Liebe Leser,

dieses Kapitel habe ich in zwei Teile gefasst, da es ansonsten zu lang geworden wäre. Ich hoffe, dass so ein angenehmeres Lesen möglich ist. Daraus ergibt sich am Ende des Kapitels allerdings...ähm...na, das seht ihr ja dann selbst +g+

54. Kapitel

Zweimal Hölle und zurück - das Tor (Teil 1)

Gedämpfte Geräusche erklangen aus Severus' Schlafzimmer.

Hermine hätte den Schaden so gerne wieder gut gemacht, den sie Severus' zugefügt hatte, doch sowohl Harry, als auch Severus selbst, hatten sie davon abgehalten, sich näher mit seinen Verwundungen auseinanderzusetzen.

Und so saß sie da und versuchte die Geschehnisse dieser Nacht zu verarbeiten, während Harry Severus half, die Rippen zu heilen und verschiedene Zauber zu sprechen, die die malträtierten Nerven heilsam beeinflussen sollten, bis Severus in der Lage wäre, die geeigneten Tränke selbst herzustellen, die für seine weitere Heilung von Nöten wären. Hermine wagte sich nicht, ihm erneut Hilfe anzubieten, nachdem ihr unmissverständlich klar gemacht worden war, dass sie sich raushalten sollte.

Es war bereits früher morgen, als die Tür sich öffnete und Severus, von Harry gefolgt, hinaustrat.

Hermine erhob sich und ging schweigend auf ihn zu. Zögerlich stand sie vor ihm, unfähig auch nur ein Wort zu sagen. Ebenso wortlos umarmte er sie und ließ sein Kinn auf ihren Kopf sinken.

"Ich werde dann mal gehen", murmelte Harry.

"Wir sehen uns heute Abend, Mr. Potter", verabschiedete Severus sich so versöhnlich von Harry, wie Hermine es nie zuvor aus seinem Munde vernommen hatte.

"Ich werde herkommen", erwiderte Harry, ehe er leise die Tür hinter sich schloss.

Hermine genoss Severus' Umarmung als Zeichen, dass er ihr vergeben hatte.

Lange standen sie so da, bevor Severus sie schließlich sanft von sich schob, um ihr in die Augen zu blicken.

"Ich werde den Orden informieren...wir müssen einen Weg finden, dich aus all dem herauszuhalten."

"Ich kann jetzt nicht aussteigen, Severus..."

"Du MUSST aussteigen, Hermine! Und du WIRST aussteigen!"

Hermines Gesicht verdüsterte sich zusehends.

"Du glaubst, nur weil ich schwanger von dir bin, kannst du mir das befehlen?"

"Nein! Ich befehle es dir, weil ich dein Training übernommen habe - und alles gescheitert ist."

"Gescheitert? Du meinst, ich habe versagt? In welchem Punkt habe ich versagt? Ich habe alles über mich ergehen lassen, was nötig war...ich habe mich zu einer Dienerin Voldemorts gemacht, um meine Rolle perfekt zu spielen...bei Merlin, ich hätte dich beinahe getötet, so perfekt bin ich in diese Rolle geschlüpft! Wo, zum Teufel, habe ich versagt?"

Severus schüttelte zornig den Kopf. "Nicht DU hast versagt, sondern ICH! Ich habe meine eigenen Regeln gebrochen!"

Hermine spürte unbändigen Zorn in sich aufsteigen.

"Was für Regeln sollen das sein? Etwa die, dein Erbgut nicht weiterzugeben? Dein Sperma nicht im Schoß einer Frau zu verspritzen, die die Aufgabe hat, sich einer Gruppe fanatischer Anhänger des Lords hinzugeben und jedem zu Willen zu sein, der glaubt, Anspruch auf sie erheben zu können? Wir stehen vor einem schrecklichen Chaos, Severus...ein unmenschliches, grauenhaftes Chaos...aber wir wussten es vorher! Ändert meine Schwangerschaft all das?"

