31. Kapitel
Sage mir wie sehr du liebst, und ich sage dir, wie angreifbar du bist!
Severus Worte waren kaum verklungen, als Hermine die Hände vor die Augen schlug.
Ihr Körper erbebte unter den Tränen, die sie nun nicht mehr zurückhalten konnte. Sie hatte sich eingeredet ihn hassen zu können - es wäre ihr gelungen - irgendwann - wenn nicht in diesem Leben, dann vielleicht im nächsten...und nun kam er und gestand ihr seine Liebe.
Es war ein Trick - nichts weiter als ein Trick!
Doch alles in Hermines Verstand sträubte sich gegen diese Ausflucht.
Severus war hergekommen. Er hatte es zugelassen, dass sie ihn verletzte - er hatte sich ihrer Willkür ausgeliefert - ihrem Zorn. Und nun, da er völlig besiegt war, war er bereit dies auszusprechen?
Was für eine zerstörerische Verbindung bestand hier zwischen ihnen?
Sie spürte, wie er langsam ihre Hände von ihrem Gesicht fortzog. Er fing ihren Blick ein und sie fühlte sich unendlich schuldig, als sie sah, wie schwer ihm das Atmen fiel. Seine Stimme klang geschwächt: "Ich kann verstehen, dass du das nicht hören willst. Doch ich wollte, dass du es erfährst. Es ändert nichts - außer dass du dir jetzt gewiss sein kannst, dass ich bestraft werde für die Dinge die ich tat. Ich werde bestraft, weil ich es damit unmöglich machte, dass du mich jemals lieben könntest. Ich hoffe, dieses Geständnis kann dich ein wenig trösten. Lebe wohl, Hermine."
Er zog seinen eigenen Zauberstab hervor, den er nicht zum Einsatz gebracht hatte, um sich gegen ihre Stupor-Flüche zur Wehr zu setzen.
Hermine begriff, dass er apparieren wollte.
"Nein!", sie riss ihm den Zauberstab aus der Hand, "du wirst jetzt nicht gehen - hörst du!" Er streckte fordernd die Hand aus.
"Gib mir den Zauberstab - lass mich gehen."
"Du hast gebrochene Rippen. Du wirst nirgendwohin apparieren! Nicht in diesem Zustand!"
Er schickte ihr ein Schnauben, dann verzog sich sein Gesicht, als sie ihre Hand ohne zu zögern - oder gar um Erlaubnis zu fragen - über seine Seite wandern ließ, um die Frakturen zu lokalisieren.
Sie hörte nur auf seine Atmung, die sich veränderte, als sie über eine bestimmte Stelle strich.
"Das wird nicht ganz einfach werden. Wir werden einige Stunden benötigen", sagte sie bestimmt.
Er schüttelte den Kopf: "Lass mich apparieren - du bist mich dann los. Wäre das nicht alles was du dir wünschst - ein Leben, in dem du keinen Qualen mehr unterliegst. Ein Leben, in dem du nicht Dinge lernen musst, die du abscheulich findest. Ein Leben, in dem du vor mir sicher bist? Lass mich gehen und du hast all dies."
Erneut streckte er ihr auffordernd seine Hand entgegen.
Hermine drehte sich kurz um, und warf seinen Zauberstab durch die geöffnete Schlafzimmertür auf das Bett.
Dann wandte sie sich wieder zu ihm und griff nach seiner ausgestreckten Hand. Sie führte sie an ihren Mund, so dass sie mit ihren Lippen seine Fingerspitzen berühren konnte.
"Lass mich dir helfen", sagte sie, und begann seine Hand zu liebkosen.
Er schwieg verblüfft.
Hermine verstand seinen Unglauben. Er hatte Recht gehabt mit jedem Wort, das er ausgesprochen hatte. Wenn sie ihn nun gehen ließ, würde sie ein Leben führen können, wie es sich jeder wünschte. Ein normales Leben ohne Gefahr - ohne eine Horde Todesser, die vor scheinbar gar nichts zurückschreckten. Ohne widerliche Bilder, die ihren Verstand in gewaltsamen Griff nahmen - ohne einen Mann, den es erregte, wenn sie sich ihm ganz und gar auslieferte.
Er schien ihre Gedanken in diesem Moment lesen zu können, entzog ihr seine Hand und sah sie ernst an: "Gib mir meinen Zauberstab!"
Hermine blickte ebenso ernst zurück: "Wenn du deinen Zauberstab willst, dann hol ihn dir!"
Ein resigniertes Schnauben entwich ihm.
