15. Kapitel
Alles andere als gemütlich
Ein Teil von Hermine konnte es einfach nicht fassen, dass sie diesem Mann tatsächlich folgte, aber es gab da noch diesen anderen Teil, der sich bewusst war, dass hier etwas Außergewöhnliches geschah, und der verdammt neugierig war, was Snape damit bezweckte.
Er führte sie schließlich zu einem kleinen Café, das sie schon ein paar mal bei ihren Besuchen in der Winkelgasse aufgesucht hatte. Sie wunderte sich darüber, dass Snape scheinbar die gleichen Orte aufsuchte wie sie - und dann wunderte sie sich darüber, dass sie sich über so etwas Selbstverständliches wunderte. Schließlich war Snape auch nur ein Mensch; und die Vorstellung, dass er sich nie außerhalb der Schule aufhielt, war einfach absurd. Doch als sie ihm nun gegenüber saß, kam es ihr dennoch völlig irreal vor. Was hatte sie hier mit diesem Widerling zu suchen? Für einen Moment kam ihr sogar in den Sinn, dass man sie hier sehen könnte und sich dumme Gerüchte ausbreiten würden. Doch plötzlich wurde ihr schlagartig bewusst, dass ihre eigene Bekanntheit in der Zaubererwelt sich inzwischen in Grenzen hielt, so dass eventuelle Gerüchte ihr eigentlich egal sein konnten. Bei Snape war dies schon etwas anderes. Er riskierte, dass man ihm eine Affäre andichtete. Hermine sah sich um. Sie wollte sehen, ob Gäste im Schüleralter ebenfalls anwesend waren.
"Sind Sie nervös, Miss Granger?", kam auch sofort der Kommentar von ihm.
"Ja, aber es ist nicht wegen Ihnen - es geht mir nur um...meinen Ruf", erwiderte sie patzig. Dass sie eher an seinen Ruf gedacht hatte, wollte sie lieber für sich behalten.
"Ah...Ihr Ruf", erwiderte er. Snape lehnte sich ein wenig vor, bevor er weitersprach. "Darf ich fragen, was Sie jetzt beruflich machen?" Hermine zögerte einen Moment, dann sagte sie: "Ich unterrichte Literaturwissenschaften." "An einer Muggeluniversität?", hakte er nach. Hermine nickte und wartete scheinbar auf einen abfälligen Kommentar des Magiers. Snape begegnete ihren Augen und sagte ernst: "Da werde ich Sie wohl mit Professor ansprechen müssen." Hermine hob abwehrend die Hand und ihr Ton war bestimmt, als sie sagte: "Nein, belassen Sie es bitte bei Miss Granger. Ich denke, einen Menschen macht mehr aus wie er sich verhält - nicht sein Titel." Er zuckte andeutungsweise mit den Schultern und knurrte: "Wie Sie meinen." Hermine blickte erneut durch den Raum. Snape sah sich ebenfalls kurz um. "Ach ja, die Sorge um Ihren Ruf." Er taxierte einige Leute die ebenfalls im Café saßen. "Kein Reporter hier, der das Leben der Hermine Granger dokumentieren will - tut mir leid für Sie", sagte er dann sarkastisch.
"Sie wissen genau was ich meine", brauste sie auf.
Einen Moment schien er zu grübeln, dann sagte er: "Natürlich - Sie sitzen hier mit dem widerwärtigsten, selbstsüchtigsten, ungerechtesten Ekel der ganzen Zaubererwelt - habe ich eine wichtige Eigenschaft vergessen, Miss Granger?"
Sie setzte ein süßes Lächeln auf und erwiderte dann: "Ja, Sie vergaßen chauvinistisch."
"Mein Fehler", erwiderte er mit gespielter Zerknirschung und Hermine spürte wie sie lachen musste. Zuerst verbarg sie es hinter einem Hustenanfall, dann versuchte sie eine ironische Miene aufzusetzen, als sie sagte: "Was soll das hier, Professor?"
