44. Kapitel
Im Sog des Strudels
"Ich muss Sie unbedingt sprechen!", raunte Charles Hermine zu, als er ihr auf dem Flur begegnete.
Einen Moment lang war sie versucht, so zu tun, als habe sie ihn nicht gehört, doch sein Blick war so eindringlich, dass sie sich entschied, ihn zumindest anzuhören.
Während sie nebeneinander hergingen, warf er einen Blick in den kleinen Hörsaal, und bemerkte, dass er leer war.
"Kommen Sie hier hinein", sagte er und berührte Hermines Rücken, um sie auf den Raum aufmerksam zu machen.
Sofort nahm er seine Hand weg, als sie ein Zischen ausstieß.
"Verzeihung", murmelte er und wartete, bis sie den Raum betreten hatte, um hinter ihr die Tür zu schließen.
Hermine wandte sich sofort zu ihm um und ertappte ihn dabei, wie er sie entsetzt ansah.
"Was wollen Sie mir sagen, Charles? Sprechen Sie - ich habe zu tun!"
"Ich habe Ihnen ein neues Angebot zu unterbreiten...ich...ich soll...", er geriet ins Stocken und schwieg plötzlich.
"Was ist los?", fragte Hermine abweisend.
"Bei Merlin - ich kann das nicht länger mit ansehen - was tut dieser Mann Ihnen nur an? Warum lässt eine Frau wie Sie, sich so etwas gefallen?", stieß er atemlos hervor.
Hermines Stimme blieb kühl: "Wovon sprechen Sie eigentlich?"
"Ihr Rücken - Sie bluten, Hermine. Das ist keine Liebe! Er benutzt Sie - und wenn Sie auch denken, dass Sie es aus Liebe zu ihm ertragen, eines Tages werden Sie sich schrecklich fühlen, weil sie ihm soviel Macht über sich gaben!"
Wortlos zog Hermine die Jacke über, die sie bislang über dem Arm gelegt hatte.
"Reden Sie, Charles, Sie sollen mir ein Angebot unterbreiten?"
Er schien sie gar nicht gehört zu haben. "Er ist ein Sadist, Hermine. Verlassen Sie ihn!", sagte Grant beinahe flehend.
Hermine war hin- und hergerissen. Wenn sie nun erklärte, dass er bezüglich Severus auf dem Holzweg war, dann müsste sie erklären, wie sie zu den Wunden tatsächlich gelangt war. Damit würde sie dem Ministerium Informationen zuspielen, die sie für den Orden gesammelt hatte. Der Preis, den sie dafür gezahlt hatte, ließ sie unumstößlich den Gedanken fassen, dass sie Grant das Wissen um Berenger nicht frei Haus liefern würde.
"Wenn Sie mir nichts zu sagen haben, was Ihr eigentliches Anliegen betrifft, dann sollte ich wohl lieber jetzt gehen", erwiderte Hermine verärgert.
Charles stellte sich ihr in den Weg.
"Ich werde ihm eine Lehre erteilen, damit er sich nicht nochmal an Ihnen vergreift!"
Hermine funkelte ihn wütend an.
"Das würde ich an Ihrer Stelle bleiben lassen. Verstehen Sie doch endlich, Charles, ich brauche Ihre Hilfe nicht!", damit drängte sie sich an ihm vorbei. Hastig stieß er die Worte jetzt hervor.
"Kaminzugang zu jeder Bibliothek auf der ganzen Welt, sowie ein Anwesen in der Nähe von London, das selbst für Zauberer im Verborgenen liegt. Arbeiten Sie für das Ministerium und Sie können noch heute dort einziehen - Sie wären dort auch vor IHM sicher, Hermine!"
Ein kaltes Lachen entfuhr ihr: "Und vor IHNEN, Charles? Wie oft müsste ich mit Ihrem Besuch rechnen?"
"Nun, ich erwähnte es schon...wir würden zusammenarbeiten", erwiderte er lächelnd.
"Das ist einer der besten Gründe, dieses Angebot nicht anzunehmen. Und was Severus angeht - ich muss mich vor ihm nicht in Sicherheit bringen. Er tut nichts, was ich nicht auch möchte. Ist das so schwer zu begreifen, Charles?"
