37. Kapitel

Gespräch unter Freundinnen

"Ich habe gehört, ihr hattet ein Feuer in der Universität. Die haben dich in ein Muggelkrankenhaus gebracht? Ich wette, Dad hätte liebend gerne mit dir getauscht und sich unter eines dieser Geräte gelegt, bei deren Anblick ich schon eine Gänsehaut bekomme. Hat man sich mit so einem Teil deine Knochen angesehen?"

Hermine schüttelte den Kopf und nahm Ginnys Enttäuschung mit einem Lachen zur Kenntnis.

"Tut mir leid - das nächste mal werde ich mir etwas brechen, in Ordnung?"

"Okay, bring du mir eines von diesen Skelettbildern, dann bekommst du von mir zum Dank auch eine Flasche Skelewachs", sagte Ginny grinsend.

"Für dich tue ich fast alles", erwiderte Hermine ebenfalls kichernd, "wofür möchtest du das Bild?"

Ginny lehnte sich bequem in der Couch zurück und legte nachdenklich einen Finger an die Lippen.

"Ich werde es Dad schenken. Ich wette, er hängt es im Wohnzimmer auf."

Hermine verzog angewidert das Gesicht, doch Ginny sprach schon völlig in Gedanken weiter: "Vielleicht macht er dann nicht so einen Wirbel, wenn ich nach Paris gehe."

Hermine sah ihre Freundin erstaunt an: "Nach Paris? Was willst du denn in Paris?"

Ginnys Wangen färbten sich vor Begeisterung, als sie nun zu erzählen begann: "Paris - die Stadt der Liebe. Ich werde jeden Morgen von meinem Chéri mit frischen Croissants und Café au Lait geweckt, damit ich mich stärken kann."

"Stärken?", hakte Hermine nach und ahnte schon, dass dies die falsche Frage gewesen war.

Ginny verdrehte verzückt die Augen: "Ja, nach einer Nacht d' Amour muss ich mich stärken, um das Liebesspiel am Morgen richtig genießen zu können. Danach gehen wir durch die kleinen Boutiquen bummeln, um dann schließlich ein leichtes Mittagessen in einem zauberhaften Bistro an der Seine einzunehmen, bevor wir uns wieder ins Hotel zurückziehen."

"Lass mich raten, was ihr da machen werdet", ging Hermine auf das Spiel ein.

"Na, jetzt bin ich aber gespannt", sagte Ginny unschuldig lächelnd.

"Ich werdet euch gemütlich auf dem Bett ausstrecken, um euch von der anstrengenden Shoppingtour zu erholen - aber es wird nicht bei einem kurzen Verschnaufen bleiben, denn dein wahnsinnig toller Liebhaber..."

"Ja?", fragte Ginny jetzt mit atemloser Spannung.

"...wird binnen Minuten heftigst...schnarchen, weil er von der Nacht und dem morgendlichen Liebesspiel noch viel zu erledigt sein wird - das Einkaufen wird ihm den Rest gegeben haben und noch in der selben Nacht, während du ihn mit deiner unbändigen Leidenschaft schier zur Verzweiflung und an den Rand seiner Kondition treibst, wird er dich anflehen zurückzukehren, in das gute alte England - fernab von ihm - und er wird sich vornehmen, demnächst lieber eine unterkühlte Französin in sein Bett zu holen, als nochmal eine dieser heißblütigen Engländerinnen."

Beide sahen sich einen Moment schweigend an, bevor sie gemeinsam in Lachen ausbrachen.

"Gibt es diesen Franzosen wirklich?", fragte Hermine schließlich und schien damit genau ins Schwarze getroffen zu haben.

Ginny schnappte sich das Kissen, das neben ihr auf der Couch gelegen hatte und knautschte es gedankenverloren zusammen, während sie murmelte: "Ja, vielleicht."

"Erzähl mir von ihm", sagte Hermine.

"Er ist nett...glaube ich."

Nun beugte sich Hermine ein Stück vor, als habe sie Probleme mit dem Hören. Ihr "Wie bitte?", unterstrich diesen Eindruck noch.

"Naja, ich kenne ihn halt nicht richtig...obwohl, doch...ich weiß alles über ihn", Ginny schien noch zu überlegen, welche Aussage den Kern der Wahrheit nun eher traf, als Hermine ihr entnervt das Kissen wegriss, weil Ginny es inzwischen förmlich misshandelte.

"Bitte erkläre mir das", sagte sie dann bestimmend.

"Herrjeh...du müsstest dich doch mit sowas auskennen. Immerhin kennst du all diese Geräte, die Muggel so benutzen."