"Ja, verdammt, das tut sie!", fuhr er sie wütend an, "ich habe versagt, weil ich dich liebe - kannst du das nicht verstehen? Ich bin selbst schuld, dass du mich beinahe getötet hättest...ich hätte es verdient, verdammt nochmal...dafür, dass ich dieses Gefühl mein Handeln habe beeinflussen lassen. Ich kann mir das nicht leisten, Hermine! Ich gehöre zum inneren Kreis der Todesser...ich bin ein Mörder...ein...bei Merlin...lass mich das nicht alles erklären...du weißt, WAS ich bin!"

"Ja, ich weiß, was du bist...du bist der Mann, den ich liebe...und du bist der Vater meines Kindes."

"So schnell schon hast du dich daran gewöhnt? Und doch glaubst du, weitermachen zu können, wie bisher...glaubst du wirklich, ich schicke dich noch einmal dort raus? Glaubst du, ich lasse es zu, dass dieser Scheißkerl Grant auch nur einen Finger an dich legt?"

Hermine schüttelte ungläubig den Kopf. "Und glaubst du etwa, dass ich diesen Gedanken besser als du ertrage? Aber ich wüsste keinen Weg, wie ich dem entgehen sollte. Severus, bitte sei vernünftig...ich weiß, dass dich das völlig aus dem Konzept bringt...lass uns in Ruhe überlegen, was zu tun ist."

"Ich weiß was zu tun ist...du bist ab sofort aus der Sache raus, das ist mein letztes Wort - als dein Mentor, und als der Vater deines Kindes!"

"Du machst dir die Sache zu leicht", erwiderte Hermine dunkel.

"Ich habe nicht darum gebeten, Vater zu werden", gab er hart zurück.

"Nein, das hast du wohl nicht...und ich nicht darum, jetzt bereits Mutter zu werden...ich sollte besser gehen. Ich habe ein Leben, Severus...ich muss noch etwas schlafen, und dann muss ich zur Uni...ich muss unterrichten...und ich habe eine Aufgabe für den Orden zu erfüllen...ich kann jetzt nicht alles hinschmeißen, versteh das doch! Ich werde heute Abend ebenfalls herkommen...ich denke, alles was Harry zu sagen hat, geht auch mich etwas an."

Er erwiderte nichts, sondern sah nur stumm zu, wie sie seine Wohnung verließ, bevor er systematisch damit begann, alles was ihm in die Finger kam, gegen die nächstbeste Wand zu schmettern.

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So sehr sie auch darauf bestanden hatte, dass sie ihr Leben fortführen musste wie bisher, so ungläubig betrachtete Hermine sich selbst, als sie am Morgen, gleich nach einem kurzen Abstecher in ihre Wohnung, zur Uni ging.

Harrys Offenbarung war, wenn Hermine ehrlich war, immer noch nicht gänzlich bis zu ihr vorgedrungen.

Sie war überwältigt von der Tatsache Severus' Kind in sich zu tragen, von dem sie noch rein gar nichts spürte...und sie war ebenso überwältigt von Angst...ihrer eigenen und von der von Severus.

Der einzige augenblickliche Ausweg aus dem Gedankenchaos, war ein geregelter Tagesablauf. Und auch wenn die Müdigkeit sich gegen späten Vormittag bereits gewaltsam Bahn brechen wollte, so führte sie ihre Vorlesung doch mit der gleichen mitreißenden Begeisterung, wie ihre Studenten es gewohnt waren.

Gegen Mittag setzte sie sich nicht in die Mensa, sondern auf eine der Bänke, die im Park standen. Hermine dachte an Ginny, die sie sich jetzt sehnlichst herwünschte...doch als ein Schatten auf sie fiel, war ihr sofort bewusst, dass es nicht ihre Träume waren, die erhört wurden, sondern ihr Albtraum auf geradezu niederträchtige Weise Gestalt annahm.

"Ich bin überrascht, Sie heute hier zu sehen...nach dieser Nacht", sagte Charles Grant und blickte sie eingehend an.

Hermine fixierte ihn mit wütendem Blick.

