Wie versprochen kommt hier das schnelle Update!

LG

Kira :)

9.

Der Deal

Hermine erkannte, dass Snape die Augenbrauen zusammenzog; fast so, als könne er nicht glauben was er da sah. Hätten seine Augen nicht vor Abscheu geblitzt, so hätte man über seine Verblüffung fast lachen können. So aber blieb Hermine förmlich die Luft zum Atmen weg. Tausende von Gedanken schossen ihr durch den Kopf. Er würde sie verraten. Harry würde erfahren, dass sie ihn aufgesucht hatte - und schlimmer noch, dass Snape sogar in ihrer und Harrys Wohnung gewesen war, ohne dass sie diesem davon erzählt hatte. Was würde Harry dann denken? Als ihr Blick auf Snapes schlanken Hände fiel, die in all dem Schwarz fast zu leuchten schienen, kam Hermine noch ein anderer Gedanke - auch dieser war nicht angenehmer. Sie hatte solch intensive Träume von dem Mann gehabt, dass sie bereits jetzt spürte, wie sie errötete. Jeden Gedanken an ihre Träume beiseite schiebend, verfluchte sich selbst für das unendliche Pech, dass diese Kerkerratte gerade jetzt ihre Behausung verlassen hatte.

Kurz vor ihnen blieb der Zaubertrankmeister stehen und blickte kurz zu Hermine, dann sah er Harry in die Augen, der inzwischen fast so groß war wie er selber. Das schien dem dunklen Mann nicht zu gefallen, und sein Blick wurde noch kälter. "Oh, was verschafft uns denn die Ehre eines Besuchs des großen Harry Potter?", fragte er spöttisch.

Harry schenkte ihm ein überaus ironisches Lächeln und erwiderte: "Wir sind nicht wegen Ihnen hier, Professor Snape."

"Na, das ist ja mal was ganz neues", ließ dieser sich trocken vernehmen und Hermine wurde ganz flau. Auch wenn er nicht mit einer Begegnung mit seinem ehemaligen Zaubertrankmeister gerechnet hatte, so schien Harry jedoch geradezu einen verbissenen Spaß an dieser Begegnung zu haben, denn seine Stimme klang nun völlig übertrieben freundlich.

"Aber wo Sie uns schon über den Weg laufen, sollen Sie doch nicht der letzte sein, der erfährt, dass Hermine Granger und ich geheiratet haben - Sir!"

Harry wollte gerne Snapes Verblüffung auskosten. Diese blieb jedoch weitestgehend aus, was Hermine natürlich nicht wunderte. Allerdings schien es tatsächlich etwas zu geben, dass Snape irritierte, denn er sah für einen Moment zu Hermine und seine Augen tauchten geradezu in die ihren.

"Na, da wünsche ich doch viel Glück", ließ er sich dann noch kurz vernehmen, dabei sah er Hermine so inständig an, dass es kaum zu missverstehen war, von wem er hier glaubte, dass er Glück benötigte.

Kaum hatte er dies ausgesprochen, da rauschte er auch schon an ihnen vorbei.

"War mir wie immer eine Freude - Sir", zischte Harry ihm leise hinterher.

Hermine atmete innerlich auf. Die Begegnung war nicht zu einem Desaster geworden. Im stillen dankte sie dafür, dass Harry und Snape alles andere als an Smalltalk miteinander interessiert waren.

"Kommst du?" Harry war schon ein paar Schritte weitergegangen, als Hermine ihm nun folgte.

Ihre Gedanken weilten immer noch bei Snape. Hermine wurde fast übel bei der Erkenntnis, dass der Zaubertrankmeister genau durchschaut hatte, dass ihre Treffen Harry nicht bekannt war. Die stille Frage schlich sich in ihren Kopf, wann sie für seine Verschwiegenheit würde bezahlen müssen.

oooooooooooooooooooooooo

Minerva McGonagall war tatsächlich so gerührt, wie Dumbledore es prophezeit hatte. Genaugenommen war sie sogar so gerührt, dass Hermine glaubte, eine Träne in ihrem Auge blitzen zu sehen.

Hermine tat ihr den Gefallen und beschrieb ihr die Hochzeit in allen Einzelheiten. Diese Ablenkung tat ihr gut, denn die Gedanken um Snape schienen immer dichter zu werden.