Hermine runzelte fragend die Stirn und wollte Ginny erklären, dass sie keinen Schimmer hatte, wovon sie eigentlich sprach, als ihr plötzlich ein Licht aufging.

"Du meinst Computer...Ginny, du hast jemanden über das Internet kennengelernt?!"

"Ja, Himmel...was ist so unglaublich daran? Mir war langweilig, da bin ich in eines dieser Cafés gegangen, in denen man gegen Geld an die Computer darf. Ich habe es mir erklären lassen und schwupps - wie von Zauberhand habe ich einen Mann kennengelernt, der in Paris wohnt."

"Gibt es in London denn nicht genug Männer für dich?", fragte Hermine seufzend.

Plötzlich sah Ginny sie kalt an. Ihre eben noch aufgekratzte Stimmung hatte sich von einer Sekunde zur anderen völlig gewandelt. "Stell mich nicht so hin, als hätte ich schon mit halb London gevögelt! Du bist verdammt selbstgerecht in letzter Zeit, weißt du das? Es ist, seit du mit Snape zusammen bist. Ich erzähle dir alles von mir - alles von meinen Liebschaften - aber du? Du erzählst gar nichts! Was ist das Geheimnis an Professor Snape? Hat er ein großes Geheimnis, oder eher ein kleines? Mag er es im Dunkeln, oder zündet er tausend Kerzen an, um alles genau zu sehen? Bindet er sein Haar beim Sex zusammen, oder lässt er es offen? Erzähl mir irgendwas - irgend etwas, das mir zeigt, dass du mir vertraust und wir Geheimnisse miteinander teilen, statt sie nur voreinander zu haben!"

Auf Ginnys Gesicht hatten sich rote Flecken gebildet, die ihre Wut überdeutlich zum Ausdruck brachten.

Hermine seufzte leise: "Ich bin deine Freundin, Ginny - es hat doch nichts damit zu tun, dass ich dir nicht vertraue..."

"Womit dann?", fauchte Ginny sie an.

"Ich...er...es ist nicht so, wie du denkst", stammelte Hermine hilflos.

"Nicht so, wie ich denke? Habt ihr Sex miteinander, oder nicht?"

"Ja!"

"Dann erzähl mir irgendetwas von ihm!"

"Das ist albern!"

"Okay", Ginny erhob sich langsam von der Couch und sah Hermine strafend an: "Ich bin also albern - und ein Flittchen - und nicht würdig, mir harmlose Intimitäten anzuvertrauen."

"Wir haben keine harmlosen Intimitäten - nichts, was wir tun, ist harmlos!", spie Hermine sie nun ebenfalls wütend an.

Ginny stutzte einen Moment und ließ sich dann mit offenem Mund wieder auf der Couch nieder.

"Wow! Na, das klingt aber mal verrucht!"

"Bitte Ginny, ich möchte unsere Freundschaft nicht darüber definieren, was ich dir über Severus und mich erzähle. Warum ist dir das so wichtig?"

Die Rothaarige wurde aufgrund Hermines verbindlicheren Tones ebenfalls ruhiger.

"Ich sehe nur, wie ihr euch alle von mir entfernt. Ron ist irgendwo in Rumänien unterwegs und hat scheinbar das Schreiben verlernt. Harry lässt sich überhaupt nicht mehr blicken und reagiert nicht auf die Eulen, die ich ihm geschickt habe. Und meine beste Freundin scheint in ihrer Freizeit ausschließlich mit dem Mann beschäftigt zu sein, vor dem wir uns als Kinder zu Tode gefürchtet haben."

"Ich habe mich nie vor ihm zu Tode gefürchtet."

"Ich aber! Und viele andere auch. Was ist es, was wir an ihm übersehen haben? Ist es zuviel verlangt, wenn du mir ein bisschen über ihn erzählst?"

"Die Dinge, nach denen du gefragt hast, hätten dir als Kind mit Sicherheit nicht die Angst vor ihm genommen. Aber wenn du mich ernsthaft fragst, wie er als Mensch ist - ja, dann bin ich gerne bereit, dir etwas über ihn zu erzählen."

Ginny lehnte sich jetzt zurück, um zu signalisieren, dass sie ganz Ohr sei. Ihre, vor der Brust verschränkten Arme zeigten jedoch, dass sie offenbar das Gefühl hatte, sich vor dem schützen zu müssen, was jetzt kam.

Hermine verstand ihre Skepsis. Wäre die Rollenverteilung anders herum gewesen und Ginny hätte sich plötzlich mit dem geheimnisvollen Snape eingelassen, so wäre Hermine vermutlich aus Sorge um sie fast gestorben.

