20. Kapitel
Auf Motivsuche
Hermine war verwirrt und irgendwo in ihrem Kopf ermahnte sie eine Stimme, dass sie auch entsetzt sein sollte. Entsetzt über die Art, wie Snape sie in Besitz genommen hatte ohne zu fragen - entsetzt darüber, dass er sie jetzt abstoßend fand, nachdem sie seinem Drängen nachgegeben hatte.
Und die Stimme biss sich fest, dröhnte in ihren Ohren, bis alle anderen Gefühle sie verließen - sich in Zorn und Enttäuschung verwandelten.
Die Tür knallte laut hinter ihr ins Schloss, als sie auch schon durch den Flur hetzte um aus diesem dunklen Kerker zu entfliehen.
Hermines Atem kam laut und stoßweise - ein Atem der darauf hinwies, dass die Tränen nur äußerst mühsam zurückgehalten wurden.
Als sie das Schloss verlassen hatte, fand sie sich auch schon im nächsten Moment am Apparierpunkt wieder. Hermine hatte keine Ahnung wie sie dorthingekommen war. 'Einen Moment noch - einen Moment konzentrieren', beschwor sie sich in Gedanken, bevor sie von dem Fleck verschwand und nur einige Sekunden später in ihrer Wohnung ankam.
Es war dunkel in ihren Räumen, doch Hermine machte kein Licht. Sie wankte ins Schlafzimmer und ließ sich auf das Bett fallen. Dann begann sie zu weinen.
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"Kannst du mir mal sagen, wo du mit deinen Gedanken bist?"
Die vorwurfsvolle Frage kam von Ginny, die ihrer Freundin zudem noch theatralisch mit der Hand vor den Augen herumfuchtelte.
Hermine kehrte nur langsam in die Wirklichkeit zurück. Sie lächelte unsicher, als versuche sie zu ergründen, ob Ginny etwas in ihrem Gesicht gelesen hatte, was ihr selbst einfach nicht aus dem Sinn ging.
Snape hatte sie geküsst! Aber das Schlimmste war, dass sie ihn nicht sofort von sich gestoßen hatte. Die Tatsache, dass sie es zugelassen hatte, war einfach schrecklich.
"An was denkst du?", ließ Ginny nicht locker.
"Nicht besonders", gab Hermine knapp zurück.
"Du denkst über den Orden nach", mutmaßte Ginny.
Hermine nickte leicht, "Ja - auch", murmelte sie dann bestätigend, während sie einen Grashalm ausriss und über die Wiese blickte, auf der sie beide saßen.
Ginny war weniger am Anblick des Parks interessiert, als vielmehr an der grüblerischen Art ihrer Freundin.
"Du denkst über Snape nach", sagte sie dann bestimmt.
Hermines Kopf fuhr zu Ginny herum und ihr entwich ein Keuchen. "Wie kommst du darauf?", fragte sie lauernd.
"Weil er dich vorgeschlagen hat, für den Orden. Und weil er dir deinen Auftrag gegeben hat, von dem du mir vermutlich nicht erzählen darfst."
Hermine warf unauffällig einen Blick über die Schulter, ob jemand sich in so nahem Umkreis aufhielt, dass er das Gespräch zwischen ihr und Ginny verfolgen konnte. Doch auch wenn sie hier auf dem Campusgelände einer Muggeluniversität saßen, war ihr jederzeit bewusst, dass Zauberer über Mittel verfügten, die es ermöglichen würden auch über große Entfernungen ihr Gespräch zu belauschen. Sie beschränkte sich auf ein Kopfschütteln, was Ginny mit einem Seufzen zur Kenntnis nahm.
"Ist es gefährlich?", fragte sie und ihr Tonfall ließ darauf schließen, dass sie nicht eher Ruhe geben würde, bis Hermine ihr darauf ehrlich geantwortet hätte.
Erneut riss sie einen Grashalm aus und zerrieb ihn zwischen ihren Fingern, die sich augenblicklich grün färbten.
