43. Kapitel

Behalte das Ziel im Auge!

Als Pater Berenger ohne ein weiteres Wort damit begann, sein Hemd aufzuknöpfen, taten es ihm die anderen Anwesenden gleich. Das Lächeln des Geistlichen war nur schwer einzuordnen. Hermine konnte darin eine kranke Art von Lust sehen, die ihr die Kehle zuschnürte.

"Zieh deine Bluse aus, mein Kind", wies er sie knapp an.

Für einen Moment überlegte Hermine, ob dies die Strafe für ihre sexuellen Gelüste war - ein Exkurs in eine Welt, die sie auf diese Weise wirklich nicht erleben wollte.

Sie griff zum obersten Knopf ihrer Bluse und wunderte sich beinahe selbst darüber, dass ihre Finger nicht zitterten.

Sie würde es hinter sich bringen müssen, wenn sie lebend hier wieder raus wollte. Pater Berenger beobachtete sie mit einem Funkeln in den Augen.

Plötzlich vernahm sie seine geflüsterte Stimme und seine Worte galten eindeutig ihr.

"So rein...so unbefleckt...so jungfräulich."

Hermine hielt kurz inne und sah ihm mit erhobenem Kinn entgegen.

"Ich bin nicht jungfräulich, ich sagte es Ihnen, als ich die Beichte ablegte..."

"Pssst...nicht sprechen. Zieh dich weiter aus - auch den BH", fiel er ihr mit samtiger Stimme ins Wort.

Als sei dies ein Stichwort gewesen, reichte der große Mann, der zu Anfang inmitten des Raumes gestanden hatte, dem Pater einige Lederriemen.

Hermine hielt unwillkürlich den Atem an, bei der Erinnerung daran, wie Severus sie an den Baum gefesselt hatte.

Was war nur geschehen, dass diese Erfahrung, die an der Grenze zu dem stand, was sie vor sich selbst verantworten konnte, nun auf diese perverse Art ihre Fortführung finden sollte?

Berenger bedankte sich bei dem Mann mit einer Ernsthaftigkeit, die Hermine beinahe an ihrem Verstand zweifeln ließ. Die Leute um sich herum nahm sie kaum noch wahr, als Berenger nun auf sie zuschritt und ihr die Lederriemen entgegenhielt.

"Küsse sie zum Zeichen deiner Verehrung", sagte er mit ruhiger Stimme.

Seine Ruhe ließ Hermine die ganze Situation noch um einiges grausiger erscheinen, doch sie presste ihre Lippen auf das Leder, als gäbe es kein wichtigeres Ziel für sie, die Wünsche des Predigers zu erfüllen.

Ein innerer Dialog tobte in ihr, von dem man ihr äußerlich nicht das Geringste anmerkte.

Hatte Berenger ihr nicht gesagt, dass Unzucht eine schlimme Sünde sei? Hatte er sie nicht selbst aufgefordert, sexuelle Handlungen nur im Rahmen einer Ehe auszuführen? Doch er hatte seinen Priesterkragen abgelegt - vielleicht hatte er damit gleichsam alles abgelegt, was ihn zu den Überzeugungen führte, die er in seinem Amt lebte.

"Der BH", erinnerte er milde lächelnd.

Hermine griff mit beiden Händen hinter ihren Rücken und schob die kleinen metallischen Häkchen aus den Ösen. Das Stück Stoff fiel zur Erde und sie wusste, dass es jetzt kein Zurück mehr gab. Die einzige Frage, die sie sich noch stellte, war die, ob Berenger der einzige wäre, der sie in dieser Nacht für sich beanspruchen würde.

Severus hatte ihr von den sexuellen Handlungen im Kreise der Todesser berichtet. Was immer sie jetzt erleben würde, sie würde ihm, so nüchtern wie möglich, davon berichten und er würde ihr vermutlich sagen, dass dies alles eine normale Vorgehensweise für die Anhänger des Lords sei.

Würde er den Unterschied überhaupt erkennen, dass sie nur IHM gestattete, sie an ihre Grenzen und ein Stück darüber hinaus zu führen, oder würde er glauben, dass es ihr letztendlich egal sei, wer dies mit ihr tat?

