11. Kapitel
Schweigen
Hermine konnte ihm nicht in die Augen sehen. Zu schockierend war die Tatsache, dass sie Lust an einer solchen Behandlung durch ihn empfunden hatte.
Diese Erinnerungen konnten nicht richtig sein. Und doch spürte sie tief in ihrem Inneren, wie sich die Erkenntnis bildete, dass es genau so gewesen war. Doch wie war das nur möglich? Und warum konnte er sich ebenfalls nicht daran erinnern, was zwischen ihnen gewesen war? Vögelte er so viele Frauen auf diese Weise, dass man schon mal die ein oder andere vergessen konnte?
Hermine löste sich mit Nachdruck von dem Mann, der in der Vergangenheit auf so entwürdigende Weise ihren Körper in Besitz genommen hatte.
Snape zog seinen Arm zurück und erst jetzt sah sie, dass seine Augen geschlossen gewesen waren.
Einen Moment schien er noch einem Gefühl hinterher zu spüren.
"Ich erinnere mich daran", sagte er vage.
Hermine heulte vor Zorn auf: "Wir reden hier nicht von einem Schachspiel oder einer netten Unterhaltung am Kamin - das war...oh, Gott!" Erneut schlug sie die Hände vor das Gesicht. Seine Stimme klang hart und belehrend: "Es war Sex. Nichts weiter - nur Sex!"
"Es war brutal", warf sie entsetzt ein.
Snape sah sie auf eine Weise an, die ihr zu sagen schien, dass sie es eigentlich besser wissen müsste. Das wirklich Schreckliche war, dass sie es tatsächlich anders empfunden hatte. Im Geiste sah sie sich noch auf diesem Tisch liegen. Die Hände gefesselt und dadurch scheinbar wehrlos. Doch jetzt wurde ihr klar, dass es nur ein Spiel gewesen war. Sie hätte ihre Arme jederzeit nach vorne bewegen können, doch sie hatte sie kopfübergestreckt gelassen. Und ihre Beine - sie hätte nach ihm treten können, doch auch das hatte sie nicht getan. Was er mit ihr gemacht hatte, hatte ihre Zustimmung gefunden. Und es hatte sie erregt. Beschämt stellte sie fest, dass es das auch jetzt tat. Um ihm dies nicht zu offenbaren, schob sie Wut vor. Wut war so viel besser, als sich das Offensichtliche einzugestehen.
"Sie haben sich absolut rücksichtslos verhalten. Wie auch immer es dazu kam - es war niemals mit meinem Einverständnis!"
Er hob beschwichtigend die Hände: "Gut - in Ordnung. Gehen wir davon aus, dass es einen anderen Grund dafür gab - das es etwas anderes war, als ein Sexspiel, das Ihre Zustimmung fand. Wir werden keine Antwort finden, wenn wir an dieser Stelle aufhören. Im übrigen werden Sie wohl unter den gegebenen Umständen zustimmen, dass wir uns mit Vornamen ansprechen sollten."
"Verlangen Sie das nicht von mir", gab Hermine wie betäubt zurück, dann schüttelte sie den Kopf und sagte: "Ich meine nicht die Sache mit den Vornamen - ich meine Ihren Wunsch, die Legilimentik weiterzuführen. Ich kann das nicht!"
"Vertrauen Sie mir. Ich werde Sie zu nichts zwingen."
Hermine lachte freudlos auf, denn seine Worte klangen nach den Erinnerungen, die sie gerade erfahren hatte, wie der blanke Hohn.
"Ich kann nicht, verstehen Sie denn nicht? Ich muss hier weg!"
Hermine war schon aufgestanden und wollte zur Tür eilen, doch er war schneller und hielt sie fest.