"Sie werden doch mit uns gemeinsam speisen?" sagte McGonagall, und ihre Frage klang eher nach einem Befehl. Hermine überließ Harry die Entscheidung, der mit einem Lächeln zustimmte. Der Knoten in Hermines Magen schien noch ein wenig enger zu werden. Sie sah dem Essen in der Großen Halle mehr als nervös entgegen. Nur wenige Schüler würden zugegen sein, da die meisten übers Wochenende nach hause gefahren waren, oder auswärts aßen. Im stillen betete sie, dass Snape der Halle ebenfalls fernbleiben würde. Am Wochenende hatte man ihn nur selten dort zu Gesicht bekommen und so versuchte sie sich selbst zu beruhigen.

Als sie sich dann gemeinsam auf den Weg dorthin machten, hätte sie am liebsten laut geflucht, als sie ihm schon vor Betreten der Halle begegneten. Als Hermine und Harry ebenfalls Plätze am Lehrertisch einnahmen, lächelte Dumbledore ihnen amüsiert zu. "Ich dachte mir doch fast, dass Minerva es schafft, euch zum Bleiben zu überreden. Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn wir nach dem Mahl noch ein wenig gemeinsam über die Ländereien spazieren würden." Hermine nickte ihm zu und wünschte, es wäre schon so weit, damit sie den Tisch verlassen könnte und so dem Blick des Zaubertrankmeisters entging. Obwohl er sie keineswegs auffällig musterte, war sie sich jedem seiner Blicke nur allzu bewusst. Hermine erwiderte keinen einzigen davon und wandte den Kopf nach Möglichkeit nicht in seine Richtung. Daher schrak sie um so mehr zusammen, als er sie plötzlich ansprach.

"Darf man erfahren, was aus der überaus eifrigen Schülerin Hermine Granger geworden ist?"

Hermine blieb nun keine andere Wahl, als ihn anzusehen. Die Köpfe der anderen hatten sich ihr ebenfalls zugewandt. Ihr war klar, dass er eine harmlose Frage gestellt hatte. Doch in ihrem Kopf hallte eine zischende Stimme, die ihn imitierte und aus dem 'überaus eifrig' ein 'übereifrig' machte.

Obwohl er einige Plätze von ihr entfernt saß, schienen sich seine Augen direkt in die ihren zu bohren. Und dann wurde es ihr klar. Es war für die Ohren der anderen eine harmlose Frage - jedoch hatte er sehr viel mehr gefragt. Sein Blick stellte diese Fragen - die Frage, was mit ihr los war. Die Frage, warum sie sich so verändert hatte. Was in ihr vorging - in ihrem Kopf...in ihrem Herzen.

Hermine spürte wie eine Gänsehaut sie überlief. Immer noch saß sie da, alle Augen auf sich gerichtet und unfähig zu antworten.

"Sie unterrichtet", gab Harry statt ihrer Auskunft.

Snapes Augen wichen nicht von ihr, doch eine Augenbraue hob sich in bekannter Manier. "An der Universität in London. Literaturwissenschaften. Sie dürfen sie also als Kollegin betrachten", fügte Harry mit einem eindeutig hämischen Unterton an.

Hermine schien es fast, als würden die schwarzen Augen, die sie fixierten, von einer Gewitterwolke zusätzlich verdunkelt. Doch der Eindruck währte nur für einen Moment, als er endlich seinen Blick abwandte um Harry kalt anzulächeln.

"Danke für ihre Erklärung, Mr. Potter - bisher war es mir eher als Eigenschaft Ihrer Frau bekannt, sich unaufgefordert zu Wort zu melden."

Ehe ein Streit zwischen beiden entbrennen konnte, schaltete sich Dumbledore ein. "Das ist wirklich eine interessante Tätigkeit. Ich würde mich freuen, wenn Sie uns mehr über Ihre Arbeit erzählen würden." Und auch Minerva McGonagall zeigte reges Interesse. "Vielleicht können Sie uns einiges darüber erzählen, wie an der Muggeluniversität gelehrt wird."

Hermine sah auch Harrys aufmunternden Blick. Sie wusste, dass er es für gut hielt, wenn sie von ihrem Beruf erzählte. Es wäre ein Schritt in die Normalität. Vielleicht hoffte er, sie würde ihre Beurlaubung aufheben lassen, um sich wieder in genau diese Welt zu stürzen.

"Ich...vielleicht ein anderes mal..." erwiderte sie schließlich matt.

