46.Kapitel

Das Treffen im Fuchsbau

Das Mädchen, das vor Severus' Büro wartete, hatte die Arme um sich selbst geschlungen, als könne es dadurch Kälte, die sie von außen anfeindete, abhalten, in sie einzudringen - und doch schien diese Kälte bereits in ihrem Körper Fuß gefasst zu haben, denn ihr ganzer Ausdruck wirkte wie erfroren.

Mira Hayes war zweifellos weit für ihr Alter - ein Mädchen, das die Aufmerksamkeit von Typen wie McNeil, Wilson und Roberts geradezu anzog.

Doch auch wenn ihr Körperbau sie bereits als Frau kennzeichnete, so war in ihrem Blick etwas, das eindeutig das junge Mädchen erkennen ließ, das am liebsten die Zeit ein wenig zurückgedreht hätte, um im Körper eines Kindes noch so lange zu verweilen, bis ihre Seele bereit war, für die Abenteuer der erwachsenen Welt.

"Guten Morgen, Professor Snape, Sir", hauchte sie gerade so laut, dass man sie verstand.

"Guten Morgen Miss Hayes", erwiderte Severus knapp, ehe er die Tür zu seinem Büro öffnete und die Schülerin mit einer Geste hereinbat.

Hermine ließ dem Mädchen den Vortritt, und erkannte zweifellos, dass ihre Anwesenheit die Schülerin irritierte.

Erst nachdem Mira gegenüber von Severus' Schreibtisch Platz genommen hatte, erklärte er dem Mädchen, dass er eine weitere Lehrkraft um ihre Anwesenheit gebeten hätte. Er erklärte, dass Professor Granger zwar an einer Muggelschule unterrichte, sie jedoch das volle Vertrauen von Professor Dumbledore und auch sein eigenes genießen würde.

Hermine schwieg zu all dem und beobachtete Mira Hayes.

Das Mädchen verfiel zusehends in Panik und ihre Stimme klang ein wenig zu schrill: "Sir, ich weiß, dass meine Leistungen nachgelassen haben. Ich werde mich bemühen, das Versäumte aufzuholen. Ich werde Slytherin keine Schande machen."

Severus nickte nachdenklich, ehe er sich zurücklehnte und das Mädchen taxierte: "Ich habe bereits drei meiner Hausschüler verloren - ich würde nur sehr ungern erneut die besondere Aufmerksamkeit des Direktors auf das Hause Slytherin gerichtet sehen."

Hermine hielt unwillkürlich den Atem an.

Mira erwiderte seinen Blick, nickte jedoch nur. "Meine Leistungen werden sich verbessern", versprach sie schließlich beinahe trotzig.

"Sie sind mit Ihren Gedanken nicht bei der Sache. Das ist nicht nur in meinem Unterricht so, sondern wurde mir auch von Kollegen angetragen."

"Ich werde mich bemühen - wirklich, ich...", erwiderte Mira verzweifelt.

"Das wird nicht reichen, Miss Hayes!", fiel ihr Severus ins Wort.

Hermine warf ihm einen fragenden Blick zu.

Mira sank auf ihrem Stuhl zusammen und rechnete offenbar mit weiterem Tadel.

Severus Stimme klang distanziert, als er wieder sprach: "Miss Hayes, wie ich Ihnen sagte, bat ich um die Anwesenheit meiner Kollegin, um dieses Gespräch mit Ihnen zu führen. Sie werden sich denken können, dass ich wohl kaum Unterstützung benötigt hätte, wenn ich mit Ihnen nur über Ihre nachlassenden Leistungen sprechen wollte. Ich möchte mit Ihnen über das reden, was zwischen Ihnen, McNeil, Roberts und Wilson vorgefallen ist."

Mira wurde bleich und ihr Blick huschte kurz zu Hermine und wieder zu ihm zurück.

"Es ist nichts vorgefallen - gar nichts! Bitte, Sir...ich werde mich mehr anstrengen...ich verspreche es."

Hermines Stimme klang freundlich aber bestimmt, als sie den Blick von Mira erneut einfing. "Die drei besagten Schüler wurden der Schule verwiesen. Sie können Ihnen nichts mehr anhaben. Es droht Ihnen wirklich keine Gefahr mehr, wenn Sie nun reden...wovor haben Sie Angst, Miss Hayes?"