"Ich wollte nur, dass Sie sich amüsieren", sagte er todernst.
"Ja - sicher! Und da glaubten Sie, Sie seien der richtige Kandidat für dieses Unternehmen."
"Sie scheinen an diesem Urteil zu zweifeln", sagte er lauernd.
Hermine kam ein völlig abwegiger Gedanke in den Sinn. Konnte es sein, dass dieser Mann mir ihr flirtete? Allein diese Überlegung ließ sie schon innerlich den Kopf schütteln. Snape hatte sie damals so sehr in Rage gebracht, dass sie kopflos ihren schlechten Abschluss in seinem Fach hingenommen hatte. Ein schlechte Note war damals so ziemlich die schrecklichste Katastrophe, die ihr passieren konnte - und er war schuld daran! Zudem hatte er all die Jahre nichts anderes getan, als ihr das Leben auf Hogwarts immer wieder so schwer wie möglich zu machen. Und jetzt saß er hier...mit ihr...warum, verdammt?
Als habe Snape ihre Gedanken gelesen, lag sein Blick ruhig auf ihr und er hob fragend eine Augenbraue.
Hermine schluckte, sich wohl darüber im klaren, dass er immer noch auf eine Erwiderung wartete.
"Ich habe mich niemals wohl in Ihrer Gegenwart gefühlt - und ich wüsste nicht, warum sich das plötzlich ändern sollte", gab sie kalt zurück.
Er fixierte sie, lehnte sich zurück und verschränkte seine Arme vor der Brust.
Hermine wurde etwas nervös ob seiner Ruhe, die er immer noch ausstrahlte. Vielleicht wäre es besser einfach zu gehen, damit er ihre Worte auch als Wahrheit erkannte.
"Bleiben Sie und trinken Sie Ihren Kaffee aus", sagte er, wohl das durchschauend, was sie gerade gedacht hatte.
Hermine kam sich vor wie ein ertapptes Kind. Ihre Stimme klang eisig, als sie sagte: "Das werde ich tun - wenn Sie mir was zu sagen haben, dann sollten Sie es also bald tun, denn für gewöhnlich trinke ich schnell, vor allem wenn ich in unangenehmer Gesellschaft bin."
"Sie machen es mir nicht gerade leicht", sagte er tadelnd.
Hermine stieß ein ironisches Lachen aus: "Ich mache es Ihnen nicht leicht? Warum sollte gerade ich Ihnen irgendetwas leicht machen? Haben Sie mir jemals etwas leicht gemacht? Wegen Ihnen habe ich meinen Abschluss versiebt."
Er hob eine Hand um sie zu unterbrechen.
"Sie allein haben die Frage falsch beantwortet."
"Ja, aber Sie gaben mir nicht die Chance, diesen Fehler wieder gut zu machen!"
"Und gaben Sie mir etwa die Chance, Ihnen die Chance zu geben!"
Hermine hielt verblüfft inne.
Er erinnerte sich offenbar noch sehr gut an die Geschichte damals.
"Sie haben mich verhöhnt", sagte sie voller Wut.
Er deutete ein Kopfschütteln an. "Nicht mehr und nicht weniger, als ich es sonst tat. Warum hat es Sie gerade damals so getroffen, dass Sie keinen Weg fanden Ihren Stolz zu überwinden?"
Hermine verschränkte nun ihrerseits die Arme vor der Brust. Aufgebracht fragte sie: "Hören Sie sich eigentlich manchmal auch selbst zu? Ist Ihnen klar, was Sie da sagen? Sie geben zu, dass Sie mich all die Zeit über verhöhnt haben und fragen mich ernsthaft, warum ich dem irgendwann nicht mehr Stand halten konnte?"
Unbeeindruckt fragte er: "Ja - warum konnten Sie das gerade in dieser Situation nicht mehr?"
