Liebe Leser,
ich habe mir ein wenig künstlerische Freiheit bei der Geschichte um die Zerstörung der Zeitumkehrer erlaubt. Ich hoffe, ihr könnt damit leben, dass ich diesen eigenwilligen und absolut machtvollen Werkzeugen meine eigene Version ihrer Vernichtung aufgedrückt habe.
Ich möchte jetzt nicht viel Spaß beim Lesen wünschen, doch ich werde euch im Anschluss an dieses Kapitel noch einmal in Empfang nehmen.
Bis dann...
55. Kapitel
Zweimal Hölle und zurück - das Tor (Teil 2)
Harry wusste, dass seine Nachricht wie eine Bombe einschlagen würde...in diese, scheinbar äußerst fragile Welt der beiden Menschen, von denen er niemals im Leben geglaubt hätte, dass sie einander lieben könnten.
"Ich habe heute ein Gespräch zwischen Charles Grant und einem der Wachmänner mitbekommen", begann Harry vorsichtig.
Sowohl Hermine, als auch Snape sahen ihn mit interessiertem Blick an, da sie ahnten, dass er es wohl nicht erwähnen würde, wenn es nicht von Wichtigkeit wäre.
Bevor Snape ihn ungeduldig anfahren konnte, fuhr Harry fort zu erzählen.
"Es ging um die Prophezeiung - sie soll fortgeschafft werden. Der Wachmann äußerte Zweifel, da das Ministerium der sicherste Platz wäre und man nirgendwo sonst besser auf sie Acht geben könnte, als in der Mysteriumsabteilung. Doch Grant wollte von all dem nichts hören. Er befahl ihm, die Kugel im Laufe des nächsten Tages, wenn er seinen normalen Dienst versah, und keinen Verdacht bei den Kollegen erregen würde, in sein Büro zu bringen und zu niemandem ein Wort verlauten zu lassen. Offenbar möchte Grant die Prophezeiung selbst in seinem Besitz haben. Mir ist nur nicht klar, zu welchem Zweck...er wird sie nicht öffnen können. Ich kann nicht sagen, ob der Minister seinen Segen dazu gegeben hat, aber eines ist klar, wenn Grant sie aus dem Ministerium schafft, dann werde ich nicht mehr an sie gelangen können. Die Prophezeiung enthält eine wichtige Information, die unser aller Zukunft betrifft - und Grant weiß davon!"
Hermine sah Harry völlig entgeistert an.
"Wie kommst du darauf?", fragte sie beinahe atemlos.
Harry lächelte nun ein schiefes Lächeln und sagte dann: "Ich habe meinen Tarnumhang benutzt und bin ihm in sein Büro gefolgt. Ich dachte, dass ich so vielleicht mehr über eure Prophezeiung erfahren könnte. Und dann sah ich, dass er so etwas wie eine eigene Phrophezeiung hatte. Eine, die Sequenzen aus der Zukunft zeigte, die er in dem Glauben betrachtete, allein zu sein. Ich habe so etwas noch nie zuvor gesehen."
"Was zeigte diese...Prophezeiung?", fragte Hermine matt.
Harry holte jetzt tief Luft, die er bekümmert entweichen ließ, ehe er zu erzählen begann:
"Sie zeigte Grant, wie er als Todesser dem Lord Informationen überbringt. Er ist etliche Jahre älter in dieser Sequenz die ich sah, und offensichtlich ist er ein gebrochener Mann. Nachdem er das Treffen der Todesser verlassen hat, trifft er sich mit einem Mann, der etwa um die Zwanzig sein muss. Dieser Mann hat ihn völlig in der Hand. Er beschimpft ihn und nennt ihn einen Mörder. Und tatsächlich nickt Grant zu alledem und lässt alles über sich ergehen. Er tat mir leid, als ich das sah, doch dann sagte er plötzlich etwas, das meine ganze Sichtweise änderte. "Wenn Ihr Vater mich nicht bekämpft hätte, wäre es nie soweit gekommen. Dann wäre ich nicht gezwungen gewesen, eine dauerhafte Rolle bei den Todessern einzunehmen - und Ihre Mutter würde heute noch leben. Geben Sie mir nicht die Schuld, Snape, dass Ihr Vater ein sadistisches Schwein war. Er hat es selbst zu verschulden, dass der tödliche Fluch Ihre Mutter traf. Und Sie...Sie bemühen sich redlich, in seine Fußstapfen zu treten."
"SIE haben meine Mutter getötet, nicht mein Vater", sagte der junge Mann kalt, dann richtete er seinen Zauberstab auf Grant, "und bevor der Lord heute endgültig fallen wird, durch MEINE Hand, werde ich dafür sorgen, dass Sie endlich bekommen, was Sie verdient haben."
"Ohne mich wären Sie nicht in der Lage gewesen, Ihren Plan durchzuführen und den Lord zu vernichten, Nathaniel, vergessen Sie das nicht!" Als er sah, dass der junge Mann sich davon nicht beeinflussen lassen würde, setzte er hilflos nach: "Ich habe Ihre Mutter geliebt!"
