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Schlaftrunken lag ich an ihn gekuschelt, mein Kopf lehnte an seiner bloßen Schulter. Zärtlich drückte er mir einen Kuss ins Haar, ehe er mich sanft auf die Seite schob. Ich wollte, plötzlich seiner Nähe beraubt, protestieren, was ihm ein leises Lachen entlockte.

„Ich muss aufstehen, denn sonst liegst du bald neben einem Häufchen Asche, Liebes." Erst jetzt öffnete ich meine Augen und tatsächlich, der Morgen begann bereits zu dämmern.

Wie kurz die Nacht gewesen war und was wir alles gemacht hatten. Der bloße Gedanke daran ließ mich sanft erröten. Wir hatten uns die ganze Nacht geliebt und Sebastian war ein ausdauernder und fantasievoller Liebhaber. Er erforschte meinen Körper auf das Gründlichste, mittlerweile glaubte ich er kenne ihn besser als ich. Sebastian stand nackt beim Fenster und schloss die Jalousien und Vorhänge. Nun war mein Schlafzimmer wieder in absolute Dunkelheit getaucht. Ich stütze mich auf den Ellbogen und sah ihm zu wie er sich dem Bett näherte. Wie schön er war.

„Hattest du gewusst, dass ich Jalousien habe?" Fragte ich ihn. Unverwandt blickte er mich an, wir hatten uns nicht die Mühe gemacht uns zuzudecken, und ich sah den Hunger in seinen Augen aufblitzen.

„Sag mal du denkst doch nicht schon wieder……" Bevor ich den Satz zu ende gesprochen hatte, war er schon auf mir.

„Und ob. Ich kriege nie genug von dir. Du bist so wunderbar einmalig." Flüsterte er an meinem Hals, während er unzählige Küsse darauf verteilte.

„Mhm, mach weiter ich bin ganz Ohr", schnurrte ich ihm in das Seinige.

„Was hab ich in dir erweckt? Ein Monster wie mir scheint." Lachte er an dem Meinigen, ehe er seine Zunge hineingleiten ließ und mir damit wohlige Schauer verursachte. Sanft ließ ich meine Nägel seinen Rücken hinabgleiten und strich zärtlich über seine Pobacken, was ihm ein Stöhnen entlockte.

„Du machst mich verrückt, weißt du das?" Liebevoll blickte ich in sein Gesicht.

„Das hoffe ich." Hauchte ich, ehe ich ihn küsste. Er erwiderte den Kuss voller Leidenschaft und begann mit seinen Händen meinen Körper zärtlich zu streicheln.

Wie ein Bogen spannte ich mich und kam ihnen entgegen. Keine Berührung wollte ich mir entgehen lassen. Er ließ seine Lippen seinen Händen folgen, heiß strichen sie meinen Hals hinab, verweilten kurz in der Vertiefung zwischen Hals und Schlüsselbein, ehe seine Zunge eine alles versengende Spur nach unten zog. Meine Hände vergruben sich in seinem Haar und höchst erregt wand ich mich unter ihm.

„Mach nur so weiter und wir verlassen dieses Bett nie mehr." Presste ich schwer atmend hervor. Ich spürte an meinem Bauch wie er lächelte und dann mit der Zunge meinen Bauchnabel umkreiste, während seine Hände tiefer glitten. Energisch zog ich ihn zu mir hoch und unsere Lippen trafen sich zu einem stürmischen Kuss.

„Komm zu mir, jetzt!" Flehte ich ihn an und das musste ich ihm nicht zweimal sagen.

Danach lagen wir angenehm ermattet neben einander. „Musst du nicht ruhen?" Fragte ich ihn, sobald ich wieder zu Atem kam.

„Ich kann es mir aussuchen und heute will ich nicht einen Moment verschlafen." Er warf mir einen liebevollen Blick zu, der mir die Knie weich werden ließ.

„Ich liebe dich." Sagte ich spontan. Er beugte sich zu mir und berührte sanft meine Lippen.

„Du wirst mich nie mehr los. Ist dir das eigentlich klar?" Flüsterte er an meinem Mund.

„Ich lasse dich auch nie mehr gehen." Wisperte ich zurück.

Wie sehr wünschte ich, dass diese Einigkeit für immer anhalten würde. Doch die Erde drehte sich unaufhaltsam weiter und zwischen uns war noch so vieles ungeklärt.

Nur ungern wand ich mich aus seinen Armen und verließ das Bett, aber ich war ein Mensch, mit menschlichen Bedürfnissen. Ich schnappte mir frische Unterwäsche und ein langes T-Shirt und verschwand damit im Bad, um dort unter anderem auch ausgiebig zu duschen.

Danach putzte ich mir gründlich die Zähne, wobei ich merkte, dass ich die ganze Zeit vor mich hin grinste. Ich war glücklich, wenn es auch ein gestohlenes Glück war, flüsterte meine innere Stimme mir zu. Schön langsam senkte sich ein Schatten über mein Glücksgefühl.

Nach dem Badezimmer war die Küche dran, ich musste, ob ich wollte oder nicht, etwas essen. Auch Ernest fühlte sich schrecklich vernachlässigt. Nachdem ich den Kühlschrank ausgiebig geplündert hatte, ging ich durch meine Wohnung und machte sie Vampirsicher. Überall schloss ich Jalousien und Vorhänge, ein Glück für ihn, dass ich beides besaß. Danach kehrte ich ins Schlafzimmer zurück und setzte mich auf die Bettkante.

„Wir sollten reden." Fing ich zaghaft an. Er setzte sich auf, schlang sich ein Lacken um die Hüften und schob sich ein Kissen in den Rücken und lehnte sich daran an.