"Ich weiß nicht, wovon Sie sprechen", erwiderte das Mädchen und fühlte sich offensichtlich in die Ecke gedrängt.

Hermine versuchte sie mit einem Lächeln zu beruhigen.

Miras Blick huschte zwischen ihr und Severus hin und her, als wolle sie abschätzen, von welcher Seite der nächste Angriff drohte, schließlich rang sie sich dazu durch, ganz leise ihre Fragen zu stellen: "Kommt keiner von den dreien wieder? Sind sie wirklich weg?"

Severus nickte langsam: "Ja, sie werden nicht nach Hogwarts zurückkehren."

Miras Gesichtsfarbe wechselte von blass zu rot, als sie fragte: "Wieso mussten sie die Schule verlassen, ich habe doch geschwiegen."

"Die drei haben einen Angriff auf einen Lehrer verübt", erwiderte Severus knapp.

Mira riss die Augen auf und starrte ihn an: "Die haben einen Lehrer angegriffen? Wen?"

"Mich", erwiderte er knapp, sah dann zu Hermine, und auf ihr knappes Nicken hin, fügte er an: "Und auch auf Professor Granger."

"Aber Sie...Sie haben...Sie sind...die haben Sie wirklich angegriffen?", stammelte Mira.

"Professor Snape hat dafür gesorgt, dass die drei bestraft wurden", sagte Hermine sanft und überließ es Mira selbst, ob sie die richtigen Schlüsse ziehen wollte. Offenbar hatte das Mädchen begriffen.

Sie sah einen Moment lang ihren Hauslehrer an, dann senkte sie den Blick und sagte leise: "Danke, Sir."

Severus Stimme blieb neutral: "Die drei wurden der Schule verwiesen, weil sie Lehrkräfte angriffen - doch wenn Sie glauben, mir Dank zu schulden, dann verlange ich im Gegenzug von Ihnen, dass Sie Ihre Chancen nutzen und sich wieder den Dingen widmen, die schulisch relevant sind..."

Mira unterbrach ihn enthusiastisch: "Das werde ich, Sir, ganz sicher!"

"...nachdem Sie über das gesprochen haben, was vorgefallen ist", beendete er seinen Satz mit Nachdruck.

Mira sah ihn schockiert an, ehe sie den Kopf senkte und energisch schüttelte: "Es gibt nichts zu besprechen."

"Sie wissen, Miss Hayes, dass ich Sie dazu bringen könnte, jedes Detail zu erzählen, wenn Sie mich dazu zwingen. Sie verschließen in sich, was geschehen ist...aber es nur zu verdrängen schadet Ihnen! Sie müssen es verarbeiten."

"Ich kann das nicht verarbeiten...ich weiß nicht wie...ich...ich möchte nicht darüber sprechen - nicht...nicht mit Ihnen, Sir."

Es schien Mira unendlich viel Kraft gekostet zu haben, diese letzten Worte auszusprechen und ihr Gesicht war feuerrot geworden.

Ihre Stimme klang nun erneut panisch, als er nicht sofort etwas erwiderte.

"Bitte, Sir, zwingen Sie mich nicht...bitte nicht."

"Das werde ich nicht, Miss Hayes. Aber ich habe Ihnen ein Angebot zu machen. Ich kann - wenn das Ihr Wunsch ist - die Erinnerungen aus Ihrem Gedächtnis entfernen."

Er wartete ab, was sie erwidern würde, und für einen Moment glaubte Hermine, seine Selbstbeherrschung schwinden zu sehen, als Mira bitter erwiderte: "Macht mich das etwa auch wieder zur Jungfrau?"

"Nein, in der Tat wohl eher nicht", gab er schließlich zurück. "Die Erinnerungen zu entfernen, wäre auch nur die letzte Möglichkeit, falls Sie nicht den Mut aufbringen, über das Erlebte zu sprechen. Sie müssen das nicht mit mir tun...zu diesem Zweck ist Professor Granger hier."