Ohne weiter darüber nachzudenken, holte sie mit der Hand aus und traf seine linke Wange mit voller Wucht. Er zwinkerte nicht einmal mit den Augen als ihr Schlag ihn traf. Hermine wollte zurückweichen, doch er hielt sie an den Händen fest und zog sie zurück an den Kamin. Schließlich drückte er sie in den Sessel. Hermine erinnerte sich an den Traum, den sie von ihm gehabt hatte, in dem er sie zu Boden gedrückt, und sie an Ort und Stelle besessen hatte. Schmerzlich wurde ihr klar, dass ihre sexuellen Kontakte sich keineswegs nur auf ein oder zwei Begebenheiten reduzierten.
"Was ist zwischen uns gewesen?", fragte sie mit schwankender Stimme, "hatten wir eine...Affäre?"
"Halten Sie das für möglich?", fragte er mit taxierendem Blick.
Hermine senkte den Kopf: "Ich weiß es nicht - vielleicht", gab sie dann leise zu. Plötzlich hob sie wiederum trotzig den Kopf. "Warum wissen Sie dann nichts mehr davon? Bei mir war es der Unfall, der die Erinnerungen auslöschte - aber Sie? Sie müssten sich doch erinnern, wenn es so gewesen ist!"
Sein Blick verdüsterte sich. Scheinbar hatte er genau über diese Dinge auch bereits nachgedacht und es schien ihm ganz und gar nicht zu gefallen, dass jemand offensichtlich seine Erinnerungen manipuliert hatte.
"Wir haben eine Möglichkeit all dies herauszufinden. Lassen Sie mich noch einmal Zugriff auf Ihre Gedanken nehmen."
Sofort schüttelte Hermine den Kopf.
Snape seufzte und setzte sich neben sie. Mit einer Hand rieb er seine Stirn und er ließ einen Moment verstreichen, bevor er eindringlich fragte: "Was, Hermine...was könnte jetzt noch schlimmer für Sie sein?"
Immer noch schüttelte sie langsam den Kopf.
"Woher soll ich das wissen? Ich kann mich an nichts erinnern. Ich habe diesem Plan überhaupt nur zugestimmt, weil ich etwas über die Umstände meines Unfalles erfahren wollte. Und jetzt...ich will nicht noch einmal so...vorgeführt werden."
Snape schnaubte laut auf. "Ich führe Sie nicht vor. Es ist geschehen...es sind Ihre Erinnerungen!"
Zum ersten mal nickte Hermine und Tränen liefen ihr über die Wangen.
"Ich weiß...ich weiß...", murmelte sie leise.
Die Miene des Tränkemeisters blieb undurchdringlich und Hermine begriff, dass es seine Art war, mit ihren Tränen umzugehen. In diesem Moment hätte sie es begrüßt, wenn er sie noch einmal tröstend in den Arm genommen hätte, doch das tat er nicht. Statt dessen schien er ungeduldig zu werden. Snape stand auf und ging ein Stück durch den Raum. Hermine wischte sich wütend die Tränen vom Gesicht und fuhr ihn an: "Was wollen Sie, Snape?"
Er hielt inne und sah sie funkelnd an: "Granger! Ich will die Chance nutzen, die sich uns bietet! Ich muss wissen was in Ihrem Kopf ist!"
"Sie wollen mehr sehen? Warum? Erregt es Sie?", spie sie ihm entgegen.
Seine Stimme war wie Samt, der langsam reißt: "Ja, es erregt mich. Wie sollte es das wohl auch nicht tun? Aber ich will es nicht deshalb...was immer Sie glauben...es geht hier vielleicht um mehr als Sie und mich!"
Hermine empfand eine seltsame Erleichterung darüber, dass er zugegeben hatte, dass die Bilder in ihrem Kopf ihn erregten. Es nahm ihr einen Teil der Scham, die sie über ihr Verhalten in der Vergangenheit empfand. Vor allem aber nahm es ihr einen Teil der Scham, die sie empfand, weil die Erinnerungen sie ebenfalls aufs neue erregt hatten.