"Es ist schwer zu begreifen, dass Sie sich offensichtlich von ihm weh tun lassen. Ich kann es einfach nicht verstehen."
"Dann werden Sie auch MICH niemals verstehen - und ich rate Ihnen, es auch nicht länger zu versuchen. Sagen Sie Ihren Vorgesetzten, dass ich keine weiteren Angebote wünsche."
Damit verließ Hermine den Hörsaal und war froh, Charles Grant an diesem Tage nicht mehr über den Weg zu laufen.
Den gesamten Nachmittag über, spürte sie den wachsenden Druck in ihrem Kopf. Gegen frühen Abend wurden die Schmerzen unerträglich und kein Trank schien helfen zu können.
Hermine hatte sich auf ihr Bett gelegt, und gehofft, dass sie wenigstens in den Schlaf finden würde, doch auch das war ihr nicht vergönnt.
Sie wusste, was, oder besser wer der Auslöser für diese hartnäckigen Kopfschmerzen war, doch sie wollte ihm nicht in diesem Zustand gegenübertreten.
Es dauerte unter diesen Umständen recht lange, bis Hermine begriff, dass das klackernde Geräusch keine neue Methode ihres eigenen Körpers war, um sie in den Irrsinn zu jagen, sondern vom Fenster her kam und vermutlich von einem Eulenschnabel ausgelöst wurde.
Mühsam erhob sie sich von ihrem Bett und glaubte beinahe, ihr Kopf würde schier explodieren, während sie zum Fenster wankte.
Kaum hatte sie es geöffnet, stürzte sich Kelloggs mit einem protestierenden Kreischen in ihr Wohnzimmer.
Hermine schloss die Augen und ließ das Dröhnen in ihrem Kopf ein wenig zur Ruhe kommen, ehe sie den gefiederten Gesellen in Augenschein nahm.
Trotz des rasenden Schmerzes spürte sie Erleichterung.
"Dann ist er also zurückgekehrt", sagte sie zu dem Vogel, der daraufhin seine Federn aufplusterte und sein Bein hob, um ihr den Brief zu präsentieren.
Hermine ging langsam in die Knie, um ihren Kopf nicht über Gebühr zu strapazieren.
Kelloggs begann zu tänzeln, als würde ihm ihre Aktion eindeutig zu lange dauern.
Nachdem Hermine endlich das Pergamentröllchen gelöst hatte, flog Kelloggs wie selbstverständlich in die Küche. "Bedien dich", sagte Hermine schwach und ließ sich einfach auf dem Teppich nieder, um Severus Brief zu lesen.
Hermine,
ich möchte dich bitten, mich noch heute Abend aufzusuchen.
Severus
Obwohl es nur eine Zeile war, las Hermine den Brief abermals. Er hatte keinen Grund für sein Anliegen angegeben, doch das war auch nicht nötig. Er war ihr Lehrmeister und wann immer er sie zu sich rief, würde sie gehen müssen. Hermine war froh über diesen Brief, denn ihr war bewusst, dass ihre Kopfschmerzen zu einem großen Teil der Sorge um ihn entsprungen waren.
Jedesmal, wenn er zum Lord gerufen wurde, konnte sie sich nicht sicher sein, ihn jemals wiederzusehen. Charles falsche Verdächtigungen und seine Drohung, es Severus heimzuzahlen, hatten ebenfalls so wenig für Entspannung gesorgt, wie sein neuerliches Angebot vom Ministerium.
Zugang zu allen Bibliotheken dieser Welt - diese Leute schienen sie verdammt gut zu kennen. Ihr Schutz vor Severus zu bieten - offenbar kannten diese Leute sie doch nicht so gut!
Bei diesem wütenden Gedanken formte sich der Schmerz hinter ihrer Stirn zu einem Crescendo.
Hermine erhob sich vorsichtig und ging langsamen Schrittes in ihr Schlafzimmer, wo sie in eine Jeans und ein T-Shirt schlüpfte. Dann griff sie zum Zauberstab und es kostete sie beinahe ein Übermaß an Konzentration, zu disaparieren.
Die inzwischen kühlere Luft ließ sie den Weg zum Schloss überstehen.
Sie schlich sich regelrecht durch die Gänge, nachdem ihr der Weg abermals ohne Beanstandung freigegeben worden war.
