drei Halbstarken dazu sagen würden, wenn sie erführen, dass ihr Freund, der vierte im Bunde, ein Verräter geworden war? Dass dieser sich mit dem Feind eingelassen hatte? Er hoffte, diesem Moment beiwohnen zu können. Es wäre sein größter Triumph über Black und vor allem Potter. Er…
Snape hielt gedanklich inne und runzelte irritiert die Stirn. Ein Fuß strich an seinem Unterschenkel entlang und als er aufblickte, sah er seiner Frau gerade in die bernsteinfarbenen Augen. Sie lächelte, als sie höher und höher wanderte. Snape war normalerweise nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen. Die antrainierte Selbstbeherrschung erleichterte es ihm, nach außen hin ruhig zu bleiben. Doch noch nie zuvor war er im Beisein des Lords sexuell angemacht worden. Dieser schien nichts davon mitzubekommen, da er zufrieden auf seine engsten Todesser sah, die an der Tafel saßen.
Snape sandte Artemis einen warnenden Blick zu, doch diese deutete einen Kuss an. Er knurrte leise. Diese Frau schaffte es, ihn um den Finger zu wickeln und er konnte nichts, rein gar nichts dagegen tun.
„Schade, dass Lucius nicht da ist, nicht wahr, Severus?" Voldemort hatte beschlossen, sich mit Snape zu unterhalten. Ein wachsamer Ausdruck lag in seinen Augen, den Snape nicht zu deuten wusste. „Soweit ich weiß, befindet sich Lucius in Eurem Auftrag in Russland?", antwortete er daher vorsichtig. Voldemort lächelte. „Ja, er bat mich, sich in dem kalten Land nach neuen Gefolgsmännern umzusehen. Karkaroff scheint mit uns zu sympathisieren. Er wäre eine gelungene Ergänzung, meinst du nicht?" Snape nickte. Er stellte zufrieden fest, dass sein Herr scheinbar Wert auf seine Meinung legte, wobei er sich des Eindrucks nicht erwehren konnte, dass Voldemort ihn testete. Er musste äußerst vorsichtig vorgehen. „Unbedingt, dennoch befürchte ich, dass Karkaroff seine Loyalität nur solange… einer Sache widmet, wie sie ihm von Nutzen sein kann." Kaltblütigkeit sprach aus Riddles Blick. „Nun, dann sollten wir zusehen, dass er uns förderlicher ist, als wir ihm. Und wenn er ausgedient hat, müssen wir uns eben seiner entledigen." Snape nickte zustimmend.
„Aber lass uns heute nicht von Politik sprechen. Wir wollen feiern." Voldemort war ein eitler Mann. Sein Geburtstag wurde jedes Jahr akribisch gefeiert und regelrecht verehrt.
„Wir haben noch eine Überraschung für Euch, Herr", wandte sich nun auch Artemis dem Gespräch zu.
„Eine Überraschung?"
„Nach dem Dinner, Herr."
Voldemort liebte Überraschungen, solange sie ihn erfreuten. „Dann sollten wir die Tafel jetzt aufheben", befahl er daher sanft und legte sein Besteck zur Seite. Umgehend hörten auch alle anderen auf zu Essen. Der Herr eröffnete ein Bankett und er beendete es. Während er sein Besteck mit der Absicht zu Essen in der Hand hielt, solange war es den Anwesenden gestattet zu essen. Selten, aber durchaus vorkommend, aß Voldemort nur drei oder vier Bissen. Diese Bankette waren gefürchtet. Meist stahlen sich die Todesser anschließend nacheinander ein die entsprechende Küche, um wenigstens einen Teil der Mahlzeit zu sich nehmen zu können.
„Meine Todesser…" Voldemort stand auf und trat hinter seinen Stuhl. „Wie schön, dass ihr alle gekommen seid."
‚Natürlich', schnaubte Snape gedanklich. ‚Als wenn sich einer trauen würde, nicht zu erscheinen.'
„Es ist angenehm zu wissen, wie gern ihr meinen Ehrentag mit mir feiert. Aber nun sollten wir zu dem angenehmen Teil des Abends übergehen." Die Todesser standen auf und warteten darauf, dass der Herr den Speisesaal als Erster verließ. Erst dann trauten sie sich, ihm zu folgen.
