21

„Nein, nein, nein, auf keinen Fall!" Energisch stemmte ich meine Arme gegen seine, zugegebenermaßen, harte Brust und wand mich unter seinem Arm hervor.

„Zuerst reden wir!" Sebastian streckte die Arme aus und wollte mich wieder an sich ziehen.

„Anne, können wir nicht später reden?" Lockte er mich.

Dabei setzte er sein sinnliches Lächeln auf, was mich beinahe wieder schwach werden ließ. Und zum ersten Mal sprach er meinen Namen aus und aus seinem Mund klang er wie etwas verbotenes sündiges. Dieser Mann konnte einen echt in den Wahnsinn treiben.

„Wir werden uns jetzt setzten und du wirst mir ein paar Fragen beantworten." Bestimmte ich und deutete mit der Hand auf die Couch.

„Tun wir so als würdest du bei mir Tee trinken und dabei erzählst du mir noch so einiges."

Ergeben, fürs erste, setzte er sich und ich ging in die Küche um für mich eine Tasse Tee zu holen, nicht allein um ihn zu trinken, sondern um etwas zum festhalten zu haben. Außerdem nahm ich sein Buch mit. Demonstrativ legte ich es auf den Tisch vor ihn hin.

Doch er beachtete es kaum, sondern sah mich lächelnd an und klopfte einladend neben sich auf die Couch und zog dabei aufreizend eine Augenbraue in die Höhe, was mir ein verächtliches Schnauben entlockte. Nein, so leicht würde ich es ihm nicht machen. Ich wählte den Stuhl ihm gegenüber, was ihn, wie ich mit einer gewissen Genugtuung feststellte, leicht enttäuschte.

Doch dieser Eindruck war genauso schnell wieder verschwunden, wie er gekommen war. Schon wieder hatte er einen gewissen lauernden Blick aufgesetzt. Schön langsam fragte ich mich warum er heute Abend tatsächlich hergekommen war.

„Erzähl mir etwas über deine Katze. Was macht ein Wächter und soll das heißen deine Katze ist beinahe 200 Jahre alt?" Nun war wirkliche jede Amüsiertheit aus seinem Blick gewichen und ernst sah er mich an.

„Luzifer ist seit jener Nacht bei mir, aber wie du dir denken kannst ist er keine gewöhnliche Katze. Auch er ist bereits lange tot." Er ließ das tatsächlich so im Raum stehen.

„Und?" Das konnte heiter werden, recht redselig war er heute nicht gerade.

„Nun scheinbar ist er so lange ich existiere bei mir." Ich spürte, wie ich schön langsam ungeduldig wurde.

„Was ist seine Aufgabe und bitte genau?" Fragte ich ihn gereizt. Überrascht sah er mich an.

„Du bist sauer! Warum?" Nun wäre ich ihm am liebsten an den Hals gesprungen, aber das würde höchstens in einer wilden Küsserei enden, also ließ ichs.

„Weil ich dir fast jedes Wort aus der Nase ziehen muss!" Erwiderte ich mühsam beherrscht.

„Oh, das tut mir leid." Sagte er mit einem Lächeln in der Stimme. Nicht wirklich, dachte ich.

„Ich bin heute ein bisschen abgelenkt." Und da war er wieder, dieser sinnlich erotische, mich alles vergessen lassende Blick.

„Las das und benimm dich, wie ein erwachsener Vampir! Ansonsten…" Den Rest ließ ich offen. Doch er hackte sofort nach.

„Ansonsten tust du was?"

„Also gut, ansonsten setze ich dich vor die Tür!" Erwiderte ich mit einer Entschlossenheit die ich nicht wirklich empfand, doch er schien mich wenigstens vorübergehend ernst zu nehmen und mit einem Seufzen beantwortete er mir meine Frage.

„ Luzifer bewacht mich. Sollte ich gegen die Regeln verstoßen, kommen die Sinti zurück und töten mich." Er hat es schon wieder getan, mir eine sehr einsilbige Antwort gegeben.

„Was sind die Regeln? Wer hat sie aufgestellt?" Nun zuckte er mit den Schultern.

„Die Regeln wurden schon vor Hunderten von Jahren von den Sinti festgelegt. Es sind ihre Gesetze. Im Wesentlichen geht es um meine Natur, sollte ich einen Menschen kaltblütig ermorden oder verwandeln, kommen sie und strafen mich." Nachdenklich nippte ich an meinen Tee.

„Soll das heißen seit jener Nacht hast du keinen Menschen mehr getötet?" Stumm schüttelte er den Kopf.

„Nein. Ich habe seit jener Zeit sehr wohl getötet, doch du darfst nicht vergessen, Sinti-Gesetze funktionieren anders. Solange ich keinen Unschuldigen töte, ist es kein Problem."

Schweigend betrachtete ich ihn ein paar Minuten, dass musste ich erst mal verdauen. Ich atmete tief durch, ich wusste bereits schon, dass er kein Schmusetier war, sondern eher ein reißender Wolf.