Eine Gruppe Schüler verschwand gerade auf einer der Treppen und Hermine überkam abermals das Gefühl, die Zeit ließe sich vielleicht zurückdrehen und sie fände sich gleich selbst im Gryffindorturm wieder. Statt dessen nahm sie jedoch die Stufen in den Kerker, der ihr inzwischen erstaunlicherweise ebenso vertraut war, wie die Räume ihres ehemaligen Wohnturmes.
Severus ließ sie nicht lange warten, sondern öffnete auf ihr zaghaftes Klopfen sofort die Tür und trat beiseite.
Hermine nickte knapp zur Begrüßung und trat ein.
Auf dem Tisch erkannte sie eine Flasche Wein, die er scheinbar schon bis zur Hälfte geleert hatte. Als er die Tür verschlossen hatte, sah er sie forschend an. Hermine hielt diesem Blick nicht lange stand, sondern schloss gequält die Augen.
Wenn er ihr nun mitteilen würde, dass er sie heute einem Training aussetzen würde, dann würde sie auf der Stelle sterben, soviel war sicher, dachte sie verzweifelt.
"Was ist los mit dir?", fragte er von dort aus, wo er stand.
Hermine öffnete tapfer die Augen, doch ihre Stimme war nur ein Flüstern: "Ich habe mir Sorgen um dich gemacht."
"Du siehst aus, als müsste ich mir eher Sorgen um dich machen", erwiderte er immer noch verharrend.
"Es sind nur Kopfschmerzen", erwiderte Hermine leise.
"Ich werde dir einen Trank geben."
"Nein, ich habe schon drei genommen - keiner hat gewirkt. Vielleicht wird es mir besser gehen, wenn ich wirklich sicher sein kann, dass es dir gut geht", erwiderte Hermine mit einem schiefen Lächeln.
"Es geht mir nicht gut", stellte er klar.
"Was fehlt dir?", fragte sie nun etwas lauter.
"Mir fehlt nichts, aber einem Menschen, der mir sehr am Herzen liegt, geht es gar nicht gut, und deshalb geht es mir auch nicht gut."
Hermine brauchte tatsächlich einen Moment, ehe sie begriff, dass er von ihr sprach.
Sie versuchte den Kopf über diesen schwerfälligen Dialog zu schütteln, was sie sofort wieder unterließ, da ihr Hirn scheinbar Achterbahn bei diesem Unterfangen fuhr.
"Drei Tränke", hörte sie ihn murmeln, "Was waren das für Tränke?"
Hermine überlegte angestrengt und nannte ihm die Namen, wobei sie jedoch jeweils auf seine Unterstützung und Rückfragen angewiesen war.
Er runzelte die Stirn und sah sie kopfschüttelnd an.
"Schon der erste hätte helfen müssen. Doch alle drei in Kombination sind definitiv zu stark für einen vierten Versuch. Also probieren wir es auf eine unkonventionelle Methode. Komm mit!"
Hermine folgte ihm träge. Erst als er sie aufforderte sich auszuziehen, wurde ihr klar, dass er sie in sein Badezimmer geführt hatte.
Als er bemerkte, wie schwer es ihr fiel sich zu entkleiden, half er ihr, das T-Shirt über ihren Kopf zu ziehen. Sie wurde sich nur am Rande bewusst, wie ihre Brüste bei dieser Aktion hin und her schwangen, da sie auf ihren BH verzichtet hatte.
Er half ihr ebenfalls aus der Jeans, überließ es jedoch ihr, ihren Slip auszuziehen, während er die Dusche aufdrehte.
Dann führte er sie unter den brausenden Strahl und sorgte dafür, dass sie sich auf den Wannenboden setzte. Hermine schloss die Augen, während das Wasser auf ihren Kopf prasselte und die Schmerzen scheinbar fortwusch. Sie konnte unmöglich sagen, wie lange sie so dort gesessen und diese angenehme Massage genossen hatte, als sie plötzlich Severus sanfte Stimme hörte.
"Geht es dir besser?"