Sie spürte wie ihre Gegenwehr sank. Hermine versuchte sich vorzustellen, was er wohl noch finden mochte, dann kam sie zu dem Schluss, dass die sexuellen Dinge - so verlockend sie für ihn auch sein mochten - wohl kaum sein primäres Ziel waren. Er glaubte, dass mehr hinter ihrem Gedächtnisverlust stand, als der Unfall. Je mehr sie darüber grübelte, desto mehr musste sie ihm Recht geben. Und vielleicht würde er auch einen Hinweis darauf finden, warum es überhaupt zwischen ihnen so weit gekommen war. Hermine wollte gerne glauben, dass die Person, oder der Umstand, der ihre Erinnerungen manipuliert hatte, auch dafür zuständig war. Es würde ihr die Verantwortung für ihr Tun nehmen. Snape hatte sie ihren Gedanken überlassen und ruhig gewartet. Sie war sich jedoch seines Blickes bewusst, der einen Teil ihrer Überlegungen scheinbar auch ohne Legilimentik lesen konnte.
"Sind Sie bereit das Rätsel zu lösen?", fragte er sanft.
Für einen Moment schloss sie die Augen, dann öffnete sie sie wieder und sah ihn mit neuem Selbstbewusstsein an.
"Ja - fangen Sie an", erwiderte sie tapfer.
Snape ließ sich neben ihr nieder und schien noch etwas sagen zu wollen, doch er überlegte es sich scheinbar anders und stellte den intensiven Augenkontakt her, ohne weiter zu zögern.
Hermine fühlte abermals wie er in ihren Geist drang. Er fand den Weg zu ihren verkapselten Erinnerungen nun viel schneller.
Sie spürte, wie er die schützende Mauer mühelos durchdrang. Scheinbar hatte er den Zugang soweit freigelegt, dass er problemlos hindurch schlüpfen konnte. Der Blick auf die frostige weite Landschaft in ihrem Kopf ließ sie eine Ahnung davon bekommen, wie viele Erinnerungen hier förmlich auf Eis lagen. Doch Snape schritt schnell voran und widmete sich der ersten neuen Erinnerung, die in seiner Reichweite lag. Hermine sah sich selbst. Es war eine helle Vollmondnacht. Sie war auf den Ländereien von Hogwarts. Der See erstreckte sich vor ihr und sie sah den runden Mond auf seiner Oberfläche glitzern. Der Mann an ihrer Seite hatte eine Hand in der ihren verschlungen. Plötzlich löste er sich und sah sie mit seinen dunklen Augen an.
"Ich erwarte dich im See...sagen wir, du hast genau zwei Minuten." Hermine sah zu, wie Snape seine Kleidung ablegte und sie betrachtet ihn dabei aufmerksam. Sein Muskelspiel im Mondschein ließ sie leise Lächeln. Es war Vorfreude, die sich in ihr breit machte. Sie wusste was geschehen würde. Sehnte sich mit jeder Faser ihres Körpers danach.
Als er kopfüber in das Wasser sprang dachte sie über seine Worte nach. Zwei Minuten hatte er ihr gegeben. Die würde sie nicht benötigen. Schnell streifte sie ihre Kleidung ebenfalls vom Körper. Das Dreieck zwischen ihren Beinen pulsierte. Dann ging sie vorsichtig zum Wasser. Kaum hatte sie einen Fuß hineingetaucht, zog sie ihn wieder heraus. Es war eiskalt. Nun bekamen die zwei Minuten Gnadenfrist eine ganz andere Bedeutung. Hermine sah flehend zu Snape. "Es ist eisig", brachte sie hervor.
Sein Lachen drang zu ihr herüber. "Du hast schätzungsweise noch eine Minute."
"Und wenn ich nicht ins Wasser will, was dann?", hörte sie die Hermine in ihrer Erinnerung fragen.
Snapes Stimme wurde drohend: "Du weißt, was dann passiert. Darauf würde ich es nicht ankommen lassen."