„Was ist so besonderes daran Leid zu empfinden?"

„Wie soll ich dir das erklären? Für dich ist es normal Leid zu empfinden, doch Vampire empfinden kein Leid. Es tut ihnen nicht leid, wen und wenn sie töten, nur so können sie überleben. Ich aber habe diese Fähigkeit, warum oder wodurch, dass weiß ich nicht. Ich unterscheide und ich leide, wenn ich töte."

Sein Gesicht war ganz ausdruckslos geworden, wie er mir das erzählte. Ich konnte beinahe den Schmerz, der sich hinter diesen Worten verbarg, spüren und ich empfand Mitleid mit ihm und gleichzeitig begann ich zu verstehen. Würde er bei jedem seiner Opfer Mitleid empfinden, könnte er sie nicht töten.

„Und was ist mit der anderen Sache, das was dir Martha erzählt hat? Das du wieder zum Mensch werden könntest?" Fragte ich neugierig weiter.

„Ganz ehrlich, ich hab keine Ahnung, ob das Wahr ist." Ich biss mir auf die Lippe, ich wollte ihn so gerne fragen, ob er überhaupt wieder ein Mensch sein wollte, aber ich wusste nicht wie. Er schien mich auch so zu verstehen.

„Ich bin schon so lange, was ich bin und kenne es nicht anders. Schön wäre es einen Sonnenaufgang sehen zu können, aber ich mache mir keine Hoffnung mehr, tatsächlich noch einmal einen zu erleben. Und wenn doch, so würde es auch mein letzter sein." Hier wurde ich unruhig, wie stellte er sich das mit uns vor. Wie sollte es funktionieren?

„Was ist mit uns?" Ehe ich es verhindern konnte, was die Frage heraus. Er zog die Stirn in Falten, sah mich an und schwieg. Erst als ich mit keiner Antwort rechnete, öffnete er den Mund.

„Ich weiß es nicht." Er klang so traurig, wie ich mich fühlte.

„Wenn es möglich wäre, würdest du wieder zum Mensch werden wollen?" Ich musste es wissen, denn wenn seine Antwort nein lautete, gab es keine Hoffnung mehr für uns, doch falls ja, dann würde ich kämpfen.

Sein Brustkorb hob und senkte sich rasch, ein sicheres Zeichen dafür, dass er sehr aufgewühlt war.

„Ich…… kann nicht nein und nicht ja sagen. Ich weiß es einfach nicht. Nie habe ich an so eine Möglichkeit geglaubt. Willst du, dass ich daran glaube?" Er war innerlich zerrissen und es war meine Schuld.

Ich sprang von meinem Platz auf und eilte zu ihm. Ich wollte ihm nahe sein. Ich nahm ihn einfach in meine Arme und drückte ihn fest an mich.

„Weißt du das ich dich liebe?" Diese Worte kamen ihm so schlicht über die Lippen und doch trafen sie mich mitten ins Herz.

Ich rutschte ein Stück zurück von ihm und sah ihm in die Augen. Wie eine stürmische See, so sahen sie aus. Und dann küsste ich ihn. Sebastian schlang seine Arme um mich und zog mich auf seinen Schoss. Gleichzeitig vertiefte er den Kuss und verlangte mehr, was ich ihm ohne zu zögern gab. Unter den immer leidenschaftlicher werdenden Küssen, riss ich mich kurz schweratmend los.

„Wen du mich beißt, töte ich dich, ist das klar!" Er warf den Kopf zurück und lachte laut auf. Dann sah er mir wieder tief in die Augen.

„Ich werde dir nicht weh tun. Das kann ich gar nicht. Niemals!" Ich glaubte ihm, ich vertraute ihm.

„Na dann, mein Schlafzimmer ist dort drüben." Und zeigte ihm mit der Hand die Richtung an.

Das musste ich ihm nicht zweimal sagen. Ehe ich mich versah, hatte er mich auf seine Arme gehoben, als wiegte ich überhaupt nichts und ehe ich einmal tief Luft holen konnte, stand er vor meinem Bett, wo er mich sanft auf den Boden stellte. Er strich mir mit beiden Händen über mein Gesicht, ehe er es zärtlich umschloss und mich innig küsste.

„Ich hab jeden Tag seit ich dich kenne von diesem Moment geträumt. Seit ich dich zum ersten Mal sah, gingst du mir nicht mehr aus dem Kopf. Wo hast du dich nur so lange vor mir versteckt?" Ich hob meine Hände und legte sie auf sein Gesicht.

„Ich habe mich nicht versteckt. Ich musste erst geboren werden um zu dir zu kommen." Wir waren wie Kinder und blickten voller Wunder auf den Anderen.

„Ich möchte dich sehen." Flüsterte er mir zu.

Ich packte mein Shirt an den Enden und zog es mir ohne zu Zögern über den Kopf. Dabei ließ ich ihn nicht aus den Augen und so konnte ich ein begehrliches Aufflackern in seinen Augen wahrnehmen, was bei mir ein warmes Gefühl in der Brust auslöste. Langsam ließ ich meine Hände am Bund meiner Hose entlang gleiten, ehe ich sie über meine Hüften schob und achtlos zur Seite warf.

