53. Kapitel
Trinke das Blut des Teufels und die Hölle bereitet dir einen warmen Empfang
"Er ist der eine, der uns alle leitet. Der eine, der uns die Kraft gibt, über uns hinauszuwachsen, und dem wir dafür unseren Dank schulden. Er empfing mich und gab mir die Kostbarkeit, die dich, Clarissa Holten zu seiner Dienerin machen wird. Bist du bereit, das Band zu knüpfen?"
Charles Grant, der wieder die Gestalt von Peter Deeping angenommen hatte, hielt die Phiole empor, in der die dunkelrote Flüssigkeit wie ein Rubin funkelte. Alle Anwesenden waren in ehrfürchtiges Schweigen verfallen.
"Ich bin bereit!", sagte Hermine mit volltönender Stimme, um dem Anlass gerecht zu werden.
Das heutige Treffen hatte völlig anders begonnen, als die vorherigen, und ein Teil von Hermine war mehr als erleichtert, dass sowohl die Selbstgeißelungen, als auch die Vereinigungen diesmal unterblieben.
Nun sah sie sich jedoch mit dem Trank konfrontiert, den Severus ihr angekündigt hatte.
Sie blickte auf die Phiole und versuchte sich mit der Tatsache zu trösten, dass dieses kleine Gefäß zuvor in Severus Händen gewesen war - dass es seiner Kunstfertigkeit zu verdanken war, dass dieses Gebräu existierte und ihr Blut gewandelt wurde. Gewandelt jedoch zu etwas Teuflischem, daran gab es wohl keinen Zweifel, denn es war vermischt, mit dem des Lords. Nur wenige Minuten trennten sie nun davon, sich in Voldemorts Dienerin verwandelt zu sehen. Grant spielte seine Rolle perfekt...beinahe zu perfekt, als er ihr zuraunte: "Trinke diesen Trank und du wirst meiner endlich würdig sein."
Berenger legte ihm daraufhin eine Hand auf die Schulter und sagte lachend: "Das wird bis zum übernächsten Treffen warten müssen, mein Freund. Du weißt, wie dieser Trank wirkt. In den nächsten Stunden wird sie einzig für den Lord existieren, bis die Wirkung sich relativiert hat, und sie wieder zu eigenständigem Denken fähig ist, und dennoch das feste Band der Dienerschaft spürt. Erst wenn sie nach dem nächsten Treffen vom Lord offiziell aufgenommen wurde, ist sie wieder die deine...aber du hast mich, mein Freund", sagte Berenger und strich Charles eine imaginäre Haarsträhne hinter das Ohr.
"Dann lasst uns beginnen", sagte Grant zu der kleinen versammelten Gruppe, kaum dass Berenger ihn berührte. Er reichte dem Pater das kleine gläserne Gefäß und senkte demütig den Blick, als er murmelte: "Ich bin nur der Überbringer - ein Diener, der mit Freude seine Pflicht erfüllt."
"Und du hast sie hervorragend erfüllt", erwiderte Berenger mit einem Lächeln. Dann sah er zu Hermine und hielt die Phiole empor. "Trinke sie in einem Zuge leer und du bist endlich ein vollwertiges Mitglied, das schon bald seine eigene Gruppe leiten wird."
Hermine nahm das kleine Gefäß entgegen und ihre letzten Gedanken galten Severus, als sie die Phiole öffnete und den Inhalt auf ihre Zunge schüttete. Während sie ihr eigenes, verändertes Blut trank, dachte sie daran, dass Severus sie von diesem schrecklichen Zwang befreien würde, den sie sich hier selbst auferlegte. Sie dachte es bis zu dem Augenblick, als sie die Flüssigkeit die Kehle hinunterlaufen ließ, und plötzlich änderte sich ihr Denken auf dramatische Weise. Unbändiger Hass durchdrang sie plötzlich und sie spie die Worte regelrecht aus: "Dieser Verräter muss sterben! Er soll für seinen Betrug am Lord bezahlen. Ich werde ihn töten...mit meinen eigenen Händen!"
Völlig außer sich, warf sie die Phiole zu Boden und war schon auf dem Weg zur Tür, ehe die anderen überhaupt begriffen, was passiert war. "Wir müssen sie aufhalten", rief Berenger panisch, ehe er stirnrunzelnd anfügte: "Von wem spricht sie überhaupt?"