Voldemort wurde von Artemis, Shiva von Snape in den Ballsaal geführt, wo die Musiker bereits ihre Instrumente aufstellten. Eine halbe Stunde gaben sich die Todesser und ihr Anführer dem allgemeinen Tanz hin. Natürlich tanzte Voldemort nicht, aber er beobachtete. Niemand entging seinem analytischen Blick. Keiner konnte etwas vor ihm verbergen. Der Dunkle Lord beobachtete seine Anhänger gern bei einer Tätigkeit, die sie ablenkte, so dass sie sich gaben, wie sie wirklich waren. Bei offiziellen Todessertreffen waren die Meisten damit beschäftigt, einen guten Eindruck zu machen. Doch in Situationen wie diesen merkte sich Voldemort die einfachsten Dinge.
Snape nickte Artemis zu. In ihrem eleganten Kleid, das ihren perfekt geformten Körper zur Geltung brachte, trat sie auf Riddle zu und nachdem dieser seine Zustimmung bekundet hatte, gab sie ihrem Mann ein Zeichen. Dieser verließ den Saal und holte die Überraschung. Das Geschenk entpuppte sich als eine junge, ansehnliche Frau, die von Snape in die Mitte des Ballsaals gezerrt und Voldemort vor die Füße geschmissen wurde. „Dorcas Meadowes, Herr."
Begehren der tödlichen Art machte sich in Voldemort breit. „Meinen Dank, Severus." Dann trat er langsam auf das verängstigte Wesen vor ihm zu und kniete sich hin. „Schön, dass du an dieser wunderbaren Feierlichkeit teilnimmst." Das Lächeln des Lords war wölfisch. „Wo hast du denn deine Freunde gelassen?" Dorcas Meadowes war Mitglied des Phoenixordens. Sie wusste, sie würde diesen Tag nicht überleben. Sie biss sich auf die Lippen und kämpfte mit den Tränen. Auch wenn sie in der Regel kein ängstlicher Mensch, sondern eine der bestausgebildesten Auroren war, so konnte ihr niemand die Tränen verübeln. Voldemort liebte Tränen.
„Nun…", fragte dieser gedehnt. „Möchtest du uns irgendetwas sagen?" Sie schüttelte den Kopf. „Bedauerlich… Bist du sicher?" Diesmal nickte sie. Voldemort umrundete sie, so dass er schließlich hinter ihr stand. „Schade… Crucio."
Sie schrie auf vor Schmerz, doch die Todesser um sie herum lachten. Rosier starrte sie begehrlich an, was dem Dunklen Lord nicht entging. „Willst du sie haben, Rosier?" Mit fiebrig glänzenden Augen nickte dieser treue Gefolgsmann. „Gern, Herr."
„Wir werden sehen, was übrig bleibt." Voldemort hob den Unverzeihlichen Fluch auf. „Immer noch nichts, Schlammblut?" Erneut begann er sie zu umrunden und blieb diesmal wieder vor ihr stehen. „Schade… Schau mich an." Dorcas senkte den Kopf noch tiefer.
Auf einen Hinweis Voldemorts hin, trat Rosier zu der jungen Frau und krallte seine Hand in ihre Haare. Er riss ihr den Kopf in den Nacken und gab ihr eine schallende Ohrfeige. „Wenn mein Herr sagt, dass du ihn ansehen sollst, dann hast du das zu tun, Schlampe."
Ängstlich huschten ihre Augen zwischen Voldemort und Rosier hin und her. Die anderen Todesser standen im Kreis um sie herum und sahen gebannt zu. Selbst Snape. Er hasste es, Menschen zu töten. Unterdrücken, demütigen, beherrschen ja, aber nicht töten. Doch er wusste, er musste Begeisterung heucheln. Andererseits wäre er der Nächste. Also schloss er sich dem erregten Keuchen der Umstehenden an. Unauffällig griff er nach Artemis' Hand und drückte sie. Seine Frau sah mit einer Mischung aus Faszination und Abscheu auf die Szene herab. „Verbirg deinen Ekel, Schatz", raunte er ihr zu. Sofort glättete sich ihre Stirn.
