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Madeleine blickte mich großen Augen an. „Wie meinst du das? Sebastian das ist Blasphemie, niemand ist unsterblich. Wir alle werden eines Tages vor Gott berufen." Unbewusst wollte sie sich bekreuzigen. „Madeleine für mich gilt das nicht. Ich bin kein Mensch" Nun wich sie vor mir zurück. Ihre Augen, die mich sonst so voller Vertrauen und Liebe anblickten, stand jetzt Furcht. „Was meinst du?" Selbst ihre Stimme bekam einen leicht hysterischen Klang. Hatte ich mich geirrt, war sie noch nicht bereit für die Wahrheit. „Kleines beruhig dich. Du musst keine Angst haben, niemals musst du mich fürchten. Ich liebe dich!" Rief ich aus und streckte meine Arme nach ihr aus. In ihren Augen glitzerten Tränen, als sie sich an mich schmiegte. „Ich liebe dich auch." Flüsterte sie an meine Brust. Alles würde gut werden, wir liebten einander und das war das Wichtigste. Zärtlich strich ich ihr über die Haare und küsste ihren Scheitel. „Meine Elfe versprich mir für immer bei mir zu bleiben, lass uns zusammen der Ewigkeit trotzen." Stumm nickte sie an meiner Brust. Sie würde bei mir bleiben, sie hatte es versprochen. Ich war so glücklich. Überschwänglich hob ich sie hoch und wirbelte mit ihr im Kreis. Glockenhell lachte sie auf. „Du bist verrückt!" Rief sie aus. „Ja" Lachte ich.

„Verrückt nach dir!" Damit stellte ich sie wieder auf die Füße und küsste sie. Diesmal erschreckte sie meine Leidenschaft nicht, im Gegenteil, sie erwiderte meinen Kuss mit einer Feurigkeit, die mich mit Vorfreude erfüllte. Schon spürte ich wie meine Fangzähne zum Vorschein kamen, hastig schob ich sie von mir und wandte mich ab. Sonst würde mich nichts mehr zurückhalten können und ich würde sie auf der Stelle zu einem Vampir machen. Verletzt stand sie da, verstand meine Zurückweisung nicht. Zaghaft streckte sie eine Hand nach mir aus und berührte meinen Ärmel.

„Nicht!" Rief ich panisch, noch hatte ich mich nicht so weit unter Kontrolle, um mich ihr zuwenden zu können. „Was hast du? Sebastian, rede mit mir, was fehlt dir?" Mit erhobenen Händen stand ich da, ich wusste wie sehr sie mein Schweigen kränkte, doch mein Anblick hätte sie vielleicht noch mehr entsetzt. Schön langsam beruhigte ich mich wieder und ich spürte wie sich meine Fangzähne zurückbildeten. Ich drehte mich zu ihr um und sah sie unter gesenkten Wimpern an. „Liebes, hör mich an." Ich sah in ihren Augen Tränen glitzern. Ich fühlte mich wie ein Schuft. Wie konnte ich ihr das nur Antun? „Liebes, nicht weinen. Ich bin keine deiner Tränen wert." Zaghaft drückte ich sie an mich.

„Warum bist du seltsam?" Sie war noch so unschuldig, wie ein Kind. „Liebes vertrau mir. Du willst doch auch für immer mit mir zusammen sein?" Bejahend nickte sie mit dem Kopf. Sanft hob ich ihr tränennasses Gesicht zu mir empor. „Morgen Abend kommst du zu mir und ich verspreche dir, nichts kann uns dann mehr trennen. Willst du das tun?" Freudendstrahlend nickte sie mit ihrem Kopf. „Ja" brache es aus ihr heraus. Sachte küsste ich sie auf die Stirn, mehr traute ich mir selber nicht zu. „Komm, ich bring dich Nachhause." Ich legte ihre Hand auf meinen Arm und gemütlich gingen wir zurück. Heute würde ich es schaffen vor Morgengrauen Zuhause zu sein.

Mit einem Kuss auf ihre zarte kleine Hand verabschiedete ich mich von ihr, zuvor erinnerte ich sie noch daran, mich morgen aufzusuchen, aber erst nach Sonnenuntergang. Rasch lief ich Nachhause. Ich wollte noch einige Vorkehrungen treffen, ehe ich mich zur Ruhe begab. Ab Morgen hatte ich wieder jemanden der diese Ruhe mit mir teilen würde. Ich richtete alles für einen romantischen Abend. Auf einen kleinen Tisch arrangierte ich schöne silberne Kerzenleuchter und dazu kristallene Weinkelche. Aus dem Garten holte ich mir schöne blutrote Rosen, auf ihnen schimmerten Tautropfen. Auch sie schmückten den Tisch. Mit meinem Werk zufrieden begab ich mich in meine Ruhekammer und freute mich auf die nächste Nacht.

Als der Abend dämmerte lief ich bereits unruhig in meiner Villa auf und ab. Was wenn sie nicht kommt? Wenn sie aufgehalten wurde? Ich war aufgeregt und nervös. Schon versanken die letzten Sonnenstrahlen. Sie würde kommen, sie musste einfach. Ein zaghaftes Pochen an der Eingangstür riss mich aus meinen Gedanken und bevor der letzte Klang verstummte, öffnete ich bereits die Tür. Madeleine sah mich, mit noch erhobener Hand, erschrocken an. „Wie…?" „Guten Abend, mein Schatz. Komm herein." Unterbrach ich sie und schob sie ins Innere. Als sie den gedeckten Tisch mit den Rosen und Kerzen sah, lächelte sie verträumt. Wie schön sie heute wieder war.

