8

„Wirst du mich töten, wie all die anderen Menschen? Du bist ein Monster!" Rief ich unbeherrscht aus. Schön langsam realisierte ich was er war. Er tötet Menschen und das schon seit über fünfhundert Jahren! In meinem Gesicht spiegelten sich wohl meine Gefühle wider. Er widerte mich an, er war ein Mörder! Wie konnte ich mich nur in sein schönes Gesicht verlieben. Wie konnte ich nur eine Sekunde romantische Gefühle für dieses – dieses Ding hegen? Ich zweifelte an meiner Menschenkenntnis und an meinem Verstand.

„Ich bin ein Monster? So denkst du jetzt, wo du die Wahrheit kennst, über mich!" Sein Gesicht war dunkel vor Zorn. „Du vergisst eines – ich bin kein Mensch! Nicht mehr! Es liegt in meiner Natur, zu töten, um zu überleben! Du verurteilst mich für etwas was du nicht verstehst!" Er war Zornentbrannt. „Ich habe meine Geschichte bisher nur zweimal erzählt, du bist die Dritte die davon erfährt , in der Annahme, dass du, da du ja nicht geflohen bist, es vielleicht verstehen würdest. Welch tragischer Irrtum!"

Ich setzte mich wieder. Ich musste nachdenken. Er hatte in gewisser weise Recht. Er war kein Mensch, aber Rechtfertigte das seine Blutgier? „Jeden Tag sterben Menschen, durch die Hand von Menschen, aus Neid, Gier, Hass, Zorn oder einfach an der Lust am töten. Ich aber töte nur um zu überleben. Nun sag mir, wer ist das größere Monster!" Er sprach sehr leise und doch drangen seine Worte tief in mich ein. Wie machte er dass? Wie konnte etwas so offensichtliches wie das Töten eines Menschen in seiner Version richtig und nicht falsch klingen?

„Ich habe nicht darum gebeten ein Vampir zu sein! Ich wurde einfach dazu gemacht, aber ich habe mich damit abgefunden und ich bin es gerne!" Er rückte sich den Stuhl neben mir zurecht und setzte sich darauf. Ohne mich anzublicken wartete er auf meine Reaktion. Ich wusste keine Antwort, mir fiel nichts ein was ich sagen könnte. Die Minuten verstrichen und die Stille wurde für mich immer unerträglicher. Ich sprang von meinem Stuhl hoch. „Ich kann nicht hier bleiben! Ich muss hier raus!"

Eisern umklammerte er mit seiner rechten Hand meinen Arm. „Du wirst dieses Haus nicht mehr verlassen!" Das war keine Aufforderung oder ein Wunsch. Ich war jetzt eine Gefangene, seine Geisel. Ich würde nicht mehr freikommen, außer er erlaubte es mir.

„Ich gehe in mein Zimmer, wenn das erlaubt ist!" Fauchte ich ihn an. Gut sollte er mich ruhig einsperren, aber Vergnügen wird er daran keines haben, dafür werde ich sorgen. Er ließ meine Arm los und heftig entzog ich ihm den. Auf dem Weg zur Tür hielt ich inne. „Schläfst du in einem Sarg?" Zuerst hörte ich nur ein Lachen und dann brach er in schallendes Gelächter aus.

Nur langsam konnte er sich beruhigen.

„Deswegen habe ich dich noch nicht aufgefressen. Du bist so anders!" Wieder gluckste er vor sich hin. „Vampire schlafen nicht in einem Sarg, dass ist ein Mythos oder Märchen, was dir lieber ist." Ich kehret wieder um und ging zurück zu meinem Stuhl, setzte mich aber nicht, sondern blieb davor stehen. „Erzähl mir, wie ist dein Leben so!" Er blickte zu mir hoch, überrascht und erstaunt zugleich. „Willst du das wirklich wissen?" Ich nickte mit dem Kopf und sah ihn gespannt an.