„Beklagenswert", kommentierte Voldemort die Reaktion seines Opfers. Nachdenklich sah er auf Dorcas herab. „Rosier würde sich sicher gern mit dir vergnügen…", sinnierte er. Er liebte Angst und ganz besonders liebte er es zuzusehen. Angst befriedigte ihn. Dazu musste nicht unbedingt er selbst die Angst auslösen. Es reichte, wenn er zusah. Scheinbar wurde seine voyeuristische Ader mit dem Verlust seiner Menschlichkeit immer ausgeprägter.
Er zauberte einen Tisch herbei und verwandelte ihn in eine Art kleine Bühne. Dann deutete er Rosier an, Dorcas auf das Podium zu befördern und zurückzutreten. „Du hättest angenehmer sterben können", raunte er seinem Opfer zu und mit einer unglaublichen Schnelligkeit hatte er sich zu einem der Todesser umgedreht. „Du!", befahl er.
Peter wurde blass. In dem Dunklen Lord hatte er jemanden gefunden, der ihm zuhörte und der ihn ernst nahm. Das gefiel dem kleinen unbedeutenden Mann, es schmeichelte ihm. Dabei bemerkte er nicht, wie Voldemort spinnenartig seine Fäden um ihn spannte und ihn einwickelte. Der Lord heuchelte Interesse, so gewann er seine Anhänger. Doch in Wirklichkeit dachte er nur daran, seine Macht zu vergrößern und zu festigen. Aber Peter durchschaute ihn nicht.
Jetzt, wo er sich an Dorcas Meadowes vergehen sollte, überfiel ihn Unsicherheit. Sollte er wirklich dem Befehl Folge leisten? Der Dunkle Lord hatte ihm zugesichert, er müsse nichts machen, was er nicht wolle. Doch er sonnte sich in dessen Anerkennung. Er wusste, wenn er Dorcas missbrauchte, schätzte ihn der Lord noch mehr. Er wollte ihn nicht enttäuschen.
Rasch sah er Snape an, doch dessen Gesichtsaudruck blieb nichtssagend. Dann linste er heimlich zu seinem Herrn, der sich zu langweilen begann. Das war kein gutes Zeichen. Zügig trat er zu Dorcas, als ihn die kalte Stimme des Lords zurückhielt. „Töte sie nicht."
Pettigrew nickte. Sein Blick traf Dorcas. Er sah ihre Angst und ihren Ekel vor ihm, aber auch ihr Erkennen. Er selbst war noch Mitglied im Orden. Peter grinste fies. Auch Dorcas nahm ihn nicht für voll. Bei Ordenstreffen übersah sie ihn regelmäßig und unterbrach ihn gleichgültig. Jetzt konnte er dafür sorgen, dass sie ihn ernst nahm. Er konnte mit ihr tun, was immer er wollte. Ein berauschendes Gefühl. Die Kleine wagte es nicht, sich zu wehren. Jetzt war er es, dem sie ihre Aufmerksamkeit schenkte. Nicht Dumbledore, nicht Moody, nein er. Er wollte es der vor ihm liegenden Frau zeigen, ihr demonstrieren, dass selbst ein Peter Pettigrew, der von keinem wichtig genommen wurde, fähig war, sich Respekt zu schaffen. Scheinbar erkannte sie dies, denn ihre Augen weiteten sich noch mehr. Wie er es genoss…
Seine Hand streichelte ihr über die Wange und fuhr tiefer bis zu ihrem Ausschnitt. Ihre Hilflosigkeit erregte ihn und langsam begann er zu verstehen, was an Macht reizvoll war. Er hatte sich gefragt, wie Männer wie Rosier oder Lestrange Gefallen daran finden konnten, sich an einer Frau zu vergehen. Doch jetzt spürte er es. Das Wissen, die Fähigkeit zu haben, die Frau zu brechen und sich ihr aufzuzwingen, berauschte ihn und zog ihn mit auf der Welle der Lust.
Snape stand versteinert neben seinem Herrn. Er wusste, jeder im Raum nahm an, er würde sich an der sich ihm bietenden Szene ergötzen, doch in seinem Inneren rumorte es. Auch wenn er selbst durchaus den Reiz von Machtspielen zu schätzen wusste, so fand er keinen Gefallen daran, sich einer Frau aufzuzwingen. Es widerte ihn an. Wenn sie von sich aus auf ihn zukam, erregte es ihn, Einvernehmlichkeit war ihm wichtig. Doch das, was die meisten Todesser stimulierte, stieß ihn ab.