"Sadist", hörte sie sich selbst murmeln und tauchte abermals einen Fuß in das Wasser. Dann atmete sie tief durch und setzte einen Fuß vor den anderen, bis sie bis zum Bauchnabel versank. Ihr Herz klopfte vor Kälte bis zum Hals. Von Erregung keine Spur mehr. Dennoch ging sie weiter. Erst als ihre Füße den Boden unter sich verloren, legte sie sich vollends auf das Wasser und schwamm, unter einem leisen Aufkeuchen los. Sie war so damit beschäftigt, ihre Atmung unter Kontrolle zu halten, dass sie erst jetzt bemerkte, dass von Snape nichts mehr zu sehen war. Irritiert hielt sie inne und sah sich um. Die vom Mond erhellte Oberfläche war leer. Hermine befiel Angst. Hatte der Krake sich ein Opfer zum Spielen gesucht? Dann wurde die Oberfläche direkt vor ihr durchbrochen und Hermine glaubte fast, sie würde das nächste Opfer des Seebewohners. Schnell erkannte sie jedoch, dass sie ein Opfer der ganz anderen Art werden sollte. Snape war ihr so nahe, dass sie Wassertropfen ins Gesicht bekam, als er seine Haare zurückstrich.
"Endlich! Das wollte ich dir auch geraten haben", sagte er leise grollend, dann zog er sie bestimmt an sich und Hermine umklammerte ihn wie selbstverständlich mit beiden Beinen.
Sein Eindringen war eine einzige fließende Bewegung, die Hermine so natürlich schien wie das Atem schöpfen. Sie gehörte ihm. Er füllte sie aus und zog sie noch näher an sich, als wolle er sichergehen, dass sie sich ihm nicht entwand. Einen Moment verharrte er so und sah ihr direkt in die Augen. Dann zog er sich aus ihr zurück, ohne sie jedoch loszulassen. Langsam schwamm er mit ihr in das seichte Wasser, so dass er stehen konnte. Erneut umklammerte sie ihn und er nahm sie wieder in Besitz. Dann begann er sich in ihr zu bewegen und die Intensität war so stark, dass Hermine lustvoll aufstöhnte. Als sie auch ihn stöhnen hörte, wurde ihr plötzlich klar, dass es nicht der Snape aus ihrer Erinnerung war, der seiner Erregung verbal Ausdruck verlieh. Es war der Mann ihr gegenüber, der ebenso in diesen Bildern gefangen war wie sie selbst.
Als ihre Erinnerung abrupt verblasste, wurde ihr klar, dass er seinen Weg durch ihren Geist nun fortsetzen würde, und dass er sich in dieser Erinnerung scheinbar wesentlich mehr verfangen hatte, als ihm lieb war. Während er Erinnerungen anriss, musste Hermine sich eingestehen, dass ihre Träume tatsächlich Bruchstücke aus ihrer Erinnerung gewesen waren, die an die Oberfläche drangen. Diese Begebenheit im See hatte sie bereits vor einigen Nächten durchlebt. Snape hielt bei einer Erinnerung inne, die sie beide wiederum in seinem Kerker zeigte. Sie saßen sich gegenüber und zwischen ihnen war der Tisch - der jetzt sofort ein Schamgefühl in ihr hochsteigen ließ - reichlich mit Essen gedeckt. Ihr Ebenbild leerte gerade ein Weinglas. Sie stellte es vor sich auf dem Tisch ab und wandte sich dann zu Snape um. "Was möchtest du tun?", erklang die Stimme des Tränkemeisters seltsam vertraut in ihrer Erinnerung. Statt ihm zu antworten, begann sie damit, ihre Bluse aufzuknöpfen. Ein kehliges Lachen entrang sich ihm und er zog sie auf seinen Schoß, wobei seine Hand grob ihre Brust umfasste. In dem Moment, als Snape ihre Brustwarze mit zwei Fingern zu reiben begann, wurde die Erinnerung abrupt beendet.