Jetzt trug ich außer meinem BH und Slip nichts mehr. Während er noch vollkommen bekleidet war. Wieder einmal trug er ein weißes Hemd und dazu Jeans. Ich schmiegte mich an ihn und sah zu ihm auf.

„Dir ist schon klar, dass du heute nicht mehr nachhause kommst?" Fragte ich ihn.

„Das war meine große Hoffnung. Ich wollte bei dir bleiben." Zärtlich lächelte er auf mich herab. Ich nahm seine Hand und verschlang seine Finger mit meinen und zog ihn mit mir aufs Bett.

Dort drückte ich ihn in die Kissen und strich mit beiden Händen über seine Brust. Diesmal würde ich ihm nicht das Hemd vom Körper reißen, im Gegenteil. Jeden Knopf widmete ich mich einzeln mit höchster Aufmerksamkeit bevor ich ihn öffnete, das damit freigelegte Stück Haut wurde von mir mit einem Kuss bedacht. Unruhig wandte sich Sebastian unter dieser süßen Folter und genoss sie. Langsam öffnete ich den letzten Knopf und schob sein Hemd weit auseinander. Wie schön er war. Jede Linie, jede Erhebung und jede Vertiefung war perfekt.

„Du bist so schön." Hauchte ich. Genießerisch ließ ich meine Hände über seinen Brustkorb wandern, wollte jeden Zentimeter von ihm berühren. Ich setzte mich ritt links auf ihn und versuchte ihm das Hemd von den Schultern zu streifen. Sebastian kam mir entgegen um mir zu helfen. Ich schob es über seine Arme herab, öffnete die Knöpfe bei den Handgelenken und küsste dabei seine Schultern, dann zog ich es ihm endgültig vom Körper.

Endlich konnte ich seine Haut an meiner spüren. Ein Stöhnen entrang sich meinen Lippen. Ich beugte mich über ihn und verteilte federnde Küsse auf sein Gesicht. Knabberte spielerisch an seinem Ohr und ließ meine Zunge über seinen Hals nach unten wandern. Mit einem Knurren packte er mich, drehte mich herum und lag auf mir.

„Genug!" Grollte er tief aus der Kehle hervor. Verführerisch lächelte ich ihn an. „Komm zu mir." Lockte ich ihn.

Mit einem Stöhnen warf er sich auf mich und küsste mich tief und heiß. Mir verging tatsächlich hören und sehen. Ich glaubte in Ohnmacht zu fallen. Ruhelos wanderten meine Hände über seinen Körper und verfingen sich in seinem Haar. Er schob sich ein Stück weg von mir und strich mit den Fingern über mein Schlüsselbein. Sanft schob er einen Finger unter den Träger meines BHs und zog diesen sachte über meine Schulter.

Mit den Lippen folgte er ihm und verteilte viele Küsse auf meine Schulter. Ich glaubte den Verstand zu verlieren und versuchte ihn an mich zu ziehen, doch er lachte nur über meine Ungeduld. Zornig darüber, richtete ich mich halb auf und biss ihn fest in die Schulter. Erstaunt blickte er mich an.

„Du beißt mich! Hexe!" Flüsterte er heißer erregt. Dann sprang er mit einem Satz vom Bett und riss sich voller Ungeduld die Hose vom Körper und warf seinen Slip hinterher. Nackt wie ein Gott, stand er vor mir.

Ungeduldig breitete ich meine Arme aus und schon warf er sich auf mich und verschloss meine Lippen mit einem alles versengenden Kuss. Seine Hände strichen über meinen Rücken und fanden was sie suchten. Schnell hatte er meinen BH aufgehackt und fast genauso schnell folgte er seinen Sachen auf den Boden. Er hob seinen Kopf und sah mir tief in die Augen.

„Du bist wunderbar." Seine Stimme war dunkel vor Erregung. Ehrfurchtsvoll ließ er seine Hände über meinen Körper nach unten wandern und gab mir so das Gefühl schön zu sein. Vorsichtig schob er seine Hände unter den Bund meines Slips und versuchte ihn über meine Hüften zu schieben. Ich hob leicht mein Becken und keine Minute später gehörte er bereits der Vergangenheit an. Ich umfasste mit beiden Händen sein Gesicht und sah ihn an.

„Komm zu mir, jetzt." Ohne seinen Blick von meinem zu lösen schob er sich über mich und war im nächsten Moment in mir. Mir war als würde mein Herz stehen bleiben und die Welt hörte sich für uns auf zu drehen. Nur mehr das Hier und Jetzt zählte. Er warf den Kopf zurück und entblößte seine langen Fangzähne, aber er beherrschte sich und trotz seiner Erregung, biss er mich nicht.

Im Moment der höchsten Wonne, schrie ich losgelöst von dieser Welt seinen Namen – Sebastian!