"Und ich bin überrascht, dass Sie es wagen, mich anzusprechen!"

"Warum sollte ich Sie nicht ansprechen? Ich bin um Sie besorgt, das habe ich nie verhehlt"

"Nein, Grant, das haben Sie nicht! Ebenso wenig wie Ihren Hass auf Professor Snape."

"Mir schien es gestern so, als seien auch Sie alles andere als gut auf ihn zu sprechen. Ich gehe davon aus, dass Sie ihn mit dem Verräter meinten - denn er ist einer, nicht wahr? Wenn ich mich recht entsinne, so wollten Sie ihn töten. Darf ich fragen, ob Sie Erfolg damit hatten?"

Hermine lachte ein ungläubiges Lachen.

"Gehört eigentlich zur Grundausbildung im Ministerium ein Arschlochkurs?"

"Ich habe selbiges für Sie gestern erneut hingehalten, Professor Granger!", fuhr er sie plötzlich wütend an.

Hermine sah ihn einen Moment schweigend an, dann sagte sie mit kalter Stimme: "Nicht für mich Charles, sondern für Ihren Auftraggeber...für das Ministerium! Hören Sie auf, mir die Schuld zu geben."

"Dann wäre es Ihnen also auch recht gewesen, wenn Berenger Sie verfolgt hätte, statt sich von mir besänftigen zu lassen?"

"Ich glaube keine Sekunde lang, dass Sie ihn aufhielten, um mich zu schützen. Sie rechneten doch fest damit, dass Snape von meiner Hand sterben würde, nur deshalb hielten Sie Berenger auf, damit er MICH nicht aufhält. Sie HOFFTEN, dass ich Snape töte!"

"Ja, darauf hoffte ich", gab Grant ohne Umschweife zu, "aber ich habe wohl vergeblich gehofft und mich umsonst diesem homosexuellen Bastard Berenger ausgeliefert. Wie dem auch sei, ich bin gespannt, wie Sie sich beim nächsten Treffen schlagen, wenn Sie dem Lord gegenüberstehen...aber noch mehr bin ich auf das übernächste Treffen gespannt, wenn Sie MIR gegenüberstehen werden. Snape interessiert mich nicht länger - wir haben eine Vereinbarung was Ihre Rolle angeht. Schon bald sehe ich mich gezwungen, die meine ebenso überzeugend zu spielen, und Sie für würdig zu erklären - ich kann es kaum erwarten." Damit lächelte er sie kurz an, drehte er sich um, und ging mit langsamen Schritten zurück zum Universitätsgebäude.

Hermine spürte die lodernde Wut in ihrem Bauch. Ein unbändiger Drang stieg in ihr auf, Grant hinterherzustürzen und ihren Zauberstab an seine Kehle zu halten.

Er war also erneut Berengers Leidenschaft zum Opfer gefallen, nachdem sie das Treffen verlassen hatte - doch diesmal spürte sie kein Mitleid, denn sie wusste, dass er in seinem kranken Geist darauf sann, es ihr doppelt und dreifach zurückzuzahlen.

Hermine legte schützend ihre Arme um ihren Unterleib.

Es gab keinen Weg, sich zu schützen...außer dem, zu fliehen. Doch das alles war kein Spiel - es gab keine Möglichkeit zu fliehen. Egal, was sie nun tat, es würde ihr nicht gelingen, sich einfach so aus alledem herauszuhalten.

Sie versuchte ihre Atmung unter Kontrolle zu bringen und musste schon bald einsehen, dass es ihr nicht gelang.

Nach einer Stunde lag sie in ihrer Wohnung auf der Couch und flehte zu Merlin, dass die Übelkeit sich wieder legen würde, die das Gespräch mit Grant hervorgerufen hatte. Sie hatte die nachmittäglichen Stunden in der Uni absagen müssen, weil sie sich kaum noch auf den Füßen hatte halten können. Es war nicht die Schwangerschaft, die die Übelkeit hervorrief, sondern der unbändige Hass auf den Mann, der sie schon bald in seine Finger bekommen würde, und dem sie sich hingeben musste, was immer es sie auch kosten würde. Allein der Gedanke sorgte dafür, dass sie nun schon zum zweiten mal ihr Bad eilends aufsuchen musste, um sich heftig in die Kloschüssel zu erbrechen.