Er sah, wie Peter der Schweiß auf die fettige Stirn trat und wie er, fast schon sabbernd, seine schmierigen, wulstigen Finger unter den Stoff des Kleides von Dorcas schob. Ein Reißen und das Kleid hing in Fetzen von ihrem Körper. Ein Rest Überlebenswille, oder auch Wahnsinn, bündelte sich in ihr und sie versuchte sich zu wehren, doch die Ratte, hingerissen von der ungewohnten Gewalt, gestand ihr keine Chance zu. Er packte ihre Handgelenke und zwängte sich zwischen ihre Schenkel.
Snape konnte nicht weiter zusehen. Sein Blick ging zu Voldemort, der den Vorfall genießend beobachtete. „Dreh ihren Kopf zu mir", befahl er und Pettigrew kam der Order nach.
Die Angst, die Verzweiflung, der Ekel in Dorcas Blick… Voldemort genoss. Snape widerte es an. In Momenten wie diesen fragte er sich ernsthaft, ob die Todesser wirklich das Richtige für ihn waren. Er hatte viel erhalten, aber noch mehr geben müssen. Er war jetzt wer, der Protegè des am meisten gefürchteten Zauberers… trunken vor Macht.
Pettigrew erlebte diese Euphorie als er sich in die Brüste krallte und sich schließlich in Dorcas ergoss. Doch diese Macht widerte Snape an. Er hoffte niemals zu so etwas erwählt zu werden. Dann müsste er sich weigern und wenn es sein Tod bedeutete.
An diesem Abend starb Dorcas Meadowes qualvoll durch Voldemorts Hand…
Rückblickende
Snape blieb hinter der Grenze stehen und drehte sich erneut zum Landsitz seines alten Freundes um. Trotz allem war dies auf dessen eigene Art und Weise ein Zuhause für ihn gewesen…
Zwei Sekunden später stand er vor den Toren Hogwarts. Die Schutzzauber für einen Moment zu deaktivieren war ihm mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangen. Fast schon gedankenlos überquerte er die Ländereien und nur weil er einem großen Stein ausweichen musste, hatte er Hermine entdeckt. Sie kauerte am See, die Arme um sich geschlagen und in einen dicken Mantel gekuschelt, und schien den klirrenden Luftstrom nicht zu spüren.
Er seufzte. Wenn das Mädchen so weiter machte, holte sie sich irgendwann noch einmal den Tod. Langsam hatte er es satt, Minesitter zu spielen. Er hatte auch Bedürfnisse, deren Ausleben er bislang skrupellos und in vollen Zügen genoss, aber in letzter Zeit verspürte er nicht mehr den Wunsch, gewisse einschlägig bekannte Etablissements aufzusuchen. Auch wenn er da Mädchen fand, die ihr ähnlich waren…
Langsam ging er zu Hermine und kniete sich neben sie. „Du solltest dich nicht erkälten."
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Begriffe:
-
Noblesse oblige: eine höhere gesellschaftliche Stellung
verpflichtet zu Verhaltensweisen, die von anderen nicht unbedingt
erwartet werden
-
Protegè: Günstling
Anmerkung:
Ich
habe mich bewusst für diese Szene entschieden. Ich hoffe, dass
NICHT der Eindruck entstanden ist, ich würde eine Vergewaltigung
gut heißen. Das tue ich ausdrücklich nicht. Mit
dieser Szene möchte ich ausdrücken, was in einem Todesser
vorgegangen sein könnte. Als Gegenpol steht Severus, der den
Missbrauch nicht gutheißt, aber ebenso weiß, dass er
nichts dagegen unternehmen kann, wenn er sich nicht selbst in Gefahr
bringen wollte. Außerdem fand das Ganze 1978 statt, also zu
einer Zeit, wo er noch aktiver Todesser war und noch nicht
Dumbledores Mann.
Mit QED möchte ich meine Antwort auf die Frage „Wieso hat Severus Snape die Seiten gewechselt" finden. Daher halte ich diese Szene für geradezu wichtig, da sie stellvertretend für andere Szenen steht, in denen die Todesser vergewaltigt haben. Etwas, was ihn zu Dumbledore trieb…
Natürlich stehe ich für Fragen jederzeit zur Verfügung…