Obwohl sie sich im Niemandsland zwischen Erinnerung und Realität befand, konnte sie ahnen, was nun in dem realen Snape vorging. All diese sexuellen Handlungen übten auf sie selbst einen derartigen Reiz aus, dass sie sich lieber nicht vorstellen mochte, wie sehr er inzwischen Sklave seiner eigenen Lust war. Sie begann sich zu fragen, warum er immer wieder auf Sexszenen zwischen ihnen beiden stieß. Hatten sie denn wirklich nur dies miteinander geteilt? Gab es nichts Alltägliches? Nichts, das darüber Aufschluss gegeben hätte, wie sie sonst zueinander standen?
Er hatte wohl einen ähnlichen Gedanken gehabt und drang wesentlich tiefer in ihren Geist vor, als wolle er all diese lustvollen Erinnerungen weit hinter sich lassen und sehen, was hinter all dem steckte. Und tatsächlich, die Tatsache ignorierend, dass sie es wohl selbst war, die den Sexeskapaden einen immens großen Stellenwert in ihrem Kopf eingeräumt hatte, sah Hermine eine Situation, auf die sie gehofft, und die sie gleichzeitig zutiefst gefürchtet hatte.
Regen prasselte auf sie nieder. Ihr Atem ging schnell. Sie musste ihr Ziel erreichen. Die verdammte Ampel, wann schaltete sie endlich auf grün? Hermine hatte Angst. Sie sah sich um. Endlich - grün! Mit eiligen Schritten betrat sie die Fahrbahn, als auch schon im nächsten Moment ein Auto auf sie zugeschossen kam. Der Fahrer war hinter der regennassen Windschutzscheibe nur schwer zu erkennen. Dennoch war sie überrascht ihn in ihrer Erinnerung überhaupt zu sehen. Bislang hatte dies völlig im Dunklen gelegen. Alles ging rasend schnell und das einzige was ihren entsetzten Geist ausfüllte, war das Auto. Schwarz war es - und schwarz wurde alles vor ihren Augen. Doch diesmal war es nicht die Schwärze des Todes. Diesmal war es Snape, der sie aus ihren eigenen Gedanken ausgesperrt hatte. Hermine konnte ihn spüren. Er drang weiter in die Vergangenheit, doch er nahm sie nicht mit. Verzweifelt versuchte sie ihn zu rufen. Doch er hielt nicht inne und ging seinen Weg alleine - ohne sie.
Warum tat er das? Jetzt, da sie endlich an den Punkt gekommen war, der all ihre Fragen beantworten sollte, ließ er sie außen vor. Wollte er sie schützen? Hatte er bemerkt, wie schrecklich die Erfahrung des Unfalles und des klinischen Todes noch in ihr wirkte? Hermine versuchte ihn aufzuhalten. Er sollte dies nicht ohne sie tun. Sie musste sehen, was geschieht - was bereits geschehen war. Doch er ignorierte ihren Protest. Unbeirrt durchdrang er das Dunkel und sperrte sie aus. "Gehen Sie raus!", wimmerte Hermine leise. "Gleich - gleich", kam seine Antwort von weit her. Es kam ihr vor wie eine Ewigkeit, bis er ihrer verzweifelten Bitte endlich nachkam.
Als er sich aus ihren Gedanken zurückzog, fühlte sie sich wie eine Marionette, der man plötzlich die Fäden durchgeschnitten hatte. Seltsam wehr- und willenlos musste sie erst einmal Atem schöpfen, bevor sie ihn anschreien konnte.
"Warum haben Sie das getan? Sie hatten mir Ihr Wort gegeben!"
Ohne eine Spur von Mitgefühl stellte sie fest, dass er erschöpft aussah. Auch seine Stimme klang kraftlos, als er erwiderte: "Ich habe mich an mein Versprechen gehalten. Ich habe nur den Bereich durchdrungen, der Ihnen selbst verborgen war."
"Ja - aber Sie haben mich einfach stehen lassen. Meine Erinnerungen an den Unfall - ich muss wissen was geschehen ist!"
Snape atmete tief durch und sein Blick wurde finster.