"Nein, nicht soweit ich es bisher beurteilen kann. Snape sieht mich nur für Dinge vor, die jeder andere genauso gut erledigen könnte - soviel zu seiner Laudatio über mich, was Vertrauen und Zuverlässigkeit angeht. Ich mache nichts Aufregendes, Ginny...lass uns jetzt von etwas anderem sprechen."
Ginnys rotes Haar leuchtete mit der Sonne um die Wette und es schwang luftig um ihren Kopf, als sie diesen in gespielter Verzweiflung schüttelte.
"Na gut", gab sie schließlich nach.
Dann war plötzlich ein Lächeln auf ihr Gesicht gezaubert und ihre Augen hatten einen Glanz, den Hermine nur zu gut kannte.
"Ich habe heute Abend ein Date", war die Erklärung, die Hermine von ihrer Freundin kaum noch benötigt hätte.
"Jemand den ich kenne?", fragte Hermine.
"Hm...nein, ich glaube nicht, obwohl er ein Muggel ist."
Hermine betrachtete ihre grünen Fingerspitzen und sagte dann leise mit einem spöttischen Unterton: "Nur weil er Muggel ist, heißt es nicht, dass ich ihn kennen müsste - Ginny, es gibt wesentlich mehr Muggel als ich kenne - auch wenn dies eine Überraschung für dich sein sollte - und überhaupt, seit wann gehst du mit einem Muggel aus?"
Ginny ignorierte die ironische Art von Hermine und zuckte unbekümmert mit den Schultern.
"Ich will ihn ja nicht heiraten. Eigentlich will ich gar nicht viel von ihm."
Ein ungläubiges Lachen entwich Hermine, ehe sie es verhindern konnte. Ginny sah sie fragend an. "Raus damit", forderte sie vehement.
"Du willst ihn nur für eine Nacht", sagte Hermine vorwurfsvoll.
"Na und? Ja, genau das will ich! Wenn ein Mann das sagt, ist er ein toller Hecht - wenn ich das sage, dann soll ich mich schlecht fühlen? Nein, Hermine - ich weiß, dass du eine andere Ansicht hast, aber ich lasse dich doch auch so leben, wie du es möchtest...meistens jedenfalls...und du bist, verdammt noch mal, nicht meine Mutter!"
Hermine versuchte ihre grünverfärbten Finger an ihrem schwarzen Rock sauber zu wischen.
"Das wird nichts nutzen", orakelte Ginny.
Mit einem Gefühl der Resignation gab Hermine es schließlich auf - Ginny hatte Recht, es würde nichts nutzen so zu tun, als könne sie sich wieder reinigen...sie hatte Snape geküsst und dieser Makel würde von nun an ewig an ihr haften.
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Peter Deeping.
Der erste Name auf der Liste.
Die Angaben waren spärlich - so wie alle auf dieser Liste.
Der Mann wohnte in der Nähe des Flughafens Heathrow. Hermine stand nun vor seinem Haus und begann sich zu fragen, was sie hier eigentlich tun sollte.
Sollte sie beobachten ob er seine Blumen goss? Oder ob er seinen Müll regelmäßig aus dem Haus trug...oder noch besser, sollte sie diesen Müll vielleicht durchwühlen, um Informationen über den Mann zu erlangen, ohne Kontakt mit ihm aufzunehmen?
'Ja, das würde dir gefallen, Snape...eine Hermine, die zwischen Abfall kniet und sich darüber klar wird, dass sie die Aufgabe niemals zu deiner Zufriedenheit wird erledigen können, aber nebenbei erkennt, welche Wurzeln sie hat...Muggelwurzeln, die so edel sind wie stinkender Müll.'
Im gleichen Moment wusste sie, dass sie ihm Unrecht tat, doch sie verspürte eine brennende Scham, dass er sie so gedemütigt hatte - dass er sie hinausgeschmissen hatte und seinen Ekel vor ihr nicht einmal ansatzweise verborgen hatte.
'Verfluchter Mistkerl, schoss es ihr durch den Kopf und jeder Gedanke, dass sie ihm zu Unrecht Dinge unterstellte, verschwand augenblicklich.