Irritiert sahen sie der Direktor und ihre ehemalige Hauslehrerin an, nur um dann wieder ein Lächeln aufzusetzen und verständnisvoll zu nicken. Harry hingegen gab Hermine mit einem Kopfschütteln zu verstehen, wie enttäuscht er war. Doch fast noch schlimmer war der Blick von Snape. Er suchte förmlich ihre Augen. Sie versuchte ihm auszuweichen, doch es schien ihr einfach nicht gelingen zu wollen. Fast erwartete sie, dass er sie erneut ansprechen würde, weil er so vehement auf diesen Kontakt bestand. Doch das tat er nicht. Zumindest nicht mit Worten. 'Mein Geist - er versucht einzudringen', schoss es ihr durch den Kopf. Schnell erhob sie sich und sagte lauter als beabsichtigt: "Wie wäre es, wenn wir jetzt spazieren gehen?"

Der Direktor sah sie erstaunt an, dann erhob er sich ebenfalls und sagte: "Das ist eine gute Idee. Würden Sie mir Ihren Arm reichen?", und mit einem zufriedenen Lächeln hakte er sich bei ihr ein. Harry und McGonagall erhoben sie ebenfalls und folgten den beiden.

Hermine konnte den bohrenden Blick Snapes immer noch in ihrem Rücken spüren; doch nachdem sie die Halle verlassen hatten, ließ auch dieses Gefühl nach. Nachdem sie aus dem Schloss ins Freie getreten waren, tat die Sonne den Rest, um die düsteren Gedanken zu vertreiben. Hermine konnte wieder frei durchatmen. Der Direktor erzählte ihr von einigen Neuerungen, die er im letzten Jahr eingeführt hatte. So gab es jetzt neben Quidditch noch einige andere Sportangebote und die einzelnen Häuser wurden mehr in gemeinschaftliche Aktivitäten eingebunden. Hermine dachte unwillkürlich darüber nach, ob der Slytherinlehrer inzwischen ein besseres Verhältnis zu den Gryffindors entwickelt hatte, oder ob es jedesmal zu einem Massenpunkteabzug kam, wenn zusätzliche gemeinsame Aktivitäten anstanden. Dumbledore zeigte ihr auch exotische Pflanzen, die von Professor Sprout zu Testzwecken angepflanzt worden waren, und die sich, trotz des fremden Klimas in Schottland, zu üppiger Schönheit entfaltet hatten.

"Sie will mir bis heute nicht verraten, wie sie es schafft, dass hier Zitrusfrüchte wachsen, noch dazu in dieser Pracht. Dabei sollte sie meine Vorliebe für Zitronen eigentlich kennen", gab Dumbledore etwas zerknirscht von sich.

Hermine lachte still in sich hinein. In ihrem Geiste erstreckte sich eine ganze Zitronenplantage auf Hogwarts.

Auch Harry hatte Dumbledores Worte offensichtlich gehört, denn er lachte Hermine ebenfalls an. Er und Minerva gaben ein nettes Bild ab, wie sie ineinandergehakt über die Ländereien schlenderten.

"Ich würde wirklich gerne das Quidditchfeld sehen", sagte Harry jetzt zu Dumbledore.

Der nickte, doch es war die Hauslehrerin von Gryffindor, die völlig begeistert sagte: "Wir haben letztes Jahr den Pokal geholt - und dieses Jahr sieht es ebenfalls gut aus. Nicht wahr, Albus?"

"Ich bin unparteiisch", erwiderte der Direktor lachend, dann fügte er an, "aber nach Punkten liegt ihr klar vorne und ich freue mich schon darauf, dir den Pokal auch dieses Jahr wieder zu überreichen."

Minerva lachte in sich hinein, "Severus wird kochen."

"Er ist ein guter Verlierer", erwiderte Dumbledore mit leichtem Tadel.

"Ja - wenn man von seinen tödlichen Blicken absieht", erwiderte Minerva prompt.

Harry und Hermine sahen sich erstaunt an. Zu ihren Schulzeiten hatten sie ebenfalls den Wettkampf zwischen den Häusern äußerst ernst genommen, doch jetzt erst merkten sie, dass es für die Hauslehrer dabei um mehr ging, als nur um die Ehre. Es schien tatsächlich zwischen Snape und McGonagall einen kleinen privaten Kampf zu geben.

"Die Ravenclaws und die Gryffindors haben heute ein Freundschaftsspiel organisiert. Die Mannschaften sind nicht ganz vollzählig, weil viele über das Wochenende nach hause gefahren sind. Aber es wird sicher dennoch spannend. Wenn Sie möchten, dann können wir es uns ansehen. Es sollte gleich beginnen", sagte Dumbledore nun an Harry gewandt.