Sie sah ihn an, während ihr das Wasser über das Gesicht lief und wurde sich darüber klar, dass sie wie ein Häufchen Elend vor ihm saß, und das nur, weil ihr Kopf sie im Stich gelassen hatte. Doch nun ging es ihr tatsächlich besser und sie fragte sich, warum sie nie selbst auf den Gedanken gekommen war, sich diese befreiende Wirkung des Wassers zu nutze zu machen.
Mit einer Hand drehte sie das Wasser ab und murmelte: "Ja, es geht mir besser."
Severus griff zu einem Handtuch und wickelte sie darin ein, dann nahm er seinen Bademantel vom Haken und hielt ihn ihr entgegen.
"Wenn du fertig bist, dann komm bitte zu mir."
Hermine nickte und begann damit, sich abzutrocknen, während er das Badezimmer verließ.
Die Striemen am Rücken waren empfindlich, und Hermine konnte sehen, dass mindestens einer erneut blutete, als sie das Handtuch sinken ließ. Was würde Severus sagen, wenn er das Blut an seinem Handtuch entdecken würde? Hermine nahm sich vor, das Handtuch mitzunehmen, um es selbst zu waschen, bevor er genötigt wäre, es in diesem Zustand einem Hauselfen zu übergeben.
Sie zog vorsichtig seinen Bademantel an, den sie wohl ebenfalls mit nach Hause würde nehmen müssen, dann ging sie ins Wohnzimmer, das Handtuch unter den Arm geklemmt.
Severus war inzwischen dabei, die Weinflasche zu verkorken, als er ihr einen fragenden Blick zuwarf: "Möchtest du ein Glas?"
"Nein, lieber nicht, sonst kommen die Kopfschmerzen noch zurück."
"Was hast du mit dem Handtuch vor?"
"Ich werde es mit nach Hause nehmen."
Er stutzte sichtlich, ehe er zurückgab: "Ich hörte, es sei eine schlechte Angewohnheit von Muggeln, Handtücher mitgehen zu lassen, wenn sie in Hotels nächtigen. Ich bin kein Hotel und mir ist der Zweck dieser Aktion ohnehin nicht ganz klar."
Hermine schmunzelte über seinen Versuch sie aufzuheitern, denn ihr war klar, dass er das nur ihr zuliebe tat. Sein Brief hatte mit Sicherheit nicht ursprünglich diesem Ziel gegolten.
"Es ist Blut daran, daher möchte ich es selbst reinigen, damit du es nicht einem Hauselfen übergeben musst", erklärte Hermine mit gesenktem Blick.
"Blut? Hast du deine Periode?"
Sie sah ihn überrascht an, weil er diese Frage so distanziert stellte, dass sie beinahe lachen musste.
"Nein, es stammt von den Wunden an meinem Rücken."
"Setz dich bitte hierher", forderte er und zeigte auf die Couch.
Hermine kam seiner Bitte nach, wurde jedoch seitlich von ihm gedreht, bevor sie sich niederließ.
"Zieh den Bademantel herunter, so dass ich mir das ansehen kann", sagte er und griff nach dem störenden Kleidungsstück. Hermine fasste nach seinen Händen und hielt sie fest.
"Nein, wir sprachen darüber, Severus. Du darfst das nicht heilen, sonst fliege ich auf."
"Ich werde die Wunden nicht heilen. Lass sie mich sehen."
Hermine seufzte tief und ließ es zu, dass er den Frottee-Stoff über ihre Schultern nach unten streifte.
Ganz sanft berührte er ihren Rücken und umfuhr scheinbar mit seinen Fingerspitzen die frischen Spuren.
"Es sind zwei Stellen, die bluten. Der Rest ist bereits im Heilen begriffen. Du wirst Narben zurückbehalten, wenn du das auf diese Weise durchziehen willst."
"Ich weiß, aber ich sehe keine andere Möglichkeit, es sei denn, ich lasse mich von dir heilen, um mir später neue Wunden zufügen zu lassen. Und diese sähen unglaubwürdig aus, weil sie zu frisch wären. Es bleibt mir keine Wahl - ich werde mit diesen Narben leben, Severus. Ich kann sie ja nicht einmal sehen."
"Aber ich werde sie sehen", gab er zurück und seine Stimme klang seltsam belegt.
Hermine zog den Bademantel wieder über ihre Schulter und wandte sich zu ihm um.