Auf Grants Gesicht spiegelte sich tiefe Zufriedenheit ab und er hielt den Pater zurück, der Hermine hatte folgen wollen. "Wen immer sie meint...er wird diese Nacht nicht überleben", sagte Charles Grant und seine Gesichtszüge verzogen sich zu einem grausamen Grinsen, das Peter Deeping stets zur Schau getragen hatte, wenn er seine Beute soweit eingekreist hatte, dass die Tötung kurz bevor stand.
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Das Schloss schien sie beinahe mit offenen Armen zu erwarten. Niemand hielt sie auf, als sie das Portal durchschritt. Niemand sah sie, als sie die Stufen in die Kerker hinuntereilte. Ihr Klopfen an Severus' Tür wurde bald erhört. Er öffnete und sie lächelte ihn an.
"Hermine - das Treffen...ich dachte, du seist dort..."
"Dieser Idiot hat die Phiole fallen gelassen. Der Trank ist auf dem Holzfußboden des Pfarrhauses
gelandet. Man wird einen neuen benötigen. Das Treffen wurde frühzeitig beendet. Und ich bin hergekommen, damit ich dich sehen kann...ich wollte dich sehen, verstehst du?"
Severus nickte knapp, ehe er erwiderte: "Wer hat den Trank fallen lassen? Grant oder Berenger?"
"Was spielt das für eine Rolle? Der Trank ist ruiniert. Und ich bin hier...ich bin hier, Severus. Lass mich endlich herein und nimm mich in deine Arme", sagte sie und war so darauf konzentriert, endlich in seine Wohnräume zu gelangen, dass sie nicht einmal die Tür richtig hinter sich schloss. Er war ein paar Schritte zurückgwichen. "Moment", erwiderte er eilig und sah sich im Raum um. Hermine folgte seinem Blick und erkannte den Zauberstab, der auf seinem Schreibtisch lag.
"Accio Zauberstab!", rief Hermine, und hatte den ihren so schnell gezückt, dass Severus nur tatenlos zusehen konnte, wie sein Zaubererutensil ihr direkt in die Hände flog.
"Hermine...der Trank..."
"Der Trank hat mir die Augen geöffnet, du verräterisches Dreckschwein! Du betrügst den Lord! Jedes Wort aus deinem Mund ist eine Lüge! Du arbeitetest gegen den, dem wir alles zu verdanken haben! Ich werde dich dafür bestrafen, Snape! Ich werde dich so lange bestrafen, bis du vor unserem Meister alles zugibst, und dann werde ich zusehen, wie er dich tötet! Du hast den Tod verdient, Severus Snape. Und für jedes mal, da du meinen Körper berührt hast, wirst du nun bezahlen! Nein, ich glaube, ich werde dich selbst töten, und dem Lord deinen Leichnam als Trophäe überbringen, sobald ich endlich zu ihm darf."
"Hermine! Du weißt nicht was du tust! Bitte, lass mich nur an dieses Regal gehen...wir sprachen darüber, dass ich dir helfen würde, wenn du den Trank genommen hast. Bitte lass mich..."
"Halt dein Maul, du widerlicher Verräter", sagte Hermine gefährlich leise, dann fügte sie ein einziges Wort an, das so leise war, das Severus nur entsetzt den Bewegungen ihrer Lippen folgen konnte: "Crucio."
Er wollte noch etwas sagen - wollte erklären, warum sie sich so fühlte, wie sie sich fühlte - wollte ihr klar machen, dass es seine eigenen Zaubertrankbraukünste waren, die ihr jetzt diesen unbändigen Hass auf ihn bescherten. Doch es war zu spät. Der Schmerz schnürte ihm die Kehle zu, ließ ihn erzittern, sich winden und nach einem Ausweg aus dieser Pein suchen, und schließlich ließ er ihn wie zerschmettert am Boden liegen. Jede einzelne Faser in seinem Körper schien zerrissen worden zu sein. Er versuchte sich zu bewegen, als der nächste Cruciatus ihn mit einer Gewalt auf den Boden zurückschmetterte, dass er Knochen in seinem Brustkorb knacken hörte. Der Schmerz war überall. Atmen schien unmöglich. Es würde nicht lange dauern, bis er das Bewusstsein verlieren würde. Doch das durfte nicht geschehen, so erleichternd es derzeit auch wäre, um den rasenden Schmerzen endlich entkommen zu können. Doch wenn er jetzt ohnmächtig wurde, dann würde Hermine versuchen, ihn zum Lord zu bringen, und damit würde sie nicht nur ihn, sondern am Ende auch sich selbst verraten. Severus versuchte Hermines Blick zu suchen, doch da war nur Hass - unbändiger, grenzenloser Hass auf ihn. Bilder schossen ihm durch den Kopf, wie Voldemort Freude heucheln würde, über die treue Dienerin, die doch so offensichtlich eine Spionin war, die über die eigenen Pläne stolperte. Er würde sich einen Spaß daraus machen, sie durch die Gruppe der Todesser zu reichen, bevor sie endlich wieder einigermaßen zu Sinnen käme. Und dann würde die Hölle für sie erst richtig beginnen. Er selbst wäre zu diesem Zeitpunkt vermutlich schon tot. Es würde auch bei ihm lange dauern, bis der Lord sich seiner entledigen würde, doch Hermine würde er eindeutig länger behalten.