Er sah zu Hermine, die ihm bestätigend zunickte. Severus erhob sich daraufhin und ging zur Tür. Als er sie schon geöffnet hatte, sagte Mira leise: "Danke Sir." Er nickte ihr kurz zu und verließ dann den Raum.

Kaum hatte er die Tür hinter sich geschlossen, schlug sich Mira die Hände vor die Augen, und ihre Stimme klang zitternd: "Er hat gesehen, was die mit mir gemacht haben...ich dachte, ich müsste sterben, als er mich hierher zitierte."

"Das kann ich mir gut vorstellen", erwiderte Hermine leise und rückte ihren Stuhl neben Mira, um sie in die Arme nehmen zu können.

"Die waren zu dritt, und ich ganz alleine...es war schrecklich..."

Und dann begann Mira die Geschehnisse wie ein Wasserfall hervorzusprudeln.

Hermine hörte ihr zu und konnte spüren, wie die Ohnmacht der Schülerin sich langsam in Wut verwandelte. Eine heilsame Wut, die längst fällig gewesen war.

Die Brutalität und die Scham hatten Mira das Gefühl gegeben, all das tief in sich verbergen zu müssen, bis sie es selbst vielleicht vergessen könnte.

"Ich habe irgendwie sogar versucht, zu glauben, dass das wirklich mit meinem Einverständnis geschehen sei", sagte Mira mit einer Mischung aus Bitterkeit und Unglauben, "das war irgendwie einfacher...und ich fühlte mich dadurch auch vor dem Professor nicht so hilflos und schwach. Ich habe gedacht, er glaubt, dass ich es ohnehin nicht besser verdient hätte."

"Wie kamst du darauf?", fragte Hermine, und versuchte, ihre Bestürzung nicht durchklingen zu lassen.

Mira schüttelte den Kopf und ihre Augen füllten sich mit Tränen.

"Ich weiß nicht - als er gesehen hat, was passiert ist, da habe ich mich so geschämt...ich hatte Angst, es tat furchtbar weh und ich wollte nicht, dass er von all diesen Dingen weiß. Es schien mir sicherer, wenn ich behaupte, dass ich es selbst so wollte. Ich war ziemlich froh, als er mir glaubte und mir eine Strafarbeit gab - in Wahrheit hat er mir wohl doch nicht geglaubt, wie ich jetzt weiß. Er hat dafür gesorgt, dass die drei die Schule verlassen mussten. Und jetzt spüre ich, dass er auch damit recht hatte, dass ich das Ganze verarbeiten muss. Ich bin froh, dass er dafür sorgte, dass ich mit Ihnen sprechen kann."

Hermine ließ das Mädchen reden, das endlich in der Lage war, den Selbstbetrug hinter sich zu lassen, bevor er zu einem festen und zerstörerischen Bestandteil ihres Lebens werden konnte.

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Als Hermine später in der Universität ihren Studenten gegenüberstand, musste sie oftmals an das Gespräch mit Mira denken. Wie jede junge Frau, hatte sie sich den Verlust ihrer Jungfräulichkeit als etwas ganz Besonderes vorgestellt - statt dessen war er zu einer absolut widerwärtigen Erinnerung geworden. Doch der erste Anstoß für eine Aufarbeitung war gemacht, und Mira würde sich Poppy anvertrauen, die sie auf dem weiteren Weg begleiten würde. Hermine hatte ebenfalls versichert, dass sie jederzeit für Mira ansprechbar sein würde, auch wenn dieser Kontakt natürlich über Severus hergestellt werden müsste.

Als Hermine nun durch die Reihen der jungen Leute vor ihr blickte, kam ihr der Gedanke, wie viele von ihnen wohl ebenfalls Dinge mit sich herumtrugen, die sie so tief in sich verschlossen hatten, dass sie nach einiger Zeit schon selbst nicht mehr würden ergründen können, woher ihre depressiven Verstimmungen stammten.

Mira jedoch würde ihren Weg gehen, da war sich Hermine sicher.

Als Severus den Raum wieder betreten hatte, hatten sich Schülerin und Lehrer offen in die Augen gesehen. Was immer Severus Hermine auch in Bezug auf seine Neigungen gestanden hatte; in diesem Moment war er ein besorgter Hauslehrer, dem das Wohl der jungen Slytherin am Herzen lag, und dessen einziger Wunsch es war, dass sie über das Erlebnis hinwegkam.