Mühsam erhob sie sich schließlich wieder und blickte in den Spiegel. Was ihr begegnete, ließ sie erschrecken, denn als hätte jemand ihren Muggelspiegel mit Magie versehen, fand sie auf der glatten Oberfläche ein Bild vor, das unmöglich wirklich dort sein konnte. Sie sah sich selbst, inmitten von Severus' Bild 'Übergang zur Hölle'. Es war unmöglich, und doch wusste sie, dass das harte Training dafür gesorgt hatte, dass sie genau dieses Bild vor sich sah, wenn sie drohte zu versagen.

Severus hatte einmal gesagt, dass es ein Mahnmal für ihn sei - nun verstand sie, was er gemeint hatte. Es war als Mahnmal ebenso grausam wie als Bild selbst, denn es sorgte dafür, dass sie sich darauf besann, was sie gelernt hatte.

Den Geist abschalten - Grausamkeiten und Demütigungen mit Freude hinnehmen...die Rolle wahren...Severus hatte ihr all das mit harter Hand beigebracht - sie würde nicht versagen...nicht jetzt...nicht, wenn sie es irgendwie verhindern konnte.

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Gegen Abend hatte Hermine ihren Entschluss in die Tat umgesetzt und erneut Hogwarts aufgesucht. Sie fand Severus noch allein vor, was sie sehr erleichterte, denn sie musste ihm unbedingt erklären, warum sie ihren Plan weiterverfolgen würde. Es galt die Strukturen zu erkennen, mit denen der Lord das neue Netz aus Macht sponn. Nur wenn sie verstanden, wie es geknüpft war, wäre der Orden in der Lage, es zu zerstören.

Hinzu kam die Tatsache, dass das Ministerium durch Grants Rolle als Peter Deeping eine stärkere Position eingenommen hatte, obwohl Hermine in Wahrheit schon länger in der Gruppe agierte. Sie hatte jetzt die Möglichkeit, den Ausgleich zu schaffen und in die Systeme der Gruppe um Berenger vollends vorzudringen. Sie durfte diese Chance nicht verstreichen lassen. Die Anführer unter den Muggeln leiteten Gruppen, deren Größe bislang immer noch im Dunkeln lag. Wenn sie durchhielt, dann wäre sie bald selbst die Leiterin einer solchen Gruppe und könnte wichtige Informationen liefern. Sie musste herausfinden, mit welchen Mitteln Voldemort diese Leute kontrollierte, und verhindern, dass er die Muggel in einen Kampf schicken würde, bei dem es ihm gleichgültig war, dass ein riesiger Anteil von ihnen getötet werden würde. Hermine kam nicht umhin, die verblendeten Muggel mit kritischen Gedanken zu belegen, doch darum ging es nicht...es ging um die Tatsache, dass der Orden - selbst, wenn er sich mit dem Ministerium verbünden würde - niemals gegen eine solche Übermacht ankäme, wenn der Lord diese Massen wie Schafe in die Schlacht führte, damit sie mit ihrem Blut all das ertränkten, was noch an Menschlichkeit und Widerstand vorhanden war.

Severus hatte sie zur Begrüßung geküsst...ein Lichtblick für Hermine, dass er ihr zuhören würde, doch schon als sie den ersten Satz sagte, knurrte er sie an, dass seine Meinung feststehe. Hermine spürte abermals Wut in sich.

"Wenn ich nicht vor den Lord trete, dann wird alles einstürzen, wofür ich gekämpft habe. Du hast gesagt, dass du für meine Tarnung beim nächsten Treffen sorgen wirst. Erläutere mir diesen Plan!", sagte Hermine in einem Ton, der so fest klang, wie ihr Blick auf ihrem Gegenüber lag.

"Du kannst so nicht vor den Lord treten. Was ist, wenn er es herausfindet?"