Wie lange hatte er ihr nicht mehr gesagt, dass er sie liebte - sie wünschte sich in diesem Moment nichts sehnlicher, als genau das zu hören - um zu heilen...zu heilen, was jetzt in ihr aufbrach an Zweifel und grenzenloser Panik, die sie nicht einmal ausleben durfte.

Und so stand Hermine da, mit halb geöffneten Lippen; mit einem Lächeln im Gesicht und Augen, die freudige Erwartung ausdrückten.

Würde Severus wenigstens stolz auf sie sein, dass sie es geschafft hatte, seine Lektionen umzusetzen und alle zu täuschen, die ihren Körper benutzen würden.

Berenger hielt ihr die Riemen noch einmal vor die Augen, ehe er sich plötzlich abrupt umdrehte.

Hermines Augen wurden groß und ihr Mund formte sich zu einem stummen O.

Der Rücken des Predigers war mit Striemen übersät. Einige waren zu blassen Narben verheilt, andere leuchteten in einem zarten Rosa, während wiederum einige hellrot hervorstachen. Binnen weniger Sekunden hatten sich neue hinzugesellt, während er sich das Leder monoton auf den Rücken klatschen ließ.

Auch die Leute um Hermine herum begannen damit, sich selbst zu geißeln.

Selbstgeißelung - auch davon hatte Severus gesprochen, und davon, dass er mehr als jeder andere zu diesem Mittel greifen müsse, um seinen Status beim Lord aufrecht zu erhalten. Sie hatte seine Worte gehört, doch da sie nie die Spuren an seinem Körper gesehen hatte, hatte sie das Gesagte recht schnell wieder verdrängt. Severus heilte zweifellos die Wunden nach dieser Art der Selbstfolter, doch den Muggeln war dies nicht möglich.

Einige Anwesende hatten Hermine den Rücken zugewandt und sie konnte jetzt sehen, dass sie die gleichen Wunden und Narben wie Berenger aufwiesen.

Nach einem Dutzend Schlägen hielt Pater Berenger inne und wandte sich erneut zu Hermine. Er streckte ihr die Lederriemen erneut entgegen und sie wusste, was sie zu tun hatte. Ihre Lippen trafen liebkosend das Instrument der Selbstgeißelung. Er sah sie zufrieden an. Kein Ausdruck des Schmerzes war in seinem Gesicht zu erkennen, doch seine Atmung klang wesentlich heftiger.

"Lass dich fallen", raunte er ihr zu, während er das Leder aus ihrer Hand nahm, um es nun an seine Lippen zu führen. Er ließ sie nicht aus den Augen, während er damit der nun folgenden Handlung seinen Segen aufdrückte.

Ohne zu zögern nahm sie das dargebotene Instrument der Qual.

"Dreh dich um", sagte er mit seltsam hoher Stimme. Hermine kam der Gedanke, dass er es genießen wollte, die Wunden zu sehen, die sie sich selbst zufügen würde, doch ehe sie sich umwandte bemerkte sie, wie er den Blick auf ihre Brüste vermied. Ein seltsames Gefühl durchfuhr sie, als ihr klar wurde, dass sie scheinbar falsch gelegen hatte, als sie glaubte, dass er sie zu einem Geschlechtsakt zwingen würde.

Hermine tat, was er gesagt hatte und führte den ersten Schlag aus. Um sie herum verharrten plötzlich alle.

Ein Raunen ging durch den Raum, das die Worte des Predigers von vorhin wiederholten: "So rein...so unbefleckt...so jungfräulich."

Hermine wusste, dass sie das nicht länger sein würde. Sie würde Schuld jeder Art durch diesen Akt anerkennen und sich durch Schmerz freikaufen.

Mit jedem weiteren Schlag manifestierte sie ihre Gedanken auf Severus. Das, was sie jetzt empfand, war das, was er sich regelmäßig antun musste. Es war das, wovor er sie hatte schützen wollen, als er sie bat, den Auftrag nicht anzunehmen.

Sie hörte Pater Berengers Stimme, die Stimme ihres Verbündeten, der sie durch diese Selbstbestrafung leiten sollte, und der darauf achtete, dass sie jeden Schlag gewissenhaft ausführte.

