17. Kapitel

Die Machenschaften des Lords

Hermine wurde sich darüber bewusst, dass sie sich nun unweigerlich zu Snape drehen musste, da er das Gespräch leiten würde. Er sah sie nicht direkt an und das machte es etwas leichter für sie. Seine Worte kamen ohne jede Hast, aber mit dem drängendem Klang, den Hermine schon so manches mal gehört hatte, wenn Snape eine Antwort einforderte, die man ihm eigentlich nicht zu geben bereit war.

"Seit einiger Zeit gibt es eine Entwicklung bei den Todessern, die besorgniserregend ist - besorgniserregender als sie es ohnehin schon immer waren", stellte er dann knapp klar. "Der Lord hat eine neue Quelle für die Rekrutierung seiner Anhängerschaft gefunden - und so unwahrscheinlich dies auch klingen mag...er wählt Muggel aus."

Er ließ den anderen einen Moment Zeit, sich verblüfft über diese Neuigkeit zu äußern, reagierte jedoch nicht auf einzelne Fragen, sondern fuhr schließlich mit nur leicht erhobener Stimme fort. "Es geht dem Lord in erster Linie um die Stärkung seiner Kampfkraft. Muggel sind weit leichter zu kontrollieren und sie bringen das nötige Gewaltpotential mit. Es ist nicht schwer, Menschen mit den nötigen Eigenschaften ausfindig zu machen. Menschen, die bereit sind zu kämpfen und einem Ideal zu folgen, welches man ihnen vorgaukelt. Keiner dieser Muggel ist sich scheinbar darüber im Klaren, dass sie es mit Zauberern zu tun haben. Für sie sind die Todesser eine Organisation, die sich für die Rechte der Benachteiligten einsetzt - was auch immer jeder einzelne darunter versteht..." Snape verzog kurz angewidert den Mund, bevor er weitersprach.

"Voldemort bedient sich ihres Gehorsams und geht recht...sorglos mit diesen Verblendeten um." Dumbledore unterbrach ihn sanft: "Du solltest es ihnen erzählen, Severus, damit der Ernst der Lage deutlich wird."

Einen Moment lang schien Snape sich weigern zu wollen, doch schließlich wurde sein Blick hart und er erklärte: "Er lässt sie zu Übungszwecken gegeneinander kämpfen. Inzwischen ist es zu einem Schauspiel geworden, wenn zwei Muggel sich gegenseitig zu Tode prügeln. Manchmal manipuliert er ihre Gedanken - oftmals ist aber nicht einmal das nötig. Zudem benutzt er sie, um seine Anhänger zu schulen. Das heißt, abgesehen von direkten körperlichen Kämpfen, bildet er seine Todesser darin aus, in den Geist der wehrlosen Muggel einzudringen. Viele halten diesem Druck nicht Stand und werden kurzerhand getötet, wenn sie dem Wahnsinn anheim fallen. Noch sind es Randgruppen, die sich dem Lord anschließen, ohne zu wissen wem sie da eigentlich dienen und bislang ist noch keiner länger als drei Wochen in unseren Reihen gewesen. Doch Voldemort plant die Führung ganzer Muggelheere. Was dies zahlenmäßig für den Orden bedeuten würde, brauche ich wohl nicht extra zu betonen."

Minvera meldete sich zu Wort, ihre Stimme klang dumpf vor Sorge: "Meine Güte - diese Muggel können einem Leid tun."

Madeye Moody ließ ein Auge zu ihr wandern, während das andere weiterhin auf Snape gerichtet war. "Leid? Ja, vielleicht - aber wir dürfen nicht vergessen, dass sie gleichzeitig eine große Gefahr darstellen. Und das Schlimmste ist, dass der Lord leichtes Spiel mit ihnen hat. Er kann ihren Geist durchforsten und manipulieren, ohne dass auch nur einer von ihnen eine Chance zur Gegenwehr hat." Snape schien ihm nickend Recht zu geben. Der Tränkemeister ließ noch einen Moment verstreichen, dann sah er flüchtig durch die Runde und Hermine spürte selbst diesen flüchtigen Blick wie einen kleinen Stromschlag durch ihren Körper jagen.