Hermine schnappte nach Luft: "Weil...weil...", sie verstummte. Ihre Erinnerungen begannen zu rasen. Nach all den Jahren wurde ihr bewusst, warum es sie damals so getroffen hatte, dass er sie so abfällig behandelt hatte. Stets hatte sie geglaubt, dass es damit zusammenhing, dass er ihre Leistung nicht hatte zu würdigen gewusst. Doch dies war all die Jahre zuvor schon so gewesen und hatte sie nicht abgehalten, weiter mit Fragen und unaufgeforderten Antworten um sich zu schmeißen.
Aber damals, zur Zeit der Prüfung, hatte sich etwas verändert. Sie hatte damals zum ersten mal bemerkt, dass ihr Lehrer ein Mensch war - ein Mann. Noch dazu einer, der ihr gesteigertes Interesse erregte. Sie hatte seinen Geruch realisiert - seine Hände - seine geschmeidigen Bewegungen. Es war nicht seine Schuld gewesen, dass damals das männliche Geschlecht begann, ihre Aufmerksamkeit derartig zu erregen. Eine Aufmerksamkeit, die weit den Wunsch nach einem harmlosen Geplänkel überstieg.
Sie wusste, dass Snape nichts von ihrem Interesse an ihm geahnt hatte - es nicht einmal hätte wissen dürfen; aber sie hatte ihm dennoch nicht verzeihen können, dass er sich im Gegensatz zu seiner körperlichen Ausstrahlung wie ein Widerling verhielt. Es hatte sie damals zutiefst verletzt und verunsichert. Diese Art von Hohn war schlimmer, als jede die sie sonst durch ihn erfahren hatte. Und jetzt? Sollte Sie ihm ernsthaft sagen, dass sie so verletzt gewesen war, weil sie ihn attraktiv gefunden hatte und er dies nicht nur nicht bemerkt hatte, sondern sie auch noch verhöhnt hatte? Gab es irgendeinen Weg, sich vor diesem Menschen noch lächerlicher zu machen, als ihm dies jetzt zu offenbaren? Mit Sicherheit nicht - und so schwieg Hermine.
"Weil...?", hakte er nach.
Hermine bemerkte wie ihr Puls zu rasen begann. Sie konnte an nichts anderes mehr denken, als an das taube Gefühl, das er damals in ihr ausgelöst hatte. Ihre Worte bahnten sich einen Weg durch ihre Kehle, die wie zugeschnürt schien.
"Weil ich damals noch dachte, dass Sie mich vielleicht doch mögen...ein kleines bisschen nur...aber Sie haben mich immer gehasst, nicht wahr?"
Snape zog die Augenbrauen zusammen und sah sie eingehend an. Hermine war bewusst, dass sie mit viel zu offenem Interesse auf seine Antwort wartete.
"Warum glauben Sie das?", stellte er statt dessen eine Gegenfrage.
"Weil Sie keine Gelegenheit ausließen, mich zum Gespött der Klasse zu machen. Weil Sie mich ignorierten, so gut es Ihnen möglich war. Weil Sie sich freuten, als ich bei Ihrer Prüfung so schlecht abschnitt."
"Ich habe mich nicht gefreut, als Sie bei meiner Prüfung so schlecht abschnitten. Ich war überaus überrascht über diese Tatsache - und ja, es mag sein, dass ich dieser Überraschung Ausdruck verlieh, indem ich Sie darauf hinwies, dass Sie nicht perfekt sind, Miss Granger. Wenn ich mir die Auswahl Ihrer Lektüre ansehe, dann komme ich zu dem Schluss, dass Sie dies inzwischen auch selbst eingesehen haben."
Hermine warf einen kurzen Blick auf die Bücher, die sie neben sich auf die Bank gestapelt hatte.
Dann sah sie ihr Gegenüber mit gespielter Nettigkeit an.