"Sie haben das Leben meiner Eltern zerstört! Glauben Sie, ich wüsste nicht, was Sie meiner Mutter bei den Treffen damals antaten? Sie war bereits mit mir schwanger, als Sie sie das erste mal vergewaltigten. Nichts anderes war es, auch wenn Sie die Rolle vorschieben, die sie beide zu spielen hatten. Das nennen Sie Liebe? Mein Vater hat nur das getan, was jeder wirklich liebende Mann getan hätte. Er wollte Sie bezahlen lassen - und Sie haben wie ein feiges Schwein meine Mutter als Schutzschild benutzt. Mein Vater musste mit ansehen, wie sein Fluch - der Ihnen galt - ihm das liebste nahm, was er im Leben hatte. Er war wie tot von diesem Zeitpunkt an. Und der beste Beweis dafür ist der, dass er sich widerstandslos nach Askaban bringen ließ. Sie haben das Leben meiner Eltern zerstört, von dem Moment an, als Sie das erste mal meine Mutter sahen! Sie wollten sie - um jeden Preis! All die Monate der Schwangerschaft über hat meine Mutter es ausgehalten, dass Sie immer wieder Ihre schmutzigen Finger an sie legten. Und als sie endlich aus der ganzen Geschichte raus war, da haben Sie ihr aufgelauert! Liebe, häh?", höhnte Nathaniel, "meine Mutter hatte keine Rolle mehr, die sie spielen musste, als Sie sich das letzte mal an ihr vergingen. Das zählte rein zu Ihrem 'Privatvergnügen'. Aber Sie haben nicht mit der Rache meines Vaters gerechnet...und er nicht mit Ihrem Willen, über Leichen zu gehen...selbst über ihre...selbst über die meiner MUTTER, Sie feiges Dreckschwein! Was war das für ein Gefühl, als Sie meine Mutter zwischen sich und den tödlichen Fluch meines Vaters zerrten? Tat es Ihnen leid um die 'Geliebte'?"
Grant duckte sich unter der Wut des jungen Mannes sichtlich.
"Ja - es tat mir leid...ich...ich habe sie geliebt!"
"Dann werden Sie sicher verstehen, dass Sie nun für Ihre Taten sterben werden. Sie haben Ihre Schuldigkeit getan, Grant. Ich werde heute den Lord töten - und Sie werde ich JETZT töten. Fahren Sie zur HÖLLE!"
Als der grüne Blitz aus Nathaniels Zauberstab zuckte, warf Grant die Prophezeiung gegen die Wand, so dass sie in tausend Stücke zersprang", schloss Harry schließlich.
Hermine hatte die Hand vor ihren Mund gelegt, um den stummen Schrei unkenntlich zu machen.
Harry erzählte von ihrem Kind! Das Kind, das sich gerade erst zu entwickeln begann! Ein Sohn von zwanzig Jahren, der ihren Tod rächen würde...und doch wäre es ein Fluch aus Severus' Mund, der ihr das Leben nehmen würde. Es war unglaublich von Nathaniel zu hören, der seinem Vater so ähneln würde. Die gleiche Wut, der gleiche Hang zur Rache. Und unweigerlich würde auch er einen tödlichen Fluch aussprechen, wie Severus...Severus...in Askaban!
Hermine nahm langsam die Hand vom Mund und blickte in die dunklen Augen des Mannes, den sie liebte.
"Wir können es verhindern...nun, da wir von all dem wissen", sagte sie schwach.
Harry hatte den Atem angehalten und abermals entstand der Wunsch in ihm, sich unsichtbar machen zu wollen.
Severus schüttelte sanft den Kopf, als widerstrebe es ihm, ihr zu widersprechen.
"Nein, wir können uns nicht sicher sein. Diese angebliche Prophezeiung von Grant ähnelt nichts, was ich was ich kenne. Es könnte eine Falle sein."
"Aber er wusste nicht, dass er nicht alleine war, als er sie betrachtete", warf Hermine ein.
"Dennoch wissen wir nicht, ob es tatsächlich die Zukunft ist, die er dort sah. Es würde vieles erklären, das ist unbestreitbar...deinen Tod von meiner Hand...doch Harrys Träume wiesen auf einen viel früheren Zeitpunkt deines Todes hin.Grant befürchtet offenbar, dass wir unsere eigene Prophezeiung lesen könnten...und genau das werden wir tun!"
Harry nickte, als hätte er genau das bereits erwartet.
"Es ist alles vorbereitet, Sir. Ich muss nur vor Ihnen im Ministerium sein, um Sie ungesehen hineinschleusen zu können."
Severus schickte Harry ein anerkennendes Lächeln.
"Gut", ließ er sich spröde vernehmen. Nun sah er wieder Hermine an und strich eine Haarsträhne hinter ihr Ohr. Sie schloss einen Moment die Augen, diese wohlige Berührung genießend, von der sie sich wünschte, dass sie sie einfach forttragen könnte...fort in eine andere Welt, in der kein Voldemort existierte - kein Grant - kein Orden.