Entgegen ihrer eigentlichen Gewohnheit, in ihrer Wohnung auf das Zaubern zu verzichten, zog Hermine ihren Zauberstab hervor und sorgte dafür, dass aus der Küche schon bald der Duft von frisch aufgebrühtem Kaffee herüberzog.

Ginny schien sich sichtlich zu entspannen und löste ihre verschränkten Arme.

"Severus ist weder kalt, noch bösartig, wie es ihm zu unseren Schulzeiten gerne unterstellt wurde. Dass ich ihn schon immer für seine fachlichen Fähigkeiten bewundert habe, weißt du ohnehin, aber...da war noch mehr. Kurz vor den Abschlussprüfungen bemerkte ich es zum ersten mal. Ich war von ihm fasziniert - als Mann, nicht nur als Lehrer. Mein Herz schlug plötzlich schneller, wenn ich seinen Klassenraum betrat. Wenn er an meinem Tisch vorbeiging, dann atmete ich unwillkürlich tief ein, und sein Geruch schien jede Faser meines Körpers zu durchdringen. In den Momenten, wenn er hinter mir stehenblieb und über meine Schulter auf das jeweilige Projekt sah, musste ich mich zusammenreißen, mich nicht zu ihm umzuwenden und ihn zu berühren. Tatsächlich berührte ich ihn einmal, weil ich mich nicht zurückhalten konnte. Ich gab vor, mein Heft noch einmal zurücknehmen zu wollen, als ich es gerade abgegeben hatte. Seine Hand griff danach und ich nach ihr. Für einen kurzen Moment spürte ich die Wärme seiner Haut, und allein das traf mich damals wie ein Blitzschlag."

"Was hat er getan?", fragte Ginny atemlos.

"Er hat seine Hand unter meiner weggezogen und mich angeknurrt, dass es zu spät sei, das Heft zurück zu verlangen und dass er sich darauf freuen würde, einen Fehler in meiner Arbeit zu entdecken.

Er fand keinen und ich hoffte fast, dass er mich darauf ansprechen würde, aber natürlich tat er das nicht. Er hatte gesagt, es sei zu spät...für mich war es damals fast schon zu spät, Ginny. Ich hätte sonst etwas darum gegeben, dass er mich beachtet. Und dann kam die Prüfung in seinem Fach. Ich denke, ich brauche dir nicht zu sagen wie sie ausging, du weißt es. Snape ließ mich nicht eine Sekunde darüber im Zweifel, dass er es genoss, mir eine schlechte Note aufs Zeugnis schreiben zu können."

"So schlecht war die Note auch wieder nicht...außerdem, hat er dir damals nicht eine Nachprüfung angeboten?"

Hermine lachte auf: "Weißt du eigentlich, dass du gerade dabei bist, ihn zu verteidigen?"

"Das würde ich natürlich niemals wagen", sagte Ginny und lachte ebenfalls auf, als Hermine sie jetzt irritiert ansah.

"Ja, er hat mir eine Nachprüfung angeboten. Ich habe sie nicht annehmen können...oder wollen, okay? Ich konnte nicht, denn er hatte mir wirklich weh getan - ohne es zu wissen. Er hatte sich nicht verändert - er war mies zu mir, wie immer. Aber ich hatte mich verändert - ich konnte nicht an mir abprallen lassen, dass er mich verhöhnte. Und ich wollte ihm nicht die Gelegenheit geben, es noch einmal zu tun, indem ich mich ihm in einer Nachprüfung aussetzte."

"Also bist du gegangen. Du hast die Zaubererwelt verlassen. Du hättest Snape doch ohnehin nicht wiedergesehen - warum dieser radikale Entschluss?"

Hermine sorgte dafür, dass zwei dampfende Tassen Kaffee vor ihnen erschienen.

Mit einem schiefen Lächeln steckte sie den Zauberstab wieder ein.

"Du stellst die Muggelwelt immer als furchtbar rückständig hin, Ginny. Aber es gibt hier Vorteile, die man nicht unterschätzen sollte."

"Zum Beispiel?", fragte Ginny herausfordernd.

"Internet."

"Oh", machte Ginny und griff schnell zu ihrem Kaffee.

Hermine gönnte sich diesen kleinen Sieg, indem sie ebenfalls nach ihrer Tasse griff und in Ruhe trank.

"Ich bin nur zurück gekehrt, weil der Orden mich braucht", sagte Hermine schließlich in die Stille hinein.