„Anders als viele denken, ist unser Leben nicht so aufregend wie die Bücher oder Filme glauben machen möchten. Im Grunde führe ich ein ganz normales Leben. Ich habe eine Internetgesellschaft und über die verdiene ich meinen Lebensunterhalt. Schlafen tue ich tagsüber, da ich das Sonnenlicht nicht vertrage. Knoblauch und Kreuze tun mir nichts, allerdings ein Stich mitten ins Herz tötet unsereins tatsächlich." Er hielt wieder inne und sah mich abwartend an.

„Hast du schon mal jemanden in einen Vampir verwandelt? Und wie geht das?" Nun verdüsterten sich seine Gesichtszüge wieder und er wandte sein Gesicht ab. „Einmal, ich habe es einmal getan und bitter bereut!" Ich setzte mich wieder und nahm seine Hand. „Erzähl es mir. Was ist geschehen." Er entzog mir seine Hand und sah mich abweisend, ja wieder feindselig an. „Nichts! Das geht dich nichts an! Warum stellst du mir so viele Fragen! Lass mich zufrieden! Verschwinde endlich auf dein Zimmer, sonst töte ich dich!"

Er meinte es ernst, dass konnte ich sehen. Sollte ich nicht sofort gehen, würde ich heute Nacht sterben. Rasch stand ich auf und diesmal ohne zu zögern verließ ich den Raum. Ich musste mich dazu zwingen die Stufen nicht wie ein gehetztes Tier nach oben zu laufen. Betont langsam ging ich nach oben. Leise öffnete ich meine Tür und schloss sie so auch wieder hinter mir. Ich ging zum Fenster und blickte nach draußen. Der Himmel war düster und Wolkenverhangen. Kein einziger Stern war zu sehen. Er passte zu meiner eigenen düsteren Stimmung.

Ich hätte mir gern gesagt, Sebastian ist ein Monster, dass getötet gehört, aber so einfach war das nicht. Ich hatte keine Ahnung was er für mich empfand, er zeigte seine Gefühle nicht, obwohl er sehr Emotional war. Aber wie stand es um meine Gefühle für ihn? Mein Gesicht spiegelte sich im Fenster wieder. Aufmerksam betrachtete ich mich. Sah mein kurzes braunes Haar, meine großen braunen Augen, die kleine Stupsnase, die nicht so richtig dazupassen wollte, eigentlich konnte man sagen ich hatte ein Gesicht wie ein Kobold, nur ohne Sommersprossen. Mein Vater sagte immer zu mir, wie niedlich ich aussehe. Niedlich! Gibt es eigentlich eine schlimmere Beleidigung? Ich wollte nicht niedlich aussehen.

Ich war auch nicht sehr groß, grad mal 1,65m, aber nichts desto trotz besaß ich eine große, böse Zungen behaupten vorlaute, Klappe, dass gleicht alles andere ein bisschen aus und mein Temperament nicht zu vergessen. Ich glaubte dies Schwäche bevor ich hierher kam unter Kontrolle gebracht zu haben. Doch hier hatte ich schon mehrere unkontrollierte Ausbrüche und die bringen mich immer in Schwierigkeiten. Was fühle ich für ihn?

Ich kehrte zu dieser Frage zurück. Ich war mir nicht sicher. Er ließ mein Herz schneller schlagen. Er konnte mich so wütend machen, wie sonst niemand und er war so faszinierend. Wahrscheinlich sollte ich mich vor ihm zu Tode ängstigen, aber ich fürchtete ihn nicht. Vielleicht war das töricht, ganz sicher war es das. Immerhin hat er zugegeben, dass der einzige Grund warum ich noch am Leben bin, der ist, weil vielleicht jemand nach mir sucht und ihm unangenehme Fragen stellt.

Es gab nur eine Möglichkeit alles über ihn zu Erfahren und gleichzeitig rauszufinden was er für mich empfand. Ich musste mich ihm erneut stellen. Gleich Morgen, eigentlich wieder Abend würde ich zu ihm gehen und ihm all die Fragen stellen die auf meiner Seele brannten.