"Der Lord hasst Muggel. Er benutzt sie - mit allen Grausamkeiten, die man sich diesbezüglich vorstellen kann. Doch er nutzt seine Abscheu vor diesen Menschen gleichzeitig für seine eigenen Zwecke aus. Er lässt sie für sich kämpfen und sterben - Tausende von ihnen...wenn wir nicht einschreiten."

Jetzt wanderte sein Blick zu Hermine und sie spürte, wie sich jedes einzelne Härchen an ihrem Körper aufstellte. Sie redete sich ein, dass es ihre Form von Gegenwehr war - Gegenwehr vor dem Menschen, der sie immer wieder verhöhnte und geringschätzig behandelte. Ihr Atem setzte für einen Moment aus, als er sie nun direkt ansprach.

"Miss Granger, ich habe Sie hergebeten, weil Sie über Kontakte in die Muggelwelt verfügen und es Ihnen daher am unproblematischsten möglich sein wird, diverse Verbindungen zu knüpfen. Wir brauchen Informationen und vielleicht auch direktes Eingreifen von Ihnen. Deshalb möchte ich Sie - mit dem Einverständnis der anderen Mitglieder jetzt fragen, ob Sie bereit sind, sich uns anzuschließen und ob Sie wieder ein aktives Mitglied des Ordens sein wollen? Wenn nicht, dann steht es Ihnen jetzt frei zu gehen." Er sah sie ruhig an. Keine Miene verzog er und Hermine fiel auf, dass auch keiner der anderen einen einzigen Laut von sich gab. Sie räusperte sich leicht und war sich bewusst, dass Snapes Blick ihr einen Kloß in den Hals gepflanzt hatte, den sie auch durch noch so viel Räuspern nicht los werden würde.

"Angenommen, ich lehne dieses Angebot ab...wie viele Erinnerungen von diesem Treffen werde ich dann mit nach hause nehmen?"

Snape stieß ein leises Lachen aus und warf Dumbledore einen 'Siehst du, was hab ich dir gesagt-Blick' zu.

Der Direktor begann zögerlich zu sprechen: "Wir wissen, dass wir Ihnen vertrauen können, Miss Granger - die Sache ist jedoch recht heikel..."

"Sie werden keine Erinnerungen an dieses Gespräch mehr haben, wenn Sie unsere Bitte ablehnen", hörte sie Snape Dumbledore gnadenlos unterbrechen. Dann warf er dem Direktor einen kurzen Blick zu und sagte: "Ich dachte, ich kürze die Sache ein wenig ab, denn sie wird ohnehin keine Erinnerung mehr haben, wenn sie nun nach hause zurückkehren will."

Ehe der Direktor etwas erwidern konnte, fiel ihm diesmal Hermine ins Wort: "Und wenn ich bleibe, Professor Snape? Dann bin ich klar darüber im Bilde, wie schnell Sie sich an meinem Gehirn zu schaffen gemacht hätten." Sie funkelte ihn wütend an.

Snape schnaubte gereizt.

"Das hätte ich getan. Ich hätte Ihre Erinnerungen manipuliert", erklärte Dumbledore zu Hermines grenzenloser Überraschung, dann fügte er vorsichtig hinzu: "Muss ich dies tun, oder werden Sie uns helfen?"

Hermine versuchte Zeit zu schinden. Sie war verwirrt über die Dinge und vor allem über die schnelle Entwicklung. Sie wusste, dass Dumbledore es nicht als Drohung formulieren wollte, dennoch kam es ihr fast so vor. Jedoch war sie sich im klaren darüber, was hier auf dem Spiel stand - dies war letztendlich kein Treffen unter alten Freunden - es war ein Geheimbund, der sie um ihre Mitarbeit bat; und zumindest Snapes Leben konnte direkt von der Verschwiegenheit jedes einzelnen Mitgliedes abhängen.