"Ich bin beeindruckt von Ihrer scharfen Auffassungsgabe. Und nun meinen Sie wohl, dass ich mich dafür schämen soll, dass ich solche Lektüre konsumiere. Dabei ist es wohl eher so, dass Sie sich ebenfalls mal darum bemühen sollten, Ihre Schwächen bewusst anzugehen und sich Rat in Büchern zu suchen."
Snape sah sie belustigt an.
"Sie haben sich kein bisschen geändert, Miss Granger - immer noch suchen Sie Ihr Seelenheil in Büchern. Sie glauben, Sie müssten immer alles unter Kontrolle haben. Das ist Ihr großer Schwachpunkt - wenn sie die Kontrolle verlieren, geraten Sie in Panik. Bei Ihrem Freund Potter war immer sein Zorn und sein Wunsch nach Rache der große Schwachpunkt - Sie hingegen haben die meiste Angst vor dem eigenen Versagen."
Hermine hob ihr Tasse demonstrativ an den Mund und leerte sie mit zwei großen Schlucken. Als sie sie abgestellt hatte, griff sie sofort nach den Büchern und sagte: "Ich habe jetzt genug von Ihrer Psychoanalyse. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, wie Sie darauf kommen, mir einen solchen Vortrag zu halten. Ausgerechnet Sie! Ist das etwas, das sie bei Voldemort gelernt haben? Den Gegner durch psychologische Kriegsführung verwirren und demotivieren?", fragte sie mit ironischem Ton.
Seine Stimme war eisig: "Nein, Miss Granger - der Lord legt wenig Wert auf die Auseinandersetzung mit tieferen Emotionen. Ich werde Ihnen auch lieber nicht erzählen, was der Lord mit störrischen Frauen zu tun pflegt."
Hermine funkelte ihn wütend an: "Was soll das sein? Eine Drohung?"
"Nein, das sollte es nicht sein. Es sollte Sie nur daran erinnern, dass ich...", plötzlich verstummte er und Hermine konnte erkennen, dass er sich über sich selbst zu ärgern schien.
Neugierig geworden, was er hatte sagen wollen, legte sie die Bücher wieder ab und forderte ihn mit einer Geste auf weiterzusprechen.
Snape schien die Worte nur mit Mühe über die Lippen zu bringen: "...dass ich selten Gelegenheit finde, mit jemandem ein solches Gespräch zu führen."
Hermine lachte ungläubig: "Sie führen doch laufend Gespräche mit dummen Schülern...und das bin ich doch für Sie nach wie vor."
"Sie waren nie eine dumme Schülerin. Und wie ich anmerken darf, sind Sie längst keine Schülerin mehr. Sie sind eine junge Frau, die ihren Weg noch besser hätte gehen können, wenn Sie ihren Stolz mehr unter Kontrolle halten könnte."
"Mein Stolz ist das einzige was ich all die Jahre immer hatte. Mein Stolz hat mich dahin gebracht wo ich jetzt bin - und ich bin gerne da, wo ich jetzt bin - können Sie das auch von sich behaupten?"
Sofort erkannte sie, dass sie ihn diesmal wirklich erwischt hatte. Leider konnte sie es nicht so genießen, wie sie gedacht hatte.
Ein innerer Drang verlangte von ihr, dass sie diese provokative Frage ein wenig abmilderte.
"Das was Sie tun...haben Sie jemals darüber nachgedacht etwas anderes zu machen...etwas, das Sie glücklicher gemacht hätte?"
Sein Lachen klang dumpf.
"Wirke ich auf Sie wie ein Mensch, der Träumen hinterherrennt?"
Hermine überlegte einen Moment, dann erwiderte sie nachdenklich: "Sie legen viel Wert darauf nicht so zu wirken, das muss ich zugeben - aber ich bin mir nicht sicher...nicht sicher, wie es in Ihnen aussieht."
Kaum hatte sie dies ausgesprochen war ihr klar, dass er sie auslachen würde. Sie wartete auf eine niederschmetternde Erwiderung von ihm, doch sie blieb aus.