"Warum sollte ich herkommen?", fragte sie dann und wollte das Thema endlich beendet wissen.
"Es gab zwei Gründe", erwiderte er sofort.
Hermine hob fragend eine Augenbraue.
"Zum einen steht das Treffen des Ordens kurz bevor und ich möchte mit dir die Dinge ausarbeiten, die wir den anderen mitteilen werden - und zum anderen...", er verstummte.
"Zum anderen?", hakte sie nach.
"Zum anderen wollte ich dich sehen."
Hermine hielt seinem Blick stand, der in ihren Augen zu forschen schien, wie sie darauf reagieren würde.
"Ich bin hier", erwiderte sie mit einem leichten Lächeln, dann fügte sie an, "auch wenn es wohl nicht so war, wie du es dir erhofft hast. Ich glaube nicht, dass dir der Sinn danach stand, eine Kranke zu pflegen."
"Das war nicht mein ursprünglicher Plan", gab er ohne Umschweife zu.
Hermine erinnerte sich unwillkürlich daran, wie sie ihm das letzte mal in die Finger geraten war, nachdem er von einem Todessertreffen zurückgekehrt war. Er hatte einen Teil seiner Wut auf sie umgemünzt, indem er sie grob behandelt, und sie in dem Glauben gelassen hatte, er würde sie gegen ihren Willen anal nehmen.
"Was war dein ursprünglicher Plan?", fragte sie mit kratzender Stimme.
In seine Augen trat ein Funkeln, das ihr eine Gänsehaut bescherte.
"Ich bin mir nicht sicher, ob du das jetzt wirklich hören willst", erwiderte er dunkel.
"Wenn ich mir aussuchen darf, ob ich möchte, was du möchtest...", erwiderte sie mit einem schüchternen Lächeln.
Seine Stimme wurde noch dunkler, als er jetzt sagte: "Du weißt, dass ich danach nicht fragen würde."
Hermines Haut wurde abermals von einer Gänsehaut überzogen und sie spürte, wie ihr Schoß unter diesen klaren Worten vibrierte.
Sie blieb jedoch eine Antwort schuldig, was er mit einem knappen Lächeln quittierte.
"Lass uns über das Ordenstreffen sprechen", sagte er dann bestimmt.
"Nein", fiel sie ihm ins Wort und handelte sich damit einen bösen Blick ein.
Ihre Stimme klang dennoch fest, als sie sagte: "Lass uns erst über das Todessertreffen sprechen. Erzähl mir davon."
Er schüttelte vehement den Kopf und sagte: "Was du darüber wissen musst, wirst du beim Ordenstreffen erfahren."
Hermine betrachtete ihn eingehend und entschied sich für Hartnäckigkeit.
"Beim Ordenstreffen wirst du nur von den Dingen berichten, die für die Allgemeinheit relevant sind. Ich möchte wissen, was dir dort geschehen ist. Was du gezwungen warst zu tun. Bitte Severus, ich habe dir von meinem Treffen in Berengers Haus erzählt, erzähle du mir, was du durchmachen musstest."
Severus sah sie abweisend an und seine Stimme klang plötzlich kalt.
"Warum willst du dir noch mehr antun? Reicht es nicht, was du an eigenem Leid verspürst? Warum willst du meines auch noch auf dich laden?"
"Weil du meines auch auf dich lädst!"
"Ich bin an deinem auch Schuld! Aber du nicht an meinem!", herrschte er sie plötzlich an.
Hermine verstummte und sah ihn mit großen Augen an.
"Das glaubst du wirklich, nicht wahr? Severus, ich bin genauso ein Ordensmitglied wie die anderen. Würdest du Mitleid mit Moody haben? Mit Arthur? Mit Harry?"
"Das ist etwas anders!"
"Nein! Das ist es nicht! Und du weißt es. Die harte Schule, durch die du mich geschickt hast, zeigt Wirkung! Wolltest du nicht, dass ich Schmerz als etwas empfinden kann, das mir Freude bereitet? Wolltest du nicht, dass ich das so gut spielen kann, dass man mir abnimmt, dass ich mehr davon brauche? Verdammt, Severus, wenn du nicht damit aufhörst, mich immer wieder zu verunsichern, dann treibst du mich noch in die Arme des Ministeriums, begreifst du nicht, dass ich dein Training umsetze? Ich bin bereit zu leiden - so wie du! SO WIE DU!"