Beinahe eine Stunde brachte sie damit zu, immer wieder zu diesem Haus zu starren, zwischendurch blickte sie die Straße hinunter und sah auf die Uhr - ganz so, als warte sie darauf abgeholt zu werden und wäre aufs Schändlichste versetzt worden.
Schließlich kam sie zu dem Schluss, dass dies so keinen Sinn hatte. Mit einem übertriebenen Kopfschütteln überquerte sie die Straße und hoffte fast, dass Peter Deeping sie schon bemerkt hatte, damit ihre gespielte Ungeduld echt auf ihn wirkte.
'Keinen Kontakt aufnehmen...keinen Kontakt aufnehmen...', hallte Snapes Stimme durch ihren Kopf.
Beherzt drückte sie auf den Klingelknopf.
Es dauerte nicht lange, da wurde die Tür von einem dunkelhaarigen Mann mit Dreitagebart geöffnet. Er trug ein graues Unterhemd und eine Shorts, die wie Unterwäsche wirkte. Die kurze Hose war mit einigen Flecken übersäht, über deren Herkunft Hermine lieber nicht nachdenken wollte. Seine Augen fixierten sie mit einer Mischung aus Argwohn und lüsternem Interesse.
"Sorry, Sir. Ich warte auf meinen Freund. Er wollte mich hier abholen, aber es ist jetzt schon fast eine Stunde her, dass er hier sein wollte. Dürfte ich vielleicht bei Ihnen kurz telefonieren?"
Gerade als der Mann antwortete, wurde das Dröhnen eines Flugzeuges, das den Flughafen ansteuerte, immer lauter und Hermine verstand nur das Wort 'Handy', zudem blickte er sie vorwurfsvoll an.
"Nein...hab ich vergessen...der Akku war leer", versuchte Hermine zu erklären und hoffte, dass der Mann in dem Lärm nicht besser hörte als sie.
Als er seine Tür aufstieß und eine einladende Geste machte, die zugleich von einem Haifischgrinsen begleitet wurde, drang wieder Snapes Mahnung in ihren Geist: 'Keinen Kontakt aufnehmen...keinen Kontakt aufnehmen...' - dafür war es jetzt eindeutig zu spät!
Hermine betrat zögerlich das Haus und sofort lief ihr ein Schauer den Rücken hinab.
"Da!", herrschte der Mann sie an.
Hermine folgte mit ihrem Blick dem ausgestreckten Finger und erkannte ein mobiles Telefon auf einer Basisstation. "Darf ich?", fragte sie fast in der Hoffnung, er würde nun doch noch 'nein' sagen und sie könne ganz schnell wieder verschwinden.
"Bedienen Sie sich", kam statt dessen die Antwort, und der Mann hob sein Unterhemd ein Stück an, um seinen durchtrainierten Bauch zu kratzen.
Hermine drehte sich schnell um, damit er ihr nervöses Schlucken nicht sehen konnte.
Mit vorsichtigen Schritten ging sie zum Telefon, dabei umschiffte sie die Gegenstände, die am Boden lagen.
Eine Hantel, die so viele Gewichte montiert hatte, dass es Hermine erneut kalt überlief. Eine Fernsehzeitung, die völlig zerknittert war und an der die Schalen eines Apfels klebten. Eine leere Wasserflasche, deren Deckel wohl in einem anderen Teil des Hauses verschollen gegangen war. Doch was Hermine am meisten aus dem Konzept brachte, war die Hose, die samt Gürtel einfach mitten auf dem Boden lag.
"Beim Trainieren wird mir immer mächtig heiss", sagte der Mann, der ihrem Blick augenscheinlich gefolgt war.
Hermine gab keine Antwort, sie griff zum Telefon als sei dies ihre Rettung. Und vielleicht war es tatsächlich so...sie war nur einen einzigen Anruf von jemandem entfernt, der ihr helfen könnte aus diesem ganzen Schlamassel wieder heraus zu kommen. Doch als ihre Finger begannen eine beliebige Nummer zu wählen, war ihr klar, dass sie ihren Plan stur weiter durchziehen würde.