"Dann wird er sich freuen, dass der Anführer seines inneren Kreises mich geschwängert hat."

"Er wird dir das Kind aus dem Leib schneiden, wenn er dich als Verräterin durchschaut. Hast du vergessen, dass die Prophezeiung deinen Tod ankündigt? Was ist, wenn er mich dazu zwingt, unser Kind zu töten? Hast du dir diese Möglichkeit überlegt? Es klingt durchaus nicht abwegig, dass ich selbst es sein werde, der die blutige Tat ausführen muss...Voldemort liebt den Imperius."

"Du bist in der Lage, dich dagegen zu wehren."

"Nicht, wenn er mich zuvor mit Flüchen beinahe umbringt...und selbst wenn ich mich wehren könnte...glaubst du, das würde uns retten? Willst du sterben, Hermine? Sag mir, WILLST DU STERBEN?"

"Wenn ich nicht gehe, ist das keine Garantie dafür, dass ich nicht sterben werde...verdammt Severus...nein, ich will nicht sterben! Ich will, dass alles gut wird...wolltest du das hören? All die Wochen über bringst du mir bei, was es heißt, wenn man nur Grausamkeit und Demütigung zu erwarten hat - und nun möchtest du, dass ich mich in Träumen über unsere Zukunft ergehe? Was ist mit dir? Siehst du etwa schon vor dir, wie du ein Baby in den Armen schaukelst?"

"Warum nicht? WARUM NICHT?", schrie er zornig.

Hermine schwieg einen Moment und sah ihn an, als sähe sie ihn zum ersten Mal in ihrem Leben.

Sie sah seine Knöchel, die weiß geworden waren, als er die Hände zu Fäusten ballte. Sie sah die Ader auf seiner Stirn pulsieren, die sie inzwischen so gut kannte. Sie sah seine Augen, die vor Wut loderten. Es war grotesk, sich diesen Mann vorzustellen, wie er ein neugeborenes Kind im Arm hielt...und doch...die Maske Severus Snapes' hatte einen Riss bekommen...einen gefährlichen, wie Hermine voller Panik erkannte.

Wenn er begann schwach zu werden, so musste sie um so stärker sein. Er hatte sie all die Wochen über Härte gelehrt, hatte sie gequält und gedemütigt, hatte sie gnadenlos in das Bild geschickt und ihr befohlen, Dinge zu sagen, die sie nie im Leben hatte sagen wollen. Er hatte sie zu einem Menschen gemacht, der Pläne verfolgte, selbst wenn es sie umbringen würde...und das ungeborene Kind ebenso. Als sie nun seinen Blick sah, wurde ihr klar, dass er genau das erkannte.

Er wich ihrem Blick nicht aus...das hatte er nie getan, doch was sie darin sah, ließ sie erschaudern.

Seine Stimme klang nun sehr viel weniger wütend.

"Du musst aufhören, Hermine."

"Das kann ich nicht."

"Warum, verdammt?"

"Weil ich es so gelernt habe...weil du der beste Meister warst, den man sich vorstellen kann...weil ich mein Ziel erreichen muss."

"Das wirst du, Hermine...das Ziel ist dein Tod, wie wir wissen...und ich bin sicher, dass du das erreichen wirst," erwiderte er zynisch.

"Dann wird es so sein."

"Nein - nein...das wird es nicht..."

Severus wurde durch ein Klopfen an seiner Tür unterbrochen. Als er nicht seinen Zauberstab benutzte, sondern selbst zur Tür ging, um sie zu entriegeln, erkannte Hermine, wie kraftlos er wirkte. Automatisch straffte sie ihre Gestalt. Wenn er kraftlos war, so musste sie dafür um so stärker sein. Das Bild in ihrem Kopf ließ keine andere Möglichkeit zu.

Der neue Gast schien die Stimmung sofort zu bemerken, die sich seit seinem letzten Besuch merklich geändert hatte.