Severus' Stimme holte sie in die Gegenwart zurück.
"Wenn es stimmt...wenn unser Sohn...Nathaniel...den Lord töten wird, dann ist klar, warum das Ministerium dieses Interesse an dir hegt."
"Dabei haben sie aber wohl eins nicht bedacht", erwiderte Hermine matt, "nämlich dass DU der Vater dieses Kindes bist."
Severus nickte, doch seine Worte sprachen eine andere Sprache: "Ich halte es durchaus für möglich, dass Grant glaubte, selbst der Vater dieses Kindes werden zu können, und damit sein eigenes Schicksal zu ändern. Das Ministerium hat schon lange Kenntnis darüber, dass du eine bedeutende Rolle spielen wirst. Meine Rolle ist wohl eher die eines unliebsamen Zwischenspielers. Ich glaube, dass Grant längst den Zaubereiminister davon überzeugt hat, dass ER der Vater deines Kindes wird.
"Zu spät", knurrte Hermine in einem für sie ganz und gar untypischen Tonfall.
Harry sah sie entgeistert an. Ihre offensichtliche Genugtuung wirkte erfrischend auf alle drei, die trotz des schrecklichen Blicks in die Zukunft über ihre trockene Feststellung schmunzeln mussten.
"Grants Zukunft hat sich jetzt bereits verändert", knurrte Snape plötzlich.
Hermine spürte regelrecht, wie er seinen sadistischen Vorstellungen freien Lauf ließ.
Wie zur Bestätigung dessen, sagte er: "Unser Sohn wird nicht in die Verlegenheit kommen, dieses dreckige Schwein töten zu müssen, denn das werde ich erledigen, sobald wir die Prophezeiung in den Händen halten. Vielleicht werde ich dafür schon eher nach Askaban kommen, als eigentlich vorgesehen, aber Nathaniel wird diese Schuld NICHT auf sich laden müssen."
"Das würde auch meine Zukunft ändern", erwiderte Hermine und kniff die Augen zusammen.
"Wir müssen die Prophezeiung erst haben Früher darf nichts geschehen, was die Zukunft beeinflussen könnte", sagte Harry in einem Tonfall, der sogar Snape einen anerkennenden Blick entlockte.
"Wann müssen wir aufbrechen?", ließ sich Hermine plötzlich vernehmen und kaute an ihrer Unterlippe.
Severus zog unwillkürlich die Augenbrauen zusammen, als so deutlich wurde, dass Hermine über etwas nachdachte.
"Was hast du vor?", fragte er fordernd.
"Ich muss nur kurz in meine Wohnung. Ich erkläre es dir später. Die Zeit eilt! Vertrau mir bitte einfach!"
Severus schien abzuwägen, ob er dazu im Stande sein würde. Schließlich nickte er knapp und sagte: "Wir treffen uns am besten direkt in London. Es gibt eine Muggelbuchhandlung, nicht weit vom Ministerium..nur zwei Ecken weiter..."
"Kenne ich", erwiderte Hermine sofort.
"Wie kommt es, dass mich das jetzt kaum verwundert", warf Harry ein.
"Gut, dann treffen wir uns in einer Stunde dort", erwiderte Severus, "sei vorsichtig", setzte er nach.
Hermine konnte kaum glauben, dass es sie gehen ließ. Insgeheim hatte sie mit einem weiteren Kampf gerechnet. Als sie an der Tür war, sah sie sich noch einmal, von den beiden Männern unbemerkt, um. Ihr fiel auf, dass sie bereits in ein leises Gespräch vertieft waren, das Harrys Gesichtszüge überaus ernst hatten werden lassen. Hermine schoss der Gedanke durch den Kopf, dass sie genauso wirkten, wie damals im Fuchsbau, als Severus Harry eindringlich gebeten hatte, dass er etwas für ihn erledigen sollte. Sie sah noch heute Severus Lippen, die ein "Sie müssen es schaffen", bildeten, vor sich. Und auch jetzt schien er etwas von Harry zu fordern. Hermine spürte plötzlich, dass genau dies der Grund war, warum Severus sie so willig hatte gehen lassen. Für einen Moment zögerte sie, und war versucht, zu den beiden zurückzukehren, doch ihr eigener Plan riss sie aus dieser Starre. Was auch immer Severus von Harry forderte, sie würde es erfahren, wenn die Zeit gekommen wäre...die Zeit, schoss es ihr durch den Kopf, und abermals wiederholte sie das Wort in Gedanken, während ihr Herz plötzlich bis zum Halse schlug. Die Zeit war schon einmal ihr Verbündeter gewesen. Und sie würde es vielleicht wieder sein, selbst, wenn es dem Gesetz widersprach. Es gab kein Gesetz mehr, das sie aufhalten konnte. Was immer auch geschehen würde, es klang nicht so, als sollte man zimperlich sein, Gesetze zu brechen, die das Ministerium erlassen hatte.
ooooooooooooooooooooooooooooo
Hermine hatte das Buch seit Jahren nicht mehr angerührt. In schwarzen Lettern prangte die Aufschrift 'Des Megalodons Glückseligkeit' darauf.