"Du willst leiden?", fauchte er sie an, "dann leide! Ich sorge dafür, dass du dabei voll auf deine Kosten kommst - und ich auf meine! Zieh das aus!", schrie er sie an und zerrte an dem Bademantel.
Hermine wusste kaum wie ihr geschah, als er sie von der Couch hochriss und das Kleidungsstück zu Boden zwang.
Nackt stand sie vor ihm und zitterte am ganzen Leib.
Ohne auf ihren panischen Blick zu achten, drehte er sie herum und befahl ihr, sich vor die Couch zu knien. "Dann leide", knurrte er noch einmal und zwang ihre Knie auseinander. Hermine griff sich in ihrer Panik ein Sofakissen und biss hinein, um ihren Schrei zu ersticken, den er ihr unweigerlich entlocken würde.
Zitternd harrte sie dem, was er mit ihr anstellen würde. Sie hatte geahnt, dass die Wut in ihm steckte und dass er ein Ventil suchte, um sie loszuwerden. Diesmal würde er ohne Zweifel wahr machen, was er ihr beim letzten mal noch erspart hatte, er würde in ihren Anus eindringen und ihr somit seinen Willen aufzwingen, um sie zu strafen - doch obwohl sie Angst davor hatte, weil sie fürchtete, dass er nicht gerade sanft vorgehen würde, würde er das Safeword nicht von ihr zu hören bekommen. Eher würde sie vor Schmerz ohnmächtig werden, als ihm nun diese Schwäche zu zeigen. Sie wartete immer noch mit gespreizten Beinen auf sein Eindringen, als sie plötzlich eine Tür ins Schloss knallen hörte. Zitternd wandte sie sich um und erkannte, dass er in sein Schlafzimmer verschwunden war und sie allein gelassen hatte.
Hermine fühlte sich wie betäubt, als sie sich nun hochrappelte und den Bademantel überstreifte. Sie wusste, dass es nicht klug wäre ihm zu folgen, also setzte sie sich auf die Couch, zog die Knie dicht an ihren Körper und legte ihren Kopf darauf. Eine halbe Stunde war so vergangen, doch er kehrte nicht zurück. Leise erhob sie sich und schlich zur Schlafzimmertür, um ein Ohr gegen das Holz zu pressen. Rein gar nichts war zu hören. Hermine überlegte, was sie nun tun könnte. Vermutlich wäre es das Sinnvollste, wieder nach Hause zu apparieren und den Abend als eine weitere unangenehme Erinnerung abzuhaken.
Sie hatte sich schon von der Tür abgewandt, als sie plötzlich kehrt machte und sie entschieden öffnete.
Severus saß auf seinem Bett und hatte den Kopf in die Hände gestützt.
Er sah nicht auf, als er jetzt knurrte: "Warum bist du immer noch hier? Geh, Hermine...geh!"
Sie erwiderte nichts, sondern betrat das Zimmer. Nun hob er den Kopf und sein Blick war abweisend. "Kannst du nicht ein einziges mal auf mich hören? Du sollst gehen!", wiederholte er nachdrücklich.
"Du hast mich da kauern lassen, Severus, warum?"
"Wäre es dir lieber gewesen, ich hätte getan, was du fürchtest?", fragte er erbost.
"Ich weiß es nicht - alles ist besser, als dass du mich fortschickst."
Sein Blick fixierte sie eingehend und seine Stimme klang regelrecht bestürzt.
"Ist dir eigentlich klar, was du da sagst? Hermine, weißt du eigentlich, wie kurz davor ich bin, dir weh zu tun...wirklich weh?"
"Ja, das weiß ich. Wem hast du letzte Nacht weh getan? Wer hat dir weh getan, Severus? Bitte, sprich mit mir!", forderte sie nun mit gänzlich anderem Gesichtsausdruck.
Er schüttelte ungläubig den Kopf über ihre neue Strategie.
"Wir werden nicht über das Todessertreffen sprechen", stellte er klar.
Hermine beobachtete ihn einen Moment, dann kletterte sie zu ihm aufs Bett.