Sie trug ein schlichtes weißes Kleid, ihre Haare umflossen sie wie eine duftige Wolke. Ich zog ihr einen Stuhl zurecht und sie setzte sich. Ich kniet mich vor sie hin. „Madeleine, Liebes." Begann ich und fasste nach ihrer Hand. „Du weißt, dass ich dich liebe und ich möchte mit dir zusammen sein, für immer. Willst du das auch?" Sie legte ihre andere Hand über meine und sah mir freudenstrahlend in die Augen. „Es gibt nichts was ich mir mehr wünschen würde." Rief sie aus. Ich war so glücklich, doch schlagartig wurde ich ernst. „Es gibt da noch etwas was ich dir sagen muss." Ich räusperte mich, jetzt war ich es der nervös war. „ Ich bin ein Vampir. Ich kann auch dich zu einem machen. Du würdest nicht mehr altern, nie mehr krank werden und könntest mit mir für immer zusammen sein." Ich sprach hastig und schnell, um nicht den Mut zu verlieren. Nun war die Wahrheit raus, bange wartete ich auf ihre Reaktion. Lange sah sie mich einfach nur an. „Nie mehr altern, für immer jung? Was muss ich dafür tun?" Freudig erregt küsste ich ihre Hand. „Nichts, dafür musst du nichts tun!" Rief ich aus. Ich erhob mich und zog sie mit mir. „Komm! Ich zeigs dir!"

Ich brachte sie ins Schlafzimmer und drückte sie in die Kissen. Ängstlich blickte sie mich an, ihr war nicht wohl zu Mute. „Hab keine Angst, vertrau mir, es wird nur ein bisschen weh tun. Schließ einfach deine Augen." Gehorsam machte sie sie zu. Langsam beugte ich mich über sie, küsste ihre bebenden Lippen. Glitt ihre Wange entlang und verteilte auf meinem Weg unzählige Küsse. „Wie schön du bist." Flüsterte ich an ihrer Wange. Streifte hinab zu ihrem Hals. Rasch hob und senkte sich ihre Brust. Ihr Herzschlag beschleunigte sich, ihr Blut geriet in Wallung. All das konnte ein Vampir sehen. Nur kurz hielt ich inne und dann biss ich zu. Schmerzhaft schrie sie auf, um dann still in die Kissen zurück zu fallen.

Ich trank viel von ihrem köstlichen Blut, aber nicht zuviel, ließ genug übrig, damit sie überleben und sich verwandeln konnte. Lange lag sie still da, rührte sich nicht, doch schon bald würde die Verwandlung beginnen. Ich saß bei ihr, um ihr beizustehen und zu helfen. Mit einem gellenden Schrei richtete sie sich auf. Es hat begonnen. Ihre Hände gruben sich Klauenartig in die Decke. Ihre Augen waren geweitet, ich konnte nur mehr das Weiß von ihnen sehen. „Diese Schmerzen, ich halte es nicht aus!" Schluchzte sie erbärmlich auf und vergrub gequält ihr Gesicht in die Kissen. „Töte mich, lass mich sterben! Ich ertrage keine Minuten länger diese Pein!" Unruhig warf sie sich hin und her. Ihr Körper glühte wie im Fieber. Ihren Lippen entrang sich ein tiefes leidendes Stöhnen, zum Schreien war sie zu Schwach geworden. Ich litt mit ihr und konnte ihr doch nicht helfen.

„Liebes hab Geduld, bald sind die Schmerzen und dein Leiden für immer vorbei!" Ich umklammerte ihre Hand, um ihr so halt zu geben und rief ihr inbrünstig diese Worte zu, doch sie konnte mich nicht mehr hören. Der Prozess der Verwandlung war zu weit fortgeschritten. Weinend brach sie in sich zusammen, sie litt unendliche Qualen und ich wünschte ich könnte für sie die Schmerzen tragen. Und dann plötzlich lag sie still, rührte sich nicht mehr. Madeleine war tot.

Bald war ich zurück mit meiner Beute, ein Junge den ich auf der Strasse aufgelesen hatte. Nur zu willig kam er mit, wie sollte er sich mir auch entziehen können. Madeleine lag immer noch leblos da. Ich ließ den Jungen neben der Tür stehen und beugte mich über sie. „Madeleine, Liebes wach auf." Beschwörte ich sie. Zaghaft flatterten ihre Augenlider, sie kam zu sich.

„Was ist geschehen? Wo bin ich?" Sanft lächelte ich auf sie herab. „Du bist bei mir, für immer!" Stöhnend richtete sie sich auf und umklammerte dabei ihren Hals. „Meine Kehle ist wie ausgedörrt und ich fühle mich so anders." „Sieh." Sagte ich und zeigte dabei auf den Jungen der hinter uns stand. „Du musst trinken.." Sie runzelte ihre schöne Stirn. „Was meinst du?" Ich sprang auf und zog den Jungen näher. „Hier sie, sein Blut wird dich stärken." Immer noch blickte sie voller Unverständnis.

„Sein Blut?" Ich legte den Hals des Jungen frei, biss in seinen Hals und trank, aber nicht viel. Ich versuchte ihr so zu zeigen was sie tun musste. Als ich sie wieder an sah und dabei das Blut von meinen Lippen troff, veränderte sie sich. Angewidert sprang sie aus dem Bett und drängte sich in eine Ecke, in ihren Augen flackerte der Wahnsinn.

„Was hast du getan! Bleib mir vom Leibe, du…du…Ungeheuer!"