Die Stimme, die sich am anderen Ende der Leitung meldete, klang verschlafen. Hermine erzählte ihre Version der Geschichte - schimpfe darüber, dass er sie vergessen habe, was den offensichtlich älteren Mann am anderen Ende zu verwirren schien. Als sie inständig darum bat, dass er sie am vereinbarten Treffpunkt so schnell wie möglich abholen solle, legte ihr Gesprächspartner nach mehrmaligem Hinweis, dass sie sich verwählt haben müsse, einfach auf.
Auch Hermine knallte den Hörer unsanft auf das Ladegerät, um ihre Ungeduld zu unterstreichen und Peter Deeping zumindest ein wenig zu vermitteln, dass auch sie durchaus nicht ganz kraftlos wäre.
Diesen schien ihre aufgebrachte Art allerdings nur zu amüsieren und er war eindeutig viel zu nahe an sie herangetreten.
Hermine machte einen Schritt an ihm vorbei und versuchte sich ihre Angst nicht anmerken zu lassen.
"Wird wohl lange dauern, bis Ihr Typ kommt", mutmaßte er trocken.
Hermine warf einen Blick an die Wand hinter ihm, während sie unbestimmt mit den Schultern zuckte: "Er fährt sofort los."
"Dann hat er Sie also völlig vergessen?" Kam es Hermine nur so vor, oder hatte der Kerl einen spöttischen Unterton.
"Nein, er..."
"Ich würde so eine Frau wie Sie ganz bestimmt nicht vergessen...muss ein Idiot sein."
"Ich werde jetzt besser..."
"Wie wäre es mit einem Tee solange Sie warten?"
'Verdammt', dachte Hermine - das konnte doch alles nicht wahr sein!
Sie musste raus - weg von diesem Ekel.
"Ja, das wär schön", sagte sie mit schleppenden Worten.
Erneut das Haifischgrinsen.
"Bin gleich wieder da. Setzen Sie sich irgendwo hin."
Dann verließ er den Raum und verschwand durch einen klimpernden Bambusvorhang in einen angrenzenden Raum, der wohl die Küche sein musste.
Hermines Blick ging sehnsüchtig zur Tür. Ein paar wenige Schritte und sie wäre hindurch...sie würde bis um die nächste Ecke laufen und so schnell apparieren, dass er sie niemals erwischen könnte.
Dann fiel ihr Blick auf eine Bleistiftzeichnung, die auf einem Stapel von alten Zeitungen und aufgerissenen Briefumschlägen auf dem Wohnzimmertisch lag. Zwei andere Zeichnungen verbargen einen großen Teil, doch Hermine stockte dennoch der Atem, als sie erkannte um was es sich handelte.
Vorsichtig zog sie das Blatt ganz hervor und betrachtete es entsetzt.
Es zeigte einen Totenkopf aus dessen grinsenden Mund sich einen Schlange wand.
Am unteren Rand der Zeichnung waren die Initialien P.D. mit so festem Druck auf das Papier geschrieben worden, dass sie dunkel hervorstachen.
"Ist eines meiner Hobbies - ich zeichne alles was ich sehe."
Hermine fuhr herum, und sah Peter Deeping mit zwei dampfenden Tassen vor sich stehen.
Er hielt ihr eine grinsend hin und sie kam zu dem Schluss, dass es lange her sein musste, dass er sich die teevergilbten Zähne das letzte mal geputzt hatte. Offensichtlich legte er wesentlich mehr Wert auf die Trainiertheit seiner Muskeln als auf Körperhygiene.
"Danke", nuschelte sie und hob dann die Zeichnung etwas mehr in seine Augenhöhe.
"Das ist
wirklich gut geworden...wonach haben Sie es gemalt?"
"Aus
meiner Phantasie", gab er knapp zurück.
Hermine konnte jetzt nicht locker lassen.
"Aber Sie sagten doch eben, dass Sie alles malen was Sie sehen - doch wo könnte man wohl so etwas auch sehen?", sie ließ die Frage in der Luft schweben, in der Hoffnung, dass er der Versuchung nicht widerstehen könnte sie belehren zu wollen. Sie hoffte, dass er mit der Sprache rausrückte, wo, und bei welcher Gelegenheit er das dunkle Mal mit eigenen Augen gesehen hatte.