Nachdem Mira zum Unterricht aufgebrochen war, war Hermines und Severus Verabschiedung recht knapp ausgefallen: "Komm heute nachmittag zu mir, damit wir über die Ordensangelegenheiten sprechen können", hatten seine Worte gelautet, bevor er seine Miene verschlossen hatte.

Seine neue Distanz war unübersehbar, doch Hermine schwor sich, um diesen Mann zu kämpfen, bei dem Grausamkeit und gut verstecktes Mitgefühl aufreibend nah beieinander lag.

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Er empfing sie am Nachmittag mit unergründlicher Miene.

So, wie er sich benahm, wunderte sich Hermine fast darüber, dass er sie in seiner Wohnung, und nicht in seinem Büro empfangen hatte.

"Setz dich", sagte er, und deutete mit der Hand auf die Couch.

Er kam ohne Umschweife zum Thema.

"Wir werden den Orden natürlich über Berenger und seine Anhänger in Kenntnis setzen. Es wird jedoch nicht nötig sein, zu sehr auf deren Rituale einzugehen. Natürlich habe ich Albus darüber unterrichtet, doch er hat entschieden, dass es für die anderen Mitglieder nicht relevant ist, auf welche Weise du an deine Informationen gelangst.

"Natürlich nicht...", erwiderte Hermine dumpf.

"Auch meine Bitte, dich von deiner Aufgabe zu entbinden, wurde von Albus abgelehnt. Doch wenn du selbst diesen Wunsch äußerst, dann wird er dir wohl kaum Steine in den Weg legen..."

"Das werde ich nicht tun", fiel sie ihm ins Wort.

Er fuhr fort, als habe er sie nicht gehört: "Ein weiteres Thema wird die massive Umwerbung des Ministeriums sein. Man wird nicht aufhören, dich ködern zu wollen..."

"Ich denke doch!" unterbrach sie ihn abermals, was er mit einem ärgerlichen Stirnrunzeln quittierte.

"Was veranlasst dich zu diesem Gedanken?", fragte er gedehnt.

Hermine überlegte sich ihre Worte gut.

"Weil ich Charles Grant seinen Vorgesetzten habe ausrichten lassen, dass ich keine weiteren Angebote wünsche...und..."

"Und was?"

"Und dass ich keinerlei Avancen von Grant mehr dulde."

Einen Moment sah Severus sie nachdenklich an, ehe eindeutig Leben in seine Züge kam.

"Hermine...was immer du nun auch tun wirst, da unsere Beziehung beendet ist...um eines möchte ich dich bitten - begib dich nicht in die Hände des Ministeriums."

"Unsere Beziehung ist nicht beendet! Ich sagte dir, dass ich dich nicht freiwillig aufgeben würde!", sagte Hermine laut, ehe sie leiser fortfuhr: "Und was soll das heißen, dass ich mich nicht in die Hände des Ministeriums begeben soll? Wenn ich mich in Grants Hände begeben würde, dann wäre dir das also egal, oder wie soll ich das verstehen?"

Severus schnaubte geräuschvoll: "Da Grant das Ministerium verkörpert, wäre es mir nicht egal."

"Und das ist der einzige Grund?"

"Ja."

Hermine brauchte einen Moment, um diese Antwort zu verdauen, dann sagte sie leise: "Du lügst...so schnell kann niemand eine Beziehung abhaken...auch du nicht!"

"Ich wäre mir da an deiner Stelle nicht so sicher, Hermine. Lass es nicht darauf ankommen, dass ich es dir beweisen muss."

Seine Worte lagen als eindeutige Drohung in der Luft.

"Wovor hast du nur diese Angst?", fragte sie eindringlich.

"Es ist alles gesagt - du kannst jetzt gehen."

Hermine riss die Augen ungläubig auf und fixierte ihn eingehend.

"Du weichst mir aus?"

"Nein, ich habe nur keine Lust, Fragen zu beantworten, die wir bereits geklärt haben. Ich sagte dir, dass es vorbei ist. Glaubst du eigentlich, dass nur du die Entscheidung darüber hast, ob wir eine Beziehung haben, oder nicht? Ich muss dich enttäuschen, Hermine...ich habe mich entschieden, mich anderweitig umzusehen. Und das rate ich auch dir!"