"Nichts ist passiert. Sie gingen über die Straße und ein Autofahrer hat Sie nicht gesehen. Er fuhr Sie an. Das war alles."
Hermine sah ihm in die Augen und schüttelte den Kopf. "Das ist eine Lüge!"
"Sie sollten jetzt gehen, Professor Granger."
"Nein! Ich muss wissen was geschehen ist - die Wahrheit!"
Snape setzte ein spöttisches Lächeln auf und erwiderte: "Sie hätten wohl gerne, dass sich ein Geheimnis um Ihren Unfall rankt - aber dem ist nicht so!"
Hermines Augen begannen vor Verzweiflung zu brennen. Sie kämpfte die Tränen nieder und sagte bemüht ruhig: "Aber es war etwas zwischen uns. Dies können Sie mir nicht ausreden. Oder wollen Sie mir ernsthaft sagen, dass es bloße Einbildung von mir ist, dass wir es bei jeder Gelegenheit miteinander getrieben haben?"
Sie hatte versuchen wollen ihn aus der Reserve zu locken, doch sein Blick blieb undurchdringlich und seine Stimme klang desinteressiert. "Es mag sein, dass wir das ein oder andere mal Sex hatten. Doch wie Sie selber wohl am besten wissen, ist dies Vergangenheit. Sie sollten jetzt gehen."
Nun war es mit Hermines Selbstbeherrschung vorbei.
"Ich werde erst gehen, wenn ich weiß, was Sie gesehen haben. Warum haben Sie mich zurück gelassen? Was war da noch? WAS?"
Snape rieb sich die Stirn, dann sagte er versöhnlich: "Die Erinnerungen wären zu grausam für Sie. Dies ist auch der Grund, warum Ihr Geist sie eingekapselt hat. Es ist besser, wenn Sie diesen Schmerz und diese Angst nicht wieder aufleben lassen. Belassen Sie es dabei und gehen Sie jetzt!"
"Nein! Nicht nach all dem!"
Snape erhob sich so schnell, dass Hermine erschrocken zurückwich. Er ging quer durch den Raum und setzte sich demonstrativ an seinen Schreibtisch. "Raus hier!", knurrte er dann leise und doch äußerst bedrohlich. Hermine versuchte den Mann am Tisch mit dem leidenschaftlichen Liebhaber in Einklang zu bringen, der sie in ihrer Erinnerung so willenlos gemacht hatte. Als er sie keines Blickes mehr würdigte, kam sie zu dem Schluss, dass sie den größten Fehler ihres Lebens begangen hatte, indem sie ihn in ihre Gedanken gelassen hatte. Als sie zur Tür ging, hielt sie nochmals inne und sagte leise flehend: "Bitte, sagen Sie mir was Sie gesehen haben."
Er hob den Kopf und sah sie an wie ein lästiges Kind, dem man zum zehnten mal etwas erklären muss.
"Ich habe es Ihnen gesagt. Da ist nichts. Es gibt absolut nichts, über das Sie sich Gedanken machen müssten. Vergessen Sie auch alles, was sich zwischen uns abgespielt hat. Da war nichts, außer Sex, der Ihnen heute so widerlich erscheint, dass Sie es einfach schnell vergessen sollten. Was auch immer uns einst zusammenführte, es hatte nichts mit...Gefühlen anderer Natur zu tun - zudem waren Sie damals noch nicht verheiratet. Aber jetzt sind Sie es. Und nun gehen Sie zu Ihrem Mann und leben Sie Ihr Leben." Dann senkte er den Kopf über einige Blätter Pergament. Hermine spürte unbändigen Hass auf diesen Mann. Sie spürte den Wunsch ihn zu rütteln und die Wahrheit aus ihm herauszuquetschen. Sie wusste, dass sie dazu wohl kaum in der Lage wäre und so tat sie das einzige, was ihr übrig blieb.
Sie verließ den Raum grußlos und machte sich auf den Weg nach hause - zu ihrem Mann - zu ihrem wahren Leben.
tbc