In Wahrheit war jedoch Severus ihr Verbündeter, denn sie stellte sich vor, wie sie durch jeden neu erlittenen Schmerz den seinen lindern würde. Sie musste diese Mission erfüllen, um ihm zu helfen, den Sieg über Voldemort davonzutragen. Er selbst nahm seit Jahren all diese Dinge in Kauf, um den Weg zu gehen, der ihm richtig erschien. War es ein Wunder, dass er dazu übergegangen war, seine Empfindungen an die jeweilige Rolle anzupassen?

Wäre der Schmerz für sie nicht umso unerträglicher, wenn sie tatsächlich ein Opfer in diesem Spiel wäre?

Ein Schlag.

Nein!

Ein weiterer Schlag.

Sie war kein Opfer!

Erneut hieb sie auf sich ein.

Und sie würde auch nicht zu einem werden!

"Das genügt", sagte Berenger nach einem halben Dutzend Schlägen sanft und nahm ihr das Leder aus der Hand, um es erneut zu küssen. Eine Spur von Blut blieb dabei auf seinen Lippen zurück und er lächelte sie gütig an.

"Wie fühlst du dich?", fragte er und sah ihr in die Augen.

Hermine wusste, dass sich Tränenspuren auf ihrem Gesicht zeigten. Sie lächelte.

"Ich fühle mich gut. Erleichtert."

"Du konntest deine scheinbare Reinheit nicht behalten", sagte er erklärend, "denn in Wahrheit warst du schon lange nicht mehr rein - doch jetzt, bist du diesem Zustand so nah, wie ein Sünder es nur sein kann. Genieße das Gefühl."

Hermine atmete tief durch. Ihr Rücken schien in Flammen zu stehen und ein offensichtlich Besessener glaubte, ihr etwas über Reinheit und Sünde erzählen zu können...sie dankte ihm.

Berengers Blick ging durch den Raum. Überall waren die Schläge verklungen und heftiges Atmen war zu hören.

Alle Paare standen einen Moment reglos da, als suchten sie nach neuer Kraft. Und dann sah Hermine, wie Münder aufeinandertrafen, um den Hauch des Schmerzes gegenseitig auszukosten. Die jeweiligen Paare umschlagen einander und Hände strichen sanft über blutige Rücken, während sich Hüften aneinanderrieben. Ein Paar, das aus zwei Männern bestand, gab sich ebenso selbstverständlich diesen Körperlichkeiten hin, wie die beiden Frisörinnen, die ebenfalls Verbündete innerhalb dieser Gruppe waren.

Hermine schluckte und wandte sich dann zu Berenger um.

Der Priester griff nach ihrer Hand und nahm sie in eisernen Griff.

"Es gehört zum Ritual...es festigt den Glauben an das Leben und seine schöpfende Kraft. Dabei geht es nicht um Empfängnis, sondern um die Kraft der Liebe, die in allen Variationen stattfinden kann...in fast allen." Ehe Hermine einen klaren Gedanken fassen konnte, hatte er sie mit sich gezogen - hinaus in den kleinen Garten, der direkt an die Kirche anschloss. Während der Pfarrer sie zur Haustür gezwungen hatte, hatte er zur Garderobe gegriffen, an der einige Jacken hingen. Eine davon reicht er jetzt Hermine, und sie zog sie vorsichtig über den nackten Oberkörper.

Die Dunkelheit ließ sie Berengers Konturen nur schemenhaft erkennen.

Er atmete schwer, doch plötzlich stieß er ein Lachen aus.

"Ich hoffe, du bist nicht enttäuscht, dass wir diese Form der Verbindung nicht miteinander teilen werden. Ich habe ein Gelübde abgelegt, das mir diese körperliche Ausübung der Liebe verwehrt - aber ich möchte dich halten und ich möchte, dass du mich ebenfalls hältst."

Hermine brachte nur ein Nicken zustande, das er in der Dunkelheit vermutlich ohnehin nicht sehen konnte, als sie seine Arme spürte, die sie an ihn heranzogen. Unwillkürlich hielt sie die Luft an.

Das alles war ein einziger Albtraum.

Und doch würde Severus vermutlich zu ihr sagen, dass sie äußerst glimpflich davongekommen sei.