"Snape", erwiderte Ginny einsilbig.

Hermine sah sie fragend an.

"Snape hat dich zurückgeholt. Mir scheint fast, er ist es, der dich braucht", Ginny hatte den Rest des Satzes wie eine Frage klingen lassen.

Ein seltsames Gefühl durchströmte Hermines Bauch.

Konnte es so einfach sein?

Severus brauchte sie? Nicht der Orden? Sondern er?

Natürlich, er hatte ihr gesagt, dass er sie liebt. Warum hatte sie gezögert, ihm darauf mit den einfachen Worten: "Ich liebe dich auch", zu antworten?

Weil er sie belogen hatte?

Weil er Dinge von ihr verlangte, die man einem Menschen nicht antat, den man liebt?

"Ich schätze mal, ich liege richtig mit meiner Vermutung, auch wenn ich mir diesen Snape kaum vorstellen kann...eigentlich gar nicht, wenn ich ehrlich bin", unterbrach Ginny Hermines Gedanken.

"Es ist nicht einfach. Genau genommen ist es sogar unglaublich schwer. Es gibt zwei Snapes - der eine ist mein Lehrmeister, der so streng ist, wie wir es uns nicht einmal in unserer Schulzeit schlimmer hätten ausmalen können. Der andere ist verletzbar, wie jeder Mensch, der liebt. Ich fürchte, ich habe ihn verletzt, aber vielleicht kann ich es wieder gut machen." Den letzten Satz hatte Hermine nachdenklich zu sich selbst gesprochen.

Ginny räusperte sich leise: "Ich habe zwar keine Ahnung, was du getan haben könntest, was einen Menschen wie Snape verletzt, aber du hast bestimmt Recht, wenn du sagst, dass es nicht harmlos ist was zwischen euch abläuft. Magst du mir erzählen, was er dich lehrt?"

Bedauernd schüttelte Hermine den Kopf.

"Nein Ginny, darüber möchte ich nicht reden. Es tut mir leid, dass ich dir immer noch nicht sehr viel mehr erzählt habe, als du ohnehin schon wusstest."

Ein etwas schiefes Lächeln bildete sich auf dem Gesicht der Rothaarigen.

"Vielleicht irgendwann mal?", fragte sie versöhnlich.

Jetzt lächelte auch Hermine: "Es tut gut zu wissen, dass ich mich an dich wenden kann - dass du mir zuhörst und mich nicht für meine Liebe zu Severus verurteilst."

Im gleichen Moment, als Hermine diese Worte ausgesprochen hatte, fühlte sie, dass es die Wahrheit war - sie liebte Severus und verspürte den Wunsch, es ihm endlich zu sagen, um seine Augen zu sehen, wenn er erkannte, dass er ihr unendlich wichtig war.

Als Ginny sich schließlich erhob, fragte Hermine: "Du hast gesagt, dass Harry nicht auf deine Eulen geantwortet hat. Weißt du etwas über seine Arbeit im Ministerium?"

"Nein, nichts. Aber ich denke, dass er beim nächsten Ordenstreffen Bericht erstatten wird. Und Snape wohl auch - vielleicht erfahre ich ja doch noch etwas über eure gemeinsame Arbeit."

Ginny zwinkerte Hermine zu und schickte ein breites Grinsen hinterher als sie deren geschocktes Gesicht sah.

Nachdem ihre Freundin die Wohnung verlassen hatte, lehnte sich Hermine mit dem Rücken gegen die Tür. Was, wenn Ginny Recht hatte? Was, wenn Hermines Lehrplan in allen Einzelheiten besprochen würde? Wie würde sie sich dabei fühlen? Severus hatte nie einen Zweifel daran aufkommen lassen, dass die Belange des Ordens über allem anderen standen.

Ohne weiter zu zögern, griff sie zu ihrem Umhang, schlang ihn um die Schultern und im nächsten Moment traf sie am letzten Apparierpunkt vor Hogwarts ein. Mit schnellen Schritten ging sie den gewohnten Weg. Die Sonne stand schon tief, und den Rückweg würde sie wieder im Dunkeln zurücklegen müssen. Doch das kümmerte sie nicht. Sie musste Severus sehen - mit ihm reden - ihn fragen, inwieweit der Orden Kenntnis erhalten würde, was sich zwischen ihr und ihm während des Trainings abgespielt hatte. Würden sie von dem Bild erfahren? Von dem See?

Doch viel stärker noch war der Wunsch, ihm endlich zu sagen, was sie für ihn empfand. Es duldete keinen Aufschub und sie fragte sich jetzt, wie sie je hatte zögern können. Wie hatte sie ihm sagen können, er könne ihren Körper haben, aber nicht ihr Herz?