Hermine hatte stets bezweifelt, dass ein gigantischer Räuber wie das Megalodon etwas wie Glückseligkeit empfinden konnte. Diese Biester waren Killer, die schon von Natur aus nicht in der Lage waren, etwas zu empfinden. Und doch kam es ihr in diesem Moment wie der blanke Hohn vor, dass sie ausgerechnet dieses Buch vor Jahren als Versteck auserkoren hatte.
Sie schlug es in der Mitte auf und lächelte leicht, als sie den Inhalt erblickte. Der Zeitumkehrer hatte all die Jahre dort überdauert. Er hatte sich dem gefügt, über das er diese unendliche Macht hatte - der Zeit!
Vorsichtig fasste sie nach der Kette und hob den Anhänger aus den ausgestanzten Seiten heraus. Das verschlossene Buch hatte ihn vor Staub geschützt, und so funkelte er in glänzendem Gold, das beinahe schon Arroganz ausstrahlte.
Hermine wusste, dass sie hier ein Artefakt in den Händen hielt. Sie vermutete zwar, dass in schwarzmagischen Kreisen ebenfalls Zeitumkehrer vor der Vernichtung bewahrt wurden waren, doch gab es bisher noch keine Anzeichen dafür, dass dem wirklich so war.
Vielleicht war es jedoch auch so, dass sie tatsächlich die einzige Person war, die es geschafft hatte, eines dieser kostbaren, wenn auch äußerst gefährlichen Instrumente, zu bewahren. Vermutlich glaubte Dumbledore heute noch, dass er im Zuge der ministerialen Bestimmung vernichtet worden war. Ein glücklicher Umstand hatte sie damals jedoch in die Lage versetzt, dem Ministeriumsangestellten mit einem Lächeln ein leeres Kästchen zu überreichen. Er hatte es nicht geprüft, da Peeves - der einzige, der nicht einmal offizielle Mitarbeiter der Regierung verschonte - ihn in einen Papierwust aus gesetzlichen Bestimmungen gewickelt hatte, die dem Mann schier die Luft abzuschnüren drohten.
Hermine hatte mittels ihres Zauberstabes das endlos lange Papier entfernt, das zudem lauthals Paragraphen herausgeschrien hatte.
So würdevoll wie möglich hatte der Regierungsbeamte sich danach entfernt. Hermine hatte nie wieder von ihm, oder von einem gesuchten Zeitumkehrer gehört - und sie hatte Peeves einen stillen Dank ausgesprochen, den der Poltergeist vermutlich ohnehin nur mit einem boshaften Schabernack vergolten hätte.
Der Gedanke war merkwürdig, einem notorischen Unruhestifter auch heute noch so viel zu verdanken. Doch so manches lief im Leben einen absolut merkwürdigen und unerwarteten Gang.
Unwillkürlich musste sie daran zurückdenken, welche unerwartete Entwicklung ihre Begegnung mit Severus genommen hatte, nachdem sie ihn damals, rein zufällig bei ihrem Besuch in der Buchhandlung getroffen hatte. So vieles war seitdem geschehen. Sie hatte sich verwandelt - ER hatte sie verwandelt!
In diese Gedanken versunken legte sie die Kette um ihren Hals und verbarg den machtvollen Anhänger unter ihrer Bluse. Von nun an würde sie ihn bei sich tragen, wann immer es möglich war, denn wenn Grants merkwürdige Prophezeiung tatsächlich ihre Zukunft zeigte, dann würde sie nicht eine Sekunde lang zögern, sie zu ändern!
ooooooooooooooooooooooooooooooooooo
Der Regen zeichnete ein graues Bild von Londons Straßen. Die Lichter der Laternen spiegelten sich in Pfützen, deren Oberflächen von feinen Tropfen immer wieder zum Erzittern gebracht wurden.
Die Reflexion der Neonreklame der Muggelbuchhandlung ergoss sich in leuchtendem Rot auf die nasse Straße. Hermine stand da und zog ihre Jacke enger um sich. Severus ließ sie warten - das beunruhigte sie. Jedes vorbeifahrende Auto schien ein Spiel mit ihr zu treiben, indem es eine große Wasserlache dazu brachte, sich kurz vor ihren Füßen auf den Bordstein zu ergießen. Hermine wich einen Schritt zurück und stieß einen kleinen Schrei aus, als jemand sie berührte.
Sie fuhr herum, bereit, Severus zu fragen, warum er so lange gebraucht hatte - doch es war nicht Severus, der sie am Arm fasste und ihr eindringlich in die Augen sah.
"Sind Sie schwanger, Hermine?", fragte der Mann und seine Hand schloss sich so fest um Hermines Arm, als wolle er die Antwort durch diese Geste aus seinem Gegenüber herausquetschen.
Als Hermine nicht antwortete, fuhr Grant - der die Gestalt von Deeping hatte - sie wesentlich lauter an: "Sind Sie von diesem sadistischen Hurensohn schwanger? Bekommen Sie ein Kind von diesem brutalen Dreckschwein?"