Er wich nicht zurück, als sie ihn sanft berührte, doch seine Gestalt schien sich zu verhärten und auf Abwehr zu gehen.
"Erzähl es mir", sagte sie leise, während sie ihren Kopf in seine Halsbeuge legte.
Augenblicklich hörte sie ein knirschendes Geräusch, das von seinen Zähnen stammte, die fest aufeinanderrieben.
"Ich werde es dir zeigen - ich werde dir zeigen was geschehen ist...hörst du, Hermine? Ich meine es ernst! Geh, solange du noch gehen kannst - geh und lass mich heute Nacht allein. Es war ein Fehler, dass ich dich rief. Wir werden morgen über das Ordenstreffen sprechen."
Sie spürte das Vibrieren des Zorns, der seinen Körper durchlief, und doch verströmte er einen Geruch, der sie beinahe benebelte. Er roch nach reiner Lust, die sich gewaltsam Bahn brach. Hermine konnte dem nicht entkommen - sie wollte es nicht. Ihre Haut prickelte bei der Vorstellung, dass er sie besitzen würde. Ihr Schoß zog sich lustvoll zusammen und sie fühlte, wie sie feucht wurde.
Er hatte sie mit Sicherheit nicht umsonst gewarnt, und dennoch konnte sie ihm nicht entfliehen - sie wollte ihm nicht entfliehen, und so krallte sie sich an ihm fest, als er aufstehen wollte.
"Lass mich los, und geh jetzt!", herrschte er sie an.
Hermine ließ ihn tatsächlich los, weil sie gegen ihn nicht ankam, als er vom Bett aufstand. Seufzend legte sie sich zurück und öffnete den Bademantel, was er mit einem ärgerlichen Stirnrunzeln zur Kenntnis nahm.
Schließlich begann er sich förmlich die Kleider vom Leib zu reißen. Hermine lächelte ihn scheu an, als er mit funkelnden Augen zu ihr aufs Bett sank.
"An deiner Stelle würde ich nicht lächeln. Ich werde dir jetzt zeigen, was ich letzte Nacht tat. Es war deine Entscheidung zu bleiben...es wäre besser gewesen zu gehen, aber diese Entscheidung hast du nun nicht mehr zu treffen. Von nun an wirst du tun, was ich dir sage! Setz dich auf mich!"
Hermine wich seinem wütenden Blick aus und erklomm seinen Schoß, indem sie sich langsam auf sein steil aufgerichtetes Glied sinken ließ. Ein angenehmer Schauer durchfuhr sie, als er sie ausfüllte. Sofort begann sie damit, sich zu bewegen und stieß ihn immer wieder tief in sich, wobei sie lustvoll aufstöhnte.
Severus jedoch schien keinerlei Lust zu fühlen, was sie ungläubig zur Kenntnis nahm. Als er nach ein paar weiteren Stößen immer noch seltsam unbeteiligt schien, hielt sie in der Bewegung inne und sah ihn fragend an.
Seine Stimme klang enervierend ruhig, als er jetzt zu ihr sprach.
"Genau so, wie du mich jetzt reitest, wurde ich gestern von einer jungen Frau geritten. Sie hatte beinahe die gleiche Haarfarbe wie du, ein bisschen heller vielleicht - und sie war wirklich jung - sehr jung. Beinahe noch ein Kind. Ihre Eltern haben zugesehen. Sie sahen zu, wie das Mädchen mich ritt und dabei in einen orgastischen Taumel verfiel, während ich sie dirigierte."
Severus fasste jetzt Hermine an den Hüften und zeigte ihr die Bewegungen an, die sie vollführen sollte. Während er dafür sorgte, dass er auf diese Weise abermals immer wieder tief in sie drang, erzählte er scheinbar ungerührt weiter.
"Ihre Eltern feuerten uns an. Das Mädchen war gerade siebzehn geworden und unsere Verbindung war ihr Geburtstagsgeschenk - aber die Verbindung zwischen uns war nur das Vorspiel. Die eigentliche Verbindung fand erst zum Schluss statt."