Severus versuchte zu sprechen, Blut sickerte aus seinem Mund und alles was er hervorbrachte, war ein blutiges Gurgeln.
"Bei Merlin! Hör auf!", erklang es plötzlich von irgendwoher.
Severus konnte nicht mehr sagen, wem die Stimme gehörte, obwohl er sie kannte. Der Schmerz wurde von ihm genommen und er versuchte Atem zu schöpfen, um sich dann mit übermenschlicher Anstrengung aufzurappeln. Ihm blieb nur diese eine Chance.
Doch kaum hatte er sich erhoben, sah er sich Hermine gegenüber, die erneut mit dem Zauberstab auf ihn zielte, ihr Blick war jedoch auf einen anderen Mann gerichtet. Es dauerte etwas, bis Severus diesen Mann als Harry Potter erkannte.
Hermines Stimme klang kalt: "Dieses Verräterschwein ist fällig! Und wenn es das letzte ist, was ich tue! Er wird sterben - jetzt!"
Sie öffnete schon ihren Mund für den Avada Kedavra, als Harry aus Leibeskräften schrie: "Der Mann, den du gerade töten möchtest, ist der Vater deines Kindes!"
Hermine hielt inne und sah mit einem ironischen Blick auf Harry. "Ich habe kein Kind!"
"Doch, hast du...es ist nur noch winzig klein, und du hast es vermutlich noch nicht bemerkt, aber du bist schwanger...von ihm!", fügte Harry an, und deutete auf Severus.
Hermine sah zu dem Mann, den sie über alles zu hassen glaubte, und versuchte Harrys Worte damit in Einklang zu bringen. Sie war schwanger? Schwanger von dem Bastard Snape? Der Lord würde toben, wenn er das erführe. Hermine war unschlüssig, was es als nächstes zu tun galt.
Diesen Moment der Unentschlossenheit nutzte Harry, um seinen Zauberstab auf sie zu richten und sie durch einen Petrificus Totalus zu lähmen. Severus wischte sich das Blut von den Lippen und holte das Gegenmittel, so schnell es ihm möglich war. Er sah Hermines, vor Hass lodernde Augen, als er den Trank in ihren Mund träufelte.
"Heben Sie den Zauber auf", wies er Harry dann an, und packte gleichzeitig Hermines Kinn, um es nach oben zu drücken und sie damit zum Schlucken zu zwingen.
Kein Wort drang über Hermines Lippen, als die Bande der Dienerschaft sich lösten. All ihre Kraft schien durch diesen unbändigen Hass auf Severus aufgebraucht worden zu sein. Er war der letzte, an den sie gedacht hatte, bevor sie den Trank geschluckt hatte, und er war der erste, der daher in ihrem Kopf gewesen war, als sie die Liebe zum Lord empfand. Und nun stand Severus hier vor ihr und war nur knapp dem Tode entkommen - einem Tode durch ihre eigene Hand. Er hatte ihr versprochen, ihr Leben zu schützen, und nun war sie es gewesen, die ihm beinahe das seine gewaltsam entrissen hatte. Harrys Worte hallten in ihrem Kopf und sie wusste, dass er Recht hatte. Sie wusste nicht, woher er die Information hatte, die ihr eigener Körper ihr erst ganz langsam preisgab. Sie war schwanger. Sie erwartete ein Kind von Severus Snape - von dem Mann, den sie um ein Haar vor ein paar Sekunden umgebracht hätte - von dem Mann, den sie über alles liebte. Alle Kraft war dahin, und Hermine fiel. Sie fiel scheinbar endlos und hoffte niemals wieder erwachen zu müssen. Dann war da nur noch Frieden.
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Als sie erwachte, spürte sie Arme, die sie festhielten. Sie fühlte, wie ein Kuss auf ihren Scheitel gedrückt wurde. Sie hörte leise gewisperte Worte. "Es war mein Fehler. Ich hätte damit rechnen müssen, dass du als erstes zu mir kommst. Ich hätte damit rechnen müssen, dass dein Hass ebenso stark und übermächtig, wie deine Liebe sein kann."