Hermine sah die blanke Wut in seinen Augen - und noch etwas, das ihr ein tiefes Gefühl von Genugtuung gab - Grant hatte Angst!
Ehe sie etwas erwidern konnte, grollte Severus' Stimme hinter ihnen, die Charles immerhin dazu brachte, seinen Griff etwas zu lösen.
"Wie kommen Sie hier her, Grant?"
Eine Sekunde später hatte Severus den anderen Mann am Hals gepackt und drückte bereits besorgniserregend auf dessen Kehlkopf.
Grant gab ein krächzendes Geräusch von sich, und versuchte Severus' Hand von seinem Hals zu lösen, indem er Hermine los ließ und seine Finger in die Handrücken seines Peinigers krallte, um sie fortzuzerren. Severus löste seinen Griff gerade so weit, um Grant die Gelegenheit zum Sprechen zu geben.
"Lassen Sie mich los, Snape!"
Severus stieß ihn plötzlich von sich, was Grant taumeln und schließlich gegen die Schaufensterscheibe der Buchhandlung prallen ließ. Er griff an seinen Hals und starrte Snape aus weit aufgerissenen Augen an, während die rechte Hand unter seinem Mantel verschwand.
Doch ehe er den Zauberstab gezückt hatte, war Snape bereits erneut bei ihm und drückte ihm den seinen unbarmherzig an die gerötete Kehle.
"Ich frage das jetzt ein letztes mal - wie kommen Sie hier her? Woher wussten Sie, dass dies unser Treffpunkt war? Ich kenne eine Millionen Gründe Sie zu töten, und nur einen einzigen, es nicht zu tun - ich will Informationen! Reden Sie, oder sterben Sie! Los, raus damit, oder ich verteile Ihre Eingeweide auf dem Gehweg", sagte Severus plötzlich ruhig.
"Das würde Ihnen gefallen, nicht wahr Snape? Erinnert es Sie daran, wie Sie den echten Deeping töteten?" Grant sah nun an dem Mann vorbei, der ihn festhielt. "Sehen Sie, Hermine...er wird sich nie ändern...er ist ein Sadist, ich sagte es Ihnen...ich sagte es Ihnen!"
Hermine hörte den leichten Triumph, den Grants Stimme beinhaltete, obwohl er offensichtlich tatsächlich um sein Leben bangte.
Sie schritt langsam auf die beiden Männer zu und dicht neben Grants Gesicht sagte sie schließlich: "Er wird sie nicht töten, Grant...nicht bevor ICH mit Ihnen fertig bin!! Mit diesen Worten schnellte ihre Hand in seinen Schritt und drückte ihren Fund äußerst unsanft zusammen.
Charles Grant stieß einen Schrei aus, und Severus musste ihn fest gegen die Schaufensterscheibe drücken, um ihm weiterhin den Zauberstab effektiv an die Kehle halten zu können.
"Entschuldige bitte", sagte Hermine ruhig zu Severus, der sie überrascht ansah. Grants Schrei ebbte zu einem schmerzerfüllten Stöhnen ab.
"Ich kann ihn noch ein wenig so halten", sagte Severus und deutete mit dem Kopf eine einladende Geste an.
"Nein!", ließ Grant sich vernehmen und sah flehentlich zu Hermine. "Nein, bitte...verstehen Sie doch...Hermine...ich...liebe...Sie!", brachte stockend heraus.
"Das reicht!", fuhr Severus ihn an, "ich gebe Ihnen jetzt die allerletzte Möglichkeit mir meine Frage zu beantworten!"
Grant versuchte immer noch Hermines Blick einzufangen, doch schließlich gab er auf und fauchte Snape an: "Glauben Sie, Sie haben gewonnen, Snape? Denken Sie wirklich, dass ich alleine hier wäre?"
Severus konnte hören, wie Hermine plötzlich einen erschreckten Laut von sich gab. Langsam wandte er den Kopf und erkannte, wie aus dem Dunkeln eine Gruppe von Leuten auftauchte. Angeführt wurden diese Menschen von einem Mann in Priestermonitur. Der weiße Kragen leuchtete unter einem schwarzen Mantel hervor, den Berenger zum Schutz gegen den Regen trug.
Er selbst blieb völlig ruhig und betrachtete die Lage nur, während sich einige Männer aus der Gruppe lösten und auf Severus zustürzten. Hermine kam es völlig unwirklich vor, die Gruppe an einem anderen Ort, als im Hause des Paters anzutreffen.
Innerhalb von Sekunden befand auch sie sich in der Gewalt zweier Frauen, die ihr schmerzhaft die Arme auf den Rücken drehten. Hermine sah, wie Grant Severus etwas zuraunte und dieser daraufhin einen Blick zu ihr warf, um schließlich ergeben den Zauberstab fallen zu lassen.