"Bislang weiß ich noch nicht allzu viel darüber, was mich erwarten würde, wenn ich dem zustimme", sagte Hermine nachdenklich.

Jetzt war es wieder Snape, der ihr antwortete: "Das liegt daran, dass wir es selbst noch nicht genau sagen können. Sie wissen nun um die Gefährlichkeit dieser Mission, ebenso wie von der Tatsache, dass wir eingreifen müssen. Wir werden es tun - mit Ihnen, oder ohne Sie. Wenn Sie Ihr perfektes Leben wieder aufnehmen möchten, in dem Ihr einziges Problem die Tatsache ist, dass ihr Freund die Zahnpastatube offen lässt - oder was immer Muggel sonst so für Probleme haben - dann sagen Sie es jetzt, damit wir hier weitermachen können."

Hermine konnte aus den Augenwinkeln sehen, wie Harry für sie Partei ergreifen wollte, doch sie unterbrach ihn energisch mit einer Handbewegung.

Ihre Stimme klang gefasst, mit einem Hauch von Geringschätzung: "Professor Snape - Ihre liebenswürdige Art lässt mir ja fast keine andere Wahl, als Ihrer herzlichen Bitte Folge zu leisten. Ich werde dem Orden beitreten. Und nur um das klarzustellen - ich habe keinen Freund, und schon gar keinen, der die Zahnpastatube offen lässt."

Die anderen äußerten sich erfreut darüber, dass Hermine dem Orden wieder angehören würde. Als sie Snape schließlich direkt in die Augen sah, erkannte sie zweierlei Dinge. Erstens, er war sich ihrer Zusage sicher gewesen, und zweitens, er hatte sie dazu gebracht zu bekennen, dass sie zur Zeit keine Beziehung hatte. Beides ärgerte sie, und sie war sich nur allzu deutlich bewusst, dass er sie auch bei ihrer letzten Begegnung schon dazu gebracht hatte Dinge zu sagen oder zu tun, die sie eigentlich nicht preisgeben wollte. Es schien ihm geradezu ein diebisches Vergnügen zu bereiten, private Einzelheiten über sie zu erfahren.

Sie widerstand dem Impuls ihn erbost anzuzischen, dass er sich aus ihren Angelegenheiten heraushalten sollte. Snape derweil ließ seinen Blick auf ihr ruhen und Hermine bemerkte, wie dieser sie nervös machte, daher wandte sie sich ab und sagte zu Dumbledore: "Wie geht es denn jetzt weiter? Bekomme ich einen Auftrag?"

Der Direktor nickte sanft, dann sagte er mit einer Geste auf den Tränkemeister deutend: "Professor Snape wird alles mit Ihnen besprechen. Es ist keine Angelegenheit, von der der ganze Orden unterrichtet sein muss - noch nicht." Er blickte zu Molly, die diesen Wink sofort verstand und freundlich sagte: "Wenn ihr mit einer unaufgeräumten Küche vorlieb nehmen wollt...ansonsten könnt ihr gerne auch das Gespräch in Rons Zimmer führen - Hermine, du weißt ja wo es ist."

Hermine glaubte ihren Ohren nicht trauen zu können. Hatte Mrs. Weasley sie gerade tatsächlich aufgefordert, mit Snape in Rons Zimmer zu gehen, damit sie unter vier Augen sprechen konnten? Ehe sie etwas erwidern konnte, sagte Snape: "Ich denke die Küche ist vollkommen in Ordnung."

Erst jetzt wurde Hermine klar, dass die anderen dem Gespräch gefolgt waren, und Dumbledore nun den Faden wieder aufnahm.

"Moody, mein Freund, was gibt es neues von Seiten der Auroren zu berichten? Haben Sie den Kontakt zu Ihrem alten Freund DeMille hergestellt?"