"Du findest also Gefallen daran, mich noch ein wenig zu quälen, bevor ich gehe - ich habe es wohl nicht besser verdient...also gut!", damit setzte er sich mühsam in Bewegung.
Hermine beobachtete ihn. Als er beim Bett angekommen war, griff er nach dem Stab.
"Accio Zauberstab", sagte Hermine bestimmt, und fing seinen Stab auf, der augenblicklich zu ihr geflogen war.
Severus sah sie zornerfüllt an.
Hermine schüttelte den Kopf und ihre Augen blitzten: "Leg dich hin!"
Eine seiner Augenbrauen hob sich bedenklich weit an.
"Leg dich hin!", wiederholte sie und ignorierte seine Wut. "Wenn du es nicht freiwillig tust, dann werde ich dich dazu zwingen. Was glaubst du, wie viele Stupor du noch brauchst, ehe du dich endlich auf mein Bett legst?"
Er wollte etwas sagen, doch verstummte, als Hermine nun beide Stäbe gleichzeitig auf ihn richtete.
"Das wollte ich schon immer mal ausprobieren - was denkst du, welcher Stab wird wohl mehr Kraft haben? Ich wette es ist dein eigener, der dir noch ein paar Rippen brechen wird."
Severus schüttelte jetzt ungläubig den Kopf. "Das wirst du nicht tun - und selbst wenn...ich habe schon ganz andere Sachen überlebt."
Hermines Stimme klang kalt: "Das mag sein. Ich werde dich dennoch leiden lassen, wenn du dich nicht hinlegst und dir helfen lässt."
"Du hast die Rollen getauscht, Hermine. Eine Reaktion, mit der ich in diesem Ausmaß nicht gerechnet habe."
"Bei mir solltest du immer mit allem rechnen, Severus. Und nun - LEG DICH ENDLICH HIN!"
Zögerlich kam er dem Befehl nach.
Er ließ sich vorsichtig auf den Rücken sinken und keuchend entwich sein Atem, als er in dieser Position zum liegen kam.
Hermine ließ ihn nicht aus den Augen, als sie auf ihn zuging. Ohne ein weiteres Wort öffnete sie sein Hemd und ließ ihre Hände über seine Rippen gleiten. Er stöhnte auf, als ihre Finger über seine nackte Haut strichen. Hermine war klar, dass er diesen Laut nicht aus Lust, sondern vor Schmerz von sich gegeben hatte, dennoch brauchte sie einen Moment, um sich von dem Gedanken an ihr letztes gemeinsames Liebesspiel loszureißen.
Das getrocknete Blut auf seinem Gesicht ließ ihr klar werden, wie sehr sie ihre Wut an ihm ausgelassen hatte. Severus hatte es genossen ihr Angst zu machen - doch sie hatte ihn wirklich verletzt. Hermine schluckte schwer bei dieser schrecklichen Erkenntnis, die sich jetzt erst richtig Bahn brach.
"Es tut mir leid", murmelte sie, während sie nach ihrem Zauberstab griff.
"Das wird nicht helfen", erwiderte er.
Hermine nickte beschämt und fragte: "Was muss ich tun, damit du mir vergibst?"
Er lachte verhalten: "Ich meinte nicht deine Entschuldigung - ich meinte, dass der Zauberstab nicht helfen wird. Lass mich apparieren, damit Poppy sich die Sache ansehen kann."
Hermine wurde flau, als sie daran dachte, wie dieses Gespräch wohl ablaufen würde.
"Poppy, kannst du mich mal eben wieder zusammenflicken?"
"Bei Merlin, Severus, was ist dir denn passiert? Warst du beim Lord?"
"Nein, bei Hermine Granger."
"Oh - na, die gehört wirklich zur schlimmsten Sorte. Sind nur deine Rippen gebrochen, oder hat sie dich kastriert?"
Hektisch vertrieb Hermine diesen erfundenen Dialog aus ihren Gedanken und richtete ihren Blick auf die Tür. "Ich bin gleich wieder da - du rührst dich nicht vom Fleck!"
Als sie das Zimmer verließ, hörte sie sein gezischtes: "Wie sollte ich, wenn du meinen Zauberstab immer noch hast. Ich würde wohl nicht allzu weit kommen."
Sie ignorierte seinen wütenden Unterton und ging ins Bad. Im Spiegel begegnete ihr eine Hermine, der das schlechte Gewissen ins Gesicht geschrieben stand. Mit einem Seufzen klappte sie den Spiegelschrank auf und griff nach zwei der Fläschchen, die sie dort gelagert hatte.