"Sie wollten gerne wissen, woher ich von diesem Treffpunkt wusste", ließ sich Grant jetzt jovial vernehmen, da Severus entwaffnet war. Lässig hob er den Stab vom Boden auf und erklärte ruhig: "Ich habe Ihren Freund Potter beobachtet. Glauben Sie wirklich, dass jemand vom Orden sich unbeobachtet all die Zeit über im Ministerium aufhalten kann? Er sollte mitbekommen, dass ich die Prophezeiung fortschaffen lassen wollte, und es war nicht schwer zu erraten, dass Sie sie noch heute Nacht holen wollten. Alles was ich tun musste, war, die Augen offen zu halten. Sie haben Hermine lange hier warten lassen...warum, Snape?"
"Weil ich noch etwas zu erledigen hatte", knurrte Severus ihn an.
"Und was war das?", fragte Grant interessiert, doch Severus schüttelte nur stumm den Kopf, während sein Blick auf Hermine lag.
Die Männer hielten ihn fest, als würden sie auf einen Befehl warten. Berenger derweil schritt auf Hermine zu und fing ihren Blick ein, indem er ihr Kinn fasste.
"Miss Holten, Sie haben uns beim letzten mal etwas stürmisch verlassen. Sie wollten einen Verräter zur Rechenschaft ziehen - handelt es sich dabei um diesen Mann?", damit deutete er auf Severus. Hermine schüttelte den Kopf, doch Grant antwortete statt ihrer: "Ja, das ist der Mann! Er betrügt den Lord...er gibt sich als einer seiner treuen Gefolgsleute aus, doch in Wahrheit spioniert er ihn aus."
"Nein!", schrie Hermine, als sie sah, wie die Männer, die Severus bislang nur festgehalten hatten, damit begannen, ihn mit Fäusten zu traktieren.
Wie aus der Ferne nahm sie wahr, wie Berenger fragte: "Gehört SIE zu uns, oder ist sie ebenfalls eine Verräterin, Peter?"
"Er ist nicht Peter Deeping!", schrie Hermine verzweifelt, doch sie wusste, dass man ihr nicht zuhören würde.
Severus gab keinen Laut von sich, doch die Schläge wurden härter, wie eindeutig zu hören war.
"Sie ist eine von uns...er muss sterben, dann gehört sie wieder ganz zu uns - sie ist mein!", sagte Grant und gab den Männern jetzt grünes Licht, die bislang nur auf Severus eingeschlagen hatten um ihn zu verletzten, doch nun wurden ihre Schläge brutal und sehr viel gezielter.
Hermine begann zu schreien und immer wieder rief sie Severus. Er fing plötzlich ihren Blick auf und seine Worte hallten wie Donnerschlag in ihrem Kopf, als er mit letzter Kraft in ihren Geist eindrang.
"Ich habe dir ein Versprechen gegeben - alles wird gut, Hermine. Vertrau mir...wir haben einen Verbündeten, der dir helfen wird. Du musst den Weg alleine gehen, bis zu ihm...er wird dich in Empfang nehmen...er wird alles in Empfang nehmen, was mir etwas bedeutet hat...hol die Prophezeiung!", weiter kam er nicht, da eine Faust seinen Kopf traf und so hart gegen seine Schläfe schmetterte, dass er zu taumeln begann.
"Tötet ihn!", ließ Grant sich ekstatisch vernehmen und stieß Severus zu Boden. Hermine versuchte sich zu befreien um zu ihm zu eilen, doch auch sie wurde festgehalten, obwohl man sie nicht schlug, da Grant sich für sie ausgesprochen hatte.
Immer wieder trafen Severus jetzt schwere Tritte. Hermine schrie unentwegt, doch niemand schien von ihr Notiz zu nehmen. Absolut niemand und nun erkannte sie, dass Grant seinen Zauberstab verborgen hielt, damit keiner der anderen Mitglieder um Berengers Gruppe ihn sehen konnte. Doch sie erkannte, dass er wohl einen Zauber über sie verhängt haben musste, der dafür sorgte, dass kein Muggel durch ihr Schreien aufmerksam wurde und ihr niemand zur Hilfe eilte.
Severus blutete inzwischen stark aus einer Kopfwunde und sein Blut vermischte sich mit der großen Pfütze, vor der Hermine noch vor einigen Minuten beinahe spielerisch zurückgewichen war. Das war zu dem Zeitpunkt gewesen, als sie noch gedacht hatte, dass alles gut werden könnte. Die Straße war nun seltsam leer und sie wusste, dass auch hier ein Zauber am Werke war.
Immer wieder erklang das dumpfe Geräusch von Tritten, die auf einen fast schon reglosen Körper trafen - Hermine starb mit jedem Geräusch innerlich ein Stückchen mehr. Berengers Männer ließen nicht von Severus ab. Hermine versuchte sich von den Frauen loszureißen, die sie festhielten, was dazu führte, dass man sie nun doch ebenfalls schlug. Ein Fausthieb traf sie in den Magen, und sie dachte in Panik an das Kind, als Sterne vor ihren Augen tanzten.