Hermine konnte gerade noch hören, wie Madeye Moody dies bejahte, dann erstarben die Stimmen urplötzlich, als sie Snape folgend den Raum verlassen hatte. 'Ein Schallzauber' , schoss es ihr durch den Kopf. Auch wenn sie sich im Hause der Weasleys befanden, wollte Dumbledore wohl auf Nummer sicher gehen und hatte den Raum vor Lauschern geschützt.

Ihr wurde mulmig, als ihr klar wurde, dass Snape das gleiche mit der Küche machen würde. Ein Schallzauber hatte immer die unangenehme Eigenschaft, dass man im Ernstfall nicht einmal um Hilfe rufen konnte. Hermine schüttelte innerlich den Kopf. Was brachte sie bloß auf den Gedanken, dass dies nötig sein könnte. Als Snape sich schließlich zu ihr herumdrehte und sie mit seinen dunklen Augen taxierte, kam es ihr wieder in den Sinn. Sie wusste einfach nicht, was in seinem Kopf vor sich ging. Snape war der einzige Mensch, den sie nicht einmal ein kleines bisschen einschätzen konnte. Dies hing vermutlich damit zusammen, dass er in seiner Rolle als Doppelspion auf genau diese Eigenschaft angewiesen war, um zu überleben. Hermine jedoch fühlte sich äußerst unbehaglich, als er auf einen der Küchenstühle wies. Sie setzte sich und versuchte wenigstens nicht einen Blick aufzusetzen, wie eine Schülerin, die von ihrem Lehrer einen Tadel erwartet.

Es schien ihr nicht ganz zu gelingen, denn er sagte leise: "Entspannen Sie sich, Miss Granger. Ich habe nicht vor Sie zu foltern...es sei denn, Sie sehen ein Gespräch unter vier Augen mit mir als Folter an."

Hermine schüttelte vage den Kopf: "Fangen Sie bitte an - ich bin ganz Ohr", sagte sie knapp.

Er lächelte über ihr Drängen und sah sich kurz in der Küche um.

"Ah, ich wusste doch, dass auf Molly Verlass ist", murmelte er und griff zu einer Kanne, die frischen Kaffee enthielt. "Wollen Sie auch einen?", fragte er mit einem kurzen Blick auf Hermine.

"Ja, gerne", erwiderte sie mit einem Seufzen.

Nachdem er ihr eine Tasse gefüllt hatte, hielt er sie einen Moment fest und sah Hermine in die Augen.

"Sie müssen das nicht tun, wenn Sie nicht wollen. Es gibt genug andere Kontakte die wir aktivieren können."

Hermine sah ihn verblüfft an. "Warum haben Sie dann mich gefragt? Warum haben Sie sich nicht an einen dieser anderen Kontakte gewendet?"

Snape reichte ihr zögerlich die Tasse und setzte sich dann ihr gegenüber.

Hermine wurde sich bewusst, wie still es um sie herum war. Kein Geräusch war zu hören, außer Snapes Atem, der in ihrem lauten Herzschlag fast unterzugehen schien.

Er nippte an dem heißen Gebräu als müsse er erst die Kehle befeuchten, um ihr diese Frage zu beantworten.

Seine Stimme klang leise und vorsichtig, als er sagte: "Weil ich es für richtig hielt, Ihnen die Chance zu geben zurückzukehren. Zurück in die Welt, die die Ihre ist - und die Sie verlassen haben, weil ich Ihnen wohl das Gefühl gab, in der Muggelwelt seien Sie besser aufgehoben."

Hermine bemerkte, dass ihre Hand zu zittern begann. Sie stellte schnell die Tasse auf dem Tisch ab und legte die Hände fest darum, damit er das Zittern nicht bemerkte. Sie spürte die Hitze, die in ihre Hände überging, die ihren Körper durchdrang und dennoch nicht in der Lage war, das Brennen in ihrem Herzen zu übertreffen, das Snape mit seinen Worten bei ihr ausgelöst hatte.

"Es war meine Entscheidung - Sie hatten nichts damit zu tun", sagte sie und wich seinem Blick aus.