Ergeben nickte er.

„Ich weiß"

Hier stockt ich, ich wusste nicht wie ich beginnen sollte und dann sprudelten die Worte beinahe von selbst aus mir heraus.

„Ich liebe dich, aber wir können keine Beziehung haben, solange wir so verschieden sind. Das würde nur eine kurze Zeit gut gehen. Selbst jetzt wo wir neben einander sitzen, altere ich und du nicht."

Ich wusste selbst, dass meine Stimme leicht verzweifelt klang und dennoch konnte ich es nicht verhindern. Ohne es zu wollen und ohne es wirklich gemerkt zu haben, bis jetzt, war er das Wichtigste in meinem Leben geworden. Traurig blickte er mich an, dann senkte er den Blick.

„Ich möchte nicht, dass du so wirst wie ich." Sagte er leise. Ich fühlte, dass er an Madeleine dachte und was mit ihr geschehen war, als er sie verwandelte.

„Ich möchte nicht so sein wie du, aber kannst du nicht so werden wie ich?" Mit dem Finger begann er Muster auf die Decke zu zeichnen.

„Vor ein paar hundert Jahren oder so, gab es einen Van Helsing er war Professor für irgendwas, ich glaube Medizin. Nun, dieser studierte meine Art und brachte ein Buch heraus. Dieses ist zwar seit dem ersten Weltkrieg verschollen, doch darin könnten wir Antworten auf deine Frage finden." Frustriert sprang ich auf.

„Soll das heißen, wir müssen ein Buch finden, dass fast seit hundert Jahren verschwunden ist, um vielleicht eine Lösung zu finden?" Ich begann im Raum auf und ab zu laufen.

„Und wenn es so ist wie Martha dir erzählt hat, wenn du die Kreatur die dich gebissen hat finden musst, um wieder zum Menschen werden zu können, dann hab wir unlösbare Probleme!" In mir brodelte es.

Wahrscheinlich war ich eher tot, als das wir eines von beiden fanden. Sebastian stand ebenfalls auf und stellte sich mir in den Weg. Zärtlich umfasste er meine Schultern, damit ich zu ihm aufblickte.

„Gib uns jetzt nicht auf, gerade wo wir uns gefunden haben."

Tränen standen in meinen Augen, ungeduldig wischte ich sie fort.

„Was sollen wir tun?" Fragte ich ihn mit leicht brüchiger Stimme.

„Sobald die Nacht hereinbricht, kehren wir zurück in mein Haus und beginnen mit der Suche." Antwortete er mir entschlossen. „Zufällig besitze ich eine Abschrift von Van Helsings Buch. Ich weiß nicht ob alles originalgetreu drinnen steht, doch zumindest ist es ein Anfang. Und was meinen „Erschaffer" betrifft, so habe ich eine dunkle Ahnung, wo er sich aufhalten könnte."

Diese Antwort brachte ihm einen Tritt gegen sein bloßes Schienbein ein. Wie konnte er mich jammernd auf und ab laufen lassen, wo er diese Informationen hatte.

„Aua!" Rief er keine Spur verletzt aus. „Du haust mich!"

Erbost blickte ich ihn an. „Du wusstest all das und wartest bis jetzt mir das mitzuteilen! Diesen Tritt hast du dir verdient!" Zornig wollte ich aus seiner Nähe kommen, doch er hielt meine Schultern fest umklammert.

„Es tut mir leid. Ich bin die meiste Zeit mit mir alleine und wie du weißt, ist das nicht die beste Gesellschaft."

Meine Wut löste sich bei seinen Worten auf der Stelle in Luft auf. Was war ich für eine Furie, wusste ich doch, dass er in den letzten Jahren kaum mit Menschen oder Anderen gesprochen hatte. Ich verlangte so viel von ihm. Schnell stellte ich mich auf die Zehenspitzen und drückte ihm einen Kuss auf die Lippen.

„Mir tut es leid. Ich bin so ungeduldig." Schon kehrte ein spitzbübisches Grinsen in sein Gesicht zurück.

„Wenn du dich jedes Mal so entschuldigst, darfst du viel öfter wütend werden." Ich streckte ihm meine Zunge raus. Er war und blieb unmöglich.

„Mein Urlaub ist bald zu Ende. Ich muss arbeiten gehen. Ich kann nicht alles liegen und stehen lassen, wie es mir gefällt." Er ließ mich los und schritt nun seinerseits auf und ab, dabei fuhr er sich unruhig durch die Haare. Über irgendwas dachte er sehr intensiv nach.

„Kündige! Komm mit mir. Ich … ich kann für dich sorgen." Was für ein Angebot.

Wollte ich das? Es war ja nicht so, dass ich übertrieben an meinem Job hing, aber alles überstürzt hinter mich zulassen, konnte ich das? Die Liebe verlangt oft große Risiken, es liegt an uns ob wir bereit dazu sind, sie einzugehen. Er war die Liebe meines Lebens, ohne das ich in mein Herz blicken musste, wusste ich das und ich wollte ihn nicht verlieren. Und mein Job war nur ein Job. Ich könnte mir, falls alles schief lief einen neuen suchen. Aber Sebastian gab es nur einen für mich auf dieser Welt. Ich umschloss seine Hand mit beiden Händen und drückte einen Kuss darauf.

„Ich folge dir überall hin, denn mein Herz ist bei dir." Nun standen ihm die Tränen in den Augen. Zärtlich umfasste er mit seiner Hand mein Gesicht und beugte sich zu mir, um mich innig zu küssen.