Grant hatte gerade den Mund geöffnet, um ihren Peinigerinnen Einhalt zu gebieten, als plötzlich etwas über sein Gesicht huschte. Und als der nächste Schlag Hermines Unterleib traf, da schwieg er und sah weg.
Hermine liefen die Tränen unaufhaltsam übers Gesicht. Severus rührte sich inzwischen nicht mehr. Sein Körper lag wie zerbrochen auf dem Gehweg und von seinem Kopf aus strömte ein blutiges Rinnsal in verschiedenen Richtungen davon.
Ein weiterer Schlag ließ Hermines Welt in einer Welle aus Schmerz versinken.
"Das reicht!", herrschte Grant schließlich die Frauen an, als er sah, dass Blut wie ein roter Faden aus Hermines Mundwinkel lief.
Die Frauen ließen von ihr ab und Hermine horchte verzweifelt in ihren Körper, während sie zu Severus sah, der reglos da lag.
Plötzlich hob er noch einmal mit letzter Anstrengung den Kopf und flüsterte kraftlos: "Ich werde dafür sorgen, dass sie dich nicht ebenfalls töten." Er versuchte sich noch einmal zu erheben und murmelte Worte, die Hermine nicht verstand. Dann brach er endgültig zusammen. Einer der Männer drehte seinen Körper mit dem Fuß um, so dass die geliebten Augen leblos in den dunklen Himmel starrten
Severus Snape war tot.
ooooooooooooooooooooooooooooo
Die Welt hatte kein Oben und kein Unten mehr. Sie hatte keine Farben und sie war nicht schwarz-weiß. Es gab weder Licht noch Dunkelheit. Nichts! Es gab absolut nichts mehr.
Hermine brauchte niemanden, der ihr bestätigte, dass der Mann, den sie liebte, tot war.
Sie wusste es, weil die Welt nicht mehr existierte.
Was immer Severus für einen Zauber gesprochen hatte, es fühlte sich nicht so an, als würde Hermine noch leben.
Und doch stand die Welt für einen Moment still. Einen Moment, von dem Severus erwartete hatte, dass sie ihn nutzte! Er hatte ihr einen Befehl gegeben, und sie hatte zu gehorchen, schoss es ihr durch den Kopf. Er hatte ihr aufgetragen, die Prophezeiung zu holen. Er hatte noch viel mehr gesagt als das, aber es ergab keinen Sinn. Nichts ergab mehr Sinn...aber sie rannte! Hermine rannte los, als sie begriff, dass Severus diesen letzten Fluch genutzt hatte, um ihre Gegner für einen winzigen Moment zu lähmen. Sie rannte und hörte im gleichen Moment, wie wieder Leben in ihre Peiniger kam.
Grant fluchte laut, doch Hermine zog im Laufen ihren Zauberstab und feuerte auf ihn. Aus dem Augenwinkel sah sie, wie Berenger herumwirbelte und in die entgegengesetzte Richtung verschwand. Sie hatte keine Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, denn schon bald würde ihr die ganze Meute folgen. Und so rannte sie um die Ecke und hechtete die Straße hinunter, während in ihrem Kopf immer noch die Schläge zu hören waren, die Severus Körper malträtiert hatten. Sie sah immer noch sein Blut vor sich, das sich auf die Straße ergoss, als wäre es nicht weiter von Belang, das damit das Leben aus ihm herausströmte. Er war tot! Hermine spürte, wie ihre Beine weich wurden, doch sie riss sich zusammen. Severus wollte, dass sie ins Ministerium lief. Harry wartete dort auf sie. Er würde sie in Empfang nehmen...er würde alles in Empfang nehmen, was Severus etwas bedeutet hatte - diese Worte wirbelten wie Rauchschwaden durch ihren Kopf.
Hermine rannte. Sie war gerade um die zweite Ecke, als sie das Ministerium vor sich sah. Sie musste nur noch die Straße kreuzen. Am Rande nahm Hermine wahr, dass die Fußgängerampel gerade auf grün schaltete, und sie lief - getrieben von Severus Wunsch - von seinem letzten Befehl!
Hermine hatte die Straße gerade zur Hälfte überquert, als wie aus dem Nichts Scheinwerfer auf sie zurasten. Ein schwarzer Mercedes bog um die Ecke und hielt auf sie zu. Als sie den Fahrer erkannte, wusste sie, dass sie Severus' Befehl nicht mehr würde ausführen können. Sie würde von Berengers Wagen erfasst werden, während der Pater zweifellos glaubte, sie für ein höheres Ziel zu töten. Mit einer unglaublichen inneren Ruhe erfasste Hermine all das, während ihr Körper noch lief und sich zu wehren suchte. Für Berengers Begriffe hatte sie sich auf die Seite des Verräters geschlagen und der Trank, der sie an den Lord hatte binden sollen, hatte versagt - es war eine logische Entscheidung seinerseits, sie zu töten. Und während sie das Aufheulen des Motors hörte, griffen ihre Hände nach der Kette. Noch während das Auto sie erfasste, schlossen ihre Finger sich um den goldenen Anhänger. Der Aufprall war unbeschreiblich. Hermine wurde durch die Luft geschleudert. Ihre Haut wurde an unzähligen Stellen aufgerissen. Knochen splitterten und die Welt wurde endgültig schwarz.