Doch als Hermine nun spürte, wie sehr Berenger ihre Nähe zu brauchen schien, da hätte sie ihm am liebsten auch diese verwehrt. Langsam löste er sich von ihr und seine Stimme klang enttäuscht.

"Du wirst es lernen. Es ist noch zu früh, zu erwarten, dass du nur völligen Genuss spürst. Aber das wirst du...mit jedem mal mehr. Bereust du, dass ich es war, der die Verbindung mit dir einging?"

"Nein, ich bereue es nicht - zudem waren Sie wohl der einzige, der für eine Verbindung zur Verfügung stand", sagte Hermine bedächtig.

"Ja, ich habe meinen ursprünglichen Partner verloren. Es war besagter junger Mann, der so plötzlich spurlos aus unserem Kreis verschwunden ist. Peter Deeping. Er hat viele Stunden mit mir verbracht. Er hat in meinen Armen oftmals geweint. Seine Selbstbestrafungen waren immer sehr intensiv. Er hat viele Sünden auf sich geladen. Er nannte sich selbst einen Jäger und ich weiß, dass nur Gott ihm verzeihen kann, was er seiner Beute antat. Ich selbst konnte es manchmal nicht - aber ich vermisse ihn. Er war einer unserer treuesten Vermittler."

"Vermittler?", hakte Hermine nach, während sie versuchte ihren Mageninhalt dort zu behalten, wo er momentan noch war. Peter Deeping hatte also in diesen Armen Trost gesucht, in denen sie gerade gelegen hatte.

Hermine war erleichtert, dass in Berenger immer noch der Priester steckte, der sich an sein Keuschheitsgelübde hielt. Und doch war es gruselig, dass er einen Mann in den Armen gehalten hatte, von dem er wusste, dass er auf perverse Art gemordet hatte.

"Ein Vermittler zwischen der unsrigen Welt und einer Welt, die wundervolle Dinge birgt. Es ist zu früh, dir davon zu erzählen - du würdest es ohnehin nicht glauben."

'Da wäre ich mir nicht so sicher', dachte Hermine, doch ihre Stimme klang bittend.

"Was für wundervolle Dinge?"

"Dinge, die uns beinahe wie Zauberei erscheinen", sagte Berenger begeistert.

"Das klingt in der Tat wundervoll", erwiderte Hermine und zog die Jacke enger um sich, dann sagte sie entschuldigend: "Ich werde sie ganz voll Blut machen. Es tut mir leid."

"Nein. Nein, das muss dir nicht Leid tun. Es ist das Geschenk, das du mir machst. Durch unsere Verbindung heilt dein Blut meine Seele und mein Blut die deine. Der Akt der Selbstgeißelung ist ein Geschenk - du brauchst dich niemals dafür zu entschuldigen."

Sie hatten die Kirche inzwischen fast umrundet, als Berenger plötzlich stehen blieb.

"Ich spüre, dass du Fragen hast, die du mir stellen möchtest. Es gibt Fragen, die werde ich dir erst zu einem späteren Zeitpunkt beantworten, doch das sollte dich nicht abhalten, sie zu stellen."

Das Adrenalin, das die Schmerzen zuerst noch ansatzweise betäubt hatte, schien langsam zu weichen und Hermine biss die Zähne zusammen, um nicht zu wimmern. Ihre Stimme zitterte, als sie nun sagte: "Sie sagten mir, dass die Unzucht eine schwere Sünde sei, und doch lassen Sie es zu, dass diese Menschen nun in Ihrem Haus übereinander herfallen."

"Sie sind Verbündete - zwar nicht vor Gott, aber vor einem Wesen, das ihm ebenbürtig ist. Dieses Wesen gestattet es. Ich diene zwei Herren und seit ich das tue, empfinde ich erstmals im Leben den Hauch von Vollkommenheit. In Wahrheit war es wohl immer das, was ich angestrebt habe. Ein Ziel, das nicht gottgefällig ist. Aber der menschliche Wunsch, der einst Adam und Eva aus dem Paradies vertrieb, muss nicht gotteslästerlich sein - dies ist etwas, dass ich von IHM gelernt habe. Ich war damals am Ende meiner Kräfte - am Ende von allem, an was ich glaubte. Und dann kam er und zeigte mir den Weg, wie ich Gott auf einem noch besseren...einem sinnvolleren Weg dienen könnte."