Schon als sie es aussprach war ihr klar, dass er dies als Lüge erkennen würde. Sie hoffte, dass er wenigsten vorgab, ihr zu glauben. Doch das tat er nicht und sie hätte ihn dafür am liebsten verflucht.

"Sie warfen mir vor, ich hätte Ihnen den Abschluss versaut. Wenn Ihnen dies so wichtig war, warum haben Sie dann nicht um eine Nachprüfung gebeten? Warum gingen Sie regelrecht in die Luft, wenn Sie mich nur sahen? Ich sehe Sie noch vor mir, Hermine...bei dem Abschlussball. Mich würde wirklich interessieren, warum Sie so überaus arrogant agierten. Oder hatte ich doch Recht und es war nur der Potter-Einfluss?"

Hermine konnte es einfach nicht glauben. Für einen Moment überlegte sie, ob sie ihn darauf hinweisen sollte, dass er eben ihren Vornamen benutzt hatte. Doch es gab eine andere Sache, die sie noch mehr verwirrte. Warum ritt er auf so alten Geschichten herum? Geschichten, die sie selbst nie vergessen hatte - aber er? Wieso hatte er diese Bilder noch so lebhaft vor Augen?

Sie musste unwillkürlich daran denken, dass sie vor "Florish & Blotts" sogar geglaubt hatte, er habe sie gänzlich vergessen. Wie weit er davon entfernt gewesen war, wurde ihr jetzt erst schlagartig bewusst. Er erwartete Ehrlichkeit. Er hatte diesen Raum versiegelt und es gab im Moment nur sie beide. Sie beide und die Wahrheit. Hermine spürte, wie diese Wahrheit ihr über die Lippen schlüpfen wollte und schloss schnell entschieden den Mund.

Snape hatte ihr Zögern bemerkt und schickte ihr ein leichtes Lächeln.

"Haben Sie mich so sehr gehasst, Miss Granger? Hassen Sie mich immer noch so sehr, dass Sie mir die Schuld an Ihrer misslungenen Prüfung geben wollen? Sie können mir glauben, eine ganze Menge Schüler wäre über ein A mehr als glücklich..."

"Es war nicht nur wegen der Prüfung. Es war wegen Ihnen! Ich war enttäuscht...einfach nur enttäuscht, von Ihnen als...Mensch."

Seine Augenbrauen zogen sich ein wenig zusammen und seine Stimme klang überrascht: "Sie sagten, ich hätte Ihnen das Herz gebrochen...", plötzlich hielt er inne und sein Ausdruck änderte sich für Hermine auf erschreckende Weise. Ihr Herz begann heftig zu schlagen, als sie das Erkennen in seinen Augen lesen konnte.

Snape legte den Kopf grüblerisch schief, als wolle er nicht recht glauben, was ihm plötzlich logisch erschien.

Hermine spürte wie sie heftig errötete, dennoch sah sie ihm tapfer in die Augen und sagte: "Ja - ich war damals von Ihnen fasziniert. Dies hielt nicht lange an, denn Sie waren in der Lage, diese Gefühle in unbändige Wut zu verwandeln. Könnten wir jetzt bitte zur Sache kommen, Professor Snape - ich würde gerne heute noch nach hause apparieren."

Sie war sich sicher gewesen, eine spöttische Belustigung bei ihm zu sehen, nachdem sie ihm dieses Geständnis gemacht hatte. Doch er sah immer noch so fassungslos aus wie zuvor.

"Mein Auftrag, Professor", sagte Hermine fordernd.

Snape strich sich das Haar aus der Stirn und er kam Hermine bei dieser Geste plötzlich sehr verletzlich vor. Dennoch blieb ihr Blick hart. Sie wollte ihm keine Gelegenheit mehr geben, weiter nach ihren Gefühlen zu forschen und sie war entsetzt, wie deutlich ihr ihre Emotionen von damals wieder vor Augen standen.

Snapes Stimme klang neutral, als er schließlich ihrer Aufforderung nachkam.