Hermine entging nicht, wie die Augen ihres Mannes zu leuchten begannen.

"Das würde mich wirklich freuen", erwiderte er sofort.

Minerva wandte sich an Hermine: "Möchten Sie sich das Spiel auch ansehen?"

Hermine musste schmunzeln, weil ihrer ehemaligen Hauslehrerin die Vorfreude ebenfalls ins Gesicht geschrieben stand.

Daher erwiderte sie mit einem zufriedenen Lächeln: "Ich möchte lieber noch ein wenig allein über die Ländereien spazieren." So gab sie der Lehrerin die Möglichkeit, sich den Männern anzuschließen, und sich selbst bewahrte sie davor, die nächste Zeit am Rande des Quidditch-Feldes verbringen zu müssen, und das Gekreische der Schüler zu ertragen. Für sie selbst waren diese Zeiten endgültig vorbei. Sie hatte sich nie sonderlich für Quidditch interessiert, doch als sie selbst zur Schule gegangen war, hatte sie für Gryffindor gehalten, und natürlich für Harry.

"Sind Sie sich sicher, dass Sie alleine gehen möchten?" erkundigte sich McGongall mit einem kritischen Blick.

"Ganz sicher", bestätigte Hermine, die sich bewusst war, dass Harry sie ebenfalls genau beobachtete.

"Gut, dann treffen wir uns nachher im Schloss?" fragte er nun vorsichtig.

"Ja - mach dir keine Sorgen...ich freue mich wirklich darauf, ein wenig umherzustreifen, wie in alten Zeiten."

Die drei sahen sich noch ein paarmal nach ihr um, doch schließlich verschwanden sie Richtung Quidditchfeld und Hermine schlenderte zum See. Sie nahm einen Weg, von dem ihr bekannt war, dass er von Schülern nur selten benutzt wurde, weil das Ufer zu steil war und man nur schlecht an das Wasser gelangen konnte. Zwar konnte sie das Lachen und die Stimmen der Schüler hören, doch die Stelle war weitestgehend blickgeschützt.

Sie setzte sich in das hohe Gras und blickte über die Wasseroberfläche. Der Himmel spiegelte sich in stählernem Blau wieder. Hermine war sich sehr wohl bewusst, dass sie Gefahr lief Snape hier zu begegnen. Doch dies galt auch für jeden anderen Ort auf Hogwarts und der See hatte sie fast magisch angezogen. Sie erinnerte sich an Snapes Worte. Er hatte ihr weismachen wollen, dass er von Zeit zu Zeit nackt im See schwamm - kein Wunder also, dass ihre verdrehte Traumwelt ihn in genau dieser Situation zum Protagonisten hatte werden lassen. Inzwischen musste sich Hermine eingestehen, dass ihr das unerfüllte Sexualleben immer mehr zu schaffen machte. Sie konnte anders empfinden - dies wusste sie inzwischen zu genüge. Sie wünschte nur, dass sie diese Leidenschaft ihrem Mann gegenüber ausleben könnte.

Hermine war nicht wirklich überrascht, als sie Schritte hinter sich hörte, dennoch wandte sie sich nicht um. Sie lauschte. Im Spiegelbild des Wassers sah sie Snapes dunkle Gestalt auf der Anhöhe stehen, dann drehte er sich um und wollte davongehen.

"Bleiben Sie", sagte sie laut.

Er drehte sich wieder um und kam schließlich auf sie zu. Seine Stimme klang distanziert, als er sagte: "Ich habe Sie nicht gesucht, falls Sie den Eindruck haben."

"Den habe ich nicht. Doch ist mir klar, dass ich wohl der Eindringling hier bin." Hermine stand auf und sah ihn nur kurz an, "deshalb werde ich gehen", fügte sie dann an.

"Es scheint mir unvermeidlich, dass einer von uns das Feld räumt", sagte er bestimmt.

Hermine nickte und machte sich daran, die Anhöhe emporzusteigen.

"Professor Granger", sagte er plötzlich und sie hielt erstaunt inne. Er beobachtete sie genau, "...darf ich davon ausgehen, dass dies nun endlich Ihre korrekte Anrede ist?"

"Ja, Professor Snape - das ist sie...dennoch lege ich nicht solch einen Wert darauf, wie Sie es tun."

Statt eine Verärgerung bei ihm hervorzurufen, begann er leise zu lachen. "Was ist so komisch?" fuhr sie ihn an. Seine Stimme klang nun ebenfalls wieder ernst: "Sie sind komisch! Allerdings meine ich dies nicht im humoristischen Sinne."