"Vielleicht solltest du besser gehen", sagte der Tränkemeister zu Hermine, die ihm daraufhin einen vernichtenden Blick zu warf. "Die Angelegenheiten des Ordens sind nicht länger deine Sache", fügte Severus an, was Hermine zur Weißglut brachte.

"Ich bin nach wie vor ein Ordensmitglied - wenn ich mich nicht täusche, so hast du allein überhaupt nicht das Recht, mich von der Gruppe auszuschließen."

Einen Moment lang funkelte er sie wütend an, dann knurrte er: "Ich werde mit Albus reden."

"Ich ebenfalls", erwiderte Hermine.

Harry blickte mit gerunzelter Stirn zwischen Hermine und Snape hin und her.

Er fühlte sich ein wenig, als sei er zwischen ein streitendes Löwenpärchen geraten, wobei diese Löwin hier scheinbar bereit war, dem Mähnenträger gehörig die Krallen um die Ohren zu hauen.

Harry hätte am liebsten versucht, sich unsichtbar zu machen, doch ohne Tarnumhang war dies ein aussichtsloses Unterfangen, das geradezu lächerlich wirkte. Und so wartete er darauf, endlich eine Gelegenheit zu finden, seine wichtigen Informationen an Snape weiterzuleiten.

Nie zuvor hatte er seinen ehemaligen Lehrer so erlebt.

Jedes Treffen, das sie in den letzten Wochen miteinander abgehalten hatten, hatte sich allein auf Aufträge beschränkt, die dem Ziel des Ordens galten - eingeschlossen Snapes Anweisung, dass Harry seine Quidditch-Karriere aufgeben musste, um die Stelle im Ministerium überzeugend antreten zu können...er hatte ihn dafür gehasst! Nicht Dumbledore, der zweifellos seinen Segen zu dieser Entscheidung gegeben hatte, sondern Snape - der mitleidlos Spott über ihm ergossen hatte, als Harry am Boden zerstört gewesen war.

Snape, der von jedem forderte, sein Leben einfach in den Müll zu kippen, nur weil er selbst seines so endgültig und rasant damals in den Dreck gefahren hatte...ein Mann, der Vergnügen daraus zog, zu sehen, wenn die Welt anderer Leute ebenso zerbrach.

Versuchte er hier verzweifelt, ein abermaliges Zerbrechen seiner eigenen Welt zu verhindern? Es erschien Harry so, da der Tränkemeister so vehement gegen Hermines Überzeugungen, und damit eindeutig für ihren Schutz, kämpfte. Als sich nun der Kurs seines ehemaligen Lehrers änderte, spürte Harry, wie eine Gänsehaut seinen Körper überzog.

"Albus wird vermutlich DIR recht geben - weil er glaubt, dich für die Pläne zu brauchen. Aber wir werden es auch so hinbekommen. Ich werde Kontakt mit dem Ministerium aufnehmen...ich werde mir überlegen, wie Charles Grant deinen Ausstieg aus der Gruppe glaubhaft begründen kann."

"Das wird er nicht tun...das würde seine persönlichen Pläne kreuzen", erwiderte Hermine dunkel, mit einem Seitenblick auf Harry, der keine Kenntnis über die grausamen Details erfahren sollte.

Severus verstand den Wink und verstummte, doch seine Kiefer mahlten, als wünschte er, Grants Knochen dazwischen zu zermalmen.

Harry spürte, dass endlich der Punkt gekommen war, an dem er ansetzen konnte. Was immer die beiden ihm auch glaubten zu verschweigen, es wurde Zeit, dass sie erfuhren, was er zu berichten hatte. Einen Moment betrachtete er Snape nochmals eingehend. Er wirkte plötzlich so gänzlich anders auf ihn. Sicher, Hermine trug sein Kind, doch würde allein das einen Mann wie Snape weich machen und so aus der Fassung bringen?

Wie würde er erst aus der Fassung geraten, wenn Harry ihm nun erzählte, was sich an diesem Nachmittag im Ministerium ereignet hatte?

tbc

Ach so ja...daraus ergibt sich hier ein Cliffhanger.

Wie schnell möchtet ihr denn das neue Update:)