Statt dessen wich er ihrem Blick aus. Konnte es wahr sein? Hatte sie schon wieder einen Punkt getroffen, der ihn aus dem Konzept brachte?
Als er seinen Kaffee mit einem großen Schluck austrank, war ihr klar, dass er dieses Gespräch nun abbrechen würde. Sie begann damit, nach ihren Büchern zu greifen und erschrak heftig, als Snape ihr plötzlich seinen Arm hinstreckte. Den Blick stumm auf den Tisch vor ihm gerichtet, begann er damit seinen Ärmel hochzuschieben. Erst als die schwachen Konturen seines Todessermals vollständig zum Vorschein kamen, sah er ihr direkt in die Augen.
"Ja, Miss Granger - ich habe oft darüber nachgedacht was mich glücklich gemacht hätte. Aber es gibt Wege, die kann man nie wieder beschreiten, wenn man einmal die falsche Gabelung genommen hat." Schnell ließ er den Stoff seines Hemdes wieder über seinen Arm rutschen und erhob sich plötzlich.
Hermine wollte ihn so nicht gehen lassen. Sie war verwirrt über die Tatsache, dass er überhaupt hatte mit ihr sprechen wollen, doch dass er jetzt einfach gehen wollte, konnte sie unmöglich zulassen.
"Was wären Ihre Wünsche gewesen?", fragte sie schnell.
Er schüttelte den Kopf, als wolle er ihr klarmachen, dass diese Frage sinnlos sei.
Sie erkannte, dass sie ihn nicht würde aufhalten können, dennoch rief sie ihm hinterher: "Sie fragten mich, ob ich mich immer noch nicht selbst gefunden hätte - was ist mit Ihnen? Haben Sie sich gefunden?"
Zu ihrem Erstaunen hielt er nicht nur inne, sondern setzte sich, nach kurzem Zögern wieder auf seinen Platz.
"Es gab nicht viel zu finden. Das Schlechte in einem dringt immer ohne Scheu zu Tage - es bedarf keiner großen Suche."
Hermine versuchte ein Lächeln: "Aber es gibt nicht nur Schlechtes in Ihnen..."
"Wer sagt Ihnen, dass es noch etwas anderes gäbe?", fuhr er sie plötzlich an.
Hermine war schlagartig verunsichert. Warum hatte sie ihn nur aufgehalten? Diese Unterhaltung dauerte ohnehin schon viel zu lange.
"Ich weiß nicht...vielleicht habe ich es nur so daher gesagt", erwiderte sie mit einer vagen Geste.
"Schade", murmelte er zu ihrem grenzenlosen Erstaunen, "eigentlich hatte ich Sie immer für einen Menschen gehalten, der nicht einfach nur daherredet."
Plötzlich sah Hermine sich in Erklärungsnot. Sie drehte die Speisekarte unablässig in ihren Fingern und wandte den Blick keine Sekunde von ihrem Spielzeug, als sie sagte: "In jedem Menschen gibt es auch etwas Gutes, bestimmt auch in Ihnen."
Sein Lachen klang bitter und seine Stimme zynisch: "Äußerlich mögen Sie zur Frau gereift sein - doch Ihr Glaube an das Gute ist reichlich kindlich, Miss Granger. Wenn Sie nicht Acht geben, wird ein Mann Ihnen das Herz rausreißen, bevor sie auch nur begriffen haben, um was es ihm wirklich geht."
Hermine ließ die Karte fallen, als stünde sie in Flammen.
"Was soll das heißen? Meinen Sie etwa, ich sei naiv?"
Er legte den Kopf etwas schief und sein Mundwinkel zuckte spöttisch.
"Es ist nicht Ihre Schuld - nur sollten Sie meine Warnung ernst nehmen."