"Aber ist nicht eines der wichtigsten Gebote, dass es nur EINEN Gott gibt? Dass man nur ihm dienen soll?"

"Ich diene einem jedem mit voller Kraft und der eine stärkt mich in dieser Kraft wiederum, dem anderen zu dienen. Als ich nur dem einen diente, war meine Seele von Selbstzweifeln zerfressen. Wie können wir tatenlos zusehen, wenn Menschen uns nehmen, wofür wir Jahrhunderte gekämpft haben? Es war richtig für unseren Glauben zu kämpfen und es ist auch jetzt richtig, mit allen Mitteln zu verhindern, dass unsere Religion untergraben wird. Und dann kam er und hat mir gezeigt, wie wir das schaffen, ohne uns zu versündigen. Blut heilt. Wir lassen unsere Feinde diese heilende Kraft spüren. Kann es falsch sein, zu heilen?"

Hermine spürte, wie ihre Kehle sich zusammenschnürte. Hatte er ihr soeben auf seine ganz eigene Art mitgeteilt, dass sie in dem Glauben töteten, ihren Gegnern damit einen Gefallen zu tun?

Plötzlich wünschte sie sich nichts sehnlicher, als dass die Nacht schon vorbei wäre und die Sonne diese schreckliche Dunkelheit vertreiben würde.

"Wir sollten nun zurückkehren. Es wird Zeit, die Versammlung für heute aufzulösen."

Damit gingen sie zum Haus zurück. Hermine betrat hinter Berenger den Raum, in dem die anderen Mitglieder bereits auf sie warteten. Offensichtlich waren ihre Gelüste, gleich einem Strohfeuer, inzwischen nur noch kalter Rauch.

"Beim nächsten Treffen werden wir uns einem neuen Ziel zuwenden, doch für heute soll die Auffrischung unserer Verbundenheit und das Willkommenheißen von Clarissa Holten unsere Seelen mit Frieden erfüllen. Lasst eure Herzen in Eintracht schlagen, bis wir uns nächste Woche wiedersehen."

Berenger breitete die Hände aus, als wolle er den Segen verteilen und die Anwesenden senkten bedächtig die Köpfe, ehe sie das Pfarrhaus verließen.

Auch Hermine verließ das Haus, und während sie die Straße hinaufging, um eine Stelle zu suchen, an der sie gefahrlos disapparieren könnte, traten ihr vor Schmerz und Erleichterung die Tränen in die Augen.

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"Ich werde das heilen!"

"Nein, Severus - sie werden es bemerken. Ich muss nächste Woche erneut dort hin. Was willst du dann tun? Willst du mich zuvor auspeitschen, damit man keinen Verdacht schöpft? So schnell heilen Wunden bei Muggeln nun einmal nicht."

Severus ließ ein Schnauben hören, als er sich die Haare zurückstrich. Offensichtlich hatte er aufgegeben, sich mit ihr darüber zu streiten, denn er forderte sie mit einer Geste auf, ihre Bluse wieder anzuziehen.

Hermine kam dem nach und ließ ein kurzes Lachen hören.

"Dürfte ich erfahren, was so komisch ist?", fragte er zornesfunkelnd.

"Du möchtest wissen, was komisch ist? Du selbst fügst mir Schmerzen zu und versetzt mich in Angst, während du mich penetrierst. Aber diese Striemen auf meinem Rücken machen dir zu schaffen. Warum? Weil du sie mir nicht selbst zugefügt hast?"

Severus' Augen verengten sich zu Schlitzen.

"Das sind zwei verschiedene Dinge - ich dachte, das hättest du inzwischen begriffen."

Hermine schloss die Augen und lauschte einen Moment ihrem eigenen Atem, ehe sie sie wieder öffnete.

"Doch, das habe ich begriffen", sagte sie leise, "ich kann nur nicht verstehen, warum du dich so aufregst...damit habe ich nicht gerechnet. Du selbst hast mich trainiert. Du selbst praktizierst die Selbstgeißelung. Und ehrlich gesagt hätte ich nicht geglaubt, dass es dir sonderlich viel ausmacht, wenn ich von einem dieser Männer...", sie stockte, weil sie seinen Blick auffing.

