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Mich schauderte als ich das alles lass. Ein einfacher Mann Gottes war über Nacht zur reißenden Bestie geworden. Diesen Mann begann ich zu fürchten, er war grausam und kalt. Das war nicht der Sebastian, den ich hier getroffen hatte. Ich blätterte ein paar Seiten nach vorne und lass weiter.
Huntigton 23.6.1618
Martha zwang mich schon wieder zu kultiviertem Benehmen. Wie ich diese geckenhaften Menschen verachte. Am liebsten würde ich mir einen von ihnen aus der Menge schnappen und ihm den dürren Hals umdrehen. Doch Martha würde sehr wütend werden, wenn ich das täte. Wir waren wieder einmal auf einer Landpartie uneingeladen erschienen. Aus Langeweile unterhielt ich mich mit einem jungen Mann, der mir sehr viel wirres politisches Zeugs erzählte. Sein Name war Oliver Cromwell, von ihm sollte man später noch viel hören, doch an diesem Abend empfand ich ihn als jungen Hitzkopf, mit fantastischen Ideen und als mögliches späteres Dinner…….
Ich erinnerte mich, dass er mir von Martha erzählt hatte. Ich hatte ein paar Seiten nach vor geblättert, da ich nicht die ganze Zeit von seinen blutigen Taten lesen wollte. Doch wie genau und wo er Martha traf das interessierte mich schon sehr.
Essex 11.9.1589 Martha
Ich schlich mich in der Dunkelheit an eine Kutsche heran. Wie gut das es immer wieder unvorsichtige Reisende gab. Sie machten halt an einer von Bäumen umschlossenen Lichtung, für mich perfekt. Hier konnte ich mich an ihnen ergötzen und laben, ohne entdeckt zu werden.
Ich packte den Kutscher, der verkehrt zu mir stand und an der Feuerstelle hantierte, bemüht ein Feuer zu entfachen. Ich schleuderte ihn zu Boden und warf mich über ihn, bereit ihn zu beißen , ihn zu töten. Doch plötzlich wurde ich durch die Luft geschleudert. Ich schlug schwer am Boden auf und ehe ich mich wieder fassen konnte, saß auf mir rittlings eine zierliche wunderschöne Frau. Sie lachte mich aus und vereitelte jede meiner Bemühungen mich zu befreien. Wie war das möglich? Schon seit vielen Jahren, hat es niemanden gegeben der stärker war als ich. „Na, kleiner Vampir, wolltest du meinen guten Freund und Kutscher töten? Du bist wohl ein ganz Schlimmer!"
Dabei lachte sie glockenhell auf. Ich war verzaubert von diesem Klang und von ihrer Schönheit. Sie hatte schwarze lange Haare, die ihr herzförmiges Gesicht weich umschmeichelten. Ihre Augen waren von einem strahlenderem blau als meine und funkelten mich übermütig an. Sie wirkte wie gerade mal zwanzig Jahre alt, tatsächlich war sie 1308 in Ungarn geboren worden und somit eigentlich schon mehr als 200 Jahre alt. Eine Figur hatte sie wie ein sündiger Engel, der sie auch war. „Nun ich hatte schon lange keinen Gefährten mehr. Seit Vlad mit dieser Mina rumzieht, war ich alleine. Ich könnte dich mitnehmen, du scheinst Hilfe brauchen zu können." Sie musterte mich von Kopf bis Fuß. Ich war kein schöner Anblick. Die Kleider waren lediglich Lumpen, die meinen Körper gerade mal so verhüllten und ich starrte vor Schmutz. Mir war mein Äußeres egal geworden, nur mehr die Jagd auf Beute war für mich Interessant. Martha erhob sich und half mir hoch, wieder erstaunte mich ihre Kraft. „Ich bin Martha und so wie du ein Vampir. Wer hat dich verwandelt?" Ich erzählte ihr meine Geschichte, die sie unheimlich zu amüsieren schien. „Und du kanntest den der dich verwandelt hat gar nicht? Du weißt nicht wer es war?" Verneinend schüttelte ich den Kopf. „Eine Legende besagt, wenn es dir gelingt deinen Erschaffer zu töten, wirst du wieder ein Mensch und sterblich." Neugierig besah ich sie. „Und, hat das schon mal jemand gemacht?"