"Was glauben Sie eigentlich wer Sie sind?", brauste Hermine auf, "Sie zwingen mich mit Ihnen Kaffee trinken zu gehen, durchstöbern die Titel der Bücher die ich lese, warnen mich vor den bösen, bösen Männern und sind doch selbst der Schlimmste von allen! Sie haben mir schon mal das Herz gebrochen Professor Snape, von Ihnen brauche ich wirklich keine solchen Ratschläge!"
"Ich? Ich habe Ihnen das Herz gebrochen? Wie sollte ich das wohl bewerkstelligt haben, Miss Granger?" Er sah sie wirklich entgeistert an.
Hermine biss sich augenblicklich auf die Lippe und spürte die Röte, die ihr Gesicht zum glühen brachte.
"Die Abschlussprüfung", brachte sie schließlich heraus, "Sie haben mir den Abschluss versaut."
Er betrachtete sie interessiert und ihr wurde schlagartig klar, dass er begriff, dass dies nicht der wirkliche Grund sein konnte, der sie veranlasst hatte derartig eindeutig zu reagieren; dennoch schien er auf diesen Vorwurf eingehen zu wollen.
"Ich dachte, dies hätten wir schon geklärt. Sie haben die Frage falsch beantwortet. Miss Granger, Sie haben sich fünf Seiten lang über ein Thema ausgelassen, nach dem ich gar nicht gefragt hatte. Zudem haben Sie so uneinsichtig reagiert, dass mir keine Gelegenheit blieb, Ihnen eine Nachprüfung abzunehmen. Und jetzt frage ich Sie wirklich...ist dies meine Schuld?"
Hermine schwieg verbissen.
"Ist dies meine Schuld, Miss Granger?", fragte er nochmals mit Nachdruck.
"Sie hätten es mir einfacher machen können, um eine Nachprüfung zu bitten", erwiderte sie trotzig.
"Im Leben wird einem aber nichts leicht gemacht. Ich hoffe, Sie haben diese Lektion gelernt, ansonsten werden Sie noch so manch herbe Enttäuschung erleben. Im Übrigen meinte ich mit 'Herz rausreißen' durchaus nicht einen Misserfolg, Miss Granger."
"Ich weiß was Sie meinten!", schrie sie ihn so laut an, dass einige Leute zu ihnen sahen.
Snape zog missbilligend eine Augenbraue hoch und sagte mit ruhiger Stimme: "Immer noch so impulsiv...eine Eigenschaft, die bei den richtigen Gelegenheiten äußerst anregend ist...hier jedoch sollten Sie sich etwas zügeln."
Hermine funkelte ihn einen Moment wütend an. Ihre Stimme klang ebenso tadelnd, wie seine zuvor geklungen hatte.
"Ihre Zweideutigkeiten können Sie sich sparen. Jede Wirkung, die Sie vielleicht auf Frauen haben, wird durch Ihre Unverschämtheiten sofort zerstört. Sollte es doch mal eine geben, die auf Sie hereinfällt, so hat sie es wohl nicht besser verdient. Auf Wiedersehen, Professor - oder besser noch...Leben Sie wohl!"
Hermine griff abermals nach ihren Büchern, als sie seine belustigte Stimme hörte: "Vergessen Sie Ihr Buch über Sex nicht, Miss Granger...und das über den richtigen Zauberer für jede Hexe. Bei der Gelegenheit will ich Ihnen doch gerne auch ein paar gute Wünsche mit auf den Weg geben. Ich wünsche Ihnen einen Zauberer, bei dem Sie keinen Gedanken mehr an Aphrodisiakum verschwenden müssen."
"Danke gleichfalls - Sie suchen dieses Buch doch händeringend", spie sie ihm entgegen.
Hermine war schon an der Tür, als er ihr hinterher rief: "Wann bringen Sie mir "Tanz der Sinne" vorbei?"
Hermines Stimme klang süßlich: "Wenn die Hölle zufriert, Professor Snape."
tbc