Sie wollte sprechen, doch ihre Kehle schien wie ausgedörrt.
"Sir, sie ist erwacht", erklang Harrys Stimme, der vor ihr stand und bislang stumm auf die beiden Liebenden gesehen hatte.
"Hermine, wie fühlst du dich?", fragte Severus leise und seine Hände strichen ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
Sie nickte leidlich, dann schwieg sie eine Zeit lang, weil sie keine Antwort wusste, statt dessen krächzte sie schließlich: "Wie fühlst du dich?"
Seine Stimme klang immer noch leise und seine Worte verdeutlichten, warum er flüsterte, so dass sie ihn kaum verstehen konnte: "Ich habe scheinbar ein paar gebrochene Rippen."
"Ja", meldete sich Harry zu Wort: "Und du hast ihm so viele Schmerzen verpasst, dass er seine Nerven wohl noch eine Weile brauchen, bevor sie aufhören, Feuer durch seinen Körper zu jagen. Leute wie ihr sollten echt keine Kinder kriegen. Das Ganze hat mich ziemlich überrascht, muss ich zugeben", fügte er dann kopfschüttelnd an.
Severus sah zu Hermine, um abzuschätzen, wie sie die Nachricht aufnahm, dass sie ein Kind von ihm in ihrem Körper trug.
Sie erwiderte seinen Blick, sah dann jedoch zu Harry und fragte: "Woher, in Merlins Namen, weißt du das überhaupt? Ich wusste es ja selbst nicht einmal, obwohl ich in der Tat schon lange überfällig bin...schon sehr lange."
"Weil du schwanger bist", stellte Harry nochmals trocken fest, dann fügte er sehr viel ernster an: "Ich weiß davon, weil ich es in meinem Traum sah. Der gleiche Traum, in dem du stirbst."
Es dauerte lange, bis Hermine antwortete: "Wenn es also stimmt, dass ich schwanger bin, dann muss ich wohl auch damit rechnen, dass du mit der Voraussage meines Todes recht hast. Wird das Kind leben, Harry? Werde ich es zur Welt bringen, bevor meine Zeit abgelaufen ist?"
Harry schüttelte den Kopf, nahm die Brille von der Nase und rieb sich die Augen: "Ich weiß es nicht, Hermine. Ich wünschte, ich könnte dir deine Frage beantworten, aber diese Träume sind wirr. Ich kann mir nicht aussuchen, was ich sehen möchte, und was nicht. Aber ich konnte fühlen, wie du ganz intensiv an dein Kind gedacht hast, und du wusstest, dass es von Severus Snape ist. Und ich sah, dass du stirbst. Ich weiß nicht, wann es soweit sein wird...ich weiß es einfach nicht. Eins kannst du mir glauben, Hermine...von allein wäre ich niemals auf so einen verrückten Traum gekommen, also musste es wohl wahr sein. Ich wollte Professor Snape sofort von meinen neuen Erkenntnissen berichten, und war sehr erstaunt, dass die Tür nicht verschlossen war. Das war ein Glück, denn sonst wäre dein Kind jetzt bereits Halbwaise. Ihr habt scheinbar eine merkwürdige Art, miteinander umzugehen", fügte er dann mit einem missglückten Lächeln an.
Hermine schwieg zu dieser Bemerkung und vergrub das Gesicht in ihren Händen.
Sie spürte, wie Severus sie vorsichtig berührte und wurde sich darüber bewusst, dass es ihn enorme Kraft kosten musste, in seinem Zustand auch nur die kleinste Bewegung zu machen, dennoch fühlte sie, wie er sie an sich zog. Hermine wich ein Stück von ihm, um ihn nicht schmerzhaft zu berühren, sah ihm jedoch tief in die Augen.
"Ein Kind", flüsterte sie leise und beinahe fragend.
"Von jetzt an wird alles anders", erwiderte er und Hermine fühlte, dass diese Worte eine tiefe Bedeutung hatten, die ihr unwillkürlich Furcht einflößten.
tbc
Ich habe mich unendlich über eure Reviews zum letzten Chap gefreut!
Ich möchte auch denen nochmal herzlich danken, die Anmerkungen, Kritik und Lob anonym hinterlassen haben, und denen ich daher leider nicht persönlich antworten konnte.
Die Rückmeldungen haben sehr gut getan...und das würden sie natürlich auch diesmal! ;)
LG, Kira