Hermine wollte abermals inne halten, weil seine neutrale Stimme sie irritierte und das Gesagte sie anwiderte. Severus zwang sie jedoch wieder in den bisherigen Rhythmus. Hermine bewegte sich heftiger und hoffte, dass ihre wilden Stöße ihn endlich zum Schweigen bringen würden. Tatsächlich schien er es eine Zeit lang zu genießen, was sie ihm zukommen ließ, doch plötzlich packte er sie, und zischte: "Hör nicht auf jetzt - mach weiter!", nur um dann ruhiger fortzufahren, während sie ihre Hüften immer wieder nachdrücklich auf ihn presste und den Tränen nahe war, weil es ihn einfach nicht zu erregen schien. Zumindest nicht so, wie sie es erhoffte. Seine Erregung galt nicht ihr - nicht ihrem Körper, sondern seinen Erinnerungen, die ihn in einen zerstörerischen Taumel der Leidenschaft rissen.
"Ein neues Todessermitglied sollte die Hübsche werden. Und ja, sie war hübsch, verdammt hübsch! Ich hätte sie ohnehin nicht ablehnen dürfen, nachdem der Lord mir diese Rolle zuwies, aber es war ein hübsches Ding, das da seine Seele erst an mich verkaufte, und schließlich an Voldemort."
Severus fesselte Hermine jetzt mit seinem Blick und ihr wurde Angst und Bange, als sie das Glitzern darin sah, doch er ließ keinen Zweifel daran, dass sie noch nicht entlassen war.
Seine Hände umfassten ihren Hintern und er stützte sie bei jeder Bewegung, ohne sie auch nur einen Moment aus den Augen zu lassen. "Und dann", fuhr er fort, "dann ergoss ich mich in ihr", kaum hatte er es gesagt, spürte Hermine sein Vibrieren und ihr wurde klar, dass er gerade in diesem Moment sein Sperma in ihr verspritzte, dennoch sprach er schon nach kurzem Zögern weiter, wenn auch jetzt mit gepresster Stimme: "In diesem Moment wurde ihr das Mal eingebrannt, und meine Lust vermischte sich mit ihrem Schmerz, der sie ohnmächtig auf mir niedersinken ließ. Man weckte sie nur kurze Zeit später mit einem Zauber, und sie kannte die Riten genau. Sie kniete vor mir nieder, um mir zu danken, während ihr die Tränen über das Gesicht strömten. Sie wird eine gute Todesserin - stark und demütig zugleich."
Hermine spürte plötzlich gar nichts mehr. Jegliche Lust war gewichen, als Severus sie mit leeren Augen ansah. Sie stieg von ihm hinunter, als sie begriff, dass er sie nun nicht mehr hindern würde.
Sie spürte, wie sein Sperma aus ihr heraustropfte und wusste, dass es das Bettzeug befleckte, aber es war ihr egal. Ihr Körper schien nicht zu ihr zu gehören, als ihre Fußsohlen den kalten Boden berührten. Wortlos ging sie schließlich ins Badezimmer und streifte sich ihre Kleidung über, die dort noch auf dem Boden lag.
Severus kam aus dem Schlafzimmer als sie das Bad gerade verließ, doch sie ignorierte ihn. Ohne ein weiteres Wort verschwand sie durch die Tür und verließ Hogwarts mit dem Gefühl der Leere und Betäubung. Hermine hastete den dunklen Weg entlang, um so schnell wie möglich zum Apparierpunkt zu gelangen. Die Leere wandelte sich langsam in Wut. Als sie Schritte hinter sich hörte, verspürte sie keine Angst. Wer auch immer ihr jetzt in die Quere kam, würde eher sie fürchten müssen, als umgekehrt.
Es war fast eine Befreiung, als eine Hand nach ihr griff und sie herumwirbeln konnte, um auf den Verfolger einzuschlagen. Binnen Sekunden hatte sie erkannt, dass es Severus war - eigentlich hatte sie es von Anfang an gewusst. Immer wieder schlug sie zu und er wehrte sich nicht. Schließlich hob er nur schützend die Hände, ohne sie jedoch auch nur anzurühren, während sie immer noch auf ihn einhieb.
Erst als sie kraftlos die Hände sinken ließ, zog er sie in seine Arme und vergrub sein Gesicht in ihrem Haar, während er flüsterte: "Bitte komm zurück. Bleib heute Nacht bei mir...ich bitte dich!"
tbc