Hermine fühlte sich hin und hergerissen. Ein Teil von ihr verlangte, dass sie einfach ging - sich nicht weiter auf ein Gespräch mit ihm einließ. Der andere Teil gab ihm durchaus Recht und befahl ihr regelrecht, sich ihr schlechtes Gewissen von der Seele zu reden.

"Warum sind Sie hier alleine?", fragte er plötzlich.

"Ich...weil ich keine Lust auf Qudditch habe", erwiderte sie kurz.

Er nickte leicht, dann sagte er sachlich: "Gehe ich Recht in der Annahme, dass Ihr...Ehemann nichts von unseren Treffen weiß?" Hermine schloss kurz die Augen, dann sah sie ihn um so entschlossener an. "Nein, er weiß nicht, dass ich hier auf Hogwarts war - er weiß auch nichts über den Besuch von Ihnen in unserer Wohnung. Ich erzählte ihm lediglich, dass wir uns in der Winkelgasse trafen. Hören Sie, Professor Snape...es tut mir leid. Die Sache in der Buchhandlung. Sie wollten nett sein - das bin ich von Ihnen nicht gewohnt, okay?"

Als sein Lachen erneut erklang, packte Hermine Wut: "Ich habe mich schlecht benommen und ich bin ein Mensch, der sich dafür entschuldigt. Dass Sie das nicht nachvollziehen können, hätte ich mir denken können, aber für mich ist die Sache damit erledigt - Leben Sie wohl, Professor."

Hermine stapfte den Hügel hinauf und war schon an der Kuppe angekommen, als sie plötzlich seine Hand spürte. Er hatte nach ihrem Arm gegriffen und zog sie zu sich herum.

Seine dunklen Augen drangen in die ihren und hielten sie fast genau so gewaltsam fest, wie seine Hand es tat. "Gar nichts ist erledigt! Ich habe Fragen an Sie - und Sie werden Sie mir beantworten!"

"Sie haben Fragen? Was soll das heißen, Sie haben Fragen? Wenn hier jemand Fragen hat, dann bin ich das!", keifte Hermine ihn an.

Er ließ sie los und sagte völlig ruhig: "Dann fragen Sie."

Hermine hatte mit einem Disput gerechnet. Diese plötzlich sanfte Art von Snape überrumpelte sie völlig. Doch sie hatte ihre Frage schneller ausgesprochen, als sie es bei klarem Verstand getan hätte.

"Haben Sie mir Träume von Ihnen aufgedrängt?"

Seine Augenbrauen zogen sich zusammen. "Aufgedrängt? Nein! Also träumen Sie immer noch von mir?"

Hermine sah ein, dass leugnen äußerst wenig Sinn machte, daher nickte sie trotzig.

"Was träumen Sie?"

Erst jetzt erkannte sie, in welche Falle sie durch ihre Unbesonnenheit getappt war.

"Ist nicht wichtig - vergessen Sie es!"

"Träumten Sie wieder von meinem Tod?"

"Ja, genau! Deshalb sagte ich ja auch, dass es nicht wichtig ist!" Hermine hatte ironisch klingen wollen, doch ihre Stimme klang seltsam verzweifelt.

Er ging über diese neuerliche Anfeindung hinweg.

"War es der gleiche Traum? Kam ich auf die gleiche Art zu Tode?"

Ein schreckliches Gefühl breitete sich in Hermine aus. Sie konnte ihn unmöglich länger in diesem Glauben lassen. "Ich habe in letzter Zeit nicht von Ihrem Tod geträumt. Was interessiert Sie so sehr daran? Es sind nur Träume...nur Träume!"

Als wolle sie sich dies selbst am meisten klar machen, hatte sie die letzten Worte überdeutlich ausgesprochen.

Snape nickte, doch schon seine nächsten Worte zeigten ihr, dass er sie damit nur hatte beruhigen wollen.

"Sie haben doch nicht tatsächlich erotische Träume von mir."

Wie aufs Stichwort errötete Hermine und hätte sich dafür am liebsten selbst im See ersäuft.

Snapes Augen blitzten für einen Moment auf, dann neigte er den Kopf etwas zur Seite und sah sie forschend an. Hermine bemühte sich um eine feste Stimme: "Sie brauchen sich nichts darauf einzubilden. Ich bin...verwirrt in letzter Zeit. Vielleicht ist es ja auch eine Art Selbstbestrafung." Sie wartete auf seine Reaktion wegen ihrer drastischen Vermutung. Doch er reagierte völlig anders, als sie es erwartet hätte.