Hermine blieb noch einen Moment sitzen, ehe sie sich wie betäubt erhob.

"Anderweitig...", wiederholte sie benommen.

"Ja, anderweitig", bestätigte er knapp und wies entschieden auf die Tür.

"Ich weiß, dass du mir nur weh tun willst, damit ich aufgebe", brachte sie mühsam hervor.

Er schüttelte entschieden den Kopf: "Nein, ich will dir nicht weh tun...und ich werde es zu verhindern wissen - geh jetzt!"

Hermine erkannte, dass er ihr keine Chance auf ein weiteres Gespräch geben würde. Sie verließ den Kerker in der Gewissheit, dass er seinen Plan durchziehen würde, auch wenn sie ihm tausendmal sagte, dass sie ihn nicht aufgeben wollte.

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"Du weißt doch, dass du jederzeit Willkommen bist, nicht nur, wenn der Orden sich hier trifft. Hermine, du siehst so blass aus. Ich glaube, ich sollte dir mein Rezept für den Mit-jedem-Biss-die-pure-Kraft-Kuchen mitgeben. Er schmeckt ganz passabel, wenn man die geriebenen Quellbohnsamen rauslässt. Man büßt dann vielleicht ein wenig der kraftbringenden Wirkung ein, dafür muss man allerdings nach dem Verzehr auch nicht ständig...oh...ich rede und rede...geh doch schon mal ins Wohnzimmer - die anderen sind alle schon da. Ginny soll doch bitte mal in die Küche kommen, sagst du ihr das? Ich möchte dich wirklich wieder öfter sehen, Hermine - versprich mir das!"

Hermine versicherte Molly Weasley, dass ihr nächstes Zusammentreffen nicht erst bei einer Versammlung des Ordens stattfinden würde, und machte sich dann auf den Weg ins Wohnzimmer, wo das Stimmengewirr bereits den Raum füllte.

Ihr Blick wanderte kurz umher, als Ginny auch schon auf sie zukam.

"Du bist spät dran. Alles in Ordnung?"

"Ja", erwiderte Hermine und schenkte ihrer Freundin ein knappes Lächeln, "alles okay. Ähm...du möchtest bitte in die Küche kommen, lässt deine Mom ausrichten."

Ginny verdrehte kurz die Augen, ehe sie wisperte: "Sie hat da so einen neuen Punsch, den wir alle probieren sollen. Wenn der Lord Glück hat, dann schafft Mom es heute, den Orden auf einen Schlag auszuradieren."

"Ginny!", sagte Hermine entrüstet, konnte sich das Lachen jedoch nicht ganz verkneifen.

"Das war wirklich ein blöder Witz", sagte Ginny betreten, "aber ich hab dich zum Lachen gebracht"; gab sie dann mit einem Augenzwinkern zu bedenken.

"Du bist unverbesserlich", lachte Hermine und sah ihrer Freundin nach, die mit einem theatralischen Seufzen durch die Tür verschwand.

Als sie den Blick wieder durch den Raum schweifen ließ, erstarb ihr Lachen augenblicklich.

Es war wie ein Schlag in die Magengrube, als sie Severus neben Harry sitzen sah. Dieses Bild hatte sich ihr bereits beim vorherigen Ordenstreffen geboten, und es war jetzt noch merkwürdiger, als beim letzten mal.

Weder Severus, noch Harry schienen ihr Erscheinen bemerkt zu haben. Auf Severus' Stirn hatte sich eine steile Falte gebildet, während er scheinbar dringlich auf Harry einredete.

Ihr ehemaliger Mitschüler dagegen hob abwehrend die Hände und ein einziger Satz von ihm schien zu reichen, um Severus zum Verstummen zu bringen. Das Gefühl in Hermines Magengrube wurde noch mulmiger, als Severus plötzlich Harry vertraulich die Hand auf die Schulter legte, und sie glaubte jedes Wort lesen zu können, das sich auf Severus Lippen bildete: "Sie...müssen...es...schaffen!"

tbc