Deeping ließ erneut seine gelben Zähne zum Vorschein kommen und hob die Tasse an die Lippen, worauf ein lautes Schlürfen folgte.
"Manches zeichne ich aus der Phantasie heraus...und manches indem ich es mir vorher ansehe - ich male nur selten nach einem direkten Modell."
Er hielt inne und stellte seine Tasse ab. Dann ging er wortlos zu einer Schublade, die so voll war, dass man sie ohnehin nicht mehr richtig schließen konnte.
Er musste erst mit zwei Fingern durch den engen Spalt die vielen Blätter darin herunterdrücken, um sie schließlich zu öffnen.
Dann griff er sich einen Stapel des Papieres und ging damit zu Hermine. Auf seinem Gesicht lag ein Lächeln, das irgendwie kindlich wirkte.
"Wollen Sie mehr sehen?", fragte er und legte die Blätter vor ihr auf den Tisch, ohne wirklich eine Antwort abzuwarten.
Hermine blickte auf eine Zeichnung die einen Wolf zeigte, der den Kopf in den Nacken gelegt hatte, um den Mond anzuheulen. Ein Wald umgab den Wolf, zwischen dessen Bäumen unzählige andere Wolfsaugenpaare glänzten.
"Hab ich nur in meinem Kopf gesehen", erläuterte Deeping.
Hermine zog das Blatt weg und das nächste Bild zeigte eine alte Frau, die an ein Beatmungsgerät angeschlossen war.
"Meine Mutter", gab er knapp Antwort und Hermine war klar, dass dieses Bild einem echten Motiv zugrunde lag.
Vorsichtig legte sie das Papier zur Seite.
Das nächste Bild zeigte einen toten Hirsch in dessen Flanke ein Jagdhund seine Zähne vergraben hatte.
"Ich habe einen Freund der jagen geht", erläuterte Deeping mit glänzenden Augen.
Hermine nickte mühsam und ließ das Bild unter den Stapel wandern. Beim nächsten Motiv versuchte sie einen Schreckenslaut zu unterdrücken.
Ein nackter Frauenkörper wand sich ihr entgegen, die Brüste vorgereckt und die Schenkel leicht gespreizt.
"Hab ich nach Modell gemalt", sagte er mit einem Unterton, der Hermine absolut nicht gefiel.
Auch das nächste Bild stellte eine unbekleidete Frau dar. Sie lag auf einem Sofa und blickte - den Kopf weit nach hinten gestreckt - dem Betrachter entgegen. Dabei lag eine ihrer Hände auf ihrem Schamhaar.
Hermine nahm die bereits betrachteten Bilder und legte sie wieder über den restlichen Stapel.
Peter Deeping streckte ihr grinsend die Hand entgegen und Hermine reichte ihm wortlos die Bilder.
"Ich könnte Sie malen", sagte er mit einem wölfischen Blick.
Hermine erhob sich so gelassen wie möglich und sagte mit fester Stimme: "Nein danke! Ich muss jetzt gehen."
"Aber Ihr Freund kann unmöglich schon hier sein", wandte der Mann spöttisch ein.
"Ich werde ihm entgegengehen", erwiderte Hermine und ihre rechte Hand griff automatisch nach ihrem Zauberstab, den sie zwischen den Hosenbund gesteckt hatte.
Deeping machte ein enttäuschtes Gesicht und für einen Moment war Hermine der Versuchung nahe, den Stab zu ziehen, bevor er einen direkten Angriff auf sie unternahm.
Sie riss sich jedoch zusammen und dann erkannte sie überrascht, dass der Mann ihr den Weg freigab und auf die Türe wies.
"Dann viel Spaß beim Laufen", sagte er ironisch.
Hermine ging an ihm vorbei und trat hinaus. Sie hatte gerade genug Abstand von ihm, dass sie sich sicher war, sie könne ihm auch ohne einen Zauber entfliehen, falls er sie nun doch noch verfolgen würde - dann hörte sie ihn lachend rufen: "Ich werde Sie malen - und meine Phantasie wird keine Grenzen kennen!"
tbc