Der Zeitumkehrer aber drehte sich durch die Wucht des Aufpralls so schnell um sich selbst, dass die Zeit völlig aus den Fugen geriet. Und als die Reifen ihn plötzlich zermalmten, da wurde seine Wirkung so abrupt zerstört, dass die letzten Minuten nicht ausradiert wurden, doch der Rest - all die letzten Monate waren einer neuen Realität gewichen. Sie entstanden neu, von dem Moment an, als Hermine in ihren tiefen, totähnlichen Schlaf sank. Es gab nur einen Menschen, dem die Wirkung des Zeitumkehrers nichts anhaben konnte, denn er unterlag einem Zauber, der so mächtig war, dass es Severus beinahe all seine Kraft gekostet hatte, diesen Zauber über diesen Menschen zu sprechen. Severus hatte danach ungewöhnlich lange gebraucht, bis er wieder stark genug gewesen war, um schließlich nach London zu apparieren.
Der Empfänger des Zaubers hingegen hatte beinahe befürchtet, dass die Zeit der Vorbereitung nicht mehr ausreichen würde.
Doch sie hatte ausgereicht, und nun wartete er.
Er wartete.
Doch er wartete vergeblich.
Hermines Herz hatte aufgehört zu schlagen.
Es war nur Severus' Zauber, der sie noch in der Zwischenwelt hielt. Doch der Zauber war so machtvoll wie derjenige gewesen war, der ihn ausgesprochen hatte.
Sie würde ins Leben zurückkehren...wenn der Zeitpunkt gekommen war.
Zwei Passanten eilten ihr wenig später zur Hilfe, als die Welt sich wieder normal zu drehen begann. Es waren zwei Muggel, die keinerlei Ahnung davon hatten, dass sich ihnen direkt gegenüber ein Zaubereiministerium befand - die kein Wissen darüber hatten, dass es eine Welt gab, in der Zauberer existierten und dafür sorgten, dass das ganze Zeitgefüge verändert worden war.
Doch diese beiden Muggel sorgten dafür, dass die junge Frau schnellstmöglich in ein Krankenhaus gebracht wurde - auch wenn sie Familie und Freunden später geschockt erzählten, dass sie kaum glaubten, dass sie diesen schrecklichen Unfall überleben würde.
oooooooooooooooooooooooooooooo
Die Erinnerungen verblassten und statt dessen tauchte die eisige Landschaft wieder vor Hermines Augen auf. Doch diesmal währte dieses Bild nicht lange, und sie kehrte endgültig zurück.
Einen Moment lang war Hermine schwindelig und sie schloss die Augen, auf ihren eigenen Atem lauschend - in ihren Ohren dröhnte es.
"Ich werde mich jetzt ganz langsam aus deinen Gedanken zurückziehen", hörte sie Snapes Stimme in Gedanken.
Ihre erste Reaktion war ein mental geschrienes: "Nein! Bleib bei mir!"
"Das sind nur die Nebenwirkungen", raunte er ihr zu, "es geht schnell vorüber - hab keine Angst! Du bist nicht allein, auch wenn es sich für einen Moment schrecklich anfühlen wird, wenn ich mich jetzt aus deinem Erinnerungen löse. Du weißt, dass dein Geist alleine existieren muss. Ich werde nun die Trennung vollziehen.'
Abermals fühlte es sich an, als würde er sterben - als würde sie sterben - als starben sie im gleichen Augenblick.
Und dann öffnete sie die Augen. Er war nun nicht mehr in ihren Gedanken, doch er saß ihr gegenüber. Mit ernstem Blick sah er sie an.
Hermine versuchte zu sprechen, doch es gelang ihr nicht. Zu viel Zeit war scheinbar vergangen, seit sie zum letzten mal wirklich gesprochen hatte - und doch waren in Wahrheit nur wenige Minuten zwischen ihrer gedanklichen Verschmelzung und dem jetzigen Zeitpunkt verronnen.
Tausende von Fragen schossen Hermine durch den Kopf. Sie würde sie stellen, und sie erkannte, dass er ihr antworten würde, doch in diesem Moment war ihr Kopf leer.
Sie empfand immer noch den verheerenden Verlust durch Severus' Tod, und dieser Verlust vermischte sich nun - da er lebend vor ihr saß - mit dem Verlust, den sie empfand, weil ihre gemeinsame Vergangenheit nicht mehr existierte.
tbc
Mit diesem Kapitel kehren wir nun also wieder in die Gegenwart zurück.
Es gibt noch viele Fragen zu klären - es gibt noch so vieles zu berichten und ich bin noch lange nicht am Ende...ich wollte nur gerne, dass ihr das an dieser Stelle wisst, und ich freue mich darauf, zu diesem Kapitel ganz viele Rückmeldungen zu erhalten, denn es war das schwierigste, das ich je schrieb!
Eure Kira