Sie blickte mich mit einem Augenzwinkern an. „Keine Ahnung" Dann wandte sie sich um zu ihrem Kutscher. „Charon! Wir haben einen Gast und vielleicht einen neuen Freund gefunden. Haben wir noch Kleidung für ihn?" Und zu mir gewandt sagte sie. „Du solltest unbedingt ein Bad nehmen, du riechst, um nicht zu sagen du stinkst, mein Lieber. Wie lautete eigentlich dein Name?" Ich nannte ihn ihr. Sie schickte mich hinab zum nahen Fluss und ich musste baden. Anschließend gab sie mir neue Kleider, ich fragte sie nicht, woher die stammten. Ich wusste es, von ihren Opfern. Nur waren ihre Opfer im vergleich zu meinen sehr wohlhabende Personen gewesen, denn das was sie mir zum Ankleiden gab, war alles aus sehr kostbarem Material. Sie deutete mir, nachdem ich mich ihr mit den neuen Kleidern präsentiert hatte, sich zu ihr zu setzten. „Du bist sehr hübsch. Wir werden viel Freude aneinander haben, aber zuerst musst du lernen dich wieder wie ein Mensch zu benehmen. Nein, du musst dich sogar noch besser benehmen. Dann kannst du ein bequemes und sorgloses Leben so wie ich führen. Alle Reichtümer der Menschen stehen dir zur Verfügung und das köstlichste Blut, der Reichen und Schönen. Glaub mir die schmecken besser, als die armen Teufel von denen du dich bis jetzt genährt hast." Noch an diesem Abend begann mein Unterricht.
Sie lehrte mich Fremdsprachen, wie man mit Besteck umgeht, da ich schon so lange mehr keines gebraucht hatte, waren meine Fähigkeiten eingerostet, Konversation, politische Themen und Themen die man unbedingt vermeiden sollte. Ich war sehr wissbegierig und sog alles was sie mir beibrachte wie ein gieriger Schwamm auf. Selbst die Art zu töten hatte sie für sich zu einer Kunstform erhoben. Sie sprang ihre Opfer nicht einfach an, oh nein. Sie verführte sie, sie umgarnte sie, bis sich die Opfer ihr freiwillig hingaben. Das zu Beobachten war ein sehr sinnliches Schauspiel und wir liebten uns danach ausgiebig.
Eifersucht durchzuckte mich. Er hatte diese Frau geliebt, dass konnte ich unmissverständlich herauslesen. Aber die Liebe hielt nicht für Ewig. Gut.
1665 London Der schwarze Tod
Die Pest hielt die Stadt fest in ihrem Griff, selbst für unsereins war der schwarze Tod tödlich. Martha und ich sahen einen jungen Vampir, der sich an einem kranken Mann labte und kurz drauf eines grausamen Todes verstarb. Gott stehe uns bei, oder wer auch immer. All unsere Versuche der Stadt und somit der Krankheit zu entfliehen scheiterten. Die ganze Stadt war im Aufbruch, jeder der konnte versuchte zu fliehen. Für uns erschwerte sich das Ganze noch zusätzlich, da wir nur Nachts reisen konnten. Wir standen kurz davor zu verhungern. Keiner von uns wagte es einen Menschen anzurühren, den bei vielen war die Krankheit noch nicht ausgebrochen, aber sobald die Krankheit in einem steckte, war sie für uns tödlich. Wir begannen zu altern, etwas was nur nach langem hungern passiert. Es war schlimm für uns den unaufhaltsamen Prozess bei dem anderen zu sehen. Marthas Haare waren über Nacht schneeweiß geworden und ihr wunderschönes herzförmiges Gesicht, mit den schönen blauen Augen zeigte erste Falten und ihre Wangen wirkten eingefallen. Ich konnte in ihren Augen sehen, dass ich ähnlich verfiel. In unserer Not schlichen wir auf ein Schiff und entkamen so auf den Kontinent. Nur unter der Mannschaft grassierte eine seltsame Krankheit, einige der Seeleute verstarben bei der Überfahrt an Blutarmut.
1789 Paris
Die Stadt ist verrückt geworden, Paris steht in Flammen. Martha und ich fliehen vor dem gemeinen Mop und dem Feuer, um unser Leben. Was für eine schöne Zeit hatten wir zusammen in Paris gehabt. Wir frönten unsere Begierden. Martha hat mich in ihre Verführungskünste gut unterwiesen, keine Frau konnte mehr mir widerstehen. Wie törichte Hühner lagen mir alle zu Füssen. Wie sehr ich meine Macht liebte und die Menschen verachtete. Jede Nacht verführten wir abwechselnd eine junge Frau oder einen jungen Mann, das Ergebnis war immer das gleiche, nach dem wir uns an diesen satt getrunken hatten, liebten wir uns bis zum Morgengrauen. Doch mit einem Schlag war alles aus. Das Schicksal trennte uns in jener Nacht, ich sah sie nie wieder. Der Mop verfolgte mich bis an den Rande der Stadt, erst dort gelang es mir ihnen in die Nacht zu entfliehen. Wie grausam konnten Menschen sein. Ich sah viele erschreckende Bilder. Männer, Frauen und Kinder die enthauptete wurden und deren Köpfe Stolz durch die Strassen getragen wurden. Mich ekelten die Menschen an.