"Es gibt eine Organisation, die von einigen rekrutierten Muggeln geleitet wird. Sie sind dem Lord treu ergeben und versuchen ihm neue Bewerber in die Arme zu treiben. Dabei gehen sie wohl erst mit falschen Versprechungen auf Mitgliederfang und setzen später massive Drohungen und Gewalt ein, um die Leute dazu zu bekommen, nach den Wünschen des Lords zu handeln.

Doch Genaueres ist uns leider nicht bekannt. Da Voldemort sich in Zukunft vermehrt um die Bildung solcher Organisationen bemühen will, wäre es wichtig zu erfahren, wie diese aufgebaut sind. Wie sehr sind die Leiter über die wirkliche Macht Voldemorts informiert? Haben sie Kenntnis davon, dass es sich um einen Magier handelt...wissen sie überhaupt, dass es eine Welt der Zauberer gibt? Und wie hält der Lord sie unter Kontrolle, wenn die Muggel keine Ahnung von seiner eigentlichen Macht haben? Es gibt viele Fragen zu klären, Miss Granger. Ich selbst habe einigen Bestrafungen von Muggeln beigewohnt, die die immer brutalere Wünsche des Lords nicht erfüllt hatten, und mir schien es so, als seien sie allesamt sowohl von der Magie, als auch von der Grausamkeit des Lords überrascht worden."

Hermine schluckte unwillkürlich.

"Sie sind doch einer von Voldemorts treuesten Anhängern...scheinbar zumindest...gibt er Ihnen nicht regelmäßig Informationen?"

Snape schickte ihr ein Lachen, das gequält aussah.

"Der Lord vertraut niemandem so sehr, dass er ihn in alles einweiht. Nicht einmal mir. Ich wurde in Kenntnis gesetzt, dass es diese Organisationen gibt und dass er sie weiter ausbauen will. Ich habe auch einige Namen - das ist schon viel an Informationen, Miss Granger. Der Lord pflegt keine netten Plaudereien am Kamin zu führen. Er verlangt absoluten Gehorsam. Ihm eine Frage zu stellen, die er als zu neugierig empfinden könnte, wäre lebensgefährlich. Ich weiß, dass es viele in Reihen der Todesser gibt, die die neue Rolle der Muggel als bedrohend ansehen. Solange Voldemort die Muggel jedoch für seine grausamen Spiele benutzt und sie abschlachtet wie Vieh, hält sich der Unmut der Reinblüter in Grenzen. Sollte jedoch bekannt werden, dass Muggel als Drahtzieher einigen Todessern vorgezogen werden, könnte dies zu einem Aufstand führen. Allerdings würde dies heißen, dass sich Todesser finden müssten, die genug Zorn aufbringen, um sich gegen den Lord zu stellen.

Sie sehen also, dass diese Dinge im Dunklen liegen und wir nicht wirklich einen Anhaltspunkt haben. Daher wäre ihr Auftrag, einige Muggel zu überprüfen und uns so viele Informationen zu geben, wie es Ihnen möglich ist. Dabei kann jede Information von Wichtigkeit sein, oder auch völlig bedeutungslos. Dies ist etwas, das wir jetzt noch nicht absehen können. Die Aufgabe der anderen Ordensmitglieder ist nach wie vor auf die Zaubererwelt beschränkt, da von hier natürlich die meiste Macht ausgeht. Dennoch möchte ich das Interesse von Voldemort an den Muggeln, zur Bildung eines Heeres, nicht auf die leichte Schulter nehmen. Trauen Sie sich zu, diese Aufgabe zu übernehmen?"

Hermines Stimme klang ruhig, obwohl sie sich bei weitem nicht so fühlte.

"Sie meinen also, ich soll Detektivarbeit für Sie erledigen?"

"Nicht für mich - für den Orden des Phönix", stellte Snape klar.

Hermine nickte nachdenklich, schließlich sagte sie: "Geben Sie mir die Namen die Sie haben. Ich werde sehen was ich tun kann."

tbc

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