"Es würde mir etwas ausmachen!", gab er wutschnaubend zurück, ehe er sich abwandte und nach einer Whiskeyflasche und zwei Gläsern griff. Er füllte sie schweigend und reichte eines davon Hermine, die sich auf einen Sessel setzte und darauf achtete, sich nicht mit dem Rücken anzulehnen.

In kleinen Schlucken trank sie die goldgelbe Flüssigkeit, und beobachtete Severus.

Seit sie begonnen hatte, ihm von den Vorfällen im Pfarrhaus zu berichten, hatte sich seine Miene verdüstert und schien nicht mehr aufhellen zu wollen.

Zumindest klang seine Stimme jetzt nicht mehr ganz so aggressiv.

"Ich hatte gehofft, der Fall läge bei Berenger anders. Ich hatte geglaubt, dass sein Priesteramt nur noch Fassade sei. Aber dem ist nicht so. Er glaubt an alles was er tut. Das macht ihn um so gefährlicher und ein ganzes Stück unangreifbarer als ich dachte. Voldemort hat ihn perfekt beeinflusst. Es gibt keine gewaltsame Änderung seiner Überzeugungen, sondern lediglich eine Vertiefung mit einer neuen Zielsetzung, die die andere nicht völlig außer Kraft setzt. Voldemort hat ihm das gegeben, was Berenger suchte, ohne dass er dafür etwas anderes verlor - und nun hat er auch noch dich!"

Hermine zuckte bei diesen letzten Worten zusammen, so verbittert hatte er sie ausgesprochen.

"Er HAT mich nicht! Es ist eine Rolle, Severus! Die Rolle, die du mir aufgetragen hast. Hör zu, ich habe es satt, mich zu verteidigen, wenn du es doch selbst warst, der mir die Aufgabe gab, die ich jetzt erfülle. Wieso tust du das?"

Severus rieb sich die Stirn und danach die Augen.

Er sah Hermine nicht an, als er sagte: "Du hast recht. Aber vor allem hast du deine Aufgabe zur vollen Zufriedenheit erfüllt", er machte eine Pause und dann fügte er bestimmt an: "Du wirst diesen Ort nie wieder aufsuchen - habe ich mich klar ausgedrückt?"

Hermine stürzte den Rest ihres Whiskys hinunter und stellte das Glas mit Nachdruck auf den Tisch.

Während sie noch nach passenden Worten suchte, bemerkte sie seinen neuen Gesichtsausdruck. Der Schmerz darauf war unverkennbar und im ersten Moment wunderte sie sich, dass er so offen zur Schau trug, was er offensichtlich wegen ihr empfand, doch der Griff zu seinem Arm gab ihr Aufschluss, dass es sein Mal war, welches ihm unmissverständlich mitteilte, dass er nun sofort aufzubrechen habe.

Hermine betrachtete ihn, während er sich erhob, und ihr einen Blick zuwarf, der 'Verschwinde sofort' zu sagen schien.

"Severus", sagte sie sanft, "ich verspreche dir, das Pfarrhaus nicht mehr aufzusuchen, wenn du nicht mehr gezwungen bist, dem Ruf Voldemorts zu folgen. Bis dieser Tag kommt, werden wir beide kämpfen. Und da wir es nicht Seite an Seite tun können, werde ich zumindest das tun, was in meiner Macht steht. Ich werde die Informationen besorgen, die wir brauchen."

Dann wandte sie sich um und ging zur Tür. Er erwiderte nichts - vermutlich fehlte ihm die Zeit dazu...vielleicht fehlte ihm jedoch auch die Kraft, sich der Wahrheit entgegenzustellen.

tbc

Liebe Leser, ich freue mich über die gleichbleibend hohe Leserzahl pro Kapitel...allerdings bin ich ein wenig traurig darüber, dass so viele in Schweigen verfallen sind.

Daher danke ich denen umso mehr, die mich teilhaben lassen, an dem, was sie über 'Hölle' denken - und freue mich über jeden, der mir zeigt, dass das Schreiben keine Einbahnstraße ist.

Eure Kira