Kurzentschlossen kippte sie den Inhalt des einen in das andere und schwenkte es dann leicht, damit die beiden Tränke sich vermischten.
Als sie ins Schlafzimmer zurückgekehrt war, blieb sie vor dem Bett stehen und sah Severus lange an.
Er begegnete ihrem Blick mit dem gleichen Ernst.
Sie sah den Schweißfilm, der sich auf seiner Brust gebildet hatte und wurde sich bewusst, dass seine Schmerzen auf diese Weise zum Ausdruck kamen, auch wenn er nun keine offensichtlichen Zeichen der Qual mehr offenbarte.
"Wenn du dies getrunken hast, dann wirst du für ein paar Stunden schlafen. Wenn du erwachst, werden die Brüche verheilt sein und deine Wunden geschlossen."
Er hatte ihr schweigend zugehört, dann erwiderte er leise: "Die Brüche mögen dann verheilt sein, und die blutenden Wunden geschlossen - aber die größte Wunde vermag dein Trank nicht zu heilen."
Hermine sah ihn irritiert an. Ein Ausdruck der Resignation trat in seine Augen. "Ich habe ein zu starkes Gefühl für dich entwickelt. Ich wollte mit dir schlafen - ich wollte dich unter mir spüren...deinen Körper und deinen Geist wollte ich unterjochen - es ist mir nicht gelungen und ich weiß, es wird mir nie wirklich gelingen. Auch wenn du dich mir auslieferst, so bleibt doch immer ein Teil von dir Herrin über mich - es hat etwas gedauert, bis ich es begriff...ich liebe dich."
Diesmal ergriffen seine Worte behutsamer ihren Geist.
Wie sehr hatte sie sich genau diese Worte gewünscht? Nie hätte sie geglaubt, sie tatsächlich von ihm zu hören - aber sie hatte es gehofft, ja gehofft...und nun gestand er es ihr, doch im gleichen Atemzug gab er zu, dass er sie ursprünglich nur hatte besiegen wollen.
Hermine fühlte sich hin- und hergerissen.
"Nimm den Trank und schlaf, Severus. Ich werde hier sein, wenn du wieder erwachst."
Sie reichte ihm das Fläschchen und erwartete schon, dass er es von sich schlagen würde, doch er nahm es an, führte es an seinen Mund und kippte den Inhalt ohne zu zögern hinunter.
Dann reichte er ihr das Fläschchen zurück. Hermine griff danach, als sie plötzlich fühlte, wie er ihre Hand festhielt.
"Hermine - wenn ich wieder erwache, dann lass mich apparieren. Vergiss den Auftrag - ich werde einen Weg finden, es den anderen zu erklären. Ich werde nie wieder in deinem Leben auftauchen. Betrachte mich - und alles was zwischen uns geschehen ist - als einen bösen Albtraum, den du nie wieder wirst durchleben müssen...ich möchte...nicht...dass...du..."
Seine Hand glitt von der ihren und fiel schwer aufs Bett. Severus Lider hatten sich geschlossen, als er dem Schlaf nichts mehr hatte entgegensetzen können.
Hermine blieb noch eine Weile neben ihm auf dem Bett sitzen. Er wirkte so entspannt - so angreifbar. Sie wusste, dass er im Schlaf eine Seite offenbarte, die sie sonst nie zu sehen bekommen hätte. Severus Snape war kein Mann der es gestattete, dass man ihn in einem so geschwächten Zustand beobachtete. Sie hatte ihm keine Wahl gelassen, doch wenn er erwachte, würde er nicht mehr von Liebe sprechen...er würde sie dafür verabscheuen, dass sie ihn so gesehen hatte.
Sie seufzte tief, dann beugte sie sich ein Stück zu ihm hinunter und flüsterte ihm direkt ins Ohr: "Ich liebe dich auch, Severus. Ja, ich möchte Herrin über dich sein. Ich möchte einen Platz in deinem Leben, der über den der Sexsklavin und der Schülerin hinaus geht. Ich wünschte, wir hätten eine Chance."
Dann erhob sie sich und ging ins Badezimmer. Als sie einen Lappen anfeuchtete, begegnete ihr abermals ihr eigener Blick im Spiegel. Er hatte sich seit dem letzten mal verändert. Hermine ging zurück ins Schlafzimmer, setzte sich neben Severus aufs Bett und wischte das Blut vorsichtig von seinem Gesicht. Während sie dies tat, begann sie zu lächeln. Sie wusste nun genau was sie wollte - sie hatte es ihm gesagt - sie würde es noch einmal tun, wenn er in der Läge wäre es zu hören - sie wollte eine Chance!
tbc