Hermine konnte kaum glauben, dass er nach ihrer Offenbarung nicht weiter darauf einging, als er jetzt sagte: "Das bringt mich auf meine Frage während des Mittagessens zurück...was ist aus Ihnen geworden?"

Sie hatte geahnt, dass er damit nicht vordergründig ihre berufliche Laufbahn gemeint hatte. Sein taxierender Blick tat sein Übriges.

"Ich will das nicht", erwiderte Hermine in Ermangelung einer vernünftigen Antwort, abermals wandte sie sich zum Gehen.

Diesmal hielt er sie mit beiden Händen fest und drehte sie zu sich um, um ihr direkt in die Augen zu blicken.

"Hören Sie zu", zischte er, "ich weiß nicht, was hier gespielt wird, aber es gibt eine Verbindung zwischen uns. Als Sie mir das erste mal von Ihrem Traum erzählten, fühlte ich mich, als hätte ich es genau vor Augen. Ich muss wissen, ob dies wieder passiert. Erzählen sie mir irgendeinen Ihrer Träume!"

"Nein! NEIN!" schrie Hermine ihn an, "Sie wollen nur Ihre perverse Gier stillen - dazu werde ich nicht herhalten - Nie!"

"Ich sagte irgendeinen. Dann wählen Sie verdammt nochmal einen aus, der nicht erotisch ist!"

"Das kann ich nicht!" hatte sie geschrien, bevor sie klar nachdenken konnte.

Er stutzte sichtlich. Dann schien er zu verstehen. Hermine sah, wie er sein Haar zurückstrich und seine Augen auf ihr ruhten. Plötzlich wanderten sie an ihr entlang. 'Das Kleid', schoss es Hermine durch den Kopf 'es ist fast durchsichtig in der Sonne'.

Sich dieses Umstandes wohl bewusst, legte sie so viel Bitterkeit in ihre Stimme wie es ihr möglich war: "Es würde Ihnen nicht wirklich gefallen, was darunter ist...glauben Sie mir."

Er bemühte sich nicht, sein Interesse zu verbergen: "Was macht Sie da so sicher?"

"Etwas, das Sie nie zu sehen bekommen werden."

Ein Schnauben entfuhr ihm, doch er schien sich jetzt wieder auf sein eigentliches Anliegen zu konzentrieren.

"Ich möchte Ihnen einen Vorschlag machen...sagen wir, damit wir beide wieder ruhiger schlafen können..."

"Was?", fuhr ihn Hermine an.

"Der Schmerz in Ihrem Herzen...lassen Sie ihn mich ergründen. Lassen Sie mich in Ihre Gedanken."

Hermine schüttelte abwehrend den Kopf. "Nein! Warum? Warum wollen Sie das tun?"
"Das sagte ich Ihnen bereits - weil es etwas gibt, dass uns beide verbindet...und wenn ich dies auflösen kann, so sollte dies auch in Ihrem Interesse sein."

Ein fast schmerzlicher Laut entfuhr Hermine. Ihr war klar, dass sie dieser Verbindung, von der er sprach, nicht entkommen konnte. Die sinnlichen Träume ließen keinen Zweifel daran. Doch die Möglichkeit die er ihr bot, war vielleicht noch sehr viel bedeutsamer für sie. Nicht nur ihre Träume würden vielleicht auf diese Art verschwinden, sondern möglicherweise würde sie endlich erfahren, was vor ihrem Unfall geschehen war.

"Wenn ich dem zustimme, müssen Sie mir einige Dinge schwören."

"Und was wäre das, Professor Granger?"

Hermine schluckte sichtbar: "Halten Sie sich aus den Erinnerungen an meine Träume raus! Konzentrieren Sie sich nur auf den Bereich, den ich selbst nicht zu durchdringen in der Lage bin. Nichts anderes!"

Ein Lächeln huschte über sein Gesicht: "Diese Träume beginnen mich langsam wirklich zu interessieren", sagte er amüsiert.

"Nein, nein, vergessen Sie's - ich wäre ja verrückt, mich Ihnen anzuvertrauen", zischte sie ihn an.

"Ich halte mich aus Ihren anderweitigen Gedanken heraus und werde nur dorthin vordringen, wo ein 'Eintritt verboten Schild' prangt. Beruhigt Sie das jetzt?"

Genau mit diesen Worten hatte er ihr überdeutlich klar gemacht, dass es keinen Grund zur Beruhigung gab.

tbc