Als sie sich dem Schloss näherte, sah sie Severus auf der Wiese vor der Wildhüterhütte stehen. Einst hatte Hagrid diese als sein Zuhause bezeichnet, doch er war schon vor einigen Jahren durch das Feuer eines Drachen getötet wurden. Hermine drängte die Trauer um ihren Freund in den Hintergrund und ging tief durchatmend auf Severus zu. Seine Haltung drückte Ungeduld aus, während er auf die Tür der Hütte starrte. Er wandte sich plötzlich so schnell zu ihr um, als erwarte er einen Feind vor sich zu sehen.

Binnen Sekunden milderte sich sein Ausdruck zu unangenehmer Überraschung.

"Hermine, was machst du hier?"

"Ich wollte mit dir reden - es ist wichtig."

Ohne zu zögern antwortete er: "Ich habe jetzt keine Zeit."

"Es dauert nicht lange - nur eine Minute. Severus, ich muss dir etwas Wichtiges sagen...", rüde wurde sie von ihm unterbrochen, als die Tür der Hütte sich öffnete und drei Schüler heraustraten, die sie neugierig musterten. Auch Mr. Fox, der derzeitige Wildhüter von Hogwarts, sah interessiert zu der jungen Frau, die sich offenbar so sehr darum bemühte, dass Snape ihr Gehör schenkte.

"Miss Granger, ich habe jetzt wirklich keine Zeit für Unwichtigkeiten. Es ist meine Aufgabe, diesen drei Herren Disziplin beizubringen. Wie Sie sich vielleicht erinnern werden, ist der Verbotene Wald dazu bestens geeignet. Nur wer Disziplin beweist, wird ihn unbeschadet wieder verlassen können."

Sein Blick glitt strafend über die drei Schüler, und schließlich zum Wildhüter, der einigermaßen besorgt aussah. Der kahlköpfige Fox wedelte mit der Hand in Richtung Verbotener Wald, als würde er seine eigene Besorgnis um die Schüler damit vertreiben wollen. Seine Stimme klang dennoch etwas nervös: "Die wichtigsten Verhaltensregeln beherrschen sie. Trotzdem würde ich sie nicht aus den Augen lassen, Professor Snape. Es war gerade erst Vollmond und die Kreaturen des Waldes sind noch in Aufruhr. Soll ich Sie nicht doch begleiten?"

Snape schüttelte den Kopf und seine Stimme klang gelangweilt: "Keine Sorge, ich werde sie schon nicht an die Kreaturen des Waldes verfüttern. Die Herren werden mir helfen, einige Zutaten zu sammeln, die genau in dieser Mondphase die intensivste Wirksamkeit abgeben. Roberts, McNeil, Wilson - Abmarsch!"

Die drei Schüler wandten sich mit gesenkten Köpfen dem Wald zu - offensichtlich hatte der Kurzunterricht bei Fox sie nicht gerade beruhigt, was die Gefahren des Waldes anging.

Hermine konnte es den Jungen gut nachfühlen. Sich bei hereinbrechender Dunkelheit in diesen gefährlichen Wald begeben zu müssen, war mit Sicherheit eine der schlimmsten Strafen, die auf Hogwarts heute noch durchgeführt wurden. Alle anderen Strafarbeiten waren ekelig, zeitaufwändig oder demütigend. Doch nächtliche Strafarbeit im Verbotenen Wald übertraf all das, denn sie vereinigte all die Unannehmlichkeiten der anderen Strafarbeiten in sich. Es war eklig, die handtellergroßen Insekten des Waldes über die Füße krabbeln zu spüren und in Spinnennetze zu laufen, die so fest waren, dass man sich nur mit einem Messer herausschneiden konnte. Es würde zudem vermutlich einige Stunden dauern, bis sie die gesuchten Zutaten eingesammelt hatten und sie endlich den Heimweg wieder antreten könnten. Und sobald die Angst überhand nahm, dass eines der wilden Tiere aus dem nächsten Busch stürzen könnte, um einem die Kehle zu zerfetzen, würde dies dafür sorgen, dass auch der Aspekt der Demut erfüllt würde. Die drei wären mit Sicherheit nicht die ersten, die sich vor Angst in die Hose machten.

Als Snape sah, dass seine Schüler sich in ihr Schicksal fügten, gönnte er sich ein zufriedenes Lächeln. Dann wandte er sich an Hermine: "Miss Granger, es steht Ihnen frei, uns zu begleiten."

tbc